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Zwei Jungen freunden sich an, sorgen für haarsträubende Aktionen, die sie humorvoll und ideenreich meistern. Mit Herz und Leidenschaft finden sie einen Weg aus Heimlichkeit und Illegalität. Sie treffen auf Schamanen, Multimilliardäre und Alienforscher. Entführer und Saboteure fordern all ihren Mut und Einsatz. Zwischen Schrottplatzidylle und Luxusbungalow entwickelt sich die spannende Geschichte. Alles ist darin verwoben, Musik, Kunst und Kreativität. Armut trifft auf Reichtum, Schwarz auf Weiß. Zwei grundverschiedene Temperamente lernen mutig füreinander einzustehen.
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Seitenzahl: 556
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Für Wrona
und alle Kinder dieser Welt
KAPITEL 1 Flips und das unsichtbare Geheimnis
KAPITEL 2 Die Rettung
KAPITEL 3 Flips Zuhause
KAPITEL 4 Tierische Aufregungen
KAPITEL 5 Die Mutprobe
KAPITEL 6 High-Tech-Chaos
KAPITEL 7 Gauner und Ganoven
KAPITEL 8 Die "FlipFlaps"
KAPITEL 9 Das Konzert
KAPITEL 10 Die Schiffstaufe
KAPITEL 11 Liebesbrot und Verlobungssuppe
KAPITEL 12 Ufos und Aliens
KAPITEL 13 Endspurt
KAPITEL 14 Die Hochzeit
Zu diesem Buch:
Es beschreibt die Geschichte zweier sehr verschiedener Kinder und deren Freundschaft, die im Garten von Flips' Familie beginnt. Flips richtiger Name ist eigentlich Philippus Amadeus von Grösius. Er ist Sohn des Schiffsfabrikanten Bogumir von Grösius und dessen Ehefrau Ismelda, eine berühmte Sopranistin und Opernsängerin. Flips lebt in Reichshausen, einem idyllischen, verträumten Vorstädtchen der Hafenstadt Handelsau. Umrahmt wird es von fruchtbaren Feldern und zwei Wäldchen, eines mit See. Dort lässt es sich wunderbar baden und angeln. Die Siedlung grenzt an die Schiffswerft 'Grösius & Co', ein riesiges Areal mit massig Werkstätten, Büros und Lagerschuppen, deren Chef und Eigentümer Flips Vater ist. Zwischen Werft und dem Grundstück der Familie von Grösius ist ein gigantischer Schrottplatz angesiedelt, voller Schiffs- und Autowracks, Waggons, Metallschrottbergen und allerlei weiteren Kuriositäten.
Angrenzend, inmitten eines gepflegten Gartens mit Swimmingpool und Tennisplätzen, steht ein enormer Bungalow. Üppig ausgestattet mit neuesten Hightech-Errungenschaften, einem Konzertsaal mit Flügel und so zahlreichen Zimmern, Bädern, Tiefgaragen und Hobbyräumen, dass du dich darin ganz schön verlaufen kannst, wenn du dich nicht auskennst.
Hier wohnt Flips, betreut von Babetta Mungo, der fülligen, dunkelhäutigen Köchin und Haushälterin, die, mit viel Herz, Glaubenskraft und allerlei Tricks, den enormen Alltag des 'Grösius-Clans' managed. Sie ist die gute Seele des Hauses, singt mit warmer Stimme im hiesigen Gospelchor und hat auch selbst, als Großmutter, eine vielköpfige und anspruchsvolle Familie. Sie ist immer für Flips da, nimmt ihn oft in ihre starken Arme, wenn er sich wieder einmal einsam fühlt. Die Spielzeugberge, die seine Eltern anhäufen, weil sie ständig unterwegs sind, helfen da wenig. Flips, der Name stammt auch von Babetta; sie findet Philippus-Amadeus viel zu lang, wenn sie rufen muss.
Zu guter Letzt wohnt hier auch noch 'Bernie' Bernhardiner. Wahrhaftig ein Koloss von Hund, ein durchweg gutmütiger 'Stubenhocker' mit Hang zum Sofa. Er hatte eine Ausbildung zum Rettungshund in jungen Jahren, ist aber, inzwischen mit seinen circa 80 Kilo, ganz schön faul und träge geworden. Sein treuer, liebevoller Blick wird nur aktiv, wenn es gilt, irgendwelche 'Leckerlis' zu erschnüffeln. Er ist Flips bester Freund und Kuscheltier. Leider plagen ihn, weil er so viel in sich hinein mampft, oft arge Blähungen...
Bernie spielt gerade mit Flips im hinteren Teil ihres Gartengrundstücks. Durch das mit wuchtigen Hecken und Brombeergestrüpp durchzogene Gelände windet sich ein langer Maschendrahtzaun. Dahinter ragen massive Eichen und Platanen, die sich mit Tannen- und Lebensbäumen um einen Platz an der Sonne streiten. Auf der saftigen Wiese davor versucht Flips dem dicken Bernie beizubringen, Stöckchen und Bälle zu apportieren. Nach zwei, drei Versuchen lässt der sich aber hinplumpsen, zu nichts anderem zu bewegen, als sich gemütlich auszuruhen. Deshalb greift Flips nun zu den Keksen, die er vorsorglich mitgebracht hat. Das ist, außer schlafen und dösen, das einzige Spiel, zu dem der Hund noch bereit ist, was mit einem tiefen Stöhnen seiner gewaltigen Bassstimme einhergeht. Flips versteckt die Schmackos in Laubhaufen, unter überhängendem Gebüsch oder auch hoch in die Zweige des satten Grüns. Trotz seines massiven Gewichts hat Bernie doch einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Es fällt ihm nicht schwer, auch den letzten Krümel aufzuspüren. Ist er seiner Sache sicher, lässt er sich, mit dumpfem Plumps, sofort auf allen Vieren nieder. Das wird wohl nichts mehr, denkt Flips frustriert, schaut umher, wo etliche Spielsachen achtlos verstreut im Gras liegen. Er hat zu viel davon, macht sich nicht mal mehr die Mühe, alles aufzusammeln und in den Schuppen zu tragen. Der ist sowieso schon vollgestopft mit allerlei Krimskrams.
Bernie döst im Schatten und Flips ist es furchtbar langweilig. Die großen Sommerferien haben gerade begonnen. Die Eltern haben vergessen, ihn zu Zeltlager oder sonstigen Kinderbelustigungen anzumelden. So ist er diesmal gezwungen, die ganze Zeit zuhause mit Bernie und Babetta zu verbringen. Als sein Blick durch den Garten schweift, fällt ihm auf, dass an manchen seiner Sachen Teile fehlen, sie mitunter woanders liegen als noch gestern. Einige sind sogar komplett verschwunden, andere regelrecht demontiert. Schlagartig ist Flips' Aufmerksamkeit geweckt, er fragt sich, aus welchem Grund das wohl passiert. Irgendwas muss hier umhergeistern, vielleicht um ihn zu ärgern, einen Schabernack zu spielen. Das macht ihm wenig aus, er hat sowieso zu viele Dinge, die ihn nicht mehr interessieren. Im Gegenteil, er legt sogar noch ein paar Teile dazu. Schreibt dann Zettel wie, 'wer bist du?', 'warum machst du meine Sachen kaputt?', 'bist du ein Gespenst oder sowas?' Die steckt er in die umherliegenden Stücke.
Am nächsten Tag macht er sich früh auf, neugierig schaut er im Gelände umher, ob präpariertes Spielzeug verschwunden ist. 'Penggg', direkt neben ihm knallt seine alte Spielzeugkanone ins Gras. Es fehlt ein Rad, statt dessen stecken zusammengerollt einige Blätter Klopapier im Schiessrohr, darauf steht was:
Geheimschrift?
Fremde Sprache?
Gespensterschrift?
Flips rätselt, plötzlich hat er eine Idee, eilt ins Haus und malt ein Bild, das sieht so aus:
Dies Bild kopiert er zigmal mit Dad's Drucker und legt eins in jedes Spielzeug.
Am nächsten Morgen klatscht etwas an sein Fenster. Sein alter Lederfußball liegt schlaff im feuchten Gras, ohne die Gummiblase, dafür steckt ein neuer Zettel drin mit einem Bild. Sonst ist niemand zu sehen.
Flips grübelt: Was kann das sein?
Ein Ufo?
Ein Kopf von einem Außerirdischen?
Ein Kunstwerk?
Nein... das ist, mmh, ... ohja! Das ist ein Riesen-Hamburger-Doppelwhopper mit Käse, ganz klar! Und ein Pfeil in einen Krankenwagen, der genauso aussieht wie sein Spielzeug-Rotkreuz-Auto...
"Ahaaa, jetzt kapier ich!!!" Er rast los in die Küche, wo Babetta summend frischen Kakao zubereitet. Hektisch wühlt er im Kühlschrank und schmeißt was in die Mikrowelle. 'Binggg', er holt es raus, rennt sofort wieder nach draußen. "Komisch, ein Doppelwhopper zum Frühstück? Das gab's noch nie! Er ist doch eigentlich Vegetarier!", argwöhnt Babetta und kratzt sich am Kopf. Für Bernie kann's nicht sein, der schlummert noch auf seinem Plüschsofa. Nachdenklich wendet sie sich dem Küchentisch zu, auf dem schon die ersten Pfannkuchen dampfen.
Flips unterdessen eilt, so schnell ihn seine Beine tragen, schnurstracks durch die Wiese auf die Hecke zu. Die hellblonden Haare flattern aufgeregt im Wind, in wenigen Augenblicken schafft er die beachtliche Strecke. Der rotweiße Krankenwagen hält schon erwartungsvoll beide Heckklappen geöffnet, der fette Hamburger passt kaum hinein. Schnaufend vor Anstrengung pumpt sein rundlicher Bauch frischen Sauerstoff in die Lunge. Flips legt sich hinter einem Busch auf die Lauer und wartet. Doch es kommt nur Bernie angetrabt, inzwischen munter, die Nase schnüffelnd am Boden. Der Duft des Whoppers muss ihn angezogen haben. Gerade noch kann Flips verhindern, dass er sich den Happen schnappt, der für den unbekannten Gast serviert ist.
Kaum vertrieben, meldet sich ein neuer Störenfried. Aus dem Wipfel der ausladenden Buche, die über dem Notarztwagen ragt, steigt ein schwarzer, zerzauster Rabe. Mit krächzender Stimme schreit er ständig: "Aaaachtung – Verrräääterrr – Aaaachtung – Verrräääter". Plötzlich ein scharfer, kurzer Pfiff, schon ist der ganze Spuk vorüber. Verblüfft starrt Flips in die Baumkrone, in die der Rabe verschwunden ist. Es ist wieder alles still, nur ein paar Grillen im Gras zirpen um die Wette. Doch er bleibt am Ball, lässt sich nicht ablenken und beobachtet voller Aufmerksamkeit den Wagen samt Whopper.
Gegen Mittag erlahmen dann doch die Kräfte, langsam schlummert Flips in der grellen Sonne ein. Er träumt irgendwas von Affen im Baum, die mit Raben streiten und dauernd Äpfel und Bananen um sich schmeißen. Etwa eine halbe Stunde ist er 'weggedöst', blinzelt beim Aufwachen schweißgebadet in der Mittagshitze. Schlagartig erinnert er sich, rennt zu seinem Auto – der Hamburger ist verschwunden! Dafür liegt ein kleiner Kreisel im Wagen. Bunt mit Glitzersteinen beklebt, die in der Sonne funkeln, wenn er ihn dreht. Komisch, das Zahnrad kommt ihm bekannt vor. Genauso eins hat der Monteur in Dad's Rasenmäher eingebaut, der letzte Woche kaputt ging! 'Danke!', schreibt Flips und steckt den Zettel ins Auto.
Er geht nach Haus und legt sich am Fenster mit einem Fernglas auf die Lauer. Nichts passiert, langsam wird es dämmrig, die Vögel verstummen nach und nach, nur Blätterrauschen ist noch im Abendwind zu vernehmen. Plötzlich hebt sich das Auto, wie von Geisterhand bewegt steigt es sanft in die Höhe und verschwindet in der Baumkrone. Flips stürmt hinaus: "Hallo, hallo!?!" – Nichts. Doch ein Gespenst? Ein außerirdischer Beamer oder so? Stück für Stück durchforscht er das Blätterdach, nichts, nur Schatten und Wind. "Ist da wer, wer bist du?" – Nichts! Es ist sehr vorsichtig, dieses Wesen, oder unsichtbar, denkt Flips und sucht nach Spuren unter dem Baum. Nichts zu finden, aber er spürt, hier ist irgendwer!
Er hat eine Idee, geht ins Haus, sicher mag es Musik! Flips kommt mit seiner Flöte zurück, spielt 'Hänschen klein'. Oben raschelt etwas, weiter nichts ..., vielleicht steht es auf andere Musik? Er eilt zurück, kommt mit seiner Tuba wieder, bläst drauf los. Einen fröhlichen, lauten Marsch, der immer schneller wird, langsam geht ihm schon die Puste aus.
Auf einmal schreit es: "Bist du denn von allen Geistern verlassen, es ist mitten in der Nacht!" Die Stimme kommt aber nicht aus dem Baum. Es ist Babetta, die wild fuchtelnd, sich fürchterlich aufregt und auf ihn zueilt. "Was treibst du hier eigentlich den ganzen Tag?" Flips stoppt das Getöse, in der eintretenden Stille ist aber ein deutliches Kichern in den Blättern wahrnehmbar. "Du kommst jetzt sofort ins Haus!" Babetta packt Flips, der packt seine Tuba und schaut nach oben. Babetta dreht ab, zieht ihn samt Tuba hinter sich her. – 'Plopp!' Flips spürt, irgendwas plumpst in den Trichter. Sofort geht's ab in sein Zimmer, er brennt vor Neugierde. In dem Instrument findet er einen mit Papier umwickelten Apfel – das hier ist auf dem Zettel gemalt!
Diesmal kapiert Flips das Bilderrätsel sofort. Ganz klar, das sind Kekse und Schokolade. Er bewundert das schön gezeichnete Bild, dieses unsichtbare Ding scheint irgendwie hungrig zu sein. Leise schleicht er sich in Babettas Vorratskammer. Packt außer Schokolade und Keksen seine Lieblingsbonbons und Knackwürstchen dazu, eine Minibanane obendrein. Auf Socken schiebt er sich am Schlafzimmer der Köchin vorbei, um ja kein Geräusch zu machen. Uff – alles gutgegangen! Sorgfältig verstaut er die Sachen in seiner Umhängetasche, um sich am nächsten Morgen schon in aller Herrgottsfrühe aus dem Staub zu machen. Das kleine Auto ist jetzt übervoll beladen, die Schokotafel und die Würste hat er sogar aufs Dach binden müssen. Bernie schnuffelt sich wieder heran. Sein Instinkt hat ihn geweckt. Doch Flips greift sein Halsband, führt ihn weg, um ihn, weitab an einen Fahrradständer zu knüpfen. "Dauert nicht lange, dann lass ich dich wieder frei, jetzt kann ich dich nicht gebrauchen!", raunt er ihm zu und pirscht zurück in sein Beobachtungsversteck.
Dort sieht er sofort, die Lebensmittel sind weg! Stattdessen schaut ein Stück Holz aus dem Kofferraum des Wagens. Wow, ein handgeschnitzter Bumerang, lustig und kunstvoll bemalt, ragt als Gegengeschenk aus dem Auto. Freudig überrascht versucht er noch einmal mit dem fremden Besucher Kontakt aufzunehmen. Allein, es nützt nichts, keine Antwort, nichts lässt sich sehen noch hören. Liebevoll betrachtet er den Bumerang, was ein Abenteuer. Das ist mal was anderes als der ganze Technik- und Plastikkram, den er sonst so bekommt. Schon geht's an's Ausprobieren, gar nicht so einfach, wieder und wieder schleudert er das Holzstück durch die Luft. Langsam kriegt er den Dreh raus. Beim letzten Wurf segelt das Teil in einem herrlich weiten Bogen um die Kurve. Um dann – oh Schreck– mit Wucht in das Glasgewächshaus zu knallen, in dem Babetta Tomaten und Gewürzkräuter zieht. Es scheppert und klirrt gewaltig!
Im Nu ist Babetta auf dem Plan, erschrocken und verärgert stellt sie Flips zur Rede. Mit erhobener Stimme herrscht sie ihn an: "Was war das, wer war das, warst du das?" Flips druckst herum: "Mmmh, ähh, nö, weiß nicht", zuckt er die Achseln, dann lässt er die Schultern hängen. Babetta mustert ihn mit prüfendem Blick: "Du warst noch nie besonders gut im Lügen!" Im selben Moment krächzt eine heisere Stimme vom Himmel: "Werrr warr dasss, wass warrr dasss!" Babetta nachäffend, kreist ein frecher Rabe über ihren Köpfen, "duu warrst, duu warrst! " Empört nimmt sie einen Stock auf, holt drohend zum Werfen aus. Der Vogel dreht pfeilschnell ab und verschwindet in der Buche. "Arrlaaarrrm, Arrlaaarrrm", tönt es jetzt aus der Krone, aufgeregt sucht Babetta das Astwerk ab. "Verflixter Bengel", schimpft sie, meint sie jetzt den Raben oder Flips?
Der stiehlt sich klammheimlich davon, eilt zum Fahrradständer und lässt endlich den armen Bernie frei. Beleidigt blafft der Flips zwei-, dreimal an, stiebt dann tapsig los, um gemeinsam mit Babetta in die Baumkrone zu wettern, eine Stimme hoch, eine tief. Schließlich beruhigen sie sich, marschieren zurück ins Haus. Mit besorgter, nachdenklicher Miene macht sich Babetta daran, den Kartoffelauflauf fertig zu kriegen.
Flips hat ein schlechtes Gewissen, versteckt sich lieber im Fahrradschuppen. Sicherheitshalber lässt er das leckere Mittagsmahl ausfallen, um unbequemen Fragen auszuweichen. Später sucht er nach dem alten Zweithandy, das er im Keller gebunkert hat, wo ihn dann Babetta auch prompt erwischt. "So mein Junge, jetzt mal raus mit der Sprache, was um Himmelswillen stellst du hier an den ganzen Tag?" Sie versucht jetzt, mit einem etwas versöhnlicherem Ton, von Flips zu erfahren, was er da treibt. "Äämmh, das ist noch nicht ganz klar, äähh, ich meine, ähm, das ist noch mein Geheimnis". Er lässt die verwunderte Babetta im Keller stehen und trollt sich, so schnell er kann, das Handy in der Tasche.
Mit klopfendem Herzen nähert er sich seinem Rot-Kreuz-Auto. So ein Katz-und-Maus-Spiel, so etwas Aufregendes hat er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt. Eigentlich ist Flips mit seinen zwölf Jahren ziemlich klein für sein Alter. Er ist eher scheu und zurückhaltend, oft sogar ängstlich, doch auch hochmusikalisch und sehr verträumt. Das hat er wohl von seiner Mutter, der Sängerin, die ja auch darauf bestand, dass er mit Zweitnamen Amadeus heißen soll. Weil das für sie so schön nach guter Musik klingt. Im Gegensatz dazu sein Vater, der eher wissenschaftlich rational denkt – auch davon hat Flips einiges geerbt. So hilft er sich zum Beispiel selbst, wenn alles zu viel wird und die Wogen über ihm zusammen schlagen. Dann beruhigt er sich, alles wär doch ganz normal, alles wird sich irgendwann erklären, alles hat seinen Grund und lässt sich bestimmt herausfinden, - so kann er sich entspannen.
Aber jetzt, meine Güte, tausend Gedanken schießen durch seinen Kopf. Sein sensibles Gefühl wogt, so spannend, so unglaublich geheimnisvoll, was gerade passiert. Er braucht allen Mut und Tapferkeit, sein kleines Herz pocht bis zum Hals. Sein Bauchgefühl sagt: 'Diesmal klappt's!' Er hat sein Lieblingskuscheltier mitgebracht, einen durchgeknuddelten, ausgefransten Teddybär, den seine Uroma genäht hat. Er spürt ihn in seiner Jacke, das beruhigt. Seine zittrigen Hände legen das Telefon und ein neues Bild in den Transporter. Es zeigt den Finger einer Hand, der auf den Empfangsknopf des Handys drückt.
Er hat sich besonders viel Mühe gegeben, weil sein unbekanntes Gegenüber so schön und ausdrucksvoll zeichnen kann. Jetzt passiert es, denkt er, jetzt find ich raus, was das zu bedeuten hat. Atemlos wartet er geduldig, bis sich der Wagen hebt. Eine kleine Weile gibt er zu, die Gänsehaut auf seinem Rücken erreicht schon Arme und Beine. Er meint, vor Aufregung fast vergehen zu müssen. Dann gibt er sich einen Ruck, wählt rasch die Nummer. Sein Ohr glüht, als er den Hörer dran presst.
Ein Stück weiter hinten, wo seit Ewigkeiten die dornige Grenzhecke in ein paar rostige Eisenteile eingewachsen ist - ein deutliches Klingelzeichen. Tatsächlich, das Freizeichen verstummt. Jemand hat den Antwortknopf gedrückt. "Hallo, hallo?", presst er raus, "hier ist Flips, wer ist da, ich möchte dich gern kennenlernen! Hallo, hallo! Verstehst du mich!"
"Klar mann!" tönt es aus dem Gerät.
"Hey, wer bist du?"
"Niemand, mann!"
"Was heißt niemand?"
"Das heißt, niemand weiß was, mann."
"Wieso weiß niemand was?"
"Weil das niemand weiß, weißt du, mann?"
"Mannomann, versteh ich nicht, können wir uns sehen?"
"Das is nich so einfach, mann!"
"Wieso, mann?"
"Hey, ich sag mann, nich du!"
"Schon gut, wieso ist das so?"
"Bei uns is das nun mal so, mann!"
"Bei uns? Seid ihr viele?"
"Ähhh, nein mann, Mist mann!"
Tüüt, tüüt, tüüt, tüüt. Oh, Mist, denkt Flips, aufgelegt. Ich versuch's gleich nochmal ... Er wählt die Nummer–Tüüüüüt, tüüüüüt, tüüüüüt, tüüüüüt, tüüüüüt, tüüüüüt. Nichts, ojeh, jetzt will er nicht mehr, wieso? Er probiert wieder und wieder, den ganzen Tag über, es ist immer nur das Freizeichen zu hören. Irgendwann abends gibt er auf. Vielleicht morgen, hofft er, dann verbringt er eine ziemlich unruhige Nacht. Mit etlichen wirren Träumen, in denen er ständig nach irgendetwas suchen muss, nach was, weiß er gar nicht mehr. Es ist gefährlich, er muss sich durch komplizierte Labyrinthe kämpfen, mit allerlei Tücken und Zwischenfällen. Oft wird es brenzlig, dann stolpert er in einen langen, tiefen Schacht, er fällt und fällt ins Dunkle, es hört gar nicht mehr auf–schließlich erwacht er schweißgebadet. "Puhh, ich habe lange nicht mehr so krass geträumt, bin froh, dass ich wieder hier bin." Er schlurft, noch im Schlafanzug, ins Esszimmer und stärkt sich mit einem Riesenmüsli. Grunzend legt Bernie den dicken Kopf auf Flips' Beine und bettelt hingebungsvoll mit obertreuherzigstem Blick.
"Nichts da, du weißt doch, am Tisch gibt's nie was für Hunde". Schmollend trollt sich Bernie, tappt in die Küche, um dort sein Glück zu versuchen. Satt marschiert Flips ins Bad, wirft ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht, putzt rasch die Zähne. Dann zieht er sich an und schleicht aus dem Haus, Richtung Hecke. Ein neuer Zettel wartet im Auto!
Flips ruft sofort an – tüüüt, tüüüt, tüüüt -
"Ja, mann, alles klar, mann?"
"Wieso ist es nicht so einfach dich zu sehen?"
"Geheimnis, mann!"
"Was? Geheimnis? Ich liebe Geheimnisse!"
"Echt, mann?"
"Echt! Was ist geheim, wieso ist das geheim?"
"Das is geheim, mann!"
"Ähhm, ach ja???"
"Klar, mann!"
"Wo steckst du?"
"Zeig ich dir gleich, mann!"
"Wo denn?"
"Is geheim, mann, is'n Rätsel!"
"Boah, Rätsel? Ich bin nicht so gut in Rätsel!"
"Is auch nur so ähnlich, mann!"
"Was jetzt? Wo bist du?"
"Hier im Dschungel, mann, am Geheimtreffpunkt... Ich sag dir's, wo's lang geht! - Die Parole ist DubbleBubble!"
"DubbleBubble, ist das dein Ernst? Ist das weit weg?"
"Ähh, wart's ab, mann!"
"Okay, okay, wohin?"
"Geh jetzt durchs Gartentor, dann den Weg am Bach lang!"
"Okay und dann?"
"Bis zur Brücke, dann unten durchs Kanalrohr und dort die Eisentreppe hoch, mann!"
"Gut, ich bin da, wie weiter?"
"Durch den Hinterhof bis zur Hundehütte!"
"Und jetzt?"
"Krabble durch, is keine Rückwand drin, mann."
"Okay, ich bin durch!"
"Ganz über den Schrottplatz, bis zu dem alten Bagger."
"Hey, dauert's noch lang, was jetzt?"
"Den Ausleger hoch in die Schaufel, mann! Gleich wird's besser, bleib cool!"
In der Baggerschaufel liegt ein zerschlissenes Sitzkissen, auf einer Obstkiste daneben ein Plastikbecher mit lauwarmer Cola.
"Wo bist du? Ich seh dich nicht."
"Trink erst mal was, mann, siehst du die Leiter?"
Eine klapprige Holzleiter hängt in den Zinken der Baggerschaufel. "Seh ich, was soll ich mit der?"
"Schieb sie rüber, zu dem Fenster in dem alten Schuppen. Häng sie in die Zähne, pass auf, mann, is ziemlich wackelig!"
"Mein Gott, Hilfe, was mach ich, die schwankt ja wie verrückt, hoffentlich hält die das durch. Okay, bin drüben, endlich, puuhh, hah, das war voll lebensgefährlich, weißt du das?"
"Die Treppe runter, hinten raus, dann geradeaus über den Autofriedhof, mann!"
"Bin jetzt ganz hinten, das strengt an, du. Ich bin schon richtig kaputt, wie lang denn noch?"
"Nich mehr lang, mann, siehst du den vergammelten VW-Käfer?" "Ja, sehe ich!"
"Steig ein und schau, dass dich niemand beobachtet. Klapp die Rückbank um, da kannst du durchkrabbeln, mann!"
"Hey, ich bin fix und fertig, was soll das, hört das denn nie auf?"
"Hihihi, is'n Test, mann. Will sehen, ob du's ernst meinst!"
"Hahaha, soll das ein Witz sein?"
"Okay, okay, mann. Nur noch durch das Gebüsch kriechen, da geht ein kleiner Gang rein, gleich bist du da, mann!"
Flips muss tief auf dem Bauch durchrobben, in Schlangenlinien windet sich ein schmaler Weg durch das Gestrüpp. Er muss total aufpassen, um nicht ständig hängen zu bleiben, überall ragen höllisch spitze Dornen aus dem Grünzeug. Verkratzt, mit Löchern im Anzug, kämpft er sich weiter vor, dann liegt er bäuchlings vor einer undurchdringlichen Blätterwand. "Verdammt-hey, hier geht's nicht weiter, bin ich hier noch richtig?"
"Klar mann, Parole mann!"
"Dubble-bubble!", stöhnt er, schnauft dabei wie eine alte Dampflokomotive. Urplötzlich klappt die Blätterwand hoch, sie ist an eine Art Gatter geflochten und gibt den Blick auf eine kleine Lichtung frei. Er sieht eine Feuerstelle vor sich, umringt von dicken, schwarzen Steinen, darin rauchen noch angekokelte Holzscheite, ein Metallrost hängt darüber. Flips schaut sich suchend um, nur grünes Dickicht umschließt ihn. Mehrere sehr hohe Bäume stemmen sich empor - die kenn ich doch! Bin ich im Kreis gelaufen? "Hey du" ruft er, "wo bist du, ist das der Geheimtreffplatz? Wozu der ganze Aufwand, hier ist doch nichts Besonderes. Ich will dich jetzt endlich sehen?!!!" - "Da wär ich mir aber nich so sicher, mann!" Flips fährt herum, die Stimme ist ganz nah, doch niemand weit und breit. Ein beklemmendes Gefühl steigt in ihm auf - doch ein Geist?!? Niemand könnte mich jetzt hier finden! Schießt es ihm durch den Kopf. Vorsichtig schaut er umher, kleine Schweißtropfen sammeln sich auf der Stirn, Gänsehaut kribbelt am ganzen Körper.
"Wer bist du, hey, wo steckst du?" Wut steigt in ihm auf, "was soll das, zeig dich! Schickst mich wie blöd durch die Gegend, es reicht jetzt!"
"Hihihi, hier oben, mann, hier is ein gemütliches Plätzchen!"
Aus dem dicht überhängenden Blätterdach schaut kichernd ein braunes Kindergesicht hervor. Genau über Flips baumelt ein Junge in seinem Alter kopfüber und grinst von Ohr zu Ohr.
"Hallo, mann, Parole?"
"Dubblebubble - Dabbelbabbel würden die Amis sagen, wie bist du denn auf dieses dämliche Passwort gekommen?"
"Is halt mein Lieblingskaugummi, mann!"
"Ausgerechnet der, der wird doch hart wie Zement!"
"Eben, das is ja mein Glück gewesen!"
"Ein Zementdabbelbabbel?"
"Äähh, ja, mann, aber das erzähl ich dir mal später. Komm erst mit, ich will dir was zeigen!"
Flips mustert aufmerksam das Gesicht des Jungen, der vor seinen Augen hin und her schaukelt. Schmal, mit blitzend weißen Zähnen und vollen Lippen, sieht er eigentlich eher lustig und gar nicht gefährlich aus. Ein kleiner goldener Ring blinkt am linken Ohr. Der Kopf verschwindet, stattdessen senkt sich langsam eine Strickleiter neben Flips ins Gras.
Unsicher hangelt er sich hinauf, oben findet er Bretter und Zweige zusammengeknüpft, durch die Äste windet sich so was wie eine Treppe. Von außen nicht zu sehen, ist der Kletterpfad prima vom Blattwerk der Baumkronen getarnt. Man kann sich ziemlich sicher und bequem durch das Labyrinth bewegen. Er folgt den Stufen und entdeckt auf einmal kleine Figuren: Menschen, Tiere und Phantasiegestalten, auch Autos, Schiffe und andere komische Gefährte. Genau wie er, scheinen sie entlang der Treppe zu laufen oder zu fahren. Lustig und skurril sieht das aus, alles strebt in dieselbe Richtung. Flips setzt seine Klettertour durchs Geäst fort, bis er zu einer wahrhaft riesigen Eiche gelangt. Immer mehr Figuren und Fahrzeuge tauchen auf, um schließlich in einem gewaltigen, dunklen Astloch zu verschwinden.
"Hooloo - Hooloo- Öch böns, öch bön hör drön!" tönt es schauerlich aus dem Schlund, das klingt hohl und unheimlich. Langsam steigt ein dunkler Haarschopf daraus hervor, es ist, Gott sei Dank, der grinsende Junge von eben. Er lehnt sich aus dem Loch, feixt und zieht Grimassen, um sich dann auszuschütteln vor Lachen. "Hast du sowas schon mal gesehn, mann, nee was? Das is mein Karawanen-Safari-Rettungsbaum, der alles rettet!"
Der Bursche, der nun behende aus dem Astloch schlüpft, mag wohl einen halben Kopf größer sein als Flips. Er wirkt drahtig und durchtrainiert. Schlank und beweglich lässt er sich neben dem erschöpften Flips auf einem Ast nieder. Er hat einen wachen, freundlichen Blick, seine dunklen Augen betrachten belustigt und weit aufgerissen sein Gegenüber. "Willst du wissen, warum ich das alles gebaut hab? Pass auf! " Er nimmt eines der liebevoll gestalteten Figürchen. Körper und Gliedmaßen aus Draht sind mit bunten Stoffstreifen umwickelt, der kleine Kopf ist aus Holz geschnitzt. Hier und da biegt er noch etwas zurecht, dann setzt er es behutsam zurück auf den Ast. Der Junge beginnt Flips eine alte, afrikanische Legende zu erzählen.
"Es war einmal, vor langer, langer Zeit, da ärgerten sich die Götter im Himmel. Früher wurden sie von den Menschen angebetet und verehrt. Sie brachten viele Gaben und Geschenke als Opfer. Um die Götter gut bei Laune zu halten, mann, dass sie ihre Ernte verschonten, keine wilden Stürme schickten und keine Blitze auf die Erde schleuderten. Dass ihre Boote nich in Riesenwellen untergingen. Dass die heiße Sonne sie nich verbrannte und keine Heuschrecken das Land kahl fraßen. Verstehst du, mann, früher war für die Götter und Geister alles voll in Ordnung! Aber dann wurden die Menschen immer schlauer, sie bauten Maschinen, um Arbeit zu sparen und Häuser mit so starken Mauern und Dächern, die nix mehr umhaute, mann. Es ging ihnen immer besser, da haben sie nich mehr so viel gebetet. Sie vergaßen, den Göttern zu danken und brachten kaum noch Opfergaben. Boah, eyh, da wurden die mit der Zeit immer stinkesaurer, mann, die ärgerten sich grün und blau, ihre Kragen platzten und es gab total Zoff im Himmel. 'Jetzt reicht's aber hier!', donnerte der Gott des Zorns. 'Jetzt is Schluss mit der Sauerei!', schrie der Kriegsgott. 'Wir werden denen mal ordentlich die Leviten lesen!', brüllte der Sturmgott und alle regten sich immer mehr auf, mann, total, die wurden fuchsteufelswild. 'Los, denen schicken wir eine Sintflut, mann, und zwar die größte aller Zeiten!'
Der Junge redet sich immer mehr in Rage, fuchtelt mit den Armen rum wie zwei Propeller. "Aber dann", fährt er fort, " dann stand der allerweiseste und gütigste Gott auf, sorgte für Ruhe und sprach zu den hohen Geistern: 'Moment mal, mann, wenn ihr alle Menschen und Tiere umbringt, wer soll euch denn dann noch verehren und Gaben bringen, mann? Es gibt bestimmt auch ein paar, die nich ganz so faul und geizig sind!', so sprach der gute Gott, 'es müssen schon noch ein paar übrig bleiben, sonst wird's hier nämlich stinkelangweilig!' Schließlich sahen das auch die anderen ein und erlaubten ihm, einen Baum wachsen zu lassen, in den die braven Menschen reinkrabbeln sollten, dass sie gerettet werden. Tiere und Spielzeug durften sie auch mitnehmen, weil sie ja lange warten mussten, bis das große Wasser wieder weg is. Boah, du, und weil der allerschlaueste Gott auch noch ziemlich cool is, mann, hat er einen Affenbrotbaum ausgehöhlt, das sind die allerdicksten, mann, und er hat dann gedüngt und gedüngt und gedüngt, so oft, bis er fast in den Himmel gewachsen is. Auf jeden Fall höher als die Flut, die sie schicken wollten. Und dann hat er all die Guten reingestopft, die er gefunden hat, in ein riesiges Astloch rein, mann! Vögel hat er auch noch losgeschickt, dass die Menschen und Tieren erzählen, wie sie sich retten können! Boah, als alles voll war, da war ganz schön was los in dem Lebensretterbaum, sag ich dir! Dann hat er das Astloch einfach zuwachsen gelassen und das große Wasser konnte sie nich finden und umbringen. War das nich cool, mann? Als alles vorbei war, hat er einfach ein paar dicke Äste abgebrochen, dass die auch wieder raus krabbeln konnten, mann, so war das damals gewesen, voll cool, odda?"
Flips staunt nicht schlecht über die Geschichte! "Und das ist jetzt dein Überlebensbaum?"
"Genau, mann, cool, odda?"
Das findet Flips auch. "Echt cool!", staunt er.
"Das hab ich alles selbst gebaut, dafür brauch ich die ganzen Sachen, die ich mir überall besorge, verstehst du, mann, auch die Dinger aus deinem Garten!"
"Ist schon okay du, ich hab genug. Meine Eltern kaufen ständig Sachen, damit ich mich nicht langweile."
"Sowas, mann, ihr seid ganz schön reich, odda?"
"Schon, schon, wie heißt du eigentlich? Ich heiße Flips - und du?"
"Ich heiße Flappo."
"Flappo? Was ist das denn für ein komischer Name?"
"Flappo kommt von Fla-schen-Post, mein Onkel hat mir den Namen gegeben."
"Du hast einen Onkel? Wohnt der auch hier?"
"Nee, mann, der wohnt nich hier, der kommt nur ab und zu vorbei."
"Und wieso heißt du 'Flaschenpost'? Das ist ja noch komischer!"
"Das is ne andere Geschichte, da muss ich dir wieder was zeigen!" Er beginnt hinunter zu steigen, Flips folgt ihm nach. "Wohnst du hier ganz alleine?"
Die beiden Jungen stehen jetzt in einem kleinen Gärtchen mit allerlei Grünzeug. Flips sieht Tomaten, Gurken, Bohnen und Zwiebeln. Eine Reihe Kohlköpfe, Lauch, scharfe Peperoni und etliche Kürbisse wachsen da heran. Er findet Küchenkräuter zwischen Kartoffelpflanzen, einige Gewächse hat Flips noch nie gesehen. Sogar Obstbäumchen und Blumen schmiegen sich in das Stückchen Land.
"Hier gibt's immer viel zu tun, wenn du ordentlich was ernten willst!" meint Flappo stolz, schnappt eine Gießkanne, dreht sich tänzelnd durch die Beete und verteilt das Wasser wie ein Sprenkler. "Heeh Superidee!", lacht er, "pass auf, ich schenk dir einen Regenbogen!"
Schon düst er los und verschwindet gegenüber in einem grünbewachsenen Hügel durch eine rostige Luke. Darüber schauen zwei runde Fenster wie ein Augenpaar in den Garten, ganz obenauf ragt ein Kaminrohr ins Freie. Einen Regenbogen machen, wie soll das gehen? Flips kratzt sich am Kopf. Flappo kommt zurück und zieht einen dicken Feuerwehrschlauch hinter sich her. Ein kurzer Dreh am Spritzenkopf und sofort steigt eine mächtige Wassersäule in den Himmel. Er dreht weiter und aus dem Strahl wird ein feiner Wassernebel, der sanft niederrieselt. Myriaden winzigster Tröpfchen reflektieren das Sonnenlicht und ein wunderschöner Regenbogen entsteht.
"Da, schenk ich dir!", feixt Flappo und drückt Flips den Schlauch in die Hand. Fasziniert hält der die Spritze in die Höhe und bewundert ehrfürchtig das schöne Farbenspiel.
"Da, danke", stammelt er ganz überwältigt, "du hast echt Superideen!" Flappo steuert schon wieder auf das Türchen zu.
"Komm, jetzt zeig ich dir meine Wohnhöhle, mein Zuhause."
Beide stehen nun in einer Art Lokschuppen, alte Schienen schauen noch aus dem Lehmboden hervor. Flips staunt mit großen Augen. Über ihnen wölbt sich ein hohes Wellblechdach, das halbrund den ganzen Raum umspannt. Alles wirkt schummrig und düster, weil die kleinen Fenster nur spärlich Licht spenden. Flappo dreht einen Schalter, eine Partygirlande mit bunten Birnen flammt auf und verwandelt den Lokschuppen in ein farbenfrohes Spielzimmer mit allerlei Kuriositäten. Von der Decke hängen Seile mit einem Autoreifen dazwischen. Flappo schwingt sich drauf und schaukelt gemütlich hin und her.
"Schau dich ruhig ein bisschen um", meint er, "ich brauch das jetzt, da krieg ich immer die besten Ideen, mann!"
Er legt einen Zahn zu und gewinnt an Fahrt, höher und höher schwingt der Reifen, bald erreicht er fast die Decke, er schließt die Augen, lehnt sich bequem in den Ring und bewegt sich nicht mehr, bis er ganz ausgeschaukelt hat.
Flips sieht sich um, die Wände sind über und über mit Brettern und Holzplatten verkleidet. Darauf sind Flechtmatten und alte Teppiche genagelt. Ringsum ist fast alles mit großen bunten Bildern bemalt. Auf einem kann man ein afrikanisches Dorf mit Strohhütten erkennen. Frauen in farbigen Kleidern, die kochen und auf dem Feld arbeiten, alte Männer sitzen im Kreis und musizieren. Viele Kinder, die miteinander spielen, einige tanzen, manche rennen um die Wette, wieder andere raufen und kämpfen. All das sind Erinnerungen an Flappos frühes Dorfleben.
Verschiedene Gemälde zeigen Traum- und Fantasiebilder. Bunte Vogelwesen in der Luft, Fische mit Menschenköpfen und Armen, die tief durch Unterwasserwelten und Pflanzenreiche tauchen. Eines mit einem klapprigen Fischkutter, total überfüllt mit Menschen, in tiefer Nacht bei Sturm in hohen Wellen. Es gibt schneebedeckte Berge zu sehen oder Küstenstreifen mit Buchten und Felsen, dazwischen Sandstrände. Ein anderes Bild zeigt Wälder, samtgrüne Wiesen davor, mit Bauernhäusern und Vieh auf der Weide.
"Das hast alles du gemalt?", staunt Flips.
"Ja, manchmal macht der Onkel mit. Aber der is oft unterwegs, um was zu besorgen, Sachen, die wir brauchen".
"Donnerwetter, ich hab noch nie so schöne Bilder gesehen, die ein Kind gemalt hat!", meint Flips bewundernd und Flappo entgegnet: "Ich hab viel Zeit, ich muss immer was tun, mann, sonst wird's schnell langweilig, wenn man allein is." Flips geht weiter umher und schaut interessiert, was sonst noch zu entdecken ist. Unter den Fenstern stehen Tische mit allerlei Krims-krams und Bastelsachen drauf. Kleine Figuren, Autos, ein Roboter aus Blech, Farben und Stifte. In der Ecke ein Totempfahl, mit Tierköpfen und zähnefletschenden Masken ins dunkle Holz geschnitzt. Davor zwei mit Lederfellen bespannte Trommeln. Gegenüber ein rostiger Küchenherd, aufgeschichtetes Brennholz daneben, darüber baumeln zwei geflochtene Hängematten, gepolstert mit Decken und Kissen. In der nächsten Ecke ein Tischchen mit Kerze, zwei Hocker. Unter dem Hochbett noch eine zerschlissene Couch, im Regal ein uralter Fernseher.
"Damit hab ich eure Sprache gelernt, mann", ruft Flappo ihm zu, "und Onkel Uhuri hat mir viel beigebracht. Der war nämlich lang Schüler in einer deutschen Schule in Afrika."
Flips dreht sich zu ihm: "Hey du, so hätte ich mir das nie vorgestellt, ich bin total baff, wie du hier wohnst!"
"Na ja, manchmal isses hier schon ziemlich einsam, mann, aber ich hab ja jetzt vielleicht jemand, der mit mir spielt. Willst du mein Freund sein, wir können zusammen schöne Sachen machen, mann, rumstöbern und Abenteuer erleben. Hast du Lust, mann, das wär total cool. Ein Freund wär für mich das Größte!"
"Äh, - schon, aber wieso musst du so alleine sein, gehst du nicht in die Schule? Und überhaupt, warum musst du dich immer verstecken?"
"Mmmh, das is wegen Onkel Uhuri!"
"Ist das der Bruder von deinem Dad oder deiner Mum?", fragt Flips.
"Nee, von beiden nich, aber in Afrika, wenn da ein Mann einem Kind hilft, dann sagt es zu ihm 'Onkel' und zu einer Frau sagt es dann 'Tantchen'."
"Aha, und was hat er dir geholfen?"
"Na, er hat mein Leben gerettet!"
"Was, wie ist das passiert, hast du einen Unfall gehabt? Ist er Doktor und hat dich operiert?"
"Nee, mann, so ähnlich, das is wieder eine lange Geschichte, erzähl ich dir morgen, jetzt musst du gehen."
"Was, wieso, jetzt, wo's grad spannend wird, schickst du mich weg?"
"Klar, mann, guck mal, draußen dämmert's schon und dann kommt wieder deine dicke Mama mit dem dicken Hund und die suchen dich. Dein Hund findet uns bestimmt, mann, der hat eine gute Spürnase!"
"Das stimmt, aber der sucht höchstens Plätzchen oder Hundekuchen. Und die dicke Frau ist außerdem gar nicht meine Mum!"
"Was, wer is die dann?"
"Na, das ist Babetta, die ist bei uns angestellt, die kocht für uns und führt den Haushalt und so!"
"Hast du denn keine Mama?"
"Doch, doch, aber die ist Sängerin und oft unterwegs!"
"So, so - okay, aber jetzt gehen wir, ich zeig dir wie's zurückgeht!"
"Oh je, wieder durch das ganze Labyrinth!?"
"Nö, diesmal geht's schneller!"
"Was, es gibt auch einen schnellen Weg? Ist ja toll! Und wieso musste ich dann durch diese ganze Tortur?"
"War nur Spaß, mann, ich wollte ja wissen, ob du cool bist. Ob ich mich auf dich verlassen kann, wenn's mal brenzlig wird!"
"Haa-haa-haa, und? Bist du zufrieden, hab ich den Test bestanden?" "Klar, mann, is okay mann, du bist cool! Aber los jetzt, du musst heim!"
Beide gehen durch den Garten zurück bis zum Klappgatter. Gleich daneben ist ein weiterer Kriechgang in das Gebüsch gebahnt. Beide krabbeln hintereinander durch das Loch, einmal links, einmal rechts, schon stößt der Pfad auf den Zaun, der Flips' Grundstück umgibt. Dahinter steht der große Busch, an dem Flips die Kekse für Bernie aufgehängt hatte. Flappo nestelt etwas an dem Drahtgeflecht herum, dann biegt er es zur Seite, dass Flips hindurch schlüpfen kann.
"Bis morgen, mann, hier kannst du auch wieder rein, du kommst doch, odda?-Und nix verraten, ja?"
"Okay, versprochen, großes Indianerehrenwort, bis morgen früh dann, Tschüss Flappo!"
Flips zwängt sich hinter dem Busch vor und stapft durch die Wiese zurück. "Na, mein Bürschchen, wo bist du gewesen, jetzt mal raus mit der Sprache!", fordert Babetta, die Hände in die Seiten gestemmt. "Was hast du den ganzen Tag getrieben?" Bernie umkreist Flips wedelnd und schnuppert ihn überall ab.
"Ähh, nun ja, es ist so, so ein neues Spiel von mir, weißt du? Survivaltraining, da übt man zu überleben. Ohne Ausrüstung und ohne Vorräte muss man durch die Wildnis kommen und darf nur das essen, was man findet!", fabuliert er herum und schwindelt mit hochroten Ohren.
"So, so, und was hast du gefunden, nur so zum Beispiel?" "Äähhm, also Beeren, Blätter, Rinde, Würmer und sowas", fantasiert er weiter.
"Ach, Quatsch Flips, Seemannsgarn ist das, Ammenmärchen, was du mir da auftischst! Du und Würmer essen, dass ich nicht lache. Marsch, ab in die Küche, dass du was Anständiges zwischen die
Kiemen kriegst!"
Sie schiebt Flips vor sich her, muss aber heimlich schmunzeln.
"So kenn ich den Bub noch gar nicht, was soll's, jeder braucht wohl seine kleinen Geheimnisse."
Auf dem Herd dampfen Knödel und Rotkraut, er mampft eine Riesenportion weg und macht sich schweigend über den Nachtisch her, dankbar, dass Babetta das Thema nicht nochmal aufgreift.
Am nächsten Morgen packt er demonstrativ seinen Pfadfinderrucksack: Proviant, Thermosflasche, Taschenmesser und Taschenlampe. Nach dem Frühstück verabschiedet er sich:
"Heute kann's spät werden, ich muss jetzt die Wildnis erforschen!"
"Nimm doch Bernie mit, der ist ein guter Hütehund und passt auf dich auf!"
"Nee, nee, Bernie kann nicht mit, der wird zu schnell müde und bleibt überall hängen mit seinem Fell!"
Er flitzt davon, hat extra seinen 'Safarianzug' angezogen, um möglichst wie ein Forscher auszusehen. Bernie bellt ihm enttäuscht hinter her, als er die Tür vor seiner Nase zuschlägt.
Flips marschiert durch den Garten, doch er nimmt bewusst nicht den direkten Weg zum Treffpunkt. Aus lauter Vorsicht, falls Babetta hinterher spioniert, wählt er eine Stelle weit ab von dem Loch im Zaun. Er dreht sich oft um, will sicher sein, dass ihm niemand folgt. Dort angekommen, beißt er erstmal herzhaft in einen Keks. Er setzt sich in das hohe Gras und beobachtet die Umgebung. Alles ruhig, nichts zu sehen, erleichtert bewegt er sich weiter, diesmal auf allen Vieren. Er robbt durch die Wiese, immer am Zaun entlang, wo Büsche und Hecken ihm Sichtschutz gewähren. Es ist anstrengend, den restlichen Weg kriechend voranzukommen. Tapfer hält Flips durch. Er fühlt sich wie ein Indianer, der feindliches Land auskundschaftet. Nur wenn ein Baum ihm ausreichend Deckung gibt, richtet er sich auf, streckt den Rücken und säubert die brennenden Knie. Endlich ist es geschafft. Er findet den Durchgang sorgfältig verschlossen und biegt die losen Drahtenden auf, um hindurch zu schlüpfen. Von innen verriegelt er gewissenhaft, nichts soll ihn verraten. Leise kriecht er den Pfad lang, schleicht über die Lichtung. Er will Flappo überraschen.
Urplötzlich ein heftiges Flattern und 'Zack', schon bearbeiten scharfe Krallen seinen Kopf. Zwei, drei schmerzhafte Schnabelhiebe erschrecken Flips fast zu Tode. "Arrlaarrm, Verrrääterrr, Arrlarrm!", zetert es heiser. Er schlägt wild um sich - schon wieder der lästige Rabe. Er stolpert, doch im Fallen erwischt er den Angreifer und verpasst ihm einen derben Hieb. Sofort lässt der Vogel los und flüchtet schimpfend in einen Baum. Kreidebleich und geschockt kämpft Flips mit den Tränen. Er tastet die Kopfhaut ab, es tut höllisch weh und er muss die Zähne zusammen beißen.
"Du verdammtes Vieh!", schreit er hoch, "wenn ich dich erwische!" Wütend sucht er den Boden nach Wurfgeschossen ab, da steht plötzlich Flappo vor ihm.
"Oh, mann, das tut mir leid!" Mit besorgter Miene untersucht er Flips zerzauste Haare. "Ein paar Kratzer hast du schon, aber kein Loch." "Gehört die bescheuerte Bestie etwa zu dir?", motzt Flips aufgeregt. Beruhigend legt Flappo die Hände auf seine Schultern.
"Schon, schon, das is Ronnie, mann, er is mein Freund", versucht er ihn zu trösten, "das is nun mal seine Natur, er hat Temperament, mann, er passt auf mich auf, er is sowas wie ein fliegender Wachhund".
Flappo nimmt Flips an der Hand und zieht ihn hinter sich her.
"Komm mit, ich hab was Gutes von Onkel Uhuri!" In der Wohnhöhle holt er ein kleines Töpfchen. "Das is prima Heilkräuterpaste, die nehm ich immer, wenn ich mir weh getan habe".
"Brennt das dann noch mehr?"
"Nee, mann, das merkst du gleich!"
Tatsächlich, kaum hat er vorsichtig die Wunden behandelt, lässt der Schmerz spürbar nach. "Ohh, hee, das Zeug ist gut, ist gleich viel besser." Flips entspannt sich ein wenig, "macht der das selbst, dein Onkel?"
"Klaro, mann, er is ein Medizinmann, weißt du, ein Schamane, die kennen sich total gut aus mit Krankheiten. Das sind bei uns in Afrika die Heiler und Geisterbeschwörer. Uhuri hat Bohne sogar die dicken Warzen aus dem Gesicht gezaubert!"
"Bohne? Wer ist denn das schon wieder?"
"Bohne is unser Freund, der arbeitet drüben auf dem Schrottplatz, der hat uns schon viel geholfen und uns auch das Versteck hier gezeigt. Er is der Einzige, der weiß, dass wir hier wohnen!"
"Der heißt echt 'Bohne'? Ist das sein Nachname?"
"Nee, mann, eigentlich heißt er Hein oder so, aber wir sagen nur Bohne, weil er so lang und dünn is!"
"Und das gefällt ihm?"
"Schon, denk ich, es macht ihm jedenfalls nix aus, er hat nie gemeckert, wenn ich ihn so rufe".
"Und Uhuri, ist das auch ein Uzname, sieht dein Onkel aus wie ein Uhu?"
"Was is ein Uhu?"
"Ein Uhu ist eine Eule, sieht er aus wie eine Eule?", kichert Flips und schwingt die Arme wie ein Vogel.
"Nee, mann, Uhuri heißt wirklich so, das is echt sein Name. In Afrika bedeutet das, 'der, der alles kann' oder auch 'großer Zauberer', hat er mal erklärt."
"Kann er denn zaubern?", grinst Flips.
"Klar, mann, zumindest behauptet er das."
"Hast du ihn mal zaubern gesehen?"
"Nö, nich wirklich - aber er kann Warzen wegmachen, einfach nur mit singen und trommeln. Und er kennt massig Heilkräuter, daraus macht er Tees und Pasten, die helfen gut. Er zieht seine Schamanenkleider an und einen Hut mit Hörnern und tanzt so rum und singt Zaubersprüche, bis alles fertig is."
"Und das hilft wirklich, wenn man krank ist?", wundert sich Flips.
"Klaro, mann, du hast es doch grad probiert!"
"Ich, wieso?"
"Na, es tut doch schon nich mehr so weh, odda?"
"Ääähm, stimmt, du hast Recht!"
"Und mir hat er schon oft geholfen, wenn ich Husten oder Schnupfen hab. Früher hatte ich das viel, weil hier immer so kalt is. Bei uns in
Afrika isses heiß, da war ich ganz selten krank. Aber inzwischen hab ich mich dran gewöhnt und zieh mich auch dicker an, wenn der Winter kommt".
"Und was macht dein Onkel sonst noch so?", will Flips wissen.
"Ooch, alles Mögliche, mann, aber so genau weiß ich das auch nich. Manchmal besorgt er mir neue Klamotten und Schuhe. Essen und Trinken bringt er meistens mit, so Dinge halt, die nich im Garten wachsen. Als wir hier ankamen haben wir noch Reste aus den Mülleimern gefischt, mann, die Leute hier schmeißen viel weg, was man noch essen kann. Manchmal stöbern wir in Containern von Geschäften, die werfen alles weg, was sie nich mehr verkaufen können. Wir haben auch schon auf Feldern von Bauern stibitzt!"
"Geklaut meinst du, das ist doch illegal!" Flips setzt nun eine ernste Miene auf, "haben sie euch da nicht erwischt?"
"Nee, mann, sowas musst du natürlich nachts machen, sonst is das schon gefährlich!"
"Uff, ojeh - ich würde mich das nie trauen!"
"Weißt du, wenn du Hunger hast, darf man das schon mal," sagt Onkel Uhuri, "aber inzwischen haben wir ja den Garten, da müssen wir das nich mehr so oft machen."
"Aber illegal ist es trotzdem!"
"Schon, mann, das is ja auch unser Problem, wir sind nämlich Illegale!"
"Wie, Illegale?", fragt Flips nach.
"Naja, wir dürfen hier eigentlich gar nich sein, wir haben keine 'Papiere', sagt Uhuri, sonst werden wir abgeschoben!"
"Was heißt abgeschoben?"
"Na, die bringen uns dann zurück nach Afrika. Aber da is Krieg und alle sind arm und haben nix zu essen. Arbeit gibt's auch keine, also auch nix zu verdienen. Wie soll man dann leben?"
"Das ist ja alles ziemlich verzwickt, versteckt ihr euch deswegen?"
"Genau, mann, du musst total aufpassen, dass du nich auffällst, das is gar nich leicht. Hier gibt's fast nur weiße Menschen, aber wir sind braun. Onkel Uhuri is noch dunkler als ich und hat massenhaft Tätowierungen. Draußen trägt er deshalb immer seinen Jeansanzug, dass er aussieht wie ein Amerikaner".
"Oh, cool, ein Afrikaner undercover als Amerikaner!" Flips schlägt mit der Faust in die Hand, "das ist ja mal ne fette Story! Wauuhhh..."
"Das is keine Story, mann, das is echt die Wahrheit!"
"Ich kann es immer noch kaum glauben. In was für ein Ding bin ich da geraten. Dann erzähl noch, wie ihr hierher nach Reichshausen gekommen seid. Afrika ist doch sowas von weit weg!"
"Das stimmt, das war eine lange Zeit, die wir unterwegs waren. Und dass wir hier gelandet sind, is eher Zufall."
"Zufall? Wieso Zufall?"
"Okay mann, ich fang einfach mal von ganz vorne an. Zuerst war ich mit Baba und Mama unterwegs, mit unserm alten Auto und ganz viel Gepäck. Mein Baba hat Autos repariert und alle Maschinen im Dorf. Wenn was kaputt ging, haben sie es Baba gebracht. Der hatte neben unserer Hütte so ein kleines Wellblechhaus mit viel Werkzeug drin. Und da hat er die Sachen heilgemacht. Manchmal hat er dafür auch Geld bekommen, sonst gab's nur Grünzeug oder Fisch als Bezahlung."
"Und deine Mama?", fragt Flips. "Was hat die gemacht?"
"Bei Mama waren immer ganz viele Kinder aus dem Dorf, denen hat sie Geschichten erzählt und wie man mit den Fingern zählt und rechnet. Und aus Büchern hat sie vorgelesen. Die großen Kinder durften lernen, wie sie selber lesen können. Und ganz viel gemalt hat sie mit uns. Alle Häuser haben wir bemalt, alle Mauern und Bretter. Sogar die Steine haben wir bemalt und es war das schönste Dorf, das ich kannte. Wir Kinder durften alles malen, was wir wollten, Wünsche und Träume, auch was Angst macht oder was uns gar nich gefällt. Und Mama erfand dann Geschichten zu den Bildern und wir haben die weiter gesponnen und neue Bilder erfunden. Das war cool, mann, das hat so Spaß gemacht, das werde ich nie vergessen!"
"Also war deine Mutter Lehrerin?"
"Nein, sie hat das einfach nur so gemacht, weil sie das gern macht. Sie hat dabei auf alle Kinder aufgepasst, die nich aufs Feld konnten. Manche waren auch krank, aber die meisten waren noch zu klein für die schwere Arbeit. Die Leute brauchten nich mehr auf ihre Kinder aufpassen, die wollten alle immer nur zu meiner Mama. Die Großen haben uns dafür Essen und Trinken gebracht und manchmal ein Stück Stoff zum Nähen. Das war schön, mann, echt cool!"
"Und warum seid ihr dort weggegangen, wenn es so schön war?"
"Wegen den Soldaten, die kamen in unser Dorf und haben einfach weggenommen, was sie wollten. Unser Essen, das Vieh, die Kleider und Decken, immer öfter kamen die und wurden immer mehr. Unsere Leute, die sich wehrten, haben sie verprügelt oder verschleppt. Dann sind immer mehr Verwandte weggeflüchtet, weil die Hunger hatten und ganz doll Angst. Aber mein Baba hat das ganze Geld, das er verdient hat, gespart. Das hat er dann aus der Keksdose geholt und noch Sachen eingepackt und Mama mich. Wir sind mit unserem Bus ganz lang gefahren, nur nachts, am Tag haben wir uns versteckt und geschlafen. Und irgendwann waren wir am Meer. Ich habe noch nie ein Meer gesehen. Sowas Großes hab ich noch nie gesehen, wie das Meer. Dort haben wir eine Zeitlang mit unserem Bus am Strand gewohnt. Wenn du von da aus Richtung Stadt gelaufen bist, hast du bald einen kleinen Hafen gesehen, mit Booten und Fischkuttern und so. Genau zu dem Hafen hat uns Baba irgendwann nachts geführt. Wir mussten alles zurücklassen, was wir nich tragen konnten. Dann sind wir im Dunklen an den Hafen gelaufen und in einen uralten Fischerkahn gestiegen. Und mit uns kamen noch viele andere Menschen, da gab es Gedränge und Geschubse. Mama musste sogar weinen und dann is das Schiff losgefahren. Wir standen alle an Deck, weil man sich gar nich hinsetzen konnte, so eng war das. Baba hat mit dem Kapitän gesprochen, dass wir alle das Essen und Trinken teilen, weil viele nix mitnehmen konnten. Ein paar Tage waren wir auf dem Wasser, dann sahen wir endlich Land. Aber gleichzeitig kam ein Sturm auf, alles schwankte und krachte, die Leute fielen hin und her. Und plötzlich: 'Wrummm', da knallt es, wir sind irgendwo dagegen gefahren. Das war zu viel für den alten Kutter und er is untergegangen. Alle mussten ins Wasser springen, mann, und schwimmen. Ich kann nich schwimmen, aber Mama hat mich an eine Kalebasse gebunden."
"Was ist eine Kalebasse?"
"Eine Kürbisflasche, mann, hohl und mit einem Dubble-Bubble-Korken. Den hat Mama von dem dicken Mann neben ihr gekriegt. Der hat die ganze Zeit jede Menge Kaugummi gekaut!"
"Dann war die Flasche dein Rettungsring!?!"
"Ja, genau, und Mama hat noch leere Plastikflaschen dazu geknotet und dann sind wir gesprungen. Erst waren noch viele Menschen im Wasser, aber die verschwanden in der Dunkelheit und ich war nur noch allein und hab geweint. Die Wellen haben mich an Land gespült, aber dort hing ich irgendwie fest am Ufer, obwohl ich noch im Wasser lag. Und dann hab ich geweint und geweint und mir is total kalt geworden!"
"Oh, mann, das hast du wirklich erlebt, oder erzählst du Geschichten? Ich wär gestorben, schon beim ersten kleinen Wellengang, mir wird immer soo schlecht auf Schiffen, ich hasse Schiffe und Boote!"
"Ja, aber das Schiff war ja gar nich mehr da, alles war weg, Mama und Baba, die ganzen Leute, alle waren weg, ich war völlig alleine und hing fest. Und als ich nicht mal mehr schreien konnte, mann, da stand plötzlich Onkel Uhuri vor mir!"
"He, Flappo, wärst du echt fast gestorben?"
"Ja, mann, ich konnt nich mehr und kam nich frei. Aber Uhuri hat mich gefunden und die ganzen Flaschen abgeschnitten und dann rausgezogen. Aber Mamas Kalebasse, die haben wir mitgenommen. Willst du die mal sehen?"
"Die ist hier? Hast du die den ganzen Weg mitgeschleppt?"
"Klaro, mann, das is mein Lebensretter, mein Glücksbringer, mein Talisman!"
Flappo macht eine ernste Miene und führt Flips in eine kleine Nische im Lokschuppen. "Schau, das is mein Hausaltar." Flips sieht eine abgewetzte Kommode. Obenauf liegt ein Fell und darauf ein großer, bemalter Kürbis mit einem Stopfen. Genau über der Flasche hängt eine Schnur im Halbkreis mit lauter Dubble-Bubbles dran. Daneben stehen zwei Kerzenstummel in Blechdeckeln. Liebevoll streichelt Flappo seinen Kürbis, rückt ein paar Muscheln zurecht, die auch auf dem Schrank liegen. "Und was macht man mit so einem Hausaltar?", will Flips jetzt wissen.
"Also, wenn ich Heimweh nach Mama und Baba habe, dann streichle ich die Flasche. Dann erinnere ich mich wieder, wie's früher bei uns war. Und so spür ich, wie lieb ich sie hab, dass wir uns einmal wiedersehen werden!"
"So was kann man fühlen, meinst du?"
"Ja, das is so bei mir, dann is alles nich mehr so schlimm - und außerdem hab ich ja noch Onkel Uhuri und Ronnie und Bohne hab ich auch - und jetzt hab ich noch dich als Freund, cool, bald wird alles wieder gut, mann. Meine Eltern finden mich bestimmt und wir werden wieder alle froh. Darum bitte ich jeden Tag den großen Geist, der kann alles wieder heil machen!"
"Den großen Geist bitten? Ist das sowas wie beten?"
"Ich denke schon, mann, Uhuri sagt, der große Geist kann alles, dann kann er das auch!"
"Babetta sagt das auch! Dass man zum lieben Gott beten kann und er dann hilft. Aber so richtig kann ich das nicht glauben, das mit den Geistern und so".
"Doch, doch, mir hat er schon oft geholfen, und ich bin froh, dass er immer da is, der is nämlich ewig, sagt der Onkel!"
"Ist eigentlich alles, was du weißt, immer von deinem Onkel?"
"Nö, ich guck auch Fernsehen und hör Radio, da lernt man ganz schnell die neue Sprache."
"Sag mal, wie lange seid ihr eigentlich schon hier?"
"Ich weiß nich genau, mann, wie alt ich bei dem Schiffsunglück war, ich denke so fünf oder so. Wir sind schon über sieben Jahre in Europa und sechs Jahre in Reichshausen und das nur wegen Bohne!"
"Wieso wegen Bohne?"
"Später, erst erzähl ich weiter. Also Uhuri hat geangelt, da hat er mich gehört und aus dem Meer gezogen. Und weil er nich wusste, was er mit mir machen soll, hat er gesagt - 'du kannst erst mal bei mir bleiben, bis mir was Gutes für dich einfällt'. Nachts haben wir in einer Uferhöhle geschlafen und tagsüber versuchten wir rauszufinden, was mit den anderen Flüchtlingen passiert is. Wir fragten Fischer und Leute, die am Strand wohnten. - Ja, es wär ein Boot gekentert aber niemand wusste was genaues, mann. Wir konnten nich dort bleiben, weil die Polizei alle Ausweise kontrollierte. Wir hatten keine und mussten abhauen. Wir sind viel gelaufen, durch ganz Italien, nur ab und zu nahm uns ein Bauer auf dem Traktoranhänger mit. Fast ein Jahr hat das gedauert, manchmal haben wir im Stall und bei der Ernte geholfen. Viel verdient haben wir aber nich .... Und dann kamen wir zu den Schneebergen, die sind so hoch, da is immer Schnee drauf."
"Vermutlich die Alpen!", streut Flips ein.
"Ja, die Alpen, ... und wir mussten über all die vielen Berge. Es war so furchtbar kalt, dass wir fast erfroren wären. Keine warmen Kleider, nur dünnes Zeug, mann, wir wurden echt blau von der Kälte. Dann haben wir in einer Scheune übernachtet, im Stroh. Und da hat uns die Bauersfrau entdeckt. Die hat uns mitgenommen, mir hat sie heiße Milch mit Honig gemacht und Uhuri Tee mit Schnaps. Wir blieben und haben ihr den Zaun repariert. Die alte Frau hat uns danach Decken und dicke Klamotten besorgt und einen Korb voll Essen. Dann sind wir los, auf der anderen Seite die Berge wieder runter und immer weiter, durch Wiesen und Wälder und Dörfer. Uhuri wollte zu der großen Stadt mit den Wolkenkratzern, einen Mann treffen, der uns sagt, wo wir wohnen können. Aber dann kam niemand, mann, und wir hatten keinen Schlafplatz und kein Geld. Also sind wir weiter, hinunter zu dem anderen Meer."
"Vermutlich die Nordsee!" Flips oberschlauer Einwand unterbricht jäh Flappos Redeschwall. "Ähääm, ähh,..." räuspert er sich verlegen, "mach doch bitte weiter, es ist so spannend, ich will alles wissen, weißt du?"
"Is manchmal gar nich gut, soviel zu wissen. Macht nur Kopf voll - sagt der Onkel!"
"Mmmmh, das stimmt, manchmal denk ich auch, ich denk zu viel. Aber jetzt erzähl doch weiter!"
"Okay, mann, wir sind dann mal im Dunklen eine Straße lang gelaufen - da hält ein riesengroßer Laster mit einem Kran hinten drauf - mitten auf der Fahrbahn, mann! Dann is ein Mann aus dem Wagen gesprungen und hat gepinkelt und gepinkelt. Da hat Uhuri die Idee. Er stellt sich daneben und pinkelt auch - und ich hab mich dann auch hingestellt und mitgepinkelt".
"Das hat bestimmt lustig ausgesehen, so nebeneinander und alle pinkeln". Flips giggelt in sich hinein bei dem Gedanken.
"Okay, und dabei hat Uhuri gefragt, wo er hinfährt und ob er uns näher zum anderen Meer bringen könnte. Da hat der gelacht und gesagt: 'Ick fahre fast bis ans Meer, aber nur fast', - und dann hat er uns tatsächlich mitgenommen, mann. Unterwegs hat er an so einer kleinen Blechflasche getrunken, das roch ziemlich scharf, aber später hat er uns sogar seine Frühstücksbrote geschenkt, weil wir so verhungert aussehen würden. Dabei is er selbst ewig lang und total dünn, sein Bart is auch dünn, der hängt wie zwei Filzzöpfe am Mund runter. Der Mann is Bohne, der Mann vom Schrottplatz, der uns immer hilft!"
"Ahja?" Flips schwirrt schon der Kopf, "ahh, jetzt kapier ich's!"
"Mit dem sind wir hierher nach Reichshausen gekommen. Aber erstmal is Bohne zur Tankstelle gefahren und hat getankt. Und dann hat er noch selbst getankt, mit Bier und so. Und plötzlich war er weg, aber der Laster war noch da. Wir suchen und finden ihn ganz hinten auf einer Bank und er weint. Und weißt du, warum? Weil er so viel Warzen im Gesicht hat, dass er nie 'ne Freundin kriegt, deswegen! Und da hat Onkel Uhuri gelacht...
'Fin's du das lustisch, hä!', sagt dann Bohne und Uhuri sagt:
'Ich mach dich die Warzen weg, alle'.
'Wie denn, bisse Arzt?!'
'Ich große Heiler und Schamane in Afrika, ich gutes Rezept gegen Warzen, ich dir helfen!'
'Ja un wie?'
'Ich brauche Zimmer, wo du kannst Krach machen und niemand kommt und meckert!'
'Da wüsst ick schon wat, los fahr'n wir. Saach, klappt dat ooch wirklich?'
Da hab ich gerufen: 'Nein, du viel trinken, du!'
Uhuri sagt aber: 'Lass mann, Flappo, ich hab was, das macht ihn wieder munter!' Uhuri holt ein Fläschchen und rührt was in sein Bier.
'Beim Klabautermann, wat war dat in dem letzten Drink?'
'Afrika-magic-power!'
'Donnerwetter, ick bin schlaghellwach, ick muss mich jetzt bewejen!'
'Ja, das is guuut, bewegen is guuut, lauf ein bisschen, mann, lass dir gutgehen.'
Nich lang und er war wieder da: 'Okay Jungs, wir fahr'n los, dahin, wo ihr total Krach machen könnt.'"
"Und warum muss man beim Warzen wegmachen Krach machen?", fragt Flips.
"Das is bei Onkel Uhuri so, weil das in Afrika so is!"
"Ja, wie ist es denn in Afrika?"
"Da singt und tanzt der Doktor, mann, und rasselt mit Muscheln und schlägt Trommeln mit dicken Stöcken."
"Ach, das ist der Krach!?!"
"Genau, und manchmal schreit er auch die Geister an, sie sollen abhauen. Die kriegen dann voll Angst, mann, und verschwinden ganz schnell, dann wird man gesund."
"So machen die das in Afrika, gibt's da keine Medizin?"
"Doch, klar, da gibt's Kräuter, die musst du essen oder trinken oder rauchen. Und Pasten gibt's, die schmiert man drauf, wo's wehtut. Und Talismane, die hängst du um den Hals und schon wird's besser, mann!"
"Ist ja interessant, wie ihr das macht."
"Nich wir, nur die Heiler und Medizinmänner - aber die müssen zwanzig Jahre lernen, bis sie alles richtig können."
"Und woher weißt du das alles?"
"Onkel Uhuri."
"Ach so, ja, und wie ging die Reise weiter?"
"Also, wir drei sind losgefahren, vielleicht noch einen halben Tag, dann sind wir hier angekommen. Bohne hat uns gleich den Lokschuppen gezeigt. Das war ein super Platz zum Verstecken, weil hier nachts niemand is, wenn's dann mal laut wird, stört's keinen."
"Und dann habt ihr die Warzen weggezaubert?"
"Ja, Uhuri hat seine Heilzauberkräuter geholt. Auf dem Gelände hat er noch andere Pflanzen gesucht, alles zusammengemixt und dann auf einem Lagerfeuer gekocht. Dann sieht er alte Ölfässer und sagt: 'Prima, die kann ich jetzt brauchen.' Er hat den Hörnerhut angezogen und die Schamanenkleider. Dann hat er gesungen und gerasselt. Später hat er Bohne mit dem Brei das Gesicht und den Hals vollgeschmiert. Und wieder gesungen und immer im Kreis um Bohne getanzt. Dann hat er mit dicken Ästen auf die Fässer getrommelt, mann, bestimmt eine Stunde lang."
"Oh, so lange dauert das?"
"Ja, wenn man viel Warzen hat."
"Und dann waren sie weg?"
"Nich gleich, mann, drei Tage hat er das gemacht, dann sind die ersten Warzen weggegangen. Zum Schluss sah Bohne ganz anders aus, jünger und so."
"Mannomann, was der alles kann."
"Ja, Uhuri kann alles, der heißt ja auch so, 'der, der alles kann'! Bloß mit dem Geld klappt das nich. Aber er sagt, eines Tages kann er auch Geld machen."
"Mit trommeln?"
"Weiß nich, mann, aber er kriegt's hin. Und Bohne hat sich total gefreut, als die Warzen weg waren und dann hat er uns gefragt, ob wir nich hier bleiben wollen, er würde uns auch helfen. Wir haben nich lang überlegt und 'ja' gesagt, mann, seitdem sind wir hier."
"Und wieso hat euch noch niemand entdeckt, hier kommen doch auch Leute vorbei?"
"Bohne hat mit dem Kran einfach alte Container und Schrott vor den Eingang gestapelt, dann konnte niemand mehr den Schuppen sehen. Wahrscheinlich weiß niemand mehr, dass da mal ein Lokschuppen war. Wir haben Geheimgänge in die Stachelhecken geschnitten und nur wir kennen den Weg."
"Super - ihr bleibt jetzt immer hier?"
