Der Tod des Arztes - Manuel Kröger - E-Book

Der Tod des Arztes E-Book

Manuel Kröger

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Beschreibung

Georg ist Student und bekommt sein Leben einfach nicht auf die Reihe. Durch eine Verkettung von ungünstigen Umständen trifft er eines Nachts auf einer Brücke den Arzt Doktor Wegner, der Suizid begehen möchte. Als Georg wenig später einen Unfall hat, scheint dies erst einmal ein ganz gewöhnliches Unglück zu sein.

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Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Manuel Kröger

Der Tod des Arztes

Kapitel 1 & 2

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1: Versagen

2: Unfall

Impressum neobooks

1: Versagen

Es war ein kalter Oktoberabend. Ein später Abend. Ich saß zuhause verzweifelt über meinem Computer und meinen Büchern. Um mich herum lagen Papierzettel und Schnipsel mit Textpassagen aus theoretischen Schriften der größten Denker aller Zeiten. Ich jedoch fühlte mich nicht zu diesem Kreis dazugehörig. Nein, ganz und gar nicht. Mein Magen rumorte und fühlte sich flau an, mein Kopf drückte und schmerzte und mir war leicht schwindelig. Etwas Klares konnte ich kaum noch denken, ich schwitzte vor Panik. In zwei Stunden musste ich meine Masterarbeit abgeben. Um genau Mitternacht, spätestens. Ungewöhnlich, aber so waren die Regeln an meiner Universität. An keiner anderen war das so, dort gaben die Studenten meist um 12 Uhr oder 13 Uhr am Mittag ab, in gedruckter Version. Ich aber musste vorher die elektronische Version übermitteln, um am nächsten Tag die gedruckte abgeben zu können. Und ich musste noch die Quellenangaben schreiben, noch ein paar Kapitel überarbeiten, das Fazit schreiben, die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis angeben und so weiter. Das dauerte. Doch ich Idiot hatte wieder viel zu spät mit dem Schreiben begonnen. Meine Masterarbeit! Viel blöd kann ein Mensch sein. Naja, höchstens so blöd, wie ich. Das war das Extremum. So kam es mir vor, und so machte ich mich fertig. Meine Existenz war trostlos, wie das Wetter draußen. Ja, würde nun eine Geschichte oder ein Film über diese Situation geschrieben werden, dann würde diese Szene an einem kalten Abend stattfinden. Ohne Regen, denn der käme nur, wenn ich geheult hätte. Am liebsten hätte ich auch geheult, aber dazu hatte ich keine Zeit. Ich trank den letzten kalten Schluck meines Kaffees und schlurfte mit der Kaffeetasse, die schon drei Tage in Benutzung war, in die Küche.

Meine Haare hatte ich seit zwei Tagen nicht mehr gewaschen, der Qualm von hunderten von Zigaretten hing in der ganzen Wohnung – in Kleidung, Vorhängen, Bettdecken und Stuhlbezügen. Ich trug das gleiche graue T-Shirt seit vier Tagen, meine Boxershorts seit drei Tagen. Disgusting, ich weiß. Darüber hatte ich einen blauen Morgenmantel gelegt, damit ich nicht fror. Zeit zum Wäschewaschen hatte ich in den letzten Tagen keine gefunden. Und zum Schlafen auch kaum. Ich lebte die letzten drei Tage nur von Bier, Kaffee und Zigaretten und einem ständigen Adrenalinpegel im Blut, der mich antrieb, weiter zu lesen, weiter zu schreiben, wenig zu schlafen.

Mein Kopf dröhnte, mein Herz klopfte, auch eine Folge meines Kaffeekonsums: Es waren geschätzt drei Kannen Kaffee, die ich jeden Tag in mich hineintrank. Irgendwie hatte ich mich mit all diesen ungesunden, aber im Moment die einzig möglich erscheinenden Verhaltensweisen durchgekämpft und die Seiten mit meinen Gedanken vollgeschrieben. Ich mag es nicht, meine Gedanken zu verschriftlichen, ich bin eher der Denker. Gedanken sollen im Kopf gedacht werden und dort weiterentwickelt werden. Wenn ich sie auf das Papier bringen soll, gibt es einen Gedankenstau. Mit Zwang muss ich mich dann dazu bringen, weiterzumachen, weiterzudenken, weiterzuschreiben. Aber irgendwie musste ja die Arbeit geschrieben werden. Auszeichnungen gibt es an der Universität nicht für philosophische Gedanken, sondern nur für philosophische Gedanken, die auf dem Papier festgesetzt waren.

Jetzt aber erst einmal ein Bier! Nach dem ganzen Kaffee war das zur Beruhigung wichtig. Ich wollte diese Arbeit nur noch abgeben und endlich wieder schlafen können! Mein Magen meldete sich wieder mit einem Grummeln, Rumoren. Dann der Darm. Ich entlüftete diesen und ignorierte dann meine Beschwerden wieder. Dann ploppte an einem PC die Meldung auf, es gäbe keine W-Lan-Verbindung. Was soll das denn jetzt!

Mein Puls erhöhte sich, meine Ohren rauschten, ich war hellwach. Meine Ahnung von Computern und allem, was dazu gehörte, beschränkte sich auf das Bedienen dieser Geräte, wenn sie funktionierten, nicht aber das Beheben von Problemen. Vielleicht würde ich ja eine Antwort im Internet finden. Ach, ja, stimmt, mein W-Lan funktionierte nicht! Wie kam ich ins Internet ohne W-Lan?