Der neue Landdoktor 62 – Arztroman - Tessa Hofreiter - E-Book

Der neue Landdoktor 62 – Arztroman E-Book

Tessa Hofreiter

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Beschreibung

"Der neue Landdoktor" zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um "Das Chateau", die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit "Der neue Landdoktor" geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.

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Der neue Landdoktor – 62–

Nichts für die Ewigkeit?

Britta war ja nur Gast im Dorf

Tessa Hofreiter

Bergmoosbach lag in einem weiten Tal am Fuße der Allgäuer Alpen. Das Dorf mit seinen restaurierten historischen Häusern, den weiten Wiesen und Feldern war ein beliebter Urlaubsort. Der zwischen sanften Hügeln eingebettete See mit seinem türkisfarbenen Wasser, dem Wildbach, der sich über einen Bergkamm in eine Klamm stürzte und ins Dorf hinunterrauschte, die Burgruine, die Wälder und das Moor mit seiner außergewöhnlichen Pflanzenwelt: Bergmoosbach hatte seinen Gästen viel Abwechslung zu bieten.

Auch der alljährliche Wanderwettbewerb, eine Veranstaltung unter der Leitung des Bergmoosbacher Alpenvereins, hatte in diesem Jahr wieder viele Teilnehmer angelockt. Bei den Seefelds war der Wettbewerb, wie in jedem Jahr, ein besonderes Thema. Das Wartezimmer in der Praxis des Bergmoosbacher Landarztes war zu dieser Zeit noch voller als sonst, da einige Teilnehmer kurz vor dem Wettbewerb das eine oder andere Wehwehchen behandeln ließen.

Das Haus der Seefelds lag gleich am Ortseingang, wenn man aus Richtung Mainingberg, der Nachbargemeinde, kam. Das weiße Gebäude mit den roten Dachschindeln stand auf einem sanft ansteigenden Hügel, und die mintgrünen Fensterläden waren schon von weitem zu sehen. Die prächtige alte Ulme im Hof beschattete gleichzeitig den Eingang des Hauses und den der Praxis, die in einem hell verklinkerten Anbau untergebracht war. Eine Treppe führte an der Wiese vorbei durch den Steingarten hinauf zur Terrasse.

Wie immer um die Mittagszeit, wenn das Wetter es zuließ, stand die Tür offen.

»Nimmt Herr Küster, dein Sportlehrer, in diesem Jahr auch wieder am Wanderwettbewerb teil?«, wollte Trau­del, die gute Seele im Hause Seefeld, von Emilia wissen, als sie an diesem sonnigen Spätsommertag eine Woche vor dem Wettbewerb in die Küche kam, um sich an den gedeckten Mittagstisch zu setzen.

»Ich glaube nicht, ihm geht es in letzter Zeit nicht so gut, deshalb habe ich ihm gerade heute erst geraten, dass er mal in Papas Sprechstunde geht«, sagte das Mädchen, dessen helle graue Augen in einem wundervollen Kontrast zu seinem rotbraunen Haar standen.

»War er denn bisher noch bei keinem Arzt?« Die rundliche Traudel pustete ihre grauen Löckchen aus dem Gesicht, zog die Küchenschürze aus, die sie über ihrem hellblauen Dirndl getragen hatte, und setzte sich zu Emilia an den Tisch.

»Lecker, Krautwickel mit Kräutersoße und Petersilienkartoffeln. Welch ein köstlicher Duft nach Senf, Majoran und Kümmel«, schwärmte Emilia und schaute auf die weißen Porzellanschüsseln, die auf dem Tisch standen.

»Was ist jetzt mit Herrn Küster, Spatzl? Hat er keinen Hausarzt?«, hakte Traudel nach.

»Ach so, ja, Herr Küster. Da er in den letzten Monaten öfter krankgeschrieben war, hat er vermutlich einen Arzt. Aber so, wie es aussieht, findet er wohl nicht den richtigen Weg, um ihm zu helfen. Als ihm vorhin in der Sportstunde wieder mal schwindlig wurde, habe ich ihm gesagt, dass Papa ein super Diagnostiker ist.«

»Ein super Diagnostiker? Das klingt nach Superheld«, entgegnete Sebastian Seefeld lachend, der in diesem Moment in die Küche kam.

»Stimmt, du hast etwas von einem Superhelden«, erklärte Emilia mit ernster Miene.

»Ich bin aber weder Superman vom Planeten Krypton, der die Erde retten wird, noch bin ich Batman, der in Gotham City auf Verbrecherjagd geht, oder einer der vielen anderen Helden, die das Gute in der Welt beschützen wollen.« Sebastian hatte bereits in der Praxis seine weiße Hose und das weiße Hemd gegen Jeans und Pulli getauscht und konnte sich gleich zu seiner Tochter und Traudel an den Tisch setzen.

»Für mich bist du ein Superheld. Ich bin deine Tochter, Papa. Du tust doch all diese Dinge für mich, die Superhelden so tun. Du beschützt mich, du verteidigst mich, du bist immer da, wenn ich dich brauche.«

»Hast du auch einmal so über mich gedacht, Sebastian?«, fragte Benedikt Seefeld, der den Vormittag auf dem Golfplatz verbracht hatte und über die Terrasse hereingekommen war. Er hatte schmunzelnd zugehört, welches Kompliment seine Enkelin seinem Sohn gerade gemacht hatte.

»Ehrlich gesagt, als Superheld habe ich dich nicht gesehen, aber du warst immer für mich da, wenn ich dich gebraucht habe, und du hast Traudel ins Haus geholt. Etwas Besseres hättest du nach Mutters Tod nicht für mich tun können«, versicherte Sebastian seinem Vater.

Seine Mutter war bei seiner Geburt gestorben, und Traudel, ihre Cousine und beste Freundin, hatte ihr versprochen, sich um ihn zu kümmern. Sie hatte ihm ihre ganze Liebe geschenkt und es nie versäumt, ihm von seiner Mutter zu erzählen. Sie hatte es verstanden, sie ihm so nahe zu bringen, dass er inzwischen das Gefühl hatte, sie gekannt zu haben.

»Traudel ist eben die allerbeste Mamomi auf der ganzen Welt«, sagte Emilia und kreierte, wie es Teenager in ihrem Alter gern taten, ein Kunstwort aus Mama und Omi.

»Mei«, seufzte Traudel, die so berührt von Sebastians und Emilias Worten war, dass sie mit den Tränen kämpfte.

»Wuff«, machte Nolan und lugte unter dem Tisch hervor, seinem Lieblingsplatz, sobald die Familie sich zum Essen dort versammelte.

»Seht ihr, unsere Superspürnase, der allerliebste Hund des Universums, stimmt auch zu«, verkündete Emilia und streichelte über den wuscheligen Kopf des Berner Sennenhundes.

»Gut, nachdem das nun mit den Superhelden und Superkräften geklärt ist, sollten wir uns dem Essen widmen, sonst wird es nichts mit dem Supergeschmack, weil es dann kalt ist«, erklärte Traudel, die sich wieder gefangen hatte.

»Ich stelle nur meine Tasche ab und wasche mir die Hände, dann bin ich bei euch«, sagte Benedikt und trug seine Golftasche in die Diele.

»Du hast also deinem Sportlehrer geraten, meine Sprechstunde zu besuchen«, kam Sebastian wieder auf den Ausgangspunkt des Gespräches zurück, als sich auch Benedikt zu ihnen gesetzt hatte und das Essen auf den Tellern verteilt war.

»Ich denke halt, dass er Hilfe braucht, sie aber nicht wirklich bekommt«, antwortete Emilia.

»Aber du weißt schon, dass ich im Gegensatz zu den Superhelden nicht unfehlbar bin?«

»Klar weiß ich das, aber du hast ein ausgezeichnetes Gespür, wenn es darum geht, die Ursache für die Beschwerden deiner Patienten zu finden. Das ist einfach Fakt, Papa«, erklärte Emilia voller Überzeugung.

»Ja, das ist Fakt«, stimmte Traudel ihr lächelnd zu und auch Benedikt nickte zur Bestätigung, dass auch er mit Emilias Einschätzung einverstanden war.

»Danke für euer Vertrauen«, antwortete Sebastian und sah lächelnd in die Runde.

»Immer wieder gern«, entgegnete Emilia und klopfte ihrem Vater auf die Schulter.

»Hallo, zusammen, ich wünsche euch einen guten Appetit«, sagte die junge Frau in dem hellroten Leinenkleid, die über die Terrasse in die Küche kam. Sie hatte langes braunes Haar, strahlend grüne Augen, und ihr erster Blick galt Sebastian.

»Hallo, Anna, setz dich zu uns. Oder hast du schon gegessen?«, fragte Traudel Anna Bergmann, die seit einiger Zeit mit Sebastian zusammen war.

»Nein, noch nicht. Ich komme gerade aus Augsburg.«

»Wie war der Vortrag in der Hebammenschule?«, wollte Sebastian wissen, nachdem Anna ihn mit einer zärtlichen Umarmung begrüßt hatte.

»Sie haben alle aufmerksam zugehört und anschließend Fragen gestellt. Ein gutes Zeichen dafür, dass sie sich wirklich für das Thema interessiert haben.«

»Es ging doch um die Frage, ob Hausgeburten generell von einem Arzt begleitet werden sollten, richtig?«, fragte Traudel, während sie einen Teller und Besteck für Anna holte.

»Ja, genau darum ging es. Es ist ein schwieriges Thema. Manche Hebammen sind inzwischen verunsichert. Trotzdem sind die meisten davon überzeugt, dass eine Hausgeburt durchaus noch zeitgemäß ist. Ein Arzt sollte allerdings im Notfall schnell erreichbar sein. Nicht überall funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Hebamme so gut wie bei uns. Ich weiß, dass Sebastian mir sofort beisteht, wenn ich Hilfe brauche.«

»Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die von unserer Zusammenarbeit nicht gerade schwärmen, da ich kein Gynäkologe bin«, sagte Sebastian.

»Die haben doch keine Ahnung«, mischte sich Emilia ein. »Anna ist eine super Hebamme, und du hast als Chirurg in der Unfallklinik in Toronto gearbeitet. Was bitte will eine werdende Mutter mehr als so ein super Team, das dazu noch…«

»Das dazu noch?«, fragte Sebastian schmunzelnd, als Emilia kurz innehielt.

»O Mann, Papa, du weißt schon, was ich meine«, stöhnte sie.

»Du meinst, wir sind auch ein super Paar?«

»Ja, genau«, erklärte Emilia und nahm sich noch einen Krautwickel mit viel Soße.

»Wir sind ein super Paar?«, fragte Anna, als Emilia auch ihr einen Krautwickel auf den Teller legte.

»Ja, ungefähr so wie Superman und seine Verlobte Lois Lane, die haben auch gemeinsam dafür gesorgt, dass es den Menschen gut geht.«

»Unser Spatzl umgibt sich heute mit Superhelden. Angefangen hat es damit, dass sie Sebastian als super Diagnostiker bezeichnet hat«, fügte Traudel als Erklärung für Anna hinzu.

»Dem werde ich nicht widersprechen.«

»Das tut niemand von uns«, sagte Traudel und nickte dabei.

»Hat es einen bestimmten Grund, warum du seine Fähigkeiten in dieser Disziplin erwähnt hast?«, wollte Anna von dem Mädchen wissen, während sie sich die Krautwickel und die Petersilienkartoffeln schmecken ließ.

»Meinem Sportlehrer geht es nicht so gut. Ich habe ihm geraten, Papa aufzusuchen«, sagte Emilia und erzählte Anna von dem Vorfall am Vormittag in der Sportstunde.

»Ich hoffe, er folgt deinem Rat.«

»Ja, ich auch. Ich meine, dass er dauernd krank ist, kann nicht gesund sein oder?«, fragte sie mit verschmitztem Blick.

»Scherzkeks«, sagte Sebastian und verwuschelte Emilias Haar.

»O Mann, Papa, jetzt muss ich mich wieder kämmen«, entgegnete das Mädchen und schob die Hand ihres Vaters beiseite.

»Ich kann dich kämmen«, schlug Anna vor.

»O ja, bitte, ich lasse mich so gern kämmen. Mama hat mich immer gekämmt, wenn ich gerade mal unleidlich war. Es hat mich beruhigt. Du machst das auch ziemlich gut«, versicherte sie Anna.

Sie ist die Richtige und zwar für beide, dachte Traudel und betrachtete Anna mit einem liebevollen Lächeln.

*

Zwei Tage später betrat Kai Küster die Praxis Seefeld. Emilia hatte ihn darauf vorbereitet, dass die Praxis voll sein würde, aber mit so einem Andrang hatte er nicht gerechnet. Sogar in der großen hellen Empfangsdiele drängten sich die Patienten. Einige wollten nur ein Rezept abholen, die meisten aber wollten zum Herrn Doktor, wie er hören konnte.

»Ja, bitte, was kann ich für Sie tun?«, fragte die pummelige ältere Frau in dem gestärkten weißen Kittel, die hinter dem Tresen stand, als er an der Reihe war.

»Mein Name ist Kai Küster. Ich möchte gern zu Doktor Seefeld«, sagte er.

»Freilich, das wollen alle«, entgegnete Gerti Fechner, die langjährige Sprechstundenhilfe in der Praxis Seefeld. Sie betrachtete den sportlichen jungen Mann mit einem freundlichen Lächeln.

»Sei bitte super nett zu ihm«, hatte Emilia sie gebeten, als sie ihr erzählt hatte, dass ihr Sportlehrer vielleicht in den nächsten Tagen in die Praxis kommen würde.

Sie hatte den gut aussehenden Mann mit den hellen blauen Augen und dem dunklen Haar sofort erkannt. Emilia hatte ihn gut beschrieben. »Heute dauert es leider ein bissel länger. Suchen Sie sich einen Platz im Wartezimmer und lassen Sie sich gut unterhalten«, sagte Gerti, nachdem sie seine Versicherungskarte eingescannt und ihn in eine Liste eingetragen hatte.

»Danke«, antwortete Kai höflich, obwohl er sich wunderte, warum sie ihm gute Unterhaltung wünschte. Schließlich erwartete ihn keine Filmvorführung oder so etwas Ähnliches.

Ein paar Minuten später wusste er, was sie gemeint hatte. Er saß auf einem der blau gepolsterten Stühle in der Ecke des nicht allzu großen Wartezimmers. Es war der letzte freie Platz gewesen, als er hereingekommen war. Außer der jungen Frau auf dem Stuhl zu seiner Linken schienen sich alle zu kennen. Alle redeten miteinander, und schon nach kürzester Zeit wusste er, dass Egon Teuchtner, dem die Apotheke in Bergmoosbach gehörte, wegen einer Erkältung nicht an dem Wanderwettbewerb teilnehmen konnte. Xaver Talhuber, der Bergmoosbacher Bürgermeister, würde bald seinen 65. Geburtstag feiern, und Miriam Holzer, die schöne Erbin des Sägewerks, war mit ihrem Assistenten für vier Wochen nach Jamaika geflogen. Kai konnte gar nicht umhin, den Leuten zuzuhören, dazu saßen sie in diesem Zimmer zu dicht beieinander.

Diese Warterei besaß durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, zumindest erfuhr man so einiges über das Dorf.

Die junge Frau in Jeans und T-Shirt, die neben ihm saß, hörte, genau wie er, nur zu. Er erwischte sich dabei, wie er sie beobachtete. Ihm gefiel ihr Lächeln, das sich hin und wieder zeigte, wenn wieder jemand etwas Neues aus dem Bereich des Tratsches erzählte. Eigentlich gefiel ihm alles an ihr. Ihre zierliche Gestalt, das dunkelblonde lange Haar, die grünen Augen. »Sie sind nicht von hier?«, wandte er sich ihr irgendwann zu.

»Nein, ich wohne in der Eifel. Ich bin wegen des Wanderwettbewerbs in Bergmoosbach«, antwortete sie ihm freundlich. »Da Sie außer mir der einzige sind, der sich nur aufs Zuhören beschränkt, gehe ich davon aus, dass Sie auch nicht in Bergmoosbach zu Hause sind. Sind Sie auch wegen des Wanderwettbewerbs hier?«

»Nein, bin ich nicht. Ich bin zwar nicht aus Bergmoosbach, aber ich wohne nur eine halbe Stunde entfernt. In der Nähe von Garmisch.«

»Ist Doktor Seefeld Ihr Hausarzt?«

»Ich bin das erste Mal hier. Auf Empfehlung seiner Tochter. Sie ist meine Schülerin.«

»Welches Fach?«

»Sport.«

»Echt? Ich bin Gymnastiklehrerin an einer Rehaklinik.«

»Das klingt nach harter Arbeit.«

»Das ist es nur manchmal. Meistens habe ich Spaß an meiner Arbeit. Sie doch hoffentlich auch.«

»Ja, ich gebe zu, das habe ich«, antwortete er lachend. »Kai Küster«, stellte er sich vor und reichte ihr die Hand.

»Britta Kaufmann«, sagte sie und legte ihre linke Hand in seine. »Ich habe heute Vormittag an der Gymnastikstunde im Hotel teilgenommen. Ich wage es kaum zu sagen, aber ich befürchte, ich habe mir dabei die Hand verstaucht, deshalb bin ich auch hier«, klärte sie ihn auf, warum sie ihn nicht mit der rechten Hand begrüßte. »Gymnastiklehrerin verletzt sich bei Wellnessgymnastik. Klingt nicht sehr professionell«, fügte sie lächelnd hinzu.

»Freizeitsport eben«, entgegnete Kai und erwiderte ihr Lächeln.

»Stimmt, da ist die Aufmerksamkeit weniger hoch.«

»Ich nehme an, Sie sind in Begleitung nach Bergmoosbach gekommen.« Er hatte auf einmal den Wunsch, Britta näher kennenzulernen. Sollte sie aber bereits vergeben sein, würde er diese Idee sofort wieder fallen lassen.

»Richtig, ich bin in Begleitung«, sagte sie

»Das dachte ich mir schon«, entgegnete Kai enttäuscht.

»Meine beiden Freundinnen und ich haben uns als Dreierteam zum Wettbewerb angemeldet«, klärte Britta ihn auf, weil sie die Unterhaltung mit diesem charmanten jungen Mann gern fortsetzen wollte.

»Und wer wartet zu Hause auf Sie?«

»Auf meine beiden Freundinnen warten ihre Männer, die nicht viel vom Wandern halten und lieber ein paar Tage allein auf die Kinder aufpassen, statt ihre Frauen nach Bergmoosbach zu begleiten. Auf mich wartet meine Katze Isis, die gern auf dem Dach umherwandert. Ich habe eine Dachwohnung in einem der Fachwerkhäuser in Monreal.«

»Monreal? Von diesem Ort habe ich schon gehört. Er soll zu den schönsten in der Eifel gehören.«

»Ich denke, er ist der schönste überhaupt«, sagte Britta.

»In der Eifel oder in der Welt?«

»Die Welt besitzt so viele schöne Orte, da möchte ich mich ungern festlegen.«

»Welche Orte gefallen Ihnen denn besonders gut?«

»In den letzten Jahren habe ich meine Liebe für den afrikanischen Kontinent entdeckt. Ich war schon einige Male dort. Im letzten Jahr habe ich Kenia besucht.«

»Als Safaritouristin?«

»Nein, ich habe eine ehemalige Schulfreundin besucht, die dort für zwei Jahre an einer Kinderklinik arbeitet. Durch sie habe ich Kontakt zu den Einheimischen bekommen und vieles gesehen, was mir sonst verborgen geblieben wäre.«

»Ich war auch im letzten Jahr in Kenia. Ich habe einen jungen Mann besucht, den ich an der Sporthochschule kennengelernt habe. Er stammt aus Kenia und lebt jetzt wieder in seiner Heimat.«

»Waren Sie das erste Mal in Afrika?«

»Ich war schon einige Male dort. Mich fasziniert dieser Kontinent«, sagte er und erzählte ihr von seinen vorherigen Reisen nach Namibia und Südafrika.

Britta hörte ihm gebannt zu und sprach dann auch über ihre vergangenen Reisen an die Elfenbeinküste und nach Gambia. Von den anderen Gesprächen um sie herum bekamen sie nichts mehr mit, es gab nur noch sie beide. Es fiel ihnen nicht einmal auf, dass sich das Wartezimmer nach und nach leerte. Als Britta schließlich von Gerti aufgerufen wurde, bedauerte sie, dass sie jetzt schon an der Reihe war.

»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Küster. Unser Gespräch hat mir gefallen«, sagte sie und erhob sich von ihrem Stuhl.

»Wir könnten es doch fortsetzen. Um sieben im Biergarten zum Abendessen?«, schlug Kai vor, weil er Britta unbedingt wiedersehen wollte.

»Gut, dann um sieben im Biergarten, bis dahin«, sagte Britta und verabschiedete sich mit einem Lächeln von ihm, bevor sie das Wartezimmer verließ.