Die Chocolate Box Girls - Cathy Cassidy - E-Book

Die Chocolate Box Girls E-Book

Cathy Cassidy

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Beschreibung

Süß wie Zuckerwatte … Jetzt erzählt Shay seine Geschichte

Shay, der Junge mit dem weizenblonden Haar und der blauen Gitarre, der so unglaublich süß ist und nach Meer riecht, ist Cherrys Freund. Doch das war nicht immer so. Bevor er Cherry traf, war er mit Honey zusammen, Cherrys ältester Stiefschwester. Seit sie Schluss gemacht haben, herrscht eisige Stille zwischen ihnen. Doch jetzt braucht Honey seine Hilfe. Das führt zu Missverständnissen und Streit mit Cherry. Dabei hat Shay gerade genug um die Ohren. Sein heiß ersehnter Plattenvertrag steht auf dem Spiel. Wird er nicht nur Cherry verlieren sondern auch seinen großen Traum aufgeben müssen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Cathy Cassidy

Die

Chocolate

Box Girls

Bittersüß–

Shays Geschichte

Aus dem Englischen

von Bettina Spangler

Kinder- und Jugendbuchverlag

in der Verlagsgruppe Random House

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen. 1. Auflage 2015

© Cathy Cassidy, 2013

All rights reserved

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel

»The Chocolate Box Girls – Bittersweet« bei

Penguin Books Ltd, London.

© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe cbt Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Übersetzung: Bettina Spangler

Umschlaggestaltung: © init | Kommunikationsdesign, Bad Oeynhausen

Umschlagmotiv: Anne-Lise Dugat/Nathan

jb · Herstellung: kw

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN 978-3-641-15227-7V002

www.cbt-buecher.de

Bittersüß

Der Möwe Schrei durchdringt den Morgennebel,

noch spitzt die Sonne nicht hervor …

In meinem Wachtraum höre ich dich flüstern,

ich sag mir, du bist hier, und ich vergess –

wie gestern deine lächelnden Augen mich verließen;

wie gestern sich dein Herz abwandte von mir;

Heut Nacht träumt’ ich von Kirschblütenbäumen,

doch jetzt trifft mich der bittre Ernst des Tags …

Kirschblütensüß, bittrer Geschmack von Schmerz,

sag, vergiss mich nie, hör nicht auf mich zu lieben.

Kirschblütensüß, bittrer Geschmack von Schmerz,

gib mir noch eine Chance … sei wieder mein.

Ich sitze am Ufer, s’ ist Abend.

Die Flut meine Füße umspült.

Jede Bewegung der Wellen erinnert mich an dich …

Erst eilen sie auf mich zu, dann ziehen sie sich zurück.

Wenn ich eins weiß über das Meer,

dann hoffe ich das Gleiche für dein Herz.

Das Meer findet immer zurück zum Strand …

Ob uns beiden das wohl auch gelingt?

Kirschblütensüß, bittrer Geschmack von Schmerz,

sag, vergiss mich nie, hör nicht auf mich zu lieben.

Kirschblütensüß, bittrer Geschmack von Schmerz,

gib mir noch eine Chance … sei wieder mein.

1

Manchmal ändert sich das Leben von einer Sekunde zur nächsten und man kriegt noch nicht mal was davon mit.

Da sitzt man vielleicht gerade am Strand und sieht sich mit ein paar Freunden den Sonnenuntergang an, spielt Gitarre und singt, während die Leute lachen und sich unterhalten und über dem Lagerfeuer Marshmallows rösten, überall um einen herum feiern die Menschen. Vielleicht bemerkt man den großen, bärtigen Typen gar nicht, der ganz aufmerksam zuhört, und man ahnt auch nicht, dass er es in der Hand hat, dass sich dein Leben von Grund auf verändert. Türen könnten sich öffnen, Gelegenheiten könnten sich auftun. Ruhm und Glück könnten einem winken, und nichts wäre je wieder, wie es war.

Mein Kumpel Finch stieß mich grinsend in die Rippen.

»Siehst du den Typen mit dem Bart da drüben?«, fragte er. »Er ist ein Freund von Mom, kommt extra aus London. Sie hat ihm von dir erzählt, dass du Gitarre spielst, und da meinte er, er würde am Wochenende mal vorbeikommen und sich das anhören. Sein Name ist Curtis Rawlins. Du solltest mal Hallo sagen.«

»Echt?«, fragte ich, während ich ins Halbdunkel starrte. »Meinst du?«

In letzter Zeit ging alles ganz schön drunter und drüber – eine Fernsehproduktion drehte im Dorf einen Film und Finchs Mom Nikki war die Produzentin. Sie und Finch hatten den Sommer über im Haus meiner Freundin gewohnt, aber jetzt war der Film im Kasten. Nikki und Finch würden bald wieder nach London zurückkehren – diese Strandparty war so eine Art Abschiedsfeier.

Nikki hatte mich schon ein paarmal spielen hören im Laufe der Ferien, auch wenn ich mir nie was dabei gedacht habe. Der Typ neben Nikki sah aus wie der typische Filmmensch, total jugendlich und im coolen London-Style mit Ziegenbärtchen und rotem Trilby-Hut. Ich hob die Hand, um den beiden zuzuwinken, und sie grinsten zurück.

»Curtis ist Talentscout für ein Plattenlabel«, raunte Finch mir ins Ohr. »Wrecked Rekords … von denen hast du sicher schon gehört, oder?«

Ich blinzelte. Jeder Mensch kennt Wrecked Rekords – einige von meinen Lieblingsbands stehen bei denen unter Vertrag.

»Moment mal, Finch«, meinte ich stirnrunzelnd. »Hast du da eben gesagt, dass …«

»… Curtis Talentscout ist, jawohl«, wiederholte er.

»Wow. Aber nein, ich meine diese andere Sache …«

»Ach so. Dass meine Mom ihm von dir erzählt hat?«, hakte Finch nach. »Klar. Sie hat ihm eine Kopie von dieser CD geschickt, die du für mich aufgenommen hast, und einen Link zu der Seite, auf der du deine Sachen online stellst. Hat ihm alles gut gefallen, deshalb hat er beschlossen, herzukommen und dich kennenzulernen. Er hört dir schon eine ganze Stunde lang zu. Also … willst du jetzt mal Hallo sagen?«

Er verpasste mir einen Stoß, damit ich endlich ging.

»Hey, Nikki, Curtis«, sagte ich höflich.

Der bärtige Typ grinste und gab mir die Hand, und aus der Nähe konnte ich jetzt erkennen, dass er mindestens ein Dutzend Piercings im Ohr hatte. »Shay, nicht wahr?«, meinte er. »Tolle Musik. Und die Songs sind alle von dir?«

Ich bestätigte dies mit einem Nicken, und Curtis fragte, ob ich je was aufgenommen hätte oder ob ich es gerne machen würde. Wrecked Rekords hielt stets Ausschau nach jungen Talenten. Curtis zufolge war ich genau das, wonach sie suchten.

»Im Ernst?«, fragte ich ungläubig. »Ich?«

Und Curtis meinte es wirklich ernst.

Es hätte so einfach sein können, ich schwör’s. Ich hätte jetzt und auf der Stelle einen Plattenvertrag kriegen können, bei einem coolen Londoner Label. Curtis versicherte mir, ich hätte das gewisse Etwas – ein ungeschliffenes Talent, coole Songs, einen nicht ganz alltäglichen Charme. Außerdem wär ich jung und verwegen und hätte das richtige Aussehen.

Ich. Ernsthaft. Er meinte, ich könnte richtig Karriere machen, hätte eine großartige Zukunft vor mir. Sie würden ein paar Songs aufnehmen, ein paar Gigs organisieren, die Presse auf mich aufmerksam machen.

»Du könntest ganz groß rauskommen«, schwärmte Curtis. »Diese Indie-Balladen, die bittersüßen Songs, das Surfer-Aussehen … das ist einzigartig. Die Leute werden dich lieben!«

Mein Leben hätte sich in diesem Moment auf einen Schlag ändern können, aber …

Tja, hat es eben nicht. Pech gehabt.

Die Sache ist die, ich bin erst fünfzehn. Ich gehe noch zur Schule, und Curtis meinte erst, das sei überhaupt kein Problem, nur müssten meine Eltern mit der ganzen Sache einverstanden sein.

»Keine Sorge«, sagte er zu mir. »Ich rede mit ihnen, erkläre ihnen alles. Überlass das mir!«

Das war der Moment, wo mir klar wurde, dass ich es vergessen konnte. Meine Eltern würden nie und nimmer auf einen Typen mit einem Ziegenbärtchen und Piercings und einem roten Trilby hören, wenn er was von bittersüßen Songs und coolem Surfer-Auftreten faselte. Das konnte ich echt knicken.

»Ich fahre morgen nach London zurück, aber ich ruf dich noch mal an, bevor ich abhaue«, sagte Curtis. »Wann würde es dir zeitlich denn passen?«

»Wir arbeiten sonntags«, erklärte ich ihm. »Mein Dad leitet das Segelcenter im Dorf und Sonntag ist immer am meisten los …«

»Ich muss auf jeden Fall mit ihm reden«, meinte Curtis.

Ich seufzte. »Tja … wir fangen an Wochenenden in der Regel erst um elf an, wenn du also so gegen zehn vorbeischaust, sollte Dad noch daheim sein …«

»Cool«, meinte Curtis grinsend.

Aber es war ganz und gar nicht cool, und ich war nicht der Einzige, der so dachte.

»Findest du nicht, du solltest es deinem Dad vorher sagen?«, fragte meine Freundin Cherry. »Es nur kurz erwähnen, ihn ein bisschen vorbereiten? Damit es nicht ganz so aus heiterem Himmel kommt?«

»Vielleicht«, sagte ich.

»Ich finde schon, dass du das tun solltest«, beharrte sie. »Du weißt doch, wie er ist. Dieser Sturkopf. Du musst ihm Zeit geben, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, ihn ein wenig vorbereiten, sonst lässt er Curtis doch keinen Schritt über die Türschwelle treten!«

Ich blickte hoch zum Mond, eine silberne Sichel am finsteren Septemberhimmel. Ich suchte nach einer Eingebung, nach Ideen, doch der Mond antwortete nur mit einem passiven Flimmern.

»Ich sag es ihm gleich morgen in der Früh«, versprach ich Cherry.

Tja, sagen wir es mal so, es lief nicht ganz so optimal.

Beim Frühstück verkündete ich die News – es gab das, was Dad am liebsten hatte, Rührei. Ich hatte ihm sogar einen Bananensmoothie gemacht und mit Zimt bestreut, doch es half alles nichts. Er sagte Nein – oder vielmehr brüllte er es, und es waren auch einige Flüche und Schimpfworte mit im Spiel, daher war mir klar, dass er seine Meinung auch nicht mehr ändern würde. Ich schrieb Cherry eine SMS, um sie darüber zu informieren, und sie rief mich unverzüglich an und riet mir, ich solle bloß nicht aufgeben.

»Gib ihm Zeit, um noch mal drüber nachzudenken«, beharrte sie. »Du wirst überrascht sein.«

»Das bezweifle ich«, schnaubte ich. »Der hört mir doch gar nicht zu … Er findet die ganze Sache total abwegig. Es ist hoffnungslos.«

»Nikki und Curtis können das alles doch viel besser erklären«, wandte Cherry ein. »Das Ganze wird viel mehr Gewicht haben aus ihrem Mund. Du hast die Vorarbeit geleistet … entspann dich, Shay. Die kriegen deinen Dad bestimmt rum.«

Ha, klar. Und Schweine können fliegen.

Jetzt, eine halbe Stunde später, sitze ich auf dem Fensterbrett in meinem Zimmer und wünsche mir, ich hätte nie von Curtis Rawlins gehört. Ich denke nicht, dass Dad sich eingekriegt hat und allmählich an die Vorstellung gewöhnt, ich könnte einen Plattenvertrag kriegen. Nicht, wenn man nach dem finsteren, grüblerischen Gesichtsausdruck geht, mit dem er rumläuft, oder der Art, wie er in der Küche hin und her trampelt. Mom und Ben haben sich zurückgezogen und sind schon mal runter ins Segelcenter, um alles vorzubereiten.

»Sieht nicht gut aus, kleiner Bruder«, meinte Ben beim Gehen. »Tut mir leid.«

Mir tut es auch leid. Ich drücke mein Gesicht gegen die Scheibe, beobachte die Straße vor dem Haus, in der Hoffnung, ich würde Curtis als Erster entdecken und ihn abfangen können, ehe Dad ihn zu fassen kriegt. Das könnte sonst unschön werden. Letzten Endes bin ich dann aber nicht schnell genug – Dad reißt sofort die Tür auf, als Curtis und Nikki ankommen, die Gesichter voller Hoffnung und voller Möglichkeiten.

»Was auch immer Sie von uns wollen, vergessen Sie’s«, brüllt Dad, noch bevor ich es bis runter in den Flur schaffe. »Ich kenne Leute wie Sie. Was auch immer Sie für einen Deal anzubieten haben, vergessen Sie es – mein Sohn will nichts mit Ihnen zu tun haben!«

»Bitte, Mr Fletcher«, sagt Finchs Mom. »Hören Sie sich doch erst mal an, was wir zu sagen haben. Ich kann Ihnen versichern, dass Curtis Ihnen hier ein ganz seriöses Angebot zu unterbreiten hat …«

»Kein Interesse«, blafft Dad, und mir wird ganz schwer ums Herz. Er wird nicht nachgeben, nicht mal einer Filmproduzentin und einem Talentscout von einem Londoner Plattenlabel will er zuhören. Denen erst recht nicht.

»Ich bin mir nicht sicher, ob Ihnen überhaupt klar ist, dass Shay es im Musikgeschäft tatsächlich weit bringen könnte«, meint Curtis. »Wir von Wrecked Rekords würden ihn fördern, ihn weiterbringen, das Produkt perfektionieren und seine Performance-Qualitäten aufpolieren …«

»Das glaube ich nicht«, sagt Dad.

»Aber Mr Fletcher – Shay hat das Zeug dazu. Er hat das Aussehen, das Können, einen unverkennbaren Stil …«

Dad mustert flüchtig Curtis’ Erscheinungsbild mit seinem Ziegenbärtchen und den Piercings und dem Trilby. Er knirscht mit den Zähnen und hat alle Mühe, dem Talentscout nicht an den Kopf zu knallen, was er von seinem unverkennbaren Stil hält.

»Nein, vergessen Sie’s«, wiederholt Dad mit Nachdruck. »Das Musikgeschäft ist doch nichts als Alkohol und Drogen und Ausschweifungen. Es ist korrupt, das ist es. Mein Sohn lässt sich bestimmt nicht auf diesen ganzen Hokuspokus ein!«

»So muss es doch nicht laufen«, widerspricht Nikki. »Sie könnten ihn selbst managen, dafür sorgen, dass man sich gut um ihn kümmert. Shay hat Talent. Sie wollen doch nicht etwa, dass er das verschwendet, oder, Mr Fletcher?«

»Talent?«, schnaubt Dad. »Wann hat denn Talent allein schon ausgereicht? Sie haben wohl zu viel X-Factor im Fernsehen gesehen. Hören Sie, ich glaube, das erste Mal haben Sie mich nicht recht verstanden. Nur. Über. Meine. Leiche. War das deutlich genug?«

Ich zucke innerlich zusammen. Wie kann er nur so unhöflich sein, so aggressiv? Ich beiße mir auf die Unterlippe und verdrehe die Augen. Ich kann nur hoffen, dass Nikki und Curtis klar ist, wie peinlich mir das alles ist.

»Dieser ganze Showbusiness-Quatsch«, schimpft Dad weiter. »Lächerlich! Shay ist fünfzehn. Er geht noch zur Schule und außerdem brauche ich ihn hier im Segelcenter. Das ist ein Familienbetrieb, falls es Ihnen entgangen sein sollte. Und es ist echte, ehrliche Arbeit, körperliche Arbeit, nicht ihr abgehobener Musikscheiß!«

»Dad!«, mische ich mich ein. »Bitte! Das ist eine riesige Chance, die kriegt man nur einmal im Leben! Wenn du dir wenigstens anhören würdest, was Nikki und Curtis zu sagen haben …«

»Ich hab schon genug gehört«, schnaubt er. »Und das, was ich gehört habe, hat mir nicht gefallen. Das ist doch alles Betrug, Shay, siehst du das denn nicht? Also, danke, aber … nein.«