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"Die Fahrt der Snark" ist ein faszinierendes Reiseabenteuer von Jack London, das seine epische Segelreise über die Weltmeere erzählt. London, ein begeisterter Abenteurer und Schriftsteller, dokumentiert seine tatsächlichen Erlebnisse an Bord seiner Yacht, der Snark, von San Francisco bis in den Südpazifik und darüber hinaus. Mit lebendiger Sprache und packenden Beschreibungen entführt er den Leser in eine Welt voller Gefahren, exotischer Orte und unvergesslicher Begegnungen. Von stürmischen See bis zu faszinierenden Inseln beschreibt London seine Reise und die Menschen, denen er unterwegs begegnet. "Die Fahrt der Snark" ist ein zeitloses Abenteuer, das den Geist der Entdeckung und die Freiheit der Ozeane einfängt.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Es begann im Schwimmbassin zu Glen Ellen. Während des Schwimmens pflegten wir herauszukriechen und uns in den Sand zu legen, unsere Haut die warme Luft einatmen und uns von der Sonne durchglühen zu lassen. Roscoe war Segelsportler. Ich hatte auch ein wenig mit der See zu schaffen gehabt. Es war unvermeidlich, daß das Gespräch auf Schiffe kam. Wir sprachen von kleinen Booten, und wie seetüchtig solche kleinen Boote sein können. Als Beispiel nannten wir Kapitän Slocum und seine dreijährige Erdumseglung mit der Spray.
Wir behaupteten, uns nicht vor einer Erdumseglung in einem kleinen Boot zu fürchten - z. B. in einem Boot von fünfundvierzig Fuß Länge. Wir behaupteten ferner, daß uns das Spaß machen würde. Endlich behaupteten wir, daß es nichts in der Welt gäbe, worauf wir mehr Wert legen würden, als eine solche Fahrt zu machen.
„Laß es uns tun“, sagten wir... im Spaß.
Dann fragte ich Charmian unter vier Augen, ob sie wirklich Lust dazu hätte, und sie sagte, es wäre zu prachtvoll, um wahr zu sein.
Als wir uns das nächste Mal beim Schwimmbassin sonnten, sagte ich zu Roscoe: „Laß es uns tun.“
Ich meinte es ernst, und er auch, denn er sagte:
„Wann fahren wir ab?“
Ich hatte noch ein Haus auf meinem Landgut zu bauen und einen Obstgarten, einen Weinberg und verschiedene Hecken zu pflanzen und auch sonst noch eine Menge zu erledigen. Wir meinten, in vier bis fünf Jahren fortkommen zu können. Da aber packte uns die Abenteuerlust.
Warum nicht gleich? Wir werden ja nicht jünger. Obstgarten, Weinberg und Hecken konnten ja wachsen, während wir fort waren. Wenn wir zurückkamen, war alles in schönster Ordnung, und während wir das Haus bauten, konnten wir in der Scheune wohnen.
So entschlossen wir uns denn zu der Reise und begannen die Snark zu bauen. Wir nannten sie Snark, weil uns kein anderer Name einfiel - dies zur Aufklärung für die, welche sich vielleicht einbilden, daß der Name eine verborgene Bedeutung habe.
Unsere Freunde verstehen nicht, warum wir diese Reise unternehmen. Sie jammern und klagen. Wir können ihnen nicht begreiflich machen, daß wir das tun, was den geringsten Widerstand von uns erfordert, daß es uns leichter ist, mit einem kleinen Schiff aufs Meer hinauszusegeln, als auf dem Trocknen zu bleiben, wie es ihnen leichter ist, auf dem Trocknen zu bleiben, als mit einem kleinen Schiff aufs Meer hinauszufahren. Dieser Gemütszustand kommt daher, daß zuviel Gewicht auf das rein Persönliche gelegt wird. Aus ihren eigenen Wünschen, Sympathien und Antipathien verfertigen sie eine Elle, mit der sie die Wünsche, Sympathien und Antipathien aller anderen messen. Das ist nicht richtig. Ich habe es ihnen auch gesagt. Aber sie halten mich für ein wenig verrückt. Ich meinerseits verstehe sie sehr gut. Es ist eine Gemütsstimmung, mit der ich vollkommen vertraut bin. Wir sind alle geneigt zu meinen, daß mit dem Seelenleben des Menschen, der nicht mit uns einig ist, etwas nicht stimmt. Tatsächlich ist das letzte Wort: Es macht mir Freude. Das liegt aller Philosophie zugrunde. Wenn die Philosophie einen ganzen Monat lang dem Individuum erzählt hat, was es tun soll, dann sagt das Individuum plötzlich: Es macht mir Freude! und tut genau das Gegenteil, und die Philosophie kann nach Hause gehen und sich schlafen legen. Dieses „Es macht mir Freude“ ist es, was den Trunkenbold sich betrinken und den Märtyrer im härenen Hemd gehen läßt; was den einen Menschen zum Schlemmer und den anderen zum frommen Einsiedler macht; was den einen nach Ruhm, einen zweiten nach Gold trachten, einen dritten nach Liebe und einen vierten nach Gott sich sehnen läßt. Die Philosophie ist sehr häufig nur die Art und Weise, wie man sein eignes „Es macht mir Freude“ erklärt.
Um aber wieder auf die Snark und den Grund zu kommen, warum ich meinerseits mit ihr um die Erde fahren will: Die Freude, die mir etwas macht, bedingt für mich den Wert. Die größte Freude aber macht mir das Gefühl, etwas erreicht zu haben - nicht, um den Beifall der Welt zu gewinnen, sondern weil es mir eben Freude macht. Es ist das alte: „Ich hab es getan! Ich hab es getan! Mit eigenen Händen hab ich es getan!“ Was ich aber persönlich für eine Leistung halte, muß etwas Konkretes sein. Ich möchte lieber in einem Wettschwimmen gewinnen oder mich im Sattel eines Pferdes halten, das unter mir wegzulaufen versucht, als den Roman schreiben, auf den Amerika wartet. Jedem sein Vergnügen! Ein anderer würde vielleicht lieber den Roman schreiben.
Einen der stolzesten Augenblicke meines Lebens, den Augenblick, da ich das lebhafteste Gefühl hatte, etwas geleistet zu haben, hatte ich wohl mit siebzehn Jahren. Ich befand mich an Bord eines Dreimastschoners vor der japanischen Küste. Wir waren mitten in einem Taifun. Alle Mann waren fast die ganze Nacht auf Deck gewesen.
Um sieben Uhr morgens wurde ich herausgepurrt, um das Rad zu übernehmen. Es war nicht ein einziges Segel gesetzt. Mit bloßen Masten fuhren wir vor dem Winde, und doch sausten wir dahin. Die Seen waren mächtig, der Wind heulte, und die Luft war von treibenden Schaumspritzern erfüllt. Der Schoner war fast nicht zu regieren, die Reling verschwand bald auf Steuerbord, bald auf Backbord in den Wogen, und das Schiff gierte unaufhörlich von Südost nach Südwest, und jedesmal, wenn die gewaltigen Seen sich unter dem Achterende hoben, drohte es sich quer zu legen. Dann aber würde es mit Mann und Maus untergegangen sein, und damit wäre seine Geschichte aus gewesen.
Ich nahm das Rad. Der Schiffer stand eine Weile daneben und sah mir zu.
Er fürchtete, daß ich zu jung sein und daß es mir an Kräften und Ruhe fehlen würde. Als er aber sah, daß es klappte, ging er hinunter, um zu frühstücken. Vorn wie achtern war alles unten, um zu frühstücken. Hätte das Schiff sich quergelegt, so würde nicht einer von ihnen je an Deck gelangt sein. Vierzig Minuten stand ich allein am Rad und hielt in meiner Hand den springenden Schoner und die zweiundzwanzig Menschenleben.
Einmal schlug eine gewaltige See über das Achterdeck. Ich sah sie kommen, und während die vielen Tonnen Wasser mich fast zerschmetterten, hielt ich den Schoner bei seinem wütenden Versuch, sich quer zu den Seen zu werfen. Als die Stunde zu Ende war, wurde ich abgelöst, und da war ich von Schweiß bedeckt und völlig erschöpft. Aber ich hatte es getan! Mit eigenen Händen hatte ich das Rad geführt und hundert Tonnen Gold und Eisen sicher durch Millionen Tonnen Wind und Meer gesteuert.
Was mich freute, war, daß ich es getan hatte - nicht, daß zweiundzwanzig Mann wußten, daß ich es getan hatte. Ehe das Jahr um war, war die Hälfte von ihnen tot und verschwunden, aber mein Stolz auf meine Leistung war dadurch nicht verringert.
Das Leben, das lebt, ist erfolgreiches Leben, und der Erfolg ist eine Lebensbedingung dafür. Je schwerer die Leistung, desto größer die Befriedigung, die man fühlt, wenn sie vollbracht ist. So ergeht es dem Manne, der vom Sprungbrett springt und sich mit einem halben Rückwärts-Salto-Mortale kopfüber ins Schwimmbassin stürzt. Sobald er das Sprungbrett verlassen hat, wird seine Umgebung sofort wild, und wild würde sie ihn strafen, wenn sein Versuch mißglückte, und er flach aufs Wasser aufschlüge. Selbstverständlich war der Mann nicht gezwungen, sich einer solchen Gefahr auszusetzen. Er hätte am Ufer bleiben können in der milden, friedlichen Umgebung mit Sommerluft, Sonnenschein und festem Boden unter den Füßen. Aber er war nicht so geschaffen. In dem Augenblick, als er in der Luft schwebte, lebte er, wie er nie am Ufer hätte leben können.
Ich meinerseits würde nun lieber dieser Mann sein als einer der Zuschauer am Ufer. Deshalb baue ich die Snark. So bin ich nun einmal. Es macht mir Freude, das ist alles. Die Fahrt um die Erde ist für mich gleichbedeutend mit großen Augenblicken, in denen das Leben ganz gelebt wird. Habt Geduld mit mir und denkt über die Sache nach. Hier stehe ich, das kleine Tier, das unter dem Namen „Mensch“ geht, ein Stückchen Materie, das Leben erhalten hat, hundertfünfundsechzig Pfund Fleisch und Blut, Nerven, Sehnen, Knochen und Hirn - alles weich und empfänglich, leicht verletzbar, fehlerhaft und gebrechlich. Ich halte den Kopf fünf Minuten unter Wasser und ertrinke. Ich falle aus einer Höhe von zwanzig Fuß herab und werde zerschmettert. Ich bin ein Sklave von Temperaturen. Ein paar Grad tiefer, und meine Finger und Zehen und Ohren werden schwarz und fallen ab. Ein paar Grad höher, und meine Haut schlägt Blasen und löst sich von dem blutigen, bebenden Fleisch. Noch ein paar Grad nach der einen oder anderen Seite, und Leben und Licht erlöschen in mir. Der Biß einer Giftschlange, und alle Bewegung hört auf - alle Bewegung hört für immer auf. Ein Stückchen Blei aus einer Büchse findet den Weg in meinen Kopf, und die ewige Finsternis schlägt über mir zusammen.
Fehlerhaft und gebrechlich, ein Stückchen pulsierenden geleeartigen Lebens - das ist alles, was ich bin. Um mich her sind die großen Naturkräfte, gewaltige Drohungen, vernichtende Titanen, gefühllose Ungeheuer, die sich weniger um mich kümmern, als ich mich um das Sandkorn kümmere, das ich unter meinem Fuß trete. Sie kümmern sich gar nicht um mich. Sie kennen mich nicht. Sie sind ohne Bewußtsein, ohne Schonung und ohne Moral. Sie sind Zyklone und Windhosen, Blitze und Wolken, die zerrissen werden, Strudel und Gezeiten, große Wirbel, die einen hinabsaugen, Erdbeben und Vulkane, Brandungen, die mit Lärm und Poltern gegen felsige Küsten schlagen, und Seen, die über die Reling der größten auf dem Wasser schwimmenden Fahrzeuge geschleudert werden, Seen, die menschliche Geschöpfe zerschmettern und ins Meer und in den Tod spülen - und diese gefühllosen Ungeheuer kennen nicht das winzige Gefühlswesen aus lauter Nerven und Gebrechlichkeit, das die Menschen Jack London nennen und das sich selbst einbildet, ein Teufelskerl und ein höheres Wesen zu sein.
In dem Labyrinth und dem Chaos, das im Kampfe zwischen den ungeheuren tauziehenden Titanen steht, ist es meine Sache, den Weg zu finden, so gut ich kann. Das bißchen Leben in mir will sie besiegen.
Das bißchen Leben in mir wird sich, wenn es glückt, sie anzuführen und in meinen Dienst zu zwingen, für göttlich halten. Es ist herrlich, den Sturm abzureiten und sich als Gott zu fühlen. Ich darf ruhig behaupten, daß es ein weit schöneres Gefühl ist, wenn ein Atom der pulsierenden, bebenden, von Zeit und Raum begrenzten Masse sich als Gott fühlt, als wenn ein Gott sich als Gott fühlt.
Aber diese Fahrt mit der Snark hat auch eine andere Seite. Ich lebe, und ich sehne mich danach, etwas zu sehen, und es ist etwas Größeres, die ganze Welt zu sehen als eine kleine Stadt oder ein Tal. Wir haben kein Programm für die Fahrt gemacht. Nur eines ist bestimmt, nämlich, daß der erste Hafen, den wir anlaufen, Honolulu sein soll. Außer ganz allgemeinen Vorstellungen haben wir unserm nächsten Hafen nach Hawaii noch keinen Gedanken geschenkt. Wir werden unseren Entschluß treffen, wenn wir näher hingelangen. Im allgemeinen haben wir uns gedacht, in der Südsee herumzugondeln, Samoa, Neuseeland, Tasmanien, Australien, Neu-Guinea, Borneo und Sumatra zu besuchen und weiter durch die Philippinen nach Japan zu gehen. Dann Korea, China, Indien, das Rote Meer und das Mittelmeer. Unsere weiteren Pläne sind noch nicht fest genug umrissen, als daß wir sie beschreiben könnten, aber wir wissen eine Menge Dinge, die wir ganz bestimmt tun werden, und wir haben uns gedacht, in jedem Lande Europas einen oder mehrere Monate zu verbringen.
Die Snark soll ein Segelboot sein. Sie soll mit einem Motor versehen sein, der aber nur im Notfall in schwierigem Fahrwasser, bei Riffen und Untiefen gebraucht werden soll, wenn plötzliche Windstille ein Segelboot bei reißender Strömung hilflos macht. Die Snark soll als „Ketch“ getakelt werden - ein Mittelding zwischen Yawl und Schoner. In den letzten Jahren haben sich Boote mit Yawltakelung als besonders geeignet zum Kreuzen erwiesen. Eine Ketch hat alle Vorteile einer Yawl beim Kreuzen und segelt dabei fast so gut wie ein Schoner. Das darf man im übrigen nicht allzu buchstäblich nehmen. Für mich ist das alles Theorie. Ich bin nie mit einer Ketch gefahren und habe auch nie eine gesehen. Aber etwas an der Theorie gefällt mir. Wartet, bis ich aufs Weltmeer hinauskomme, dann werde ich etwas mehr von Schiffen mit Ketchtakelung und ihren Kreuz- und Segeleigenschaften sagen können.
Ursprünglich planten wir, daß die Snark eine Länge von vierzig Fuß an der Wasserlinie haben sollte. Dann aber entdeckten wir, daß kein Platz zu einem Badezimmer war, und bauten sie deshalb fünf Fuß länger. Ihre größte Spantenbreite beträgt fünfzehn Fuß. Sie hat keinen Aufbau und keine Last. Sie ist sechs Fuß tief, und das Deck wird nur durch zwei Kajütstreppen und ein Luk vorn unterbrochen. Das Fehlen eines Aufbaus, der nur das Deck schwächen würde, macht uns sicherer für den Fall, daß schwere Seen ihre vielen Tonnen Wasser über uns wälzen. Ein großes, geräumiges Cockpit, das unter dem Plan des Decks liegt, mit hoher Reling und automatischer Pumpe, wird uns Sturmtage und Nächte bedeutend angenehmer machen.
Wir wollen keine Besatzung haben. Oder vielmehr, Charmian, Roscoe und ich werden die Besatzung bilden. Wir wollen alles mit eigenen Händen tun.
Mit eigenen Händen wollen wir das Schiff um den ganzen Erdball steuern.
Was wir auch durchmachen werden - wir wollen alles selber tun.
Selbstverständlich brauchen wir einen Koch und einen Kajütjungen.
Warum sollten wir in der Kombüse schwitzen, Teller waschen und den Tisch decken? Hätten wir dazu Lust, so könnten wir ja an Land bleiben.
Außerdem brauchten wir Zeit, um Wache zu gehen und das Schiff zu manövrieren. Und dazu muß ich ja auch noch schriftstellerisch arbeiten, um uns das tägliche Brot zu verschaffen und die Snark seetüchtig zu erhalten.
Und im übrigen muß ich auch an mein Landgut denken; ich muß für den Weinberg, den Obstgarten und die Hecken sorgen.
Als wir die Snark verlängerten, um Raum für das Badezimmer zu erhalten, fanden wir, daß wir gar nicht so viel Raum dafür brauchten. Deshalb vergrößerten wir die Maschine. Sie ist ein siebzigpferdiger Motor, unsere Maschine, und da wir von ihr erwarten, daß sie uns mit einer Schnelligkeit von neun Knoten vorwärtstreiben soll, wissen wir kein Fahrwasser, dessen Strömung stark genug wäre, uns zu trotzen.
Wir gedenken allerlei Ausflüge ins Land hinein zu machen. Die Snark ist so klein, daß das sehr wohl möglich ist. Sobald wir ins Land hineinkommen, dann herunter mit den Masten und die Maschine in Gang gesetzt! Da sind die Kanäle in China und der Jangtse. Dort werden wir uns, wenn wir Erlaubnis von der Regierung erhalten, mehrere Monate aufhalten.
Das wird das einzige Hindernis bei diesen Reisen ins Land werden - die Erlaubnis der Regierungen. Erhalten wir sie aber, so gibt es fast keine Grenzen für all die Fahrten, die wir ins Land hinein machen können.
Wenn wir zum Nil kommen, können wir ja den Nil hinauffahren. Wir können die Donau bis Wien und die Themse bis London, und wir können die Seine bis Paris hinauffahren und im Quartier Latin vertäuen, eine Trosse vom Bug an die Notre-Dame-Kirche und eine achtern an La Morgue. Wir können das Mittelmeer verlassen und die Rhone bis Lyon hinauffahren, dann können wir zur Saone übergehen und von der Saone durch den Kanal de Bourgogne nach der Marne, und von der Marne nach der Seine gehen und die Seine bei Le Havre verlassen.
Wenn wir dann über den Atlantischen Ozean nach den Vereinigten Staaten segeln, können wir den Hudson hinauffahren, den Ene-Kanal passieren, über die großen Seen fahren, den Michigansee bei Chikago verlassen, über den Illinois und den Kanal, der ihn mit Kanada verbindet, nach dem Mississippi gelangen und ihn hinab bis zum Golf von Mexiko fahren. Und dann kommen die großen Flüsse in Südamerika. Wir werden tüchtig Geographie gelernt haben, wenn wir nach Kalifornien zurückkehren.
Wer sich ein Haus baut, ist oft großen Gemütsbewegungen ausgesetzt, wem aber diese Spannung Spaß macht, dem rate ich, sich ein Boot wie die Snark zu bauen. Denkt nur an die Spannung, in die jede Einzelheit dich versetzt. Nehmt zum Beispiel die Maschine. Welches ist die beste Maschine: zwei Zylinder, drei Zylinder, vier Zylinder?
Verbrennungsmethoden; nehmen wir einen Kontaktunterbrecher? Nehmen wir Trockenelemente oder Akkumulatoren? Ein Akkumulator klingt sehr verlockend, aber er erfordert einen Dynamo. Und wenn wir einen Dynamo und einen Akkumulator installiert haben, dann wäre es einfach lächerlich, das Schiff nicht elektrisch zu beleuchten. Nun kommen die Diskussionen, wieviel Licht und welche Lichtstärke. Das ist eine großartige Idee. Aber elektrisches Licht erfordert einen stärkeren Akkumulator und der wiederum einen stärkeren Dynamo.
Und da wir nun einmal dabei sind, warum dann nicht einen neuen Scheinwerfer anschaffen? Der könnte ungeheuer nützlich sein. Aber Scheinwerfer erfordern soviel Elektrizität, daß die anderen Lampen ausgeschaltet werden müssen, wenn er in Gebrauch ist. So wandern wir denn wieder den weiten Weg, während wir daran arbeiten, größere Kraft für Akkumulator und Dynamo zu schaffen. Und wenn die Frage endlich gelöst ist, dann kommt einer:
„Wenn nun aber die Maschine entzweigeht?“ Was dann mit Posi-tionslaternen, Kompaßlaternen und Ankerlaterne? Die Folge ist, daß wir gezwungen sind, das ganze Boot auch mit Petroleumlampen zu versehen.
Aber wir sind noch nicht fertig mit der Maschine. Es ist eine kräftige Maschine. Wir sind zwei kleine Männer und eine kleine Frau. Es wird unseren Mut und unser Rückgrat knicken, wenn wir den Anker mit Handkraft heben sollen. Laßt die Maschine das tun. Und so kommt die Frage, wie wir die Kraft von der Maschine auf das Ankerspill übertragen sollen. Wenn dann das alles geordnet ist, so müssen wir wieder von vorne anfangen und den für die Kajüte und die Kammern berechneten Raum ganz anders einteilen. Und wenn wir die Maschine verrückt haben, dann schicke ich dem Fabrikanten in New York ein vollkommen irrsinniges Telegramm, das ungefähr so lautet: Kniegelenk aufgegeben. Verändert Achsenlager entsprechend Entfernung von Vorderseite Treibrad bis Vorderkante Achtersteven sechzehn Fuß sechs Zoll.
Wenn ihr euch über Einzelheiten aufregen wollt, so lauft herum und sucht das beste Steuergerät oder versucht zu entscheiden, ob ihr für die Takelung die üblichen Taljenreeps oder Wantenschrauben nehmen wollt. Soll das Haus mitten an Deck vor dem Rad oder an der einen Seite davon stehen?
Dann kommt das Problem des Benzins, fünfzig Tonnen im ganzen - welches ist die sicherste Art, es aufzubewahren und der Maschine zuzuführen, und welches ist der beste Feuerlöscher für Benzin? Dann kommt das nette Problemchen des Rettungsbootes und seiner Aufbewahrung. Und wenn das überstanden ist, dann kommen Koch und Kajütjunge und stellen uns neuen Eventualitäten gegenüber, die wie ein böser Traum sind. Die Dienstbotenfrage für Leute auf dem Lande ist nichts im Vergleich hiermit. Wir hatten wirklich einen Kajütjungen gefunden, insofern konnten wir anfangen, ein Ende unserer Mühe zu sehen. Da aber verliebte sich der Kajütjunge und sagte ab.
Und wie soll man in all dieser Unruhe die Zeit finden, Navigation zu lernen - wenn die Gedanken so beschäftigt sind, teils mit diesen Problemen und teils mit der Arbeit, sich Geld zur Lösung der Probleme zu verschaffen?
Weder Roscoe noch ich verstehen etwas von Navigation, und jetzt ist der Sommer vergangen, wir wollen aufbrechen, die Probleme sind größer als je, und der Geldbeutel gähnt vor Leere. Nun ja, man braucht jedenfalls viele Jahre, um Seemannschaft zu lernen. Wenn wir jetzt keine Zeit dazu finden, dann schaffen wir uns die Bücher und Instrumente an und bringen uns zwischen San Franzisko und Hawaii das Navigieren bei.
Etwas ist sehr unangenehm und peinlich bei dieser Reise mit der Snark.
Roscoe, der mein Mitnavigator sein soll, ist eifriger Anhänger eines Cyrus R. Teed. Seht, dieser Cyrus R. Teed hat eine ganz andere Auffassung vom Weltall als die übliche, und Roscoe teilt seine Anschauung. Und deshalb glaubt Roscoe, daß die Oberfläche der Erde konkav ist, und daß wir auf der Innenseite einer Kugel leben. Und obwohl wir miteinander in demselben Boot, auf der Snark, fahren, wird Roscoe folglich an der Innenseite der Erde herumfahren, während ich an der Außenseite fahre. Aber wir trösten uns damit, daß wir uns schon noch einig werden, ehe die Reise zu Ende ist.
Ich bin vollkommen überzeugt, ihn zu bekehren, so daß er die Reise an der Außenseite unternimmt, während er ebenso überzeugt ist, daß ich mich, ehe wir nach San Franzisko zurückkommen, an der Innenseite des Erdballs befinden werde. Wie er mich durch die Erdrinde ziehen will, das weiß ich nicht, aber Roscoe ist immer ein Teufelskerl gewesen.
P. S. Diese Maschine! Da wir nun einmal den Dynamo und den Akkumulator haben, warum uns dann nicht gleich eine Eismaschine anschaffen? Eis in den Tropen! Das ist notwendiger als das liebe Brot. Also machen wir uns an die Eismaschine! Jetzt habe ich mich kopfüber in die Chemie gestürzt, und die Lippen schmerzen und mein Gehirn schmerzt, und wie soll ich nur je Zeit bekommen, Navigation zu studieren?
„Kümmere dich nicht um das Geld!“ sagte ich zu Roscoe. „Sorg nur dafür, daß alles auf der Snark vom besten wird. Und fang nicht an, sie auszuschmücken. Ungestrichene Kieferplanken- mehr Schmuck brauche ich nicht. Aber für die Konstruktion wende Geld auf. Achte darauf, daß die Snark solide und stark wird wie nur je ein Boot, das auf dem Wasser schwamm. Kümmere dich nicht um die Kosten, wenn sie nur solide und stark wird; ich werde schon schreiben und Geld verdienen, um es zu bezahlen.“
Und das tat ich... so gut ich konnte; denn die Snark verschlang weit mehr Geld, als ich zu verdienen vermochte. Ja, ich mußte mir jeden Augenblick Geld leihen, um meinem Verdienst aufzuhelfen. Jetzt lieh ich mir tausend Dollar, dann zweitausend Dollar und dann wieder fünftausend Dollar. Und unterdessen arbeitete ich Tag für Tag und steckte alles, was ich verdiente, in das Unternehmen. Ich arbeitete sogar sonntags und gönnte mir keinen Feiertag. Aber es war auch der Mühe wert. Jedesmal, wenn ich an die Snark dachte, wußte ich, daß sie es wert war.
Denn, lieber Leser, denken Sie daran, wie solide die Snark ist! Sie mißt fünfundvierzig Fuß - an der Wasserlinie. Ihre Kielplanke ist drei Zoll stark, ihre Planken sind zwei und einen halben Zoll und ihre Deckplanken zwei Zoll stark, und nirgends sind die Planken zusammengesetzt. Das weiß ich, denn ich habe sie selbst in Puget Sound bestellt. Dazu hat die Snark vier wasserdichte Räume, was bedeutet, daß sie der ganzen Länge nach in drei wasserdichte Schotten eingeteilt ist. Auf die Weise kann selbst bei dem größten Leck nur ein einziger von den Räumen voll Wasser laufen. Die anderen drei genügen jedenfalls, um sie schwimmend zu erhalten, und außerdem werden wir auf die Art das Leck reparieren können.
Die Snark ist ein Segelboot. Sie wurde in erster Reihe zum Segeln gebaut.
Dann aber wurde ganz zufällig, nur als Notbehelf, eine siebzigpferdige Maschine installiert. Es ist eine gute, starke Maschine. Ich muß es wohl wissen. Ich habe den Transport den ganzen Weg von New York hierher bezahlt. Und auf dem Deck über der Maschine befindet sich ein Ankerspill.
Das ist ein wunderbarer Apparat. Er wiegt mehrere hundert Pfund und nimmt ein gut Teil vom Deckplatz in Anspruch. Sehen Sie, es wäre lächerlich, den Anker mit Handkraft einzuholen, wenn man eine siebzigpferdige Maschine an Bord hat. Und deshalb installierten wir denn das Ankerspill und übertrugen die Kraft der Maschine darauf mit Hilfe eines speziell hierfür in einer San Franziskoer Gießerei verfertigten Getriebes.
Die Snark war komfortabel eingerichtet, in dieser Beziehung wurde nicht gespart. Da ist z. B. das Badezimmer, allerdings klein und zusammen-gedrängt, aber doch mit allen Bequemlichkeiten, die ein Badezimmer auf dem Lande aufzuweisen hat. Das Badezimmer ist ein Traum von allerlei ingeniösen Erfindungen, Pumpen, Hebeln und Seeventilen. Ja, als es noch in Arbeit war, konnte ich nachts wach liegen und an das Badezimmer denken. Und gleich neben dem Badezimmer haben wir das Rettungsboot und die Barkasse. Sie liegen an Deck und nehmen das bißchen Platz in Anspruch, auf dem wir uns sonst hätten bewegen können. Aber dafür sind sie auch besser als eine Lebensversicherung, und der Vorsichtige wird, selbst wenn er ein solides und starkes Fahrzeug wie die Snark gebaut hat, dafür sorgen, daß er auch ein Rettungsboot hat. Und das unsere ist ein gutes Boot - eine wahre Perle! Es war ein Preis von hundertundfünfzig Dollar dafür vereinbart worden, und als ich die Rechnung bezahlen sollte, lautete sie auf dreihundertundfünfundneunzig Dollar. Das zeigt, was für ein gutes Rettungsboot es ist. Ich könnte weiter von den vielen Tugenden und Vorzügen der Snark erzählen, aber ich will mich beherrschen. Ich habe schon hinreichend geprahlt, und zwar wohlüberlegt, wie man sehen wird, ehe ich mit meiner Geschichte fertig bin. Und schließlich dürfen Sie nicht vergessen, daß ich dieses Kapitel, „das Unfaßbare und Ungeheuerliche“ genannt habe. Wir hatten geplant, am ersten Oktober 1906 mit der Snark abzufahren. Daß sie nicht abfuhr, war unfaßbar und ungeheuerlich. Daß sie nicht fahren konnte, hatte keinen anderen Grund, als daß sie nicht segelfertig war. Ihre Fertigstellung war zum 1. November, zum 15.
November und zum 1. Dezember versprochen worden, und doch war sie nicht fertig. Am 1. Dezember verließen Charmian und ich das schöne reiche Sonoma und zogen in die Stadt mit der schweren stickigen Luft - aber nicht für längere Zeit, ach nein, nur für vierzehn Tage, denn am 15.
Dezember sollten wir abfahren. Und wir mußten es wohl wissen, denn Roscoe hatte es gesagt, und auf seinen Rat waren wir nach der Stadt gezogen, um uns dort vierzehn Tage aufzuhalten. Ach, die vierzehn Tage vergingen, sechs Wochen vergingen, acht Wochen vergingen, und der Tag der Abreise war ferner als je. Es erklären? Wer?- Ich?-Das kann ich nicht.
Ich, ein Wortkünstler von Beruf, gestehe, daß ich nicht imstande bin zu erklären, warum die Snark nicht fertig war. Wie ich gesagt habe und hier wiederholen muß, war alles unfaßbar und ungeheuerlich.
Zu gegenseitiger Ermunterung pflegten wir die vielfachen Tugenden und Vorzüge der Snark aufzuzählen. Ja, und ich lieh mir immer mehr Geld und schrieb immer eifriger und schlug es heroisch ab, mir einen Sonntag frei zu nehmen und mit meinen Freunden einen Ausflug in die Berge zu machen.
Ich baute ein Schiff - und mir war es einerlei, was es kostete, wenn es nur ein Schiff wurde.
Und ja, die Snark hat noch etwas, womit ich prahlen muß, und das ist ihr Bug. Keine See wird je über ihn hinwegspülen. Er verlacht die Seen, dieser Bug. Und dazu ist er ein schöner Bug. Seine Linien sind der reine Traum, ich zweifle, daß je ein Boot mit einem schöneren und gleichzeitig brauchbareren Bug gesegnet war. Den Bug ansehen, heißt verstehen, daß die Kostenfrage bei diesem Bug keine Rolle gespielt hat. Und jedesmal, wenn unsere Abreise aufgeschoben wurde oder wenn neue Ausgaben hinzukamen, dachten wir an diesen wunderbaren Bug und beruhigten uns.
Die Snark war ein kleines Boot. Als ich berechnete, daß sie siebentausend Dollar kosten müßte, rechnete ich richtig und korrekt. Ich habe Scheunen und Häuser gebaut, und ich kenne die seltsame Neigung dieser Dinge, den berechneten Preis zu übersteigen. Das wußte ich schon ausgezeichnet, als ich berechnete, daß der Bau der Snark aller Wahrscheinlichkeit nach siebentausend Dollar kosten würde. Nun ja, er kostete dreißigtausend.
Fragen Sie mich nicht, wie das zuging. Es ist wahr. Ich setzte meinen Namen unter die Schecks und beschaffte das Geld. Selbstverständlich ist das nicht zu erklären. Unfaßbar und ungeheuerlich, das ist es eben, wie man auch zugeben muß, ehe ich mit meiner Geschichte fertig bin.
Und dazu die Verspätung. Nicht einer von den Handwerkern, nicht eine von den Firmen, mit denen ich zu tun hatte, lieferte je zu der vereinbarten Zeit oder stellte sich je rechtzeitig ein, außer am Zahltage oder wenn eine Rechnung vorgelegt werden sollte. Die Leute schworen bei ihren unsterblichen Seelen, einen bestimmten Gegenstand zu einem bestimmten Tage zu liefern, und trotzdem kamen die Dinge in der Regel nicht weniger als drei Monate nach der vereinbarten Zeit. Aber Charmian und ich trösteten uns damit, daß die Snark ein herrliches Boot sei, so stark und solide, und manchmal fuhren wir auch mit der Jolle hinaus, ruderten um die Snark herum und freuten uns über den wunderbaren Bug.
„Denk nur“, konnte ich zu Charmian sagen, „wenn wir einen Sturm vor der chinesischen Küste bekämen und die Snark beidrehte, wie ihr herrlicher Bug sich dann gegen den Sturm anarbeiten würde. Nicht ein Tropfen Wasser würde über den Bug hereinkommen.“
Und bei solchen Gelegenheiten drückte Charmian mir begeistert die Hand und rief: „Sie ist es wahrhaftig wert, Verspätung, Ausgaben und Mühe und alles andere. Ach, es ist wirklich ein herrliches Boot!“
Unterdessen begannen die Redakteure und Verleger, mit denen ich Kontrakte hatte, mich zu quälen, daß ich ihnen eine Erklärung geben sollte.
Aber wie sollte ich es ihnen erklären, wenn ich nicht imstande war, es mir selber zu erklären, und wenn keiner, nicht einmal Roscoe, es mir erklären konnte? Die Zeitungen begannen sich über mich lustig zu machen und kleine Gedichte über die Abreise der Snark zu bringen, bei denen der Kehrreim war: „Noch nicht, aber bald.“ Und Charmian tröstete mich, indem sie mich an den Bug erinnerte, und ich ging in eine Bank und lieh mir noch fünftausend. Aber ein Gutes hatte die Verspätung doch. Einer meiner Freunde, der zufällig Kritiker ist, schrieb einen Artikel über mich, worin er mich und alles, was ich geschrieben hatte, und alles, was ich je schreiben sollte, verriß, und es war seine Absicht gewesen, daß der Artikel erscheinen sollte, wenn ich mich auf hoher See befand. Als er aber erschien, war ich immer noch auf dem Lande, und seitdem kommt er ununterbrochen mit einer Erklärung nach der anderen.
Und die Zeit verging. Eines war uns allmählich klar geworden - es war unmöglich, die Snark in San Franzisko fertig zu bekommen. Sie war jetzt schon so lange in Arbeit, daß sie zu zerfallen begann, ja, es war schon so weit mit ihr gekommen, daß sie nicht mehr so schnell repariert werden konnte, wie sie entzwei ging. Alle Menschen machten sich darüber lustig.
Keiner nahm die Sache mehr ernst, am allerwenigsten die Leute, die an dem Schiff arbeiteten. Ich sagte, daß wir so, wie sie war mit der Snark aufbrechen und sie in Honolulu fertig machen wollten. Ich versuchte sie in den Bootshafen zu segeln. Ehe sie so weit kam, wurde sie zwischen zwei mächtigen Leichtern eingeklemmt und arg gequetscht. Wir zogen sie auf die Bedding, als sie aber oben war, zerbrach die Bedding, und sie versackte mit dem Achterende im Schlamm.
Tag und Nacht, eine ganze Woche lang, zerrten zwei Schlepper an der Snark. Aber sie blieb eigensinnig mit dem Achterende tief im Schlamm stecken, mitten in den Trümmern der Bedding. Wie wir so in der Klemme saßen, begannen wir die Geräte und Maschinen zu benutzen, die in der San Franziskoer Gießerei verfertigt waren, und mit denen die Kraft von der Maschine auf das Spill übertragen werden sollte. Es war das erstemal, daß wir je das Spill versuchten.
Der Guß war fehlerhaft; er ging in tausend Stücke, die Lager verbrannten und das Ankerspill war außer Funktion. Und als das besorgt war, ging es mit der siebzigpferdigen Maschine genauso. Die Maschine kam aus New York; der Unterbau auch; der hatte einen Fehler; der Unterbau hatte eine Menge Fehler, und die siebzigpferdige Maschine riß sich von dem zersplitternden Unterbau los, hob sich hoch, sprengte alle Verbindungsstangen und Bolzen und fiel um. Und die Snark stak weiter in den Trümmern der Bedding, und die beiden Schlepper zerrten vergeblich an ihr.
„Mach dir nichts daraus!“ sagte Charmian. „Denk daran, was für ein starkes und solides Boot es ist!“
„Ja“, sagte ich, „und welch herrlichen Bug sie hat!“
Mit einem Riesenfleiß und im Schweiße unseres Angesichts schleppten wir schließlich die Snark von den Trümmern der Bedding ab. Dann kamen die Frachtwagen mit den Sachen, die wir mitnehmen wollten - Bücher, Decken und Gepäck. Und gleichzeitig kam holterdipolter alles andere an Bord -
Holz und Kohlen, Wasser und Wasserbehälter, Gemüse, Proviant, Petroleum, das Rettungsboot und die Dampfbarkasse, alle unsere Freunde, alle Freunde unserer Freunde, gar nicht zu reden von den Freunden der Freunde unserer Besatzung. Und es kamen Reporter und Photographen und Fremde und alle möglichen Sonderlinge und endlich, über dem Ganzen, Wolken von Kohlenstaub vom Kai.
Am Sonntag um elf Uhr sollten wir abfahren, und es war Sonnabend nachmittag. In der einen Tasche hatte ich ein Scheckbuch, einen Füllfederhalter, einen Datumstempel und ein Stück Löschpapier, in der anderen ein- bis zweitausend Dollar in Gold und Papier. Ich war gerüstet, meinen Kreditoren zu begegnen. Und da -
