Der Papi als Hausmann - Susanne Svanberg - E-Book

Der Papi als Hausmann E-Book

Susanne Svanberg

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Binja beugte sich zu ihrem Töchterchen hinunter und küßte das Kind sanft auf die Stirn. »Schlaf gut, mein Kleines«, murmelte sie leise. Ihr Ehemann Till, der auf der anderen Seite des Kinderbettchens stand, strich Natalie zärtlich über die blonden Locken. »Träume etwas Schönes. Vielleicht von den Tieren im Zoo, die du heute gesehen hast.« Die Dreijährige nickte zufrieden und schloß müde die Augen. Lebhaft hatte sie zuvor in ihrer drolligen Kleinkindersprache von den Ereignissen des Tages erzählt. Da ihre Eltern beide arbeiteten, wurde sie von einer Tagesmutter betreut. Abends jedoch war ihr die uneingeschränkte Aufmerksamkeit von Mami und Papi sicher, und dazu gehörte auch, daß beide sie zu Bett brachten. Es war jeden Abend dasselbe Ritual, doch die kleine Familie hätte es nicht missen mögen. Binja schloß noch das Fenster im Kinderzimmer, dann folgte sie Till nach draußen. Erst vor wenigen Monaten hatten sie das eigene Haus bezogen. Es war durch viel Glas und eine großzügige Planung hell und freundlich, ganz dem Geschmack junger, moderner Menschen angepaßt. »Du wirst noch arbeiten wollen«, meinte Till draußen. In seiner dunklen Stimme schwang Bedauern mit. »Nein, heute nicht. Ich möchte mit dir reden«, antwortete Binja und konnte die innere Unruhe nicht ganz unterdrücken. Der Blick ihrer schönen braunen Augen verriet Unsicherheit. »Gerne. Wir haben ohnehin viel zu wenig Zeit zum Reden.« Till lächelte, was sein etwas schmales, kantiges Männergesicht weich und jungenhaft erscheinen ließ. Er wollte den Arm um die Schultern seiner Frau legen, doch sie wich ihm aus und ging rasch die freitragende Treppe hinunter ins Erdgeschoß. In der

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Mami – 1910 –Der Papi als Hausmann

Till muss sich bewähren

Susanne Svanberg

Binja beugte sich zu ihrem Töchterchen hinunter und küßte das Kind sanft auf die Stirn. »Schlaf gut, mein Kleines«, murmelte sie leise.

Ihr Ehemann Till, der auf der anderen Seite des Kinderbettchens stand, strich Natalie zärtlich über die blonden Locken. »Träume etwas Schönes. Vielleicht von den Tieren im Zoo, die du heute gesehen hast.«

Die Dreijährige nickte zufrieden und schloß müde die Augen. Lebhaft hatte sie zuvor in ihrer drolligen Kleinkindersprache von den Ereignissen des Tages erzählt. Da ihre Eltern beide arbeiteten, wurde sie von einer Tagesmutter betreut. Abends jedoch war ihr die uneingeschränkte Aufmerksamkeit von Mami und Papi sicher, und dazu gehörte auch, daß beide sie zu Bett brachten. Es war jeden Abend dasselbe Ritual, doch die kleine Familie hätte es nicht missen mögen.

Binja schloß noch das Fenster im Kinderzimmer, dann folgte sie Till nach draußen. Erst vor wenigen Monaten hatten sie das eigene Haus bezogen. Es war durch viel Glas und eine großzügige Planung hell und freundlich, ganz dem Geschmack junger, moderner Menschen angepaßt.

»Du wirst noch arbeiten wollen«, meinte Till draußen. In seiner dunklen Stimme schwang Bedauern mit.

»Nein, heute nicht. Ich möchte mit dir reden«, antwortete Binja und konnte die innere Unruhe nicht ganz unterdrücken. Der Blick ihrer schönen braunen Augen verriet Unsicherheit.

»Gerne. Wir haben ohnehin viel zu wenig Zeit zum Reden.« Till lächelte, was sein etwas schmales, kantiges Männergesicht weich und jungenhaft erscheinen ließ. Er wollte den Arm um die Schultern seiner Frau legen, doch sie wich ihm aus und ging rasch die freitragende Treppe hinunter ins Erdgeschoß.

In der Küche nahm sie eine Flasche Weißwein aus dem Kühlschrank und zwei Gläser aus der Vitrine.

»Gibt’s etwas zu feiern?« fragte Till und überlegte angestrengt, ob er wohl einen Gedenktag vergessen hatte. Mit etwas schlechtem Gewissen beobachtete er, wie seine Frau die Sachen zur gemütlichen Sitzecke im Wohnraum trug. Von dort hatte man einen schönen Blick auf der Garten, der allerdings noch nicht angelegt war. Eine Arbeit, die sich Till fürs kommende Frühjahr vorgenommen hatte. Ihm machten solche Tätigkeiten Spaß, während Binja dafür keine Zeit hatte.

»Nein. Aber es gibt etwas Wichtiges zu besprechen.« Binja sah ihren Mann nicht an und tat, als würde das Einschenken all ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

»Nachdem du erst zu Beginn dieses Jahres zum Vorstand eurer Bank avanciert bist, ist es doch sicher keine berufliche Veränderung. Ist da überhaupt noch eine Steigerung drin?« fragte Till schmunzelnd. Er gönnte seiner schönen Frau den Erfolg von ganzem Herzen, und er hatte auch kein Problem damit, daß er selbst es bis jetzt nicht soweit gebracht hatte.

»Es ist nichts, was mit meinem Job zusammenhängt. Was ich dir zu sagen habe, betrifft nur uns.«

»Hast du Urlaub geplant?« rätselte Till und sah Binja verliebt an. Sie sah so fabelhaft aus, daß sie ihr Geld jederzeit als Model hätte verdienen können, obwohl sie schon 36 war. Doch Binja war nicht nur schön, sondern verblüffte alle durch ihr Wissen und ihren wachen, klaren Verstand. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium hatte sie ihren Doktor gemacht und danach in verschiedenen Abteilungen der Bank gearbeitet. Vor sechs Jahren hatten sie geheiratet, aber Till kam es vor, als sei das erst gestern gewesen. Er liebte seine Frau genauso oder sogar noch mehr als zu Beginn ihrer Gemeinschaft.

Binja schüttelte leicht den Kopf mit dem dichten rotbraunen Haar, das glatt zurückgekämmt bis auf ihre Schultern fiel. Es war eine einfache, aber sehr aparte Frisur, die Binja ausgezeichnet stand. »Ich werde in diesem Jahr keinen Urlaub einplanen können, tut mir leid.«

Till war nicht enttäuscht. Er wußte längst, daß der neue Job vollen Einsatz verlangte. »Um was geht es dann?«

»Ich war heute bei der Ärztin.« Binja, die im Beruf souverän mit Wirtschaftsbossen und Regierungsvertretern verhandelte, sah befangen auf ihr Glas. Nervös drehte sie den Stiel des Weinkelches zwischen den Fingern.

»Fehlt dir etwas? Fühlst du dich nicht gut?« fragte Till erschrocken. Forschend sah er seine Frau an.

»Im Gegenteil. Frau Dr. Winkelmann hat bestätigt, daß ich völlig gesund bin.«

Till atmete erleichtert auf. Er war ständig in Sorge, daß die berufliche Belastung für Binja ein Problem werden könnte.

»Ich erwarte ein Kind«, bekannte Binja leise. Es war ihr bewußt, daß sie durch eigene Schuld in diese Situation gekommen war. Über all den Terminen, die sie wahrzunehmen hatte, vergaß sie öfters die Pille einzunehmen. Ein Fehler, den sie sich nicht verzeihen konnte. Und das war es, was sie unsicher und verlegen machte.

Till reagierte ganz anders, als sie erwartet hatte. Sein Kopf ruckte hoch. Groß und staunend sahen sie seine grauen Augen an. »Ist das wahr?« Unterdrückter Jubel schwang in seiner Stimme mit.

»In solchen Dingen scherze ich nicht. Das müßtest du eigentlich wissen.«

Till erhob sich spontan aus seinem Sesel und trat zu seiner Frau. Er strahlte wie ein kleiner Junge, der unerwartet einen Herzenswunsch erfüllt bekam.

»Binja, mein Gott… ist das schön! Ein Brüderchen für Natalie, das… das haben wir uns doch immer gewünscht.«

Tief bewegt umarmte Till seine Frau. Er ließ sich dazu auf der Armlehne des Sessels nieder und beugte sich weit über Binja. Sein Mund berührte ihre vollen, auffallend schön geschwungenen Lippen.

Binja erwiderte den Kuß nicht. Sie hatte damit gerechnet, daß ihr Mann, genau wie sie, zunächst an die Probleme denken würde, die diese Schwangerschaft mit sich brachte. Doch er freute sich ganz einfach nur. Er freute sich so uneingeschränkt, daß sie es nicht wagte, von ihren Zweifeln zu sprechen.

»Das ist die schönste Nachricht seit langem«, versicherte Till glaubhaft. »Und sie kommt genau zur richtigen Zeit. Natalie ist knapp vier, wenn der Kleine geboren wird. Ich finde das ideal. Natalie freut sich bestimmt genauso wie wir.« Tills zärtliche Umarmung wurde etwas leidenschaftlicher. Auch der Kuß, den er jetzt Binja gab.

Etwas unbeteiligt ließ sie alles über sich ergehen. Bis jetzt wollte sich bei ihr absolut keine Freude über den zu erwartenden Familienzuwachs einstellen. Sie hatte mit Till darüber reden wollen, ob dieses Baby überhaupt zur Welt kommen sollte, denn für sie kam es mehr als ungelegen. Sie war erschrocken, als ihr Frau Dr. Winkelmann bestätigte, was sie bereits vermutete. In ihrer Verwirrung war sie auf die guten Ratschläge der Ärztin überhaupt nicht eingegangen, obwohl das normalerweise nicht ihre Art war.

»Ich freue mich… ich freue mich wirklich wahnsinnig«, erklärte Till erneut.

Die Begeisterung in seinen Augen war so echt und so ehrlich, daß es Binja nicht fertig brachte, über ihre Bedenken zu reden. Verunsichert hob sie ihr Glas.

Till ging sofort auf diese Geste ein. Auch er griff zum Glas. »Auf unsere Liebe, unser Glück und auf das neue Mitglied unserer Familie«, raunte er leise und voll Zärtlichkeit. Er nahm einen kräftigen Schluck, während Binja nur nippte.

Regungslos ließ sie zu, daß Till ihr übers Haar strich, daß er mit der Fingerspitze behutsam die schmalen Bogen ihrer dunklen Brauen nachzeichnete und die glatte, reine Haut ihrer Wangen streichelte. Normalerweise mochte sie es, wenn Till sie berührte, doch heute war es ihr lästig.

»Du bist so schön, so wunderschön«, meinte er fast andächtig. »Ich liebe dich, Binja. Wie sehr, das kann ich mit Worten nicht ausdrücken. Für solche Gefühle reicht unsere Sprache nicht aus. Ich möchte es dich fühlen lassen, möchte es dir beweisen. Tag für Tag, Jahr für Jahr, solange ich lebe. Mit meinem letzten Atemzug möchte ich dir dafür danken, daß du mir deine Liebe geschenkt hast. Sie ist für mich so kostbar wie nichts anderes auf der Welt. Nicht allen Reichtum dieser Erde würde ich dafür eintauschen. Binja, geliebte Binja…« Till jauchzte, ohne sich dessen bewußt zu werden. »Ich kann noch gar nicht glauben, daß wir bald zwei Kinder haben werden: Ein Mädchen und einen Jungen.«

»Wieso bist du so sicher, daß es ein Junge wird?« Binja verzog den Mund zu einem winzigen Lächeln.

»Weil wir… weil du es dir wünschst. Und du hast bis jetzt jedes Ziel, das du dir gesteckt hast, erreicht. Es wird diesmal nicht anders sein. Ich bewundere dich, Binja, und ich bin so froh, daß du den Mut hast…«

»Du fragst gar nicht, wieso es passiert ist?«

»Das ist doch völlig nebensächlich. Nur die Tatsache zählt, und die macht uns beide überglücklich.«

Binja wollte nicht widersprechen, fühlte sich aber immer unbehaglicher. Ihr war, als sei ihre Persönlichkeit plötzlich gespalten. Der eine Teil war die Frau und Mutter, die ihren Mann und ihr Kind liebte, der andere war die erfolgreiche Chefin der Großbank, anerkannt, geachtet und auch ein wenig gefürchtet. Diese zweite Hälfte hatte Macht und Einfluß. Sie erfüllte Binja mit Stolz und Zufriedenheit. Würde sie das alles aufgeben müssen?

*

Zwei Stunden später, als das Ehepaar schlafen gegangen war, schob Till seinen Arm unter Binjas Kopf und kuschelte sich an sie.

Normalerweise genossen sie das Zusammensein beide, doch heute rückte Binja etwas zur Seite. Sie schob die Hand ihres Mannes zurück.

Er spürte die Veränderung sofort. »Bist du müde?« erkundigte er sich besorgt. Er hatte Binja im Verlauf des Abends eine ganze Menge netter Dinge gesagt und deshalb angenommen, daß sie ebenso verliebter Stimmung war wie er.

»Nein. Ich bin enttäuscht.« Endlich gab Binja dem inneren Druck nach. Mit all diesen grübelnden Gedanken hätte sie ohnehin nicht einschlafen können.

»Wieso?« Till hob den Kopf und sah seine Frau überrascht an. Im fahlen Mondlicht erkannte er ihr reizvolles Profil mit der schmalen, sehr geraden Nase und den hohen Wangenknochen.

»Hab’ ich etwas falsch gemacht?« fragte er, denn er hatte wirklich keine Erklärung für ihr Verhalten.

»Merkst du nicht, daß du heile Welt spielst und an den Tatsachen vorbeisiehst?« Binjas Ton war ungeduldig. Im Beruf gab sie sich stets ausgeglichen und heiter, auch wenn es Ärger gab. Till gegenüber schaffte sie es nicht.

Er begriff, daß aus einer Stunde voll Liebe und Zärtlichkeit heute nichts mehr werden würde, doch er war Binja nicht böse. Daß er jetzt zur Seite rückte, geschah aus Rücksicht.

»Du denkst daran, daß uns das Baby auch vor allerlei Schwierigkeiten stellen wird. Keine Sorge, die lösen wir schon.« Till bemühte sich um einen heiteren, beruhigenden Ton.

»Du machst es dir zu einfach, Till«, konterte Binja, die sich nicht beruhigen lassen wollte. »Dieses Kind wird unser Leben umkrempeln und zwar rücksichtslos. Ich weiß nicht, wie du dir das alles vorstellst. Ich habe einen anspruchsvollen Job, und da er auch ganz gut bezahlt wird, können wir uns das neue Haus leisten, zwei große Autos, eine Betreuerin für Natalie und vieles mehr. Ich kann aber nicht während der Geschäftszeit Babywindeln kaufen, und ich kann auch nicht zu Hause bleiben, wenn das Kleine krank ist. Ich werde häufig nicht einmal zum Abendessen hier sein, weil noch eine Sitzung ist oder weil ich geschäftlich in Brüssel oder London bin.«

Till seufzte, denn dieses Gespräch war gar nicht nach seinem Geschmack. »Müssen wir jetzt darüber reden? Wir haben noch neun Monate Zeit.«

»Im Höchstfall sind es acht. Besser aber wäre es, wenn wir uns darüber klarwerden könnten, ob wir das Baby überhaupt…« Binja brach erschrocken ab. Da hatte sie ausgesprochen, was sie bisher nicht einmal zu denken wagte.

»Du möchtest doch nicht andeuten, daß du das Baby gar nicht willst?« Till zog mißbilligend die Augenbrauen hoch und legte die hohe Stirn in viele Falten.

Binja antwortete laut und heftig. »Ich habe jahrelang hart gearbeitet, um bei der Bank eine Position zu erreichen, die bisher noch nie von einer Frau besetzt wurde. Jeder weiß, daß es nur zu schaffen ist, wenn diese Frau wesentlich besser ist als jeder Mann. Ich habe es erreicht und soll nun gleich wieder aufgeben. Für mich ist das ein hartes Opfer, und ich hoffe, du verstehst das.«

»Natürlich«, antwortete Till so sanft wie möglich. »Wir könnten ja die Tagesmutter fragen, ob sie bereit ist, beide Kinder tagsüber zu betreuen.«

»Till, das funktioniert nicht. Es gibt schon bei Natalie Schwierigkeiten und Klagen genug. Ein Baby zu versorgen ist wesentlich mehr Arbeit. Außerdem wäre die Hausarbeit abends zu bewältigen, und das läuft auch nicht. Ich komme viel zu spät aus dem Büro und gewöhnlich bin ich müde. Es wäre auch nicht gut, die Erziehung der Kinder einer fremden Frau zu überlassen. Es gefällt mir seit langem nicht mehr, daß Natalie von der Tagesmutter so sehr beeinflußt wird.«

»Weiß du was, Binja, nicht nur du bist enttäuscht, ich bin es auch. Ich hätte gedacht, daß du dich auf das Baby freust, genau wie ich. Aber jetzt stellt sich heraus, daß dir der Job bei der Bank wichtiger ist als deine Familie. Ich finde das nicht gut.« Till drehte sich zur Seite. Er war ein gutmütiger Mensch, fleißig und strebsam. Aber er besaß nicht Binjas Ehrgeiz.

»Immerhin bringt der Job uns eine Menge Kohle, vergiß das nicht!«

»Es gibt Dinge, die sich mit Geld nicht erreichen lassen. Denk einmal darüber nach.«

»Das hört sich alles so distanziert an, als würde es dich nichts angehen. Die Familienplanung ist meine Sache. Ihr Männer seid doch alle gleich! Wenn’s ernst wird, steckt ihr den Kopf in den Sand.«

Till fühlte sich ungerecht behandelt. Demonstrativ zog er sich die Decke über den Kopf, um anzudeuten, daß er nicht mehr zuhörte. In Wirklichkeit dachte er sehr ernsthaft darüber nach, wie er Binja helfen konnte.

»Sag ich’s doch!« schnaubte Binja und drehte sich zur anderen Seite.

*

Für ein gemütliches Frühstück blieb den Martens gewöhnlich keine Zeit. Heute stand Till wesentlich früher auf, deckte den Tisch, kochte Eier und toastete Brot.

Binja tat, als sehe sie nichts davon. Sie hatte in dieser Nacht kaum geschlafen, sondern hatte nachgedacht. Doch sie war der Lösung des Problems nicht nähergekommen. Um die Müdigkeit zu vertreiben, duschte sie ausgiebig und kam später verführerisch duftend aus dem Bad.

Till schnupperte. Er mochte diesen Duft, und überhaupt tat es ihm längst leid, daß er auf Binjas Anliegen nur halbherzig eingegangen war. Zerknirscht sah er ihr hinterher, als sie ins Schlafzimmer ging und schließlich in einem grauen Kostüm mit kurzem Rock zurückkam. Dieses Kleidungsstück, das gerade oberhalb von Binjas Knie endete, ließ so viel von ihren schönen Beinen sehen, daß Till mit leiser Eifersucht an Binjas Kollegen in der Bank dachte. Sie konnten seine Frau viel öfter und viel länger sehen als er. Im Interesse einer dauerhaften Versöhnung wollte Till dieses Thema allerdings nicht zur Sprache bringen.

»Der Kaffee ist fertig!« meldete Till so fröhlich, als hätten sie sich in dieser Nacht nicht gezankt. Versöhnlich lächelnd ging er auf Binja zu, breitete die Arme aus und umfaßte den Oberkörper seiner Frau. »Entschuldige, Binja! Es tut mir leid, daß ich mich so unvernünftig benommen habe.«

Die junge Frau, froh über diesen Versöhnungsversuch, wies ihn nicht zurück. Sie mochte sich mit Till nicht streiten, dazu hatte sie ihn viel zu gern.

»Es war meine Schuld«, bekannte Binja zerknirscht. »Ich habe die ganze Nacht über unser Problem nachgedacht, ohne eine Lösung zu finden.«