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Im Jahre 1845 wurden drei Kinder in einer abgelegenen Gegend Polens unter seltsamen Umständen geboren. Alle drei waren durch ihre besonderen Fähigkeiten für immer miteinander verbunden. Liebe, Hass und Tod sollte ihr Leben bestimmen. Mit ihrer Geburt wurde ein alter Fluch in ihrem Dorf wieder zum Leben erweckt. Eine alte riesige Kirche und ihr Geheimnis, die grausige Macht der Krähen und der Tod sollte Ihr Leben von nun an bestimmen.
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Seitenzahl: 372
Veröffentlichungsjahr: 2022
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In einem kleinen polnischen Dorf, in einer Gegend, die auf den meisten Landkarten nur als Sumpfgebiet dargestellt wurde, da sich niemand für diese Wildnis interessierte, lebte ein junges Bauernpaar.
Sie waren einfache Leute und kamen mit ihrem kleinen Bauernhof jedes Jahr recht gut über die Runden. Der Ertrag, den die beiden erwirtschafteten, reichte aus, um sorgenfrei zu leben. Die Potoskis besaßen einige Felder und auf ihrem Hof hielten sie Kühe und Federvieh, so wie es die meisten Bauern in der Umgebung hielten.
Zu ihrem Glück fehlte nur der Nachwuchs, aber dieser blieb über die Jahre aus.
Das junge Paar litt unter dem Umstand, dass der gemeinsame Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging. Alle anderen Familien in ihrer Gemeinde der beiden hatten Nachwuchs, nur bei ihnen wollte sich das Kinderglück nicht einstellen.
In ihrem Dorf hatten alle Familien Kinder, nur bei ihnen blieben die Nachkommen aus.
Man schrieb das Jahr 1845 und die Welt befand sich in Aufbruchstimmung, aber in diesem kleinen polnischen Dorf schien die Zeit schon vor vielen Jahren stehen geblieben zu sein.
Hier in dieser Abgeschiedenheit der Wälder und Sümpfe fanden die Ereignisse der Geschichte nur in der Ferne statt. Sie überdauerten Könige und Kaiser, und von den politischen Verhältnissen in ihrem Land bekamen sie nicht viel mit.
Die Bauern klebten an ihrer Scholle und schienen froh zu sein, dass der Rest der Menschheit sie in Ruhe ließ. Selten verschlug es einen fahrenden Händler in diese Gegend, und Reisende umgingen normalerweise diese Sumpfgebiete. Von diesem Fleck der Erde blieb es für die Bauern eine Weltreise bis zur nächstgrößeren Stadt.
Nur der Pfarrer verließ ein-, zweimal im Jahr das Dorf und reiste zu dem Amtssitz des katholischen Bischofs dieser Diözese, um sich mit seinen Glaubensbrüdern auszutauschen und dem Bischof Bericht zu erstatten, wenn dieser danach verlangte.
Für die Bauern gab es nur sehr selten einen Grund, das Dorf zu verlassen, und sie interessierten sich auch nicht für die Welt außerhalb ihres Universums am Fluss. Aber einen Anlass gab es dennoch für jeden Bauern!
Im Dorf wurde über Generationen ein alter Brauch gepflegt, dass die jungen Leute nach ihrer Hochzeit zumindest einmal in ihrem Leben in die Stadt reisen sollten. Das junge Paar verließ für einige Tage die gewohnte Umgebung, um etwas von der Welt zu sehen, wie die Leute im Dorf zu sagen pflegten.
Auch Potoskis reisten nach ihrer Hochzeit in die Stadt, und sie waren überwältigt.
Sie dachten später oft an diese Reise, allerdings ohne miteinander darüber zu reden. Beide plagten sich heimlich mit Vorwürfen über die Ereignisse in dieser Zeit. Denn sie glaubten später fest daran, dass diese Reise etwas mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch zu tun haben könnte, und so behielt jeder seine Gefühle und Eindrücke dieser Hochzeitsreise für sich.
So viele Menschen auf einem Fleck gab es nicht einmal zum großen Jahrmarkt am Jahresende in ihrem Dorf.
Nach der Ernte trafen sie sich mit dem einzigen Dorf in ihrer Nachbarschaft zu einem Fest.
Das andere Dorf lag nur einen Steinwurf entfernt hinter einem Hügel und man hätte auch die beiden Dörfer als eines sehen können, aber die Bauern der Gemeinden waren auf eine strikte Trennung bedacht.
Es entsprach einfach ihrer weltfremden Mentalität und sie betrachteten jeden Dorffremden mit Argwohn, obwohl beide Dörfer über die Jahre miteinander auf jegliche Weise verwandt und verschwägert waren. Dieses Treffen gehörte zu den
Höhepunkten des Jahres für die beiden Dörfer. Die Feierlichkeiten fanden in ihrem Dorfe statt, da sie die älteste und prächtigste Kirche am ganzen Flusslauf hatten.
Potoski hatte immer gedacht, dass es kein größeres Haus geben könnte als ihre Dorfkirche, aber in der Stadt musste er feststellen, dass es weit größere Bauwerke gab. Das junge Brautpaar konnte gar nicht fassen, wie viele Menschen hier auf einem Fleck zusammenlebten. Das war nichts im Vergleich zu ihrem jährlichen Fest, welches sie mit der anderen Dorfgemeinschaft feierten.
Aber in der Stadt schien alles möglich! Sie standen beeindruckt vor den hohen Häusern und konnten nicht verstehen, wie die Stadtmenschen in dieser Enge leben konnten. Erschüttert mussten sie sehen, wie arme Menschen auf den Straßen bettelten und zerlumpte Kinder in dem Unrat der Gosse spielten und am gleichen Ort sichtlich reiche Bürger in überladenen Geschäften ihre Einkäufe tätigten, ohne sich an dem Elend der anderen zu stören.
Sie verstanden die emsige Geschäftigkeit der Menschen nicht, die Hast und Hektik verstörte die beiden. Selbst am Tagesende ließ der Trubel nicht nach. Die Straßen füllten sich jetzt mit Stadtbewohnern, die ständig und allerorts zu feiern schienen. Die Gaststätten und Schänken waren voll mit lauten, lärmenden Menschen, es spielte unentwegt Musik und es wurde reichlich getrunken. Das junge Brautpaar versuchte unbeholfen sich an dieser Ausgelassenheit zu beteiligen, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen. Trotzdem war es zutiefst beeindruckt von diesem Treiben.
Allerdings fiel Potoskis auch auf, dass sich zu den Abendstunden an einigen Stellen der Stadt plötzlich recht anstößiges Volk herumtrieb. In ihrer Unbedarftheit verliefen sie sich in einer der Nächte in eine Gegend, in der es beiden unheimlich wurde. Hier lungerten in den dunklen Ecken Gestalten herum, die ihnen Angst machten, und einige der Damen, welche am Tage einen überaus vornehmen Eindruck machten, nun zur Nachtzeit aber recht aufreizend auf der Straße standen.
Potoski beobachtete die feingekleideten Damen in ihrer überaus weiblichen Ausstaffierung. Diese Frauen erregten ihn und machten ihm gleichzeitig Angst. Niemals hätte er es gewagt, eine dieser Frauenzimmer anzusprechen. Was hätte er auch sagen sollen? Er war nur froh darüber, dass seine Frau seine Blicke nicht bemerkte, aber sie schien viel zu sehr damit beschäftigt, selbst alle Eindrücke aufzunehmen und zu verstehen. Zum Glück schien ihr diese lüsterne Veränderung nicht aufzufallen.
Lagen sie dann abends in den Federbetten der kleinen Herberge, waren beiden glücklich, einander zu haben. Allerdings belebten diese Eindrücke ihr Liebesleben ungemein. Es schien geradezu so, als würden sich die jungen Eheleute gerade hier in der Stadt besonders viel Mühe geben, ihrem Partner zu gefallen, und so untermauerten sie ihre Beziehung in heftigen Liebesattacken.
Vielleicht waren es diese Eindrücke in der Fremde, welche die Menschen bewog, ihre kleine Gemeinde später nicht mehr zu verlassen. Für Potoski bestand auf jeden Fall kein Zweifel daran, dass er in einer Stadt nicht leben würde, und seine Frau pflichtete dem bei.
So verbrachten die beiden einige aufregende und glückliche Tage an diesem Ort.
Sie hatten viel Zeit füreinander, und so wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn einige Monate später Potoskis Frau in anderen Umständen gewesen wäre. Schon die Alten im Dorf behaupteten, dass während dieser Hochzeitsreisen viele Nachkommen ihres kleinen Dorfes gezeugt wurden. Zählte man nach den Geburten eines Kindes die Monate der Schwangerschaft zurück, kamen die Leute meist auf die ungefähre Zeit der Hochzeitsreise der jungen Paare. So hofften auch Potoskis, bald Nachwuchs zu erwarten. Aber nichts dergleichen geschah. Beschämt dachte Potoski später mit seiner Frau an das Gerede der Leute, nachdem sie von ihrer Hochzeitsreise zurück waren.
Die Weiber in der Spinnstube rechneten schon den Geburtstermin ihrer zukünftigen Kinder aus. Aber ihre Ehe blieb kinderlos.
Am Anfang tuschelten die Leute im Dorf hinter ihrem Rücken, und die Bauern machten unflätige Bemerkungen über seine Manneskraft, aber im Laufe der Zeit verstummten die Spötter. Die Leute im Dorf fanden sich damit ab, dass Potoskis keine Kinder hatten. Es gab für die eigenbrötlerischen Bauern wichtigere Dinge, als sich mit den Problemen der jungen Eheleute zu beschäftigen. Es fiel niemandem auf, wie sehr die beiden unter dieser Situation litten. Potoski haderte mit seinem Schicksal, er gab sich die Schuld für das Ausbleiben der Schwangerschaft. Er wusste, dass er damals in der Stadt meist an die aufregenden Frauenzimmer in ihrer aufreißenden Ausstaffierung gedacht hatte, wenn er mit seiner Frau zusammenlag, und das hatte seine Liebeslust unglaublich angespornt.
Auch Wochen später beschäftigte er sich in seiner Fantasie mit diesen Frauen und malte sich Dinge aus, für die er am nächsten Tag in der Kirche eifrig Buße leistete. Anfangs wagte er es nicht, seiner Frau am nächsten Morgen in die Augen zu sehen, als könnte sie hinter seiner Stirn die Bilder seiner unzüchtigen Gedanken erblicken. Potoski liebte seine Frau, daran bestand kein Zweifel, aber trotz allem konnte er in lüsternen Momenten nicht von diesen Weibsbildern lassen.
Erst als ihm bewusst wurde, dass seine Frau nicht schwanger wurde, regte sich ein intensives Schuldgefühl. Nun schien ihn sein Gott für derartige Gedanken zu bestrafen. Reuevoll verbrachte er viele Stunden in der Kirche und versuchte mit intensiven Gebeten einen Ablass zu schaffen, und er bewirkte es tatsächlich, nicht mehr an die Frauen in der Stadt zu denken, so groß wurde seine Angst, schuld zu sein an diesem kinderlosen Zustand.
Fast jeden Abend saß er mit seiner Frau zusammen und sie haderten mit ihrem Schicksal. Keiner machte dem anderen irgendwelche Vorwürfe, sie hielten die Hände und beteten. Potoskis Frau glaubte ihrerseits die Schuld zu haben an ihrer Zeugungsunfähigkeit, denn die Frauen bekamen nun einmal die Kinder und ihr Schoß blieb unfruchtbar. Sie hatte Angst, ihren Mann zu verlieren, und kämpfte täglich um dessen Zuwendung. Sie bereitete ihm besonders gutes Essen und gab sich jegliche Mühe in ihrem Zusammensein.
Eines Tages sprachen sie darüber, ob sie nicht einen anderen Weg finden könnten, endlich ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen.
Anfangs glaubte Potoski, seine Frau würde den örtlichen Pfarrer meinen, schließlich musste dieser als geistiger Hirte der Gemeinde ein besonders gutes Verhältnis zum göttlichen Schicksal haben. Aber seine Frau wollte davon nichts wissen.
»Wir haben lang genug gebetet, aber er hilft uns nicht. Wir haben nichts Unrechtes getan.« Sie zögerte einen Augenblick. »Vielleicht sollten wir uns anders behelfen!«
Potoski erschrak über die Entschlossenheit seiner Frau etwas zu unternehmen, was offensichtlich nicht im Einklang mit dem Pfarrer stehen könnte.
»Was willst du tun, Frau?«
Sie nahm ihn an die Hand und setzte sich an das Fenster in ihrer Schlafstube. Von hier aus konnte man die Kirche und den angrenzenden Friedhof sehen. Leise fing Potoskis Frau an zu sprechen.
»Meine Mutter hat mir vor vielen Jahren etwas Unheimliches erzählt.«
Dabei zeigte sie auf den Gottesacker.
Jahre vor der Geburt ihrer Mutter gab es im Dorf eine Frau, deren Mann frühzeitig bei einem tragischen Unfall verstorben war. Diese Frau sollte fast jede Nacht auf den Friedhof gegangen sein, um dort am Grab ihres Mannes zu schlafen, so sehr hatte sie ihn geliebt. Monate später, erzählte damals ihre Mutter, bekam die Frau ein Kind, obwohl jeder im Dorf hätte schwören können, dass kein anderer Mann bei ihr gewesen war. Damals fürchteten sich die Bauern vor der Frau und vertrieben sie, bevor das Kind zur Welt kam. Was aus der Frau geworden ist, wusste ihre Mutter nicht mehr zu berichten. Potoski hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf.
»Das ist Unsinn und verrückt. Soll ich erst sterben, damit du auf den Friedhof gehen kannst, um was zu tun?«
»So habe ich das nicht gemeint!«
Potoskis Frau sprang erschrocken auf. Den Tod ihres Mannes wollte sie natürlich nicht, aber es blieb immer noch die Möglichkeit, dass die Kräfte der Verstorbenen ihr zu einem Kind verhelfen könnten.
»Da können wir uns ja gleich mit dem Teufel einlassen!«, fluchte Potoski und bekreuzigte sich gleichzeitig. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn, denn seine Frau entgegnete nichts, obwohl sie bislang immer eine schreckliche Angst davor hatte, dem Leibhaftigen zu begegnen.
Ihr Kinderwunsch schien jegliche Vorsicht und Vernunft außer Acht zu lassen. An diesem Abend sprachen die beiden kein Wort mehr miteinander. Potoski, weil er Angst hatte, von seiner Frau Dinge zu hören, mit denen er nicht zu tun haben wollte, und seine Frau schwieg, da sie sich Vorwürfe machte, ihrem Mann indirekt den Tod gewünscht zu haben.
Eine Woche nach dieser Auseinandersetzung stieg Potoskis Frau mitten in der Nacht aus dem Bett und ging heimlich zum Friedhof.
Sie hatte Angst vor ihrem Mann und vor dem nächtlichen Gottesacker.
Über dem Friedhof stand dichter Nebel, der aus dem Moor emporstieg. Sie schlich in ihrer seelischen Not planlos durch die Reihen der Toten. Einige Male wäre sie fast über ein Grab gestürzt. In dem spärlichen Licht, welches der Mond über dem Nebel spendete, konnte sie fast nicht sehen. Bei jedem Geräusch fuhr sie zusammen, und sie glaubte, unheimliche Bewegungen in den Nebelschleiern zu sehen. Sie wusste nicht, was sie nun unternehmen sollte. Allein die Hoffnung auf ein Wunder verlieh ihr die Kraft, in dieser Nacht einen solchen Ort aufzusuchen. Sie suchte nach einem Zeichen, einem Hinweis, nach irgendetwas, das ihr helfen konnte, ihre seelische Not zu lindern. Nichts außer das lähmende Entsetzen dieses Ortes begegnete ihr. Nach einer Weile sank sie erschöpft und weinend zu Boden. Sie wäre bereit gewesen alles zu tun, nur um ein Kind zu bekommen, aber selbst hier ließ sie das Schicksal im Stich. Am liebsten wäre sie jetzt gestorben, um so ihrer Verzweiflung zu entgehen. Sie hockte sich vor eines der Gräber und begann inbrünstig zu beten, dabei versetzte sie sich in einen derartigen trancehaften Zustand, dass sie in dieser Körperhaltung einschlief. Ihr Körper kippte nach vorn und sie schlug mit dem Kopf gegen den Grabstein, wovon sie erwachte. Etwas benommen zog sie sich an dem kalten Stein empor, dabei blickte sie unweigerlich auf den eingravierten Namen des Verstorbenen.
»Potoski« las sie laut und fuhr zurück.
Erschrocken stolperte sie nach hinten und stürzte zu ihrem Entsetzen in eine offene Grube. Als sie sich aufrappelte und versuchte, aus dem feuchten Loch zu steigen, stellte sie mit Entsetzen fest, dass auf dem Rand der Grube lauter Krähen saßen und diese nach ihren ausgestreckten Händen hackten. Entsetzt schlug sie mit aller Kraft nach den Tieren, aber diese wichen nicht zurück. Sie fing an zu schreien, inzwischen war es ihr egal, ob sie jemand auf dem Friedhof entdecken würde. Sie wollte nur noch aus der Grube heraus.
In diesem Augenblick packte sie ihr Mann und stieß ihr kräftig in die Seite. Plötzlich lag sie in ihrem Bett und sah in das fassungslose Gesicht ihres Gatten. Sie brauchte einen Moment, um zu verstehen, was mit ihr geschah. Offensichtlich lag sie in ihrem Bett und hatte geträumt. Erschöpft ließ sie sich in ihr Kissen sinken und weinte.
Potoski bemühte sich hingebungsvoll um seine Frau, bis diese endlich einschlief.
Am nächsten Morgen blieb sie länger im Bett, um über das Geschehene nachzudenken. Sie war sich nicht sicher, ob sie wirklich geträumt hatte. Erst als sie ihre schmutzigen Füße sah, wusste sie, dass sie in der Nacht auf jeden Fall nicht nur im Bett gewesen war. Völlig verängstigt versuchte sie das Erlebte zu verstehen, aber sie fand keine Lösung. Sie konnte nur mit Sicherheit sagen, auf dem Friedhof gewesen zu sein. Nun schämte sie sich für ihre Verzweiflung und suchte Trost im Gebet.
Mit ihrem Mann sprach sie nicht über das Erlebte, zumal keine erhoffte Veränderung eintrat. Ihre Unverzagtheit, jemals ein Kind zu bekommen, schwand, da nicht einmal die unheimlichen Kräfte auf dem Friedhof ihr helfen konnten. Nach einem weiteren halben Jahr begannen sie das Thema zu meiden und versuchten sich einzureden, keine Kinder mehr haben zu wollen. Nur ihre Herzen sagten etwas anderes.
Alles änderte sich, als eines Tages im Dorf die dicke Koschwitz unerwartet starb.
Die dicke Koschwitz war die reichste Bäuerin im Dorf, wenn man in so einem kleinen, unbekannten Ort überhaupt von Reichtum reden konnte. Ihr Besitz übertraf an Größe alle Höfe in der angrenzenden Gegend. Sie gehörte zu den wenigen in der Gemeinde, die sich mehrere Knechte halten konnten. Wobei die Weiber der Bauern darüber lästerten, dass diese Männer bestimmt nicht wegen ihrer Arbeitsleistung bei der dicken Koschwitz untergekommen waren, denn der Ehemann der Bäuerin starb schon vor vielen Jahren. Trotzdem verließ die Bäuerin auch nach dem Tod ihres Mannes das Kinderglück nicht. Alle paar Jahre wieder bekam der Koschwitzhof Nachwuchs. So lebte auf dem Hof der dicken Koschwitz eine beachtliche Zahl von Kindern und Gesinde.
Keiner im Dorf wagte in Gegenwart der dicken Koschwitz darüber ein Wort zu verlieren. Alle hatten Respekt vor ihr, denn sie war eine gewaltige Erscheinung. Obwohl sie über eine beachtliche Leibesfülle verfügte, hatte sie ihre frauliche Attraktivität bewahrt. Sie hatte das Antlitz eines wunderschönen Engels, große Augen, volle Lippen und langes, dunkles Haar. Schnell konnte sie mit ihrem herausfordernden Blick und der Art ihres Auftretens einen Mann auf sich aufmerksam machen. Es fiel ihr sichtlich nicht schwer, einen weiteren Knecht für ihren Hof zu finden. Aber es wurde kräftig gelästert, wenn ein neuer Knecht eingestellt wurde und ein anderer überstürzt den Hof verlassen musste.
Nur der Pfarrer im Dorf wusste als Einziger, was sich auf dem Hof des Nachts so abspielte, denn die dicke Koschwitz ging jeden Sonntag zur Kirche. Sie gehörte zu den Frauen, die regelmäßig den Beichtstuhl aufsuchten. Manche bösen Zungen behaupteten, dass diese Beichten dem Pfaffen besondere Freuden brachten.
Nun war die dicke Koschwitz gestorben.
Wie man erzählte, sollte sie am Tag zuvor auf dem Friedhof das Grab ihres verstorbenen Mannes besucht haben, danach musste sie zu Bett gegangen sein. Am nächsten Morgen konnte die schnell herbeigerufene Kräuterfrau Kapschuthke nur noch ihren Tod feststellen. Die dicke Koschwitz musste im Schlaf gestorben sein.
Einige rechthaberische Weiber aus der Nachbarschaft stichelten, dass die Koschwitz es wohl zu arg getrieben hätte mit ihren zahlreichen Knechten. Bei ihrer Leibesfülle wäre es nur zu verständlich, dass ihr Herz derlei nicht verkraften konnte.
Als der Pfarrer von diesem bösartigen Gezänk erfuhr, mahnte er am nächsten Sonntag von der Kanzel seine Gemeinde vor übler Nachrede und neidvollen Gerüchten. Alle im Dorfe wussten, an wen diese Worte gerichtet waren, und es konnte schon sein, dass der eine oder andere Bauer am Abend sein Weib ins strenge Gebet nahm. Nach dieser Sonntagspredigt gab es keine Gerüchte mehr im Dorf. Die dicke Koschwitz konnte nun friedlich zu Grabe gebracht werden.
Ihr erster Sohn, den sie noch von ihrem verstorbenen Mann hatte, übernahm nun den Hof mit all seinen Geschwistern.
Die Erde auf dem Grab seiner Mutter war noch nicht richtig trocken, da verjagte er die überflüssigen Knechte von seinem Besitz. Denen aber, welche er auf dem Hof beließ, zeigte er deutlich, welche Wendung nun die Zeit genommen hatte.
Er stieg als Erster früh am Morgen aus den Federn und trieb die Knechtschaft zur Arbeit, und keiner wagte es ihm zu widersprechen, er verkörperte die Autorität seiner verstorbenen Mutter. Somit sicherte er weiterhin die Stellung seiner Familie in der Gemeinde.
Auf dem Grab der Mutter ließ der Sohn einen besonders großen Grabstein aufstellen. Diesen fertigte ein Steinmetz aus der Stadt Orzyew an. Es sollte der größte Stein auf dem dörflichen Friedhof sein.
Es war der Familie Koschwitz sehr daran gelegen, auch an diesem Ort ihre Stellung in der Gemeinde zu repräsentieren. Schon der Vater hatte einen beachtlichen Findling mit einer aufwendigen Gravur auf seine Ruhestätte bekommen.
Der Sohn veranstaltete ein großes Fest zur Beerdigung seiner Mutter und alle im Dorf wurden eingeladen.
Es wurde eine berauschende Feier, und am nächsten Morgen wurden auf verschiedenen Höfen die Tiere erst zur Mittagszeit versorgt.
Einige Bauern waren nicht in der Lage, vor der Tageshälfte ihr Bett zu verlassen, so sehr hatten sie dem Bier und Selbstgebrannten zugesagt.
Auch Potoski feierte mit seiner Frau den seligen Abgang der dicken Koschwitz. An diesem Abend stürzten sich die beiden reichlich benommen, voller Liebeslust aufeinander, dabei neideten sie der Verstorbenen ihr Kinderglück. Sie hatten in den letzten Monaten ihr Beisammensein eingeschränkt, die unterschwellige Enttäuschung über den Partner hatte für Abkühlung ihres Verhältnisses geführt. Nicht dass sich die beiden dessen bewusst gewesen wären, aber die Zeit hatte ihren Tribut gefordert. Die anfängliche ungestüme Liebeslust hatte auch hier der Alltag eingeholt. Die Wirkung des Alkohols kam ihrem etwas vernachlässigten Eheleben hilfreich entgegen.
In dieser Nacht zeugten sie ihr Kind!
Einige Wochen später bemerkte Potoskis Frau eine Veränderung in ihrem Körper. In seiner Angst rief Potoski die alte Kräuterfrau Kapschuthke, die abseits vom Dorf in einer kleinen Hütte am Wald wohnte. Die Alte wurde nicht unbedingt gern gesehen in der kleinen Gemeinde, aber jeder hatte ihre Hilfe schon in Anspruch genommen, denn sie wusste immer eine Medizin gegen die kleinen und großen Unpässlichkeiten der Bauern. Man munkelte im Dorf, dass die Alte in ihrer Jugend etwas mit dem verstorbenen Pfaffen gehabt hatte, aber beweisen konnte das keiner.
Nun kam am Abend die Kräuterfrau auf Potoskis Hof. Dabei scheute sie sich nicht, mitten auf der Dorfstraße zu laufen. Alle, die sie bemerkten, beobachteten, wohin sie ging, und jeder Bauer schien sichtlich froh, wenn die Alte mit ihrem gebeugten Rücken an seinem Hof vorbei schlurfte. Es kam ab und zu vor, dass die Kräuterfrau zu einem der Bauern ging und ihn bat, für sie ein paar Sachen zu besorgen. Keiner der Bauern wagte es, der Alten den Wunsch abzuschlagen, denn sie wussten, dass sie ihre Hilfe auch wieder in Anspruch nehmen würden.
Ohne sich zu beklagen, spannte der Betreffende ein und besorgte ihre Bestellung, zumal er sich sicher sein konnte, dass der Pfarrer seine Hilfsbereitschaft gutheißen würde. Alle im Dorf wussten, dass die Alte eine besondere Stellung beim Pfarrer hatte, allerdings konnte keiner der Gemeinde sagen, die beiden je zusammen gesehen zu haben. Die Kapschuthke besuchte die Kirche nur selten und wenn, saß sie am äußersten Ende der letzten Bank, nah der Tür.
Allerdings konnte der Geistliche der Gemeinde nicht erahnen, dass die Bauern nicht nur aus Nächstenliebe so handelten. Sie hatten eine versteckte Angst vor der Alten. Man konnte nie genau wissen, was geschehen würde, wenn einer der Bauern die erbetene Hilfe verweigerte! Ihre Abgeschiedenheit am Fluss hatte auch absonderliche Auswirkungen auf die Ansichten der einfachen Leute, gerade in Bezug auf solche alten Weiber, die am Waldrand lebten. Der Aberglaube an Geister und Hexen war noch fest in ihren Köpfen verankert.
Die Alten im Dorf wussten eine unheimliche Begebenheit zu erzählen, und keiner konnte genau sagen, ob sich diese Geschichte wirklich so zugetragen hatte, zumal der Pfarrer solche Sachen nicht hören wollte.
Am anderen Ende des Dorfes gab es einmal einen reichen Bauern, dessen Frau ein Kind bekam. Der Bauer holte damals eine am Ortsrand lebende Kräuterfrau wegen ihrer medizinischen Kenntnisse zu Hilfe, wie er es zuvor schon bei seinen anderen Kindern getan hatte.
So sollte es auch diesmal sein, bis zu diesem Zeitpunkt hatte ihm seine Frau nur Knaben geschenkt.
Nachdem das Kind wohlversorgt den Bauch der Mutter verlassen hatte und zum Unwillen des Bauern nur ein Mädchen das Licht der Welt erblickte, machte er die Kräuterfrau dafür verantwortlich und beschimpfte sie als Hexe. Er verweigerte in seiner Wut auch die Bezahlung der Geburtshilfe und jagte die Kräuterfrau vom Hof. Wurde erst einmal ein solches Urteil ausgesprochen, konnte es fatale Auswirkungen für die Verleumdeten haben. Die Bauern waren schnell dabei, sich solchen Beschuldigungen anzuschließen, und gaben der Hexe auch die Schuld an anderem Verdruss, der ihnen widerfuhr. Zwei Tage nach der Niederkunft seiner Frau kam die Kräuterfrau noch einmal auf den Hof des Bauern. Sie forderte ihren Lohn ein und warnte den Bauern davor, unlautere Gerüchte über sie in die Welt zu setzen.
Aber der Bauer gab nicht nach und jagte die Alte ein weiteres Mal von seinem Besitz. Seit diesem Tage, so munkelten die Alten im Dorf, die den Bauern noch gekannt hatten, ging es mit dem reichen Hof bergab.
Eines Nachts kam ein Unwetter auf, und ein schrecklicher Regen ging über dem Land nieder. Das Haus des Bauern stand an einem kleinen Bach. Dieser schwoll in der Sturmnacht zu einem gewaltigen Strom an, unterspülte das Wohnhaus, und der Bauer mit seiner Familie versoff in den Fluten. Nur das kleine neugeborene Kind überlebte dieses Unglück. Der bösartige Bauer hatte darauf bestanden, dass seine ungewollte Tochter im Stall zu schlafen hatte. Aber gerade dieser Stall überstand das Unwetter wie durch ein Wunder völlig unbeschadet. Der damalige Pfarrer der Gemeinde nahm sich der Waisen an und versuchte, das kleine Mädchen bei einem der Bauern unterzubringen.
Aber diese weigerten sich, ein mit Unheil behaftetes Kind bei sich aufzunehmen.
Jeder wusste um den schauerlichen Untergang des Hofes, und keiner wollte dieses Kind unter seinem Dach haben. Vielleicht haftete ja an dem Kind ein böser Fluch, und sie verweigerten dem Pfarrer mit vielerlei Ausreden ihre Hilfe. Als sich niemand fand, der sich um das schutzlose Kind kümmern wollte, nahm die damalige Kräuterfrau das kleine Mädchen bei sich auf.
Der Pfarrer, ebenfalls froh, das unglückselige Wesen aus seinem Haus zu haben, sicherte der alten Frau eine sichere Bleibe in der Gemeinde zu.
Nun stand die Kräuterfrau unter dem Schutz des Kreuzes und keiner wagte sich gegen die Allmacht der Kirche zu stellen.
Ob sich die Geschichte genauso zugetragen hatte, wusste keiner der Bauern wirklich zu sagen, aber seitdem gab es im Dorf immer eine Kräuterfrau, die unter dem Schutz des amtierenden kirchlichen Oberhauptes am Waldrand leben konnte.
Nun kam die alte Kräuterfrau Kapschuthke zu Potoski. Freundlich wurde sie im Haus empfangen. Potoskis Frau lag im Bett.
Lange untersuchte die Alte den Körper der Frau.
»Ihr tragt ein Kind unter eurem Herzen«, verkündete sie und strich der Glücklichen über den Kopf.
Die beiden blickten sich an und ein freudiger Schrecken stand in ihren Augen. Damit hatten sie nicht gerechnet.
»Aber wie kann das möglich sein, so plötzlich?«, fragte verdattert Potoski.
»Wie das möglich ist, wisst ihr beiden wohl am besten.« Die Alte lachte mit ihrem zahnlosen Mund, überlegte kurz und fügte hinzu:
»Ich würde sagen vor ungefähr acht Wochen ist das Unmögliche geschehen!«
Potoski zögerte. »Da war das Fest auf dem Koschwitzhof.« Verlegen sah er zu seiner Frau, er erinnerte sich an diese Liebesnacht. Aber sein Eheweib ging darauf nicht ein. Diese lag noch völlig überrascht auf dem Bett und betrachtete ihren Bauch. Sie würde endlich ein Kind bekommen. Vorsichtig strich sie über ihre Brüste und ein unendliches Glücksgefühl durchströmte ihr Herz.
»Seid nicht überrascht, gestern Nacht hat mich der Lukower Bauer auf seinen Hof gerufen. Auch seine Frau ist in anderen Umständen, und der Kazimierz Bauer hat gleichfalls nach mir geschickt.«
Die Alte lachte wieder.
»Das muss ein berauschendes Fest gewesen sein! Ich werde alle paar Wochen nach euch schauen und wenn der Tag der Niederkunft ist, bekomme ich als Lohn ein gutes Stück Schwein von euch!«
Ohne auf die Antwort zu warten, stand sie auf und verließ das Haus.
Sie wusste, dass der Bauer ihren Preis akzeptieren würde, so wurde es üblicherweise im Dorfe gehalten.
Potoski und seine Frau fielen sich in die Arme, ihr sehnlichster Wunsch schien plötzlich in Erfüllung gegangen zu sein.
Es sprach sich schnell im Dorf herum, dass die Potoskis Besuch von der Kapschuthke hatten. Beide machten keinen Hehl daraus, dass sie in freudiger Erwartung waren. Einige Bauern konnten es sich nicht verkneifen, hinter dem Rücken Potoskis kleine Spöttereien vom Stapel zu lassen. Allerdings waren diese Bemerkungen nicht von böser Natur. Jeder im Dorf freute sich für die kleine Familie.
Potoskis Frau hatte eine schwere Schwangerschaft. Heimlich machte sie sich Vorwürfe über ihren nächtlichen Ausflug auf den Friedhof, da immer noch einige Fragen offenblieben. Am meisten beschäftigte sie der Grabstein mit dem Namen ihres Mannes. Gab es vielleicht doch einen Zusammenhang? Sie glaubte zu wissen, warum gerade ihre Schwangerschaft so leidvoll verlief. Gott bestrafte sie für ihre abwegigen Gedanken und reuevoll beugte sie ihr Haupt. Trotz aller Ungemach ging sie nun jeden Tag in die Kirche und leistete Buße, in der Hoffnung, Gott würde ihr vergeben und ihr ungeborenes Kind beschützen.
Oft litt sie unter starken Schmerzen im Rücken und konnte ihrem Mann nicht mehr zur Hand gehen. Dieser verrichtete aber ohne zu klagen die Arbeiten auf dem Hof allein. Ihr einziges Augenmerk galt nur noch dem kommenden Kinde. Nach ein paar Monaten trug seine Frau eine ansehnliche Leibeswölbung vor sich her. Sie war kaum noch in der Lage, kleinste Arbeiten im Haushalt zu verrichten. Trotzdem schleppte sie sich weiterhin jeden Tag in das Gotteshaus.
Die alte Kapschuthke kam nun fast jede Woche vorbei und horchte den Leib der Frau ab. Sie versicherte den beiden, dass ihr Kind gesund sei und sehr kräftig werden würde. Oftmals konnten sie die Bewegungen des Kindes im Mutterleib an der Oberfläche des Bauches sehen.
Es wurde Herbst und die ersten schweren Stürme kündigten den Wechsel der Jahreszeiten an. Gerade in der Gegend am Fluss schienen die Unwetter, wie jedes Jahr, besonders stark zu wüten. In diesem Herbst stand nun auch die Geburt des Kindes an.
Als der Tag der zu erwartenden Niederkunft erreicht war, kam die Kräuterfrau zu Potoski. Es mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Die Alte schien sich sicher zu sein, dass in dieser Nacht das Kind geboren wurde.
Gerade zu dieser Zeit sollte der schlimmste Herbststurm über der Gemeinde hereinbrechen. Am Morgen dieses Tages wehte kein Lüftchen, aber nachdem die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hatte, sprang das Wetter plötzlich um. Potoski, der um die Mittagszeit auf seinem Feld arbeitete, betrachtete mit Unbehagen das plötzlich aufkommende Unwetter. Von seinem Acker aus konnte er ein Stück des Dorfes überblicken. Er sah die Kirche mit dem angrenzenden Friedhof und ein paar der ersten Häuser des Dorfes, auch sein Hof lag im Blickfeld. Potoski hatte geradezu den Eindruck, als würde das schwere Wetter aus dem Sumpfgebiet hinter dem Gottesacker emporsteigen und sich über das Dorf schieben. Etwas irritiert und missgelaunt beschloss er, zum Hof zurückzugehen, denn er glaubte der Vorhersage der Kräuterfrau, dass heute Abend sein Kind zur Welt kommen würde.
Missmutig über das schlechte Wetter stampfte er nach Haus. Sein Weg führte ihn am Friedhofszaun vorbei. Gerade hier hatte er den Eindruck, als hätte das Unwetter inzwischen seine ganze Kraft entwickelt und schweren Schrittes kam er voran. Mit aller Kraft stemmte sich Potoski gegen den Wind. Plötzlich hörte er seinen Namen, trotz des brüllenden Sturmes vernahm er deutlich eine Stimme. Erschrocken blieb er neben dem Friedhofszaun stehen. In den dünnen Eisenstäben der Umzäunung machte der Wind die seltsamsten Töne. Als er auf den Friedhof sah, fuhr ihm der Schreck in die Glieder, genau vor ihm stand Rikolow, der Friedhofsgärtner.
»Na, Potoski, willst wohl nach Haus bei dem Wetter.«
Dabei stützte er sich gegen den Zaun, der bedenklich nachgab.
»Mein Gott, Rikolow, habt ihr mich erschreckt!«
Etwas verschämt grinste Potoski, er wollte weiter. Der Friedhofsgärtner blickte, ohne eine Miene zu verziehen, auf Potoski herab.
»Ja, ja von hier kommt immer der größte Schrecken...« Er zögerte einen Moment und fixierte den Bauern mit seinem Blick.
»An so einem besonderen Tag.«
Dann drehte er sich um und verschwand zwischen den Gräbern.
Potoski sah ihm noch einen Augenblick nach und ging dann weiter, verärgert über dessen vermeintlich abweisendes Verhalten. Obgleich er nicht viel mit dem Friedhofsgärtner Rikolow zu schaffen hatte, begegneten sie sich mit einem gewissen Respekt, der eine mit offensichtlich freundschaftlichen Ambitionen und der andere mit unwohlem Gefühl gegenüber der Arbeit des anderen. Potoski hatte kindliche Angst vor dem Gottesacker. Nachdem er den Hof erreichte, brachte er seine Kühe in den Stall und die ersten schweren Regentropfen fielen vom Himmel. Selbst die Tiere wurden unruhig, als die dunklen Wolken heranzogen und der Regen auf das Dach schlug.
Für einen Augenblick stand er unter einem kleinen Vorbau vor seiner Haustür und blickte hinüber zur Kirche. Endlich würde sein Kind das Licht der Welt erblicken, und er brauchte seine hochschwangere Frau nicht mehr mit einer Karre in die Kirche zu fahren. Trotz ihrer beachtlichen Schmerzen hatte seine Frau darauf bestanden. Potoski wurden die letzten Tage zur Qual. Es war ihm reichlich unangenehm, sein Weib mit einer Schubkarre über den Friedhof ins Gotteshaus zu fahren. In den Blicken der anderen konnte er den versteckten Spott erkennen, obwohl keiner auch nur ein Wort über diesen skurrilen Anblick verlor, zumindest nicht in seiner Gegenwart. Endlich blieb ihm dieser Weg erspart. Auf dem Gottesacker konnte er die große Gestalt Rikolows unter der Friedhofseiche erkennen, über die Straße näherte sich die Kapschuthke seinem Hof.
Die alte Kräuterfrau lachte leise vor sich hin, als sich das Unwetter über dem Dorf zusammenzog. Trotz der Bewölkung stieß immer wieder die Sonne mit einem plötzlichen Lichtstrahl durch die Wolken, aber dann schob der Himmel die letzte Lücke zu. Zusammen mit dem Bauern betrat sie nun das Wohnhaus.
»Ein gutes Zeichen, das wird ein ganz besonderes Kind.«
Potoski hatte dagegen ein schlechtes Gefühl bei diesem Wetter.
Er konnte nicht verstehen, dass die Alte gerade diese unheimlichen Naturgewalten als ein gutes Zeichen deuten konnte. Heimlich beobachtete er die Frau und hatte Angst, eine Hexe in sein Haus gelassen zu haben. Erst nachdem er sah, wie liebevoll diese sich um seine Frau kümmerte, schämte er sich seiner Gedanken.
Selbst in ihrer Hütte flackerten die Kerzen, so tobten die Naturgewalten über das Dorf. Das unruhige Verhalten der Tiere in den angrenzenden Stallungen konnte man im ganzen Haus hören. Schnell richtete er alles für die bevorstehende Geburt ein. Die Kräuterfrau half ihm dabei nicht, wohl aber dirigierte sie Potoskis Arbeit. Als er alle notwendigen Vorbereitungen getroffen hatte, lief er unruhig in der Stube herum und wartete. Als die ersten Blitze niedergingen, blickte er aus dem Fenster hinüber zum Friedhof und es sah so aus, als würde der Friedhofsgärtner noch immer unter der Eiche stehen. Potoski fragte sich, was Rikolow wohl bei diesem Wetter dort zu schaffen hatte. Er war sich sicher, dass dieser ihn hinter dem hellen Fenster seiner Stube ebenfalls erkennen würde und wie zur Bestätigung hob dieser die Hand zum Gruß.
Bei seiner nächsten Runde konnte er den Friedhofsgärtner nicht mehr erkennen. Ab und zu ging er hinüber in den Stall und versuchte, die Tiere zu beruhigen. Aber diese schienen seine eigene Unruhe zu spüren und stampften noch aufgeregter in ihren Buchten herum.
Potoski konnte seine innere Hysterie kaum unter Kontrolle halten.
Abwechselnd stand er mal am Fenster, mal am Bett seiner Frau. Er fand keine Möglichkeit, sich zu beruhigen, zum einen hatte er nun unendliche Angst um seine Frau und das Kind, zum anderen überkam ihn ein unheimliches Gefühl bei dem, was sich über dem Dorf zusammenbraute. Von dem Fenster aus konnte er die gewaltige Kirche im Schein der Blitze sehen. Immer wieder starrte er abwechselnd zu seiner Frau und zur Kirche, als hätte er von dort Hilfe zu erwarten.
Kurz nach Mitternacht setzten die Geburtswehen ein. In der Stunde, als das Kind geboren wurde, erreichte das Unwetter seinen tatsächlichen Höhepunkt. Das Leuchten der Blitze erhellte unablässig die kleine Stube und Potoski konnte in dem fahlen Licht der Einschläge das erschrockene Gesicht seiner gebärenden Frau noch deutlicher sehen. Ihre Schmerzensschreie gingen in diesem Getöse unter. Aber die alte Kapschuthke strahlte eine unheimliche Ruhe aus, die sich auf die Frau übertrug.
Plötzlich schlug ein gewaltiger Blitz in die Kirchturmspitze ein und sprang aus einem der unteren Fenster auf die große Friedhofseiche über.
Im Widerschein des einschlagenden Blitzes und des anschließenden unheimlichen Donnergrollens erblickte das Kind das Licht der Welt. Selbst die Alte erschauderte über dieses seltsame Zusammenspiel der Kräfte. Aber schnell hatte sie sich von dem Schrecken erholt und hob das neue Leben empor.
»Ein Knabe!«, verkündete sie gegen den Sturm anbrüllend. Mit einem wohlgefälligen Schlag auf den Hintern machte das Kind seinen ersten Atemzug auf dieser Welt. Der sonst zu erwartende Schrei blieb aber aus. Ein kleiner Schwall Fruchtwasser verließ den Körper und die junge Brust machte ihren ersten Atemzug. Aber kein Ton kam über die Lippen des Kindes.
»Gut so, der Knabe scheint stark zu sein und schont seine Kräfte!«, äußerte sich die alte Frau zu der ungewöhnlichen Ruhe des Knaben.
Mit zitternden Händen streichelte Potoski hilflos über den Kopf seiner Frau, während die Nabelschnur durchgetrennt wurde. Nun war der Sohn von seiner Mutter getrennt.
Die Alte packte den Knaben in warme Tücher und legte ihn in die Arme des Vaters.
»Nehmt ihn, ich kümmere mich jetzt um eure Frau!«
Die Kräuterfrau schob den frohen Vater zur Seite. Potoski stand etwas hilflos im Raum. Diese plötzliche Verantwortung überforderte ihn, aber das Kind lag ganz still in seinem Arm und betrachtete das Gesicht des Vaters. Ab und zu schloss es erschrocken die Augen, wenn der Schein eines Blitzes in die Stube drang und der Donner die Kerzen zum Flackern brachte.
Aber das Kind gab keinen Laut von sich. Langsam beruhigte sich auch Potoski, als er den Körper des Sohnes an seiner Brust spürte und ein seltsames Gefühl begann ihn zu durchströmen. Er empfand eine unendliche Liebe zu dem Knaben, und sein Herz wurde erfüllt davon.
Niemals hätte er sich derartige Empfindungen vorstellen können, erst jetzt konnte er die Freude eines Vaters verstehen und seine Angst, dass dem Kind etwas zustoßen könnte. Es durchdrang ihn plötzlich eine ganz neue Gefühlswelt, und er begann, das Leben mit den Augen eines Vaters zu sehen.
Nachdem die Alte die geschwächte Mutter versorgt hatte, legten sie das Kind zu der Mutter.
Die Frau strahlte und aller Schmerz wich von ihr, als sie ihr Kind das erste Mal in ihre Arme schloss. Der Knabe zögerte nicht lang und fand den Weg zur mütterlichen Brust. Sofort begann das Kind zu trinken.
Nachdem nun alle Arbeit getan ward, legte die Kräuterfrau dem Vater noch einige Heilpflanzen auf den Tisch, damit sollte er seiner Frau einen Trank bereiten. Dieser würde die Schmerzen der jungen Mutter schnell lindern.
»Bringt mir morgen das Schweinefleisch in mein Haus. Ich hoffe, ihr habt ein gutes, gepökeltes Stück für mich ausgesucht«, sagte sie und packte ihre Sachen zusammen. Potoski nickte abwesend, er hatte einen guten Schinken als Lohn ausgesucht. Als die Alte das Haus verließ, blieb sie noch einmal stehen und betrachtete die beiden glücklichen Eltern.
»Ihr habt in dieser Nacht ein ganz besonderes Kind bekommen, Potoski, vergesst das nie und wenn der Knabe groß genug ist, lasst ihn ziehen, er wird nie ein Bauer werden!«, sagte sie und verschwand in der Nacht, tief gebückt, als würde die tobende Natur alle Ungemach der Welt auf ihre Schultern laden.
Die beiden freudestrahlenden Eltern hatten zwar gehört, was die Alte gesagt hatte, aber sie waren zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage zu verstehen, was diese Vorhersage bedeuten konnte. Schon nach wenigen Minuten hatten sie die Worte vergessen, erst Jahre später sollte sich Potoski wieder daran erinnern.
Seltsamerweise legte sich nun auch der Sturm, und die Tiere im Stall wurden ruhiger. Potoski schien es so, als hätte das Unwetter seinen Teil geleistet und verschwand wieder im Moor. Schnell verdrängte er diesen grausigen Gedanken, und er widmete sich wieder seiner Frau und dem Kind.
Zwei Tage später bekamen die beiden anderen Familien im Dorf gleichfalls ihren Nachwuchs. Auch diesen half die Kräuterfrau, nur verlangte sie von dem Kazimierz-Bauern keinen Lohn. Es hatte den Anschein, als wäre die Alte froh, den Hof wieder verlassen zu können, nachdem sie ihre Geburtshilfe verrichtet hatte. Der Bauer schenkte diesem Umstand keinerlei Bedeutung, die Alte hatte nichts verlangt, also fühlte er sich jeglicher Verpflichtung enthoben und verlor auch kein weiteres Wort über die Sache. Nur vom Lukower Bauern verlangte sie eine Entlohnung, so wie es üblicherweise gehandhabt wurde. Es erblickten zwei kräftige Mädchen das Licht der Welt.
In dieser Zeit machte Rikolow, der Friedhofsgärtner, eine sonderbare Beobachtung. An dem Tag, als der Kazimierz Bauer Vater wurde, versammelten sich ungewöhnlich viele Krähen auf dem Friedhof, und es machte den Anschein, als würden die Tiere etwas suchen. Rikolow lief langsam auf den Friedhof, aber keiner der Vögel machte Anstalten wegzufliegen. Eher ärgerlich, mit einem bösen Geschrei, wichen sie widerwillig vor ihm zurück. Es musste ein seltsamer Anblick gewesen sein, wie der große, kräftige Mann mitten durch die Krähen lief und keiner der sonst scheuen Vögel davonflog. Rikolow folgte den Tieren und stand letztendlich an einer freien Stelle zwischen den Gräbern, hier versammelten sich die Krähen.
Still blieb er stehen, jetzt gaben auch die schwarzen Vögel keinen Laut mehr von sich. Rikolow betrachtete den freien Flecken Erde und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er gerade diesen Platz für den nächsten Toten der Gemeinde ausgewählt hatte.
Genau hier würde er das nächste Grab ausheben. Er brauchte eine Weile, dann wurde ihm die Situation zu unheimlich, und langsam ging er zur Kirche zurück. Nicht einmal der Pfarrer machte ihm in derlei Dingen Vorschriften, wo er das nächste Grab anlegen sollte, aber die Krähen wussten es. Vom Portal der Kirche aus beobachtete er den Rest des Tages die Krähen.
Erst als der erste Nebel aus dem Moor über den Friedhof stieg, verschwanden die Tiere und Rikolow glaubte zu beobachten, wie sich die Krähen in dem Nebel förmlich auflösten, ohne einen einzigen Ton von sich zu geben. Er sprach mit keiner Menschenseele darüber, so wie er es immer hielt.
Somit hatte das Fest auf dem Koschwitzhof dem kleinen Dorf neuen Kindersegen gebracht.
Drei Kinder wurden geboren, Potoskis Sohn und die beiden Mädchen Elisa und Janucka.
Potoski brachte am nächsten Morgen den Schweineschinken zur Kräuterfrau. Wortlos nahm diese das Fleisch in Empfang. Selbst als der Bauer sich noch einmal für ihre Hilfe bedankte, sprach sie kein Wort.
Auf dem Rückweg begegnete er dem Pfarrer. Der Geistliche der Gemeinde hatte beobachtet, wie Potoski einen Handkarren zum Haus der Alten schob. Nun erwartete er den Bauern am Zaun des Pfarrhauses.
»Gott zum Gruß, Potoski, deine Frau ist niedergekommen, wie ich sehe.«
Er blickte in Richtung des kleinen Hauses am Rande des Waldes.
Potoski grüßte den Pfarrer und blieb am Zaun stehen.
»Es ist ein Knabe, Herr Pfarrer.«
Potoski strahlte.
»Wann wollt ihr ihn taufen lassen, damit wir ihn in die Christliche Gemeinschaft aufnehmen können?«
»Bald, Herr Pfarrer, wenn meine Frau wieder beieinander ist, werden wir das Taufgebot bestellen.«
Freundlich nickte der Pfarrer und wollte wieder in seine Kirche gehen.
»Herr Pfarrer, gestern Nacht ist der Blitz bei euch eingeschlagen!«
Unerwartet schnell drehte sich dieser um.
»Was wisst ihr darüber?«, fragte der Geistliche und sah den Bauern mit einem lauernden Gesichtsausdruck an. Potoski schrak etwas zurück.
»Ich habe es aus meinem Haus gesehen«, antwortete er und fügte nach einer kleinen Pause hinzu: »Erst traf der Blitz den Kirchturm und dann schlug er in die Friedhofseiche ein.«
»Und das hast du beobachtet?«
»Ja, Herr Pfarrer.«
Dieser bekreuzigte sich.
»Bist du dir sicher, dass es ein und derselbe Blitz gewesen ist?«
Eindringlich blickte er auf den Bauern herab, sein Grundstück lag etwas höher als die Straße. Potoski zögerte einen Augenblick, wobei ihn der Pfarrer genau beobachtete.
»Ich bin mir sicher, Herr Pfarrer.«
Der Geistliche blickte über die Straße in Richtung des Potoskihofes, als würde er darüber nachdenken, ob der Bauer diesen Blitzschlag wirklich hatte beobachten können.
»Aber warum fragt ihr, Herr Pfarrer? Ist etwas geschehen?«
Einen Moment schien es so, als wollte der Pfarrer das Gespräch beenden, aber dann antwortete er dem Bauern. Er wusste, dass diese nächtlichen Ereignisse sowieso jeder im Dorfe erfuhr. Seine Haushälterin war eine arge Plaudertasche. Es erschien ihm besser, wenn er selbst seine Gemeindemitglieder über dieses Vorkommnis unterrichten würde.
»Komm mit, Potoski, wir gehen in die Kirche, ich möchte euch etwas zeigen.« Der Pfarrer nahm Potoski an der Schulter und führte ihn zur Kirche. Als sie durch das Hauptportal gingen, zeigte der Pfarrer auf den Altar.
Jedes Mal, wenn Potoski das Gotteshaus betrat, überkam ihn ein frostiger Schauer. Das Mittelschiff hatte eine beachtliche Höhe und am Ende des Gewölbes ragte ein gewaltiger Altar in die Höhe. Das Ganze ergab eine beeindruckende Kulisse, welche dem Bauern in die Glieder fuhr. Der Pfarrer wusste um die Wirkung des Gebäudes, selbst ihn beschlich an manchen Tagen ein ehrfurchtsvolles Gefühl bei diesem Anblick.
In allen alten Unterlagen, die er über seine Kirche gefunden hatte, fand er keinen Hinweis darauf, warum gerade hier in dieser abgelegenen Gegend ein derartig prächtiges Gotteshaus errichtet worden war. Er konnte nur davon ausgehen, dass vor einigen hundert Jahren der Fürst des Landes viel Geld in diese Gegend investiert und sich wahrscheinlich einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung versprochen hatte.
Aber aus irgendeinem Grunde blieb es bei dem Bau dieser gewaltigen Kirche.
Als Potoski mit dem Pfaffen den Altar erreichte, hatte sich dessen Befangenheit etwas gelegt.
»Seht, als der Blitz in die Kirche einschlug, entzündete er alle Kerzen unter dem Kreuz. Aber die große Altarkerze, die der Sohn der verstorbenen Koschwitz hat aufstellen lassen, spaltete der Blitz in drei ungleiche Teile.«
Der Pfarrer stand nun mit Potoski vor dem Altar. Zwischen den brennenden Kerzen lagen die drei Stücke der Koschwitz-Totenkerze.
Ein großes Stück und zwei kleinere Teile. Der Pfarrer belauerte den Bauern. Wie würde dieser auf diesen seltsamen Umstand reagieren?
Potoski aber sah zum Dach der Kirche.
»Aber derselbe Blitz schlug auch in die Eiche auf dem Friedhof«, flüsterte er. In seiner Stimme klang eine gewisse Unsicherheit mit. Es wurde ihm plötzlich unheimlich in der Kirche und die seltsame Art des Pfaffen verwirrte ihn. Sie gingen durch eine kleine Seitentür hinter dem Altar auf den Friedhof. Als sie sich der Friedhofseiche näherten, sah Potoski Rikolow an einem der Gräber arbeiten, welches unmittelbar an der Eiche lag. Es musste das frische Grab der dicken Koschwitz sein. Als Potoski mit dem Geistlichen die Stelle erreichte, bestätigte sich seine Vermutung. An dieser Stelle hatten sie vor neun Monaten die Bäuerin unter die Erde gebracht.