Die "Edelbrigade" im Gegenangriff - Gilla Brefa - E-Book

Die "Edelbrigade" im Gegenangriff E-Book

Gilla Brefa

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Beschreibung

Es beginnt in einem Zeltlager in Kanada: Eine internationale Gruppe aufgeweckter Jugendlicher, zwischen 10 und 21 Jahre alt, erzählt sich Geschichten am Lagerfeuer. Doch es bleibt nicht bei lustigen Storys: Schon bald tauschen sie sich über ihre Ängste, Sorgen und Ziele aus - und darüber, wie sie die Welt zu einem besseren Ort machen könnten. Auf der Suche nach gleichen Rechten und Chancen für alle Menschen weltweit schauen sie weltoffen über den Tellerrand eingefahrener Gewohnheiten. Aus diesen zarten Anfängen erwächst Großes: Mit unermüdlichem Enthusiasmus beginnen die Kids der "Edelbrigade", die Welt zu verändern. Als sie dann merken, dass es ganz ohne Erwachsene vielleicht doch nicht immer geht, naht Hilfe aus unerwarteter Richtung. Und während die Ereignisse sich überschlagen, bahnt sich da auch noch eine große Liebe an ... Ein modernes Märchen, das zeigt, dass gute Absichten wahrhaftig zum Erfolg führen können, wenn Alt und Jung zusammenstehen und jeder das Herz am rechten Fleck hat.

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Seitenzahl: 685

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Widmung

Dieses Buch ist all denen gewidmet, die es als Anleitung nehmen wollen, um auch mitzuhelfen einen besseren Verbleib für alle Menschen auf einer gesünderen Erde zu gestalten.

Danksagung

Dank sei den vielen guten, rechtschaffenen und oft selbstlosen Menschen, die bis heute, trotz aller starken Widerstände und eigener Verluste, geholfen haben, die totale Vernichtung unserer Erde zu verhindern und immer wieder gute Beispiele gegeben haben, um das Ehrliche und Gute in uns Menschen wachzuhalten und die Natur zu schützen.

Ein großes Dankeschön geht an meinen besten Freund und Lebenspartner Albert, der in allen schwierigen Situationen meines Lebens mit Liebe, Verständnis und Geduld für mich da war.

Dank sei auch meinen Eltern und Geschwistern, durch die ich schon in frühester Kindheit lernen konnte, wie wichtig es für junge Menschen ist, ernst genommen zu werden und Verantwortung tragen zu dürfen. Und meinen Kindern danke ich von Herzen für ihre Liebe und ihr Vertrauen. Durch ihr Dasein hat mein Leben einen unschätzbar wertvollen Inhalt bekommen.

Und letztlich sei Dank allen meinen lieben Freunden, die viele »Ups und Downs« mit mir geteilt haben.

Inhalt

Einführung

Aufruf zum Selbststart

Vorwort

Palaver – Pannen – Putsch

Junge Menschen lassen sich nicht länger missbrauchen!

Der Weg zum Weltfrieden

Halbgar, schrullig und ausgebrannt

Vorbereitungen

Auf der Suche nach dem Anfangsthema

»Geld, Macht und Kriege«

Wir müssen an uns selbst glauben

Regeln muss es geben

Eine schwierige Entscheidung

Verschiedene Fronten

Jonnys Ideen

Vereint macht stärker

Höhenkoller, Wunschtraum oder Illusion?

Abschneiden und vor die wilden Tiere werfen!

Der kleine Mann zahlt immer am meisten

Hilflos, abgespannt und müde

Ein unerwartetes Hilfsangebot

Viele Ziele auf einen Streich

Zurück zu den Idealen der Jugend

Die eigene Einstellung

SOS aus der schweigenden Ecke

Es geht los!

Alte Liebe neu entdeckt

Schnapsideen

Auch Unterstützer haben Unterstützung nötig

Ein wichtiges Gespräch zwischendurch

Ausgeklügelte Schulreklame

Die nächste Runde im Dichterkreis

Auch so ein Fall

Alte Tradition mit neuer Zukunft

Ein ganz verrückter Plan

Alte Kontakte – neue Freunde

Nur 139,9 Millionen und kein Cent weniger

Ein Gemälde unter der Lupe

Zusammenspiel der Generationen

Mit vereinten Kräften

Die Druckerpressen laufen auf Hochtouren

Schlagzeilen – Schlagzeilen – Schlagzeilen

Hört, Hört – die TV-Sender werden wach

Das Weltgemälde geht auf Reise

»Edelbrigade-Uniform« – Tolle Idee!

Wie ein Lauffeuer

Irgendetwas knistert hier

Das große Reinemachen

Hurra! Der Schreck ist weg

Ein großer Tag

Das offizielle Programm des Tages

Ein kleiner Beitrag von Manfred Kümmel

Der letzte Weitsprung in die Hoffnung

Nach der Pause

Utopie, oder die Wirklichkeit der Zukunft

Gute Freunde – Große Liebe

Anhang

Gemäldeinformationen

Einführung

Eine Gruppe junger Leute im Alter von 10 bis 21 Jahren aus Kanada, Deutschland und verschiedenen anderen Ländern lernen sich während der Ferienzeit in einem kanadischen Zeltlager kennen, und zwar in der im Westen Kanadas gelegenen, Provinz British Columbia, die an den Pazifischen Ozean grenzt.

Nachdem sie sich einige ihrer lustigen Storys am Lagerfeuer erzählt haben, versuchen sie am späteren Abend mit ernsthafteren Gesprächen eine neue, richtungsweisende Bewegung zu starten, mit dem Ziel, die ganze Welt zu verbessern. Sie glauben fest an die Möglichkeit und versuchen die Jugendlichen der Welt zu vereinigen, um zusammen daran zu arbeiten.

Wir lesen über ihre Angst vor dem nächsten Krieg und lernen ihre oft bizarren Vorschläge zu notwendigen Veränderungen in unserer Gesellschafft kennen. Unter ihrem Namen »Die Edelbrigade« wappnen sie sich zum Gegenangrif. Auch die schwarzmaskierten Terroristen müssen sich vorsehen, wenn sich diese »Edelbrigade« weltweit mit ihren jugendlichen Mitgliedern ausbreitet.

Diese entschließen sich zu ungewöhnlichen Edeltaten als Gegenmaßnahmen, um allen Jugendlichen deutlich zu machen, dass sie, wenn sie alle zusammenhalten, eine bessere Welt für alle Menschen schaffen können. Für die jugendlichen Draufgänger gibt es keine Utopie mehr. Sie blicken nur zurück, um festzustellen, dass vor noch nicht allzulanger Zeit beinah noch alles als »Hirngespinste« abgewiesen wurde, was heute Realität ist.

Die »Edelbrigade« wird von einer Garde älterer Dichter und Denker unterstützt, die sich, um die Finanzierung der Jugendgruppe sicher zu stellen, unter anderem zur Versteigerung eines holländischen Originalgemäldes, mit dem Titel »Wat een Wereld – Wat een Wereld« zum kleinen Preis von nur 139,9 Millionen Dollar entschließt und dieses auch verkauft.

Aufruf zum Selbststart

Lasst Euch von Anna, Albrecht und allen anderen Mitgliedern der »Edelbrigade« sowie auch von deren vielen Unterstützern inspirieren und startet Eure eigene »Edelbrigade« zum Schutz aller Menschen und unserer Umwelt!

Vorwort

Schon seit meiner jüngsten Kindheit wollte ich verhindern, dass die Welt untergeht, dass die Menschen sich selbst vernichten.

Der Anlass für diesen frühen Entschluss war die Verzweiflung meiner Eltern, als ihnen mitgeteilt wurde, dass mein ältester Bruder, gerade 17 Jahre alt, im Krieg gefallen war. Ich war Zeuge ihrer seelischen Schmerzen und fühlte und verstand damals schon den schmerzlichen Verlust, den auch heute noch so viele Familien ertragen müssen.

Niemals habe ich das verzweifelte Weinen meiner Mutter vergessen und noch weniger die Worte meines Vaters, die wie mit scharfen Messerspitzen in meine kindliche Seele eingeschnitzt wurden:

»Die Menschheit vernichtet sich selbst und wird unsere schöne Erde mit sich zum Untergang zerren.«

Das würde niemals geschehen, nahm ich mir vor.

Palaver – Pannen – Putsch

Ich war dabei und habe gut zugehört, so weiß ich, was den Jugendlichen im Allgemeinen alles quer sitzt, konnte auch so manches aus eigener Erfahrung bestätigen. Meiner Meinung nach hat unsere Jugend das vollste Recht, ihre Kritik zu äußern und die älteren Generationen, ohne direkt in Aufstand zu kommen, deutlich auf deren Fehler aufmerksam zu machen. Lasst uns ehrlich sein, indem wir zugeben, dass wir neben den wirklich vielen großartigen und unter anderem auch atemberaubenden technischen und elektrotechnischen Leistungen und wissenschaftlichen Fortschritten in der Gesundheitslehre und auf vielen anderen Gebieten, nicht viel Gutes für unsere Jugend und für die nächsten Generationen der Zukunft hinterlassen.

Die jungen Leute, die in dieser Erzählung eine Rolle spielen, wurden von mir persönlich nach ihren Meinungen gefragt und haben sich zu verschiedenen Gelegenheiten und zu vielen verschiedenen Themen sehr deutlich ausgedrückt und, ohne jemals ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ihre Angst vor der Zukunft und auch ihr Misstrauen gegenüber den vorherigen und auch den heutigen Amtsträgern ausgesprochen.

So finden sie, dass nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch noch heutzutage viele schwerwiegende Entscheidungen über die Köpfe der Bevölkerung hinweg, jedoch auf deren Kosten getroffen werden, dass zu viel Palaver um Nebensächlichkeiten und Bagatellen gemacht wird, und dass Regierungs- und Industriemitglieder sich auf Kosten des kleinen Mannes bereichern und auch dadurch der Jugend die Zukunft genommen wird. Sie haben festgestellt, dass durch Korruption auf allen Stufen der Gesellschaft die allgemeine und immer deutlicher werdende Unterentwicklung der Weltbevölkerung gefördert wird und darüber hinaus viele, oft bewusste Irrtümer gemacht werden.

Sie sind der Meinung, dass dadurch auf allen Stufen unserer Gesellschaft immer mehr große Pannen entstehen werden und dass diese verschlampte und teilweise mutwillig gesteuerte Misswirtschaft zu einem gewaltigen Putsch in der ganzen Welt führen wird, wenn man sich in unserer heutigen menschlichen Gemeinschaft nicht bald für klare Richtlinien und gleiche Möglichkeiten und Rechte für alle Menschen entscheidet.

Die von den Jugendlichen vorgeschlagenen und oft auch erforderlichen Veränderungen sollten schnellstens demokratisch eingeführt und gesetzlich festgelegt werden und den mutwilligen Quertreibern und böswilligen Nichtbefolgern unserer Gesetze mit verhärteten Mitteln entgegengetreten und extra schwere, von der Gesellschaft festgesetzte Strafen auferlegt werden.

Diese Diskussionen über den Zustand in unserer Welt finden immer noch statt und breiten sich schnell weltweit aus.

Junge Menschen lassen sich nicht länger missbrauchen!

In der Nähe der kleinen Stadt Chilliwack, die im Frasertal liegt, trafen sie sich während der Ferienabende im Juli 2014 regelmäßig am Lagerfeuer auf einem Campingplatz am Chilliwack River. Dieser fischreiche Fluss zieht nicht nur Freizeitangler aus der ganzen Welt an, sondern gibt auch Möglichkeiten zu vielen anderen Wassersportarten. Abhängig von der Jahreszeit und dem Wetter – einmal ruhig plätschernd, doch dann plötzlich wieder unberechenbar wild und rauschend – strömt er in die Richtung des Fraser River, einem der größten Flüsse Kanadas.

Es war eine lustige Schar von Schülern und Studenten, jungen Burschen und Mädchen, die zwischen 10 und 21 Jahre alt waren. Sie kamen aus vielen Ländern und allen Schichten der Bevölkerung, teilweise aus sehr reichen, doch auch aus weniger gutsituierten Familien. Sie waren von ihren Schulen und Sportvereinen in verschiedenen Zeltlagern im Fraser Tal untergebracht worden.

Ich hatte mich für die Jugendlichen in dieser Umgebung als freiwillige Gruppenleiterin angemeldet. Diese jungen Menschen durften hier ein paar Wochen zusammenleben und lernen. Und nicht nur, um das Leben in Kanada und die kanadische Wildnis zu entdecken, sondern auch um voneinander zu lernen, wie sich das Leben junger Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund in anderen Ländern abspielte und herauszufinden, wo die größten sozialen und kulturellen Unterschiede lagen.

Es wurde viel gesungen und oft gelacht und durch die spannenden Abenteuergeschichten, die jeder Erzähler natürlich auch persönlich erlebt haben wollte, wurde die Gruppe am Lagerfeuer in den ersten zwei Wochen immer größer und der internationale Wortwechsel immer lustiger und lauter. Dazu kamen die vielen unterschiedlichen Interessen, die man hier am knisternden Lagerfeuer in verschiedenen Sprachen austauschte. Natürlich entstanden oft unvermeidliche Missverständnisse. Diese versuchte man mit viel Kichern und Lachen und gegenseitiger Übersetzungshilfe durch Gebärdensprachen, unterstützt von Büchern und allen möglichen anderen Mitteln, jedem verständlich zu machen.

Im Laufe der Ferien kamen jedoch auch ernsthaftere Themen zur Sprache, wodurch sich die Gruppe bald in zwei Lager geteilt hatte. Für die Jüngeren waren Spiel, Sport und Gruselgeschichten am wichtigsten und sie zogen sich schnell zurück, sobald sich die Älteren mit wichtigeren Dingen befassten.

Die meisten der Jüngeren interessierten sich noch nicht dafür, wie die Zukunft aussah, und auch nicht für die Probleme der Gegenwart. Sie wollten einfach eine gute Zeit haben und ihre Ferien genießen.

Für die Älteren war dann zu späterer Stunde der Zeitpunkt gekommen, an dem man nicht nur über Unterschiede der Lebensbedingungen von Land zu Land sprach, sondern vielmehr über Missstände in der Welt, wobei man auch Ideen zur Veränderung und zur Verbesserung austauschte.

Sehr schnell zeigte sich, wo die Schwerpunkte der Diskussionen lagen. Es stellte sich heraus, dass in den Augen verschiedener junger Leute absolut nur noch kriminelle Zustände in dieser Welt herrschten. Viele fühlten sich missbraucht und sie überlegten, wie man die Menschen dieser Zeit wachrufen und zur Verantwortung ziehen könnte, bevor es zum nächsten Weltkrieg und damit, in ihren Augen, zum Untergang der menschlichen Gesellschaft und sehr wahrscheinlich auch zur Zerstörung unserer Erde kommen würde.

Eins war sicher für die jungen Leute: »Wir selbst müssen schnellstens Mittel und Wege zur Verbesserung der allgemeinen Situation in der Welt finden. Wir lassen uns nicht länger missbrauchen!«

So verabredeten sie sich, auch nach den Ferien in Kontakt zu bleiben, ihre Gespräche fortzusetzen, wozu sie im flackernden Licht des Lagerfeuers den Schwur leisteten, alles Mögliche zu tun, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben und zu helfen, ihre gegenseitigen Lebenssituationen zu verbessern.

Der Weg zum Weltfrieden

Anna von Adel-Ehren, ein junges Mädel, das sich von Anfang an nicht allzu schüchtern zeigte und sich dadurch bald als Sprecherin der Gruppe ausgezeichnet hatte, übernahm dann auch schnell die Leitung. Hierbei wurde sie von ihrem Zwillingsbruder Albrecht unterstützt, der auch nicht auf den Mund gefallen war. »Wir werden versuchen, einen Klassenraum in unserer Schule als Treffpunkt zu arrangieren. Wenn das nicht gestattet wird, werden wir unsere Großeltern um ihre Zustimmung bitten, unseren großen Familienraum im Parterre für unser nächstes Treffen zu gebrauchen. Das wird zwar etwas dauern, aber schon irgendwie hinhauen«, meinte Albrecht, seiner Schwester zuversichtliche Blicke zuwerfend.

Die beiden lebten schon seit vielen Jahren bei ihren Großeltern, Max und Wilma von Ehren, in Kanada, die den Jugendlichen wie erwartet nach einer gewissen Zeit Gelegenheit gaben, sich in ihrem Haus zu treffen, um ihre Diskussionen weiterzuführen. Bevor sie das taten, hatten sie mit ihren geliebten Enkelkindern jedoch noch einmal genau über die wichtigen Regeln in ihrem Haus gesprochen; Regeln, an die sich auch die Besucher ihrer Enkelkinder würden halten müssen. Diese Hausregeln waren bis dahin niemals mehr zur Sprache gekommen, da sie zwischen den Zwillingen und ihren Großeltern von Anfang an gemeinsam festgelegt und dadurch bisher ohne Murren und ganz selbstverständlich von den Kindern akzeptiert worden waren.

Anfänglich, als die Kinder, noch keine drei Jahre alt, nach dem Tod der Eltern von Deutschland aus zu ihren Großeltern nach Kanada kamen, hatte es natürlich noch sehr wenige Regeln gegeben. Diese waren ganz langsam an das »Älterwerden« der beiden Kinder angepasst worden.

Martha, eine jahrelange Bekannte der Familie, hatte von Granny von Ehren gehört, dass die Zwillinge, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, mit großen Plänen beschäftigt waren. Dabei hörte sie auch, dass diese bestimmt bald wieder einmal mit ihr Kontakt aufnehmen würden. Sie kannte Anna und Albrecht von klein auf, da die Großeltern die beiden Kinder kurz nach deren Ankunft in Kanada in ihrem kleinen, jedoch mehrsprachigen Kindergarten untergebracht hatten. Sie hatten die Kinder schnellstens mit anderen Kindern in Kontakt bringen wollen und sie vor allem natürlich auch mit der englischen Sprache vertraut werden lassen, sodass sie sich in ihrer neuen Heimat schnell zu Hause fühlen konnten. Wichtig war für sie jedoch auch, dass die Zwillinge die deutsche Sprache nicht verlernten.

Selbst, genau wie auch die Großeltern der Kinder, von Deutschland kommend, hatte Martha so ungefähr dieselben Erziehungsideen wie die Familie von Ehren, wodurch sie mit den Zwillingen eine sehr interessante Erziehungsperiode erlebte. Dazu kam auch, wie sich bald zeigte, dass die beiden sehr intelligent waren und damit auch sehr wissbegierig.

Mit dem plötzlich doppelten Familienzuwachs von zwei jungen Kindern mussten im Hause der Großeltern von Ehren natürlich auch die entsprechenden Regeln eingeführt werden, bei deren Festsetzung Martha, die sich in dieser Hinsicht als eine sehr gute Beraterin zeigte, eine große Rolle spielte. Durch ihr Zutun fügten sich Anna und Albrecht beinahe automatisch in ihrer neuen Heimat ein und akzeptierten ohne Schwierigkeiten die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der deutschen und nordamerikanischen Kultur, jedoch ohne die typisch deutsche Gründlichkeit und den kindlichen Gehorsam zu verlernen.

Mit den vielen Veränderungen in ihrem Leben und ohne Eltern hatten natürlich nicht nur die Kinder Anpassungsschwierigkeiten; auch die Großeltern hatten sehr viel Mühe, sich anzupassen, da sie seit Jahren allein gelebt hatten und nicht mehr daran gewöhnt waren, in ihrem Alter noch einmal kleine Kinder zu erziehen.

Für beinahe drei Jahre, bis die Zwillinge in die Grundschule gingen, konnte Martha das Aufwachsen der Kinder begleiten, doch dann zog sie sich, wenn auch nicht gewollt, aus deren Leben zurück. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass die Zwillinge ihren, nun kanadischen, Grundschullehrern immer wieder die bisher gewöhnte und in ihren Augen natürlich viel bessere deutsche »Kindergartenlehrerin« als gutes Beispiel vor die Nase hielten. Dadurch wurde Großmutter von Ehren ein paarmal von der Schulleitung gebeten, den Kontakt mit der vorherigen Lehrerin soweit wie möglich zu unterbinden.

Großmutter von Ehren hatte Martha damals, kurz bevor die Kinder nach Kanada kamen, kennengelernt und diese als eine gute Ratgeberin gewertet. Als die Kinder dann jedoch zur öffentlichen Schule gingen, älter und selbstständiger wurden, war der Kontakt schnell eingeschlafen.

Vor kurzer Zeit, bei einem zufälligen Wiedersehen der beiden Frauen in der Stadt, hatte Frau von Ehren jedoch von den großen Plänen der Zwillinge berichtet. Vor allem deren Anliegen, den Familienraum für ihre Treffen mit den anderen jungen Leuten zu gebrauchen, beunruhigte sie.

Bei dem Gedanken, plötzlich eine ganze Gruppe Teenager im Haus zu haben, die man nicht kannte und von denen man auch gar nichts wusste, war Großmama von Ehren ein wenig nervös geworden. Das Wiedersehen mit Martha gab ihr dann auch das erleichternde Gefühl, nicht mehr allein davor zu stehen und Entscheidungen treffen zu müssen. »Lassen Sie mich bitte wissen, wenn ich helfen kann. Ich wohne wieder in meinem alten Haus und bin also sehr einfach zu erreichen«, hatte Martha angeboten. Für Frau von Ehren war das eine Beruhigung.

Bisher waren es ein oder zwei junge Leute, die ab und zu mal ins Haus kamen, um die Schulaufgaben gemeinsam mit den Enkelkindern zu machen, oder auch gemeinsam im Internet spazieren zu gehen. Doch bei einer ganzen Schar junger Leute musste man schon mit ganz anderen Wünschen rechnen und die Regeln dementsprechend anpassen.

Auf Oma von Ehrens Frage an ihre Enkelkinder, warum man denn auch nach den Ferien weiter Kontakt halten wolle, bekam sie eine ganz einfache Antwort:

»Wir sind Freunde geworden, haben dieselben Ideen und wollen neue und gerechte Regeln und Gebote für uns und unsere Mitmenschen aufstellen. Das kann man nicht in einer kurzen Ferienzeit. Außerdem haben wir einander nötig, um uns gegenseitig zu unterstützen, sodass der eine oder andere nicht aufgibt, bevor wir überhaupt damit angefangen haben, unser Vorhaben wenigstens ernsthaft unter die Lupe zu nehmen. Wir wissen, dass es sehr schwierig sein wird, uns durchzusetzen und dass wir Wege finden müssen, um überhaupt ernst genommen zu werden.

Doch wir haben schon verschiedene sehr gute Ideen, um die heutigen Machthaber, wo auch immer in der Welt, von ihren bequemen Hochsitzen bei Regierungen oder teuren Institutionen und auch von ihren lebenszeitlangen Beamtenschlafplätzen wegzujagen. In diesen Positionen, die sie oft durch Erpressung erzwungen oder mit Schwarzgeld gekauft haben, nehmen sie sich das Recht, auch zukünftig nicht mit unseren Wünschen zu rechnen und außerdem auch andere Menschen weiterhin zu unterdrücken und auszubeuten.

Wir wollen eine bessere Welt für uns alle, für euch und auch für unsere Kinder, außerdem für alle unsere Mitmenschen, mit welcher Hautfarbe diese auch geboren wurden.

Wir wollen nicht länger blind und gehorsam wie willenlose und interessenlose Idioten in den Fußstapfen der Erwachsenen weiterlaufen und zu allem nur ›Ja‹ und ›Amen‹ sagen dürfen.

Wir verachten deren Verherrlichung von Kriegen, die Fabrikation von Waffen und den weltweiten Handel damit, wie auch den Missbrauch des Geldes als Mittel für Bestechung, Korruption und Erpressung.

Wir verdammen die Erniedrigung, die Verachtung und die Vergewaltigung von Menschen, den Missbrauch von Kindern, die Ausbeutung der Armen und Notleidenden sowie die Vernachlässigung der Kranken und Hilfsbedürftigen.

Wir wollen den Missbrauch der Natur und aller lebender Kreaturen bekämpfen.

Wir wollen mit Respekt auf unsere Rechte aufmerksam machen, jedoch gleichzeitig nüchtern und mit klarem Verstand und wohlüberlegten Aktionen nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit streben.

Wir wollen alle, angefangen bei Eltern und Erziehungsberechtigten, die es ganz normal finden, der Jugend bisher nur immer ihren Willen aufzuzwingen, nachdrücklich an ihre Pflichten erinnern. Weiterhin müssen die Machthaber auf Regierungsniveau sowie die Industriebosse in aller Welt deutlich darauf aufmerksam gemacht werden, dass man gerade mit der Zukunft der Jugendlichen rechnen muss. Und dafür haben wir Zeit und Raum nötig, um – «

Anna legte eine Atempause ein.

Halbgar, schrullig und ausgebrannt

Während des Wortschwalls ihrer Enkelin schlug Großmutter von Ehren einige Male erschreckt ihre Hände zusammen und versuchte nach Luft zu schnappen. Als Anna dann endlich eine Sprechpause einlegte, bekam ihre Oma die Chance, auch einmal etwas zu sagen: »Hör auf, hör auf, Kind. Was habt ihr denn bloß vor? Wollt ihr vielleicht einen Aufstand arrangieren? Das hört sich ja an, als ob ihr alles über den Haufen schmeißen wollt, womit wir bis heute gelebt haben.

Was denkt ihr denn überhaupt, und wer hat euch auf diese unglaublichen Ideen gebracht? Wie alt sind eure Freunde denn, und welchen schulischen Hintergrund haben sie, um solche Ideen in eure Köpfe zu pflanzen und euch damit wahrscheinlich auch noch in eine gefährliche Richtung zu steuern? Wer sind denn die Anführer in eurer Gruppe, oder kann man diese besser ›Aufwiegler oder Anstifter‹ nennen?«

»Beruhige dich, Granny. Wir sind keine Aufwiegler und haben auch keine Anstifter unter uns. Wir alle sind ganz einfach nur Schüler und Studenten, die in einer besseren Welt leben wollen, ohne Angst vor der Zukunft und ohne Angst vor weiteren Kriegen haben zu müssen. Doch an erster Stelle wollen wir uns dagegen wehren, weiterhin zu hohe Schulgelder zu zahlen.

Du selbst musst doch auch jeden Euro oder Dollar zehnmal umdrehen, bevor du dir selbst einmal etwas Besonderes leisten kannst. Ihr müsst heute monatlich schon so viel für unsere Schulausbildung, die benötigten Lehrbücher und für alle anderen mit unserem Studium verbundenen Aktivitäten zahlen, dass beinahe kein Cent mehr für normale gesunde Ernährung und andere Lebensnotwendigkeiten übrigbleibt. Wie soll das erst einmal gehen, wenn wir im nächsten Jahr zur Uni wollen?

Die heutigen hohen Ausbildungskosten können von den meisten Familien gar nicht getragen werden, und damit bleiben die meisten Jugendlichen weit unter dem erforderlichen Niveau einer Mindestausbildung, um jemals einen guten Job zu bekommen. Wahrscheinlich werden auch wir es uns gar nicht leisten können, zur Uni zu gehen.«

Anna schaute ihre Großmutter liebevoll an: »Wir wissen noch nicht genau, wohin unsere Gespräche uns führen. Doch du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Wir stellen bestimmt nichts Dummes oder Unverantwortliches an, und bevor wir auf die Barrikaden gehen oder jemanden entführen oder erpressen, werden wir dich erst um Erlaubnis bitten. Außerdem kannst du uns ja jederzeit rausschmeißen, wenn wir uns nicht an die Hausregeln halten.

Wir sind also momentan ganz von dir abhängig, denn in der Schule will man uns keinen Klassenraum zur Verfügung stellen. Es gibt so viele Gründe dafür, dass ich nur halb zugehört habe, denn, wenn man mir schon am Anfang negativ begegnet mit ›Leider, wir würden euch ja gern helfen, aber da gibt es unter anderem die Schulsicherheitsvorschriften und dann die verschiedenen Paragrafen, usw. usw. usw.‹ …

Da verliert man von vornherein den Mut, etwas zu unternehmen. Und wenn man dann hinter unserem Rücken noch dumme Bemerkungen von der einen oder anderen alten Lehrerin hört, so wie ›Was denken diese jungen Küken überhaupt? Sie sind noch nicht ganz ausgebrütet, haben die Schalen noch hinter den Ohren hängen und wissen nichts von Tuten und Blasen; sie sind noch halbgar, haben noch nichts von der Welt gesehen, noch nichts mitgemacht, wollen aber schon eine bessere Welt schaffen. Lass mich nicht lachen, ha ha ha! Die Schule ist doch kein Spielplatz und die Welt schon mal gar nicht.

»Ich hätte der alten ausgebrannten Tante beinahe meine Meinung gesagt, und zwar, dass sie …-, dass man …, na ja, dass ich lieber halbgar genannt würde und nicht so wie sie mit ihren überholten und verrosteten Ideen schon wie eine schrullige, ausgetrocknete Gehirnschachtel angesehen werden will. Du müsstest sie mal sehen, mit ihrem unhöflichen Benehmen gegenüber Schülern und deren Eltern; einfach unglaublich, dass die Eltern das immer wieder akzeptieren.«

Anna zeigte sich in diesem Moment wirklich sehr verärgert, doch sie machte schon bald wieder ein zufriedenes Gesicht, als Granny ihr entgegenkam und ihr zusagte, dass sie den Familienraum für ihre sogenannten wichtigen Zusammenkünfte gebrauchen könnte, wenigstens am Anfang.

»Doch bitte merkt euch, sollte sich zeigen, dass eure Freunde sich nicht anpassen können und ihr beide auch irgendwie daneben tretet, müsst ihr damit rechnen, dass Großpapa euch selbst eventuell auch vor die Tür setzt.« Damit war das Gespräch für den Moment beendet.

Die Gruppe hatte sich schon am letzten Campingtag für jeden zweiten Samstag im Monat um 14.00 Uhr verabredet und Anna hatte sofort Kontakt mit den anderen aufgenommen, nachdem sie endlich ihren Treffpunkt im Hause der Großeltern sichergestellt hatten.

Und in diesem Moment hatten sie, mit mehr als sechs Monaten Verspätung, nur noch ein paar Tage Zeit bis zu ihrem ersten Treffen.

Vorbereitungen

Anna und Albrecht hatten schon hin und her überlegt, wie sie am besten mit ihrem Programm beginnen könnten. Es war ihnen ein paar Tage vor ihrem ersten Zusammentreffen plötzlich zu Bewusstsein gekommen, dass sie einem bestimmten Plan folgen mussten, um irgendwann einmal ein Ziel zu erreichen. Damit hatten sie dann auch schon die ersten Stolpersteine entdeckt und gleich in Angriff genommen.

»Also, ich denke, wir sollten jeden, der kommt, erst ganz einfach fragen, wozu er oder sie Fragen hat, oder worüber man eventuell gern sprechen will und dann gemeinsam im demokratischen Sinn ein Programm aufstellen. So kann jeder von Anfang an seinen Beitrag liefern«, war Albrechts erste Idee.

»Oder«, meinte Anna, »wir selbst könnten aber auch ein Thema vorschlagen, über welches wir am ersten Tag sprechen wollen und dann für das nächste Mal verabreden, dass ein jeder einen Vorschlag macht. Doch warte mal eben! Eigentlich haben wir ja schon während der Ferien die verschiedenen Themen vorgeschlagen, wir sollten eigentlich ein bestimmtes Problem davon nach vorn bringen und darüber sprechen. So lernen wir, wie jeder einzelne von uns darüber denkt und wir können zusammen überlegen, was wir daran tun wollen. Was denkst du davon, Bruderherz?«

»Auch okay für mich. Dann ist es jedoch schon am Anfang unseres ersten Treffens wichtig, zusammen zu versuchen die Hauptursachen festzustellen, aufgrund der die vielen zur Sprache gekommenen Beschwerden, Anklagen und Missstände basiert sind.

Wir sollten also mit einer unserer Lagerfeuer-Meckereien anfangen, jetzt jedoch festlegen, dass wir nicht länger mitmachen und genau wissen wollen, warum man bei der betreffenden Angelegenheit nicht weiterkommt oder warum in einer schon lange überholten und total festgefahrenen Sache keine Besserung angebracht wird.

Mit wem wir auch sprechen, wir müssen deutlich erklären können, warum bestimmte Denkweisen und festgerostete Anschauungen der Erwachsenen nicht nur zu unserem Nachteil sind, sondern auch zum Nachteil vieler vorhergehender Generationen waren. Dass diese zum großen Teil auch heute noch nur für kommerzielle Zwecke und zur Machtausübung von bestimmten Personen oder Institutionen benutzt werden.

Da diese Gesinnungen trotz besseren Wissens der Älteren, und gegen jeden gesunden Verstand verstoßend, weiterhin gehandhabt werden, fühlen wir uns aus unserer Sicht als Schüler und Studenten gerufen, selbst Vorschläge zur Verbesserung zu machen.

Die Erwachsenen und besser geschulten Leute werden uns nicht ernst nehmen, wenn wir nicht mit klaren Vorschlägen kommen. Wir können uns also keine Brocken leisten, müssen sehr vorsichtig sein und dürfen niemandem auf die Füße treten.

So, welches Thema, denkst du, ist unsere beste Basis, auf die wir alles schieben können und auf der wir die meiste Mitarbeit von den Erwachsenen bekommen werden? Von diesen sind wir zum guten Schluss doch abhängig, wenn wir auch nur das kleinste Ziel erreichen wollen.« Albrecht schaute seine Schwester fragend an.

»Du hast doch am Lagerfeuer alles aufgenommen; wir müssen also einen kurzen Sprung in dein Abhörgerät machen, um unser Gedächtnis aufzufrischen. An und für sich habe ich aber schon eine ziemlich genaue Idee, auf welches Unheil wir die meisten Probleme schieben können und was der Grund aller Übel ist. Darum werden auch die Zustände in der Welt immer schlimmer, denn wir sind ja nicht die Einzigen, die unter allem leiden. Ich bin jedoch gleichzeitig davon überzeugt, dass wir, die Jugendlichen, die Einzigen sind, die wirklich Veränderungen zum Guten anbringen können, und weißt du auch, warum? … Ganz einfach, gerade weil wir jung sind.«

Mit gefurchter Stirn meinte Albrecht: »Das musst du mir bitte erklären. Auf der einen Seite werden wir als Jugendliche nicht ernst genommen; auf der anderen Seite, sagst du, sind wir die Einzigen, die Veränderungen anbringen können, gerade weil wir jung sind. Wie reimt sich das?«

Anna: »Ganz einfach. Wir, angefangen mit den jüngsten Kindern unter uns, dann ins Kindergarten- und Schulalter klimmend, haben unser ganzes Leben noch vor uns. Wir sind sehr verletzlich und werden von vielen Seiten auf alle möglichen Weisen von der Außenwelt bedroht. Junge Menschen müssen also immer vor allen bösen Einflüssen und Machenschaften in der Welt beschützt werden. Durch diese Schutzdecke haben wir den größten Einfluss auf unsere Eltern und Großeltern und alle Erwachsenen in unserer Umwelt im Allgemeinen.

Also, solange wir zu Hause und von unseren lieben Erzeugern und/oder Ernährungs- und Erziehungspflichtigen abhängig sind, haben wir die Möglichkeit, diese aus unserer Hand essen zu lassen, was eigentlich alle Kinder automatisch tun, um ihren Willen durchzusetzen. Und darum ist unsere Abhängigkeit von den Erwachsenen gleichzeitig unsere Stärke. Wir müssen diese lieben Menschen nur von unseren guten und ehrlichen Absichten überzeugen können, dann lassen diese sich gerne vor unseren Wagen spannen, oder?

Es ist doch ganz selbstverständlich, dass alle normal denkenden Erwachsenen auch in einer gesunden und heilen Welt leben möchten; also, warum sollten sie uns nicht in unseren guten Absichten unterstützen wollen?«

Anna wartete keine Antwort ab, sondern fuhr fort: »Ach ja, um eine Erklärung und somit eine Basis für die meisten Missstände in unserer Welt zu finden, müssen wir nur auf den Gebrauch und Missbrauch der folgenden wichtigen Faktoren achten: Erziehung, Bildung, Geld, Macht und Beziehungen.

Durch Manipulation und Korruption, mangelnde Erläuterungen und oft mutwillig falsche Erklärungen dieser Begriffe haben sich mit der Zeit verzerrte Ideale, hassvolle Gefühle, Neid, Lug, Betrug, Armut, Krankheit und Kriegsverheerung unter die Menschen geschlichen.

Diesen Einflüssen des Bösen konnten und können sich nur die entziehen, die wirklich eine gute allgemeine Bildung und weiterhin eine gezielte Ausbildung genossen haben. Denn nur dadurch kann man eine starke Selbstsicherheit entwickeln. Und wenn man sich durch die vielen Erfahrungen während der Schul- und Ausbildungszeit eigene Meinungen formen kann, ist man auch in der Lage, diese zu vertreten.

Ausbildung ist also das wichtigste Element für jeden Einzelnen unter uns, der mithelfen will die Menschen, nicht nur in der eigenen Umgebung oder im eigenen Land, stark, gesund und mitverantwortlich zu machen, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus zu helfen, für andere Mitmenschen irgendwo in der Welt dieselben Möglichkeiten zu schaffen.

Wer nicht imstande ist, die Zusammenhänge in der Welt zu verstehen, wird automatisch von den Schlaueren, Stärkeren, Mächtigeren bevormundet, und von gewissenlosen Schurken übers Ohr gehauen; die Nichtgeschulten werden bis aufs letzte Hemd ausgezogen und wenn nötig total vernichtet. Nur durch eine gute Ausbildung und allgemeine Entwicklung kann man die Wirklichkeit erkennen, sich frühzeitig dem schmutzigen Theater vieler dieser dunklen Bühnengestalter entziehen und dem Teufel von der Schippe springen.

Was denkst du eigentlich, warum die Schulausbildung in den meisten Ländern der Welt an allen Enden zu kurz kommt? Warum sind auch hier im Lande so viele Menschen unterentwickelt, ohne Schreib- oder Lesekenntnisse?

Viele unserer eigenen Mitbürger wissen nicht einmal, welche Rechte sie haben, und sie haben auch total keine Idee, dass diese Rechte auch Pflichten mit sich bringen. Zwar hört man die Leute laufend meckern, und je dümmer sie sind, desto lauter hört man sie und auch ihre oft lächerlichen Bemerkungen. Damit ist’s dann aber auch für sie getan, nur immer zeigen, wie unzufrieden man ist und vor allem über jeden schimpfen, der das Risiko eingeht, auch nur ein bisschen Verantwortung zu tragen.

Weiter reicht ihr Verständnis und ihr Zutun nicht; sie sind ganz einfach nicht zufrieden, und meistens wissen sie es noch nicht einmal, oder wollen nicht akzeptieren, dass es zum großen Teil ihre eigene Schuld ist. Anders gesagt, sehr viele Gegenschläge und Missgeschicke haben sie ihrer eigenen Dummheit zu verdanken und auch ihren Nachlässigkeiten zuzuschreiben.

Und fast alle Regierungen unterstützen diese Unzulänglichkeit dieser schwachköpfigen Untertanen nur allzu gern, denn auf diesem Wege werden wenig Fragen aus dem Volk über das Tun und Lassen der Regierungen gestellt. So kann man ohne viele Einwände oder Beschwerden neue Gesetze verabschieden, mit denen sie die Bevölkerung immer mehr in ihre Macht bekommen und nach ihrer Pfeife tanzen lassen können.

Bis diese geistig ermüdeten Menschen endlich einmal wach werden, ist es meistens zu spät, um einzugreifen. Auf diesem Wege verlieren die Bürger mehr und mehr ihre Freiheit, mit dem Resultat, dass wir zukünftig nicht mehr in einem demokratischen Land leben, sondern unter einer autoritären Gewaltherrschaft, also in einer Diktatur.«

Auf der Suche nach dem Anfangsthema

Albrecht schaute seine Schwester nachdenklich an: »Also, wir werden von Geburt an manipuliert, genau wie unsere Eltern und Großeltern und alle anderen Generationen vor ihnen auch?

Du meinst also, nur die Bevorzugten in unserer menschlichen Gemeinschaft, die genetisch bedingt schon über eine gewisse Intelligenz verfügen und die außerdem in einer begünstigten Gesellschaft leben, werden nicht so schnell den Mangel an wirklich gutem Lehrpersonal fühlen? Diese können sich dann auch den finanziellen und zeitraubenden Luxus einer guten Ausbildung leisten. Somit werden sich diese Glücklichen dann auch bestimmt nicht vorstellen können, noch viel weniger selbst in die Situation kommen, die Schwierigkeiten und oft mutwillig aufgebauten finanziellen und gesellschaftlichen Hindernisse am eigenen Leib zu erfahren, die es dem Durchschnittsbürger meistens unmöglich machen, sein volles Potenzial zu erreichen.

Mit anderen Worten: Es funktioniert genau wie der Kreislauf des Wassers, es geht rund und rund und rund, und nur ab und zu entspringt der eine oder andere wissbegierige und risiko- freundliche Tropfen dem ewigen Wasserkarussell. Er versucht seine eigene Richtung zur Sonne einzuschlagen.

Damit meine ich auch die kritisch nachdenkenden und eigenwilligen Köpfe in unserer kleinen Gruppe, die es mit uns zusammen wagen, den alten und verschrobenen Ideen der Vergangenheit entgegenzutreten und zu versuchen, ihren altmodischen und traditionellen Interessenvertretern Einhalt zu gebieten.

Und dann fängt der schwierige Aufstieg des Einzelnen erst richtig an. Entweder unsere seltenen Tropfen werden auf ihrem Weg zur vollen Erkenntnis der Situation ausgetrocknet. Meistens verschwinden sie jedoch wie vorbeischnellende Kometen in der Unendlichkeit des Zu-wenig-Wissens. Einige werden jedoch auch von ihren in der Zwischenzeit stärker gewordenen Vorgängern als labende Durstlöscher zum eigenen Wohlsein gebraucht. Nur sehr wenige Neuankömmlinge werden im Kreise der inzwischen erfolgreichen Mitmischer am Weltgeschehen aufgenommen. Hierbei ist es vor allem wichtig, dass sich diese neuen Sterne am Firmament der zukünftigen Befehlshaber wenigstens auf einem, besser jedoch auf mehreren der Interessengebiete der alten Garde bewegen können, sich dort zuhause fühlen und sich so schnell wie möglich angewöhnen, sehr überzeugend in dieselbe Richtung zu posaunen.

Solange man sich jedoch nicht für Politik, Handel und Wirtschaft, Bildung, Recht und Wissenschaft interessiert, wird man in den Kreisen der oberen Strippenzieher nicht akzeptiert. Es wird keinen Sponsor in dieser sich selbst fördernden Superschicht geben, der daran denken würde, einem sogenannten ›Emporkömmling‹ in der besseren Gesellschaft entgegenzukommen. Nur wenn man ein Genie ist und Glück hat, dem einen oder anderen Drahtpuppenspieler als ein Aushängeschild dienen zu dürfen, könnte das der Start zum eigenen Aufstieg in die Reihen der gefestigten Strippenzieher sein.

Außerdem muss man sich auch mental in dieses Milieu einfügen können und ein dementsprechendes Gefühl entwickeln.

Wie du siehst, muss man jedoch, um überhaupt in diese Gesellschaft zu passen, vorerst eine entsprechende Ausbildung genießen, denn sonst kann man ja überhaupt nicht mitreden. Und wer kann sich diese Superausbildung schon leisten, wenn man nicht aus dem Elitemilieu kommt und finanziell und politisch vorbereitet wurde? Kannst du mir folgen, Schwesterchen?«

»Also, folgen kann ich deinen superintelligenten Gehirntropfen schon; ob wir diese Probleme unserer komplizierten Gesellschaft jedoch schon am ersten Tag in unserer Gruppe aufgreifen sollten, das bezweifele ich sehr. Meiner Meinung nach müssen wir mit einer Sache beginnen, für die sich jeder in unserer Gruppe interessieren und begeistern kann. Man muss sich außerdem auch selbst einsetzen wollen, um an Veränderungen oder Verbesserungen mitzuarbeiten. Denkst du nicht auch?«

»Ja, du hast recht, ich hatte im Augenblick nur an meine eigenen Interessen gedacht. Was würdest du denn vorschlagen, Schwesterchen?«

»Mir krabbeln verschiedene Ideen durch den Kopf, zum Beispiel Schulbildung, höhere Ausbildung und Unikosten, oder vielleicht auch die Frage: Könnten wir Jugendliche auch schon mehr Verantwortung tragen, und zum Beispiel wofür?

Doch warte, lass mich nachdenken; ich fühl, dass ich auf dem Holzweg bin. Das ist alles zu einseitig.

Ich denke, wir sollten uns ein höheres Ziel setzen, irgendein Problem in Angriff nehmen, an dessen Lösung auch die älteren Generationen und viele andere Menschen interessiert sein könnten. Auf diesem Weg können wir die eigenen Eltern, die Großeltern und alle anderen Familienmitglieder und Freunde wenigstens aus dem Hintergrund mit teilnehmen lassen. Wenn wir das tun, würden wir wahrscheinlich auch, anstatt lauter Misstrauen gegenüber uns und unseren Ideen aufkommen zu lassen, nicht nur Mitwirkung von der Außenwelt bekommen, sondern ungefragt auch sehr viel Weisheit aus der Erfahrung anderer schöpfen können. Erfahrungen, die wir als Jugendliche selbst noch nicht gemacht haben können, die wir aber als Wissen sehr gut gebrauchen können.

Mit Nachdruck gesagt: Wir haben diese Unterstützung absolut nötig, wenn wir auch nur ein bisschen Erfolg haben wollen.

Also, sag du mir bitte, welches Problem in der Welt so heiß brennt, dass es für uns alle eine große Gefahr ist und zugunsten aller Menschen schnellstens gelöscht werden muss.«

Anna schaute ihren Bruder fragend an: »Sag schon, du bist immerhin ein paar Stunden älter als ich, also darf ich annehmen, dass du auch weiser bist.«

Anna lachte ihren Bruder herausfordernd an, dann machte sie jedoch plötzlich so etwas wie einen Freudensprung: »Halt! Warte! Ich hab’s! Meinem Gefühl nach wurde ich gerade vom Blitz getroffen!«

»Ja, das habe ich gesehen«, meinte Albrecht trocken, seine Schwester neugierig anschauend. »Es sah mehr danach aus, als ob du von einer Wespe gestochen wurdest. Doch lass mal hören, danach beurteilen wir, ob etwas mit deinem Geistesblitz anzufangen ist!«

Anna war mit ihren Gedanken weit weg. Es war gerade, als ob sie durch ihren Bruder hindurch, ohne diesen zu sehen, in eine unbegrenzte Weite blickte und von ihren eigenen Gedanken gefesselt wurde.

»Ja«, meinte sie dann, langsam zur Wirklichkeit zurückkommend. »Ja, ich habe das richtige Thema gefunden und sehe das Problem, auf dem alles Unheil um uns herum und alle Übel in der Welt basiert sind plötzlich ganz deutlich. Wenn wir dieses Thema als Basis nehmen, werden alle anderen Probleme automatisch zur Sprache kommen und ihre eigenen Lösungen benötigen.

Das bedeutet, dass wir sehr viele Menschen für unsere Arbeit interessieren können, allein schon durch die Vielseitigkeit der Probleme, die hierdurch in der Welt entstehen.

Also bitte aufgepasst! Es liegt auf der Hand, jeder hat damit zu tun, jeder sucht nach der richtigen Lösung für sein eigenes Problem und die meisten Menschen sehen nicht das wirkliche Übel, die Basis, auf der die meisten Probleme gewachsen sind. Also, hiermit lasse ich dich an meinem Geistesblitz teilnehmen.

Es sind drei sehr bekannte Faktoren, die nicht nur Nationen, sondern die ganze Welt zum Untergang bringen werden, wenn wir diese nicht unter Kontrolle bringen:

»Geld, Macht und Kriege«

Albrecht schnappte nach Luft: »Du bist wohl verrückt geworden, wie? Hast du dir vorgenommen, die ganze Welt in Aufruhr zu bringen, indem du die Reichen, die Mächtigen und die Kriegsanstifter zur Verantwortung –?«

»Ja, ja und nochmals ja, und damit gleichzeitig die Waffenhändler, sowie auch die Fabrikanten von Waffen aller Art zum Einhalt bringen, und wenn möglich sogar zum Stillstand, und noch radikaler, ganz ausschalten.

Wäre das nicht ein großartiges Ziel für unsere Gruppe?«, fiel Anne ihrem Bruder in seine luftschnappende Reaktion. »Also bitte, hör erst einmal zu, bevor du meine Idee schon abbrechen willst, bevor du mir überhaupt eine Chance gibst, diese näher zu erklären. Und ehrlich, je mehr ich darüber nachdenke, desto besser scheint mir dieser Geistesblitz in unsere Pläne zu passen. Denk mal darüber nach; das meiste Elend in der Welt, wenn nicht sogar alles Böse, findet seinen Ursprung in … na, sag’s schon!«

»Du meinst in Streitigkeiten und Kriegsmanövern?«

»Ja, zum größten Teil. Und diese Brandherde werden überall auf unserer Erdkugel von dem einen oder anderen Geld- und Machtprotzer mutwillig angestiftet.

Die obere Schicht unserer weltlichen Gesellschaft hat einfach zu viel Geld und damit zu viel Macht. Die meisten der kleinen Mittelständler und ihre Familien wissen gar nicht, in was sie ihr Geld investieren, wenn sie ihre hart erarbeiteten Ersparnisse der Bank anvertrauen. Für sie ist nur wichtig, dass ihre Aktien auf der Börse einen guten Gewinn abwerfen. Die kleinen Investoren denken keinen Augenblick daran, dass mit ihrem Geld zum größten Teil Waffen und Drogen und damit natürlich auch Kriege finanziert werden.

Da haben wir die Bürgerkriege, die meistens in unterentwickelten Gebieten durch unterschiedliche Glaubensrichtungen und Religionsstiftungen entstehen. Doch auch durch wirtschaftlich verursachte Unterschiede kommt es zu Auseinandersetzungen und oft auch zu internationalen Kampfhandlungen. Dadurch blüht das Waffengeschäft in aller Welt, und in vielen waffenproduzierenden Ländern läuft der Handel wieder auf Hochtouren.

Je mehr Kriege – und es macht auch nichts aus, wo diese stattfinden –, desto mehr kapitaler Schaden. Überall gibt es Trümmerhaufen, Elendsviertel, Notzustände, Armut, Verwundete, Kranke, Tote. Und natürlich muss das alles nach jedem Waffengemetzel auch wieder aufgebaut, gesund gepflegt und für die nächsten militaristischen Konflikte vorbereitet werden. Das gibt ein ›Hurra‹ in bestimmten Reihen, denn die Ökonomie läuft wieder wie am Schnürchen. Auf der Börse floriert der Handel, es wird wieder investiert.

In was man investiert, wissen die meisten nicht, denn es geht bei den meisten Menschen ja nur darum Geld zu machen, denn das wird nach einem Krieg vor allem von den kleinen Unternehmern und ihren Arbeitern, und von den Familien die auch alles verloren, am dringendsten zum Überleben gebraucht.

So hilft auch derjenige, der während des Krieges oder des letzten Börsenzusammenbruchs beinah alles verloren hat, wieder tüchtig am Aufbau mit.

Sogar auf der Börse versucht er noch einmal sein Glück, indem er sein letztes bisschen Erspartes zum Vermehrfachen einsetzt. Die Wirtschaft läuft und mit ihr wächst das Vertrauen in unsere Regierungen und in eine bessere Zukunft.

Das schmutzige Geld der Kriegsmacher wird auf alle möglichen Arten wieder sauber gewaschen und ein neuer Kreislauf beginnt.

Viele Menschen vergessen lieber schnellstens, oder wollen lieber nicht in die Vergangenheit schauen; warum sollte man auch? Wer denkt schon gern an dunkle Zeiten zurück, wenn der Geldstrom wieder fließt? Wenn auch nicht so glatt wie in sicheren Zeiten. Doch man hat glücklicherweise wieder ein paar Dollar, Euro oder andere Geldscheine in der Tasche oder auf dem Konto. Jetzt liegt es nur daran, wo und in was man wieder investiert.

Aber dafür haben wir ja unsere finanziellen Experten und Börsenmakler, und diese wissen ganz genau, wie sie mit unserem Geld umgehen müssen und wo man die meisten Gewinne macht.

Und die kleinen unschuldigen und wenig geschulten Investoren merken nicht, dass die Hyänen und Geier schon wieder auf ihre neuen Opfer warten. Die sehr gut informierten und finanziell geschulten Kriegsmacher wissen aber genau, was sie tun.

Sie haben mit ihren Waffen wieder neue Opfer auf den Schlachtfeldern irgendeines fernen Landes am anderen Ende der Welt zu Kriegshelden promoviert. Mit diesen tapferen, für irgendeine Verteidigung gefallenen Helden werden auch in der Zukunft wieder neue Kriege verherrlicht. Und welcher junge Mensch will nicht wenigstens als berühmter Kriegsheld für die Verteidigung irgendeines ihm leider vorgegaukelten Ideals sterben, wenn es für ihn gar nichts anderes mehr gibt, wofür er leben kann?

Dem dummen Bürger werden die fürchterlichsten Gewaltverbrechen und Missstände vor Augen gehalten, die schon bald in unseren eigenen Ländern herrschen werden, wenn nicht auch unsere Regierung hier schnellstens mit unseren eigenen, bisher meistens noch unschuldigen Töchtern, Söhnen, Männern und Frauen in Kriegsuniform in fernen Ländern und Kulturen eingreift. Den eigenen Bürgern wird also vorgegaukelt, dass sie die nächsten Schlachtopfer im Konflikt anderer Nationen sind. Die Jugendlichen bekommen natürlich auch sofort eine gezielte Gehirnwäsche und werden geistig schon frühzeitig darauf vorbereitet, dass auch sie bei der nächsten Möglichkeit als Helden für Volk und Vaterland ihr Leben lassen dürfen.

An vielen Orten in der Welt werden immer noch, oder schon wieder, Waffen fabriziert und neue Kriege vorbereitet, und zwar unter dem Motto der notwendigen Verteidigung unserer Grenzen und der Sicherheit des eigenen Landes. Und auch den Gleichgesinnten irgendwo in der Welt muss man ganz bestimmt zur Seite stehen.

Regierungen sehen sich gezwungen, die Verbündeten wenigstens mit Waffen zu unterstützen, auch wenn diese Verbündeten selbst die Anstifter neuer Krawalle sind.

Siehst du nicht auch, dass die Schlüsselfiguren in Wirtschaft und Industrie alles in ihren Händen halten und die verschiedenen Regierungen gar nichts mehr zu sagen haben?«

Es sah aus, als ob Albrechts Augen aus ihren Höhlen rollen wollten und sein Kiefer in einer offenen Mundsperre verankert war.

»Mensch, hör auf, du spinnst ja. Wem willst du denn solche Themen verkaufen? Wir sind eine Handvoll Kinder und Teenager, und viele von uns gucken noch in Märchenbücher. Lass uns erst einmal die Basisregeln für unsere Gruppe festlegen, bevor wir überhaupt das eine oder andere Weltproblem aufgreifen.

Mit deiner Idee kannst du dich besser an Erwachsene und wenn möglich an hoch qualifizierte Geistesgenossen wenden, um auch nur jemanden zu finden, der dir zuhören will. Ganz abgesehen davon, es scheint so, als ob du über deinen eigenen Schatten springen willst, und soweit mir bekannt ist, ist das bis heute noch niemandem gelungen. Also, bleibe bitte mit deinen Füßen auf festem Boden und komm zur Wirklichkeit zurück. Wir haben genug Nüsse zu knacken, bis wir einmal die Basis gefunden haben, auf der wir uns alle verständigen können.

Wenn uns das beim ersten Treffen gelingt, bin ich schon heilfroh. Wenn du also nichts dagegen hast, stellen wir am ersten Tag ganz einfach nur unsere Betragensregeln für den Club fest und versuchen eventuell auch einen Namen für unsere Gang zu finden. Einverstanden?«

»Okay, aber nur für diesen Augenblick lege ich meine Gedanken auf Eis«, gab Anna offensichtlich ein wenig zerknirscht zu.

In Gedanken war sie jedoch damit beschäftigt, ihren Plan weiter auszuarbeiten und diesen bei nächster Gelegenheit in ihrer Jugendrunde zur Sprache zu bringen und zur Beurteilung vorzuschlagen.

»Was denkst du davon, wenn sich jeder von uns beiden an die Arbeit macht und damit anfängt, die eigenen Ideen zum guten Ton in eigener Runde und zum gegenseitigen Verständnis ganz kurz auf Papier zu setzen, bevor wir diese bei unserem Treffen mit den anderen zur Diskussion vortragen?«, erkundigte Anna sich bei ihrem Bruder.

»Prima, bis morgen Mittag können wir das geschafft haben; wir kommen nämlich langsam in Zeitnot. Außerdem werden Verschiedene ihr Interesse an unserem Club verlieren, wenn sie zu lange auf uns warten müssen.

Es wäre besser gewesen, wenn wir alle von unserem letzten Treffen schon eine Aufgabe mit nach Hause genommen hätten, dann bräuchten wir beide nicht alles allein zu tun.«

»Hallo, du vergisst anscheinend, dass wir im allerletzten Moment unseres Treffens noch verabredet haben, für unsere nächste Zusammenkunft eventuelle Vorschläge auf Papier zu zaubern, über die wir dann zusammen diskutieren könnten. Erinnerst du dich?

Ich bin davon überzeugt, dass momentan einige damit beschäftigt sind, ihr Gehirn zu strapazieren, um eine gute Idee mitzubringen. Kannst du dich noch erinnern, dass Marijke sich über diese Hausaufgabe, wie sie es nannte, beschwerte?

Ich glaube auch nicht, dass sie lange bei unserer Gruppe bleiben wird, wenn sie feststellt, dass wir nicht zusammenkommen, um zu spielen, sondern alle zusammenarbeiten und fest daran ziehen müssen, wenn wir überhaupt etwas erreichen wollen.«

»Ja, natürlich erinnere ich mich daran. Ich bin einfach nur ein bisschen durchgedreht von allen Gedanken, die durch meinen Kopf zirkeln, und die machen mich auch enorm nervös. Warum, weiß ich eigentlich selbst nicht. Ab und zu denke ich, dass wir zu viele Dinge auf unsere Schultern genommen haben und einer Fata Morgana nachlaufen.«

»Da bist du nicht der Einzige, Albrecht. Dachtest du, mir würde es bessergehen? Doch lass uns einfach erst einmal springen und sehen, wohin das Wasser uns trägt. Nach unserem ersten Zusammentreffen geht ganz bestimmt alles viel einfacher.

Wir müssen an uns selbst glauben

Eine Stunde vor der verabredeten Zeit standen Beate, Bernd und Carola schon an der Hintertür des Hauses der Großeltern. Sie meldeten sich mit vereintem Klopfen und fröhlichem Lachen als erste Gäste bei den Zwillingen an. Diese rannten erschreckt durchs Zimmer und öffneten die Eingangstüre sofort, denn sie wollten den Großeltern das klopfende Getöse ersparen und diese nicht in ihrem Mittagsschläfchen stören lassen. Das wäre bestimmt kein guter Anfang gewesen.

»Also, ihr seid ja wirklich zeitig«, meinte Anna: »Ich hoffe, dass die anderen ihren Weg hierher auch so schnell finden.«

»Sorry, dass wir so früh sind, aber meine Eltern kamen auf dem Weg zum Einkaufen doch hier vorbei. Mein Vater hatte angeboten, den Chauffeur für uns zu spielen und uns bei euch abzusetzen. Also, hier sind wir dann. Falls wir noch nicht willkommen sind, können wir eure Umgebung ein bisschen unsicher machen, bis die anderen auch erscheinen«, erklärte Bernd.

»Lasst uns schon rein«, Beate schubste ihren Freund, der ihr im Weg stand, zur Seite und umarmte Anna herzlich: »Mit wie vielen sind wir heute denn überhaupt; habt ihr alle erreichen können? Ich bin gespannt, wie der Kontakt über Skype verläuft; hoffentlich haut das so hin, wie ihr am Telefon erklärt habt. Habt ihr Erfahrung damit?«

»Du lieber Rucksack, wie viele Fragen wollt ihr gleichzeitig beantwortet haben? Setzt euch mal erst irgendwo hin. Wie ihr zählen könnt, haben wir 14 Stühle aus allen Ecken des Hauses geholt. Weiter ist dort auch noch die Möglichkeit für drei oder vier Personen, auf dem Sofa zu sitzen. Also, 15 Mann haben zugesagt, von denen jedoch unter anderem Marijke und John nicht genau wussten, ob sie es schaffen würden, zeitig von irgendwo zurück zu sein. Wie die Verbindung und Verständigung über Skype hinhaut, wissen wir auch noch nicht, vieles ist auch für uns ganz neu. Aber haut euch erst einmal irgendwohin; die anderen werden sicher auch nicht zu lange auf sich warten lassen.

Außerdem könnt ihr die Zeit jetzt erst einmal gebrauchen und über unsere Spielregeln, womit ich unsere Haus- und Clubregeln meine, nachdenken oder diskutieren. Für einigermaßen normale Menschen, die nicht ihr ganzes Leben einsam und allein auf einer unbewohnten Insel verbracht haben, gehören diese Anstandsformen zum ganz normalen Umgang mit anderen.

Aber da wir nicht wissen, wer sich zukünftig unserer Gruppe anschließt, haben wir vorsichtshalber ein paar Grundregeln aufgeschrieben, die natürlich angepasst und auch erweitert werden können. Aber hört mal eben zu, was Albrecht dazu sagt. Ich bin gleich wieder zurück«, damit verließ Anna den Raum.

Albrecht erklärte weiter: »Wir haben neben den drei genannten Beantwortungsmöglichkeiten ›Akzeptiert‹, ›Abgewiesen‹ und ›zur Diskussion‹ genug Platz für Ergänzungen oder auch Anmerkungen auf dem Fragebogen gelassen.

Wir haben diesen Fragebogen zusammengestellt, weil sich einige sogar sehr intelligente und auch interessante Gesprächsteilnehmer an unseren abendlichen Diskussionen in den Ferien oft sehr grob und herausfordernd betragen haben. Daran könnt ihr euch sicher auch noch erinnern. Diese Figuren waren, wenigstens in unseren Augen, mehrmals nicht nur respektlos, sondern auch sehr beleidigend anderen gegenüber. Sie versuchten nicht nur bestimmte Beiträge als bescheuert erscheinen zu lassen, sondern auch die Beitragenden selbst total ins Lächerliche zu ziehen. So etwas können wir nicht in unserer Gruppe gebrauchen; damit würden wir nicht weit kommen. Wir müssen also von vorn herein festlegen, auf welcher Basis wir miteinander umgehen und zusammenarbeiten wollen, und uns dann auch konsequent an diese Regeln halten.

Wer das nicht will, braucht gar nicht erst versuchen mitzumachen, denn wir können nur auf der Basis von gegenseitigem Respekt und verschiedenen anderen Bedingungen etwas erreichen. Also schaut mal, ob ihr selbst auch noch eine oder mehrere Ideen habt, die wir außerdem in unseren Fundamentregeln aufnehmen könnten oder sollten. Und schreibt auch eure Fragen auf.

Ich schau nur eben, wo Anna ist, und bin gleich zurück. Bitte öffnet die Tür, wenn die anderen kommen«, damit verließ auch Albrecht den Raum, den anderen die Möglichkeit gebend, den Fragebogen zu studieren.

»Okay, sieht ja nicht so kompliziert aus, so ähnlich wie die zehn Gebote«, lachte Beate. »Kommt, lasst uns das eben zusammen durchnehmen. Also, Nummer eins ist doch ganz klar.«

»Mich erinnert das sofort an das ›Einmaleins des guten Tons‹«, fiel Carola ihr in die Rede, »eine Art Ratgeber-Buch, welches meine Mutter, als sie jung war, von ihrer Großmutter als Geschenk zum Geburtstag bekommen hat. Damals musste man noch aus Büchern lernen, sich so zu benehmen, wie sich das damals gehörte. Ich habe das Buch zufällig vor ein paar Tagen noch in den Händen gehabt. Ganz interessant, muss ich sagen; man kann auch heute noch viel daraus lernen.

Es wurde 1955 vom Bertelsmann Verlag in Gütersloh, Deutschland, ausgegeben. Ich bring es demnächst mal mit, denn auch in heutigen Situationen kann man es sehr gut gebrauchen.

Es wäre für unsere ganze Gesellschaft, auch hier in Kanada, sicher sehr gut, wenn man ein paar gute Regeln daraus in das Schulprogramm aufnehmen würde.

Vor allem auch für Eltern wäre es absolut eine sehr gute Hilfe, um ihren Kindern schon zu Hause gutes Benehmen beizubringen.

Auch viele Lehrkräfte könnten es sehr gut als Richtlinie in der Schule verwenden, um ihre Schüler mit einem besseren Umgangsbetragen zu wappnen. Aber ich kann ja eigentlich schon nicht mehr mitreden, weil meine Schuljahre inzwischen ein paar Jahre hinter mir liegen, schade. Darum weiß ich auch leider nicht mehr, auf welcher Basis den Schülern der Grundschulen heute noch Betragensregeln eingeflüstert werden.

Aber, he! Kann jemand von euch die Tür öffnen? Da wollen noch ein paar andere rein, um uns nicht zu lange alleinzulassen. Da wird die Bude ja gleich zu klein sein, und wir müssen die Stühle miteinander teilen«, lachte Carola fröhlich und eilte selbst zur Tür, um diese für zwei Neuankommer zu öffnen. Im selben Moment kamen Albrecht und Anna auch wieder ins Zimmer, von wo aus sie die Neuankömmlinge mit einem »Kommt rein, kommt rein in die gute Stube, wir warten ja schon auf euch« begrüßten.

Anna schaute um sich: »Ich nehme an, dass ihr euch alle schon kennt, denn wir waren ja meistens in derselben Gruppe, wenn ich mich recht erinnere. Ich schlage vor, dass wir die erste halbe Stunde gebrauchen, um uns gegenseitig erst wieder ein bisschen besser kennenzulernen. Dann können wir auch von unseren zwischenzeitlichen Erfahrungen und persönlichen Erlebnissen berichten, denn wir haben uns ja seit ein paar Monaten nicht mehr gesehen. In der Zwischenzeit werden die anderen auch hier sein. Wir warten noch auf Ursel, Peter, Astrid und Jonny. Danach werden wir uns kurz mit unserem Fragebogen beschäftigen und dann unsere Ideen austauschen. Okay?

Ach ja, dort auf dem Tisch liegt ein Heft; tragt euch bitte ein. Schreibpapier und Schreiber findet ihr dort auch, und in den kleinen Schüsseln gibt’s was zu knabbern. Wenn einer von euch etwas trinken möchte, in den Flaschen dort findet ihr Apfelsaft und Tomatensaft. In der Karaffe ist eisgekühlter Gänsewein, alles von unserer lieben Großmama gespendet. Außerdem wird sie etwas später selbst auch noch eben ihre Nase sehen lassen, denn sie will unbedingt unsere lieben neuen Freunde kennlernen und wissen, mit wem wir umgehen. Also, tut uns bitte den Gefallen und zeigt euch von eurer besten Seite, denn ich möchte unseren Großeltern keinen Grund geben, unsere und eure gute Erziehung in Zweifel zu ziehen. An und für sich sind die beiden schon in Ordnung, aber unglaublich altmodisch und bestimmt auch nicht mehr zu verändern. Albrecht und mir geht es vor allen Dingen darum, diesen Raum so lange wie möglich gebrauchen zu können, ohne wieder nach einem anderen Platz suchen zu müssen.

Und denkt daran, was wir auch denken, welche Ideen wir auch auf den Tisch bringen und mit welchen Einwänden wir konfrontiert werden, eine Sache ist für uns alle ganz besonders wichtig: Wir dürfen den Glauben an uns selbst und an unsere Ziele niemals verlieren. Macht euch einen Knoten ins Gehirn. Doch um zu beginnen, genießt erst einmal Großmamas gute Gaben, verewigt euch in dem kleinen Einschreibeheft und dann lasst uns in circa 20 Minuten unser erstes offizielles Treffen beginnen.«

Regeln muss es geben

Die 20 Minuten waren schnell vorbei und die letzten Erwarteten waren in der Zwischenzeit eingetrudelt; auch John und Marijke hatten es geschafft. Jeder hatte einen Platz gefunden und jeder hatte sich eingetragen.

Als Anna jedoch noch eben in das Heft schaute, um herauszufinden, welche Gäste zu welchem Namen gehörten, da sie bisher eigentlich nur die Vornamen kannte, musste sie feststellen, dass einige von ihnen ihre Vornamen zwar eingetragen, jedoch die Familiennamen und Adressen vergessen hatten. So dachte Anna wenigstens anfangs, bis sie später hörte, dass diese Angaben ganz bewusst weggelassen worden waren. Der Grund, der dafür angegeben wurde, war, dass die Familien der betreffenden Jugendlichen alle der einen oder anderen religiösen Gemeinschaft angehörten. Diese jungen Leute wagten es nicht, ihre Familien davon in Kenntnis zu setzen, dass sie, die gehorsamen Kinder von brav gehorchenden Kirchengängern und anderen Gläubigen, auch noch andere Interessen hatten. Sie waren bang um von den von ihren Eltern und von Kirchenältesten oder Gemeindevorstehern angeordneten und verpflichteten religiösen Lebens- und Betragensrichtlinien abzuweichen. Ihnen war bang vor dem Zorn Gottes und sie hatten einfach genug von den ihnen aufgezwungenen Glaubensideen. Sie wollten leben, frei sein, ihren eigenen Gott entdecken …

Während der Ferien waren die verschiedenen Glaubensrichtungen schon einmal, jedoch nur sehr kurz, zur Sprache gekommen, aber schnell von der kleinen Interessengruppe in die Zukunft vertagt worden. Die Veranstalter und die tägliche Leitung der Feriengruppen hatten zwar höflich, aber sehr bestimmt zu verstehen gegeben, dass diese Themenstellung nicht in das allgemeine Ferienprogramm passen würde und zu viele Kontroversen aufgerufen werden könnten, was nicht erwünscht war.

»Ein sehr interessantes Thema also, und bestimmt die Mühe wert, es schnellstens zur Sprache zu bringen«, überlegte Anna, während sie sich zu den anderen in den inzwischen geformten Kreis setzte. ›Aber nicht heute‹, dachte sie.

Albrecht hatte die kleine Gruppe inzwischen begrüßt und fuhr fort: »Also, dann haben wir es doch endlich geschafft, uns wieder einmal zu treffen, und ich hoffe, dass ihr unsere dramatischen Feriengelübde nicht ganz vergessen habt. Wie war das gleich wieder? Haben wir uns nicht gegenseitig versprochen, alles Mögliche zu tun, um das Leben der Minderbemittelten unter uns und vor allem die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen, also auch unser eigenes Leben, nicht nur wirtschaftlich zu verbessern, sondern uns auch gegenseitig so gut wie möglich mit allem zu helfen und auch andere zu unterstützen?

Es sind damals so viele Ideen zur Sprache gekommen, und wie ihr heute mit eurem Hiersein bestätigt, seid ihr immer noch bereit, mit einander und für einander eine bessere und gesundere Zukunft aufzubauen.«

Anna übernahm das Wort: »Ich finde das, ganz kurz gesagt, einfach super und ich glaube, wir dürfen uns gegenseitig beglückwünschen, dass wir uns kennengelernt haben.

Es ist nämlich gar nicht so einfach, gleichgesinnten Menschen, und dazu auch noch jungen Menschen mit ziemlich gleichen Interessen, zu begegnen.

Ihr habt euch ja inzwischen auch kurz mit den von uns vorgeschlagenen Clubregeln vertraut machen können und ich möchte diese eben mit euch durchnehmen. Für die meisten von uns sind diese Regeln ganz normal, weil wir von Kindheit an daran gewöhnt sind, uns an Regeln zu halten. Für andere junge Leute, aus anderen Ländern und mit anderen Kulturen, könnte es eventuell nicht so einfach sein, sich an bestimmte Vorschriften zu halten, weil sie ganz einfach nicht damit großgeworden sind.

Wir müssen also gegebenenfalls Geduld und Verständnis aufbringen, was für den einen oder anderen aus unserer Gruppe wiederum schwierig sein könnte. Also, lasst uns ganz kurz über unsere Vorschläge fliegen. Okay? Und bei allem, was wir tun, vergesst bitte nicht: Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Wie ihr seht, haben wir die Vorschläge nummeriert, um diese später schnell wiederzufinden, wenn wir darüber sprechen wollen.

Also, los geht’s. Die Bedeutung der Buchstaben ist angegeben.

A) Akzeptiert – B) Abgewiesen – C) Zur Diskussion

Es geht hier also nur um unser allgemeines Benehmen in der Gruppe und Regeln, an die wir uns in der Zukunft halten wollen, natürlich auch in der Öffentlichkeit. Diese gelten überall in der Welt, wo wir als Mitglieder dieser Gruppe auch sein mögen, bei allen öffentlichen und geschlossenen Zusammenkünften, privat oder in Gesellschaft. Kreuzt die von euch gewählte Antwort bitte auf eurem Fragebogen an; ihr braucht euren Namen nicht anzugeben. Das Ergebnis, eventuelle Fragen, irgendwelche Bemerkungen oder Hinzufügungen werden wir später behandeln. Also nochmals: Los geht’s.

Höfliches und respektvolles Verhalten untereinander und jedem anderen gegenüber, zu jeder Zeit, wo immer wir sind und in jeder Situation.Kein unfreundliches Benehmen, keine Beleidigungen oder Grobheiten, nicht im Tun und nicht in der Sprache.Keine Handgreiflichkeiten oder andere körperliche Belästigungen oder Angriffe.Kein Schreien, Schnauzen, Schimpfen.Kein öffentlicher Spott, spöttisches »Namen-Nennen« oder Lästern.Niemanden »Klein-« oder »Lächerlichmachen«.Uneinigkeiten untereinander schnellstens als gemeinsames Problem miteinander behandeln.Kein »Hinterrücks-Klatschen und/oder Lästern«.Alle zur Sprache kommenden Probleme in der Gesellschaft als allgemeine Themen zur Behandlung stellen, ohne die Eigennamen von diesbezüglichen Personen, Firmen, Instituten, Regierungen und Ländern zu nennen, und zuletzt:Ehrlich und offen unsere Meinungen über zur Diskussion gestellte Probleme aussprechen, wenigsten untereinander!

Das wär’s. Hat jemand von euch noch Fragen, die er oder sie sofort beantwortet haben möchte?« Anna schaute fragend um sich.

»Peter, du möchtest etwas sagen oder fragen?«

»Ja, wie ist das mit Rauchen, Trinken oder … was es da sonst noch so gibt. Sollten wir da nicht auch deutliche Vorschriften haben?«

»Ach ja, natürlich, Peter, das haben wir total übersehen.«

Albrecht schüttelte seinen Kopf und schlug sich auf die Stirn, um sein dummes Übersehen deutlich bloßzustellen. »Wie konnten wir so etwas Wichtiges nur vergessen? Aber das kommt dadurch, dass wir selbst bis heute hier, bei uns zu Hause nicht damit konfrontiert worden sind. Dadurch sind wir beide noch nicht einmal auf den Gedanken gekommen, eine Regel dafür zu machen. Hier im Haus wurde nie geraucht oder getrunken und wir sind auch absolut dagegen.