Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
DER SCHLAFWANDLER ist eine Zusammenfassung von drei Kurzthrillern: "Der Schlafwandler", "Das Apartment" sowie "Das Haus am See". Alle drei Geschichten sind von einander unabhängig und in sich geschlossen. Von Leserinnen und Lesern, Bloggern und Autoren zum BUCH DES MONATS - Oktober 2018 gewählt (Team Buchmagie)
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
David Führt lebt mit seiner Familie in Thüringen. Seine literarischen Vorbilder sind Arno Strobel sowie Andreas Gruber.
Bisherige Veröffentlichungen:Bitter Böser Mann – Niklas Schröder Reihe Buch 1 (Krimi; 2018) Auflage 2; Epubli/Neobooks
ZITAT
„Wenn Sterben menschlich ist, was ist dann Töten?“
© Dominik Krenner
Für Romy
Die folgenden Geschichten sind reine Fiktion. Sie sind nicht wahr. Sie entspringen weder Fakten noch Gerüchten.
Alle in diesem Buch geschilderten Handlungen, Personen und Behörden sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären zufällig und nicht beabsichtigt.
Der Schlafwandler
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Das Haus am See
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Das Apartment
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Hintergrundinformation
Leseprobe
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Seine Träume sind tödlich
Die gesamte Stadt lag in bleierner Finsternis. Lessleborg wurde in der letzten Zeit häufig von Stromausfällen heimgesucht, was die schon bestehende Kriminalität nur noch weiter aufflammen ließ. Tagsüber glich die Stadt einem Schlachtfeld aus zertrümmerten Scheiben längst geschlossener Geschäfte und den Feuertonnen, die mittlerweile in fast jeder Straße, der zum Slum zerfallenen Stadt brannten. Sie, die Menschen, wurden von der Regierung aufgegeben und sich selbst überlassen. Eine Stadt, die sich gänzlich über Drogen, Prostitution und Menschenhandel finanzierte und dann gab es ihn. Yonis, der Mann mit der Tankstelle.
Für die wenigen, die geblieben waren, war dies der einzige Anlaufpunkt. Nur vereinzelt kamen sie tanken, die meisten jedoch, um ihr Herz auszuschütten, einfach zu reden. Denn das war das einzige was ihnen geblieben war. Manchmal kauften sie auch einen Kaffee oder eine Zeitung, meist jedoch Alkohol. Doch das würde bald Vergangenheit sein. Nun musste auch er gehen. Seine Existenz aufgeben, sein Lebenswerk zurücklassen. Sein Konto war mittlerweile ausgeblutet, er konnte es sich einfach nicht leisten noch mehr Geld hineinzustecken, um nicht mal eine müde Mark herauszubekommen.
Es war keine zehn Jahre her, da war diese Stadt voller Leben, voller Zuversicht. Doch mit der Zeit geriet Lessleborg ins Hintertreffen. Neue große Metropolen wurden gehypt, sodass andere, kleinere Städte auf der Strecke blieben. Wie würde er sie vermissen. Diese verkümmerten Seelen, die sich an der Hoffnung klammerten, dass es wieder bessere Zeiten für diese Stadt geben würde. Aber Yonis war sich sicher, dass dies nicht passieren würde.
Er betrachtete sie eine Weile, so wunderschön, genauso wie am Tag zuvor, als sie vor ihm gestanden hatte, in seinem Laden. Jetzt lag sie vor ihm. Ein schlafender Engel, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht schlief. So wunderschön. Sanft strich er über ihr goldblondes Haar. Sie sah wahrlich wie ein Engel aus, ein Engel mit gebrochenen Flügeln, der nie wieder würde fliegen können.
Er hatte keine Schwierigkeiten hierher zu finden, auch wenn er zuvor nicht wusste, wo sie wohnte, sie schien ihn zu sich gerufen zu haben, wie eine Sirene aus einer Sage. Sie hatte ihn zu sich gelockt und jetzt war sie tot. Im Schlaf hatte er ihr eine Tüte über den Kopf gezogen. Niemand hätte sie hören können, wäre sie aufgewacht, und es hatte ihn auch niemand kommen sehen in dieser finsteren Nacht. Die Familie würde trauern, sicherlich. Aber manchmal muss man Opfer bringen und für ihn war es nur eine von vielen Rosen. Leise schloss er die Tür hinter sich und verließ die Wohnung der Fremden. Wie lange würde es dauern bis man sie fand? Vielleicht schon morgen, wenn sie nicht wie gewohnt um 7:00 Uhr auf der Arbeit erscheinen würde? In den letzten sieben Jahren war sie nie krank gewesen oder hatte sonst unentschuldigt gefehlt. Sie war Lehrerin. Man würde schnell nach ihr suchen.
Doch er war längst wieder in seiner Wohnung, nur zwei Blocks entfernt. Die Nacht war bereits vorüber und die ersten Sonnenstrahlen kämpften sich durch die Himmelsdecke hervor.
Er wälzte sich im Bett, als ein schrilles Summen den Kampf mit der Decke endgültig beendete. Ihm war, als hätte er die gesamte Nacht nicht geschlafen. Blind tastete er nach dem Ursprung des Störgeräusches.
Wieder eine Nacht, die alles andere war, nur nicht erholsam, und das jetzt bereits seit zwei Wochen. Yonis fühlte sich schwach, einfach elendig. Er zog sich eine Jeans über seinen schlaksigen Körper und machte sich auf in Richtung Badezimmer. Als er einen Blick in den Spiegel warf, realisierte er, dass dies keine gute Idee war. Tiefhängende Augensäcke, blasses Gesicht. Er sah gar nicht gut aus. Vielleicht war es die Trennung von Josie, die er scheinbar schlechter vertrug, als er wahrhaben wollte. Aber genau deshalb musste er dieser Stadt endgültig den Rücken kehren.
Josie war ein unglaubliches Mädchen. Sie war dreihundert Meter vor seiner Tankstelle mit ihrem kleinen Flitzer stehen geblieben. Es hatte sich für ihn wie Schicksal angefühlt, dass sie es nicht mehr zur Säule schaffte. Und die restlichen Meter hatte sie zur Tanke laufen müssen. Mit einem verschmitzten Grinsen hatte sie plötzlich vor ihm gestanden und erzählte von ihrem Missgeschick. Den ganzen Abend hatten sie miteinander verbracht. Sie war nicht aus der Gegend, also hatte Yonis ihr angeboten, dass sie mit zu ihm könnte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie zusagen würde. Umso schöner fühlte es sich an, als sie tatsächlich abends zusammen einen Film schauten. Doch als er am nächsten Morgen erwachte, war sie fort, fast als wäre sie nie da gewesen, eine Illusion.
Das war jetzt eine Woche her. Doch dieses Mädchen, von dem er nichts weiter wusste als ihren Namen, bekam er nicht mehr aus seinem Kopf.
In einer halben Stunde würde er wieder am Schalter seiner Tankstelle stehen und die gleichen Gesichter wie am Vortag ertragen müssen. Mittlerweile war es sieben Uhr. Er würde es nicht schaffen jetzt noch ausgiebig zu frühstücken. Es würde wohl wieder darauf hinauslaufen, dass er sich einen Snack in der Mikrowelle warmmachen und diesen, zusammen mit einem Instantkaffee verzehren würde.
Eine Viertelstunde später stand er, nach dem richtigen Schlüssel suchend, vor der Tür. Der Zeitungsbote war heute Morgen überpünktlich. Ein ganzer Stapel Tageszeitungen türmte sich neben der Tür auf. Die oberste würde er sich wie immer nehmen. Er nahm den Stoß, nachdem der passende Schlüssel endlich gefunden war und legte ihn an seinen angestammten Platz neben dem Eingangsbereich.
Er positionierte sich hinter der Theke. Neben ihm brodelte der Wasserkocher für den Instantkaffee, welcher noch in der Verpackung, auf seinen Einsatz wartete. Der Blick in die Zeitung verriet selten etwas Gutes. Die Schlagzeile des heutigen Tages enthüllte, dass in diesem Jahr mehr Menschen die Stadt verlassen hatten, um sich in der nächstgrößeren Stadt, welche etwa zwanzig Kilometer entfernt lag, ein neues Leben aufzubauen. Wehmütig seufzte er auf, auch diese Tanke würde in zwei Monaten Geschichte sein. Er ließ den Blick schweifen und blieb an dem Zettel hängen, der die Kundschaft über die bevorstehende Schließung informieren sollte.
Vorsichtig schlüpfte er in seine Sneakers. Mit einem dünnen Shirt bekleidet, machte er sich auf den Weg in Richtung Haustür. Der Himmel war sternenklar in dieser Nacht und im Vergleich zu den letzten beiden Nächten hatte es sich deutlich abgekühlt. Lange würde es nicht mehr dauern bis der Winter auf die Stadt hereinbrechen und diese mit voller Wucht treffen würde. Allen voran die vielen Obdachlosen unter den Brücken, Parks und stillgelegten Spielplätzen.
Er steuerte auf ein altes, in die Jahre gekommenes Backsteinhaus aus der Gründerzeit der Stadt zu. Mittlerweile war es kurz nach Mitternacht und auch in diesem Haus schienen alle zu schlafen. Die Innenbeleuchtung war komplett erloschen. Wie bei den meisten Gebäuden hier waren die Fenster vergittert, um etwas mehr Sicherheit vor den Einbrecherbanden zu schaffen.
Einen kurzen Augenblick später wandte er sich von dem Gebäude ab und erblickte seine Einladung. Zielstrebig schritt er auf die Feuerleiter zu. Leise, wie eine Katze, kletterte er auf das Dach des Einfamilienhauses, um dann durch den Kamin ins Innere zu gelangen. Wie auf Samtpfoten bewegte er sich auf das Schlafzimmer zu, die Rose in seiner Linken. Heute würde er sie auf dem Kopfkissen seiner Auserwählten positionieren. Die Mordwaffe sollte dieses Mal keine Plastiktüte, sondern ein Kissen sein, welches er neben dem Bett des Opfers gefunden hatte. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn er stolperte über einen herumliegenden Pantoffel. Ungehalten flüchtete er aus der Wohnung des Opfers, bevor dieses seine Anwesenheit bemerken würde.
Die Rose? Er musste noch einmal zurück in die Höhle des Löwen. Also wartete er einen Moment und hoffte, dass sein Opfer noch immer schlief. Bis jetzt waren nur wenige Minuten vergangen, doch er hatte das Gefühl, dass es eine halbe Ewigkeit war. Er konnte nicht mehr länger warten. Schnellen Schrittes bewegte er sich auf den Kamin zu, um seinen Plan diesmal endgültig zu beenden.
Es dauerte nicht lange, da stand er auch wieder an der Schlafzimmertür. Er hatte Glück, ihre Atmung war ruhig und stetig. Jetzt war er umso vorsichtiger, noch einen weiteren Fehltritt so wie vorhin konnte er sich nicht erlauben. Er nahm das Kissen vom Boden auf, um seine Tat endlich zu vollenden. Mit einer Erregtheit, die seinen ganzen Körper durchströmte, presste er das Kissen gegen das Gesicht des schlafenden Mädchens. Du hast es gleich geschafft. Er verließ den Raum nicht, nicht bevor er sichergestellt hatte, dass sie nie mehr erwachen würde. Danach verließ er das Haus wieder durch den Schornstein und machte sich auf den Weg nach Hause.
Am nächsten Morgen konnte Yonis ein wenig länger liegen bleiben, denn eine gute Freundin übernahm die erste Schicht des Tages in der Tankstelle. Er brühte sich einen Kaffee auf, machte sich eine Schüssel mit Cornflakes und fing an die Tageszeitung zu lesen, die wie jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr in den Briefkästen der Abonnenten steckte. Auf dem Titelblatt war groß das Foto einen Tatortes abgedruckt worden. „Sie war noch so jung“, dachte er sich, als er die Frau auf dem Bild näher betrachtete. Es war nichts Ungewöhnliches daran, dass Menschen starben, weil sie ein bestimmtes Alter oder zu viele Drogen genommen hatten oder aber sich mit den falschen Leuten einließen, doch dieser Tod, war etwas anderes.
