Der Traumverein - Andreas Burkhardt - E-Book

Der Traumverein E-Book

Andreas Burkhardt

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Beschreibung

Tina und Leo aus Kückritz sind sich einig. Der Bolzplatz ist nicht genug! Sie träumen von einem eigenen Verein, um erfolgreich in der Liga zu spielen. Dafür soll am alten Gutshaus ein Fußballfeld entstehen. Doch können zwei Kinder diese Aufgabe bewältigen? Tina und Leo stürzen sich ins Getümmel. Aber ausgerechnet bei den Kleinsten droht das große Scheitern, denn niemand traut sich zu den Zwergen.

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Andreas Burkhardt

Der Traumverein

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Ganz wichtig, bevor wir starten

Zurück aus den Ferien

Unsere Neue

Nervensache

Gemeine Kerle

Der Weißnix-Pirat

Bälle, Bögen und dann nichts mehr

Tränen auf dem Teller

Nicos Entschuldigung

Überredungsversuche

Vereine, Vereine

Die Absage

Aktion Halbzeit

Bleichgesichter

Verloren im Schuppen

Nase krumm

Wir werden Schützen

Kracks

Erst die Arbeit

Bei Energie

Da ist der Wurm drin

Bürgermeister und Babys

Im Zwergenland

Ein haushoher Sieg

Unerwarteter Besuch

Unter Linden

Jetzt wird gebaut

Anpfiff

Leseprobe, Teil 3

Impressum neobooks

Ganz wichtig, bevor wir starten

Hey, du! Ich bin wieder da, deine Tina Sturm aus Kückritz. Du erinnerst dich noch, oder? Wir Sturms wohnen in der Lausitz, genau zwischen Dresden und Berlin. Ich bin die Sommersprosse mit den roten Locken, die nachts ihre Schwester vor Gespenstern rettet. Leo und ich haben die Apfelwiese zurück erobert – unseren Fußballplatz! Jetzt fällt es dir wieder ein, stimmt‘s?

Was hast du erlebt seit unserem letzten Abenteuer? Willst du es auch einmal aufschreiben? Das ist gar nicht schwer. Ich habe es jetzt schon zweimal geschafft. Und diesmal hat sogar Leo mitgemacht.

Du willst bestimmt, dass ich gleich mit Erzählen loslege. Aber vorher muss ich dir unbedingt von diesem Hallenfußballturnier berichten! Wir sind neulich nach Riesa gefahren. Wenn ich daran denke, bin ich immer noch total aufgewühlt. Mama hatte uns 1A-Karten besorgt. Wir saßen auf der Tribüne fast an der Mittellinie. Mama wollte das so, weil wir Fans von verschiedenen Vereinen sind. Rechts von uns sangen die Cottbuser Schlachtenbummler und links von uns feierten die Fans von Lok Leipzig. Die Leipziger spielen zwar nicht in der Bundesliga, aber die Fans machten eine Stimmung, als wäre es so.

Also, Leo, Mama und ich, wir haben Cottbus angefeuert. Aber unser Papa nicht. Der stand nebenan auf der Treppe, wo es näher zum Leipziger Fanblock war. Dort hüpfte und jubelte er für seine Blau-Gelben, dass Mama den Kopf schüttelte. Dann ging Leipzig auch noch in Führung. Jetzt fingen die Fans zu toben an. Aber Energie Cottbus schlug zurück: eins zu eins, zwei zu eins, drei zu eins für Energie. Die Leipzig-Fans feuerten ihre Mannschaft trotzdem wie wild an.

Dann schoss Leipzig wieder ein Tor: drei zu zwei. Jetzt war die Hölle los! Die Leipziger Spieler drehten auf, als hätten sie Feuer in den Schuhen. Wir zwei Mädels und Mama haben gezittert wie Espenlaub. An der Anzeigetafel zählten wir die Sekunden bis zum Abpfiff mit. Papa sprang herum wie Rumpelstilzchen, lärmte mit den Fans und biss auf seinem Basecap rum. Und dann war Schluss – Konfetti! Ich war so was von nass geschwitzt. Mann, war das knapp gewesen!

Die Halle war ein Kessel voll Hexensuppe. Den Leipzigern war es egal, dass sie verloren hatten. Die haben gefeiert – so was hast du noch nicht erlebt! Vom vielen Klatschen haben mir hinterher noch ewig die Hände gezittert. Und wenn ich mich jetzt daran erinnere, bin ich gleich wieder aufgeregt, so toll war das.

Das musste ich jetzt einfach loswerden. Wenn du richtig Stimmung erleben willst, besuche selbst mal so ein Hallenturnier. Das vergisst du nie wieder!

Und nun fängt meine Geschichte an: Der abenteuerliche Weg, eine unlösbare Aufgabe zu knacken. Ein Fall für Leo und Tina Sturm!

Zurück aus den Ferien

Erster Schultag. Es war Ende Februar, und wir mussten uns durch einen eiskalten Wind kämpfen. Als Leo und ich das Schulhaus erreichten, hatte es längst zum Reinkommen geklingelt. Im Treppenhaus wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen.

„Leo, Tina, wartet mal!“ Mattu, ein Freund aus Leos Klasse, kämpfte sich zu uns durch. Seine langen Haare klebten ihm an der Stirn. „Wir wollen wieder auf die Apfelwiese. Kommt ihr mit?“

Leona sah ihn schräg an: „Bei diesem Wetter?“

Die Apfelwiese war unser Fußballplatz. Sie lag fast am Ende von Kückritz, bei dem alten Gutshaus, wo vor Jahren der Blitz eingeschlagen hatte. Um sie rankte sich eine gruselige Geschichte, in die auch Leo und ich hineingeraten waren, weil wir sie nicht glauben wollten. Eine Gespensterfamilie hatte dort ihr Unwesen getrieben: die elf Enkelsteins!

Vor langer Zeit hatten sie selbst die Apfelbäume als Torpfosten gepflanzt, als sie noch eine gesunde und fußballverrückte Familie waren. Dann passierte ein schlimmer Unfall, der die Enkelsteins in einen verrückten Gespensterhaufen verwandelte. Seit dem konnten sie nur noch bei Vollmond auf der Apfelwiese spielen und wollten ihre Ruhe haben. Doch das war gründlich schief gegangen: Einmal übernachteten ein paar wilde Camper auf der Apfelwiese und kamen den Enkelsteins in die Quere. Diese beschworen vor lauter Wut ein Gewitter herauf. Ein Blitz schlug ins Gutshaus ein und es verbrannte.

Der alte Opa Urich war der Einzige in Kückritz, der die Enkelsteins noch von früher kannte, und sie später als Gespenster wieder getroffen hatte. Leichtfertig erzählte er das in der Stadt herum, deshalb war er als Spinner verschrien. Dennoch mähte er jeden Monat die Wiese für seine Enkelsteins, und machte sie damit zum perfekten Bolzplatz für uns Kückritzer Fußballkinder. Wenn er nur nicht alle vier Wochen das schmiedeeiserne Tor zugesperrt hätte! Steif und fest blieb er bei seiner Gespenstergeschichte und rief damit Leo auf den Plan.

Wir Sturms wohnten damals noch nicht lange in Kückritz. Leo und ich waren echt froh, diesen Fußballplatz und eine Truppe zum Bolzen gefunden zu haben. Wir wollten uns das nicht wegnehmen lassen. Leo ärgerte sich über jeden verloren Tag, ganz besonders wenn es um diese dumme Geschichte von Opa Urich ging. Also begann sie heimlich nachzuforschen, und ich konnte nicht anders, als mitzumachen. Beinahe hätte das böse geendet, das kannst du mir glauben. In einer haarsträubenden Aktion lüftete Leo das Geheimnis der Enkelsteins, und wir erlösten die Geisterfamilie sogar. Darauf waren wir sehr stolz, aber das Beste war: Nun hatten wir freie Bahn am alten Gutshaus. Bloß der Winter hatte uns erneut zum Aussetzen gezwungen.

„Ich war gestern dort“, sagte Mattu. „Der Wind hat den Schnee fast runter geweht. Wir könnten es mal probieren.“ Während wir nachdachten, lief unsere Direktorin, Frau Hückli, mit einer fremden Frau über den Flur.

„Kennt ihr die?“, fragte ich. Leo schüttelte den Kopf.

„Angeblich kriegen wir eine neue Mathelehrerin. Vielleicht ist sie das“, sagte Mattu. Ich sah der Neuen hinterher, während Leo vom Fußballturnier in Riesa erzählte.

„Energie hat gewonnen, hast du schon gehört? In einer Spielpause haben zwei Kindermannschaften gespielt. Die haben neun Tore in zehn Minuten geschossen.Das war fast besser, als bei den Erwachsenen.“ Leider konnte Leo nicht lange erzählen, denn die Klassentüren gingen schon zu. Also spurteten wir los.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass Mattu richtig gelegen hatte. Eine neue Lehrerin stand am Start. Kaum war die erste Stunde rum, wusste es jeder in der Schule. Leo erlebte sie noch vor mir im Unterricht, darum habe ich mir überlegt, dass sie selbst darüber schreiben kann. Was hältst du davon? Leo hat sich zwar erst nicht getraut, aber ich finde, sie hat das gut hingekriegt. Pass auf!

Unsere Neue

Wer eine kleine Schwester hat, den begrüße ich hiermit als Leidensgefährten. Es ist schwer, von Tina mal eine Pause zu bekommen. Da hat die Schule doch was Gutes. Nur die Lehrer sind mir zu langweilig.

Ich hoffte sehr, dass unsere Neue etwas auf dem Kasten hatte. Immerhin sah sie mit ihrer goldenen Strähne in den schwarzen Haaren recht locker aus. Sie grinste uns an, als müsste sie gleich über einen Witz lachen, und setzte sich auf die Tischkante.

„Guten Morgen zusammen! Ich bin Linda Schnett. Und wer seid ihr?“ Niemand meldete sich. Misstrauisch guckten wir sie an. „Wollen wir gleich mit Rechnen anfangen, oder uns erst mal kennenlernen?“ Immer noch war Ruhe, doch Frau Schnett strahlte, als hätte sie im Lotto gewonnen. „Hat die Stockfischklasse kein Matheass?“, fragte sie. Das hatten wir natürlich. Alle Köpfe drehten sich zu Mattu, und damit ging die Vorstellungsrunde los. Wir erfuhren, dass Frau Schnett eine ganz frischgebackene Lehrerin war, die etwas besonders gut konnte: sie spielte Fußball.

Ich fand, Frau Schnett sah dafür zu dick aus. Naja, ein bisschen vielleicht. Aber wenn sie so schnell rennen konnte, wie ihr die Worte aus dem Mund sprudelten, stimmte es vielleicht wirklich. Ich erzählte ihr deshalb gleich von unserer eigenen Fußballtruppe.

„Wie viele Mädchen habt ihr in eurer Mannschaft?“, fragte sie.

„Nur zwei, meine Schwester und mich.“ Das fand sie ziemlich schade.

Für den Rest der Stunde verteilte sie ein paar Logiktrainer. So ähnliche hatte ich auch zu Hause, denn kniffelige Aufgaben zu lösen, fand ich toll. Ich strengte mich an, um schneller als Mattu zu sein, aber es klappte nicht ganz. Naja, halb so wild.

„Knobelt ruhig weiter“, sagte Frau Schnett als es klingelte, und lies uns die Pausenbrote auf die Rätsel krümeln. Erst als Frau Hückli ins Zimmer schaute, mussten wir endgültig auf den Hof. Dort wartete Tina schon ungeduldig und wollte wissen, wie es gelaufen war. Sie hätte gar nicht nerven brauchen, ich habe es ihr gern erzählt, genauso wie dir gerade.

Und jetzt kann Tina wieder selbst schreiben.

Nervensache

Genau! Deine Tina ist mit einem Knaller zurück am Schreibtisch. Der erste Nachmittag auf der Apfelwiese endete nämlich mit einem Gewitter. Mitten im Winter!

Als das Donnerwetter losbrach, flüchteten wir zum Gutshaus und bestaunten, was der Himmel auf unseren Fußballplatz kippte. Schaurig und schön fühlte es sich an, so nahe an dem alten Gemäuer zu stehen, und es regnete unaufhörlich weiter.

„Das wird wohl nichts mehr heute“, sagte Nico, der bei uns den Chef markierte. Leo beobachtete ihn, wie er mit den Händen durch sein wirres Haar fuhr. Dann sah sie wieder auf die Wiese, die sich langsam in einen Teichverwandelte. Irgendwann wollten Leo und ich nicht länger warten und machten uns auf den Heimweg. Auf unseren Fahrrädern eilten wir durch den Regen, und als wir schließlich zuhause ankamen, waren wir völlig durchgeweicht. Mama wartete schon hinter der Tür.

„Was habt ihr euch gedacht? Bei diesem Wetter!“ Sie hörte aber gleich auf zu schimpfen, als ich bibbernd in ihre Arme stolperte. „Ist alles in Ordnung mit euch?“

„Nein, verdammt!“ Leo schmiss ihre Sachen auf einen Haufen. Sie hatte tatsächlich noch Kraft zum Fluchen.

„Was ist denn mit dir los?“, fragte Mama.

„Ich will ein Erkältungsbad!“

„Ein Entspannungsbad ist wohl angebrachter.“ Das Gesicht zur Faust geballt, rauschte Leo an mir vorbei. Ich half Mama noch schnell, die Sachen aufzuräumen.

„Ist irgendwas passiert?“, fragte sie.

„Naja, du weißt doch!“, versuchte ich zu erklären. „Wir haben letzten Herbst schon dauernd verloren, weil die Jungs sich immer die gleichen Mannschaften zusammen wählen. Nie ändern die was. Das ist doch doof!“

Mama nickte verständnisvoll. „Jetzt wärm’ dich auf! Schnell!“

Als ich ins Bad kam, schlug sich schon Dampf an den Fensterscheiben nieder. Leo machte sich in der Wanne breit und muffelte mich an. War ich jetzt etwa schuld? Ich brauchte zehn Minuten, um sie aus dem Wasser zu drängeln. Als ich endlich selbst in die Wanne durfte, blieb Leo in ihr Handtuch gewickelt sitzen und starrte vor sich hin. Ich tauchte immer wieder unter Wasser und zählte, wie lange ich die Luft anhalten konnte. Je länger ich unten blieb, umso kürzer musste ich meine eingeschnappte Schwester sehen. Als Mama mit der Haarbürste und mehr Tüchern ins Bad kam, wurde mir allmählich kühl im Wasser.

„Na, geht es euch jetzt besser?“ Sie setzte sich an den Wannenrand und versuchte zu lächeln. Doch es klappte nicht. Sie war sauer, und Leo ging es ähnlich. Sie zuckte weg, als Mama ihr das nasse Haar hinters Ohr strich.

„Ach Leo“, sagte Mama. „Warum ärgerst du dich so? Das ist doch nur ein Spiel.“

„Das ist überhaupt kein Spiel! Ein langweiliger Dreck ist das!“

„Wenn es dich langweilt, verlängere die Winterpause! Ist mir ohnehin lieber, wenn ihr bei dem Wetter drin bleibt.“

„Ich will aber Fußball spielen, nur nicht diesen unfairen Mist!“ Es war nicht neu, dass wir uns über die Jungs ärgerten. Mama hatte uns schon einmal gefragt, ob wir zu einem Sportverein wechseln wollten. In Kückritz gab es aber keinen Fußballclub. Erst in Grossrossau hätten wir spielen können. Aber dorthin hätten wir mit den Rädern lange durch den Wald fahren müssen. Das durften wir nicht. Und zweimal die Woche zum Training konnten uns Mama und Papa nicht bringen. Also blieben wir in Kückritz. Und damit hatten wir den Salat. Hoffentlich fing Mama jetzt nicht wieder mit ihrem Spezialtipp an.

Sie tat es doch. Ich stieg aus der Wanne und hielt mir mit dem Handtuch die Ohren zu.

„Du engst dich mit dem Fußball viel zu sehr ein, Leo. Es gibt doch andere Sportvereine.“

„Soll ich etwa zum Angeln gehen? Ich bin doch nicht blöd“, platzte Leo heraus.

„Nun mach aber mal halblang! Es gibt eine Menge Leute, denen Angeln Spaß macht“.

„Mir aber nicht!“

„Dann gehst du eben zum Basketball!“ Mama sah jetzt echt genervt aus.

„Ich will aber Fußball spielen!“, kreischte Leo. Sie riss Mama ein Tuch aus der Hand. Aus Versehen fiel es runter und rutschte in die Wanne. Mama wurde rot vor Zorn.

„Dann gründe doch deinen eigenen Verein, du Nervensäge!“, rief sie aufgebracht.

„Das mache ich auch!“, schoss Leo zurück. Mama riss die Tür auf und ließ uns stehen. Ich zitterte von der kalten Luft, die ins Bad schwappte. Leo ging es nicht besser. Warum mussten sich die beiden immer streiten?