Verlag: CW Niemeyer Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

Der Schlüssel der Tredici E-Book

Thomas G. Krage

3.88888888888889 (18)
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E-Book-Beschreibung Der Schlüssel der Tredici - Thomas G. Krage

Im Innenhof des Bückeburger Schlosses wird eine Leiche entdeckt. Zeitgleich verschwindet der uralte Schlüssel der Schlosskirche. Gibt es einen Zusammenhang? Niemand kann sich die näheren Umstände des Mordes erklären. Die Vernunft weigert sich, derart absurde Gedanken zuzulassen, denn alles weist auf dunkle Machenschaften aus längst vergangenen Zeiten hin - und auf den Geheimbund der Tredici. Ihre Spuren führen nicht nur in die finstere Epoche der Gelehrten Kepler und Galilei. Sie lassen auch die Geschehnisse, die zum Untergang der Titanic oder dem Scheitern von Apollo 13 geführt haben, in einem anderen Licht erscheinen. Ein entschlossener Kampf mit ungleichen Gegnern beginnt. Doch die Macht der Tredici scheint ungebrochen.

Meinungen über das E-Book Der Schlüssel der Tredici - Thomas G. Krage

E-Book-Leseprobe Der Schlüssel der Tredici - Thomas G. Krage

Inhalt

Titelseite

Impressum

Über den Autor

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel Dreizehn

Nachwort

Thomas G. Krage

Der Schlüssel der Tredici

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

© 2015 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

Druck und Bindung: Nørhaven, Viborg

eISBN: 978-3-8271-9877-8

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Alle Personen, außer den historisch gesicherten, sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit Lebenden oder Verstorbenen ist nicht beabsichtigt und daher rein zufällig. Das gilt auch für Namen oder Orte.

Über den Autor:

Thomas G. Krage wurde 1954 in Emden geboren und studierte nach dem Abitur evangelische Theologie in Wuppertal, Zürich und Göttingen. Seine erste Pfarrstelle übernahm er 1982 in Brandlecht in der Grafschaft Bentheim. Seit 1993 wirkt er als Hofprediger und evangelisch-reformierter Pfarrer an der Schlosskirche zu Bückeburg. Nach einer theologischen und einer geschichtlichen Schrift liegt nun sein erster Roman vor.

Dieses Buch ist all denen gewidmet,die Freude an der Sprache haben.Die im Wort die Tiefe und Schönheitdes Lebens entdecken.Das Wort, das den Menschen sprachfähig macht,und manchmal über sich hinaus weist.Dorthin, wo uns die Worte fehlen.

Kapitel 1

Der Schlüssel zum Feuer

Am Anfang war die Zahl. Sie ist der Schlüssel zum Drama der ganzen Geschichte. Ein eisiger Nordwind jagte finstere Wolkenfetzen über den Himmel – und irgendwo krähte ein Hahn. Auf den ersten Blick schien alles zufällig zu sein. Doch das war es nicht.

„Halt, hier kommen Sie nicht durch!“ Der Mann rückte seine Mütze zurecht und blickte die Touristengruppe finster an. Unmerklich presste er unter dem dunklen, langen Mantel seine Waffe an sich.

„Keinen Schritt weiter! Das gesamte Areal wird abgesperrt.“ Er sprach mit Nachdruck und musterte die Fremden feindselig.

In diesem Augenblick näherte sich ein Kleinbus. Bremsen quietschten. Die Schiebetür wurde aufgerissen, Polizisten sprangen heraus. Sie rollten rot-weiß flatterndes Markierungsband aus und spannten es quer über die Brücke.

Das fürstliche Schloss wurde systematisch abgeriegelt. Noch am Tag zuvor waren zahlreiche Besucher durch die festlichen Räume spaziert und hatten die unzähligen Kostbarkeiten bestaunt. Doch jetzt lag das Gebäude verwaist da. Die sonst in warmem Gelb leuchtende Fassade wirkte blass und kalt. Alle Fenster und Türen waren geschlossen. Der leere Fahnenmast auf dem hohen Schloss turm wies wie ein warnender Zeigefinger gen Himmel. Schlauchboote wurden in die Graft gelassen, ein Hubschrauber kreiste mit Ortungsgeräten über dem Park. So etwas hatte die beschauliche Residenzstadt Bückeburg noch nicht erlebt.

In den Morgenstunden war Alarm ausgelöst worden. Ein Bediensteter hatte einen grausigen Fund gemacht. Mitten im Innenhof, direkt vor dem Portal der ehrwürdigen Schlosskirche, lag eine Leiche. Grausam zugerichtet. Die Kleidung zerfetzt und blutverschmiert, das Gesicht nach unten gedrückt. Der rechte Arm war ausgestreckt, die Hand leicht geöffnet. Als wollte sie etwas Wertvolles festhalten, was nicht mehr zu halten war.

Jetzt war die Spurensicherung bei der Arbeit. Akribisch wurde fotografiert, untersucht. Und verhört.

Die Identifizierung der Leiche gelang anhand gefundener Ausweise schnell. Doch genau das machte die Sache verworrener. Fragen über Fragen türmten sich auf. Was wollte der Tote hier? Wie gelangte er unbemerkt in den Schlosshof? Wer steckte hinter dem Mord? Nichts Großartiges im Schloss schien gestohlen worden zu sein. Alle wertvollen Gegenstände waren unversehrt an ihren Plätzen: die berühmten Gemälde, das einzigartige Porzellan, die funkelnden Gold- und Silbermünzen. Nur der uralte Schlüssel zur Schlosskirche fehlte. Die Tür war entschlossen.

„Thirteen ...

twelve ...

eleven ...

ten ...“

Cape Kennedy, Florida. Es ist der 11. April 1970. Wie gebannt starren unzählige Augen auf die gewaltige Saturn-V-Rakete, die majestätisch an der Startrampe wartet, um in wenigen Sekunden mit einer Apollo-Kapsel abzuheben. Eine seltsame Spannung liegt in der Luft. Es scheint, als ob sich der Countdown mehr und mehr in die Länge zieht, als krieche die Zeit dahin und verliere ihren unbestechlichen Rhythmus. Die Nervosität bei allen Beteiligten steigt ins Unermessliche, auch wenn offiziell Gelassenheit demonstriert wird. Im Kontrollzentrum in Houston laufen die allerletzten Vorbereitungen in routiniertem Umfang. Man gibt sich sicher, dass dieser Flug an die erfolgreichen Vorgängermissionen anknüpfen wird.

Anknüpfen muss.

Und dennoch. Allen Beteuerungen zum Trotz, mit dieser Rakete startet nicht irgendein Weltraumflug, sondern ein ganz besonderer. Es ist allein die Zahl, eine simple Nummerierung, die höchste Brisanz verleiht.

Es ist Apollo 13.

Oben in der Kapsel hocken voller Anspannung die drei Astronauten Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise. Monatelang haben sie sich auf diesen Flug vorbereitet, unermüdlich trainiert und alle Eventualitäten geprobt. Gleich ist es soweit, gleich wird es endlich losgehen. Die Anzeigegeräte im Cockpit signalisieren, dass alle Systeme normal arbeiten. Nichts kann sie mehr aufhalten, gar nichts auf der Welt. Ihr Ziel ist der Mond, genauer das Fra-Mauro-Gebiet. Jenes geheimnisvolle Areal, das in der Nähe der gewaltigen Krater Kopernikus und Kepler liegt.

Die Kameras surren, die Teleobjektive der Fotografen sind längst scharf gestellt. Auf der Tribüne, von der aus der Start in sicherem Abstand verfolgt werden kann, hält es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Plätzen. Auch Prominente sind angereist. Stolz erklärt Präsident Nixon dem deutschen Bundeskanzler, der gerade zu Beratungen in den USA weilt, den Aufbau der Rakete mit ihren verschiedenen Stufen. Interessiert folgt Willy Brandt den Ausführungen, hat er doch noch nie einen Apollostart unmittelbar miterleben können. Der Funke der Faszination für das, was Menschen erdacht und erbaut haben, erfasst auch ihn. Ohne Zweifel ist die riesige Rakete mit der Kapsel an der Spitze ein eindrucksvolles Symbol für die Schaffenskraft des Homo sapiens, der im Begriff steht, die Erde zu verlassen und sich den Weltraum untertan zu machen.

Alle starren voller Spannung auf die gewaltigen Triebwerke, die gleich gezündet werden, um die Saturn-V wie auf einem Feuerstrahl davonstürmen zu lassen. Der Countdown läuft.

„Nine ...

eight ...

seven ...

six ...“

Plötzlich werden die Blicke von der Rakete abgelenkt. Eine junge Frau rennt über das Gelände, als würde sie um ihr Leben laufen. Ihre blonden Haare sind zerzaust, ihr buntes Kleid flattert unstet im Wind. Sie schreit, reißt die Arme hoch und steuert direkt auf die startbereite Saturn-V zu.

Die Zuschauer halten die Luft an. Wo kommt diese Person auf einmal her – und was will sie? Kaum jemand hat bemerkt, wie sie sich aus der Menge gelöst und unauffällig alle Sicherheitsabsperrungen überwunden hat. Erst als deutlich wird, dass sie schnurstracks zur Rakete stürmt und immer mehr ins Bild der Kameraleute hineinläuft, werden die Verantwortlichen nervös. Dieser Zwischenfall ist nicht eingeplant, er steht nicht im Drehbuch zu einem Bilderbuchstart. Jene Unbekannte lenkt in ungebührlicher Weise just in diesem entscheidenden Augenblick die Aufmerksamkeit auf sich. Das kann unter keinen Umständen geduldet werden. Deshalb ist keine Zeit zu verlieren, es muss sofort gehandelt werden!

Mit quietschenden Reifen braust der graue Geländewagen des Security Service los, um die Frau einzufangen und von ihrem Kurs abzubringen. Allen Beobachtern stockt der Atem.

„Five ...

four ...

three ...

two ...

one ...

zero – lift off!“

Gelassen schaut der Direktor der NASA in Houston auf seine goldene Armbanduhr. Er ist stolz auf das perfekte Timing. Es ist exakt 13.13 Uhr. Mit ohrenbetäubendem Lärm zünden die Triebwerke und tauchen das Areal in eine riesige Dampfwolke. Es sieht für einen Augenblick so aus, als würde Apollo 13 zögern, den sicheren Erdboden zu verlassen. Als würden unsichtbare Bande die Rakete zurückhalten. Aber dann reißt sie sich los und schießt mit voller Kraft in den Himmel. Jetzt scheint sie nichts mehr aufzuhalten. Der Weg zum Mond ist frei.

Die junge Frau reckt ihre entblößten Arme nach oben. Als hätte sie die Rakete noch festhalten wollen, als stände es ihr zu, über Himmel und Erde zu herrschen. Irgendetwas schreit sie mit letzter Kraft aus ihrer Seele heraus – aber niemand hört sie. Das Donnern der Triebwerke übertönt jeden menschlichen Laut. Jetzt hat allein die Technik das Sagen.

Die Zuschauer wischen sich den kalten Schweiß von der Stirn. Stumm schauen sie auf den Platz, wo gerade noch die Saturn-V stand. Dichter Rauch verleiht dem Gelände eine gespenstische Atmosphäre. Noch können sie nichts sehen. Nur zögernd lichtet sich der Schleier.

Plötzlich ein Aufflackern. Das Kleid der Frau hat Feuer gefangen. In Sekundenschnelle breitet es sich aus. Unaufhaltsam. Wie eine lodernde Fackel bewegt sich die Unbekannte, schlägt um sich, kämpft um ihr Leben. Bis sie schließlich zusammensackt.

Blankes Entsetzen packt die Zuschauer. Völlig hilflos starren sie nach vorne.

Endlich ist der Wagen zur Stelle. Zwei Männer springen heraus, einer hat einen Feuerlöscher zur Hand. Der Schaum sprüht und umhüllt den Körper wie Schnee. Doch die Hilfe kommt zu spät. Bei lebendigem Leib ist die junge Frau verbrannt.

Eine Zeit lang stehen die Männer regungslos da. Sie blicken in das verzerrte Gesicht der Toten. Wie in einem Spiegel entdecken sie Erwartungen und Enttäuschungen, Lebensfreude und Todesangst eng beieinander, während Apollo 13 sich immer weiter von diesem Schauplatz entfernt. Das Glück des Himmels und das Leiden der Welt kristallisieren sich auf jenem Stückchen Erde, auf das in diesem Augenblick durch den Dunst des Rauchs ein schmaler Sonnenstrahl fällt.

Schließlich bückt sich einer der Männer, um den verkohlten Leib zu bergen. Mit kräftigen Händen hebt er die Leiche vom Asphalt und trägt sie zum Wagen. Der andere ist ihm behilflich. Dabei fällt ihm eine Kette auf, die die Tote um den Hals trägt und die das Feuer unbeschadet überstanden hat. An ihr hängt ein rußgeschwärztes Medaillon. Vorsichtig nimmt er es zwischen seine rauen Finger und reibt es blank. Er dreht den Anhänger zur Sonne. Kein Name ist eingraviert, nur ein Symbol: Ein geheimnisvoller Schlüssel.

Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich der Rettungswagen. Als der Mann ihn bemerkt, reißt er mit einem Ruck die Kette vom Hals der Leiche. Unauffällig lässt er das Schmuckstück in seine Hosentasche gleiten.

Er nickt seinem Kollegen zu.

„Das Teil behalten wir besser für uns“, sagt er rasch, „sonst ...“

Seine Stimme beginnt auf einmal zu zittern und er stirbt. Das Gesicht ist aschfahl geworden. Abrupt wendet er sich ab und rennt davon. Hinter einem Gebäude wirft er das Medaillon in weitem Bogen von sich.

Unter den Zuschauern auf der Tribüne befindet sich eine Reisegruppe aus Europa. Es sind Physikstudenten, die die einmalige Gelegenheit nutzen, einen Apollostart live mitzuerleben. Sie starren durch ihre Ferngläser oder lassen die Fotoapparate klicken. Alle folgen fasziniert der Bahn der Rakete in den Himmel. Nur Christian Sonnthag, ein junger Student aus Deutschland, blickt unentwegt auf den Boden. Wovon er gerade Augenzeuge gewesen ist, lässt ihn nicht los. Wild pocht sein Herz. Er spürt den grausamen Schmerz, als ob er selbst dort verbrannt wäre. Anfangs wollte er aufspringen und der Frau zu Hilfe eilen. Aber seine Kommilitonen hielten ihn mit aller Macht fest.

„Das ist nur eine Verrückte, der kann man nicht helfen“, erklärten sie abschätzig.

Ohnmächtig hockte er auf seinem Platz und beobachtete mit Entsetzen das weitere Geschehen.

Erst als die Leiche weggeschafft ist und sich die Wagentür wie ein Sargdeckel schließt, steht er verstört auf. Nachdenklich verlässt er die Tribüne und trottet zum Parkplatz zurück, wo der Busfahrer gelangweilt auf die Rückkehr der Studenten wartet.

Immer wieder laufen die Sekunden des Schreckens im Zeitraffer vor seinem Inneren ab und lassen ihn erschaudern. Für einen Moment hat er genau ihr Gesicht gesehen, weit aufgerissene Augen und Totenblässe. Es kam ihm vor, als schaute er in die Tiefen der Hölle, in den Schlund grenzenloser Verzweiflung. Was ist das für eine Frau gewesen? Da fliegen Menschen mit einem Feuerstrahl zum Mond, beobachtet von vielen. Doch im Schatten verglüht eine Unbekannte. Aber das scheint niemanden zu interessieren.

Bevor Christian in den Bus steigt, wendet er sich noch einmal um und blickt verloren zum Himmel. Von Apollo 13 ist nichts mehr zu sehen.

Rasch nähern sich viele dunkle Wolken. Eine Decke der Undurchdringlichkeit, des Schweigens breitet sich aus.

Bald sind alle Studenten eingetroffen und der Bus fährt ruckelnd los. Er zieht eine dicke Staubwolke hinter sich her.

„Schau mal, was ich gerade auf dem Weg gefunden habe“, vermeldet Petra unvermittelt und bläst den Staub beiseite.

Christian greift nach einem kleinen Buch. Es ist säuberlich in einen rot-schwarzen Einband gebunden. Er schlägt eine Seite in der Mitte auf. Unruhig überfliegt er die Zeilen. Plötzlich läuft es ihm eiskalt über den Rücken. Ihm wird bewusst, dass dies ein Tagebuch ist. Die vertraulichen Notizen einer Frau. Wünsche, Hoffnungen, Enttäuschungen. Und vor allem unermessliche Ängste.

Kapitel 2

Alles fließt

Das Drama nahm seinen Lauf.

Jahre später.

Wie ein glitzerndes Band in der Sonne zog sich die Autobahn von Frankfurt am Main Richtung Westen. Christian Sonnthag hatte es nicht eilig. Die Konferenz in Köln sollte erst in einigen Stunden beginnen und bis dahin war genügend Zeit. So fuhr er ein gemütliches Tempo; aufgrund der Verkehrsdichte hatte das Rasen sowieso keinen Zweck.

Seine Gedanken schweiften ab. Er sah Petras Tränen vor sich, wie sie aus ihren himmelblauen Augen hemmungslos über die Wangen rollten, als sie sich zum Abschied küssten. Ihr warmer Körper, der Duft nach Sommerblüten, alles spürte er, als säße sie dicht neben ihm.

Schon oft war er beruflich nach Köln gefahren, meistens für ein, zwei Tage. Allerdings lag diesmal über dem Abschiednehmen eine seltsame Stimmung. Eine Schwere breitete sich aus, als ob die Wolken über ihnen Blei bereithielten. Stand eine Trennung bevor, sollten sie sich nie wiedersehen? Gefahr lag in der Luft. Irgendwie schien er sie zu wittern. Christian war sensibel für Geschichte und besaß ein untrügliches Gespür für zukünftige Ereignisse. Oft hatte er Petra mit seinen Visionen verblüfft und meistens recht behalten.

„Du brauchst nur aufmerksam die Vergangenheit studieren, um Folgerungen für die Zukunft zu ziehen“, erklärte er jedes Mal, wenn sie über seine Treffsicherheit erstaunt war. „Die Zukunft ist kein weißes Blatt Papier, das völlig leer zum Beschreiben daliegt. Schon viele Striche sind vorgezeichnet. Aus ihnen entwickelt sich das Gemälde, das nie fertig wird.“

Christian Sonnthag war 1,80 m groß, trug kurz geschnittenes Haar und war trotz seines fortgeschrittenen Alters sportlich schlank geblieben. Auffallend waren hinter einer runden Nickelbrille seine hellwachen Augen. Der stechende Blick, der alles aufnahm, was sich in der Nähe oder Ferne abspielte. Sinn für Humor, die tiefe Stimme und die Fähigkeit, galant mit Sprache umzugehen, schätzten seine Freunde. Besonders war sein Forscherdrang ausgeprägt, verbunden mit einer großen Portion von Mut und Entschlossenheit. Das barg allerdings die Gefahr, Grenzen nicht zu erkennen. Wenn er erst mal von etwas begeistert war, ließ ihn die Sache nicht mehr los. Der Drang, die Wahrheit herauszufinden, auch Widerständen zum Trotz, beflügelte ihn. Das war pure Herausforderung, der er sich ganz und gar stellte. Dann vergaß er vieles andere, es rückte schlicht in den Hintergrund. “Ich kann nur an Ort zu Zeit sein, und nur tun – und dem will ich mich total hingeben“, war sein Motto geworden.

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