Die Baby Mission - Jessa James - E-Book

Die Baby Mission E-Book

Jessa James

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Beschreibung

Er will in mein Bett. Und ich will ein Baby… Ich will ein Baby und ich will es unbedingt. Aber es ist weit und breit kein Mr. Right in Sicht und ich habe es satt, auf jemanden zu warten, der mein Herz erobert. Also beschließe ich, einfach auf eigene Faust ein Baby zu bekommen. Dann lerne ich auf einer Party Jett kennen. Groß, dunkel und gut aussehend, ist er genau mein Typ. Und als der Playboy klarstellt, dass er nur an meinem Körper interessiert ist, bin ich deswegen nicht im Geringsten beleidigt. Errötend bitte ich ihn, mein Samenspender zu sein, auf die altmodische Weise. Und er sagt Ja… solange ich seinen Bedingungen zustimme. Das bedeutet, Haut an Haut, Lippen auf Lippen, er, der mich befriedigt, bis ich seinen Namen aus voller Kehle schreie. Und er ist so verflucht gut darin, dass ich es nicht aushalten kann. Alles ist in bester Ordnung, solange ich mich an die Regeln halte. Kein Händchen halten, kein Planen. So einfach ist das. Gefühle sind keine involviert, bis sie es doch sind. Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden, stimmt's? Aber das Gleiche gilt für Herzen und genau davor habe ich Angst.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Die Baby Mission

Jessaa James

Die Baby Mission: Copyright © 2020 von Jessa James

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, elektronisch, digital oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder durch irgendeine Art von Datenspeicherungs- und Datenabfragesystem ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Autors.

Veröffentlich von Jessa James

James, Jessa

Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author

Images/Photo Credit: Deposit Photos: gstockstudio

Hinweis des Herausgebers:

Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.

Inhalt

1. Jett

2. Cady

3. Jett

4. Cady

5. Jett

6. Cady

7. Jett

8. Cady

9. Jett

10. Cady

11. Jett

12. Cady

13. Jett

14. Cady

15. Jett

16. Cady

17. Jett

18. Jett

19. Cady

20. Jett

21. Cady

22. Jett

23. Cady

24. Jett

25. Cady

Epilog

Bücher von Jessaa James

Also by Jessa James (English)

Über die Autorin

1

Jett

„Ich sage euch, Frauen sind alle gleich“, lamentiere ich. „Sie wollen nur, dass man glaubt, dass manche von ihnen anders sind…“

Mason und Alex, meine zwei besten Freunde, schauen nicht einmal zu mir, während wir die Treppe zum Dach erklimmen. Sie haben das alles schon mal gehört, aber sie hören mir trotzdem zu. Sie sind gute Freunde.

Ich bin leicht außer Puste, als wir das sechste Stockwerk erreichen. Ein kleines Grüppchen Frauen kommt die Treppe herunter, wobei ihre High Heels abgehackte Klack-klack-klack Geräusche auf dem Betonboden erzeugen. Eine Sekunde lasse ich mich von den Frauen ablenken, ihrem strahlenden Lächeln und meilenlangen Beinen.

Mir gefällt der Look der Frau, die vorne geht und das Rudel anführt. Es ist eine Blondine in einem pinken Minikleid. Sie stellt eine Sekunde Augenkontakt mit mir her, errötet dann und beißt sich auf die Lippe.

Sie betrachtet mich ebenfalls, mich und Mason und Alex. Drei große, gut aussehende Männer in karierten Hemden und Jeans. Sie versucht vermutlich, zu entscheiden, wer von uns der Schärfste ist.

Alex ist mühelos der Größte von uns. Mit knapp zwei Metern überragt er Mason und mich um einige Zentimeter. Zudem veranlasste es die College Football Scouts dazu, an seine Tür zu klopfen, als er siebzehn war.

Mason verkörpert diesen ganzen düsteren und gefährlichen Look, vor allem mit seiner Nase, die schon ein halbes Dutzend Mal gebrochen wurde. Auf ihn stehen Frauen, die sich zu seiner abgebrühten leg-dich-nicht-mit-mir-an Persona hingezogen fühlen.

Und ich? Ich bin verdammt groß, ich besitze einen guten Körper und ich habe ein tolles Gesicht. Ich bedenke die Frau, die Blickkontakt mit mir herstellt, mit meinem gefährlichsten Lächeln. Sie stolpert leicht und streckt die Hand aus, um nach der Wand zu greifen und sich abzufangen.

Bingo, denke ich. Das fühlt sich echt ziemlich befriedigend an.

Und dann verschwinden sie aus unserem Sichtfeld. Wir erreichen eine schlichte Metalltür und obwohl sie geschlossen ist, kann ich die Party hören, die auf der anderen Seite tobt. Das Wub-dub-dub des Basses kann man sogar durch die Tür hören.

Ich stoße die Tür auf und trete hinaus in die kühle Luft an diesem Spätfrühlingsabend. Die Party findet auf einem Dach statt, auf dem Lichterketten gespannt wurden und unter denen sich über hundert Leute unterhalten und tanzen. Sofort werde ich von lauter, poppiger Musik und großen, bunten Lichtern eingehüllt, die über der ganzen Feier aufblitzen.

„Jett, komm schon“, sagt Mason, der mich am Arm berührt und mit dem Kopf zu einer Bar ruckt, die uns gegenüber aufgebaut ist.

Ich folge Mason, wobei ich mich durch die Menge schlängle. Hier und da fange ich Blicke von Frauen auf, was mich pervers hoffnungsfroh stimmt. Ich möchte ihre Aufmerksamkeit nicht unbedingt jetzt, aber ich werde sie eventuell später wollen. Wenn ich erst einmal ein paar Bierchen gezischt habe, werde ich Emily vielleicht vergessen und mich darauf konzentrieren können, was mein Körper braucht.

Bei dem Gedanken an Emily verziehe ich finster das Gesicht. Emily ist genau mein Typ: blonde Haare, honigbraune Augen und sie hat die zierliche Gestalt einer Tänzerin. Emily ist außerdem eine verdammte Schlampe, die mir das Herz aus der Brust gerissen hat und darauf herumgetrampelt ist.

Das wäre da also auch noch.

Mason entdeckt einen Eimer mit Eis, der bis zum Bersten mit Bierflaschen gefüllt ist, von denen sich jeder von uns dreien eines schnappt. Es ist ein Miller High Life, nichts Überragendes. Ich schnipse den Kronkorken weg, trinke einen Schluck und spüre, wie mir das Bier kühl die Kehle hinabrinnt.

Alex führt uns zu einer freien Stelle an der Wand, wo wir stehen bleiben und die Party beobachten.

„Wofür ist diese Party nochmal?“, erkundigt sich Mason.

„Mein Manager veranstaltet sie“, erwidert Alex achselzuckend. „Irgendetwas von wegen Frühlingsritual.“

„Seid ihr immer noch auf der Jagd nach einem anderen NFL Team?“, frage ich Alex.

„Jepp. Ich bin noch nicht bereit, das Handtuch zu werfen.“

„Das solltest du aber nach diesem fürchterlichen Sturz, den du letztes Jahr hattest“, meint Mason. „Ich hab mir das Spiel angesehen, als dich diese drei Kerle niedergerungen haben.“

Alex verlagert sein Gewicht und seine Körpersprache zeigt deutlich, dass er nicht darüber reden möchte. Ich war früher eine recht große Nummer beim Baseball, also kann ich ansatzweise nachvollziehen, was in ihm vorgeht.

„Hey, hab ich euch erzählt, dass die Leute in meinem Büro diese fake Sammelkarten gemacht haben? Wartet kurz, lasst mich eine rausholen…“, sage ich und ziehe eine Karte aus meinem Portemonnaie. „Sie sollen wie diese Baseballsammelkarten aussehen, aber sie sind für die Sportagenten bei Sampson.“

„Das ist kein übles Foto von dir“, merkt Mason an. Er zieht mir die Karte aus den Fingern, hält sie neben meinen Kopf und kneift die Augen zusammen. „Mit dem Teil könntest du wirklich gute Pussys an Land ziehen, weißt du.“

„Nicht schlecht“, meint auch Alex, der an seinem Bier nippt.

„Emily meinte, dass es ein blödes Foto von mir ist“, erwidere ich, nehme ihm die Karte weg und stecke sie zurück in mein Portemonnaie.

„Oh mein Gott. Tja, wenn Emily es sagt, dann muss es natürlich stimmen!“, entgegnet Mason und rollt mit den Augen. „Ich habe es so satt, ihren Namen zu hören. Sie hat dir aus total dämlichen Gründen den Laufpass gegeben. Also hak das Ganze einfach ab.“

„So einfach ist das nicht“, protestiere ich, aber selbst in meinen Ohren hört es sich kläglich an.

„Es ist einen Monat her, Mann“, sagt Alex und klopft mir auf den Rücken. „Sie vögelt wahrscheinlich schon einen Neuen. Du solltest dir ein Beispiel an ihr nehmen.“

„Ja, ja“, sage ich.

„Im Ernst, hör mit dem Jammern auf und lass es krachen. Sieh dich doch nur auf dieser Party um. Hier sind sexy Frauen, wohin man schaut“, beteuert Mason.

Ich nehme mir eine Minute, um meinen Blick über die Party schweifen zu lassen und muss feststellen, dass Mason recht hat. Auf dieser Party sind ein Haufen Frauen, die miteinander tanzen oder bei einander stehen, um sich zu unterhalten.

„Ich glaube, ich habe gerade entdeckt, bei wem ich heute mein Glück versuchen werde“, verkündet Alex. „Wenn ihr mich entschuldigen würdet…“

Er läuft auf die andere Seite der Party. Allein seine Größe sorgt dafür, dass die Leute ihm Platz machen, während er sich mit den Schultern durch die Menge schiebt.

„Siehst du? So einfach ist das“, erklärt Mason.

„Ich kann jedes Mädel abschleppen, das ich haben will“, sage ich und ziehe eine Augenbraue hoch. „Ich bin Jett James.“

„Ich würde nicht unbedingt sagen jedes Mädel.“

„Ernsthaft?“, frage ich und hebe abermals die Augenbraue. „Wie wäre es damit? Du wählst das Mädel aus. Und ich wette mit dir um Plätze in der ersten Reihe bei den Hawks.“

Mason wirft mir von der Seite einen Blick zu. „Okay, aber du kannst mit dem Mädel, das ich auswähle, nicht einfach nach Hause gehen. Du musst auf ein Date mit ihr gehen.“

„Ein Date? Wirklich?“, frage ich.

„Es ist zu leicht, einfach mit einem Mädel nach Hause zu gehen und sie nie wiederzusehen. Komm schon, das wird dir guttun.“

„Fuck, okay“, stimme ich zu, während ich mir über den Nacken reibe. „Versprich mir nur, dass du jemand Gutes aussuchen wirst.“

Seine Augenbrauen schnellen in die Höhe. „Ich fühle mich gekränkt, dass du überhaupt etwas anderes denkst.“

Ich grunze bloß und nippe an meinem Bier. Mason ist damit beschäftigt, sich umzuschauen.

„Was ist mit ihr, der Blondine in dem roten Minikleid? Sie ist mein Typ“, sage ich.

Mason sieht zu mir, leicht verärgert.

„Du hast gesagt, dass ich wählen darf. Außerdem bin ich schrecklich gelangweilt von den Blondinen, die du immer anschleppst. Sie sind, wie du so schön sagst, alle genau gleich. Klein, dürr und blond.“ Er verzieht das Gesicht. „Du brauchst eine, die ein bisschen anders ist. Betrachte das als deinen Geschmacksneutralisator.“

„Pfff“, mache ich und winke mit der Hand ab. „Du beschwerst dich zu viel.“

„Schh, lass mich schauen.“ Seine Brauen senken sich konzentriert. „Ah. Wie wäre es mit der dort drüben? Die Brünette mit dem roten Sweater und dem Rock.“

Ich schaue in die Richtung, in die er blickt, und nach einer Sekunde entdecke ich sie. Sie sieht regelrecht akademisch aus, aber auf eine attraktive Art. Sie hat lange Haare, genau in der Farbe eines Rabenflügels, und olivfarbene Haut. Eine schwarz umrahmte Sonnenbrille ruht auf ihrem Kopf. Sie trägt einen roten Oversized-Sweater, einen schwarzen Bleistiftrock und ein Paar kirschroter High Heels.

Sie hält auch eine große schwarze Handtasche in der Hand und spielt an ihrem iPhone herum. Plötzlich verzieht sie säuerlich das Gesicht und beginnt etwas auf ihrem Handy zu tippen. So wie ihre Daumen über das Display fliegen, kann ich mir gut vorstellen, dass jetzt jemanden in Schwierigkeiten steckt.

Sie sieht aus, als wäre sie klug, aber sie steht bestimmt nicht auf die Ex-Sportler Masche, die ich am Laufen habe. Was auch in Ordnung ist, da sie wie jemand aussieht, der mir Englisch beibringen möchte, nicht wie jemand, mit dem ich auf ein Date gehen würde.

„Sie ist hübsch“, gebe ich zu. „Aber sie sieht langweilig aus. Schau, ihre Freundinnen versuchen, sie zum Tanzen zu bewegen. Ich wette, sie wird ablehnen.“

Einige Sekunden später hat sie das Flehen ihrer Freundinnen abgewiesen und steht ein weiteres Mal allein da.

„Ich habe ein gutes Gefühl bei ihr“, verkündet Mason. „Sie ist definitiv die Richtige.“

„Komm schon, du musst eine auswählen, die interessanter ist“, protestiere ich. „Wie… irgendeine andere auf dieser Party.“

„Ich dachte, Jett James könnte jede abschleppen?“, entgegnet er mit einem selbstgefälligen Grinsen im Gesicht.

„Sie sieht aus, als hätte sie gerade eine ganze Zitrone verschluckt.“

„Und?“, sagt er. „Du hast gesagt, du würdest Hawks Karten darauf wetten.“

Fuck. „Okay, okay. Ich gehe ja schon.“

Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, während ich mich durch die Menge schiebe und zu der Stelle kämpfe, an der sie an der Wand lehnt. Ich bemerke, dass ihr Fuß im Takt mit der Musik auf dem Boden wippt, obwohl sie geradezu angepisst aussieht.

„Entschuldigung“, sage ich und trete vor sie.

Sie sieht zu mir hoch, ihre grauen Augen unsicher. „Ja?“

Ich mag ihre Stimme, ein kehliges, samtenes Schnurren.

„Ich bin nur hergekommen, um dir zu sagen, dass du atemberaubend bist“, sage ich. Ich zucke leicht zusammen, weil die Musik urplötzlich mitten in meinem Satz lauter wird. Meine Worte sind verloren.

Sie schneidet eine Grimasse, was irgendwie witzig aussieht. „Was?“

Ich beuge mich näher zu ihr und erhasche eine Nase voll von ihrem Parfüm. „Ich sagte, du bist atemberaubend.“

Ihr Gesicht verzieht sich innerhalb eines Herzschlags ablehnend. Es entsteht eine Sekunde, in der ich ihre Augen auf mir spüren kann, in der ich merke, dass sie meine Kleider und meine Größe mustert, in der sie irgendetwas abwägt. Sie nimmt auch die Tattoos wahr, die sichtbar sind. Und dann sehe ich Ablehnung auf ihren Zügen, ohne dass sie mich überhaupt kennt.

Im Grunde genommen hat sie aufgrund von irgendwelchen Kriterien, die ich nicht kenne, beschlossen, dass ich ihre Zeit nicht wert bin.

Das fühlt sich nicht gut an.

„Oh, ähh – Danke?“, sagt sie. Ich merke schon, dass sie das Gespräch gleich beenden wird.

Wo ist der berühmte Jett James Charme hin?, wundere ich mich.

„Hey, würdest du mir einen Gefallen tun?“, frage ich, ohne richtig darüber nachzudenken. „Meine Ex Emily ist hier und sie beobachtet mich heimlich. Wäre es okay, wenn ich einfach so tue, als hätten du und ich einen guten Draht zueinander gefunden?“

Ihre Augen sind auf ihr Handydisplay gesunken, aber schnellen jetzt wieder hoch zu meinen. Sie mustert mich eine weitere Sekunde, wobei ihre dunkelgrauen Augen wie ein Sturm wirken, der sich zusammenbraut.

„Ähmmm…“, macht sie, offensichtlich hin und her gerissen zwischen mir und was auch immer auf ihrem Handy ist.

Verdammt, bin ich so uninteressant?

„Klar“, stimmt sie schließlich zu, aber es fühlt sich an, als hätte ich sie gerade erst dazu gebracht, mich anzuschauen. Zeit, umwerfend zu sein, denke ich

Ich grinse sie an und rücke ein Stückchen näher zu ihr. „Du würdest es mir doch sagen, wenn dir diese fake Beziehung Umstände bereiten würde, oder?“

Ich sehe, wie sie leicht an ihrer Lippe knabbert und ihre Stirn in Falten legt. Sie will es eigentlich nicht, aber sie lehnt sich ganz leicht zu mir. Ich fasse das als Zeichen dafür auf, dass mein Lächeln funktioniert hat.

Ich bin drin, denke ich.

„Also, nur ein Wort und du trittst den Rückzug an?“, will sie in unbeschwertem Tonfall wissen.

„Natürlich. Ich hoffe allerdings, dass du das nicht tun wirst. Nur, damit mir diese Schmach erspart bleibt.“ Ich lege meine Hand auf mein Herz, aber kann mich gerade noch davon abhalten, eine flehende Miene aufzusetzen.

Sie scheint das für bare Münze zu nehmen und nickt.

„In Ordnung. Welche ist sie?“, will sie wissen, während sie sich auf der Party umsieht.

Scheiße. Darauf hätte ich vorbereitet sein sollen. Ich lasse meinen Blick über die Menge schweifen auf der Suche nach einer Frau, die vage wie Emily aussieht.

„Ähhh… sie ist dort drüben“, antworte ich und nicke zu einer hübschen, dünnen Blondine am Ausgang. „In dem schwarzen Einteiler.“

„Ah“, sagt sie nickend. „Sie ist hübsch.“

Ich schneide eine Grimasse und sie läuft rot an.

„Sorry“, entschuldigt sie sich. „Ich würde ja fragen, warum ihr kein Paar mehr seid, aber ich will kein Salz in die Wunden streuen.“

„Du kannst es wiedergutmachen, da bin ich mir sicher“, erwidere ich mit einem Lächeln.

Ihr Augenrollen ist besonders episch. Mein Lächeln wird zu einem Grinsen. Ich nehme einen Schluck von meinem Bier, das inzwischen ziemlich abgestanden und warm ist.

Ich werfe einen Blick über meine Schulter, um nachzuschauen, was Mason gerade macht, aber er ist nirgends zu sehen. Drecksack.

Als ich meinen Blick wieder auf sie richte, starrt sie erneut mit düsterer Miene und gekräuselter Stirn auf ihr Handydisplay. Scheiße, sie verliert schon wieder das Interesse. Warum zum Henker musste Mason ausgerechnet sie aussuchen?

Ich brauche eine andere Herangehensweise.

„Hey, was gibt’s auf deinem Handy so Interessantes?“, frage ich.

Sie sieht zu mir auf. „Eine E-Mail von meinem Boss. Ich bin Anwältin und mein Boss drückt sich gerne sehr geschwollen aus. Aber so sehr ich es auch versuche, ich werde aus dieser E-Mail einfach nicht schlau.“

Ich lege meinen Kopf zur Seite. Wie soll ich das angehen? Ich schätze, ich habe es noch nicht mit dem offensiven Vorgehen probiert…

„Darf ich dir eine Frage stellen?“, erkundige ich mich.

„Klar. Schieß los“, sagt sie und schaltet das Display ihres Handys aus. Sie schaut zu mir.

Ich beuge mich zu ihr, senke meine Stimme und mache Gebrauch von der vollen Kraft meiner dunkelblauen Augen. „Hast du einen Freund oder Ehemann?“

Sie errötet, das helle Rosa überzieht ihre hohen Wangenknochen. „Nein.“

„Okay. Wie wäre es dann damit? Du steckst dein Handy zwanzig Minuten weg und erlaubst mir, dich zu unterhalten.“

Das helle Rosa breitet sich auf ihre Wangen aus. „Okay…“, erwidert sie zögernd.

Sie lässt ihr Handy mit einem befriedigenden Klonk in ihre Handtasche fallen. Ich grinse und strecke meine Hand aus.

„Jett James.“

„Cady Ellis“, sagt sie. Ihr Griff ist fest, sogar dominierend.

Ein Bild, wie ich sie im Bett dominiere und sie jede einzelne Sekunde dagegen ankämpft, bis sie meinen Namen schreit, taucht vor meinem inneren Auge auf. Hitze schießt direkt in meinen Schwanz.

In diesem Moment beschließe ich, dass ich sie mag.

„Ist mir ein Vergnügen“, versichere ich ihr. „Wie es aussieht, bist du mit deinem Drink fertig. Wie wäre es, wenn wir rüber zur Bar gehen und dir noch einen besorgen?“

„Oh, ich weiß nicht… ich muss morgen arbeiten…“, wendet sie ein. Aber ich merke, dass sie eigentlich noch einen Drink möchte, eine Ausrede zum Flirten möchte.

„Komm schon. Nur noch ein Drink“, sage ich und reiche ihr meine Hand. Ich zwinkere ihr zu. „Unsere Beziehung braucht ein bisschen Pepp.“

Sie verdreht die Augen, aber erlaubt mir, sie zur Bar zu führen. Ich bestelle puren Whisky für mich und sie bestellt einen Wodka mit etwas Soda und extra Limettenscheiben.

„Und zwei Tequila Shots“, sage ich. „Tu erst gar nicht so, als würdest du keinen wollen. Du bekommst den Shot.“

Ihre Brauen heben sich, aber sie lehnt nicht ab. „Na schön.“

Der Barkeeper gießt die zwei Shots ein und reicht mir die Zitronen. Ich schiebe ihr das Shotglas zu und hebe meines.

„Worauf sollen wir trinken?“, will sie wissen.

„Auf eine gute Nacht“, antworte ich und stoße mein Glas an ihres. Ich kippe den Alkohol meine Kehle hinab, was brennt, aber so gut schmeckt. Die Zitrone nimmt die Schärfe und schmeckt nach dem Tequila süßlich sauer.

„Meine Güte“, sagt sie und erschaudert, während sie in ihr Zitronenstück beißt. „Ich habe seit dem College keinen Tequila mehr getrunken.“

Ich zwinkere ihr zu und stecke das benutzte Zitronenstück in mein Shotglas. „Komm, lass uns zur Dachkante rüber gehen. Ich schaue mir die Stadt gerne aus verschiedenen Perspektiven an, wann immer ich die Möglichkeit dazu bekomme.“

Ich führe den Weg an und sie folgt mir zur Kante, die mit Metallstangen abgegrenzt wurde. Ich schaue über diese hinweg und werde mit einer Aussicht auf eine belebte Straßenecke in Downtown Atlanta aus dem achten Stock belohnt. Obwohl es spät am Abend ist, herrscht noch immer reger Verkehr, wodurch mir ein Meer aus roten Rücklichtern entgegen blinkt.

Cady stoppt neben mir und beugt sich über die Brüstung, um nach unten zu spähen. Ich werfe einen Blick auf ihren Hintern, der gerade zufälligerweise echt verdammt fantastisch aussieht, so wie sich ihr Bleistiftrock an ihn schmiegt.

„Alles ist so klein von hier oben“, seufzt sie.

„Ich denke, da spricht der Tequila aus dir“, sage ich und wackle mit den Augenbrauen.

Sie betrachtet mich flüchtig. „Ja, klar.“

Sie wendet sich von der Aussicht ab und legt ihre Ellbogen auf die oberste Metallstange. Ich ahme ihre Haltung nach und bemerke, dass ich einen halben Kopf größer bin als sie. Das ist ein viel geringerer Größenunterschied als ich es von den Frauen gewohnt bin, mit denen ich normalerweise ausgehe, aber es ist dennoch angenehm.

Sie wirft mir verstohlen einen Blick zu und nippt anschließend an ihrem Drink.

„Was arbeitest du?“, fragt sie.

„Ich bin Sportagent“, antworte ich. „Aber früher war ich professioneller Baseballspieler.“

Ihre Augenbrauen schießen in die Höhe. „Wirklich?“

„Jepp. Ich war drei Jahre lang ein Center Fielder bei den Atlanta Braves.“

„Warum spielst du nicht mehr für sie?“, hakt sie nach und legt den Kopf auf eine Seite.

Ich verziehe das Gesicht. „Meine Rotatorenmanschette ist gerissen. Der Teamarzt hat nur einen Blick auf meine Schulter geworfen und gesagt, dass ich operiert werden müsse. Und das war’s dann mehr oder weniger, zumindest in Hinblick auf meine Karriere.“

„Meine Güte. Das tut mir leid“, sagt sie, während sie meine Schulter beäugt. Erneut kann ich diesen kalkulierenden Blick spüren, ihre stahlgrauen Augen mustern mich, während sie versuchen, irgendeine Berechnung anzustellen.

„Ist schon in Ordnung. Ich darf etwas tun, das ich liebe, weshalb ich mich nicht wirklich darüber aufregen kann.“ Ich nehme einen Schluck von meinem Whisky und genieße das Brennen, als ich schlucke. „Was arbeitest du nochmal?“

„Ich bin Anwältin. Eine Zivilprozessanwältin, um genau zu sein. Ich arbeite bei Hansen & Felder.“

„Ich fürchte, ich weiß gar nichts über das Gesetz.“

„Wir sind eine der Topkanzleien in der Stadt“, erklärt sie steif.

„Das klingt gewaltig“, necke ich sie. Sie blickt zu mir und kichert.

„Yeah. Es ist nicht gerade romantisch“, gibt sie zu. Ihr Handy beginnt sehr beharrlich in ihrer Tasche zu vibrieren. „Argh, genau das meine ich. Es ist halb elf an einem Freitagabend und ich werde trotzdem noch angerufen.“

„Sag ihnen, dass du früh ins Bett gegangen bist. Du hast dich etwas kränklich gefühlt und wolltest es auskurieren.“ Ich ziehe meine Brauen hoch. „Auf die Art hast du für morgen auch gleich noch eine Ausrede parat.“

Wieder kann ich ihr am Gesicht ablesen, dass sie meinen Vorschlag annehmen möchte, aber ein Teil von ihr zögert.

„Oh, ich weiß nicht…“, meint Cady und kräuselt die Nasse.

„Weißt du, was du tun musst?“, frage ich.

„Ähmmm, tatsächlich früh ins Bett gehen?“

„Nein, ich denke, du musst tanzen.“

„Oh, ich weiß nicht, Jett –“, protestiert sie. Ihre Körpersprache ist auf alle möglichen Arten widersprüchlich.

„Das verheißt nichts Gutes für unsere Beziehung, Cady“, necke ich sie. „Gib dir einen Ruck, nur ein Tanz.“

Sie schneidet eine Grimasse, aber erlaubt mir, ihr das Glas abzunehmen und wegzustellen. Ich nehme ihre Hand in meine, wobei ich bemerke, wie zierlich ihre wirkt, und führe sie zu einem Bereich, wo einige Leute tanzen.

Anfangs ist Cady steif und ihr steht ins Gesicht geschrieben: „Mir fallen zehn Dinge ein, die ich lieber tun würde.“ Sie bewegt sich, als wäre sie aus Holz geschnitzt und berührt mich kaum.

So wird das nichts.

Ich drehe sie sanft um und dirigiere ihren Körper an meinen. Die Musik pulsiert und wir bewegen uns mit ihr. Zunächst langsam, dann wilder, bis sie sich praktisch an mir reibt.

Fuck ja, denke ich. Gott, sie fühlt sich gut an.

Cady überrascht mich, indem sie sich umdreht, ihre Arme um meinen Hals schlingt und mich küsst. Damit erwischt sie mich zuerst eiskalt, aber ihre Lippen sind weich und süß. Einladend.

Die Empfindung schießt direkt in meinen Schwanz und ich bin sogleich verdammt steinhart.

Ich übernehme die Kontrolle über den Kuss, dominiere ihre Lippen und lasse meine Zunge über ihre gleiten. Sie schmeckt verdammt fantastisch, wie frische Minze und Wodka. Ich könnte die ganze Nacht lang von ihren Lippen kosten.

Sie weicht zurück, wobei sie praktisch keucht. „Möchtest du mit zu mir kommen? Ich wohne nicht weit von hier.“

Oh, fuck ja. Das möchte ich wirklich unbedingt.

Doch plötzlich ist Mason in meinem Kopf und verdirbt alles. Es ist zu leicht, einfach mit einem Mädel nach Hause zu gehen und sie nie wiederzusehen.

Ich starre auf sie hinab, ihren Geschmack nach wie vor auf meinen Lippen. Es wäre großartig, ihr Angebot anzunehmen, einfach zu ihrer Bleibe zu gehen und sie bis zum Sonnenaufgang zu vögeln. Aber irgendetwas an ihr hindert mich daran, genau das zu tun.

Fühlt es sich so an, ein Gentleman zu sein?, wundere ich mich.

„Weißt du, es gibt nichts, das ich lieber tun würde, als mit dir nach Hause zu gehen und dich dazu zu bringen, immer wieder meinen Namen zu schreien, bis du heiser bist“, flüstere ich, wobei ich mich nah zu ihr beuge. „Aber ich glaube nicht, dass das gut für unsere Beziehung wäre. Ich kann nicht mit dir nach Hause gehen, wir hatten noch nicht einmal unser erstes Date.“

Sie läuft sofort knallrot an. „Ich… ich… ich sollte gehen…“

Cady kramt ihr Handy aus ihrer Handtasche und wendet sich ab. Mein Arm schnellt nach vorne und ich packe sie, ziehe sie zurück.

„Du gehst nicht ohne meine Nummer“, sage ich. „Versuch es erst gar nicht.“

Ich pflücke ihr das Handy aus der Hand und ignoriere ihren fassungslosen Gesichtsausdruck, mit dem sie mich bedenkt. Es dauert nur wenige Sekunden, meinen Namen und Nummer einzuspeichern und dann rufe ich mich an. Mein Handy beginnt „Swimming Pools“ von Kendrick Lamar abzuspielen und ich zwinkere ihr zu.

„Jetzt hab ich deine Nummer“, stichle ich. Ich gebe ihr das Handy zurück.

„Argh, auf Wiedersehen“, sagt sie und wendet sich abermals ab.

Ich kann der Gelegenheit nicht widerstehen, sie nochmal zu packen und zu mir herum zu wirbeln, meine Hüften an ihre zu pressen und ihren Mund erneut zu erobern. Ihre Fingernägel bohren sich in meine Brust, aber ich kann sehen, dass ihr ein wenig Dominanz gefällt.

Ich gebe sie frei und es juckt mich förmlich in den Fingern, ihr einen Klaps auf den Po zu geben. Ehrlich gesagt, bettelt dieser Bleistiftrock geradezu darum.

„Jetzt kannst du gehen“, sage ich mit einem Grinsen.

Ich wünschte, ich hätte ein Foto von ihrer Miene, der Empörung vermischt mit dem sexuellen Interesse. Die Empörung gewinnt und sie schnaubt, ehe sie auf dem Absatz kehrt macht. Ich beobachte, wie sie, so schnell sie kann, auf ihren hohen High Heels flieht.

Ich lasse meine Knöchel knacken, denn ich glaube, ich hätte einfach mit ihr nach Hause gehen sollen, scheißegal, was Mason gesagt hat.

Während ich mich auf den Weg zum Ausgang mache, verschiebe ich die Beule in meiner Hose und sehe mich um. Mason und Alex sind nirgends zu sehen. Einfach typisch.

Ich steige die Stufen langsam nach unten und denke an Cady. Ihren roten Sweater, ihren Bleistiftrock, ihre High Heels.

Yeah, Frauen sind alle gleich… Aber wenigstens hat eine mein Interesse geweckt.

Ich lächle, während ich die Treppe nach unten laufe.

2

Cady

Ich öffne meine Augen und ächze. Gerade dringt nicht nur sanftes Morgenlicht in mein Zimmer, sondern strahlend heller Sonnenschein. Milo, zum Kampfschmuser mutierter Streuner, schnurrt und reibt sein Kinn an meinen Fingern.

„Fuuuuuuck“, stöhne ich und rolle zur Seite. Milo betrachtet mich mit purer Verurteilung in seinem ihm gebliebenen blauen Auge. Das andere wurde schon lange zugenäht und ist längst verheilt. Er ist ein Siamkatzenmischling und tierisch hochnäsig für jemanden, den ich aus einer Mülltonne vor meinem Haus gerettet habe.

Milo ist es piep egal, dass ich gestern Abend einen trinken war. Er reibt abermals sein Kinn an meiner Hand, miaut mit seiner kratzigen Stimme und fordert Streicheleinheiten ein. Ich streichle über seinen Kopf und er bricht in ein wahres Schnurrkonzert aus und maunzt glücklich.

„Du bist einfach furchtbar“, teile ich Milo mit. Er klettert auf meine Brust, sein Gewicht ist sehr leicht. Obwohl ich ihn bereits seit einem Jahr habe, hat sein Gewicht nie die zehn Pfund Marke überschritten. „Ich weiß dein Theater hier überhaupt nicht zu schätzen.“

Er knetet die Decke auf meiner Brust mit seinen Krallen und springt dann von mir. Er läuft zum Bettende, von wo er erwartungsvoll zu mir zurückblickt. Ich seufze laut über seinen Versuch, mich in die Küche zu locken und ihm sein Dosenfutter zu geben.

„Du hast genug Trockenfutter“, schimpfe ich böse.

Ich rolle mich abermals herum und setze mich auf, wobei ich einen jämmerlichen Laut von mir gebe. In diesem Moment spüre ich jedes einzelne meiner dreiunddreißig Jahre und dann noch ein paar mehr. Ich bin wirklich keine zwanzig mehr und habe den Kater, sowohl im übertragen als auch wortwörtlichen Sinne, um es zu beweisen.

Ich ziehe ein T-Shirt über meinen Slip, der erste Schritt von vielen, um diesen Tag zu beginnen. Ich werfe einen Blick auf mein Handy und stelle fest, dass erst neun Uhr ist. Normalerweise würde ich komplett in Panik ausbrechen, aber ich weiß, dass ich den Tag frei habe.

Nun, vielleicht nicht unbedingt frei, aber ich hatte ohnehin vor, heute von zu Hause aus zu arbeiten. Ich blicke eine Sekunde auf mein E-Mail-Postfach, seufze dann angewidert laut auf und schalte das Display aus. Ein Dutzend neue E-Mails, ein Dutzend Sprachnachrichten und zwei Dutzend SMS warten dort auf mich.

Ich tapse über die nackten Betonböden meines Lofts und werfe einen Blick zu den zwei Reihen bodentiefer Fenster, die für wunderbares Licht sorgen. Abgesehen von meinem Schlafzimmer verfügt das Apartment über ein Büro, ein zweites Schlafzimmer und einen riesigen Küche-Schrägstrich-Wohnzimmer Bereich. Ich habe einen Haufen Geld dafür liegen lassen, aber ich kann mich nicht beklagen. Nicht einmal, wenn zu viel Sonnenlicht hereinströmt.

Ich pinkle mit dem Slip um meine Knöchel, bei offenstehender Tür und vor dem Licht verschlossenen Augen und zwinge mich zum Denken. Mein Gehirn arbeitet jedoch noch nicht richtig, weshalb ich meine Kleider ausziehe und die Dusche aufdrehe. Der Dampf beginnt sich zu sammeln, gefangen zwischen den kühlen, dunklen Fliesen und der Glastür.

Ich lehne meinen Kopf einen Augenblick an das Glas. Ich denke an letzte Nacht und alles strömt schlagartig auf mich ein.

Das Dach. Die Party. Jett.

Gott, ich konnte nicht einmal erhobenen Hauptes gehen. Nicht, ohne dass Jett mich in seine Arme zog, mich küsste und zum Erröten brachte. Er ist so groß, hat beinahe rabenschwarze Haare, die in einem Undercut geschnitten sind. Ein rot kariertes Hemd und Jeans, die gut saßen, und Stiefel. Dunkelblaue Augen, ein Königsblau. Er hatte einen richtigen Bart, worauf ich wirklich stehe.

Oh, und seine Tattoos…

Jeder sichtbare Zentimeter seiner Haut ist tätowiert, von seinem Hals bis zu dem aufgeknöpften V an seinem Kragen bis hinab zu seinen Fingern. Ich beiße auf meine Lippe, während ich in die Dusche schlüpfe. Gott, ich werde über diese Tattoos nachdenken, wenn mir langweilig ist und ich mich einsam fühle, so viel steht fest.

Ich stehe länger unter der Dusche als ich sollte und denke über all die Gründe nach, aus denen ich keinen Mann wie Jett in meinem Leben haben kann. Oh, es gibt so viele Gründe.

Erstens, ich habe nicht die Zeit, um mich einer richtigen Beziehung zu widmen. Ich habe einen echten Job und die meisten Männer wissen eine Frau, die so schwer arbeitet wie ich, nicht zu schätzen.

Zweitens, ich möchte mich nicht auf diese Spielchen einlassen, die Hand in Hand mit einer Beziehung mit einem gut aussehenden Kerl gehen. Sie sind so verflucht viel Arbeit.

Und drittens, ich will ein Baby. Nein, ich brauche ein Baby und zwar am besten gleich. Aber nichts von dem Mist und Drama, der mit einem Babydaddy einhergeht.

Ich spritze etwas Shampoo in meine Haare und shampooniere sie ein. Ich weiß, dass ich Karriere-besessen wirke, aber vor sechs Monaten wachte ich mit diesem Drang auf. Babys sahen urplötzlich, aus heiterem Himmel niedlich für mich aus. Ich ertappte mich dabei, wie ich mich länger vor Baby lastigen Schaufenstern herumdrückte und über witzige Babyvideos auf Facebook lachte.

Dann bekam eine enge Freundin von mir ein Baby, ein kleines Mädchen. Es war das erste Mal, das ich ein Baby in den Armen hielt, am Kopf eines Babys roch. Zum ersten Mal begann ich mich selbst als mehr als bloß eine liebevolle Tante zu sehen. Ich fragte mich, ob es wohl möglich wäre, dass ich ein Baby bekomme.

Seitdem habe ich angefangen, absolut überall Babys zu sehen. Nicht nur das, ich suchte sogar einen Gynäkologen und eine Kinderwunschspezialistin auf. Nachdem ich erfuhr, dass ich körperlich in der Lage bin, ein Kind zu bekommen, wurde ich leicht besessen.

Aber kann man mir das zum Vorwurf machen? Wer würde sich nicht die Chance wünschen, ein Kind zu haben, dem man all die Liebe und Sorge angedeihen lassen kann, die man als Kind nicht erhalten hat? Das Pflegefamiliensystem hat bei mir jämmerlich versagt, aber meinem Kind wird das nicht passieren.

Ich spüle meine Haare aus und werde immer ungeduldiger. Ich habe keine Zeit, um mich mit dem zu beschäftigen, was meine Therapeutin meine Vertrauenskrise in mein wahres Ich nennt. Ich verlasse die Dusche, denn mir fällt ein, dass Olive bald vorbeikommen wird.

Milo streicht um meine Füße und miaut was das Zeug hält.

„Ich werde dir kein Dosenfutter geben!“, informiere ich ihn. „Ganz egal, wie süß du bist oder wie viel Lärm du machst.“

Ich beeile mich beim Anziehen und der restlichen Körperpflege, bin aber trotzdem noch dabei, meine feuchten Haare mit einem Handtuch zu trocknen, als es an der Tür klingelt. Ich stürze zur Eingangstür und werfe einen Blick auf die Kamera. Olive lächelt mir entgegen, ihre leuchtend roten Haare sind unverwechselbar. Ich drücke auf den Türöffner und schließe die Tür auf.

Im Anschluss wandere ich zur Kücheninsel, um das Kaffeepulver zu holen, ehe ich zur Küchentheke gehe, um die Kaffeemaschine anzuschalten. Während ich mich mit den Einstellungen beschäftige, platzt Olive herein. Auf meine Bitte hin hat sie sich nicht komplett aufgetakelt, was bedeutet, dass sie Versace vom letzten Jahr und ihre drittbesten Louboutins trägt.

Ich stecke in Jeans und einem Oversized-Crop Top, aber hey. Jedem das seine, richtig?

Ich lächle sie an. Sie kann tragen, was auch immer sie will. Das Mädel ist eins fünfzig groß, wiegt so gut wie nichts und besitzt ein Herz aus purem Gold.

„Hey!“, sagt sie und schwenkt eine pinke Gebäckschachtel. „Rate mal, wer Schokoladencroissants vom Amélie’s mitgebracht hat?“

„Oh, du bist eine Lebensretterin“, versichere ich ihr. „Ich bin so froh, dass wir heute nicht im Büro sein müssen. Ich hab gerade den Kaffee aufgesetzt.“

Olive grinst. Sie ist eine erstklassige Verteidigerin in meiner Kanzlei, wofür sie fürstlich entlohnt wird.

„Kaffee klingt faaan-tastisch“, verkündet sie. „Und er wird wirklich super zu den Croissants passen.“

Ich nehme ihr die Schachtel ab und öffne den Deckel, um das buttrige Aroma zu inhalieren. Ich kann spüren, dass mich Olive beobachtet. Sie wird keine Einzelheiten einfordern, aber so wie sie mit den Fingerspitzen auf der Küchentheke trommelt, ist es eindeutig, dass sie wirklich wissen will, was gestern Nacht passiert ist.

Ich werfe ihr einen Blick zu. Mit ihren feengleichen Zügen, ihrem Übermaß an Sommersprossen und ihren weit auseinander liegenden grünen Augen, ist sie fast schon zu niedlich, um irgendetwas vor ihr geheim zu halten.

„Wie war dein Date mit Roberto?“, frage ich und neige meinen Kopf zur Seite. Milo hüpft auf die Theke und ich scheuche ihn automatisch wieder runter.

Sie bedeutet mir, ihr die Gebäckschachtel zu bringen, und sucht sich eines aus. „Es war okay. Es war erst das dritte Date. Also habe ich noch nichts Neues zu berichten.“

Sie bedenkt mich mit einem bedeutungsvollen Blick und beißt von ihrem Croissant ab.

„Du willst wegen gestern Abend Bescheid wissen?“, seufze ich.

„Oh mein Gott, das möchte ich wirklich, ganz unbedingt“, sagt sie, während sie sich auf einen der Hocker müht, die auf der anderen Seite der Kücheninsel stehen.

Ich ziehe das Gesicht zusammen. „Sein Name war Jett, er war wahnsinnig heiß und er hat mein Sexangebot ausgeschlagen.“

„Er hat was?“, fragt sie empört.

„Es war super peinlich“, erzähle ich mit einem weiteren Seufzen. „Obwohl er sichergestellt hat, meine Nummer zu bekommen…“

„Warte, hat er das getan, bevor oder nachdem er dich abblitzen hat lassen?“

„Ähmmm… danach“, gestehe ich, während ich mich daran mache, zwei Tassen runterzuholen.

„Mädel! Das ist verdammt heiß“, sagt sie. Sie beißt abermals von ihrem Croissant ab und stöhnt zufrieden. „Gott, das ist so gut.“

„Du krümelst dein kleines Schwarzes ganz voll“, merke ich an.

Sie streicht die Krümel von ihrem ärmellosen Chiffon-Jumpsuit und zuckt mit den Achseln. „Also, welche Sorte heiß war er? Beschreib ihn.“

„Mmmh…“ Ich denke darüber nach, während ich die Milch aus dem Kühlschrank hole. Der Kaffee ist durchgelaufen und ich gieße uns zwei dampfende, wunderbar riechende Tassen ein. „Er war wirklich groß. Er hatte kurze, dunkle Haare und ein Hammerlächeln. Und er hatte wahnsinnig viele Tattoos.“

„Meinst du damit, auf dem kompletten Arm?“, fragt sie und nimmt den Kaffee von mir entgegen. „Danke.“

„Beide Arme waren tätowiert, sein Hals war tätowiert… es war verdammt heiß.“

„Nice. Tja, vielleicht ruft er ja wirklich an.“

„Ja klar und vielleicht kommen danach auch die kleinen grünen Männchen in ihrem Raumschiff auf die Erde!“, erwidere ich. „Oooh, warte nur eine Sekunde…“

Ich lasse meinen Kaffee in der Küche stehen und ziehe los, um einen dicken weißen Ordner vom Wohnzimmertisch zu holen. Milo miaut kläglich und Olive bückt sich und krault ihm den Kopf.

Ich starre auf den weißen Ordner und einen beinahe identischen schwarzen und bemühe meine grauen Zellen, sich zu erinnern, welcher voller Samenspender ist und welcher voller Farbpaletten für das zweite Schlafzimmer.

Nach einem kurzen Blick hinter den Umschlag bringe ich ihr den Ordner mit den Farbpaletten und schlage die erste Seite auf, die ich markiert habe. „Du musst mir helfen, eine Farbe für das zukünftige Kinderzimmer auszusuchen.“

Olive zieht den Ordner zu sich, um einen Blick auf die aufgeschlagene Seite zu werfen, und schiebt die Gebäckschachtel zu mir.

„Wir wollen schließlich nicht, dass sie schlecht werden“, murmelt sie, während sie die Seiten durchblättert.

Ich nehme das Croissant und beiße hinein. Ich schließe die Augen. Der Geschmack ist fast so gut wie ein Orgasmus. „Ohhhh.“

„Ich weiß“, sagt Olive, ohne aufzusehen. „Hör zu, ich habe eine verrückte Frage. Kein Urteil oder so was, aber… wissen die Partner in unserer Kanzlei, dass du vorhast, schwanger zu werden?“

Ich presse meine Lippen zusammen. „Nein.“

„Es ist nur so… weißt du, du wirst nicht mehr annähernd so viel arbeiten können. Sarah, du weißt schon, die vom Vertragsrecht? Sie meinte, dass sich ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduziert hat.“

Sie sieht nicht von dem Ordner hoch, aber ich spüre, dass das ihr Moment der Wahrheit zu diesem Thema ist.

„Ich habe mich finanziell vorbereitet, falls du darauf anspielst.“ Ich verziehe das Gesicht.