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Widerwillig wird Jasmina von ihrer ehrgeizigen Mutter zum Ballettunterricht in einem alten Schloss gedrängt. Gelangweilt und frustriert verlässt das Mädchen das Ballett-Studio vorzeitig und streicht durch das geheimnisvolle Gebäude. An einem silbernen Vorhang angekommen, flüstern mysteriöse Stimmen ihren Namen. Starr vor Schreck ist sie nicht fähig zu fliehen und wird sogar von den Stimmen auf magische Weise angezogen. Ehe sie sich versieht, gleitet sie durch den Vorhang, auf dessen anderen Seite eine andere Welt existiert, in der sie tolle Abenteuer mit Elfen und Zwergen, und eine große Aufgabe erwarten. Das Buch eignet sich für Kinder ab 10 Jahre
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Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Margarita Atzl
Der silberne Vorhang
Fantasy-Roman für Kinder
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der silberne Vorhang
Jasmina
Sternenstaub
Der Wald
Im Reich der Zwerge
Auf der Blumenwiese
Die weiße Fee
Das Reich der grünen Feen
Melusine
Erntezeit
Die Reise ins Kastell des Laboran
Diamanten-Fieber
Im Land des roten Flusses
Amitolas Reich
Budamir
Beim Großelfenkönig
Das Bündnis
Abschied
Vor dem Vorhang
Teilnehmende Figuren
Danke
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Impressum neobooks
Fantasy-Roman für Kinder
Margarita Atzl 2017
Für Kira, die mein Herz im Sturm erobert hat.
Nachdenklich kaute die zwölfjährige Jasmina an ihrem roten Bleistift und starrte auf die Seite des Arbeitsheftes, das heute mal wieder keine Anstalten machte, die gestellten Hausaufgaben anzuzeigen. Ihre Beine wippten unter dem Tisch, eine blonde Strähne ihres seidigen Haares hatte sich aus der roten Haarklemme gelöst und kitzelte ihre Stirn.
»Jasmina, wie weit bist du mit den Aufgaben?« schallte die Stimme von Mutter Diana aus der anliegenden Küche. »Beeil dich. Wir haben gleich noch einen Termin mit Tim beim Ergotherapeuten und du hast heute Ballett-Unterricht. Es wird Zeit.«
Das Mädchen schlug das Arbeitsheft zu und strich die Haarsträhne aus dem traurigen Gesicht.
In ihren blauen Augen blinkten Tränen und ihre Nase kribbelte unangenehm, als sie mit gesenktem Kopf die Küche betrat. »Ich weiß nicht, wie die Aufgaben gehen. Kannst du mir nicht helfen?«
Diana strich den neuen XXL-Pullover glatt, der ihre mollige Figur ein wenig schlanker wirken ließ. Dann streifte sie die nagelneuen Stiefel, die weit über ihre Knie ragten, an. »Dazu fehlt mir die Zeit. Das weißt du doch. Wir müssen los. Dass du auch nie deine Hausaufgaben anständig erledigen kannst.«
Genervt zog sie Jasmina hinter sich her, während sie zu Tim, der im oberen Stockwerk sein Zimmer hatte, hinaufrief: »Tim, es geht los. Komm bitte ans Auto, wir treffen uns dort.«
Der fünfzehnjährige Tim hüpfte die Treppe hinab und lief den beiden nach. »Bin schon da.«
Er flegelte sich auf den Beifahrersitz und ließ die Blase seines Kaugummis platzen. Als er sich nach endlosen nervenaufreibenden Minuten endlich angeschnallt hatte, konnte es losgehen. In rasantem Tempo fuhr Diana zur Goethestraße. Dort hielt sie an, ließ den schlanken Jungen vor Marlene Driemanns Praxis für Ergotherapie aussteigen und raste mit einem »bis später«, weiter zum Ballettstudio. Hier wurde Jasmina bereits von der netten Frau Braumann und den sechs anderen Mädchen der Tanzgruppe erwartet.
»Ich hole dich gegen sechs Uhr wieder ab. Stell dich nicht zu dumm an. Bald habt ihr den Auftritt. Dann will ich dich glänzen sehen.«
Diana zupfte Jasminas kurzen Faltenrock in Form, bevor sie rasend schnell das Studio verließ, um die notwendigen Einkäufe zu bewältigen.
Jasmina betrachtete sich im großen Spiegel des Tanzsaals. Ihre stämmigen Beine wirkten in dem kurzen Rock noch praller als sonst. Sie fühlte sich unförmig und viel zu dick. Leise seufzend beobachtete sie die dreizehnjährige Annabell, die mit ihrer schlanken Figur und den schmalen Füßen wunderschön aussah. Auch die anderen Mädchen sahen gut aus, als sie sich gelenkig im Kreis drehten und auf den Zehenspitzen wunderbare Pirouetten drehten. Jasmina war kein sportlicher Typ. Zumindest nicht, wenn es ums Tanzen ging. Sie liebte das Ballett nicht. Viel lieber hätte sie mit den Jungs ihrer Klasse Fußball gespielt. Das erlaubte Diana aber leider nicht. Sie bestand auf dem Ballettunterricht und zwängte ihre Tochter in rosafarbene Röcke und weiße Ballett-Schuhe.
Frau Braumann lächelte Jasmina zu. »Du kannst deine Übungen an der Stange machen. Die Pirouetten-Drehung ist für dich zu schwer."
Die drahtige Frau wandte sich der restlichen Gruppe zu. Auch sie konnte nicht begreifen, warum Jasminas Mutter darauf bestand, das untalentierte Mädchen den Anstrengungen des Ballettunterrichtes auszusetzen.
Jasmina hatte das Training an der Stange beendet. Eine Weile sah sie den Tänzerinnen zu, die elfengleich durch den riesigen Saal glitten. Leise schlüpfte sie durch die mit wunderschönen Ornamenten geschmückte Tür. Staunend ging sie die edle, sanft glänzende und wundersam riechende Treppe hinauf, wagte sich in die oben liegenden Säle und betrachtete die wertvollen Bilder, Teppiche und Spiegel, die an den hohen Wänden befestigt waren. Im Diamantsaal zog sie der große, fast die gesamte Wand ausfüllende Vorhang magisch an. Sein silberner Glanz und der feine Stoff schienen ihr ein freundliches Willkommen zuzurufen. Flüsternde Stimmen nannten Jasminas Namen. Metallene Pailletten und blinkende Steine aus weißem Kristall saugten sich in ihren Augen fest. Jasmina stockte der Atem. Sie wollte gehen. Fortlaufen vor diesem geheimnisvollen Wandbehang, der ihr Herz unnatürlich pochen und ihren Atem stocken ließ. Sie fühlte, wie die Angst sich in jeder Zelle ihres Körpers ausbreitete. Am liebsten wäre sie nach unten gelaufen. Auf die Straße, weit weg von diesem Haus. Doch das ging nicht. Ihre Arme und Beine waren schwer wie Blei. Wie hypnotisiert blieb sie stehen. Die Schwere in den Gliedern ließ nach. Jasmina fühlte, wie ihre Arme sich streckten. Magisch näherten sich ihre zitternden Hände dem silbernen Vorhang. Als Jasmina ihn berührte, war sie völlig umgeben von den flüsternden, sanften Stimmen. Zugleich weich und doch kräftig und sicher wurde sie umarmt und durch den sich urplötzlich teilenden Store hinübergezogen.
Die Sprachmelodie der mit goldenem Staub durchzogenen Halle erfüllte Jasminas Herz mit dem Gefühl unendlichen Glücks. Staunend betrachtete sie die verspiegelten Wände mit den zum Takt der beschwingenden Töne sich sanft wiegenden Gestalten, die sie mit einem fröhlichen Lied willkommen hießen.
Behutsam wurde sie von sanften Händen vor einen der goldenen Spiegel geleitet, die den Raum mit einem schimmernden Glanz schmückten. Saphir-blaue Augen mit langen, geschwungenen Wimpern krönten das edle Gesicht mit der hübschen Nase und den leicht geröteten Lippen, die sich gerade zu einem freudigen Lächeln öffneten. Jasmina staunte. Sie sah sich im Spiegel und fand sich schön. Umrahmt von den leichten Wellen des goldfarbenen Haares blickte ihr ein, den freundlichen Engelsfiguren der großen Künstler gleichendes, Wesen entgegen. Das kurze blau geblümte Kleid rundete diese Erscheinung ab. Passende Schuhe, aus denen die spitzengeklöppelten Socken hervorblitzten, schmückten ihre pudrig glitzernden Beine.
Als sie endlich ihren Blick von diesem Anblick lösen konnte, wandte sie sich dem geduldig neben ihr wartenden, mit weißen Locken ausgestatteten, Elfenjungen zu, der sie spitzbübisch angrinste.
Sein elfenbeinfarbenes Hemd war, ebenso wie die helle, in hohen Stiefeln steckende Hose mit goldenen Staubkörnern bedeckt. Warme graue Augen blinzelten ihr freundlich zu und Jasmina fühlte, wie ein wohliger Schauer durch ihren Körper zog.
»Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Prinz Helauneval. Im Namen meiner Mutter, der hochwohlgeborenen Königin Qwina-Wuno und meines Vaters, des großen Königs Lacotavar, Herrscher über alle Elfen des Planeten, heiße ich dich bei uns willkommen. Du darfst mich aber, wie alle meine Freunde es tun, Sternenstaub nennen.«
Erstaunt betrachtete Jasmina den Prinzen. Elfen hatte sie sich anders vorgestellt. In Sagen und Märchen wurden sie als kleine, zierliche Gestalten beschrieben, dieser Elfenprinz jedoch war groß und schlank. Ohne seine überaus spitz zulaufenden Ohren hätte man ihn für einen Menschen halten können.
Prinz Sternenstaub grinste Jasmina an. »Ja, du hast richtig gehört. Ich bin ein Elfenprinz. Genauer gesagt ein Großelfenprinz. In alten Sagen und Erzählungen werden wir Großelfen auch Elben oder Alben genannt. Genaugenommen gehören wir zur Alben-Familie. Mein Vater, der große König Lacotavar, herrscht über uns Großelfen ebenso, wie über alle anderen Elfen, die auf unserem Planeten wohnen. Es gibt auch winzige Elfen auf unserem Stern.«
Überrascht hörte Jasmina zu, was der Elfenprinz zu sagen hatte. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken hin und her. Obwohl sie nichts gesagt hatte, schien er alles verstanden zu haben. Scheinbar konnte er ihre Gedanken lesen, was schon ein wenig gruselig war.
Sternenstaub nickte und flüsterte leise in Jasminas Ohr: »Ich lese gern die Gedanken der anderen Wesen. Aber Fußball spiele ich noch lieber. «
Der kleine Prinz wirbelte einmal um seine Achse und breitete die Arme aus, während er auf die Gestalten zeigte, die Jasmina so nett musikalisch empfangen hatten. »Darf ich dir meine Freunde vorstellen? Wo sie sind, wirst du auch mich finden, denn sie begleiten mich überallhin.«
Nach und nach verbeugten sich die Großelfenkinder und nannten ihre Namen. Zunächst trat Zaida nach vorn. Ihre grünen Augen blickten neugierig in die Welt. Das silbrige Haar war mit dem gleichen Puderstaub bedeckt, das Jasmina auf der Kleidung des Prinzen wahrgenommen hatte. Ihr in Falten geworfener Rock hüpfte bei jeder ihrer Bewegungen fröhlich auf und ab. Im Schlepptau hatte sie ihren jüngeren Bruder Anion, der Jasmina durch die Gläser seiner getönten Nickelbrille aufmerksam betrachtete. Die Zwillinge Athavar und Azariell waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während der in bunte Tücher gehüllte Athavar immer zu lustigen Streichen aufgelegt war, befasste sich Azariell mit der Erstehung von Planetenwelten. Er trug für seine Forschungen stets ein goldenes Fernrohr bei sich. Mit einem ebenfalls goldfarbenen Stift schrieb er Formeln und Zahlen in ein dickes in echten Goldstaub gefasstes Buch, das seinen Platz in dem großen Rucksack hatte, der über der linken Schulter des Jungen baumelte. Die mutigen Großelfen-Jungen Ancoron und Arminas sorgten dafür, dass Sternenstaub gut behütet den goldenen Planeten, auf dem der Großelfenkönig sich mit seiner Gefolgschaft niedergelassen hatte, erkunden konnte. Denn in den Wäldern wohnten Kobolde, Hutzelmännchen, Wurzel-Gnome und Berg-Zwerge, die es nicht immer gut mit den Elfen meinten und schon so manchen Streich ausgeheckt hatten, um den großen König Lacotavar zu schwächen und ihm seine Macht zu nehmen.
Zum weiteren Gefolge des Prinzen zählten die Großelfen-Mädchen Xenia, Yasmine und Zandra sowie ihre Cousins Albion und Elank. Auch der kleine Ivan, dessen Nase ständig lief, und der auf pummeligen Beinen mal hierhin und mal dorthin purzelte, um urplötzlich hinter einem der Spiegelwände zu verschwinden, gehörte zum Gefolge. Von seinen Ausflügen kehrte Ivan stets mit kleinen Geschenken, die aus goldenen Federn, glitzernden Kristallen und silberglänzenden Steinen bestanden, zurück.
Inmitten dieser Gruppe wagte es Jasmina den Saal zu verlassen, die Regenbogentreppe zu betreten und über die farbigen Stufen ins Untergeschoss zu gehen. Große, bunte, mit weichem fransigem Fell ausgestattete Beförderer warteten dort bereits auf den Prinzen und seine Freunde. Jasmina durfte hinter Sternenstaub auf Taxas, dem Reit-Tier des Prinzen sitzen. Staunend bewunderte sie das bunte Gefieder, während der so Begutachtete seine junge Passagierin mit seinen schwarzen Augen listig anblitzte. Taxas verbeugte sich tief vor seinem Herrn, während seine goldglänzende, schnabelähnliche Schnauze sein Geschenk, ein großes Stück der Himbeer-Schokolade, die Sternenstaub in seiner Tasche versteckt hatte, entgegennahm.
Nachdem alle Begleiter des Elfenprinzen auf ihren Reit-Tieren saßen, konnte die Reise zum Schloss des Königs beginnen. Das Auf und Ab des tragenden Tieres ließ Jasmina in einen leichten Schlaf fallen. Ihre Augen wurden schwer. Sie lehnte sich an Sternenstaubs Rücken und umarmte ihn fest. So gesichert und vor Stürzen geschützt, genoss Jasmina den Ritt durch die weiten Ebenen des goldenen Sternes.
Als sie erwachte, dämmerte es bereits. Kreischende bunt schillernde Papageien warfen sich von den hochgewachsenen Bäumen, um im Sturzflug auf den Rücken der farbenprächtigen Reit-Tiere zu landen und in deren fransigem Fell unterzutauchen. Beinahe wäre Jasmina gestürzt, als ein Vogel krächzend hinter ihr auftauchte und mit seinen großen Flügeln ihre rechte Schulter streifte. Zum Glück hatte sie jedoch eine starke Beinmuskulatur, sodass es leicht für sie war, die Oberschenkel an die Flanken Taxas` zu drücken, um den dringend notwendigen Halt zu bekommen.
Der Ara neigte seinen roten Kopf und starrte das Mädchen aus seinen schwarz glänzenden Augen an. »Soso, nun bist du also endlich angekommen. Du ahnst ja gar nicht, wie lange hier schon auf deine Ankunft gewartet wird. Aber egal. Du hast es geschafft. Übrigens, ich bin Jonas. König der Papageien und heiße dich herzlich in meinem Wald willkommen.«
Sich zur doppelten Größe aufplusternd, zwickte er mit seinem gebogenen Schnabel leicht in Jasminas Nase und schwang sich in die Lüfte, um seinen Platz auf der Papageien-Burg, die sich hoch oben in den Gipfeln der Bäume befand, einzunehmen.
Immer noch verwirrt von dem Besuch des riesigen Vogels klammerte sie sich an Sternenstaub, der leise lachend das Tempo noch ein wenig erhöhte. »Der Wald hat viele Bewohner. Die Papageien sind die schillerndsten unter ihnen. Sie sind unsere Freunde. Vor ihnen brauchst du dich nicht fürchten. Jedoch nimm dich in acht vor den Sterzen, die unter den Wurzeln der Bäume hausen. Sie sind schwarz wie die Nacht, alles an ihnen ist dunkel und böse. Wir sollten uns beeilen, damit wir die Papageien-Rast noch vor Anbruch der Nacht erreichen. In den gemütlichen Baumhäusern wartet bereits unser Nachtlager auf uns. Auch wohlschmeckende Säfte und frische Nüsse werden wir dort vorfinden. Los, Taxas, lauf so schnell dich deine starken Beine tragen, denn die Dunkelheit ist nicht mehr fern.«
