Der Tod des Empedokles - Friedrich Hölderlin - E-Book

Der Tod des Empedokles E-Book

Friedrich Hölderlin

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Beschreibung

Der Tod des Empedokles ist ein unvollendetes Dramenprojekt von Friedrich Hölderlin. Das Stück behandelt die letzten Lebenstage des vorsokratischen Philosophen Empedokles aus Agrigent, der sich einer Legende nach durch einen Sturz in den Ätna mit den Worten "Im freiem Tod, nach göttlichem Gesetz" das Leben nahm. Hölderlins hauptsächliche Quelle für den Empedokles-Stoff waren die Lebensbeschreibungen, Lehren und Aussprüche hervorragender Philosophen des antiken Philosophiehistorikers Diogenes Laertius. (aus wikipedia.de)

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Der Tod des Empedokles

Friedrich Hölderlin

Inhalt:

Friedrich Hölderlin – Biografie und Bibliografie

Empedokles

Erster Akt

Zweiter Akt

Der Tod des Empedokles, F. Hölderlin

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster, Deutschland

ISBN: 9783849609719

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Vladislav Gansovsky - Fotolia.com

Friedrich Hölderlin – Biografie und Bibliografie

Einer der eigentümlichsten deutschen Dichter der klassischen Dichtungsperiode, geb. 20. (nicht 29.) März 1770 in Lauffen am Neckar, gest. 7. Juni 1843 in Tübingen, verlor als zweijähriger Knabe seinen Vater, der Klosterbeamter war, und zog einige Jahre später mit seiner Mutter nach Nürtingen, wo sich diese mit dem Kammerrat Gock verheiratete, der aber ebenfalls schon 1779 starb. Hölderlins reger Natursinn entwickelte sich frühzeitig in den schönen Umgebungen jener Stadt, in der er sich, von der Mutter treu gepflegt, aber ohne die männliche Leitung eines Vaters zum Studium der Theologie vorbereitete; er studierte seit 1784 auf den Seminaren zu Denkendorf und Maulbronn, seit 1788 auf der Universität Tübingen, wo er sich mit Hegel und Schelling befreundete. Schon hier bildete er sich in der Opposition mit den Forderungen der Welt aus seinem von früh auf gepflegten Naturkultus und aus den Idealen der Griechenwelt eine ideale Welt, in der er, fern von lärmender Geselligkeit, mit wenigen vertrauten Freunden lebte. Strenge philosophische Studien führten ihn zu einem Pantheismus, der seinem Naturkult erst die rechte Weihe gab und mit den Vorstellungen griechischer Weisen harmonierte. Dazu stimmten die Schwärmerei für Rousseaus »Contrat social« und für die französische Revolution und die Begeisterung für den Dichter des »Don Carlos«, an dem H. sein lebenlang mit der innigsten Verehrung hing. In die Zeit vor dem Abschluß dieser eigentümlichen Entwickelung des Dichters fallen jene Jugendgedichte, in denen sich seine Abhängigkeit von Klopstock und später von Schiller kundgibt. Viel eigentümlicher und bedeutender war das in Schillers »Neuer Thalia« (1793) abgedruckte Fragment des »Hyperion«. Die unbefriedigte Liebe der ruhelosen Seele zu einem in sich selbst ganz befriedigten Wesen, zur Melite, ist der Vorwurf dieses Fragments; in ihr sucht H. seiner Unruhe gegenüber die Ruhe, nach der er sich sehnte, konkret zu gestalten. Nach Beendigung seiner Studien lebte H. bis zum Frühjahr 1795 erst als Hauslehrer bei dem Freiherrn v. Kalb teils in Waltershausen im Grabfeld, teils in Jena und Weimar mit einem Zögling, der wegen Kränklichkeit nichts leisten konnte, dann als Privatgelehrter im Verkehr mit Schiller, Fichte und Niethammer in Jena. Da jedoch seine Hoffnung, in Jena eine Stellung zu finden, getäuscht wurde, kehrte er in die Heimat zurück, wo er doppelt schmerzlich den Gegensatz seiner Welt zu den Verhältnissen fühlte. Da verschaffte ihm ein alter Freund, Sinklair in Homburg, eine sehr angenehme Hauslehrerstelle im Hause des Bankiers Gontard in Frankfurt a. M., die er im Januar 1796 antrat. Dort ergriff ihn eine tiefe und reine Neigung zu der geistvollen und liebenswürdigen Hausfrau (Susette, geborne Borkenstein, von H. unter dem Namen »Diotima« gefeiert); da jedoch diese Neigung Mißdeutungen ausgesetzt war, entschloß sich H. im September 1798, Frankfurt zu verlassen. Der glücklichen Zeit seines Aufenthalts in Frankfurt verdanken wir die ersten beiden Bücher seines Romans in Briefen: »Hyperion, oder der Eremit in Griechenland« (Stuttg. 1797–99, 2 Bde.; 2. Aufl. 1822). In Homburg, wo er sich, bei seinem Freund Sinklair lebend, bis zum Sommer 1800 aufhielt, beschäftigte ihn außer dem 2. Bande des »Hyperion« das Drama »Empedokles«, das jedoch unvollendet blieb. War schon im »Hyperion« eine oft zu breite Entwickelung der eigentümlichen Weltanschauung und Empfindungsweise des Dichters und Mangel an Handlung zu tadeln, so leidet das dramatische Werk noch mehr an diesem Übelstand. »Empedokles« »kann nur durch die in herrlichster sprachlicher Fassung dargebotenen Einzelgedanken fesseln (vgl. W. Böhm, Studien zu Hölderlins »Empedokles«, Berl. 1903). Auch das längere Gedicht »Emilie vor ihrem Brauttag« gehört in diese Zeit; es ist gewissermaßen ein in versifizierten Briefen abgefaßtes Idyll in höherm Tone. Bis 1800, wo H. seinen Freund Sinklair verließ, sind auch die meisten und besten seiner kleinern Gedichte entstanden. Es sind fast durchaus gedanken- und bilderreiche, tief empfundene Gedichte von der schönsten, meist antiken Form; aber der streng abgeschlossene, der Wirklichkeit entfremdete Ideenkreis des Dichters, der eigentümliche, alle Realität zurückweisende Schwung seiner Gedanken und seiner Sprache machen sie nur denen genießbar, die sich mit Liebe in seine Eigentümlichkeit versenken. Als H. im Sommer 1800 in die Heimat zurückkehrte, war er trübsinniger und reizbarer als je und auch leiblich sehr gealtert. Ein viermonatiger Aufenthalt in der Schweiz, wo er Unterricht gab, bis zum April 1801, übte nur vorübergehend wohltätige Wirkung auf ihn aus. Im Dezember 1801 ging er als Hauslehrer nach Bordeaux, kam aber schon im Sommer 1802 geisteskrank nach Nürtingen zurück. Zwei Jahre wurde er hier im mütterlichen Hause gepflegt; als er etwas ruhiger erschien, zog ihn Sinklair nach Homburg, wo er die Stelle eines Bibliothekars erhielt. In guten Stunden beschäftigte er sich hier mit einer Übersetzung des Sophokles, von der zwei Stücke: »Antigone« und »König Ödipus« (1804), auch gedruckt wurden; meist war er aber trüb- und irrsinnig, manchmal hatte er sogar Wutanfälle. Daher brachte man ihn 1806 in eine Irrenanstalt nach Tübingen und bald darauf, nach mißlungener Kur, zu einem braven Bürger, dem Tischler Zimmer daselbst. Bei diesem und dessen Erben lebte er bis zu seinem Tod ein später immer seltener durch Paroxysmen unterbrochenes Stilleben ohne Teilnahme an den Weltereignissen, ja selbst meist ohne alle Teilnahme für Freunde und Verwandte, die er oft nicht kannte oder nicht zu kennen schien. Hölderlins »Lyrische Gedichte« wurden von Schwab und Uhland (Stuttg. 1826, 4. Aufl. 1878), seine »Sämtlichen Werke« nebst Briefen und Biographie von Ch. Th. Schwab (das. 1846, 2 Bde.), »Gesammelte Dichtungen« mit biographischer Einleitung von B. Litzmann (das. 1898, 2 Bde.) herausgegeben; »Ausgewählte Werke« erschienen daselbst 1874; »Dichtungen«, herausgegeben von Köstlin, Tübing. 1884. Ein Denkmal (von Anderson in Dresden) wurde ihm 1881 in Tübingen, ein andres 1883 in Homburg errichtet. Vgl. Jung, H. und seine Werke (Stuttg. 1848); Teuffel, Studien und Charakteristiken (Leipz. 1871); Klaiber, H., Hegel und Schelling in ihren schwäbischen Jugendjahren (Stuttg. 1877); Kelchner, Friedr. H. in seinen Beziehungen zu Homburg v. d. Höhe (Homb. 1883); Wilbrandt, Friedr. Hölderlin. Fritz Reuter (in dem Sammelwerk »Geisteshelden«, 2. Aufl., Berl. 1896); K. Litzmann, Friedr. Hölderlins Leben. In Briefen von und an H. (Berl. 1890); Müller-Rastatt, Friedr. H., mit einem Anhang ungedruckter Gedichte (Brem. 1894) und In die Nacht. Ein Dichterleben (Flor. u. Leipz. 1898); Wenzel, F. H. und John Keats als geistesverwandte Dichter (Magdeburg 1896); Grosch, Die Jugenddichtung F. Hölderlins (Berl. 1899); Klein-Hattingen, Das Liebesleben Hölderlins, Lenaus, Heines (das. 1901).

Der Tod des Empedokles

Personen

EmpedoklesPausanias, sein SchülerHermokrates, Oberpriester von AgrigentKritias, Archon von AgrigentPanthea, dessen TochterDelia, ihre Gefährtin Agrigentiner. Drei Sklaven des Empedokles. Ein Bauer. Ort: 1. Akt: Agrigent; 2. Akt: der Ätna

Erster Akt

1.

Panthea. Delia.

Panthea. Dies ist sein Garten! Dort im geheimen Dunkel, wo die Quelle springt, dort stand er jüngst, als ich vorüberging – du hast ihn nie gesehn?

Delia. O Panthea! Bin ich doch erst seit gestern mit dem Vater in Sizilien. Doch ehemals, da ich noch ein Kind war, sah ich ihn auf einem Kämpferwagen bei den Spielen in Olympia. Sie sprachen damals viel von ihm, und immer ist sein Name mir geblieben.

Panthea. Du mußt ihn jetzt sehn, jetzt! Man sagt, die Pflanzen merkten auf ihn, wo er wandre, und die Wasser der Erde strebten herauf, da wo sein Stab den Boden berühre, und wenn er bei den Gewittern in den Himmel blicke, teile die Wolke sich, und hervor schimmre der heitre Tag. – Das all mag wahr sein! Doch was sagt's? Du mußt ihn selbst sehen! einen Augenblick! und dann hinweg! ich meid' ihn selbst, ein furchtbar, allverwandelnd Wesen ist er.

Delia. Wie lebt er denn mit anderen? Ich begreife nichts von diesem Manne. Sage, hat er, wie wir, auch seine leeren Tage, wo man sich alt und unbedeutend dünkt? Und gibt es auch ein menschlich Leid für ihn?

Panthea. Ach! da ich ihn zum letzten Male dort Im Schatten seiner Bäume sah, da hatt' er wohl Sein eigen tiefes Leid – der Göttliche. Mit wunderbarem Sehnen, traurigforschend, Wie wenn er viel verloren, blickt' er bald Zur Erd' hinab, bald durch die Dämmerung Des Hains hinauf, als wär' ins ferne Blau Das Leben ihm entflogen, und die Demut Des königlichen Angesichts ergriff Mein ringend Herz: – auch du mußt untergehn, Du schöner Stern – und lange währet's nicht mehr! Das ahnte mir.

Delia. Hast Du mit ihm auch schon gesprochen, Panthea?

Panthea. Oh, daß du daran mich erinnerst! Es ist nicht lange, daß ich todeskrank daniederlag. Schon dämmerte der Tag vor mir, und um die Sonne wankte, wie ein seellos Schattenbild, die Welt. Da rief mein Vater, wenn er schon ein arger Feind des hohen Mannes ist, am hoffnungslosen Tage den Vertrauten der Natur; und als der Herrliche den Heiltrank mir gereicht, da schmolz in zauberischer Versöhnung mir mein kämpfend Leben ineinander und wie zurückgekehrt in süße, sinnenfreie Kindheit schlief ich wachend viele Tage fort und kaum bedurft' ich eines Atemzugs. Wie nun in frischer Luft mein Wesen sich zum ersten Male wieder der lang entbehrten Welt entfaltete, mein Auge sich in jugendlicher Neugier dem Tag erschloß, da stand Empedokles! o wie göttlich und wie gegenwärtig mir! Am Lächeln seiner Augen blühte mir das Leben wieder auf! Ach, wie ein Morgenwölkchen floß mein Herz dem hohen süßen Licht entgegen, und ich war der zarte Widerschein von ihm.

Delia. O Panthea!

Panthea. Der Ton aus seiner Brust! in jeder Silbe klangen alle Melodien! und der Geist in seinem Wort! – Zu seinen Füßen möcht' ich sizen, stundenlang, als seine Schülerin, sein Kind, in seinen Äther schaun und auf zu ihm frohlocken, bis in seinen Himmelshöhen sich mein Sinn verlöre droben.

Delia. Was würd' er sagen, Liebe, wenn er's wüßte!

Panthea. Er weiß es nicht, der Unbedürft'ge wandelt In seiner eignen Welt; in leiser Götterruhe geht Er unter seinen Blumen, und es scheun Die Lüfte sich, den Glücklichen zu stören; Ihm schweigt die Welt, und aus sich selber wächst In steigendem Vergnügen die Begeisterung Ihm auf, bis aus der Nacht des schöpfrischen Entzückens wie ein Funke der Gedanke springt, Und heiter sich die Geister künft'ger Taten In seine Seele drängten, und die Welt, Der Menschen gärend Leben und die stillere Natur um ihn erscheint – hier fühlt er, wie ein Gott, In seinen Elementen sich, und seine Lust Ist himmlischer Gesang. Und dann tritt er Heraus ins Volk an Tagen, wo die Menge Sich überbraust, und eines Mächtigern