Die Bartholomäusnacht - Alexandre Dumas - E-Book

Die Bartholomäusnacht E-Book

Alexandre Dumas

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Beschreibung

Eine junge Königin zwischen Staatsräson und Leidenschaft August 1572. Seit zehn Jahren tobt in Frankreich ein mörderischer Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Katharina von Medici, die Königinmutter, will aus politischem Kalkül vorübergehend Ruhe im Land. Überraschend verheiratet sie darum ihre 19jährige Tochter Marguerite mit dem jungen protestantischen König Henri de Navarre. Doch die Hochzeitsfeierlichkeiten, zu denen annähernd 10 000 Hugenotten nach Paris geströmt sind, werden diesen zur Falle: in der Nacht zum 24. August, der „Bartholomäusnacht“, werden Tausende von ihnen niedergemetzelt, und die Mordwelle setzt sich fort durch das Land. Aber dieses schaurige Mantel- und Degenstück in den düsteren Gängen des Louvre wird durch starke Leidenschaften erhellt. Die leichtlebige Marguerite - bald Königin Margot genannt -, deren Schönheit und Bildung alle zeitgenössischen Dichter besungen haben, macht sich zunächst gar nichts aus Henri, diesem Naturburschen aus den Pyrenäen, der „auf zehn Schritt nach Knoblauch stinkt“; sie liebt den edlen La Môle, einen Protestanten, den sie aus dem Massaker gerettet hat. Ihr königlicher Gemahl, der die Blutnacht zwar überstanden hat, dem die Giftmischerin Katharina aber nach wie vor nach dem Leben trachtet, ist gleichzeitig für die junge Charlotte de Sauves entbrannt - die wiederum Ehrendame Katharinas ist. Solche Leidenschaften schaffen dramatische Verwicklungen, und doch sind sie historisch verbürgt. Alexandre Dumas hat die geschichtlichen Quellen aufmerksam studiert, bevor er die Wahrheit mit Dichtung auffüllte und ihr jenen feinen Schuss Ironie beimischte, der seine Romane so lesenswert macht. „Der Titan der französischen Literatur.“ Die Welt

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Alexandre Dumas

Die Bartholomäusnacht

(Königin Margot)

Roman

Aus dem Französischenvon Christine Hoeppener

Impressum

Titel der Originalausgabe

La Reine Margot

ISBN 978-3-8412-0549-0

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, November 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die vorliegende Übersetzung erschien erstmals 1957

unter dem Titel „Die Königin Margot“ bei Rütten & Loening; Rütten & Loening ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglich machen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung morgen, Kai Dieterich

unter Verwendung eines Fotos von Kai Dietrich, Bobsairport

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Innentitel

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

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Impressum

Inhaltsübersicht

1. Das Latein des Monsieur de Guise

2. Das Zimmer der Königin von Navarra

3. Ein König und Poet

4. Der Abend des 24. August 1572

5. Über den Louvre im besonderen und die Tugend im allgemeinen

6. Die bezahlte Schuld

7. Die Nacht des 24. August 1572

8. Die Opfer

9. Die Mörder

10. Tod, Messe oder Bastille

11. Der Weißdorn auf dem Gottesacker der Unschuldigen

12. Ein vertrauliches Gespräch

13. Schlüssel, die zu allen Türen passen

14. Die zweite Hochzeitsnacht

15. Frauenwille ist Gotteswille

16. Der Leichnam eines Feindes riecht immer gut

17. Ein Kollege des Meisters Ambroise Paré

18. Gespenster

19. Das Haus des Parfümeurs der Königinmutter, des Meisters René

20. Die schwarzen Hühner

21. Das Zimmer der Madame de Sauves

22. Sire, Sie werden König sein

23. Ein Neubekehrter

24. Die Rue Tizon und die Rue Cloche-Percée

25. Der kirschrote Mantel

26. Margarita

27. Die Hand Gottes

28. Der Brief aus Rom

29. Der Aufbruch zur Jagd

30. Maurevert

31. Die Parforcejagd

32. Brüderliche Beziehung

33. König Karl IX. zeigt sich dankbar

34. Gott lenkt

35. Die Nacht der Könige

36. Anagramme

37. Wieder im Louvre

38. Die Gürtelschnur der Königinmutter

39. Rachepläne

40. Die Atriden

41. Das Horoskop

42. Vertrauliche Mitteilungen

43. Die Gesandten

44. Orest und Pylades

45. Orthon

46. Das Wirtshaus „Zum Guten Stern“

47. De Mouy de Saint-Phale

48. Zwei Häupter für eine Krone

49. Das Buch über die Jagd

50. Die Beize

51. Der Pavillon Franz’ I.

52. Die Nachforschungen

53. Actäon

54. Der Bois de Vincennes

55. Die Wachsfigur

56. Die unsichtbaren Schutzschilde

57. Die Richter

58. Die spanischen Stiefel

59. Die Kapelle

60. Place Saint-Jean-en-Grève

61. Der Prangerturm

62. Der Blutschweiß

63. Der Söller des Schloßturms von Vincennes

64. Die Regentschaft

65. Der König ist tot: Es lebe der König!

66. Epilog

1Das Latein des Monsieur de Guise

Am Montag, dem 18. August 1572, wurde im Louvre ein großes Fest gefeiert.

Die sonst so finsteren Fenster des alten Königspalastes waren hell erleuchtet; die angrenzenden Plätze und Straßen, sonst so vereinsamt, wenn es von Saint-Germain-l’Auxerrois neun Uhr geschlagen hatte, waren vollgestopft mit Leuten, obwohl es auf Mitternacht ging.

Das bedrohliche, drängende und lärmende Menschengewühl glich in der Dunkelheit einem dräuenden, hochgehenden Meer mit tosenden Wogen; und das Meer strömte über den Quai, ergoß sich durch die Rue des Fossés-Saint-Germain und die Rue de l’Astruce, und seine Flut umspülte den Fuß der Louvremauern und schlug im Zurückströmen an das Fundament des gegenüber aufragenden Palais Bourbon.

Trotz des königlichen Festes und vielleicht sogar gerade deswegen stieg aus der Volksmenge so etwas wie eine Drohung, denn noch ahnte niemand, daß diese Feierlichkeit, der sie nur als Zaungäste beiwohnten, das Vorspiel zu einem in acht Tagen stattfindenden Fest war, bei dem sie sich als geladene Gäste von ganzem Herzen ergötzen könnten.

Der Hof feierte die Hochzeit von Madame Marguerite von Valois, der Tochter König Henris II. und Schwester König Karls IX., mit Henri von Bourbon, König von Navarra. Am Vormittag hatte der Kardinal von Bourbon auf einer eigens zu diesem Zweck vor der Kathedrale Notre-Dame errichteten Tribüne die beiden Gatten durch die für die Prinzessinnen des königlichen Hauses von Frankreich üblichen Zeremonien vereinigt.

Diese Heirat hatte alle Welt in Erstaunen versetzt und einigen, die klarer sahen als andere, viel zu denken gegeben; man konnte die Versöhnung zweier so feindlicher Parteien, wie es in jenen Tagen die protestantische und die katholische waren, nicht recht begreifen und fragte sich, wie der junge Prinz von Condé dem Herzog von Anjou, dem Bruder des Königs, den Tod seines in Jarnac durch Montesquiou ermordeten Vaters vergeben werde. Man fragte sich auch, wie der junge Herzog von Guise dem Admiral de Coligny den Tod seines in Orléans durch Poltrot de Méré ermordeten Vaters vergeben werde. Mehr noch: Jeanne von Navarra, die beherzte Gattin des schwachen Antoine von Bourbon, die ihren Sohn Henri in dem Gedanken an eine künftige Verbindung mit dem Königshaus erzogen hatte, war vor kaum zwei Monaten gestorben, und ihr plötzlicher Tod hatte viel Gerede verursacht. Überall wurde gewispert und an manchen Orten laut ausgesprochen, daß sie nach der Entdeckung eines gräßlichen Geheimnisses von Katharina von Medici aus Furcht vor der Enthüllung durch wohlriechende Handschuhe vergiftet worden sei, die ein gewisser René, ein in derlei Angelegenheiten erfahrener Florentiner, hergestellt habe. Die Gerüchte hatten sich noch weiter ausgebreitet und verstärkt, als nach dem Tod der großen Königin auf Bitten ihres Sohnes zwei Ärzte, deren einer der berühmte Ambroise Paré war, die Erlaubnis erhalten hatten, die Leiche zu öffnen und zu studieren – mit Ausnahme des Hirns. Wenn aber Jeanne von Navarra durch ausströmenden Geruch vergiftet worden war, so konnte nur das Hirn, der einzige Körperteil, der von der Autopsie ausgeschlossen war, die Spuren des Verbrechens offenbaren. Ich sage Verbrechen, weil niemand daran zweifelte, daß ein Verbrechen begangen worden war.

Das war noch nicht alles: König Karl hatte mit besonderer Beharrlichkeit, die dem Eigensinn gleichkam, auf diese Heirat gedrängt, die nicht allein den Frieden in seinem Königreich wiederherstellen, sondern auch die bedeutendsten Hugenotten Frankreichs nach Paris ziehen sollte. Da einer der Gatten der katholischen und der andere der reformierten Kirche angehörte, mußte man sich wegen der Erlaubnis notgedrungen an Gregor XIII. wenden, der damals den Papststuhl in Rom innehatte. Der Dispens ließ auf sich warten, und die Verzögerung beunruhigte die verstorbene Königin von Navarra nicht wenig; so kam sie eines Tages mit ihren Befürchtungen, daß der Dispens niemals kommen werde, zu Karl IX., der ihr antwortete: „Seien Sie unbesorgt, liebe Tante, ich verehre Sie mehr als den Papst und liebe meine Schwester mehr, als ich den Papst fürchte. Ich bin zwar kein Hugenott, aber deshalb noch lange kein Dummkopf, und wenn sich der Papst taub stellt, werde ich Margot bei der Hand nehmen und Ihrem Sohn nur protestantisch zur Ehe geben.“

Diese Worte hatten vom Louvre den Weg durch die ganze Stadt genommen und die Hugenotten hoch erfreut, die Katholiken jedoch bedenklich gestimmt; sie fragten sich im geheimen, ob der König sie nun wirklich verriet oder womöglich eine Komödie spiele, die eines schönen Morgens oder Abends einen unerwarteten Ausgang nehmen werde.

Nicht erklären konnten sie sich vor allem die Haltung Karls gegen den Admiral de Coligny, der seit fünf oder sechs Jahren einen erbitterten Krieg gegen den König führte; obwohl der König einst auf seinen Kopf einen Preis von fünfzigtausend Talern gesetzt hatte, schwor er jetzt nur noch auf ihn, nannte ihn seinen Vater und verkündete laut, er werde von nun an ihm allein die Kriegführung anvertrauen; das ging so weit, daß sich Katharina von Medici, die bisher die Handlungen, Willensäußerungen und selbst die Wünsche des jungen Königs geregelt hatte, allen Ernstes zu beunruhigen schien, und zwar nicht ohne Grund, denn in einer Stunde überschwenglicher Vertrauensseligkeit hatte Karl über den geplanten Flandernkrieg zu dem Admiral geäußert: „Mein Vater, vor einer Sache müssen wir uns hüten: Meine Mutter, die Königin, die ihre Nase, wie Sie wissen, überall hineinsteckt, darf nichts von diesem Unternehmen erfahren; wir müssen es so geheimhalten, daß sie nicht das geringste erfährt, denn eine Unruhestifterin wie sie würde uns alles verderben.“

So weise und erfahren er war, hatte Coligny einen solchen Vertrauensbeweis nicht für sich behalten können; und obwohl er sich nicht ohne argwöhnische Bedenken nach Paris begeben hatte, obwohl bei seiner Abreise von Châtillon eine Bäuerin schreiend vor ihm niedergefallen war mit der flehentlichen Bitte: „Ach, lieber, guter Herr, geht nicht nach Paris, denn dort werdet Ihr sterben, Ihr und alle, die mit Euch gehen!“ – war allmählich der Verdacht in seinem wie auch im Herzen seines Schwiegersohnes Téligny erloschen, den der König mit Freundschaftsbeweisen überschüttete, den er Bruder nannte, wie den Admiral seinen Vater, und wie die meisten seiner Freunde duzte.

Abgesehen von einigen grämlichen und mißtrauischen Geistern, waren die Hugenotten der Meinung, daß der Tod der Königin von Navarra auf eine Rippenfellentzündung zurückzuführen sei, und die weiten Säle des Louvre umfaßten eine große Anzahl dieser tapferen Protestanten, denen die Hochzeit ihres jungen Oberhauptes Henri eine unerhoffte Wiederkehr ihres Glücks zu verheißen schien. Der Admiral de Coligny, La Rochefoucault, der junge Prinz von Condé, Téligny und die Vornehmsten der Partei triumphierten, nun jene im Louvre allmächtig und in Paris willkommen zu sehen, die König Karl und die Königin Katharina noch vor drei Monaten an höhere als Mördergalgen hängen wollten. Nur den Marschall de Montmorency suchte man vergeblich unter seinen Brüdern, denn kein Versprechen hatte ihn zu verlocken, kein Schein zu trügen vermocht; er blieb auf seinem Schloß l’Ile-Adam und gab als Entschuldigung für seine Zurückgezogenheit die noch nicht geringer gewordene Trauer um den Verlust seines Vaters an, des Großkonnetabels Anne de Montmorency, der in der Schlacht bei Saint-Denis von Robert Stuart durch einen Pistolenschuß getötet wurde. Doch da das Ereignis bereits mehr als drei Jahre zurücklag und die Empfindsamkeit damals keine Modetugend war, hielt man von diesem über jedes Maß verlängerten Schmerz, was man davon halten wollte.

Übrigens gaben die Umstände dem Marschall de Montmorency unrecht: Der König, die Königin, der Herzog von Anjou und der Herzog von Alençon entledigten sich ihrer Aufgabe als Gastgeber bei dem königlichen Fest geradezu bewundernswert.

Der Herzog von Anjou nahm von den Hugenotten wohlverdiente Komplimente über seinen Anteil an den Schlachten bei Jarnac und Montcontour entgegen, die er vor Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres gewonnen hatte, als in jüngerem Alter als seinerzeit Cäsar und Alexander, mit denen er verglichen wurde, wobei aber wohlbemerkt die Sieger von Issus und Pharsala schlechter abschnitten. Der Herzog von Alençon ließ seine heuchlerisch freundlichen Augen aufmerksam umherwandern; die Königin Katharina strahlte vor Freude und überschüttete in ausgemachter Geberlaune den Prinzen Henri von Condé mit Glückwünschen zu seiner kürzlichen Heirat mit Marie von Clèves; selbst die Herren von Guise lächelten den schrecklichen Feinden ihres Hauses zu, und der Herzog von Mayenne unterhielt sich mit Herrn de Tavannes und dem Admiral über den nächsten Krieg, den Philipp II. zu erklären mehr denn je in Betracht gezogen wurde.

Durch all diese Gruppen ging und kam, den Kopf leicht zur Seite geneigt und mit offenem Ohr für alle Gespräche, ein junger Mann von neunzehn Jahren mit schönen Augen, sehr kurz geschnittenen schwarzen Haaren, dichten Wimpern, krummer Vogelnase, einem spöttischen Lächeln und gerade erst sprießendem Flaum und Backenbart. Dieser junge Mann, der sich bislang erst in der Schlacht von Arnay-le-Duc ausgezeichnet hatte, wo er sein Leben in die Schanze schlug, und der heute Glückwünsche über Glückwünsche entgegennahm, war Colignys Lieblingsschüler und der Held des Tages; vor drei Monaten, zu der Zeit also, da seine Mutter noch lebte, nannte er sich Prinz von Béarn, jetzt hieß er König von Navarra, und eines Tages würde er Henri IV. sein.

Hin und wieder verdüsterte eine flüchtige Wolke seine Stirn; zweifellos erinnerte er sich, daß seine Mutter seit kaum zwei Monaten tot war, und weniger als irgend jemand zweifelte er, daß sie vergiftet worden war. Aber die Wolke blieb nicht lange und verschwand wie ein wehender Schatten; denn die zu ihm sprachen, ihn beglückwünschten und ihn streiften, waren eben jene, von denen die beherzte Jeanne d’Albret ermordet wurde.

Wenige Schritte von dem König von Navarra entfernt, nahezu ebenso nachdenklich und ebenso bekümmert, wie sich jener fröhlich und offen zu sein mühte, sprach der junge Herzog von Guise mit Téligny. Mehr vom Glück begünstigt als der Béarner, hatte er mit zweiundzwanzig Jahren fast den Ruf seines Vaters, des großen Franz von Guise, erlangt. Er war ein Edelmann von hohem Wuchs, der sich nach der Mode kleidete, mit kühnem, stolzem Blick und so selbstverständlich majestätischer Haltung, daß sein Anblick einen Vergleich mit den anderen Fürsten herausforderte, die sich neben ihm wie gemeines Volk ausnahmen. Ungeachtet seiner Jugend sahen die Katholiken in ihm das Oberhaupt ihrer Partei, wie die Hugenotten den eben geschilderten jungen Henri von Navarra als das ihre betrachteten. Als Prinz von Joinville hatte er unter seinem Vater, der in seinen Armen starb und den Admiral de Coligny als seinen Mörder bezeichnete, bei der Belagerung von Orléans die erste Feuerprobe abgelegt. Und wie Hannibal hatte der junge Mann einen feierlichen Eid geschworen: den Tod seines Vaters an dem Admiral und seiner Familie zu rächen und ohne Rast und Ruhe jene, die seiner Religion angehörten, zu verfolgen. Er hatte Gott gelobt, sein Würgengel auf Erden zu sein bis zu dem Tag, da der letzte Ketzer ausgerottet wäre. Nicht ohne Staunen vermerkten daher die Anwesenden, wie der sonst seinem Wort so getreue Prinz jenen die Hand reichte, denen er ewige Feindschaft geschworen, und wie er sich vertraulich mit dem Schwiegersohn dessen unterhielt, den zu töten er seinem sterbenden Vater versprochen hatte.

Aber ich sagte bereits, daß dieser Abend voller Überraschungen war.

Ausgestattet mit der Fähigkeit, die Zukunft vorauszusehen, die den Menschen glücklicherweise nicht gegeben ist, und dem Talent, in Menschenherzen zu lesen, was bedauerlicherweise nur Gott vermag, hätte ein so erlesener Beobachter als Teilnehmer des Festes wahrhaftig einem der sonderbarsten Schauspiele in den Annalen der traurigen menschlichen Komödie beigewohnt.

Dieser Beobachter fehlte in den Sälen des Louvre, aber nicht auf der Straße; dort beobachtete er mit flammenden Augen und grollte mit drohender Stimme. Und dieser Beobachter war das Volk, das mit seinem durch den Haß geschärften Instinkt die Schatten seiner unversöhnlichen Feinde verfolgte und ihre Umrisse so deutlich vor Augen hatte wie ein Neugieriger vor den Fenstern eines Ballsaales die Silhouetten der Tanzenden. Die Musik berauscht den Tänzer, und ihr Rhythmus bestimmt seine Schritte, aber der Neugierige sieht nur die Bewegung und lacht über den Hampelmann, der sich ohne Sinn und Verstand abstrampelt, denn der Neugierige hört ja nicht die Musik.

Die Musik, die die Hugenotten berauschte, war die Stimme ihres Hochmuts.

Der Flammenschein der Nacht vor den Augen der Pariser war das Wetterleuchten ihres Hasses, das die Zukunft erhellte.

Und obwohl drinnen weiterhin alles eitel Fröhlichkeit war und obwohl jetzt ein noch freundlicheres und schmeichelhafteres Raunen durch den Louvre lief, so galt es doch nur der jungen Braut, die ihren Hochzeitsstaat, den schleppenden Mantel und den langen Schleier, abgelegt hatte und eben, von ihrer liebsten Freundin, der schönen Herzogin von Nevers, begleitet und geführt von ihrem Bruder, Karl IX., der sie seinen vornehmsten Gästen vorstellte, in den Ballsaal zurückgekehrt war.

Die Braut war die Tochter Henris II., die Perle in der Krone Frankreichs, Marguerite von Valois, die König Karl IX. in seiner liebevollen Zuneigung niemals anders als „meine Schwester Margot“ nannte.

Einen so schmeichelhaften Empfang hatte gewiß niemand besser verdient als sie, die in diesem Augenblick zur neuen Königin von Navarra gemacht worden war. Marguerite war zu jener Zeit kaum zwanzig Jahre alt und schon Gegenstand der Hymnen aller Dichter, die sie mit Aurora oder Venus verglichen.

Und wirklich hatte ihre Schönheit nicht ihresgleichen an diesem Hof, an den Katharina von Medici, um aus ihnen ihre Sirenen zu machen, die schönsten Frauen gezogen hatte, die sie nur finden konnte. Marguerite hatte schwarze Haare, eine leuchtende Haut, von langen Wimpern verhängte Buhlaugen, einen fein gezeichneten Purpurmund und einen anmutigen Hals, sie war von üppigem und zugleich geschmeidigem Wuchs, und in ihren Seidenpantöffelchen steckten Kinderfüße. Die Franzosen, die sich ihres Besitzes erfreuten, beobachteten voller Stolz die Entfaltung einer so herrlichen Blume auf ihrem Boden, und die Fremden, die Frankreich besuchten, kehrten zurück, geblendet von ihrer Schönheit, wenn sie Marguerite gesehen, und verblüfft von ihrem großen Wissen, wenn sie mit ihr gesprochen hatten. Denn Marguerite war nicht nur die schönste, sondern auch die belesenste Frau ihrer Zeit, und in aller Munde war das Wort eines gelehrten Italieners, der beim Abschied, nachdem er sich eine Stunde lang italienisch, spanisch, lateinisch und griechisch mit ihr unterhalten hatte, begeistert ausgerufen hatte: „Den Hof sehen, ohne Marguerite von Valois zu sehen, ist weder Frankreich noch den Hof sehen.“

Daher mangelte es König Karl IX. und der Königin von Navarra nicht an schönen Reden; denn es ist ja bekannt, welch wortreiche Redner die Hugenotten waren. Durch all das Gerede drangen viele Andeutungen über die Vergangenheit und viele Forderungen für die Zukunft an das Ohr des Königs; doch mit seinen fahlen Lippen und seinem schlauen Lächeln antwortete er nur: „Da ich meine Schwester Margot dem Henri von Navarra schenke, habe ich meine Schwester allen Protestanten des Königreiches zum Geschenk gemacht.“

Ein Wort, das die einen beruhigte und bei den andern ein Lächeln hervorrief, denn es enthielt in der Tat einen doppelten Sinn: zunächst die Meinung des Landesvaters, von der Karl IX. nach bestem Wissen und Gewissen nicht abgehen wollte, zum andern aber auch einen für die junge Frau, ihren Gatten und jenen, der es aussprach, beleidigenden Sinn, denn es gemahnte an heimliche Skandale, mit denen die Hofchronik selbst noch das Hochzeitskleid von Marguerite von Valois zu beschmutzen verstanden hatte.

Indessen unterhielt sich Herr von Guise, wie wir bereits sagten, mit Téligny, brachte jedoch dem Gespräch keine so beharrliche Aufmerksamkeit entgegen, daß er nicht mehrmals den Kopf gewandt hätte, um einen Blick auf die Damengruppe zu werfen, in deren Mitte die Königin von Navarra glänzte. Wenn der Blick der Prinzessin dem des jungen Herzogs begegnete, schien eine Wolke ihre liebreizende Stirn zu verdunkeln, um die funkelnde Diamantensterne eine zitternde Aureole woben, und ihre Ungeduld und Erregung ließen eine unbestimmbare Absicht erraten.

Prinzessin Claude, Marguerites ältere Schwester, die seit einigen Jahren mit dem Herzog von Lothringen verheiratet war, hatte diese Unruhe bemerkt und begab sich zu Marguerite, um sie nach der Ursache zu fragen, doch da jetzt jedermann der Königinmutter Platz machte, die, auf den Arm des jungen Prinzen von Condé gestützt, hereinkam, fand sich die Prinzessin weit von ihrer Schwester zurückgedrängt. Die dadurch entstandene allgemeine Bewegung benutzte der Herzog von Guise, um sich seiner Schwägerin, Madame de Nevers, und damit Marguerite zu nähern. Madame Lothringen, welche die junge Königin nicht aus den Augen gelassen hatte, sah jetzt, wie statt der Wolke, die sie bereits auf ihrer Stirn bemerkt hatte, eine heftige Röte über ihre Wangen lief. Indessen kam der Herzog immer näher, und als er nur noch zwei Schritte von Marguerite entfernt war, drehte sich diese, die ihn mehr zu fühlen als zu sehen schien, um, wobei sie sich nach Kräften bemühte, ihrem Gesicht einen ruhigen und sorglosen Ausdruck zu geben; der Herzog begrüßte sie ehrerbietig und murmelte mit leiser Stimme, indem er sich tief vor ihr verneigte: „Ipse attuli“, was soviel bedeutete wie: „Ich habe es mitgebracht“ oder „ich bringe es selber“.

Marguerite machte dem jungen Herzog ihre Reverenz und ließ, als sie sich wieder erhob, die Antwort fallen: „Noctu pro more.“ („Heute nacht wie gewöhnlich.“)

Diese leisen, von dem riesigen, steifgefältelten Kragen der Prinzessin wie durch die Windungen eines Sprachrohrs aufgefangenen Worte wurden nur von dem vernommen, an den sie gerichtet waren; doch so kurz das Gespräch auch gewesen war, enthielt es zweifellos alles, was sich die beiden jungen Menschen zu sagen hatten, denn nach diesen wenigen Worten trennten sie sich wieder, Marguerite mit verträumterem und der Herzog mit strahlenderem Gesicht als zuvor, ehe sie sich gegenübergestanden hatten. Dies kleine Zwischenspiel ereignete sich, ohne daß ihm jener Mann, den es am meisten anging, offenbar die geringste Aufmerksamkeit schenkte; denn der König von Navarra hatte nur Augen für eine einzige Frau, die einen fast ebenso zahlreichen Hof wie Marguerite von Valois um sich versammelt hatte, für die schöne Madame de Sauves.

Charlotte de Beaune-Semblançay, Enkelin des unglücklichen Semblançay und Gattin des Simon de Fizes, Baron de Sauves, war eine Ehrendame Katharinas von Medici und eine der gefürchtetsten Bundesgenossinnen der Königin, die den Feinden der Königin, wenn diese ihnen kein florentinisches Gift zu verabreichen wagte, den Liebestrank einflößte; klein, blond, bald sprühend vor Lebhaftigkeit, bald niedergedrückt von Schwermut, aber immer bereit zu Liebe und Intrige, den beiden gewichtigen Angelegenheiten, die seit fünfzig Jahren den Hof der drei aufeinanderfolgenden Könige beschäftigten, war Madame de Sauves in der vollen Bedeutung des Wortes und dem ganzen Reiz seines Sinnes von ihren schmachtenden oder flammensprühenden blauen Augen bis zu den kecken, rundlichen Füßchen in den Samtpantöffelchen Frau und hatte sich seit einigen Monaten so vollständig aller Gaben des Königs von Navarra, der damals erst am Beginn seiner amourösen wie auch seiner politischen Laufbahn stand, bemächtigt, daß Marguerite von Navarra, die strahlende, königliche Schönheit, im Herzen ihres Gatten nicht einmal mehr Bewunderung fand; und sonderbarerweise hatte Katharina von Medici – selbst bei einer so von Dunkelheiten und Geheimnissen erfüllten Seele mußte sich jedermann darüber verwundern –, während sie den Heiratsplan ihrer Tochter mit dem König von Navarra verfolgte, nicht aufgehört, seine Liebschaft mit Madame de Sauves nahezu unverhüllt zu begünstigen.

Doch trotz dieser mächtigen Hilfe und ungeachtet der leichten Sitten jener Zeit, hatte die schöne Charlotte bisher widerstanden, und dieser unbekannte, unglaubliche und ungewöhnliche Widerstand hatte mehr noch als ihre Schönheit und ihr Geist im Herzen des Béarners eine Leidenschaft erweckt, die sich in sich selbst zurückzog, da sie nicht erhört wurde, und aus dem Herzen des jungen Königs Schüchternheit, Stolz und sogar die halb philosophische, halb lässige Sorglosigkeit getilgt, die den Grundzug seines Charakters bildete.

Madame de Sauves hatte erst vor wenigen Minuten den Ballsaal betreten; zuerst war sie aus Verdruß oder Schmerz entschlossen gewesen, keineswegs dem Triumph ihrer Rivalin beizuwohnen, und hatte ihren Gatten, der seit fünf Jahren Staatssekretär war, unter dem Vorwand eines Unwohlseins allein zum Louvre gehen lassen; doch als Katharina von Medici den Baron de Sauves ohne seine Frau bemerkte, forschte sie nach den Ursachen, die ihre heißgeliebte Charlotte fernhielten, und nachdem sie erfahren hatte, daß es sich nur um ein leichtes Unwohlsein handele, schrieb sie ihr ein paar Zeilen, denen die junge Frau notgedrungen Folge leisten mußte. Wie sehr sich Henri zuerst auch über ihre Abwesenheit betrübte – als er Monsieur de Sauves allein eintreten sah, atmete er doch erleichtert auf; aber gerade in dem Augenblick, als er sich seufzend dem liebenswerten Geschöpf näherte, das er von nun an, wenn auch nicht zu lieben, so aber doch als Gattin zu behandeln verdammt war, sah er, der ihr Erscheinen durchaus nicht mehr erwartete, Madame de Sauves am Ende des Saales auftauchen; er blieb wie angenagelt stehen, die Augen auf diese Circe geheftet, die ihn wie mit einem Zauberband an sich kettete, und statt sich seiner Frau zuzuwenden, ging er mit einer zögernden Bewegung, in der mehr Erstaunen als Scheu zu liegen schien, auf Madame de Sauves zu.

Die Höflinge, die den König von Navarra, dessen entflammbares Gemüt sie bereits kannten, der schönen Charlotte entgegengehen sahen, hatten nicht das Herz, sich der Begegnung hindernd in den Weg zu stellen; sie entfernten sich gefällig, so daß Henri im selben Augenblick, als Marguerite von Valois und der Herzog von Guise die bereits erwähnten lateinischen Worte wechselten, bei Madame de Sauves ankam und mit ihr in sehr verständlichem, wenn auch mit Gascogner Akzent gefärbtem Französisch eine bedeutend weniger geheimnisvolle Unterhaltung begann.

„Ah, meine Freundin!“ rief er aus. „Da sind Sie nun doch gekommen, und gerade, als man mir sagte, Sie wären krank, und als ich jede Hoffnung verloren hatte, Sie zu sehen!“

„Euer Majestät wollen mich glauben machen“, erwiderte Madame de Sauves, „es wäre Sie sehr schwer angekommen, diese Hoffnung zu verlieren?“

„Donnerwetter, das glaube ich wohl!“ erwiderte der Béarner. „Wissen Sie denn nicht, daß Sie die Sonne meiner Tage und der Stern meiner Nächte sind? Wahrhaftig glaubte ich mich eben in der tiefsten Dunkelheit, als Sie plötzlich erschienen und alles erleuchteten.“

„Und dennoch ist es ein schlechter Streich, den ich Ihnen spiele, Monseigneur.“

„Was wollen Sie damit sagen, meine Freundin?“ fragte Henri.

„Ich will damit sagen, daß man sich als Herr der schönsten Frau von Frankreich einzig und allein wünschen müßte, das Licht verlösche und mache der Dunkelheit Platz, denn nur in der Dunkelheit erwartet uns das Glück.“

„Sie Böse, Sie wissen sehr wohl, daß dieses Glück nur in den Händen einer einzigen Person ruht und daß diese Person über den armen Henri lacht und ihn verspottet.“

„Oh!“ erwiderte die Baronin. „Ich sollte im Gegenteil meinen, daß diese Person Spielzeug und Spott des Königs von Navarra gewesen ist.“

Henri war verblüfft über ihre feindselige Haltung, überlegte indessen jedoch, daß sie Verdruß verriet und daß sich hinter dem Verdruß die Liebe verbirgt.

„Sie machen mir wirklich einen ungerechten Vorwurf, liebe Charlotte“, sagte er, „und ich begreife nicht, wie ein so schöner Mund zugleich so hart sein kann. Glauben Sie denn, ich wäre diese Heirat eingegangen? Heiliger Strohsack! Nein! Ich nicht!“

„Vielleicht ich!“ erwiderte die Baronin mit so scharfer Stimme, wie nur die Stimme einer Frau klingen kann, die uns liebt und uns vorwirft, daß wir sie nicht lieben.

„Daß Sie mit Ihren schönen Augen nicht weiter gesehen haben, Baronin! Nein, nein, es ist nicht Henri von Navarra, der Marguerite von Valois heiratet.“

„Wer denn sonst?“

„Heiliger Bimbam! Die reformierte Kirche den Papst, das ist alles.“

„Nein, nein, Monseigneur, auf Ihre Wortspielereien lasse ich mich nicht ein: Euer Majestät lieben Madame Marguerite, und ich mache Ihnen das auch gar nicht zum Vorwurf, Gott behüte! Sie ist schön genug, um geliebt zu werden.“

Henri überlegte einen Augenblick, und während er überlegte, hob ein leichtes Lächeln seine Mundwinkel.

„Baronin“, sagte er, „mir scheint, Sie suchen Streit mit mir, und zwar ganz zu Unrecht; denn sehen Sie, was haben Sie getan, um meine Ehe mit Madame Marguerite zu verhindern? Nichts; im Gegenteil, Sie haben mir nie eine Hoffnung gelassen.“

„Und daran habe ich recht getan, Monseigneur!“ erwiderte Madame de Sauves.

„Warum denn?“

„Natürlich, weil Sie sich heute mit einer anderen vermählen.“

„Ach, ich heirate sie, weil Sie mich nicht lieben.“

„Wenn ich Sie geliebt hätte, Sire, müßte ich in einer Stunde sterben!“

„In einer Stunde? Was wollen Sie damit sagen, und welchen Tod würden Sie sterben?“

„Vor Eifersucht . . . denn in einer Stunde wird die Königin von Navarra ihre Frauen fortschicken und Euer Majestät die Edelleute.“

„Und Sie beschäftigen sich wahrhaftig mit solchen Gedanken, meine Freundin?“

„Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, daß sie mich entsetzlich beschäftigen würden, wenn ich Sie liebte.“

„Nun“, rief Henri, außer sich vor Freude über dies Geständnis – das erste, das er von ihr hörte –, „und wenn der König von Navarra seine Edelleute heute abend nicht fortschickte?“

„Sire“, erwiderte Madame de Sauves und sah den König mit einer Verwunderung an, die dieses Mal nicht gespielt war, „Sie sagen ganz unmögliche und überaus unglaubliche Dinge.“

„Was kann ich tun, damit Sie mir glauben?“

„Sie müßten es mir beweisen, und diesen Beweis können Sie mir nicht geben.“

„Doch, Baronin, doch! Beim heiligen Heinrich! Im Gegenteil, diesen Beweis werde ich Ihnen geben“, rief der König, wobei er die junge Frau mit einem flammenden Liebesblick verschlang.

„Oh, Euer Majestät!“ flüsterte die schöne Charlotte mit leiser Stimme und schlug die Augen nieder. „Ich verstehe nicht . . . Nein, nein! Es ist unmöglich, daß Sie sich dem Glück entziehen wollten, das Sie erwartet.“

„Angebetete, in diesem Saal gibt es mehrere Henris“, erwiderte der König, „Henri von Frankreich, Henri von Condé und Henri von Guise; aber es gibt nur einen Henri von Navarra.“

„Ja, und?“

„Nun, wenn Sie diesen Henri von Navarra die ganze Nacht bei sich hätten?“

„Die ganze Nacht?“

„Ja, wenn Sie ganz sicher wären, daß er nicht bei einer anderen ist?“

„Ach, wenn Sie das täten, Sire!“ rief die Dame Sauves.

„Ehrenwort, ich tu’s.“

Madame de Sauves hob ihre großen, von wollüstigen Verheißungen feuchten Augen und lächelte den König an, dem berauschende Freude das Herz erfüllte.

„Nun“, fragte Henri, „was würden Sie dann sagen?“

„Oh! Dann“, erwiderte Charlotte, „dann würde ich sagen, daß mich Euer Majestät wahrhaft lieben.“

„Heiliger Strohsack! Sie werden es sagen, denn es ist so, Baronin.“

„Aber wie soll das nur geschehen?“ flüsterte Madame de Sauves.

„Bei Gott, Baronin, haben Sie nicht eine Kammerfrau, eine Untergebene, irgendein Mädchen, auf das Sie sich verlassen können?“

„Ja, ich habe Dariole, die mir so ergeben ist, daß sie sich für mich in Stücke reißen ließe, eine wahre Perle.“

„Sagen Sie dem Mädchen, daß ich ihr Glück machen werde, wenn ich König von Frankreich bin, wie mir die Astrologen geweissagt haben.“

Charlotte lächelte, denn zu jener Zeit stand der Béarner in bezug auf Versprechungen bereits im Ruf eines Gascogners, das heißt eines Aufschneiders.

„So“, sagte sie, „und was wünschen Sie von Dariole?“

„Von ihr wenig, für mich alles.“

„Und was?“

„Ihr Zimmer liegt über dem meinen.“

„Ja.“

„Sie soll hinter der Tür warten. Ich werde dreimal leise anklopfen, sie wird öffnen, und Sie werden den Beweis erhalten, den ich Ihnen versprochen habe.“

Madame de Sauves schwieg einige Sekunden, dann warf sie, als wolle sie erst Umschau halten, ob auch niemand sie höre, einen Blick auf die Gruppe, in der sich die Königinmutter befand; doch so rasch es auch geschah, es genügte Katharina und ihrer Ehrendame, sich mit den Augen zu verständigen.

„Oh“, sagte Madame de Sauves mit einem Sirenenklang in der Stimme, der in Odysseus’ Ohren das Wachs hätte schmelzen lassen, „wenn ich nun Euer Majestät auf einer Lüge ertappen wollte . . .“

„Versuchen Sie es, liebe Freundin, versuchen Sie es . . .!“

„Meiner Treu! Ich schwöre, daß es mich schwer ankommt, dem Verlangen zu widerstehen.“

„Lassen Sie sich besiegen: Niemals sind die Frauen so stark wie nach ihrer Niederlage.“

„Sire, ich halte mich den Tag, da Sie König von Frankreich sein werden, an Ihr Versprechen zu Darioles Gunsten.“

Henri schrie auf vor Freude.

Im selben Augenblick, als dem Béarner dieser Schrei entfuhr, antwortete die Königin von Navarra dem Herzog von Guise: „Noctu pro more. Heute nacht wie gewöhnlich.“

Henri entfernte sich so glücklich von Madame de Sauves, wie der Herzog von Guise Marguerite von Valois verließ.

Eine Stunde nach diesem doppelten Zwischenspiel, das wir eben schilderten, zogen sich König Karl und die Königinmutter in ihre Gemächer zurück; gleich darauf begannen sich die Säle zu leeren, und die Galerien zeigten ihre Marmorsäulen bis zum Fuß. Der Admiral und der Prinz von Condé wurden von vierhundert hugenottischen Edelleuten durch die grollende Menge heimgeführt. Dann ging auch Henri von Guise mit seinen lothringischen Edelleuten und den Katholiken, von Freudenschreien und dem Beifall des Volkes begleitet.

Marguerite von Valois, Henri von Navarra und Madame de Sauves blieben, wie wir wissen, im Louvre.

2Das Zimmer der Königin von Navarra

Der Herzog von Guise führte seine Schwägerin, die Herzogin von Nevers, in ihr Haus zurück, das in der Rue du Chaume, gegenüber der Rue de Brac, lag, und nachdem er sie ihren Frauen überlassen hatte, begab er sich in seine Gemächer, um die Kleidung zu wechseln, das heißt einen dunklen Mantel überzuwerfen und sich mit einem dieser kurzen und spitzen Dolche, die man damals „das Ehrenwort eines Edelmannes“ nannte, zu bewaffnen; doch als er den Dolch von seinem Platz auf dem Tisch nahm, bemerkte er zwischen Klinge und Scheide ein kleines zusammengefaltetes Billett.

Er öffnete es und las: „Ich wünschte, Monsieur de Guise kehrte diese Nacht nicht in den Louvre zurück oder versähe sich andernfalls zumindest mit einem guten Panzerhemd und einem guten Degen.“

„So, so“, murmelte der Herzog und wandte sich zu seinem Kammerdiener um, „das ist eine sonderbare Warnung, Monsieur Robin. Haben Sie die Freundlichkeit, mir zu berichten, wer in meiner Abwesenheit hier eingedrungen ist.“

„Nur ein einziger, Monseigneur.“

„Wer?“

„Monsieur Du Guast.“

„So, so! Mir kam es doch gleich so vor, als kenne ich die Schrift. Und du bist sicher, daß es Du Guast war? Du hast ihn gesehen?“

„Mehr noch, Monseigneur, ich habe mit ihm gesprochen.“

„Gut, dann werde ich seinem Rat folgen. Mein Panzerhemd und meinen Degen.“

Der mit solchem Kleidungswechsel vertraute Kammerdiener brachte eins wie das andere. Der Herzog zog erst das Panzerhemd an, dessen geschmeidiges Metallgewebe nicht dicker als Samt war; darüber zog er Hosen und ein Wams in seinen Farben Grau und Silber, lange Stiefel, die ihm bis zur halben Wade reichten, bedeckte sich mit einem schwarzen Samtbarett ohne Federn und Edelsteine, hüllte sich in einen Mantel von dunkler Farbe, steckte einen Dolch in den Gürtel und gab einem Pagen, dem einzigen Begleiter, den er mitnehmen wollte, den Degen zu tragen; so machte er sich auf den Weg zum Louvre.

Als er den Fuß auf die Schwelle des Hauses setzte, hatte der Wächter von Saint-Germain-l’Auxerrois eben die erste Morgenstunde verkündet. Trotz der vorgerückten Stunde und der damaligen Unsicherheit der Straßen blieb unser abenteuerlustiger Prinz unterwegs unbehelligt und erreichte wohlbehalten und sicher das gewaltig aufstrebende, massige Gebäude des alten Louvre, in dem nach und nach alle Lichter erloschen waren, so daß es zu dieser Stunde in bedrückendem Schweigen und Dunkel lag.

Vor dem Königsschloß zog sich ein tiefer Graben hin, auf den die meisten Fürstenzimmer des Palais blickten. Marguerites Gemächer lagen im ersten Stockwerk.

Aber dies erste Stockwerk – zugänglich, wenn nicht der Graben gewesen wäre – befand sich dank der Verschanzung in einer Höhe von beinahe dreißig Fuß und deshalb außerhalb der Reichweite von Liebhabern und Dieben, was jedoch den Herzog von Guise nicht hinderte, entschlossen in den Graben hinunterzusteigen.

Gleich darauf hörte er, wie ein Fenster zu ebener Erde geöffnet wurde. Das Fenster war vergittert, aber eine Hand erschien, hob einen Eisenstab heraus und ließ durch diese Öffnung eine seidene Schnur niederfallen.

„Bist du’s, Gillonne?“ fragte der Herzog mit leiser Stimme. „Ja, Monseigneur“, erwiderte die Stimme einer Frau, ebenfalls sehr leise.

„Und Marguerite?“

„Sie erwartet Euch.“

„Gut.“

Nach diesen Worten gab der Herzog seinem Pagen ein Zeichen, der sogleich seinen Mantel öffnete und eine Strickleiter entrollte. Der Prinz knüpfte ein Ende der Leiter an die pendelnde Schnur. Gillonne zog die Strickleiter hoch und befestigte sie, und nachdem der Prinz seinen Degen in den Gürtel gehängt hatte, begann er hinaufzuklettern, was ohne Zwischenfall vor sich ging. Hinter ihm wurde der Stab wieder eingesetzt und das Fenster geschlossen, und der Page streckte sich, nachdem er seinen Herrn ungehindert in den Louvre hatte einsteigen sehen, zu dessen Fenstern er ihn zwanzigmal auf dieselbe Weise begleitet hatte, in seinen Mantel gehüllt, im Schatten der Mauer ins Gras und zum Schlaf nieder.

Es war eine dunkle Nacht, und aus den schwefel- und elektrizitätsgeladenen Wolken fielen hin und wieder große laue Tropfen.

Der Herzog von Guise folgte seiner Führerin, die keine geringere als die Tochter des Marschalls von Frankreich, Jacques de Matignon, und die innigste Vertraute Marguerites war, vor der die Königin kein Geheimnis hatte; allgemein wurde angenommen, unter der Vielzahl von Geheimnissen, die ihre unverrückbare Treue bewahrte, wären so schreckliche, daß sie durch diese gezwungen sei, auch die anderen zu hüten.

Weder in den unteren Zimmern noch auf den Gängen gab es noch Licht, nur ein fahler Blitz erleuchtete von Zeit zu Zeit die dunklen Räume mit einem flüchtigen bläulichen Widerschein.

Der Herzog, immer noch von seiner Führerin bei der Hand geleitet, erreichte schließlich eine in die dicke Mauer eingelassene Wendeltreppe, die vor einer unsichtbaren Geheimtür zu Marguerites Vorzimmer endete.

Das Vorzimmer lag wie die unteren Räume in tiefster Dunkelheit.

Als sie dort angekommen waren, blieb Gillonne stehen.

„Haben Sie mitgebracht, was die Königin wünscht?“ fragte sie mit leiser Stimme.

„Ja“, erwiderte der Herzog von Guise, „aber ich werde es nur Ihrer Majestät geben.“

„Dann kommen Sie und verlieren Sie keinen Augenblick!“ sagte aus der Dunkelheit eine Stimme, die den Herzog erschauern ließ, denn er erkannte Marguerite.

Gleich darauf wurde ein violetter, mit goldenen Lilien bestickter Vorhang aufgehoben, und der Herzog sah im Halbdunkel die Königin, die ihm ungeduldig entgegengeeilt war.

„Da bin ich, Madame“, sagte der Herzog.

Rasch verschwand er hinter dem Vorhang, der wieder herabfiel. Nun war es an Marguerite von Valois, den Besucher weiter in ihre Gemächer – die ihm übrigens wohlbekannt waren – zu führen, nachdem die an der Tür zurückgebliebene Gillonne ihre königliche Herrin mit auf den Mund gelegtem Finger beruhigt hatte.

Da Marguerite die eifersüchtige Unruhe des Herzogs nicht entgangen war, führte sie ihn bis in ihr Schlafzimmer, wo sie stehenblieb.

„Nun“, fragte sie, „sind Sie zufrieden, Herzog?“

„Zufrieden, Madame . . .?“ fragte er zurück. „Ich bitte Sie! Was sollte mich veranlassen?“

„Dieser Beweis, den ich Ihnen gebe“, entgegnete Marguerite mit leicht verdrießlicher Stimme, „daß ich einem Mann gehöre, der am Abend seiner Hochzeit und selbst in der Hochzeitsnacht so wenig Wert auf mich legt, daß er nicht einmal gekommen ist, um sich für die Ehre zu bedanken, die ich ihm erwies – nicht weil ich ihn erwählte, aber weil ich ihn als Gatten billigte.“

„Oh, Madame“, sagte der Herzog bekümmert, „beruhigen Sie sich, er wird kommen, vor allem, wenn Sie es wünschen.“

„Und das sagen Sie, Henri?“ rief Marguerite. „Sie, der Sie besser als jeder andere wissen, daß das Gegenteil richtig ist? Wenn es mich danach verlangte, was Sie mir unterschieben, hätte ich Sie dann gebeten, in den Louvre zu kommen?“

„Sie haben mich gebeten, in den Louvre zu kommen, Marguerite, weil Sie jede Spur unserer Vergangenheit zu tilgen wünschen, und das Vergangene lebt nicht allein in meinem Herzen, sondern auch in der silbernen Truhe, die ich Ihnen bringe.“

„Henri, muß ich Ihnen erst sagen, daß Sie mir nicht wie ein Fürst, sondern wie ein Schüler vorkommen?“ erwiderte Marguerite und sah den Herzog fest an. „Ich sollte leugnen, daß ich Sie geliebt habe? Ich sollte eine Flamme auslöschen wollen, die vielleicht einmal sterben wird, deren Widerschein aber nie vergeht? Denn die Liebe von Leuten meines Ranges erleuchtet und verschlingt mitunter das ganze Zeitalter, dem sie angehören. Nein, nein, lieber Herzog! Sie können die Briefe Ihrer Marguerite und die Truhe, die ich Ihnen gegeben habe, behalten. Ich fordere die Briefe in der Truhe nicht zurück, außer einem, und den auch nur, weil dieser Brief für Sie wie für mich gleich gefährlich ist.“

„Alle gehören Ihnen“, sagte der Herzog, „suchen Sie also den heraus, den Sie zu vernichten wünschen.“

Marguerite durchwühlte rasch die geöffnete Truhe und zog mit zitternder Hand nacheinander ein Dutzend Briefe heraus, wobei sie sich damit zufriedengab, nur die Anschriften zu lesen, als riefe ihr allein der Anblick dieser Anschriften ins Gedächtnis zurück, was die Briefe enthielten; als sie am Ende dieser Prüfung angelangt war, sah sie den Herzog an und sagte totenblaß: „Monsieur, der gesuchte ist nicht darunter. Sollten Sie ihn zufällig verloren haben, denn daß Sie ihn preisgegeben hätten . . .“

„Welchen Brief suchen Sie, Madame?“

„In dem ich Ihnen schrieb, Sie sollten sich ohne Säumen verheiraten.“

„Um Ihre Untreue zu rechtfertigen?“

Marguerite zuckte die Achseln. „Nein, sondern um Ihnen das Leben zu retten. Als ich Ihnen schrieb, der König habe angesichts unserer Liebe und der Anstrengungen, die ich machte, um Ihre künftige Verbindung mit der Infantin von Portugal zu hintertreiben, seinen Bruder, den Bastard Angoulême, kommen lassen und ihm zwei Degen gezeigt und gesagt: ,Mit diesem tötest du heute abend Henri von Guise, andernfalls werde ich dich morgen mit jenem töten.‘ Wo ist dieser Brief?“

„Hier“, erwiderte der Herzog von Guise und zog ihn aus seiner Brust.

Marguerite riß ihn fast aus seinen Händen, öffnete ihn gierig, überzeugte sich, daß es der bewußte war, stieß einen Freudenschrei aus und hielt ihn an die Kerze. Sogleich bemächtigte sich die Flamme des Papiers, das im nächsten Augenblick verbrannt war; und als fürchte Marguerite, man könnte den unvorsichtigen Rat selbst noch in der Asche aufstöbern, zertrat sie die Reste mit dem Fuß.

Der Herzog von Guise hatte seine Geliebte bei dieser fieberhaften Tätigkeit nicht aus den Augen gelassen.

„Nun, Marguerite“, fragte er, als sie am Ende war, „sind Sie jetzt zufrieden?“

„Ja, denn jetzt, da Sie die Fürstin von Porcian geheiratet haben, wird mir mein Bruder Ihre Liebe verzeihen; wie aber hätte er mir die Enthüllung eines solchen Geheimnisses verziehen, das ich in meiner Schwäche für Sie nicht die Kraft hatte, Ihnen zu verbergen.“

„Das ist wahr“, sagte der Herzog von Guise, „damals liebten Sie mich.“

„Und ich liebe Sie noch, Henri, ebensosehr und mehr denn je.“

„Sie?“

„Ja, ich; denn nie brauchte ich mehr als heute einen ernsthaften und ergebenen Freund. Ich bin Königin und habe keinen Thron; ich bin eine verheiratete Frau und habe keinen Gatten.“

Der junge Fürst schüttelte traurig den Kopf.

„Aber wenn ich Ihnen sage, wenn ich Ihnen wiederhole, Henri, daß mich mein Gatte nicht liebt, mehr noch, daß er mich haßt, mich verachtet! Übrigens scheint mir Ihre Anwesenheit in dem Zimmer, in dem er sein sollte, der beste Beweis für diesen Haß und diese Verachtung.“

„Es ist noch nicht spät, Madame, und der König von Navarra braucht Zeit, um seine Edelleute zu beurlauben; wenn er bis jetzt nicht gekommen ist, so wird es doch nicht mehr lange dauern.“

„Und ich sage Ihnen“, rief Marguerite mit wachsendem Ärger, „ich sage Ihnen, daß er nicht kommen wird.“

„Madame“, rief Gillonne, die die Tür geöffnet und den Vorhang gehoben hatte, „Madame, der König von Navarra verläßt sein Zimmer.“

„Oh, ich wußte es, ich wußte, daß er kommen würde!“ rief der Herzog von Guise.

„Henri“, sagte Marguerite mit atemloser Stimme und griff nach der Hand des Herzogs, „Henri, Sie werden sehen, daß ich eine Frau von Wort bin und daß man sich darauf verlassen kann, was ich einmal versprochen habe. Gehen Sie in dies Kabinett, Henri.“

„Madame, lassen Sie mich fort, solange es noch Zeit ist; bedenken Sie, daß ich bei seinem ersten Liebesbeweis aus dem Kabinett stürzen werde, und dann Gnade ihm!“

„Sie sind verrückt! Gehen Sie dort hinein, gehen Sie, sage ich Ihnen, ich stehe für alles ein!“

Damit stieß sie den Herzog in das Kabinett.

Es war höchste Zeit. Kaum hatte sich die Tür hinter dem Fürsten geschlossen, als der König von Navarra, von zwei Pagen begleitet, die acht rosa Wachskerzen in zwei Leuchtern trugen, lächelnd auf der Schwelle des Zimmers erschien.

Marguerite verbarg ihre Unruhe in einem tiefen Hofknicks.

„Sie sind noch nicht zu Bett, Madame“, fragte der Béarner mit seinem offenen, fröhlichen Gesicht, „sollten Sie mich erwartet haben?“

„Nein, Monsieur“, erwiderte Marguerite, „denn noch gestern sagten Sie mir, Sie wüßten sehr wohl, daß unsere Heirat eine politische Verbindung sei, und Sie würden mich niemals zwingen.“

„Ganz recht, aber das ist durchaus kein Grund, um nicht ein wenig miteinander zu plaudern – Gillonne, schließen Sie die Tür und lassen Sie uns allein.“

Marguerite, die sich gesetzt hatte, stand auf und streckte die Hand aus, wie um den Pagen zu befehlen, daß sie bleiben sollten.

„Soll ich Ihre Frauen rufen?“ fragte der König. „Ich werde es tun, wenn Sie es wünschen, obwohl ich Ihnen gestehen muß, daß ich die Dinge, die ich Ihnen zu sagen habe, lieber unter vier Augen mit Ihnen besprechen würde.“

Damit näherte sich der König von Navarra dem Kabinett.

„Nein!“ rief Marguerite und trat ihm ungestüm in den Weg. „Nein, es ist nicht nötig, ich bin bereit, Sie anzuhören.“

Der Béarner wußte, was er wissen wollte; er warf einen raschen, tiefgründigen Blick nach dem Kabinett, als hätte er trotz der Tür, die alles verhüllte, in seine tiefsten Tiefen dringen wollen; dann wandte er die Augen seiner schönen Gattin zu, die bleich vor Entsetzen war. „Also dann, Madame“, sagte er mit völlig ruhiger Stimme, „plaudern wir ein wenig.“

„Wie es Euer Majestät beliebt“, erwiderte die junge Frau und sank zurück, sobald sie in dem von ihrem Gatten bezeichneten Sessel Platz genommen hatte.

Der Béarner setzte sich neben sie.

„Madame“, fuhr er fort, „was auch viele Leute sagen mögen, ich glaube, unsere Heirat ist eine gute Heirat. Ich passe zu Ihnen, und Sie passen zu mir.“

„Aber . . .“, wandte Marguerite erschrocken ein.

„Folglich müssen wir“, fuhr der König von Navarra fort, ohne anscheinend Marguerites Zögern zu bemerken, „einer gegen den andern wie gute Verbündete handeln, weil wir heute vor Gott Treue gelobt haben. Ist das nicht auch Ihre Meinung?“

„Natürlich, Monsieur.“

„Ich weiß, Madame, wie umfassend Ihr durchdringender Verstand ist, ich weiß, daß der Hof ein Boden für gefährliche Abgründe ist; nun, ich bin jung, und obwohl ich keinem je etwas Böses angetan habe, besitze ich zahllose Feinde. In welchem Lager, Madame, habe ich die zu suchen, die meinen Namen trägt und mir am Altar Liebe geschworen hat?“

„Oh, Monsieur, könnten Sie glauben . . .“

„Ich glaube nichts, Madame, ich hoffe, und ich will mich überzeugen, daß meine Hoffnung begründet ist. Sicher ist, daß unsere Heirat nur ein Vorwand oder eine Falle ist.“

Marguerite fuhr zusammen, denn vielleicht war auch ihr dieser Gedanke in den Sinn gekommen.

„In welchem Lager?“ wiederholte Henri von Navarra. „Der König haßt mich, der Herzog von Anjou haßt mich, der Herzog von Alençon haßt mich, und Katharina von Medici haßte meine Mutter zu sehr, um mich nicht gleichfalls zu hassen.“

„Monsieur, was sagen Sie da?“

„Die Wahrheit, Madame“, erwiderte der König, „und ich wünschte – damit man nicht glaubt, ich ließe mich über den Meuchelmord an Herrn de Mouy und den Giftmord an meiner Mutter dumm machen –, ich wünschte, jemand wäre hier und könnte mir zuhören.“

„Ach, Monsieur“, erwiderte Marguerite rasch und mit dem ruhigsten und lächelndsten Gesicht, das sie zu zeigen vermochte, „Sie wissen doch sehr gut, daß außer Ihnen und mir niemand hier ist.“

„Und das ist es gerade, worauf ich mich verlasse, das ist es, weshalb ich Ihnen zu sagen wage, daß ich weder auf die Schmeicheleien des Hauses Frankreich noch auf die des Hauses Lothringen hereinfalle.“

„Sire! Sire!“ rief Marguerite.

„Nun, nun, was gibt es, liebe Freundin?“ fragte Henri, ebenfalls lächelnd.

„Nur, daß solche Unterhaltungen sehr gefährlich sind, Monsieur.“

„Nicht unter vier Augen“, erwiderte der König. „Ich sage Ihnen also . . .“

Marguerite saß sichtlich wie auf Kohlen, sie hätte jedes Wort auf den Lippen des Béarners zurückhalten mögen, doch Henri fuhr in seiner scheinbaren Biederkeit fort: „Ich sage Ihnen also, daß ich von allen Seiten bedroht bin: bedroht durch den König, bedroht durch den Herzog von Alençon, bedroht durch den Herzog von Anjou, bedroht durch die Königinmutter, bedroht durch den Herzog von Guise, durch den Herzog von Mayenne, durch den Kardinal von Lothringen, bedroht von aller Welt. Man fühlt so etwas instinktiv, Sie wissen das, Madame. Nun ja, gegen alle diese Bedrohungen, die sich über kurz oder lang zu Angriffen auswachsen werden, kann ich mich mit Ihrer Hilfe verteidigen; denn Sie werden von all jenen Personen, die mich verabscheuen, geliebt.“

„Ich?“ wiederholte Marguerite.

„Ja, Sie“, entgegnete Henri von Navarra mit lückenloser Biederkeit, „ja, Sie werden von König Karl geliebt, Sie werden vom Herzog von Alençon geliebt, wie er ausdrücklich betont, Sie werden von der Königin Katharina geliebt, und vom Herzog von Guise werden Sie schließlich auch geliebt.“

„Monsieur“, murmelte Marguerite.

„Was ist daran erstaunlich, daß alle Welt Sie liebt? Die ich Ihnen eben aufzählte, sind Ihre Brüder und Verwandten. Seine Verwandten und Brüder lieben ist nach dem Herzen Gottes leben.“

„Worauf wollen Sie hinaus?“ fragte Marguerite bedrückt.

„Ich will auf das hinaus, was ich Ihnen gesagt habe: Wenn Sie mir, ich sage nicht eine Freundin, aber eine Verbündete sein würden, könnte ich allem trotzen; wenn Sie mir dagegen feindlich gesinnt wären, dann bin ich verloren.“

„Oh! Ihre Feindin? Niemals, Monsieur“, rief Marguerite.

„Aber meine Freundin auch niemals . . .?“

„Vielleicht.“

„Und meine Verbündete?“

„Ganz gewiß.“

Damit wandte sich Marguerite dem König zu und reichte ihm ihre Hand.

Henri nahm sie, küßte sie galant und hielt sie fest, mehr von dem Verlangen zu erforschen als einem zärtlichen Gefühl bewegt.

„Ich glaube Ihnen, Madame“, sagte er, „und begrüße Sie als meine Verbündete. Man hat uns verheiratet, ohne daß wir uns kannten, ohne daß wir uns liebten; man hat uns verheiratet, ohne uns, die verheiratet wurden, zu fragen. Wir müssen daher durchaus nicht wie Mann und Frau leben. Wie Sie sehen, Madame, komme ich Ihren feierlichen Gelübden zuvor und bekräftige heute abend, was ich Ihnen gestern sagte. Dagegen verbünden wir uns aus freien Stücken, ohne daß uns jemand dazu zwingt; wir verbünden uns als zwei Menschen ohne Falsch, die einander schützen sollen und zueinander stehen; so haben Sie es doch wohl im Sinn?“

„Ja, Monsieur“, antwortete Marguerite und versuchte ihre Hand zurückzuziehen.

„Nun“, fuhr der Béarner fort, wobei er die Tür zum Kabinett nicht aus den Augen ließ, „da der erste Beweis eines ehrlichen Bündnisses schrankenloses Vertrauen ist, Madame, möchte ich Ihnen den Plan, den ich gefaßt habe, um all diese Feindschaften siegreich zu bekämpfen, bis in die geheimsten Einzelheiten unterbreiten.“

„Monsieur . . .“, murmelte Marguerite und drehte sich jetzt ebenfalls und gegen ihren Willen nach dem Kabinett um, während der Béarner, der seine List gelungen sah, in seinen Bart lächelte.

„Was ich also tun möchte, ist folgendes“, fuhr er fort, ohne anscheinend die Unruhe der jungen Frau zu bemerken, „ich möchte . . .“

„Monsieur!“ rief Marguerite, wobei sie sich rasch erhob und nach dem Arm des Königs griff. „Erlauben Sie, daß ich erst Atem hole . . . die Aufregung . . . die Hitze . . . ich ersticke.“

Und wirklich war Marguerite bleich und zitterte, als sollte sie ohnmächtig auf den Teppich fallen.

Henri ging auf ein etwas entfernt gelegenes Fenster zu und öffnete es. Das Fenster erhob sich über dem Fluß.

Marguerite folgte ihm.

„Schweigen Sie! Schweigen Sie, Sire! Um Ihretwillen!“ flüsterte sie.

„Aber, Madame“, sagte der Béarner und lächelte auf seine Art, „sagten Sie mir nicht, wir sind allein?“

„Ja, Monsieur, aber haben Sie denn nichts davon gehört, daß man mit Hilfe eines in der Decke oder in der Mauer angebrachten Rohres alles mit anhören kann?“

„Gut, Madame, gut“, erwiderte der Béarner rasch und ganz leise. „Sie lieben mich nicht, das ist wahr; aber Sie sind anständig.“

„Was wollen Sie damit sagen, Monsieur?“

„Wenn Sie fähig wären, mich zu verraten, brauchten Sie mich nur weiterreden zu lassen, weil ich mich dann selber verraten hätte. Aber Sie haben mich gehindert. Und ich weiß jetzt, daß hier jemand versteckt ist, ich weiß, daß Sie eine ungetreue Ehefrau, aber eine treue Verbündete sind, und in diesem Augenblick, muß ich gestehen“, fügte der Béarner lächelnd hinzu, „habe ich Treue in der Politik nötiger als in der Liebe.“

„Sire . . .!“ murmelte Marguerite verwirrt.

„Gut, gut, wir werden später darüber sprechen“, sagte Henri, „wenn wir uns besser kennen.“

Dann fragte er mit erhobener Stimme: „Atmen Sie jetzt leichter, Madame?“

„Ja, Sire, ja“, antwortete Marguerite leise.

„So will ich Ihnen nicht länger lästig fallen“, sagte der Béarner. „Ich schulde Ihnen Achtung und Vorschuß auf die gute Freundschaft; nehmen Sie bitte beides, wie ich es Ihnen entgegenbringe, von ganzem Herzen. Legen Sie sich jetzt zur Ruhe, ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.“

Marguerite schlug die von Dankbarkeit glänzenden Augen zu ihrem Gatten auf und reichte ihm die Hand.

„Abgemacht“, sagte sie.

„Ein freimütiges politisches Bündnis ohne Falsch?“ fragte Henri.

„Freimütig und ohne Falsch“, antwortete die Königin.

Dann ging der Béarner zur Tür, und Marguerite mußte ihm wie verzaubert und von seinem Blick gezogen folgen. Als der Vorhang zwischen ihnen und dem Schlafzimmer herabgefallen war, sagte Henri schnell und mit leiser Stimme: „Ich danke Ihnen, Marguerite, ich danke Ihnen. Sie sind eine wahre Tochter des königlichen Hauses von Frankreich. Ich gehe ruhig. Wenn ich auch Ihre Liebe nicht besitze, so wird es mir nicht an Ihrer Freundschaft fehlen. Ich verlasse mich auf Sie, wie Sie sich auf mich verlassen können. Adieu, Madame.“

Henri küßte die Hand seiner Frau, wobei er sie sacht drückte, und kehrte mit leichtem Schritt in sein Zimmer zurück, wobei er im Gang leise vor sich hin murmelte: „Wer zum Teufel ist bei ihr? Der König, der Herzog von Anjou, der Herzog von Alençon, der Herzog von Guise – ein Bruder oder ein Liebhaber oder beide? Ich könnte mich beinahe ärgern, daß ich die Baronin um das Rendezvous bat; doch da ich ihr mein Wort verpfändet habe und Dariole mich erwartet . . . Einerlei, ich fürchte nur, sie wird ein wenig verlieren, da mich der Weg zu ihr durch das Schlafzimmer meiner Gattin führte, denn, heiliger Strohsack!, diese Margot, wie sie mein Schwager Karl nennt, ist ein anbetungswürdiges Geschöpf!“

Und mit Schritten, in denen sich eine leichte Unschlüssigkeit abzeichnete, stieg Henri von Navarra die Treppe hinauf, die zu den Gemächern der Madame de Sauves führte.

Marguerite folgte ihm mit den Augen, bis er verschwunden war, und ging dann in ihr Zimmer zurück. Sie fand den Herzog an der Tür des Kabinetts, und sein Anblick ließ ihr beinahe das Gewissen schlagen.

Der Herzog war ernst, seine düstere Stirn verriet bittere Sorge.

„Heute ist Marguerite noch unparteiisch“, sagte er, „in acht Tagen wird uns Marguerite feindlich gegenüberstehen.“

„Ah, Sie haben gelauscht?“ fragte Marguerite.

„Was sollte ich denn sonst in diesem Kabinett tun?“

„Und Sie meinen also, ich hätte mich anders betragen, als sich die Königin von Navarra betragen sollte?“

„Nein, aber nicht so, wie sich die Geliebte des Herzogs von Guise betragen sollte.“

„Monsieur“, erwiderte die Königin, „ich kann meinen Gatten nicht lieben, aber niemand hat das Recht, von mir zu verlangen, daß ich ihn verrate. Ehrlich gesagt, würden Sie die Geheimnisse der Fürstin von Porcian, Ihrer Gattin, verraten?“

„Schon gut, schon gut, Madame“, sagte der Herzog und schüttelte den Kopf. „Ich sehe, daß Sie mich nicht mehr wie damals lieben, als Sie mir mitteilten, daß der König gegen mich und die Meinen eine Verschwörung anzettele.“

„Der König war stark und ihr wart schwach. Jetzt ist Henri der Schwache und ihr seid die Starken. Ich spiele immer dieselbe Rolle, wie Sie sehr wohl sehen können.“

„Nur wechseln Sie von einem Lager ins andere.“

„Ein Recht, Monsieur, das ich mir erwarb, als ich Ihnen das Leben rettete.“

„Gut, Madame, und wie Liebende bei der Trennung alles zurückgeben, was sie empfingen, werde ich Ihnen das Leben retten, wenn sich die Gelegenheit bietet, und wir sind quitt.“

Damit verneigte sich der Herzog und ging, ohne daß sich Marguerite auch nur rührte, um ihn zurückzuhalten.

Im Vorzimmer fand er Gillonne, die ihn an das Fenster zu ebener Erde führte, und im Graben seinen Pagen, mit dem er ins Palais Guise zurückkehrte.

Unterdessen trat Marguerite träumerisch ans Fenster.

„Welch eine Hochzeitsnacht!“ murmelte sie. „Der Gatte flieht mich, und der Liebhaber verläßt mich.“

In diesem Augenblick erschien auf der anderen Seite des Grabens aus der Richtung des Tour de Bois nach der Mühle von Monnaie ein Schüler, der, die Hand auf der Hüfte, im Vorbeigehen sang:

„Warum, wenn ich die Lust gebar,

zu beißen in dein schwarzes Haar,

zu küssen deinen Traubenmund,

zu kosen deines Busens Rund,

mußt du, wie hinter Klostergittern

ein Nönnchen, mir das Herz verbittern?

Wem hortest du der Augen Glanz,

wem deiner Brüste Wogentanz,

die Stirn, das Zwillingslippenpaar?

Willst du dereinst, der Jugend bar,

wenn Charon dich ans Ufer bringt,

daß Pluto deine Küsse trinkt?

Nach dieser letzten Fahrt, mein Kind,

ist deine Schönheit in den Wind,

ein blasser Mund, ein trüber Blick,

wie dächt ich wohl daran zurück,

wenn du mich unter Schatten narrst;

daß du mir einst die Liebste warst.

Drum wandle heut noch deinen Sinn

und laß dem Leben den Gewinn,

verwehre mir nicht deinen Mund

und küß dein sprödes Herz gesund;

bereuen wirst du sonst im Tod,

daß es so grausam sich entbot.“

Marguerite hörte traurig lächelnd dem Lied zu, dann, als sich die Stimme des Schülers in der Ferne verlor, schloß sie das Fenster und rief Gillonne, sie möge ihr beim Auskleiden behilflich sein.

3Ein König und Poet

Der nächste Tag und die folgenden vergingen mit Festen, Balletten und Turnieren.

Die Vereinigung der beiden Parteien hielt an. Schmeicheleien und Rührungen hatten vermocht, daß die wütendsten Hugenotten den Kopf verloren. Man hatte Pater Cotton mit dem Baron von Courtaumer speisen und schwelgen sehen, und der Herzog von Guise fuhr in voller Harmonie mit dem Prinzen von Condé die Seine hinunter.

König Karl schien seine gewohnte Schwermut abgelegt zu haben und konnte sich nicht mehr von seinem Schwager Henri trennen. Die Königinmutter schließlich war so fröhlich und so beschäftigt mit Stickereien, Geschmeiden und Federgestecken, daß sie darüber den Schlaf verlor.

Die Hugenotten, ein wenig verweichlicht durch dies neue Capua, begannen seidene Wämser zu tragen, Devisen aufzupflanzen und vor gewissen Balkons zu paradieren, als wären sie Katholiken. Allerseits war eine der reformierten Religion günstige Reaktion zu bemerken, die so weit ging, daß man glaubte, der ganze Hof werde protestantisch werden. Selbst der Admiral hatte sich trotz seiner Erfahrung wie die anderen davon einmummen lassen, und es war ihm so sehr zu Kopf gestiegen, daß er eines Tages zwei Stunden lang vergaß, an seinem Zahnstocher zu kauen – eine Beschäftigung, der er sich gewöhnlich von zwei Uhr nachmittags, dem Augenblick, da er sein Mittagessen beendete, bis acht Uhr abends, dem Augenblick, da er sich zum Abendessen begab, überließ.

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