Der Schimmelreiter von Theodor Storm: Reclam Lektüreschlüssel XL - Theodor Storm - E-Book

Der Schimmelreiter von Theodor Storm: Reclam Lektüreschlüssel XL E-Book

Theodor Storm

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Beschreibung

Reclam Lektüreschlüssel XL – hier findest du alle Informationen, um dich zielsicher und schnell vorzubereiten: auf Klausur, Referat, Abitur oder Matura! Differenziert, umfassend, übersichtlich! - Präzise Inhaltsangaben zum Einstieg in den Text - Klare Analysen von Figuren, Aufbau, Sprache und Stil - Zuverlässige Interpretationen mit prägnanten Textbelegen - Informationen zu Autor:innen und historischem Kontext - Hilfreiche Infografiken, Abbildungen und Tabellen - Aktuelle Literatur- und Medientipps - Prüfungsaufgaben mit Lösungshinweisen - Zentrale Begriffe und Definitionen als Lernglossar Storms letzte vollendete Novelle ist zugleich sein Meisterwerk. Dem Autor, bereits von tödlicher Krankheit überschattet, gelang, wie Thomas Mann schrieb, »eine Verbindung von Menschentragik und wildem Naturgeheimnis, etwas Dunkles und Schweres an Meeresgröße und -mystik«, das »die Novelle, wie er sie verstand, als epische Schwester des Dramas auf einen seither nicht wieder erreichten Gipfel führte.«

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Seitenzahl: 128

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Theodor Storm

Der Schimmelreiter

Lektüreschlüssel XL für Schülerinnen und Schüler

Von Swantje Ehlers

Reclam

Dieser Lektüreschlüssel bezieht sich auf folgende Textausgabe:

Theodor Storm: Der Schimmelreiter. Novelle. Hrsg. von Sabine Wolf. Stuttgart: Reclam, 2016 [u. ö.]. (Reclam XL. Text und Kontext, 19158.)

Diese Ausgabe des Werktextes ist seiten- und zeilengleich mit der in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 6015.

 

E-Book-Ausgaben finden Sie auf unserer Website

unter www.reclam.de/e-book

 

Lektüreschlüssel XL | Nr. 15480

2017 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Made in Germany 2017

RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN 978-3-15-961785-5

ISBN der Buchausgabe 978-3-15-015480-9

www.reclam.de

Inhalt

1. Schnelleinstieg2. InhaltsangabeDie RahmenerzählungenDie Binnengeschichte3. Figuren4. Form und literarische TechnikErzählrahmenBinnenerzählungDie Funktion des ErzählrahmensDer Schimmelreiter als Novelle5. Quellen und KontexteQuellen des SagenstoffesMotiveQuellen der SturmflutVorbilder für die FigurenDie nordfriesische KüstenlandschaftBedeutung der Quellen für die Novelleninterpretation6. InterpretationsansätzeErzählrahmenSpannung zwischen Protagonist und KüstenbevölkerungDer erzählte RaumDie Deutung der NaturJevershallig: der Ort des UnheimlichenKatastrophe und Sturz des Helden7. Autor und ZeitKurzbiographieWerkübersichtLiteraturgeschichtliche Einordnung8. Rezeption9. Prüfungsaufgaben mit LösungshinweisenAufgabe 1: Charakterisierung der HauptfigurAufgabe 2: Analyse des ErzählrahmensAufgabe 3: Erläuterung der Jevershallig-Episode10. Literaturhinweise / MedienempfehlungenEinzelausgabenWerkausgabenQuellenQuellenforschung und ErläuterungenBiographienZum Werk StormsEinzelinterpretationenDidaktische BearbeitungenZur Gattung und EpocheLesungenKriminalromanGraphic NovelVerfilmungenBühnenfassungen11. Zentrale Begriffe und Definitionen

1. Schnelleinstieg

Die Novelle Der Schimmelreiter gehört zum Alterswerk von Theodor Storm. Sie wurde erstmals in der Deutschen Rundschau im April und Mai 1888 veröffentlicht. Das Erscheinen der ersten Buchausgabe im Herbst 1888 hat Storm, der am 4. Juli desselben Jahres verstarb, jedoch nicht mehr miterlebt.

Mit Vorarbeiten für diese Novelle begann Storm bereits im Jahr 1885. Er wollte einen Der SagenstoffSagenstoff bearbeiten, der von einem Deichgrafen handelt und den er schon in seiner Jugendzeit kennengelernt hatte, konnte jedoch die Quelle nicht ausfindig machen. Er erinnerte sich an die Geschichte von einem Schimmelreiter, der einen Deichbruch verursacht und sich zur Sühne in eben jenen gestürzt hat. Bei drohender Gefahr einer Sturmflut taucht er als Wiedergänger auf. Auch die weitere Ausgestaltung seines Novellenplans erwies sich als schwierig, weil umfangreiche Studien zur Kartographie der norddeutschen Küstenlandschaft, des Deichbaus und der Eindeichung von Kögen vonnöten waren, und das entsprechende Material schwer zugänglich war. Unterbrochen wurde seine Arbeit nicht zuletzt durch seine schwere Krebserkrankung. Am 9. Februar 1888 konnte er die Novelle fertigstellen. Sie erschien im April/Mai 1888 in der Deutschen Rundschau mit einem anderen Schluss als ursprünglich vorgesehen.

Aus der in seiner Jugend gelesenen Reitersage hat Storms BearbeitungStorm bestimmte Erzählelemente übernommen, wie z. B. die gespenstische Reitergestalt, den Deichbruch und den Sturz in die Fluten. Die Rahmentechnik seiner Novelle und der eingeschobene Bericht eines Reisenden über eine seltsame Begegnung auf dem Deich, seine Einkehr in ein Wirtshaus und die durch dieses Erlebnis veranlasste Erzählung eines anwesenden Gastes über den Schimmelreiter gehen ebenfalls auf diese Quelle zurück. Storm hat die Geschichte allerdings von der Weichsel an die norddeutsche Küste verlegt und lässt sie im 18. Jahrhundert spielen. Protagonist ist Hauke Haien, der dank seiner Kompetenzen und seines Ehrgeizes vom Kleinknecht zum Deichgrafen aufsteigt. Die sozialen Voraussetzungen für diesen Aufstieg sichert ihm seine künftige Frau Elke durch ihre Besitzübertragung. Hauke Haien setzt gegen den Widerstand der Dorfgemeinschaft das Projekt eines neuen Deiches durch, der zum einen die Eindeichung eines neuen Kooges und damit Landgewinnung ermöglichen, aber zum anderen auch aufgrund der neuen Konstruktion eines abgeflachten Profils dem besseren Schutz gegen Sturmfluten dienen soll. Am Ende scheitert er und stürzt sich in der verheerenden Flutkatastrophe, durch die der alte Deich bricht und seine Familie umkommt, selbst in die Fluten. Seitdem erscheint er als Deichgespenst, um vor drohendem Unheil zu warnen.

2. Inhaltsangabe

Die Rahmenerzählungen

Die Novelle wird mit einer zweifachen Rahmenerzählung eröffnet, in die eine Binnengeschichte eingebettet ist. In der ersten, äußeren Rahmenerzählung berichtet ein anonymer Ich-Erzähler über eine Geschichte, die er vor mehr als 50 Jahren gelesen hat und seitdem nicht mehr vergessen konnte. In der zweiten, inneren Rahmenerzählung ergreift ein unbekannter Reisender, der bei stürmischem Wetter entlang der nordfriesischen Küste auf einem Deich reitet, das Wort und erzählt von der Begegnung mit einer unheimlichen Reitergestalt. Die Szene spielt im »dritten Jahrzehnt unseres [des 19.] Jahrhunderts« (S. 3). Er kehrt wegen des Sturms in ein Wirtshaus ein und berichtet von dieser gespenstischen Erscheinung. Die anwesenden Männer von der Deichwache bezeichnen diese als den Schimmelreiter. Auf die Frage des Reisenden, was es mit dem Schimmelreiter auf sich habe, beginnt ein kleiner, alter Mann, der Schulmeister, dessen Geschichte zu erzählen.

Die Binnengeschichte

Die Geschichte, die der Schulmeister erzählt, spielt im 18. Jahrhundert in Nordfriesland und handelt vom Aufstieg und Fall von Hauke Haien, einem begabten, weitsichtigen Deichgrafen.

Die Handlung setzt ein, als Die JugendzeitHauke 16 Jahre alt ist. Sein Vater Tede Haien ist Kleinbauer und Landvermesser und als kluger Mann im Dorf geschätzt. Lernbegierde und Interesse an Landvermessungen, Berechnungen und Kartenzeichnungen von Deichen charakterisieren den jungen Hauke. Er hält sich viel im Wattenmeer und auf den Deichen auf und beobachtet, wie die Flut die Grasdecke des Deiches allmählich zerstört. Er leitet daraus ab, dass die Deiche zu steil gebaut seien und das Land und die Menschen vor Sturmfluten nicht richtig schützen würden. Er bringt sich selbst mit Hilfe eines Buches die euklidische Geometrie bei und sondert sich zunehmend von den Schulkameraden ab. Sein Vater möchte ihn von seinen gelehrten Studien abbringen, indem er ihn auf harte Deicharbeit als Tagelöhner verpflichtet. Doch Hauke setzt seine Studien fort.

Hauke sitzt nach der Arbeit oft stundenlang »an der abfallenden Seeseite des Deiches« (S. 11) und blickt in »die trüben Nordseewellen« (S. 11). Eines Abends sieht er dort im Nebel, der in der Dämmerung aus den Rissen des Watteneises aufsteigt, dunkle Gestalten. Es sind die Geister der Ertrunkenen, die auftauchen und als Seegespenster ihr Unwesen treiben (S. 15 f.). Aber trotzig, ohne sich von ihnen beeindrucken zu lassen, kehrt er nach Hause zurück.

An einem anderen Tag, als Hauke mit einem Eisvogel, den er im Watt erjagt hat, auf dem Weg nach Hause am Haus der alten Trien’ Jans vorbeikommt, versucht deren weißer Angora-Kater, ihm die Beute zu nehmen. Hauke reagiert äußerst aggressiv und erwürgt das Tier. Für Trien’ Jans hat der Kater, da er ein Geschenk ihres ertrunkenen Sohnes ist, eine große Bedeutung, und entsprechend laut ist ihre Wehklage. Sie verflucht Hauke und beschwert sich bei seinem Vater, der Hauke daraufhin nahelegt, auszuziehen und sich eine Stelle zu suchen. Die Tötung des weißen Angora-Katers von Trien’ Jans markiert einen Einschnitt in der Entwicklung Hauke Haiens.

Hauke wird Der KleinknechtKleinknecht beim Deichgrafen Tede Volkerts, der ihn gut für seine Amtsgeschäfte und die anfallenden Deichberechnungen gebrauchen kann, zu denen er selbst nicht fähig ist. Hauke übernimmt diese Aufgabe und kümmert sich um das Einhalten der Deichordnung durch die Dorfbewohner. Er lernt im Hause die Tochter des Deichgrafen, Elke Volkerts, kennen. Der Großknecht des Deichgrafen, Ole Peters, empfindet ihn als Konkurrenten, so dass sich zwischen beiden eine Rivalität aufbaut. Ole ist neidisch auf Haukes privilegierte Stellung im Haus des Deichgrafen und dessen intellektuelle Überlegenheit. Er ist auch eifersüchtig, weil Elke sich Hauke zuwendet. Die neuen Vorschläge des Deichgrafen zum Schutz der Deichanlagen, die eigentlich von Hauke stammen, stoßen auf viel Anerkennung bei dem Oberdeichgrafen.

Im dritten Jahr seines Dienstes bei dem Deichgrafen steht das Winterfest des ›Eisboselns‹ an, ein Wurfspiel mit Holzkugeln, bei dem die Dörfer der Marsch gegen die Dörfer der Geest antreten. Ole Peters versucht vergebens, Hauke Haien von dem Spiel auszuschließen. Jewe Manners, ein alter Deich-Bevollmächtigter, setzt jedoch dessen Teilnahme durch. Am Ende gewinnt Hauke Haien das Spiel für sein Dorf.

Er und Elke kommen sich näher. Er kauft einen Goldring für sie, behält ihn aber noch für sich, da die sozialen Unterschiede zu groß sind. Nachdem Ole Peters gekündigt und Vollina, die Tochter des Deich-Bevollmächtigten Jeß Harders, geheiratet hat, rückt Hauke Haien zum Großknecht auf. Dieses Amt gibt er jedoch wieder auf, als es seinem Vater gesundheitlich schlecht geht und er sich um dessen Hof kümmern muss. Der Vater hinterlässt Hauke nach seinem Tode etwas Erspartes, den Hof und eine Fenne (Weide) von Antje Wohlers, die aufgrund einer Leibrente in den Besitz von Tede Haien übergegangen war. Damit wird Hauke selbstständig und Inhaber eines kleinen Besitzes. Mit dieser neuen sozialen Rolle ist die zweite Entwicklungsphase von Hauke abgeschlossen. Elke hilft ihm in dieser Zeit und schafft Ordnung in seinem Haus.

Der Ehrgeiz, der neue Aufstieg zum DeichgrafenDeichgraf zu werden, und die Auffassung, ihm stehe das Amt aufgrund seiner Fähigkeiten zu, wachsen in Hauke. Im neuen Jahr steckt er Elke heimlich den Goldring zur Verlobung an, aber sie müssen mit der Hochzeit warten, solange der alte Volkerts noch lebt. Nach dessen Tod wird über die Nachfolge des Deichgrafen gesprochen. Die fachlichen Kompetenzen von Hauke sind allgemein anerkannt, aber Voraussetzung für dieses Amt ist ein Besitzstand, über den er nicht verfügt. Elke mischt sich ein und gibt sich als seine Braut zu erkennen. Sie überschreibt ihm ihren Besitz noch vor der Hochzeit, damit er Deichgraf werden kann. Hauke ist zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt.

Nach mehreren Jahren gemeinsamen Lebens mit Elke und harten Arbeitens Verleumdung und Isolationisoliert sich Hauke zusehends von der Dorfgemeinschaft, die ihm die hohen Kosten für Deichreparaturen, Siele und Schleusen übel nimmt. Die Verleumdung von Ole Peters, er sei nur mit Hilfe seiner Frau Deichgraf geworden (S. 67), verbreitet sich und verbittert Hauke. Die Spannung zwischen den Dorfbewohnern und ihm verstärkt sich. Aufgrund dieser öffentlichen Kränkung verschließt sich Hauke noch mehr, aber auch sein Ehrgeiz, zu beweisen, dass er dieses Amt aufgrund eigener Leistung zu Recht verdient, ist angestachelt.

Nach siebenjähriger Amtszeit hat Hauke die Idee, einen Deich mit einer neuen Konstruktion, nämlich einem flachen Deichprofil, zu bauen, an dem die Sturmwellen sich brechen und dadurch abgedämpft werden. Ein solcher neuer Deich würde dem Schutz der Küstenbewohner dienen, aber auch der Gewinnung eines neuen Kooges und damit Weideland. Seine Frau hat Bedenken und warnt ihn vor dem Widerstand der Dorfbewohner gegen das Projekt. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang die Sage, dass etwas Lebendiges im Deich eingegraben werden müsse, um ihn haltbar zu machen. Trotz ihrer Einwände stellt Hauke beim Oberdeichgrafen den Antrag, den Bau eines neuen Deiches zu genehmigen. Er wirbt mit diesem Deichbauprojekt um soziale Anerkennung, aber es dient auch der Selbsterhöhung.

Abb. 1: Profil einer Küstenlandschaft. Aus: Theodor Storm, Der Schimmelreiter, hrsg. von Sabine Wolf, Stuttgart 2016, S. 169.

An dieser Stelle wendet sich die Erzählung einem anderen Der Schimmel von JevershalligSchauplatz und anderen Geschehnissen zu. Auf einer nahe gelegenen kleinen Hallig, Jevershallig, gibt es weder Mensch noch Tier, nur Knochen von Schafen und ein Pferdegerippe liegen dort. Jevershallig ist auch der Ort, an dem der Sohn von Trien’ Jans ertrank. Ein Dienstjunge des Deichgrafen namens Carsten und der Knecht Iven Johns beobachten eines Abends Ende März, wie eine lebendige Kreatur dort den Hals reckt und den Kopf senkt (S. 75 f.). Beide sehen einen Schimmel, der dort geht. Am folgenden Abend treffen sie sich wieder, um zu überprüfen, was es mit dieser seltsamen Erscheinung, die ihnen Grauen einflößt, sie aber auch fasziniert, auf sich hat. Carsten fährt mit einem Boot und einer Peitsche auf die Hallig hinaus, um zu sehen, ob das Pferd tatsächlich existiert oder nur ein Spuk ist. Während der Knecht vom Festland aus alles beobachtet und das Pferd die ganze Zeit sieht, findet Carsten lediglich das Pferdegerippe und die Knochen der Schafe vor. Als beide nach Carstens Rückkehr an Land erneut zur Hallig hinüberschauen, sehen sie dort wieder eine Pferdegestalt gehen. Es ist ihnen nicht geheuer.

Einige Zeit später kauft Hauke Haien einem Slowaken ein völlig vernachlässigtes und abgemagertes Pferd ab, einen Schimmel (S. 81). Die braune Hand des Slowaken gleicht einer Klaue und weiter heißt es im Text, er würde wie ein TeufelspaktTeufel hinter Hauke herlachen (S. 84). Hauke füttert und pflegt den Schimmel selbst, so dass eine enge Beziehung zwischen Mensch und Tier entsteht und Pferd und Reiter eine Einheit bilden. Nachdem das Pferdegerippe auf der Hallig verschwunden ist, verbreitet Carsten das Gerücht, dass der Schimmel des Deichgrafen das wieder lebendig gewordene Pferdegerippe von Jevershallig sei: »Es steht in unsrem Stall, da steht’s, seit es nicht mehr auf der Hallig ist« (S. 87). Vor dem Schimmelreiter haben die Dorfbewohner eine abergläubische Furcht; er ist ihnen unheimlich. Von nun verbreitet sich die Geschichte vom Teufelspferd und dem Teufelspakt des Hauke Haien. Der Held wird dämonisiert.

Nachdem der Der Bau des neuen DeichesDeichbau vom Oberdeichgrafen in der Stadt bewilligt worden ist, ruft Hauke Haien die Bevollmächtigten ein, um sein Projekt zu erklären. Er erläutert dabei insbesondere die Neukonstruktion, die in einem abgeflachten Profil des Deiches zur Seeseite hin besteht, was gegenüber den alten Deichen den Vorteil habe, dass dieser bei Sturmfluten haltbarer sei und damit auch das Vorland sichere. Er legt auch die Kosten offen, die überschaubar seien, und erläutert, wie das Material für den Deichbau zu beschaffen sei. Hauke erhält keine uneingeschränkte Zustimmung, wird aber von Jewe Manners eindeutig unterstützt, der auch beruhigend auf die Männer einredet (S. 89). Hauke führt aus, was im Einzelnen zu leisten ist, wie das Beschaffen von Sand, Marscherde, Stroh, das Anfertigen von Sturzkarren und der Bau einer neuen Schleuse zur Entwässerung des Landes.

Auf einer weiteren Versammlung, bei der die Besitzer der hinter dem alten Deich gelegenen Ländereien zusammenkommen, wird die Polarisierung zwischen den Dorfbewohnern und Hauke offenkundig. Aber auch innerhalb der Dorfbewohner gibt es eine Zweiteilung hinsichtlich der Einstellung zum Deichgrafen und dessen Vorhaben: Die Besitzer von Landanteilen hinter dem Deich stimmen für das Projekt; diejenigen, die ihre Ländereien einst verkauft hatten, sind dagegen, da ihnen keine Vorteile durch den neuen Deich entstünden und sie die Unkosten fürchten. Erneut tritt Haukes Gegenspieler Ole Peters auf und verleumdet ihn: Hauke habe schon früh aus Eigennutz die Anteile anderer aufgekauft, um dann den Plan für den Deichbau zu entwickeln. Zwar kann Hauke die Argumente von Ole Peters entkräften, aber die Spaltung zwischen ihm und einem großen Teil der Dorfbewohner ist sichtbar.

Um Pfingsten beginnt die Arbeit am Deichprojekt. Hauke beaufsichtigt die Arbeit und ist hart gegen sich und andere. Die Stimmung ist gegen ihn. Er und sein Pferd werden zunehmend mit dem Bösen in Verbindung gebracht.

Unterdessen hat nach neun Ehejahren seine Frau ein Kind geboren, eine Tochter namens Wienke, und liegt im schweren Kindbettfieber. Hauke bittet Gott um Beistand für seine Frau, zweifelt aber an Gott: »Ich weiß ja wohl, du kannst nicht allezeit, wie du willst, auch du nicht« (S. 98). Radikale Pietisten (Anhänger des Konventikelwesens) verbreiten daraufhin das Gerücht, dass Hauke die Allmacht Gottes bezweifle und ein Gottesleugner sei. Er sei »von Gott gefallen« und suche »den Feind Gottes, den Freund der Sünde zu seinem Tröster« (S. 101