Die 13 Beziehungswölfe - Tobias Goldfarb - E-Book

Die 13 Beziehungswölfe E-Book

Tobias Goldfarb

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Beschreibung

Kennst du den "Streitwolf", der nachts im Schlafzimmer lauert, oder den "Entscheidungswolf", der deine Partnerschaft zerfrisst? Tobias und Laura Goldfarb decken in ihrem Bestseller die 13 gefährlichsten Beziehungskiller auf, die selbst die größte Liebe schleichend zerstören können. Statt trockener Theorie bekommst du hier den humorvollen, aber tiefgründigen Fahrplan, um diese Wölfe zu zähmen und deine Beziehung sofort auf ein neues Level zu heben. Hör auf, dich im Kreis zu drehen – entdecke, wer in deiner Beziehung wirklich das Sagen hat. Dieses Buch ist kein gewöhnlicher Ratgeber. Es ist ein Spiegel für Paare, die mehr wollen als nur "funktionieren". Die Autoren kombinieren persönliche Anekdoten mit psychologischem Scharfsinn und zeigen dir: - Die 13 Archetypen der Beziehungssabotage: Identifiziere sofort, welcher Wolf bei euch am Tisch sitzt. - Praxisnahe Zähmungsstrategien: Konkrete Werkzeuge, um Konflikte zu entschärfen, bevor sie explodieren. - Mehr Leichtigkeit statt Beziehungsarbeit: Lerne, wie ihr wieder als Team agiert, statt gegeneinander zu kämpfen. Egal ob frisch verliebt oder seit Jahren verheiratet – wenn du spürst, dass unnötige Streitereien eure Verbindung belasten, ist dieses Buch dein Rettungsanker. Lass dir deine Liebe nicht von den Wölfen rauben. Hol dir jetzt den Schlüssel zu einer harmonischen, leidenschaftlichen Partnerschaft.

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EPUB
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Seitenzahl: 326

Veröffentlichungsjahr: 2026

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IMPRESSUM

eBook: © 2026 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Grillparzerstraße 8, 81675 München

GU ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Ohne die ausschließlichen Rechte der Autorin / des Autors und des Verlags einzuschränken, ist die Nutzung dieser Publikation zum Training generativer KI-Technologien ohne ausdrückliche Genehmigung untersagt. HarperCollins behält sich zudem gemäß Artikel 4 Absatz 3 der Richtlinie 2019/790 über den digitalen Binnenmarkt das Recht vor, diese Publikation von der Text- und Data-Mining-Ausnahme auszuschließen.

www.gu.de/kontakt | [email protected]

ISBN 978-3-7589-0211-6

1. Auflage 2026

GuU 9-0211 02_2026_01

DIE BÜCHERMENSCHEN HINTER DIESEM PROJEKT

Verlagsleitung: Eva Dotterweich

Projektleitung: Viola Schmid, Nannette Elke

Lektorat: Friederike Moldenhauer

Covergestaltung: wilhelm typo grafisch, Zollikon

eBook-Herstellung: Liliana Hahn

BILDNACHWEIS

Syndication: Bildagentur Image Professionals GmbH, Tumblingerstr. 32, 80337 München, www.imageprofessionals.com

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WARUM UNS DAS BUCH BEGEISTERT

Weil es kein Beziehungsbuch gibt, das so warmherzig, unterhaltsam und klug zeigt, wie wir unsere »Beziehungswölfe« zähmen und einander wirklich besser verstehen können.

Eva Dotterweich, Verlagsleitung

Garantie

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wie wunderbar, dass du dich für ein Buch von GU entschieden hast! In unserem Verlag dreht sich alles darum, dir mit gutem Rat dein Leben schöner, erfüllter und einfacher zu machen. Unsere Autorinnen und Autoren sind echte Expertinnen und Experten auf ihren Gebieten, die ihr Wissen mit viel Leidenschaft mit dir teilen. Und unsere erfahrenen Redakteurinnen und Redakteure stecken viel Liebe und Sorgfalt in jedes Buch, um dir ein Leseerlebnis zu bieten, das wirklich besonders ist. Qualität steht bei uns schon seit jeher an erster Stelle – jedes Buch ist von Büchermenschen für Buchbegeisterte gemacht, mit dem Ziel, dein neues Lieblingsbuch zu werden.

Ihre Meinung ist uns wichtig, und wir freuen uns sehr über dein Feedback und deine Empfehlungen – sei es im Freundeskreis oder online.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

P.S. Hier noch mehr GU-Bücher entdecken: www.gu.de

ZU DEN AUTOREN

Laura & Tobias Goldfarb sind seit sechzehn Jahren ein Paar und seit zwölf Jahren verheiratet. Sie haben ihre Paartherapie-Praxis in Berlin Prenzlauer Berg. Ihre gemeinsame Erfahrung als Paar prägt ihre Arbeit ebenso wie ihre fachliche Expertise. Sie sind überzeugt, dass nahezu jede Beziehung eine Chance hat – wenn gelernt wird, konstruktiv zu kommunizieren.

Besuchen Sie Laura und Tobias Goldfarb auf

goldfarb-goldfarb.com@goldfarb_goldfarb

WICHTIGER HINWEIS

Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Meinung bzw. Erfahrung der Verfasser dar. Sie wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für persönlichen kompetenten medizinischen Rat. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun und Lassen auch weiterhin selbst verantwortlich. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Es dämmert im Beziehungswald. Nebelschwaden streichen durch die dicht stehenden Stämme. Irgendwo in der Ferne ruft ein Käuzchen. Äste und welkes Laub knacken unter unseren Füßen. Plötzlich fahren wir zusammen. Unsere Nackenhaare stellen sich auf. War da etwas? Ein Knurren, ein Keuchen, das Geräusch sich anschleichender Pfoten?

Was werden wir tun? Zeigen wir unsere Fangzähne und werden selbst zum Tier? Oder stellen wir uns tot? Am besten sammeln wir unseren Mut, straffen die Schultern und machen uns bereit, dem ersten Wolf die Stirn zu bieten …

Vorkommen:Überall, selbst dort, wo wir uns sicher wähnen

Vorkommen:Extrem häufig

Vorkommen:Vor allem in uns selbst

Vorkommen:In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Vorkommen: Küchentisch, Café, Supermarkt, Notar und überall dort, wo man ihn niemals vermuten würde

Vorkommen:In allen Beziehungen, die länger als drei Monate dauern

Vorkommen:Häufiger, als man denkt

Vorkommen:Ständig und überall, von morgens bis abends

Vorkommen:Irgendwann einmal in fast allen Beziehungen

Vorkommen: Da hinten läuft er ja!

Vorkommen: Ist eigentlich immer in der Nähe, wenn auch nicht immer sichtbar

Vorkommen: Auf der Ü60-Party des Lebens

Vorkommen: Irgendwo tief in uns selbst

Tag für Tag kommen Paare zu uns und schildern uns ihre Beziehungen, ihre Verflechtungen, ihre Abhängigkeiten, ihre Abenteuer, ihre Fluchtversuche, ihre Melancholie, ihren Zorn, ihre Verzweiflung, ihre Leidenschaft oder ihren rasenden Stillstand. Jede Beziehung, die wir kennenlernen, ist wie ein großer Wald – ein Dickicht aus verschlungenen Pfaden, versteckten Lichtungen, Dornen, die über die Wege wuchern, und Quellen, die im Verborgenen plätschern. Manche dieser Beziehungsgefilde gleichen Urwäldern, in denen die kuriosesten Pflanzen üppig wuchern und alles über- und untereinander wächst. Andere ähneln eher kargen, streng symmetrisch angelegten Kiefernwäldern, in denen ein kalter Wind durch die hohen Stämme weht. Jeder Wald ist einzigartig, jede Beziehung hat ihre eigene Dynamik. Doch eines haben diese Wälder gemeinsam: Es gibt Wölfe, die darin leben. Diese Wölfe sind die Konfliktfelder, die ungelösten Fragen, mit denen die Paare zu uns kommen. Manche dieser Raubtiere zeigen sich offen, andere lauern im Verborgenen. Und auch, wenn jeder Beziehungswald anders ist, sind es häufig immer dieselben Wolfsarten, die dort auf die Jagd gehen: 13 Wölfe, denen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit begegnen werden oder schon begegnet sind, wenn Sie in einer Beziehung leben. Sie stehen für all die Verletzungen, die Missverständnisse, die Enttäuschungen, die endlosen Diskussionen um Liebe, Treue, Kinder, Geld oder Sex, die in jeder Beziehung vorkommen.

Sie werden diesen 13 Wölfen also kaum entkommen können. Solange Sie sich in Ihrem Beziehungswald befinden, werden sie Ihnen immer wieder über den Weg laufen, sie werden Ihnen auflauern, Sie jagen, sich zusammenrotten und Sie einkreisen. Dieses Buch soll Ihnen dabei helfen, sich den Untieren zu stellen und ihre wilde Kraft für sich zu nutzen. Jedes Kapitel nimmt sich einen Wolf vor:

Sie werden Übungen finden, die wir selbst in unserer paartherapeutischen Arbeit verwenden, die Sie aber auch eigenständig zu Hause durchführen können. Wir möchten Sie einladen, das auch wirklich auszuprobieren. Eine erlebte Übung ist etwas ganz anderes als eine Übung, über die Sie nur lesen.Ihnen werden Beispiele aus der Praxis begegnen – Paare, die ebenfalls mit Wölfen ringen. Ihre Namen, Berufe und andere Merkmale haben wir geändert. Aber ihre Geschichten sind echt. Diesen und unzähligen anderen Paaren, die uns mit auf ihre Reise genommen haben, gilt unser tiefster Dank.Sie werden etwas zum wissenschaftlichen Hintergrund erfahren und Anregungen zu weiterführender Lektüre bekommen.

Noch ein Wort zum Thema gendergerechte Sprache: Wir haben es ausprobiert, doch bedingt durch das Thema war die Sternchendichte dann doch so hoch, dass sie die Lesbarkeit zu stark beeinträchtigt hat. Alle Gender und Identitäten sind immer mitgemeint, genau wie die Wölfe, die hier in der Mehrzahl heterosexuellen Paaren begegnen, auch in jeder anderen Beziehungsform und -konstellation auftauchen können. Fühlen Sie sich bitte ebenfalls angesprochen. Die Beziehungswölfe selbst sind mythologische und metaphorische Wesen und somit geschlechtslos.

Nun aber: Sammeln Sie Ihren Mut, straffen Sie Ihre Schultern und machen Sie sich bereit, dem ersten Wolf die Stirn zu bieten.

Es dämmert im Beziehungswald. Nebelschwaden streichen durch die dicht stehenden Stämme. Irgendwo in der Ferne ruft ein Käuzchen. Äste und totes Laub knacken unter unseren Füßen. Plötzlich fahren wir zusammen. Unsere Nackenhaare stellen sich auf. War da etwas? Ein Knurren, ein Keuchen, das Geräusch sich anschleichender Pfoten? Da bricht er aus dem Unterholz und steht mit gefletschten Zähnen vor uns: der Streitwolf. Warum ist er noch mal aufgetaucht? Lag es an der ungespülten Tasse auf der Anrichte? Oder war es der Wäscheberg vor dem Bett? Egal. Jetzt ist er da, und er will Blut sehen. Gleich wird er springen, versuchen, seine scharfen Zähne in unseren Hals zu bohren. Der Streitwolf ist nicht die Person, mit der wir streiten (oder streiten werden). Der Streitwolf ist der Streit selbst.

Am Streitwolf kommt niemand vorbei. Schließlich können wir in menschlichen Beziehungen nicht nicht kommunizieren. Sollten wir das versuchen – wie diese Paare, die sich seit Jahren gegenseitig anschweigen –, dann kommunizieren wir doch, nur eben ohne Worte. Und sobald Kommunikation zum Streit wird, eilen sehr schnell andere Wölfe herbei, die nur auf ihre Gelegenheit gelauert haben: im Finanz-Gestrüpp, auf der Sex-Steppe, im Eifersuchts-Morast, auf der Alltags-Lichtung oder im Unterholz der Resignation.

Was werden wir tun? Zeigen wir unsere Fangzähne und werden selbst zum Tier? Oder stellen wir uns tot? Lassen wir uns beißen und hoffen, dass es bald vorbei ist? Auch ein nicht ausgetragener Konflikt bleibt ein Konflikt, und eine stumme Entfremdung kann noch verheerender sein als geknallte Türen und wilde Worte.

Doch mit ein wenig Übung kann es gelingen, den Streitwolf zu domestizieren. Dann verliert er seinen Schrecken. Er bleibt ein Streitwolf, er ändert sein Wesen nicht und er wird immer wieder auftauchen. Doch wir müssen weder vor ihm wegrennen noch ihn niederbrüllen. Im Gegenteil: Wenn wir lernen, richtig zu streiten, kann uns dieser Wolf helfen, bessere Beziehungen zu führen. Nicht nur in der Partnerschaft, auch im Berufsleben, in Freundschaften oder in der Erziehung. Lernen wir, den Streitwolf zu umarmen und gemeinsam mit ihm den Mond anzuheulen! Aber wie?

Das Podcast-Paar

Bei fast allen Paaren, die zu uns kommen, ist an irgendeiner Stelle die Kommunikation kaputt. Selbst diejenigen, die behaupten, kein Kommunikationsproblem zu haben, haben eins. Sie können das bloß nicht so gut kommunizieren. Nehmen wir zum Beispiel Lynn und Pascal, das Podcast-Paar. Wir wollen die beiden so nennen, weil sie zu jedem erdenklichen Thema schon einen passenden Podcast gehört haben – von veganer Ernährung über Digital Detox bis zu polyamoren Beziehungen gibt es kaum etwas, worüber sie nicht Bescheid wissen. Zumindest in der Theorie. Trotzdem geraten sie immer wieder in die absurdesten Streitsituationen – beispielsweise bei einer Fahrt in den Urlaub:

Lynn ist am Steuer, während Pascal auf dem Beifahrersitz gelangweilt an ihrem Smartphone herumdaddelt.

»Was machst du da mit meinem Handy?«, fragt Lynn.

Pascal winkt ab. »Du fährst doch, da brauchst du dein Handy nicht.«

»Nimm gefälligst dein eigenes.«

»Akku leer«, brummt Pascal und tatscht weiter auf dem Bildschirm herum.

Lynn schaltet einen Gang höher. »Immer ist dein Akku leer! Warum lädst du das Ding nie auf? Ist so typisch für dich.«

Pascal gähnt, doch plötzlich rutscht ihm vor Schreck die Sonnenbrille von der Nase. »Was ist das denn?« Eine leichte Panik schwingt in seiner Stimme mit. »Was sind das für Typen in deinem Instagram-Feed?«

Lynn versucht, ihm das Handy zu entreißen, aber es gelingt ihr nicht. »Das ist mein Instagram!«

»Dein Instagram? Das ist Social Media. Weißt du, was social bedeutet?« Pascal scrollt immer weiter. »Das sind ja die schlimmsten, hirnlosesten Bodybuilder-Typen, die ich je gesehen habe. Von denen kann garantiert keiner bis drei zählen.«

Lynn blickt starr geradeaus. »Die sind eben was fürs Auge und nicht für den Kopf. Na und?«

»Du bist doch immer so korrekt und feministisch!«, ruft Pascal. »Aber wenn Männer objektiviert werden, ist das plötzlich okay, oder was? Wenn du auf solche Muskelprotze stehst, warum bist du dann mit mir zusammen?«

»Das frage ich mich auch manchmal«, murmelt Lynn in sich hinein, doch Pascal hört es trotzdem.

Er kann sich gerade noch bremsen, das Handy aus dem Fenster zu werfen.

Im Grunde spielt es keine große Rolle, ob es um Schwiegereltern, Kindererziehung oder eben Bodybuilder im Social-Media-Feed geht – der Streitwolf geht fast immer nach derselben Methode vor. Deshalb beginnen wir mit einer einfachen, schnellen Übung: dem Spiegeln.

Das Wort im Spiegel

Das »Spiegeln« ist eine verblüffend simple und effektive Kommunikationstechnik, die auf die Arbeit des Begründers der personenzentrierten Psychotherapie, Carl Rogers1, zurückgeht. Rogers hat in den 1940er- und 1950er-Jahren die Welt der Psychotherapie auf den Kopf gestellt, indem er – grob zusammengefasst – den Menschen und nicht die Krankheit ins Zentrum seiner Therapie stellte. Rogers ging davon aus, dass jeder Mensch sich entwickeln und verwirklichen will. Um zu verstehen, was im Menschen vorgeht, muss man ihm also zuhören. Klingt in unseren Ohren heute selbstverständlich, doch damals war der Ansatz revolutionär. Das »Spiegeln« (reflective listening) geht über das aufmerksame Zuhören hinaus: Im Grunde geht es darum, das gerade Gehörte in eigenen Worten wiederzugeben – ohne dabei zu interpretieren, sich zu rechtfertigen, Schlüsse zu ziehen oder Wertungen abzugeben. Beim Spiegeln werden wir zu einem verständnisvollen Kopierer, nicht bloß zum akustischen Fotokopierer. Es hilft, Floskeln wie »Ich höre heraus, dass du …« oder »Ich habe gehört, dass …« zu verwenden. Das Spiegeln dient der Empathie: Die Gesprächspartnerin, der Gesprächspartner soll sich auf emotionaler und inhaltlicher Ebene verstanden fühlen. Zudem bietet es Gelegenheit, das Gespiegelte zu korrigieren. Am Anfang könnte es sperrig und unnatürlich erscheinen, das zu wiederholen, was gerade gesagt worden ist, doch wer das Spiegeln beherrscht, wird eine schnelle und echte Verbindung zu Gesprächspartnern aufbauen – nicht nur in der Paarbeziehung.

Umgekehrt ist oft das grundlegende Problem, dass Menschen, die in einer wie auch immer gearteten Beziehung zueinander stehen, einander nicht zuhören. Als wir den Schweizer Paartherapeuten Klaus Heer2,der auf über fünfzig Jahre paartherapeutischer Praxis zurückblickt, fragten, welche Bilanz er aus seinem Berufsleben zieht, hob er die Hände und rief: »Wenn sie doch endlich anfangen würden, einander zuzuhören!«

Warum der Wolf das Spiegeln hasst

Zunächst einmal nimmt das Spiegeln dem Streitwolf, also der eskalierenden Kommunikation an sich, Schwung und Tempo. Er schnappt sozusagen ins Leere. Wir zeigen der Gesprächspartnerin, dem Gesprächspartner, dass wir sie oder ihn gehört haben, dass wir verstehen, worum es geht. Wir geben unserem Gegenüber die Gelegenheit, uns zu korrigieren oder nachzujustieren. Wir bleiben mit unserem Fokus bei ihm, wir geben ihm Raum. Gleichzeitig verschaffen wir uns selbst Zeit, angemessen auf das Thema oder den Vorwurf zu reagieren. Indem wir nicht dem ersten Impuls nachgeben (in der Regel dem, sich zu verteidigen oder zurückzuschießen), behalten wir die Kontrolle über unsere Reaktionen. Eine Rechtfertigung oder ein Gegenangriff führt fast immer zu einer Eskalation des Konflikts: Es beginnt das altbekannte Pingpong der Argumente und Gegenargumente. Doch beim Faktentennis gewinnt immer nur einer: der Streitwolf.

Stummes Spiegeln und Spiegeln im Zorn

Beim Spiegeln kommt es nicht immer auf Worte an. Die erste Form des Spiegelns sehen wir bei Säuglingen und ihren Eltern – das Baby spiegelt die Ausdrücke der Eltern, so gut es das eben hinbekommt. Noch aktiver sind meistens die Eltern: Lächelt das Baby, lächeln sie übertrieben zurück. Sagt das Baby etwas in Babysprache, sind sich Eltern oft nicht zu schade, »Du-du-du« oder »Happa-Happa« zu erwidern. So unbeholfen dieses Spiegeln auch ist: Für die Entwicklung des Säuglings ist es wichtig. Bei Erwachsenen sollten wir etwas differenzierter vorgehen, aber das Prinzip bleibt dasselbe. Stummes Spiegeln ist die richtige Wahl, wenn Worte fehlen. In Momenten großer Trauer beispielsweise, wenn unser Gegenüber so von Gefühlen überwältigt ist, dass es keine Worte findet, spiegeln wir diese Sprachlosigkeit. Wir geben ihm Raum, indem wir ebenfalls schweigen. Wir spiegeln die Stille. Durch unser Schweigen zeigen wir Verständnis, wir nehmen die Situation an, ohne sie zu bagatellisieren oder nach einer Lösung zu suchen, für die es im Moment der Trauer noch keinen Platz gibt.

Gleich zu Beginn einer Sitzung in unserer Praxis gestand eine Frau ihrer Partnerin eine jahrelang andauernde Affäre und beendete in einem Zug die Beziehung, die sechzehn Jahre lang bestanden hatte. Es folgte eine tiefe und verzweifelte Trauer. Beide Frauen weinten sechzig Minuten lang, sprachen aber kein Wort. Die einzige therapeutische Maßnahme, die hier Sinn ergab, war Schweigen. Es war nicht leicht, das durchzuhalten, aber es war richtig. Oder, wie die Paar- und Sexualtherapeutin Esther Perel3 es in einer ihrer Sitzungen formulierte: »It’s okay to cry, I will cry with you.«

Da es beim Spiegeln auch darauf ankommt, die Körpersprache, die Gestik und die Mimik der Gesprächspartnerin, des Gesprächspartners zu reflektieren, spiegeln Sie nicht unbedingt souverän, wenn Ihr Gegenüber Sie anmotzt und Sie seelenruhig bleiben. Ihr Gegenüber fühlt sich mitunter besser abgeholt, wenn Sie ebenfalls hochfahren (ohne dabei das Spiegeln zu vergessen).

Eine Spiegelung kann winzig klein sein – ein einzelnes Wort, ein Blick, eine Geste oder natürlich eine Umarmung. Es geht darum, zu signalisieren, dass die Botschaft angekommen ist. Schon bei Asterix und Lucky Luke können wir Mini-Spiegelungen dieser Art in den Sprechblasen entdecken: Uff! Puh! Ach!

Begeben wir uns noch einmal mit dem Podcast-Paar ins Auto:

Pascal gähnt, doch plötzlich rutscht ihm vor Schreck die Sonnenbrille von der Nase. »Was ist das denn? Was sind das für schreckliche Bodybuilder-Typen in deinem Instagram-Feed?«

»Puh!«, mini-spiegelt Lynn. »Ganz schön krass für dich, plötzlich diese Typen zu entdecken.«

»Ja, genau«, bestätigt Pascal. »Du hast mir immer gesagt, dass du auf meinen Intellekt stehst. Nur wegen dir habe ich mir diesen stinklangweiligen Podcast über das Leben von Franz Kafka angehört. Und jetzt das?«

»Uff!«, mini-spiegelt Lynn weiter. »Du scheinst ganz schön sauer zu sein, obwohl du dir so viel Mühe für mich gegeben hast, und jetzt stehe ich scheinbar auf das Gegenteil.«

»Gut erkannt, Sherlock«, sagt Pascal, der die ganzen Spiegel-Übungen mit Lynn gemacht hat. »Kannst du mir jetzt bitte erklären, was das soll?«

»Äääääh …«, macht Lynn und erkennt, dass das Spiegeln auch seine Grenzen hat.

Jetzt sind Sie dran: Versuchen Sie, selbst zu spiegeln. Suchen Sie sich ein typisches Konfliktthema in Ihrer Paarbeziehung heraus: Von der Spülmaschine über die Kindererziehung bis zur Urlaubsplanung geht alles. Beginnen Sie mit Ihren üblichen Vorwürfen, doch anstatt in eine Rechtfertigung oder in ein Gegenargument zu gehen, versuchen Sie zu spiegeln – so natürlich es geht. Spiegeln Sie einander. Korrigieren Sie, falls Sie etwas anderes gemeint haben. Spiegeln Sie gern auch mal etwas Positives: Was hat Sie in letzter Zeit an der Partnerin, am Partner gefreut? Welcher Moment war besonders schön? Spiegeln Sie auch diese Aussagen ohne Wertung, ohne Interpretation. Halten Sie das mindestens drei Minuten lang durch.

Ja, aber …

Das Spiegeln sorgt im besten Fall dafür, dass sich beide Seiten gehört fühlen, weniger Missverständnisse entstehen und die Auseinandersetzung ruhiger wird. Doch das kann ja nicht ewig so weitergehen. Am Ende einer Diskussion sollte auch ein Ergebnis stehen. Da braucht es Argumente.

Für Lynn beispielsweise ist es ja schön und gut, dass sie Pascals Zorn spiegeln kann, aber sie möchte auch ihren Punkt machen. Für sie ist es eine Grenzüberschreitung, wenn Pascal ihr Handy nimmt, ohne sie vorher zu fragen. Wie kann sie vor lauter Spiegeln dazu kommen, ihm auch mal ihren Standpunkt klarzumachen?

An dieser Schwelle beginnt sehr häufig die Ja-aber-Spirale:

Pascal: »Du hast mir mit diesen Scheißtypen auf deinem Handy wirklich den Start in den Urlaub verdorben.

Lynn: »Ja, aber du hättest mein Handy nicht einfach so nehmen sollen.«

Pascal: »Ja, aber wenn ich gucken soll, welches Restaurant noch aufhat, soll ich dafür dein Handy nehmen, weil du diese tolle App hast.«

Lynn: »Ja, aber das ist was anderes. Zu dem Zeitpunkt solltest du es nicht nehmen.«

Pascal: »Ja, aber drei Minuten später soll ich dann mit deinem Handy nach dem Wetter gucken.«

Lynn: »Ja, aber nur nach dem Wetter.«

🔔JA, ABER …TEIL 1

Beginnen Sie eine »Ja, aber …«-Diskussion. Schaukeln Sie sich richtig schön hoch, wischen Sie die Argumente des Gegenübers nicht nur mit den Worten »Ja, aber …«, sondern auch mit einer Handbewegung weg. Es kann saftig werden, aber immer mit dem Bewusstsein: Es ist eine Übung, kein echter Streit.

🔔JA, ABER … TEIL 2

Fangen Sie die Auseinandersetzung erneut an (es kann derselbe Streit oder ein anderer sein). Statt mit »Ja, aber …« zu eskalieren, versuchen Sie Folgendes: Spiegeln Sie das Argument Ihres Gegenübers kurz. Benutzen Sie dann das Wort »Gleichzeitig« anstatt »Ja, aber«, um Ihr Gegenargument anzuführen, ohne das Argument des anderen beiseitezuwischen.

Bei Lynn und Pascal könnte das in etwa so aussehen:

Pascal: »Du hast mir mit diesen Scheißtypen auf deinem Handy wirklich den Start in den Urlaub verdorben.«

Lynn: »Verstehe, das hat dich richtig geschockt. Gleichzeitig finde ich, du hättest mich fragen sollen, bevor du mein Handy checkst.«

Pascal: »Okay, es macht dich sauer, wenn ich dein Handy einfach nehme. Gleichzeitig soll ich es nehmen, wenn ich gucken soll, ob wir noch irgendein geöffnetes Restaurant finden. Kapier ich nicht.«

Lynn: »Ich höre raus, dass du verwirrt bist, wann du mein Handy nehmen sollst und wann nicht. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass du meine privaten Apps respektierst.«

Fühlen Sie den Unterschied zwischen den beiden Varianten? Wenn Sie jetzt sagen: Ja, aber das hilft mir noch lange nicht, in Diskussionen zu einer Lösung zu kommen, können wir nur sagen: Okay, Sie sind ungeduldig. Gleichzeitig bitten wir Sie, noch ein wenig weiterzulesen, denn der wahre Clou kommt noch …

Gewaltfrei, aber gewaltig

Möglicherweise haben Sie schon von Marshall B. Rosenberg4 und seinem Konzept der »Gewaltfreien Kommunikation« (kurz GFK) gehört oder sogar bereits damit gearbeitet. Die Anfänge der GFK stammen aus den frühen 1960er-Jahren und noch immer umweht sie ein Hauch von Woodstock und Hippieflair. Davon wollen wir uns aber nicht abschrecken lassen, denn das Grundprinzip der GFK ist eine leicht zu erlernende Kommunikationstechnik, die wir hier ganz subjektiv und – ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen5 – vorstellen möchten.

Rosenberg war Spross einer armen jüdischen Familie im reichen, konservativ-christlichen Süden der USA6. Mit der aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft »falschen« Religion und aus der »falschen« sozialen Schicht kommend, musste er schon als Kind einiges an Häme und Spott einstecken. Später, an der Universität, ging es nahtlos weiter. Rosenberg fragte sich: Warum treffen mich diese Bemerkungen? Was führt dazu, dass ein Gespräch nicht als verbindend empfunden wird, und wie könnte man es besser machen? Kann man unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem so kommunizieren, dass man sich nicht gegenseitig fertigmacht?

Rosenbergs Kollege, der Psychologe Thomas Gordon7, hat sich auf die Suche gemacht und trennende Kommunikationsmuster »Communication Roadblocks« (auf Deutsch meist mit »Kommunikationssperren« übersetzt) ausfindig gemacht. Gordon hat ursprünglich zwölf dieser Sperren identifiziert8, mittlerweile werden auch weitere Kommunikationsmuster als »Sperren« bezeichnet. Einige der gängigsten dieser »Roadblocks« sind:

Du-Botschaften

Vorwürfe

Schuldzuweisungen

Unterstelllungen

Ungefragte Ratschläge

Vergleiche

Bewertungen

Bagatellisierungen

Beleidigungen

Ein Beispiel gefällig? Wir haben das Podcast-Paar gebeten, trennende Kommunikationsmuster zu verwenden und sie dann auch gleich zu benennen.

Lynn, mit einem Blick auf die Liste: »Aha, das sind also die Muster, die einer guten Kommunikation im Wege stehen.

Pascal: »Wo du gerade »im Weg stehen« sagst (Themenklau) – wenn wir auf ein Konzert gehen, stellst du dich immer mit deinen neuen Absatzschuhen direkt vor mich, sodass ich die Band gar nicht richtig sehen kann (Generalisierung und Unterstellung). Das machst du doch absichtlich (Vorwurf).«

Lynn: »Ach ja? Und du (Du-Botschaft), du fängst immer an, an irgendetwas rumzumeckern, wenn wir gemeinsam ausgehen. Das machst du immer so (Generalisierung)!«

Pascal: »Wenn wir das nächste Mal auf ein Jazzkonzert gehen, stell dich doch lieber so schräg neben oder eher hinter mich (ungefragter Ratschlag). Sonst blockierst du die Sicht auf die Band. Weißt du noch, die mit dieser attraktiven Saxofonistin? Die konnte mich gar nicht sehen.«

Lynn: »Doch, die konnte dich schon sehen (Bagatellisierung).«

Pascal: »Nein, konnte sie nicht. Weil du vor mir standest. Und an dir kann man nicht so leicht vorbeigucken (versteckte Beleidigung). An dir kann man ungefähr so leicht vorbeigucken wie … an einem Campingbus (Vergleich und Beleidigung).«

Lynn: »Nimm das mit dem Campingbus zurück, sonst … (Drohung)«

Pascal: »So war das doch gar nicht gemeint (Beschwichtigung). Immer regst du dich so auf (Generalisierung). Aber um noch einmal auf das Thema Camping zurückzukommen (Themenklau): Als wir einmal in unserem Leben zelten waren, obwohl du genau weißt, dass ich das liebe, hast du die ganze Zeit nur rumgemosert, es sei dir zu nass, zu unbequem und zu dreckig (Monolog mit Vorwürfen). Weißt du, was dein Problem ist (Analyse)? Du bist einfach total verzogen (Unterstellung). Du solltest dich wirklich mal selbst hinterfragen (ungefragter Ratschlag).«

Lynn: »Du wolltest unbedingt im Regen zelten (Du-Botschaft mit Schuldzuweisung). Weil du wolltest, dass ich friere (Unterstellung). Du wolltest, dass ich mir im Zelt den Tod hole, und jetzt beschwerst du dich, dass eine andere Frau, die nicht mit dir verheiratet ist, dich nicht ganz sehen konnte (Vorwurf mit Vergleich)?«

Pascal: »Nein, nein. Ich wollte dich doch nicht erfrieren lassen (Bagatellisierung). Ich will nur, dass du dich beim nächsten Konzert von Groovy Gravy so hinstellst, dass mich die attraktive Saxofonistin besser sehen kann, und ich sie. Ist das denn so schwer zu verstehen? Vielleicht willst du das nicht verstehen (Unterstellung)? Vielleicht bist du einfach zu eindimensional und verklemmt dafür (Beleidigung)?«

Lynn: »Verklemmt? Dass ich nicht lache. Ich kenne niemanden, der spießiger ist als du (Unterstellung und Beleidigung)!«

Pascal: »Pah, du bist so beschränkt und pedantisch (Doppelbeleidigung).«

Lynn: »Und du bist langweilig, schwerfällig, simpel, kleinkariert, engstirnig und überhaupt ein Depp (sechsfache Beleidigung).«

Pascal: »Also, wenn das jetzt so abgeht, steige ich aus der Therapie aus (Drohung)!«

Lynn: »Mach doch! Dann mache ich allein weiter, du hast ja schon überwiesen (Analyse mit Drohung).«

Pascal: »Okay, tschüss! Auf Nimmerwiedersehen. Alles geht den Bach runter wegen dir. (Schuldzuweisung). Schlampe (Beleidigung). Ich komme nie wieder (Drohung).«

Die beiden waren sehr gut im Thema, zwischenzeitlich hatten sie beinahe vergessen, dass das nur eine Übung war. Bei welchen dieser Kommunikationssperren fühlen Sie sich ertappt?

Falsche Freunde

Unter den trennenden Kommunikationsmustern gibt es einige, die auf den ersten Blick verbindend wirken können. Zum Beispiel der Themenklau:

Person A: »Ich habe mir den Knöchel verstaucht. Tut ganz schön weh.«

Person B: »Ah, das hatte ich auch mal! Hat zwei Wochen gedauert, aber dann war alles wieder gut. Dauert bei dir bestimmt auch nicht länger.«

Person B hat die besten Absichten: Sie möchte Person A an der eigenen Erfahrung teilhaben lassen, dass die Sache mit dem Knöchel in zwei Wochen Geschichte sein wird. Was Person B aber in Wirklichkeit macht: Sie stiehlt Person A den Fokus und lenkt ihn auf sich selbst. Sie reißt das Thema an sich (bzw. »klaut« es), während Person A höchstwahrscheinlich erst einmal ein wenig Mitgefühl gebraucht hätte.

Ein weiterer dieser falschen Freunde ist der ungefragte Ratschlag:

Person A: »Ich habe mir den Knöchel verstaucht. Tut ganz schön weh.«

Person B: »Nimm am besten Quarkwickel, die funktionieren besser als die Mittel aus der Apotheke. Aber mach einen Bogen um Magerquark!«

Wieder wird hier ohne böse Absicht ein trennendes Kommunikationsmuster verwendet. Person B braucht voraussichtlich erst einmal keinen Quark, sondern (siehe >) Mitgefühl. Ähnliche falsche Freunde können Bagatellisierungen (»Ach, sieht doch gar nicht so schlimm aus«), Vergleiche (»Dein Beinbruch letztes Jahr war aber schlimmer«) oder Analysen sein (»Vermutlich handelt es sich um eine Prellung und keine Verstauchung«).

Horchen Sie einmal in sich selbst hinein: Welche falschen Freunde kommen Ihnen leicht über die Zunge? Und wie reagiert Ihr Gegenüber in der Regel auf Ihre Anekdoten, Ratschläge oder klugen Analysen?

🔔Kommunikationssperren

Versuchen Sie, in einer Diskussion so viele trennende Kommunikationsmuster wie möglich zu verwenden. Versuchen Sie, in einem zweiten Durchlauf mit einem neuen Thema die Muster zu benennen, nachdem Sie sie verwendet haben. Vergessen Sie nicht: Es ist bloß eine Übung, kein richtiger Streit.

Notieren Sie sich, welche dieser Muster Ihnen näher und welche Ihnen fremd sind. Welche nutzen Sie im Alltag, auch wenn es ohne Absicht geschieht?

Sie könnten sich auch eine Liste der trennenden Kommunikationsmuster an die Kühlschranktür hängen. Wenn Sie mögen, machen Sie ein Spiel daraus: Wer erwischt wird, ein trennendes Kommunikationsmuster zu verwenden, muss einen Betrag X (beispielsweise 50 Cent) in eine Spardose zahlen. Davon können Sie später gemeinsam einen Kaffee trinken gehen oder sogar ins Restaurant, je nachdem, wie hartnäckig Sie die Kommunikationssperren benutzen.

In vier Schritten zum Ziel

Wir haben trennende Kommunikationsmuster ausgemacht. Wir können uns Mühe geben, sie nicht zu verwenden, nicht ständig »Du (Du-Botschaft) lässt immer (Generalisierung) dein dreckiges Geschirr hier stehen, du Ferkel (Beleidigung)!« zu sagen.

Wir wissen jetzt, wie man es falsch macht. Aber wie machen wir es richtig? Dazu hat Rosenberg vier Schritte entwickelt:9

Formulieren Sie eine

Beobachtung

.

Formulieren Sie ein

Gefühl

– und zwar Ihr eigenes. Später mehr dazu, was als Gefühl durchgeht, und was nicht.

Formulieren Sie ein

Bedürfnis

. Im Unterschied zum Gefühl ist das Bedürfnis etwas, das sich allgemein auf die Situation anwenden lässt. (Beispielsweise das Bedürfnis nach einer aufgeräumten Wohnung, das Bedürfnis, nicht angelogen zu werden, etc.)

Formulieren Sie eine

Bitte

, je konkreter, desto besser. Auf diese Bitte kann Ihr Gegenüber reagieren. Da eine Bitte aber kein Vorwurf ist, besteht die Reaktion in der Regel nicht aus einer Rechtfertigung oder einem Gegenvorwurf.

So wird aus:

Lynn: »Du lässt immer dein dreckiges Geschirr hier stehen, du Ferkel!«

Pascal: »Und du meckerst immer nur rum, du Kontrollfreak!«

Idealerweise:

Lynn: »Ich sehe, dass da ein Haufen ungespülter Teller auf der Anrichte steht (Beobachtung). Das macht mich ziemlich sauer (Gefühl). Ich möchte nach einem langen Arbeitstag in ein aufgeräumtes Zuhause zu kommen (Bedürfnis). Deshalb bitte ich dich: Räum doch das Geschirr das nächste Mal direkt weg (Bitte).«

Pascal: »Oh, ich will auf keinen Fall, dass du sauer bist. Kann gut verstehen, dass du nach der Arbeit eine ordentliche Wohnung brauchst. Ich gebe mir Mühe, das Geschirr ab jetzt immer wegzuräumen.«

Auf den ersten Blick ist die Rosenberg-Variante umständlicher und länger. Doch wenn sich dadurch ein eskalierender Streit und stundenlanges Faktentennis vermeiden lassen, sparen wir am Ende doch Zeit und Energie (und möglicherweise Kosten für die Paartherapie).

Ein kurzer Blick auf die vier Schritte:

1. Beobachtung

Die Beobachtung sollte frei von versteckten Vorwürfen und möglichst neutral sein – also kein »schon wieder«, böse Blicke oder Ähnliches enthalten. Oft liegt auf der Hand, worum es geht. Trotzdem ist es meistens hilfreich, die Beobachtung auszusprechen, um Missverständnisse zu vermeiden.

2. Gefühl

Das Gefühl ist ein wichtiger Punkt. Hiermit gehen wir aus der Vorwurfshaltung heraus und nehmen das Gegenüber mit in die eigene Gefühlswelt. Es mag egoistisch erscheinen, gleich mit dem eigenen Gefühl um die Ecke zu kommen, eventuell auch ein wenig übertrieben wirken. Passt das Wort »traurig« wirklich zur nicht zugeschraubten Zahnpastatube? Aber wenn das Gefühl authentisch ist, sollte es formuliert werden. Darüber, was überhaupt ein Gefühl ist, wird in der Wissenschaft immer noch gestritten. Für unsere Zwecke reicht es, wenn es ein echtes Empfinden ist und möglichst unkompliziert ausgedrückt wird: Ich fühle mich traurig, wütend, ängstlich, verletzt, froh, zufrieden, entspannt, glücklich … Eher keine Gefühle (auch Pseudo-Gefühle genannt) sind abstrakte Konstrukte wie: Ich fühle mich beleidigt, ignoriert, missachtet, betrogen, geringgeschätzt, ungeliebt, degradiert. Hier liegen schon eine Interpretation und Wertung in der Aussage, aber kein reines Gefühl.

In sich selbst hineinzuhorchen und festzustellen, wie man sich eigentlich fühlt, ist für manche der schwierigste Teil. Vielen von uns wurde in der Kindheit das Gegenteil beigebracht: Ignoriere deine Gefühle, achte lieber auf die Fakten. Das mag in manchen Situationen funktionieren, in zwischenmenschlichen Beziehungen eher nicht.

3. Bedürfnis

Anders als bei der Formulierung des Gefühls geht es hier um unsere Werte, unsere Weltanschauung und darum, wie wir überhaupt als Mensch funktionieren:

»Ich habe das Bedürfnis, nach einem langen Arbeitstag in ein aufgeräumtes Zuhause zu kommen.« Nicht jede oder jeder hat dieses Bedürfnis, aber Lynn hat es. Pascal hat dieses Bedürfnis möglicherweise nicht – dafür aber andere Wünsche. Das Bedürfnis setzt das Anliegen in einen größeren, nachvollziehbaren Rahmen. Bedürfnisse sind grundlegend und nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt. Es gibt lange Listen mit möglichen Bedürfnissen, die sich ergoogeln lassen, aber in der Regel wird das nicht nötig sein. Sie werden wissen, ob Sie ein Bedürfnis nach Nähe haben, oder eines nach Ruhe, Geborgenheit, Privatsphäre, Freundschaft, Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt oder Humor. Die Ausformulierung des Bedürfnisses ermöglicht es, vom einzelnen Kritikpunkt (dreckiges Geschirr) einen Bogen zu einem allgemeingültigen Anliegen (Struktur und Ruhe nach dem Chaos des Arbeitstages) zu spannen.

4. Bitte

Im vierten Schritt wird es konkret: »Deshalb bitte ich dich: Räum doch das Geschirr das nächste Mal direkt weg.« Pascal kann diese Bitte nun erfüllen oder ablehnen. Oder verhandeln, beispielsweise eine Gegenbitte setzen: »Okay, ich werde mir Mühe geben, das Geschirr ab jetzt immer wegzuräumen.« Pascal entscheidet sich, die Bitte zu erfüllen. Er setzt aber gleich seine eigenen vier Schritte hinterher: »Gleichzeitig sehe ich, dass du zur Tür reinkommst und sofort etwas zu meckern hast (Beobachtung). Das macht mich traurig (Gefühl). Ich würde dich gern erst einmal spüren, wenn wir uns den ganzen Tag nicht gesehen haben (Bedürfnis). Deshalb bitte ich dich im Gegenzug: Nimm mich doch in Zukunft kurz in den Arm, wenn du nach Hause kommst (Bitte). Danach kannst du gern deine Kritik loswerden.«

Die Reaktion auf einen Angriff (also Du-Botschaften, Generalisierungen, Beleidigungen und was die trennenden Kommunikationsmuster sonst noch so auf Lager haben) ist in der Regel eine Rechtfertigung, ein Gegenangriff oder ein Rückzug in Form von Verstummen. Üblicherweise führt keine dieser drei Reaktionen zum Ziel, sie sind bloß Kraftfutter für den Streitwolf.

Unlösbare Konflikte

Es gibt Streitthemen, die immer wieder hochkochen. Egal, wie oft eine (vorübergehende) Lösung gefunden wird, egal, wie oft ein Thema schon diskutiert wurde: Irgendwann ist es wieder da. Das Therapeuten-Ehepaar Julie Schwartz Gottman und John M. Gottman10, die seit einem halben Jahrhundert Konfliktforschung mit Paaren betreiben, haben statistisch ausgewertet, dass mehr als zwei Drittel der Konflikte, die bei einem Paar auftauchen, nicht lösbar sind11.

Zwei Drittel unserer Auseinandersetzungen sind ewige Konflikte, die niemals verschwinden werden. Puh! Die Wurzeln dieser unlösbaren Streitereien liegen in unseren unterschiedlichen Persönlichkeiten, unseren Werten, unserer Herkunft.

Betrachten wir beispielsweise noch einmal das Podcast-Paar und seine typischen Auseinandersetzungen über Ordnung im Haushalt: Pascal wird voraussichtlich immer derjenige sein, der seine Sachen überall herumliegen lässt. Lynn vermutet, der Grund dafür könnte sein, dass seine Eltern ihm immer und gern alles hinterhergetragen haben, bis er irgendwann ausgezogen ist. Pascal, so Lynns Theorie, hat Hotel Mama innerlich nie verlassen. Pascal streitet das ab und behauptet im Gegenzug, dass Lynn nur deshalb alles so penibel aufräumt, weil sie in einem Hippie-Haushalt an der Grenze zur Messie-Halde aufgewachsen ist und jetzt überkompensiert. Lynn hält das für ausgemachten Unsinn. Doch wie es auch aussehen mag: Die beiden bringen ihre jeweils eigenen Geschichten mit, die ihren Umgang mit Ordnung geformt haben.

Wir können unsere Herkunft nicht einfach abschütteln, sie prägt uns manchmal bewusst, manchmal unbewusst (mehr dazu im Kapitel »Der Herkunfts-Wolf«,>).

Ist es nun eine gute oder eine schlechte Nachricht, dass sich die Mehrzahl unserer Konflikte nie lösen lassen wird? Wir möchten Sie ermutigen, es als eine gute Nachricht zu sehen. Bei diesen »ewigen« Konflikten muss keine Energie darauf verschwendet werden, eine Lösung zu finden. Stattdessen können wir uns darauf fokussieren, miteinander klarzukommen, den Konflikt auszuhalten und in den Alltag zu integrieren – am besten mit viel Wohlwollen. Lynn wird Pascal immer hinterherräumen. Pascal wird beim Anblick der wie besessen aufräumenden Lynn immer innerlich die Augen verdrehen. Doch da die beiden mittlerweile darin geübt sind, ihre eigene Position auch mit den Augen des anderen zu sehen, nehmen sie es mit Gelassenheit. Ein solcher Perspektivwechsel gelingt in der Regel dann besonders gut, wenn wir unser Gegenüber mit in unsere Gefühlswelt nehmen, ihm unsere Bedürfnisse klarmachen. »Mind Reading«, die Spekulation darüber, was im Kopf des anderen wohl vorgeht, funktioniert hingegen selten, selbst bei Menschen, die uns nahestehen und die wir schon seit Jahren kennen. Anstatt »Mind Reading« zu betreiben, fragen Sie Ihre Partnerin, Ihren Partner doch ab und zu, wie es ihr oder ihm geht, was sie oder ihn beschäftigt – und vermeiden Sie dabei die Frage, die viele sofort auf die Palme bringt: »Was denkst du gerade?«. Ein »Wie geht es dir gerade?« zeigt Anteilnahme, ohne invasiv zu sein.

Des Pudels Kern

Worüber streiten wir eigentlich, wenn wir streiten? Sehr häufig geht es vordergründig um Lappalien: Wer bringt das Kind zur Schule? Soll das Handy während der Mahlzeiten im Flugmodus sein? Ist es okay, den Müllsack vor die Wohnungstür zu stellen?

Doch manchmal ist es wie in Goethes Faust. Der Gelehrte hat von einem Spaziergang einen harmlosen schwarzen Pudel mit nach Hause genommen, der sich dann prompt in den leibhaftigen Teufel verwandelt: »Das also war des Pudels Kern!«

Bei manchen unserer harmlosen Alltagskonflikte geht es in Wirklichkeit um Größeres; einige unserer Konfliktpudel haben teuflische Kerne. Diese lauten beispielsweise: unerfüllte Träume, Wünsche für die Gegenwart und Visionen von der Zukunft, von denen wir uns immer weiter entfernen. Diese unerfüllten Lebensträume sorgen für wachsende Frustration und Bitterkeit.

Lynn träumt seit ihrer Kindheit von einem großen, aufgeräumten Landhaus mit einem Gemüsegarten, vielleicht irgendwo an der Nordsee. Pascal wollte schon immer in einer Großstadt leben, zusammen mit Künstlern in einer heruntergekommenen Fabriketage, in einer wuseligen Gegend. Bei vielen ihrer Streitereien geht es vordergründig um irgendetwas Banales, aber dahinter stehen die Träume, die an ihnen nagen. Wir halten es für wichtig, diese unerfüllten Träume zu kennen – die eigenen und die der Partnerin oder des Partners. Das hilft uns dabei, die Perspektive zu wechseln. Zu verstehen, wo die andere oder der andere herkommt, und wo sie oder er hinwill.

🔔Träume

Schreiben Sie jeweils drei unerfüllte Träume auf: Ihre eigenen und die Ihrer Partnerin oder Ihres Partners – die Sie entweder kennen oder vermuten. Gehen Sie darüber ins Gespräch. Wie hoch sind die Chancen, einige dieser Träume noch zu verwirklichen? Sind Ihre Träume kompatibel? Bei welcher Ihrer Auseinandersetzungen in der letzten Zeit ging es in Wirklichkeit um einen oder mehrere dieser Träume? Was können Sie tun, um Ihre eigenen und die Träume Ihrer Partnerin oder Ihres Partners zu verwirklichen?

Der Weg zu einer besseren Streitkultur

Unlösbare Konflikte, unerfüllte Träume, die sich hinter den banalsten Dingen verstecken – kein Wunder, dass sich viele Paare im Geflecht ihrer Auseinandersetzungen verheddern und sich entweder voneinander abwenden oder in einer Art Dauerstreit stecken bleiben, aus dem sie keinen Ausweg finden.

Aber das muss nicht zwangsweise so sein. Streit kann auch Gemeinschaft schaffen; selbst die ewigen Konflikte können zu lieb gewonnenen Wegbegleitern werden. Fast jedes Paar kann seine eigene gesunde Streitkultur etablieren. Voraussetzungen dafür sind Wertschätzung gegenüber der Partnerin, dem Partner, Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, so viel wie möglich über die eigene Konfliktkultur und die der Partnerin, des Partners zu erfahren und, wenn nötig, ein paar Schritte aufeinander zuzugehen.

Von vier Säften zu vier Tieren

Wie streiten Sie? Nehmen Sie Reißaus, sobald eine Unterhaltung zu einem echten Streit eskaliert? Knallen Sie dabei die Tür, oder schleichen Sie sich lieber? Fallen Sie in Ohnmacht? Fahren Sie die Krallen aus und zeigen Ihrer Partnerin, Ihrem Partner, was eine Harke ist? Verfallen Sie in großes Drama, mit Tränen und Schwüren? Behalten Sie einen kühlen Kopf und schlagen in Sekundenschnelle einen rationalen Ausweg aus dem Dilemma vor?

Spätestens seit dem vierten Jahrhundert vor Christus versucht die Wissenschaft, die Menschheit in verschiedene (Konflikt-)Typen einzuteilen. Anerkannt und beliebt war von der Antike bis in das Mittelalter hinein die Viersäftelehre. Nach der Lehre der vier Körpersäfte gibt es die lebhaften Sanguiniker (Blut), die aufbrausenden Choleriker (gelbe Galle), die grüblerischen Melancholiker (schwarze Galle) und die Mir-doch-alles-egal-Phlegmatiker (weißer Schleim).