Die gr��ten Klassiker der Lyrik - Lord Byron - E-Book

Die gr��ten Klassiker der Lyrik E-Book

Lord Byron

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Beschreibung

Dieser Sammelband enthält die ewig bewegenden poetischen Meisterwerke der größten Dichter der Weltliteratur: Sonnete (William Shakespeare) Ode an die Freude (Friedrich Schiller) Der Rabe (Edgar Allan Poe) Grashalme (Walt Whitman) Ausgewählte Gedichte (Arthur Rimbaud) Don Juan (Lord Byron) Oden (John Keats) Königin Mab (Percy Bysshe Shelley) Deutschland. Ein Wintermärchen (Heinrich Heine) West-östlicher Divan (Johann Wolfgang Goethe) Gedichte aus dem Diwan-e Schams-e Tabrizi (Dschalal ad-Din Muhammad Rumi) Tristan und Isolde (Gottfried von Straßburg) Das Stunden-Buch (Rainer Maria Rilke) Duineser Elegien (Rainer Maria Rilke) Balladen (Victor Hugo) Die göttliche Komödie (Dante Alighieri) Das verlorene Paradies (John Milton) Die Blumen des Bösen (Charles Baudelaire) Eibenbäume (William Wordsworth) Balladen (Robert Burns) Eugen Onegin (Alexander Sergejewitsch Puschkin) Das Geistliche Jahr (Annette von Droste-Hülshoff) Ausgewählte Gedichte (Joachim Ringelnatz) Galgenlieder (Christian Morgenstern) Gedichte (Alphonse de Lamartine) Gedichte (Stéphane Mallarmé) Vierzeiler (Omar Chayyām) Gedichte (Giosuè Carducci) Gedichte eines Lebendigen (Georg Herwegh) Gedichte (Giacomo Leopardi) Bhagavadgita (Anonym) Ilias (Homer) Odyssee (Homer) Aeneis (Vergil) Metamorphosen (Ovid)

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Rainer Maria Rilke, Walt Whitman, Heinrich Heine, William Shakespeare, John Milton, Lord Byron, Friedrich Schiller, Percy Bysshe Shelley, Edgar Allan Poe, Johann Wolfgang Goethe, Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, Gottfried von Straßburg, Victor Hugo, Dante Alighieri, William Wordsworth Homer, Vergil, Ovid, Giacomo Leopardi, Georg Herwegh, Giosuè Carducci, Omar Chayyām, Alphonse de Lamartine, Stéphane Mallarmé, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Annette von Droste-Hülshoff, Alexander Sergejewitsch Puschkin, Robert Burns, Charles Baudelaire

Die größten Klassiker der Lyrik

Die schönsten Gedichte der Weltliteratur: Duineser Elegien, Grashalme, Venus und Adonis, Das verlorene Paradies, West-östlicher Divan
e-artnow, 2024 Kontakt: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Sonnete (William Shakespeare)
Ode an die Freude (Friedrich Schiller)
Der Rabe (Edgar Allan Poe)
Grashalme (Walt Whitman)
Ausgewählte Gedichte (Arthur Rimbaud)
Don Juan (Lord Byron)
Oden (John Keats)
Königin Mab (Percy Bysshe Shelley)
Deutschland. Ein Wintermärchen (Heinrich Heine)
West-östlicher Divan (Johann Wolfgang Goethe)
Gedichte aus dem Diwan-e Schams-e Tabrizi (Dschalal ad-Din Muhammad Rumi)
Tristan und Isolde (Gottfried von Straßburg)
Das Stunden-Buch (Rainer Maria Rilke)
Duineser Elegien (Rainer Maria Rilke)
Balladen (Victor Hugo)
Die göttliche Komödie (Dante Alighieri)
Das verlorene Paradies (John Milton)
Die Blumen des Bösen (Charles Baudelaire)
Eibenbäume (William Wordsworth)
Balladen (Robert Burns)
Eugen Onegin (Alexander Sergejewitsch Puschkin)
Das Geistliche Jahr (Annette von Droste-Hülshoff)
Ausgewählte Gedichte (Joachim Ringelnatz)
Galgenlieder (Christian Morgenstern)
Gedichte (Alphonse de Lamartine)
Gedichte (Stéphane Mallarmé)
Vierzeiler (Omar Chayyām)
Gedichte (Giosuè Carducci)
Gedichte eines Lebendigen (Georg Herwegh)
Gedichte (Giacomo Leopardi)
Bhagavadgita (Anonym)
Ilias (Homer)
Odyssee (Homer)
Aeneis (Vergil)
Metamorphosen (Ovid)

William ShakespeareSonnete

Inhaltsverzeichnis
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV
XVI
XVII
XVIII
XIX
XX
XXI
XXII
XXIII
XXIV
XXV
XXVI
XXVII
XXVIII
XXIX
XXX
XXXI
XXXII
XXXIII
XXXIV
XXXV
XXXVI
XXXVII
XXXVIII
XXXIX
XL
XLI
XLII
XLIII
XLIV
XLV
XLVI
XLVII
XLVIII
XLIX
L
LI
LII
LIII
LIV
LV
LVI
LVII
LVIII
LIX
LX
LXI
LXII
LXIII
LXIV
LXV
LXVI
LXVII
LXVIII
LXIX
LXX
LXXI
LXXII
LXXIII
LXXIV
LXXV
LXXVI
LXXVII
LXXVIII
LXXIX
LXXX
LXXXI
LXXXII
LXXXIII
LXXXIV
LXXXV
LXXXVI
LXXXVII
LXXXVIII
LXXXIX
XC
XCI
XCII
XCIII
XCIV
XCV
XCVI
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XCVIII
XCIX
C
CI
CII
CIII
CIV
CV
CVI
CVII
CVIII
CIX
CX
CXI
CXII
CXIII
CXIV
CXV
CXVI
CXVII
CXVIII
CXIX
CXX
CXXI
CXXII
CXXIII
CXXIV
CXXV
CXXVI
CXXVII
CXXVIII
CXXIX
CXXX
CXXXI
CXXXII
CXXXIII
CXXXIV
CXXXV
CXXXVI
CXXXVII
CXXXVIII
CXXXIX
CXL
CXLI
CXLII
CXLIII
CXLIV
CXLV
CXLVI
CXLVII
CXLVIII
CXLIX
CL
CLI
CLII
CLIII
CLIV

I

Inhaltsverzeichnis
Ein schönes Wesen wünscht man fortgesetzt, daß nie der Schönheit Rose ganz vergehe, und welkt sie durch die Zeit, daß unverletzt im schönen Sproß das Schöne auferstehe.
Du aber, nur dem eignen Strahl verbunden, du, nur genährt, verzehrt von deinem Glänze, du hast, dich neidend, deinen Feind gefunden, der dir im Vollbesitz mißgönnt das Ganze.
Du, der die Welt beglückt mit jedem Reiz, des Frühlings Herold, der mit vollen Händen versagt im Spenden, du gewährst dem Geiz, dich endlich in dir selber zu verschwenden.
Gewähre dich der Welt, der zugehört die Schönheit, die das Grab der Zeit verzehrt.

II

Inhaltsverzeichnis
Dir wird, wenn in die Jahre du gekommen und Falten furchend durch dein Antlitz ziehn, Erinnrung jener Schönheit wenig frommen, die schneller als die Zeit dir ging dahin.
Und wenn dich dann wer fragt, wohin sie kam, und wo sie, da sie nicht mehr sei, gewesen, dann frage deinen Stolz, ob deine Scham sie ließe aus erloschnen Augen lesen.
Doch wahrlich andern Ruhm trügst du davon, könntst du auf die bewahrte Schönheit zeigen und sprechen: Seht, in meinem jungen Sohn ist heut vorhanden, was mir einst zu eigen!
Durch Alter endet nicht der Lebensmut: die Jugend, die du schufst, erwärmt dein Blut.

III

Inhaltsverzeichnis
Im Spiegel sagt es dir dein Angesicht, und es verlangt von dir, es neu zu fassen; betrogen war' die Welt, dein Bild zerbricht, hättst Einer du die Mutterschaft erlassen.
Wo ist sie, die sich dir nicht leicht ergibt, für Ehrentat nicht hielte, zu gebären für dich? Wo der, der so sich selber liebt, sich neidisch seinen Nachwuchs zu verwehren?
Dir, deiner Mutter Bild, worin sie schaut den eignen Frühling, dir, auch dir gelingt, wenn's herbstlich wird und deine Landschaft graut, dich so zu schaun, als wärst du selbst verjüngt.
Bist erbenlos zu sterben du gewillt, leb einsam und es stirbt mit dir dein Bild.

IV

Inhaltsverzeichnis
O unfruchtbare Fülle, wem gedeihen die Güter, die Natur dir hat beschert? Sie schenkt sie nicht, sie will sie nur verleihen; nur den, der gibt, hält sie der Gabe wert.
Was tust du, schöner Geizhals, nach den Jahren der Selbstvergeudung, die du übst mit Lust; als Wuchrer deiner selbst hast du verfahren, und doch um deinen Reichtum nicht gewußt!
Ob mehr Betrogner, mehr Betrüger du, gewohnt, nur Umgang mit dir selbst zu pflegen, wirst du, bringt die Natur dich einst zur Ruh, imstande sein, die Rechnung ihr zu legen?
Zu viel an Schönheit muß mit dir erkalten; kein Erbe lebt, dem du sie vorbehalten.

V

Inhaltsverzeichnis
Das Werk der Zeit, das unsern Sinn entzückt, den Augen Wonne, dem Verstand ein Wunder, tyrannisch wird es von ihr selbst entrückt, zerstückt, zerpflückt und abgetan zum Plunder.
Nicht ruht die Zeit und treibt das Sommerglück in Winterelend, um es zu verderben. Natur erstarrt in Frost, und Stück für Stück muß unter Eis und Schnee die Schönheit sterben.
Und bliebe nicht des Sommers süßer Geist im Glase als ein schmerzlich blasses Wähnen, dann lebte nichts, was Schönheit uns beweist, und kein Besinnen bliebe und kein Sehnen.
So aber wirkt, wenn Winter noch so wüte, der Sommer fort in seines Wesens Blüte.

VI

Inhaltsverzeichnis
Drum, eh der Winter deinen Sommer kränkt, sollst seinen Duft in ein Gefäß du fassen. Von dir ein Abglanz sei von dir geschenkt der Welt, bevor der Glanz ihr muß erblassen.
Vermehrung ist nicht Wucher, wenn gewillt zum Dank man schuldet. Daß dein Gut du mehrst, gewährt von deinem Wesen uns ein Bild. Und zehnmal schöner, wenn du zehn gewährst.
Und zehnmal größer war' dein eignes Glück, könntst zehnfach sehn du jedes von den zehn. Dann blickst getrost du auf dich selbst zurück, und trotz dem Tod siehst du dich fortbestehn.
Weit besseren Entschluß soll Schönheit fassen, als nur den Würmern sich zu hinterlassen.

VII

Inhaltsverzeichnis
Sieh, wenn die Sonne gnädig aufersteht zum großen Gang auf ihrer Himmelsbahn, wie bannt den Blick die goldne Majestät, der alle Menschensinne Untertan!
Zum Mittag dringt die kühne Kraft empor, und staunend folgt, bis sie ihn übermannt, der Blick, dem sich die Ehrfurcht nicht verlor, erhabnem Sieg und Aufstieg unverwandt.
Doch weicht der Sieger, müde, immer müder, will's Abend werden und zur Neige gehn, dann schlägt die Menschheit ihre Augen nieder, die sich vor kurzem noch nicht satt gesehn.
So sinkt auch deine Sonne ohne Lohn, wenn dich die Welt nicht wiedersieht im Sohn.

VIII

Inhaltsverzeichnis
Der selbst Musik hat, dich verstimmt Musik? Dein süßes Wesen weigert sich der Süßen? Und bittres Leid genießt dafür das Glück, als wär's Musik, ins Herz dir einzufließen?
Wird dein Gehör gestört von Harmonien, so ist's, weil's diese wie ein Mißton störte, daß du, dich dem Konzerte zu entziehn, der Einklang bliebst, der Einklang nicht begehrte.
Hör ihn im Spiel verliebter Saiten dort, bereit, daß holder Tonbund sie vermähle, wie es sich mehrt und schwellend zum Akkord Entzücken aus der Seele dringt zur Seele.
Mit allen Stimmen schallt es dir im Chor: »Steht einer einsam, stellt er keinen vor!«

IX

Inhaltsverzeichnis
Bangst du vielleicht vor einer Witwe Tränen, daß du versagst dir der Verbindung Glück? Ach, stirbst du einsam, bleibt, dich zu ersehnen, die ganze Welt als Gattin dir zurück.
Die Welt, verwitwet, wird darüber klagen, daß kein Verwaister dich mit ihr beweint, da jeder Witwe doch in dunklen Tagen verblichnes Bild im Ebenbild erscheint.
Was immer sonst der Leichtsinn auch verschwendet, verläßt den Platz nur und verbleibt der Welt, derweil ihr solch ein Gut, vom Geiz entwendet, der Schatz der Schönheit, endet und zerlallt.
Wer so mit sich es bis zum Selbstmord triebe, des Herz ist frei von jeder Nächstenliebe.

X

Inhaltsverzeichnis
Gesteh die Schmach: zu lieben nicht imstande bist du, der lieblos mit sich selbst verfährt. Du schlössest manches Herz in deine Bande, doch dein ist eins, das keinem zugehört.
Mit dir verfeindet, bist von deinem Haß getrieben du, dich selber zu vernichten, den Bau der Schönheit ohne Unterlaß zerstörend, anstatt neu ihn zu errichten.
Tu anders, anders dann will ich es meinen. Soll Haß denn schöner als die Liebe wohnen? Du solltest minder hold nicht sein als scheinen und gütig dir mit deiner Gabe lohnen.
Gib mir zu Liebe dir ein andres Ich, daß Schönheit lebt für dieses und für dich!

XI

Inhaltsverzeichnis
So schnell du welken wirst, in jungem Sproß wirst ganz so schnell du dich erblühen sehn, und was an Kraft dir mit der Zeit verfloß, siehst alternd neu du wieder auferstehn.
Das ist's, was Schönheit, Weisheit, Wuchs bedeutet, sonst kann nur Siechtum, Torheit, Trübsal gelten; nach deinem Sinn war' Schluß der Zeit geläutet und angesagt das Ende diesen Welten.
Mag, was da von Natur der Form entbehrt und was zur Blüte nicht bestimmt war, sterben. Dir ward verliehn zu ungemeßnem Wert die Gabe, ihn verlierend zu erwerben.
Als Siegel der Natur soll dir gebühren, der Schönheit Spur unsterblich fortzuführen.

XII

Inhaltsverzeichnis
Zähl ich die Zeit am bangen Schlag der Glocke, seh ich, wie Sonne sinkt in dunkle Nacht, seh ich, daß weiß sich färbt die dunkle Locke und kurz nur währt des Veilchens Frühlingspracht -
seh ich den Baum, dem jene Blätter starben, die Herden vor dem Sonnenstrahl bewahrt, und was einst grün war, nun in welken Farben dahingeführt auf Sommers letzter Fahrt:
dann frag ich, deiner Schönheit zugewendet, wie sie vor der Verwüstung will bestehn und ob sie nicht, die selber sich verschwendet, so schnell, wie Neues blüht, dahin wird gehn.
Nichts wahrt den Wert vor harter Zeit Verderben, als ihr zum Trotz ihn wahren in dem Erben.

XIII

Inhaltsverzeichnis
O daß du dir gehörtest! Doch gehörst du nur so lang' dir, als du hier wirst weilen. Drum nütz die kurzen Tage, die du währst, dein Abbild einem andern mitzuteilen.
Dann würde, was an Schönheit dir zu eigen, niemals verbraucht und fiele nie zur Beute dem Tode, um dich selbst der Welt zu zeigen, die dich im Sproß erkennen wird, wie heute.
Wer ließe zu, daß solch ein Haus verfallt, das unschwer durch Voraussicht war' zu hüten vor den Gewalten jener Winterwelt, vor Schnee und Sturm und Todes kaltem Wüten?
Du hattest einen Vater. Seiner wert, sei selber du von einem Sohn geehrt!

XIV

Inhaltsverzeichnis
Nicht den Gestirnen danke ich mein Wissen, wenngleich imstande, Künftiges zu deuten. Doch künd ich nicht von jenen Finsternissen, wie Teurung oder Pest in Kriegeszeiten.
Nicht wahrzusagen fähig, ob ein Tag mit Regen oder Stürmen uns bedroht, nicht aus der Schrift des Himmels ich vermag der Fürsten Los zu schaun in Glück und Not.
Jedoch in deinen Augen kann ich's lesen, und diese Sterne haben mich's gelehrt: daß schön sein wird, was schön an dir gewesen, wenn du dir einen Erben hast gewährt.
So tu es, denn sonst muß ich prophezein: Mit dir wird Schönheit einst gestorben sein!

XV

Inhaltsverzeichnis
Bedenke ich, daß nur für Augenblicke vollkommnem Wert ein Dasein ist verliehn, der Szenenwechsel irdischer Geschicke sich durch der Sterne Walten muß vollziehn,
daß gleich dem Baum der Mensch gedeiht im All, von gleicher Luft erhoben und gebrochen, und allzubald, von Fülle zu Verfall, dem Todesdrang der Zeit doch wird entsprochen:
dann ist es so, daß in des Wandels Bild ich deine Jugendherrlichkeit nicht misse, dann sehe ich die harte Zeit gewillt, dein Licht zu stoßen in die Finsternisse.
Im Kampfe mit der Zeit, dir hingegeben, geb ich, was sie dir nimmt: das neue Leben.

XVI

Inhaltsverzeichnis
Warum jedoch trittst du mit stärkrer Kraft nicht selbst dem Bluttyrannen Zeit entgegen, durch das, was bess're Sicherheit verschafft als unfruchtbares Lied, und bessern Segen?
Du schwelgst in deines Frühlings Überschwange und sieh, es blüht manch jungfräulicher Garten, der sich eröffnen wollt' in keuschem Drange, mit junger Blume Huld dir aufzuwarten.
Lebendig bleibt das Leben nur durch Leben; das rechte Bild von ihm gibt nicht die Zeit, noch könnte meine Zeichnung etwas geben vom wahren Innern und vom schönen Kleid.
Gibst du dich weg, so wirst du dich erhalten: das Bild, das bleibt, du mußt es selbst gestalten.

XVII

Inhaltsverzeichnis
Wer glaubt mir einstens, wenn der Welt mein Sang zuteil wird, ganz von deiner Huld erfüllt? Und doch gleicht er der Gruft nur, kaum gelang ihm halb nur die Erinnrung an dein Bild.
Könnt' ich die Schönheit deiner Augen schildern, entsprach' mein Vers der Anmut deiner Züge, die Nachwelt, zweifelnd an den Himmelsbildern von einem Erdensohn, nahm' sie für Lüge.
Dies mein Gedicht, verwittert durch die Zeit, man würd' es höhnen wie Geschwätz von Greisen, und deinen wahren Wert war' man bereit als Schwall von alten Liedern zu beweisen.
Doch wenn dein Bild im Sohne sich erhält, durch ihn wie durch mein Lied bleibst du der Welt.

XVIII

Inhaltsverzeichnis
Soll ich denn einen Sommertag dich nennen, dich, der an Herrlichkeit ihn überglänzt? Dem Mai will Sturm die Blütenpracht nicht gönnen, und Sommers Herrschaft ist so eng begrenzt.
Oft leuchten seines Blickes Feuerfarben, doch bald auch hört das goldne Glänzen auf, bis seine allerletzten Spuren starben in Wechsel und natürlichem Verlauf.
Dir aber soll der Sommer niemals scheiden, die Zeit sei fern, daß Schönheit dir verdirbt. Des Todes gier'ger Blick weiß dich zu meiden: mein Wort verhütet, daß dein Wesen stirbt.
Solange Ohren hören, Augen sehn, besteht mein Lied, wirst du im Lied bestehn!

XIX

Inhaltsverzeichnis
Mach stumpf du, Zeit, des Löwen Klau! Treib an zum Fraß der eignen Brut das Element! Aus Tigers Rachen brich den wüt'gen Zahn! Zünd an den Phönix, daß im Blut er brennt!
Tu was du willst, du Zeit mit flücht'gem Fuß, Heil oder Unheil, Werden und Vergehn; sei Fluch, was du der Welt gibst, oder Gruß – nur dieses Schlimmste lasse ungeschehn:
entstell durch Furchen nicht das Angesicht des Freundes mit dem Griffel deiner Jahre, daß Schönheit als ein göttliches Gedicht unsterblich sich der Nachwelt offenbare.
Doch ob sie durch dein Wüten auch verschied, sie lebte ewig fort in meinem Lied!

XX

Inhaltsverzeichnis
Ein Fraungesicht hat dir Natur geschenkt, du Herr zugleich und Herrin meiner Seele; ein Frauenherz, das doch nicht treulos denkt, wie es dem Wechsel stets nur sich vermähle;
ein lockend Aug und dennoch nicht belügend, verklärend jedes Ding, das es bestrahlt, und über beiden Wesens Reiz verfugend, ein Doppelbild, von der Natur gemalt.
Als sie zum Weib dich schuf und selbst entbrannte für dich, ergänzte sie dich gleich zum Mann: was meiner Hoffnung den Besitz entwandte durch Überfluß, den ich nicht brauchen kann.
So ausgestattet, Frauen zu erlaben – laß mir die Liebe, wenn die Lust sie haben!

XXI

Inhaltsverzeichnis
Mein Liebeslied klingt nicht wie jener Schall, der angeschminkter Schönheit mag ertönen; der aller Bilder Schmuck holt aus dem All und jedes Schöne borgt dem Schein vom Schönen.
Es ist nicht Schwall, nicht Fülle von Vergleichen mit Sonn und Mond und was es immer nur in Flut und Festland gibt, mit Himmelszeichen und allen Wunderwerken der Natur.
Echt ist mein Lieben, wahr sei auch mein Lied: drum glaub, daß keine Erdenflamme brennt mit schönrer Glut, obgleich noch schöner glüht der goldne Strahlenglanz am Firmament.
Mag, wer zu prahlen liebt, mit Liebe prahlen; ich will nicht preisen, was nicht zu bezahlen.

XXII

Inhaltsverzeichnis
Der Spiegel, der mein Alter mir beweist, er lügt, solang' er deine Jugend spiegelt. Die Zeit, die Furchen in dein Antlitz reißt, war' jene, die das Ende mir besiegelt.
Denn alle Schönheit, die dein Herz umwebt, auch meins hat sie zur Hülle sich erkoren, das ganz in dir wie deins in mir doch lebt: ist's möglich dann, daß ich vor dir geboren?
Nimm, Liebster, drum dich für dich selbst in acht, und ich will's nicht für mich, für dich nur tun: dein Herz behütend halt ich treue Wacht, wie eine Mutter macht das Kindlein ruhn.
Dein Herz ist hin, wenn meins nicht mehr am Leben: du gabst mir deines nicht zum Wiedergeben.

XXIII

Inhaltsverzeichnis
Wie auf der Szene oft ein Dilettant, durch Schüchternheit gehemmt in seinem Spiel; wie der, der rast, vom Wüten übermannt, durch Übermaß geschwächt wird vor dem Ziel:
ganz so verfehle ich, von Angst beklommen, zu tun, was Liebessitte sonst begründet, und alle Leidenschaft erscheint verglommen, weil sie zu heftig in mir angezündet.
Drum soll mein Lied für meine Liebe zeugen und leise künden meinen lauten Drang, den schüchtern meine Lippe muß verschweigen, der mancher kühne Ausdruck doch gelang.
O laß, was stumme Liebe schrieb, gewähren: sie wird dich lehren, mit dem Aug zu hören.

XXIV

Inhaltsverzeichnis
Mein Aug ist Maler, der mir an die Wand von meinem Herzen dein Gemälde schafft. In meines Körpers Rahmen eingespannt, bewährt es sich mit aller Täuschungskraft.
Die Stelle, wo dein wahres Bild zu finden, wird durch die Kunst des Malers dir erhellt; du schaust es in des Herzens Hintergründen, auf die das Licht aus deinem Auge fällt.
Sieh, wie das Aug dem Auge Wonne bringt: das meine hat gemalt, es ward das deine ein Fenster meiner Brust, durch welches dringt die Sonne, daß sie froh dein Bild bescheine.
Nur eines kann die Kunst nicht: für das Bild hat sie bloß Form – das Herz bleibt ihr verhüllt.

XXV

Inhaltsverzeichnis
Mag, wen ein günstiges Geschick erschuf, an Titeln sich und äußrer Ehre laben. Mir, der sich fern fühlt solcherlei Beruf, ward der Gewinn, ein andres Glück zu haben.
Von Gunst besonnt, der Höfling fett gedeiht und tut sich auf wie eine Dotterblume; ein laun'scher Zufall endet seine Zeit, ein zorn'ger Blick begegnet seinem Ruhme.
Der nie besiegte Sieger, der zuletzt doch einmal seinen Sieger hat gefunden, wird aus der Ruhmestafel ausgeätzt, und tausend Siege sind dahingeschwunden.
Welch andres Glück: ich lieb und bin geliebt, ein Glück, an dem es keinen Wandel gibt!

XXVI

Inhaltsverzeichnis
Du, meines Herzens Herr, dem ich zu Schuld durch seine Gnade ganz verpflichtet bleibe, nicht Geist soll mir erringen deine Huld, wenn ich dir nun mein Schuldbekenntnis schreibe.
So große Schuld doch, daß mein Geist zu klein, vor dir sie in die rechte Form zu fassen. Du läßt ihm, hoff ich, Nachsicht angedeihn, um nicht zu nackt erscheinen sie zu lassen:
bis jener Stern, der mich durchs Leben lenkt, sich will zu meiner Armut niederneigen und meiner Blöße die Gewandung schenkt, die würdig deiner Achtung mich wird zeigen.
Erst dann darf laut die Liebe ich verkünden; bis dahin soll dein Licht mich nirgend finden.

XXVII

Inhaltsverzeichnis
Wenn ich, erschöpft von Mühsal, ruhen will, die müden Augen fallen mir nicht zu; ach, dann ist's erst in meinem Kopf nicht still: der Leib will Ruh, der Geist gibt keine Ruh.
Denn dich sucht bald er in der weiten Ferne, in die es ihn mit frommem Sehnen zieht. Vergebens aber leuchten Augensterne durch jenes Dunkel, das der Blinde sieht.
Doch vorzustellen, was uns abgewandt, dem innern Blick die Phantasie vermag; und also strahlst du als ein Diamant, und diese Nacht ist schöner als ein Tag.
Bei Tag und Nacht sich deine Macht mir weist: dort hat mein Leib nicht Ruh, hier nicht mein Geist.

XXVIII

Inhaltsverzeichnis
Wie fand' ich jemals noch in frohe Tage, wenn dauernd mich der Ruhe Wohltat flieht, seit vor der Nacht nicht wich des Tages Plage und Tag und Nacht kein Dunkel unterschied?
Sie, die einander niemals sonst vertragen, sie reichen, mich zu plagen, sich die Hand: der Tag durch Plage und die Nacht durch Klagen, daß meine Plage dich mir abgewandt.
Zum Tage sag ich, dir dankt er die Pracht, du glänzest ihm, wenn Wolken ihn verdunkeln; und also schmeichle ich der schwarzen Nacht: daß du ihr strahlst, wenn keine Sterne funkeln.
Doch mehrt der Tag mir täglich meine Leiden, an welchen nachts ich seh die Nacht sich weiden.

XXIX

Inhaltsverzeichnis
Wenn ich des Erdenglücks entbehrend frage, warum ich durch so hartes Los verbannt, und in Verzweiflung fluche, weil die Klage beim tauben Himmel nicht Erhörung fand,
wünsch ich zu sein wie solche, die da leben in Hoffnung, vieler Freundschaft, hochgeboren, um mich der Kunst des einen hinzugeben, des andern Ziel – dem meinen doch verloren.
Zur Selbstverachtung führt mich fast solch Sinnen; doch denk ich deiner, aller Schatten flieht, da will ein neuer Morgen mir beginnen, zu deiner Sonne steigt mein Lerchenlied.
An dich zu denken, welch ein Herzenslohn: dies Glück ist mir nicht feil für einen Thron!

XXX

Inhaltsverzeichnis
Wenn mich verfuhrt ein schmerzlich süßes Denken und macht mir die Vergangenheit bewußt, dann will Verlorenes sich wieder schenken und läßt mich neu erleben den Verlust.
Dann will ein Aug, das lange nicht geweint, gewahren Freunde, die dahin gegangen, und manch Gesicht, das längst verblich, erscheint, und manch verklungner Ton weckt ein Verlangen.
Dann leid ich Leiden, die ich längst gelitten, dann duld ich mit bewiesener Geduld. Die Schmerzenssumme, die ich längst bestritten, bezahl ich neu, als war' sie neue Schuld.
Doch bin von allem ich, was ich erlitt, wenn ich an dich, Geliebter, denke, quitt.

XXXI

Inhaltsverzeichnis
Dein Herz faßt alle Herzen, die ich wähnte gestorben mir, sie ruhen in dem deinen: die Liebe selbst und was ich je ersehnte und Freundschaft, die ich wollt' als tot beweinen.
Wie hab in frommer Trauer manche Träne um all die toten Freunde ich geweint. Nun aber scheinen auferstanden jene durch dich, in dir vorhanden und vereint.
Du bist das Grab, wo alle Liebe lebt, und alle Lieben sind ihm eingeschrieben, und all ihr Teil an mir mit dir verwebt, und alles ihre ist nur dir verblieben.
Die Bilder alle, die ich einst geliebt, enthält dein Bild mir, das mich ganz umgibt.

XXXII

Inhaltsverzeichnis
Wenn einstens, da ich längst zu Staub vergangen und keine andre Spur von mir geblieben, die Blätter hier vor deinen Blick gelangen, vergilbtes Zeugnis für lebend'ges Lieben:
laß für der Zeiten Fortschritt sie nicht büßen, bewahre sie um meiner Liebe willen, nicht ihrer Kunst: zu besserem Genießen mag spätem Künstlern sich die Form erfüllen.
Sprich freundlich: »War' der Freund nicht schon gestorben vor dieser hochgestimmten Zeiten Gunst, er hätte leicht den höchsten Preis erworben, groß wie die Liebe wäre seine Kunst.
Doch da vor Größern in das Grab er sank, sei ihrer Kunst, sei seiner Liebe Dank.«

XXXIII

Inhaltsverzeichnis
Oft sah den Morgen ich aus Finsternissen sich glänzend über Berge überheben, das Grün der Welt mit goldnem Antlitz küssen und seinen Strahl den bleichen Strom beleben.
Doch dann, in niedrer Wolken Schmach verloren, ließ er verdunkeln himmlische Gelände, die Welt verleugnend, die zum Glanz geboren; unselig hinzusinken in das Ende.
So sah ich einstmals meiner Sonne Blick beglückten Morgens meine Stirn bestrahlen. Doch ach! nur eine Stunde schien das Glück, mit grauen Wolken mußt' ich es bezahlen.
Wenn Himmels Sonne sinkt, soll die der Welten drum nimmer ihren Hingang mir entgelten!

XXXIV

Inhaltsverzeichnis
Weshalb verhießest du so schönen Tag und ließest ohne Mantel mich ergehen, da ich nicht dachte, daß heraufziehn mag Gewölk, wo deine Sonne nicht zu sehen?
Und hast du nun die Wolken auch verscheucht und trocknest mir barmherzig das Gesicht, das noch, vom nassen Sturm geschlagen, feucht: das Mittel schließt die Wunde, heilt sie nicht.
Mein Schmerz empfängt nicht Trost von deiner Scham, und Mitleid wird das Leid nicht überleben; daß du dich selbst nun grämst, kann meinem Gram, der allzu schwer, nur schwache Lindrung geben.
Doch ach, die Perlen, die mir weint dein Auge – welch schöner Schmuck, der mir zum Tröste tauge!

XXXV

Inhaltsverzeichnis
Nicht länger wirf dir vor, was du getan: es hat die Rose Dornen, Schlamm der Quell, der ekle Wurm fällt süße Blüte an, und manchmal scheinen Sonn und Mond nicht hell.
Wir fehlen all', mir ist der Fehl zu eigen, mit Bildern deinen Fehler zu verschönen, bestochen bin ich, deinen Wert zu zeigen, mehr, als du Schuld hast, mich dir auszusöhnen.
Für deiner Sinne Fehler hab ich Sinn, als treuer Anwalt spricht für dich dein Feind; ich klag mich an, und dein ist der Gewinn. Und so sind Lieb und Haß in mir geeint,
daß ihrem Ausgleich nur der Fehler blieb: ich bleibe Hehler meinem lieben Dieb.

XXXVI

Inhaltsverzeichnis
Das Schicksal scheidet uns, laß mich's bekennen, ob auch untrennbar unser Bündnis wäre. Du mußt dich nun von meinem Makel trennen, damit nicht, was ich trage, dich entehre.
So hat das neid'sche Schicksal es beschlossen, zu scheiden, was im Innersten verbunden. Zwar trennt es nicht des Seelenglücks Genossen, doch stiehlt es dem Genüsse seine Stunden.
Ich darf mich nicht an deiner Seite zeigen, daß Schmach du nicht empfängst von meiner Schmach; noch darfst du vor der Welt zu mir dich neigen, vor der es dir an Ehre sonst gebrach.
So tu's nicht! Mein, wie alles was enthält dein Dasein, ist dein Ansehn in der Welt.

XXXVII

Inhaltsverzeichnis
So wie ein greiser Vater ganz beglückt auf seines Sohnes Jugendschaffen sieht, so blüht mir, den das Leben tief gebückt, durch dich von neuem, was mir schon verblüht.
Denn ob Geburt, ob Schönheit, Wert und Witz gemeinsam oder einzeln auserwählt dich zu der höchsten Gaben Ehrensitz: ich habe meine Liebe zugezählt.
So bin ich nicht mehr arm, ich schwelge mit, und deine Jugendkraft heilt mein Ermatten. Zur Fülle wird der Mangel, den ich litt, und neuen Glanz schöpf ich aus deinem Schatten.
Vermehr' sich Fülle dir und Glück und Glanz! Erfüllte sich der Wunsch, mein Glück war' ganz.

XXXVIII

Inhaltsverzeichnis
Wie könnte meiner Muse es mißlingen, solang' du atmest und dein süßes Leben in meine Lieder strömst, damit sie klingen, die doch nicht fähig, deinen Klang zu geben!
Dir selber danke, wenn du's gern gelesen und würdig etwas dir von mir erschien; wer spräche nicht, der vorher stumm gewesen, wem war' dein Stoff nicht zum Gedicht gediehn?
Die zehnte Muse bist du, zehnmal mehr an Wert als neun, bekannt der Dichtermenge; und wessen Herz dich anruft, dem bescher' von deinem Ruhm erfüllte Hochgesänge!
Gefällt mein schlichtes Lied der strengen Zeit, sei mein die Müh, sei dir der Preis geweiht!

XXXIX

Inhaltsverzeichnis
Wie könnt's gelingen mir, dein Lob zu singen, da ich dann nur den bessern Teil erhob von mir? Kann Eigenlob denn Lob mir bringen? Und lob ich dich, ist's nicht mein eignes Lob?
Laß uns deshalb getrennte Wege gehen der Liebe, die das Einssein uns verwehrt, daß so ich dir vermöchte zu ersehen den höchsten Preis, der dir allein gehört.
Getrenntsein – unerträglich nur zu denken, war' nicht Gedanke Trost und Lustgewinn und wollte Trennung nicht die Wonne schenken, die Gram betrügt mit traumversenktem Sinn.
Aus einem zwei zu machen muß gelingen: der eine bleibt, dem andern lobzusingen.

XL

Inhaltsverzeichnis
Nähmst du, Geliebter, alle Lieben mir, du kannst nicht mehr von mir als bisher haben. Die wahre Liebe nicht verbliebe dir: dies Mehr vermehrt nicht meine Liebesgaben.
Nahmst du nunmehr vorlieb mit meinem Lieb, du machtest nur Gebrauch von meinem Lieben; wogegen mir ein Grund zum Groll verblieb', wenn dich die eitle Lust zur Tat getrieben.
Aus Liebe, schöner Dieb, will ich verzeihn, ob auch dein Raub der Armut nichts mehr lasse; und doch ist Leid aus Liebe größre Pein, als Leid zu leiden von bewußtem Hasse.
Du süßer Liebling, töte mich durch Schmerz – doch triff mich nicht durch Feindschaft in mein Herz!

XLI

Inhaltsverzeichnis
Die Lust an leichter Sünde, wenn ich weit bisweilen deinem Herzen, wohl entsprach sie deiner Jugend, deiner Herrlichkeit; denn wo du weilst, folgt dir Verführung nach.
Du bist so willig, leicht drum zu gewinnen, du bist so schön, als Beute drum begehrt; und wann versagte sich mit spröden Sinnen ein Weibgeborner, wenn ein Weib gewährt?
Und dennoch will ich dir zur Warnung sagen: Laß deine süßen Lüste nicht zu frei, die dich in diesen tollen Taumel jagen, worin du zweifach brechen mußt die Treu –
die ihre, da dein Reiz sie hat geblendet, die deine, da er sich mir abgewendet.

XLII

Inhaltsverzeichnis
Daß sie nun dein, ist nicht mein ganzer Gram, obgleich sie meinem Herzen nahestand. Doch daß sie, dir sich gebend, dich mir nahm – Verlust ist's wahrlich, den ich nicht verwand.
Drum so, ihr Sünder, lös ich euch der Schuld: du liebst sie, weil du weißt, daß ich sie liebe; und sie gewährt dir meinethalben Huld, wie wenn es dich für mich nur zu ihr triebe.
Verlier ich dich, hat so Gewinn mein Lieb, verlier ich sie, so wird's dem Freunde frommen; wofür zum Schluß mir selbst die Tröstung blieb, nur meinethalb sei'n beide mir genommen.
Doch sprich, sind wir nicht eines: du und ich? So träume ich: sie liebt ja doch nur mich!

XLIII

Inhaltsverzeichnis
Am besten sieht mein Aug, wenn es sich schließt, denn ohne Glanz ist ihm des Tages Welt. Doch wenn mein Blick im Traum dein Bild genießt, dann ist die Nacht ihm wie zum Tag erhellt.
Du, dessen Schatten Glanz verleiht der Nacht: wie würdest du dem hellen Tage taugen mit deinem Übermaß an Licht und Pracht, da du schon leuchten kannst geschloßnen Augen!
Wie selig würde, ohne zu ersatten, der Blick gewahr am klaren Tag dein Strahlen, da doch in dunkler Nacht dein bloßer Schatten imstande ist, so hohe Pracht zu malen!
Der Tag ist Nacht, wenn ich dein Licht nicht sehe, die Nacht ist Tag im Traum von deiner Nähe.

XLIV

Inhaltsverzeichnis
War' dieses Leibes träger Stoff der Geist, vermöchte keine Ferne uns zu trennen, durch Räume war' ich rasch dir nachgereist und wollte keine Grenze anerkennen.
Und stand' mein Fuß gebannt am fernsten Ort, dem Geiste wahrlich war' zum Spott die Schranke ich dächte über Land und Meer mich fort und schon am Ziele wäre der Gedanke.
Mich tötet der Gedanke, daß ich nicht Gedanke bin, um stets dich aufzufinden: mein Element erzwingt mir den Verzicht, das Hindernis des Raums zu überwinden.
Von Erd und Wasser, die in mir vereint, sind schwer die Tränen, die ich dir geweint.

XLV

Inhaltsverzeichnis
Doch Luft und Feuer, jene andern Stoffe, wo ich auch sei, ich seh bei dir sie weilen, enthaltend, was ich denke, was ich hoffe, bereit, in Eile es dir mitzuteilen.
Und wenn sich diese losen Stoffe trennten, mit Liebesbotschaft nach dir ausgesandt, dann bleib ich mit den trägern Elementen zurück und bin vom Grame übermannt:
so lang', bis wieder sich die vier verbinden, wenn jene Boten von dir heimgekehrt; sie trafen dich in wohligstem Befinden und brachten Kunde, wie ich sie begehrt.
Doch kurz das Glück: sie dürfen nicht verweilen, besorgt laß ich zu dir sie wieder eilen.

XLVI

Inhaltsverzeichnis
Mein Herz und Auge sind in wildem Streit um dich, als ginge es auf Tod und Leben: das Aug besteht auf deiner Lieblichkeit, das Herz ist nicht entschlossen nachzugeben.
Das Herz führt an, du seist in seiner Hut, in die des Augs Kristall nicht eingedrungen, des starrer Anspruch auf dem Recht beruht, das es an deinem Bilde sich errungen.
Gerichtshof sind Gedanken, die Vasallen des Herzens zwar, doch auch des Rechtes Freund. Es fällt der Wahrspruch beiden zu Gefallen, und beider Rechte scheinen so vereint:
Dem Auge sei dein Außenbild geblieben, die Liebe, die bekommt das Herz verschrieben.

XLVII

Inhaltsverzeichnis
Da nunmehr Herz und Auge sich vertragen, tut jedes gerne, was dem andern tauge: wenn sich das Herz verzehrt in Liebesklagen, wenn schmachtend deinen Blick ersehnt das Auge,
dann schwelgt das Aug in deinem holden Bild, und lädt dann gern das Herz zu sich als Gast; und wenn das Herz den Liebeshunger stillt, dann wird vom Auge gastlich mitgepraßt.
So bist bald durch das Bild, bald durch die Liebe du, wo du immer wärst, mir gegenwärtig; da ist kein Wunsch, der unerfüllt mir bliebe, denn flugs wird er mit der Entfernung fertig.
Und wenn er schliefe, weckte ihn dein Bild, das Herz und Aug mit gleicher Lust erfüllt.

XLVIII

Inhaltsverzeichnis
Ging ich auf Reisen, pflegt' ich jeden Kram zu Haus vor ungetreuer Hand zu hegen, um zu besitzen, wenn ich wiederkam, und neu zu nützen, was mir brach gelegen.
Und dich, vor dem mein Schatz in Nichts zerstiebt, einst Trost mir, heut imstand mich so zu quälen, dich, den weit mehr als Schätze ich geliebt, dich konnte jeder schnöde Dieb mir stehlen!
Nur wo du nicht bist, hielt ich dich verschlossen: im Herzensschrein; und doch, ich fühl's, vor allen bist du ja drinnen, wo du unverdrossen magst ein- und ausgehn, je nach Wohlgefallen.
Daß man noch hier dich raubt, zu fürchten blieb': um solchen Preis wird Ehrlichkeit zum Dieb!

XLIX

Inhaltsverzeichnis
Für jene Zeit – o wär' sie abzuwenden! – wo alle meine Fehler dich verdrießen, und wo du ließest deine Liebe enden und Klugheit deines Herzens Rechnung schließen,
für jene Zeit, wo du mir gehst vorbei, die Sonne deiner Augen kaum mich grüßt, daß kalte Würde an der Stelle sei, wo letzte Glut des Herzens eingebüßt –
für jene Zeit erhalt ich mir Bestand, bereit, was mir gebühre, zu erkennen, und, wider mich erhebend meine Hand, die Sache, die du führst, gerecht zu nennen.
Brichst du den Bund, so ist's nicht anzufechten; das Recht der Liebe ruht ja nicht auf Rechten.

L

Inhaltsverzeichnis
Wie langsam schlepp ich mich von Platz zu Platz, da ich vom Ziel, es scheuend, nichts gelernt auf Rast und Reise als nur diesen Satz: »Wie weit bist du von deinem Freund entfernt!«
Mein Tier trabt träge seines Weges hin, als trüg' es die Beschwer von meinem Gram und spürte meinen Schmerz, von dir zu ziehn, und meinen Wunsch, daß ich nicht weiter kam.
Vergebens, wenn ich manchmal doch es sporne, der blut'ge Sporn befeuert nicht den Schritt; wie's stöhnend leidet unter meinem Zorne, weit schwerer leid ich seine Schmerzen mit.
Für sie bekam die Mahnung ich zurück: der Gram liegt vor mir, hinter mir das Glück.

LI

Inhaltsverzeichnis
Die Liebe soll dem faulen Gaul gewähren die lahme Gangart, wenn ich von dir gehe. Bedarfs der Eile, sich von dir zu kehren? Sie frommt mir nur, daß ich dich wiedersehe.
Doch ob der Gaul mit Ausflucht auch bestünde, wenn schnellste Schnelle dann nicht schnell genug? Ich spornte scharf, und ritt ich auf dem Winde, und Stillstand schiene mir der schnellste Flug.
Dann kann kein Roß mit meiner Sehnsucht mit, und wiehern wird sie – echter Liebe Sproß ist sie, nicht dumpfes Fleisch – im Sturmesschritt. Und Liebe so entschuld'gen mag mein Roß:
Es bleibe faul, ob von dir gehend, ob zu dir – ich komme zu dir im Galopp!

LII

Inhaltsverzeichnis
Dem reichen Manne gleich' ich, der im stillen den Schlüssel fuhrt zu den geheimen Schätzen, die er dem eignen Blick nicht will enthüllen, daß nicht Gewöhnung stumpfe das Ergötzen.
Darum sind seltne Feste so begehrt, die glänzend doch das ganze Jahr bescheinen, wie durch Juwelen von besondrem Wert gemehrt der Glanz wird an den andren Steinen.
So wahre ich dich in dem Schrein der Zeit, wie Festgewand dich sorgsam zu verschließen, um, wenn es Zeit ist, deine Herrlichkeit in der Enthüllung gänzlich zu genießen.
Gesegnet bist du, der die Lust mir weckt, wenn offen du – mein Hoffen, wenn verdeckt.

LIII

Inhaltsverzeichnis
Aus welchem Stoff hat dich Natur gemacht, daß dich umschweben ungezählte Schatten? Ist jedem sonst nur einer zugedacht, vermagst du allen alle zu erstatten.
Wenn man Adonis bildet, ist das Bild nur schwaches Abbild deiner Lieblichkeit; und Helena, von Strahlenglanz umhüllt, du bist es, neu gemalt im Griechenkleid.
Der Frühling und des reifen Sommers Segen: der bietet deiner Schönheit Schatten nur und der nur Mangel deiner Fülle wegen; in jeder Form besiegst du die Natur.
Der ihr in allem äußern Glanze gleicht, an Treue bleibst du gleichwohl unerreicht.

LIV

Inhaltsverzeichnis
O wieviel schöner Schönheit uns ersteht, wenn innrer Wert dem Schmucke zugesellt! Schön ist die Rose; ihren Glanz erhöht jedoch der holde Duft, den sie enthält.
Die Heckenrose hat die gleiche Glut, dieselben Dornen wie die echten Rosen, und ihre Lust, die in der Knospe ruht, erwecken Winde mit dem gleichen Kosen.
Doch all ihr Wert erschließt sich bloß im Schein, bestimmt nur, unbegehrt am Strauch zu sterben. Die echte wird uns sterbend noch erfreun und duftend süßen Nachruhm sich erwerben.
Dir, schöner Freund, wenn Schönheit einst verdorrt, lebt doch dein Wert in meinem Liede fort!

LV

Inhaltsverzeichnis
Kein Marmorstein, kein Fürstenmonument wird überdauern mein gewalt'ges Wort, das deiner Hoheit höhern Ruhm bekennt als Ehre, die im Erdenschmutz verdorrt.
Wenn Raserei zu Staub zersprengt den Stein, wenn Krieg die Mauern der Paläste bricht, nicht Schwert, nicht Feuer soll imstande sein, zu löschen dieses lodernde Gedicht!
Du gehst durch Tod, verzehrendes Vergessen, vor allem leuchtend, was da sinkt ins Nichts, und deiner Herrlichkeit sind zugemessen die Tage bis zum Tage des Gerichts.
Bis es zu andrem Leben dich beschied, lebst du im Aug der Liebe durch mein Lied!

LVI

Inhaltsverzeichnis
O süße Liebe, deine Macht verstärke, daß nicht die schale Welt sie wollte messen am Hunger, der schon morgen greift zum Werke, nachdem er heute erst sich satt gegessen.
So tu desgleichen: daß dein gierig Auge sich heut am Hochgenuß der Schönheit freue, doch mach, daß morgen wieder sie ihm tauge, gewähre niemals, daß dein Geist bereue.
Wie Meeresflut ist triste Zwischenzeit: zwei Küsten und zwei Liebende getrennt; die täglich Wartenden verbindet Leid, worin die Glut des Wiederfindens brennt.
Dazwischen ist auch Winter, der nur währt, daß man den Sommer sehnlicher begehrt.

LVII

Inhaltsverzeichnis
Dein Sklave bin ich, harrend der Befehle, und deinem Winke folg ich unbedingt, und keinen andern Dienst ich mir erwähle als dir zu dienen, wenn du nur gewinkt.
Verspätet sich der Wink, will ich nicht schelten, ob mir die Uhr auch allzu langsam ging, und Trennungsweh laß ich dich nicht entgelten, wenn ich verschwinden muß auf deinen Wink.
Ich suche nicht mit eifersücht'gem Sinn mich in dein Tun und Wollen zu vergraben – doch denk ich an die andern, die Gewinn von deiner holden Gegenwart nun haben.
Ein solcher Sklav ist Liebe: ihr ist's Pflicht, was du auch tust, zu sehn im hellsten Licht.

LVIII

Inhaltsverzeichnis
Verhüte Gott, der dir zum Knecht mich machte, daß ich, wohin dich auch dein Weg mag führen, die Stunden deiner Muße überwachte, und nähme mir das Recht, dir nachzuspüren.
In deiner Freiheit Kerker will ich schmachten, verhaftet dir, auf deinen Wink bereit, will, was du immer tust, für gut erachten und mich dir beugen ohne Bitterkeit.
Sei, wo du willst: dein Freibrief stellt dir frei, die glücklichen Minuten durchzuleben; tu, was du willst: und was es immer sei, du selbst nur hast das Recht, dir zu vergeben.
Ich harre in der Hölle; nicht mein Recht ist Tadel deines Tuns, ob gut ob schlecht.

LIX

Inhaltsverzeichnis
Wenn nichts mehr neu, schon alles dagewesen, dann ist's ein Trug, daß unser Hirn erfinde. Vergebne Müh: es wollte neu genesen, und nieder kommt's mit schon gebornem Kinde.
O daß ich doch fünfhundert Sonnenjahre zurück könnt' schreiten auf der Zeiten Pfad, bis ich dein Bild in einem Buch gewahre, worin zuerst der Geist aus Zeichen trat!
Dann wüßt' ich, ob die Alten Ruhm gebreitet um deiner Schönheit Wunder, deinen Wert; ob vorwärts unsre Welt, ob rückwärts schreitet, ob wandelnd nur das Gleiche wiederkehrt.
Doch weiß ich: man vermocht' in frühern Tagen von schlechterm Wert zu singen und zu sagen.

LX

Inhaltsverzeichnis
Wie Wellen an dem Kieselstrand verrauschen, so fluten die Minuten hin zum End, und immer naht die nächste, um zu tauschen mit der, die eben schwand im Element.
Gebornes, ganz vom Meer des Lichts umflutet, erwächst zur Höhe; wenn sie kaum erklommen, droht Dunkel, und bald sieht man, wie sich sputet die Zeit, die, was sie gab, schon hat genommen.
Man sieht, wie sie verheert das junge Grün und wie sie Furchen gräbt in schöne Flächen; nichts ist in der Natur zum Glanz gediehn, das man nicht sieht an ihrer Sichel brechen.
Und doch, wie immer sie der Schöpfung droht, mein Lied, es trotzt der grimmen Zeit Gebot.

LXI

Inhaltsverzeichnis
Befiehlst du, daß dein Bild in banger Nacht mein schlafbefangnes Auge offen halte? Und daß ein Schatten, der dir nachgemacht, verlachend mich, mit meinem Schlummer schalte?
Hast du aus weiter Ferne deinen Geist zu mir gesandt, damit er forschend findet die Untreu meines Tuns und dir beweist, worin sich deine Eifersucht begründet?
O nein, so groß ist deine Liebe nicht! Mich halten wach die eigenen Gefühle; sie leisten ruhlos auf den Schlaf Verzicht, damit ich deinethalb den Wächter spiele.
Weit fort von dir, ist auch der Schlaf vertrieben: ich wach' für dich, und du mit andern Lieben.

LXII

Inhaltsverzeichnis
Die Eigenliebe, eingeseßne Sünde, den Sinn hält sie, das Innre mir gebunden, und übel ist's, daß ich kein Mittel finde, um von dem Übel endlich zu gesunden.
Kein Antlitz scheint mir schön wie mein Gesicht, ich bin an Form und Inhalt ohnegleichen; und wenn ich selbst bestimme mein Gewicht, vermag wohl nichts an mich heranzureichen.
Nur wenn ich manchmal mich im Spiegel schau, so matt und mürbe, müd und abgetrieben, dann wird auch meine Eigenliebe lau, da war' es Laster, so sich selbst zu lieben!
Mein Selbst bist du: dir bleibe meine Liebe, daß meinem Alter deine Jugend bliebe.

LXIII

Inhaltsverzeichnis
Einst trifft wie mich, Geliebter, dich die Zeit mit ihrer wilden Wut und macht dich mürbe. Wenn sie dein Blut gedörrt, dir Runzeln streut auf deine Stirn, an denen Schönheit stürbe;
wenn in die Nacht sie lockt den jungen Tag, und Herrlichkeit, der du als Herr noch heute befiehlst, sie abzuwenden dir vermag, und wenn dein Frühling fiel der Zeit zur Beute:
für solche Zeit, dich ihres Schwerts zu wehren, bewähr ich Kraft, als deines Werts Erhalter; nicht soll die Zeit ihn mit dir selbst verheeren, er sei bewahrt durch alle Menschenalter.
Sein Zeugnis ist mein Lied in schwarzen Lettern auf meiner Liebe immergrünen Blättern!

LXIV

Inhaltsverzeichnis
Seh ich mit grausem Griff die Zeit zerwühlen erhabnen Prunk der hingesunknen Welten; stell ich mir vor, wie stolze Türme fielen, und Trümmer nur für erzne Male gelten;
seh ich des Meers begehrendes Gebiß an königlichem Strande wölfisch nagen, und wie das Festland wieder sich entriß, Gewinn Verlust, Verlust Gewinn muß tragen;
und seh ich diesen Wandel, dies Verkümmern, und alles, was da war, zum Schluß ein Schemen da steigt mir der Gedanke aus den Trümmern: die Zeit wird mir auch meine Liebe nehmen.
Gedanke, der in Todestrauer führt: zu denken, daß man hat, was man verliert!

LXV

Inhaltsverzeichnis
Wenn Erz und Stein, wenn Erd und Meeresschwall versehrt, verheert wird, von der Zeit verzehrt, wie rettet sich die Schönheit vor Verfall, nicht stärker als die Blume nur bewehrt?
Wie soll sich Sommers holder Atem halten, von der Gewalt des Sturmgewölks bedrängt, die doch vermag den starren Fels zu spalten und noch das stärkste Eisentor zersprengt?
O Graungedanke! Wer denn kann der Zeit ihr herrlichstes Juwel beizeiten wehren? Wer stellt sich ihrer gieren Eil zum Streit, wenn sie bereit ist, Schönheit zu zerstören?
Nein, keiner kann's, wenn nicht mein Wort es trifft: ihr Wert erstrahlt aus einer schwarzen Schrift.

LXVI

Inhaltsverzeichnis
Den Tod ersehn' ich, müd, es anzusehn: wie sich Verdienst verhüllt im Bettlerkleide und hohles Nichts sich darf im Prunke blähn und Treue wird verkauft durch falsche Eide,
wie Würde trägt der ausgepichte Wicht und keusche Sittlichkeit verfällt in Schande und echte Ehre lebt im Gunstverzicht und Majestät im schlotternden Gewande,
wie Kunst verstummen muß vor Büttels Macht und Geist entsagt für die gelehrten Narren und Wahrheit wird als Torheit ausgelacht und Güte muß des Winks der Bosheit harren.
All dessen müd, hielt' ich den Tod für Glück, blieb' meine Liebe einsam nicht zurück.

LXVII

Inhaltsverzeichnis
Ach, warum lebt vom Aussatz er umgeben, warum darf Unwert mit dem Werte gehn und freches Laster mit der Tugend leben und sich durch ihre Herrlichkeit erhöhn?
Wie darf der tote Schein dem Antlitz gleichen, von dem er den lebend'gen Glanz bezieht? Wie darf die Schattenrose sich erschleichen die Pracht, die einer echten Rose blüht?
Was lebt er, wo Natur zusammenbrach und ihre Adern schon kein Blut mehr haben? Die stolz auf viele einst und nun in Schmach, sie zehrt nur noch von seinen Liebesgaben.
In schlechter Zeit bewahrt sie ihn als Bild von jenem Reichtum, der sie einst erfüllt.

LXVIII

Inhaltsverzeichnis
So scheint er ganz dem Bild der Zeit zu gleichen, wo Schönheit lebte, wie die Blume blüht; eh man für sie erfand das Bastardzeichen, das diese heut'gen Stirnen überzieht.
Eh dem geweihten Staub man seine Rechte, den Toten ihre Lockenpracht geraubt, und eh mit solcher Beute sich erfrechte zu prunken das lebendig kahle Haupt.
In seinem Bild erblühn die heil'gen Stunden der Schönheit, die sich selbst zum Schmuck erseh'n, die fremdem Grün nicht ihren Lenz entbunden, nicht prahlte mit gestohlenen Trophä'n.
Ihn schuf Natur, daß falsche Kunst kann lesen das Wesen echter Schönheit, die gewesen.

LXIX

Inhaltsverzeichnis
Dein Außenbild, vom Aug der Welt geschaut, hat jeden Vorzug, der nur auszusinnen. In jedem Herzen wird dies Lob dir laut, und selbst dem Feinde wirst du's abgewinnen.
Dein Äußres wird mit äußrem Preis geehrt; doch alle, die dir solche Ehre gönnen, sie haben leider oft das Lob zerstört, noch weiter sehend, als die Augen können.
Bestrebt, zu deiner Seele vorzudringen, nach deinen Taten deinen Wert zu schätzen, wird's ihnen trotz dem günst'gen Blick gelingen, mit Gifthauch deine Blume zu verletzen.
Der Grund, daß du nicht duftest wie du scheinst, ist: weil du mit Gemeinem dich vereinst.

LXX

Inhaltsverzeichnis
Daß man dich tadeln will, sei dir kein Tadel: am Glanze tut Verleumdung sich genug, Verdacht verleiht der Schönheit erst den Adel, zum Äther nimmt die Krähe ihren Flug.
Bist gut du, wird Verleumdung dich erhöhen, und vor der Welt wirbt sie für deinen Wert; in reinster Blüte ist der Wurm zu sehen, und er begehrt dich, weil du unversehrt.
Du gehst hervor aus junger Tage Kämpfen, teils Überwinder und teils unberührt; doch kann dein Ruhm den argen Neid nicht dämpfen, den täglich er nur umso stärker schürt.
Wär' nicht der Neid dem Ruhm an Größe gleich, der Menschheit Herz hätt'st du als Königreich.

LXXI

Inhaltsverzeichnis
Nicht länger klage, wenn dahin ich ginge, als bange nachklingt dumpfer Glocke Ton, der grauser Welt die Botschaft überbringe, daß ich nunmehr bei grausen Würmern wohn.
Ja liest du dieses, denke nicht an den, der es dir schrieb; so lieb ich deinen Wert, und lieber: mich von dir vergessen sehn, als daß der Schmerz des Denkens dich verzehrt.
Und siehst du später noch auf dies Gedicht, wenn einst nur Staub von mir zurückgeblieben, dann nenn auch meinen armen Namen nicht, mit meinem Leben sei dahin dein Lieben.
Sonst hört die kluge Welt den Klageton und hat für dich um meinen Hingang Hohn.

LXXII

Inhaltsverzeichnis
Daß man nicht einst in dich mit Fragen dringe, was denn an mir dies Liebesmaß verdiene, vergiß mich, Freund, wenn ich von hinnen ginge, du wiesest wenig vor, was würdig schiene.
Nur Pietät vermöchte fromm zu lügen, Verdienste des Verstorbnen anzupreisen, mehr, als die Wahrheit, der sie nicht genügen, imstande wäre diesem nachzuweisen.
Daß nicht als falsch erscheine wahre Liebe, weil ich aus Liebe falsches Lob bekam, so wünsch ich, daß, bin ich im Grab, nicht bliebe mein Nam zu deiner und zu meiner Scham.
Beschämt wär' ich, weil sich mein Nichts erwies. Beschämt wärst du, der solchen Unwert pries.

LXXIII

Inhaltsverzeichnis
In mir magst du erschaun die späte Frist, wo immer mehr der welken Blätter fallen, im Frost erzittert dürres Astgerüst, ein kahler Chor, wo einst war Vogelschallen.
Du siehst in mir das fahle Dämmerlicht, wenn sich die Sonne will zum Hingang wenden, das bald in schwarze Nacht entweicht der Sicht, in totengleiches finsteres Verenden.
Du siehst in mir, wie letzte Glut noch glimmt, auf ihrer Jugend Asche hingebreitet, die ihr bereits zur letzten Ruh bestimmt, wo einst'ge Nahrung ihr den Tod bereitet.
Und siehst du's, wirst du größre Liebe fassen zu dem, der allzu bald dich muß verlassen.

LXXIV

Inhaltsverzeichnis
Doch bange nicht! Wenn mich das Hochgericht, das keine Bürgschaft kennt, zu sich beschied – was dann von mir noch bleibt, hat doch Gewicht und bleibt ein Denkmal dir in meinem Lied.
Wenn du es liest, so übersiehst du nicht, dir ist mein Selbst, mein beßres Teil vermacht; die Erde hat den Staub als Teil der Pflicht, der Geist sei dir allein nur zugedacht.
Mein irdisch Teil verlorst du, das nur heute noch Geltung hat und morgen Würmer nährt: was jedem Mördermesser wird zur Beute, nicht wert, daß es Erinnrung dir gewährt.
Der Wert des Leibs ist Geist, den er enthält, und der bleibt dein, wenn jener auch zerfällt.

LXXV

Inhaltsverzeichnis
Was Brot dem Leibe, bist du meiner Seele, was dürrer Saat der Regen, bist du mir, der ich um deine Ruh mich rastlos quäle, wie es dem Geizhals geht mit seiner Gier.
Bald möcht' ich prahlend meinen Schatz genießen, bald zittr' ich, daß die Zeit ihn bald mir stiehlt; bald wünsch ich, ganz mit dir mich einzuschließen, bald, daß mein Glück sich aller Welt empfiehlt.
Bald schwelgt mein Blick in deiner Schönheitsfülle, um bald nach deinem Blicke zu verschmachten, und keine andre Lust bleibt Wunsch und Wille, als deiner Lust beseligt nachzutrachten.
So fühl ich täglich, wechselnd auf der Stelle, mich bald im Himmel, bald mich in der Hölle.

LXXVI

Inhaltsverzeichnis
Warum entbehrt mein Vers der neuen Pracht und dient nicht dem Geschmack der letzten Mode? Warum ist meine Form nicht nachgemacht der ausgesucht modernen Wortmethode?
Wie kommt's, daß so mein unbeirrter Geist Gedanken hüllt in altbekannte Hülle, wo jedes Wort schon auf den Autor weist, an jedem gleich erkennbar wird sein Wille?
Das kommt wohl daher, daß ich Ausdruck geben von dir allein nur kann und meinem Lieben; und leih ich alten Worten neues Leben, so ist mein Lied das alte doch geblieben.
Der Sonne gleich mit täglich gleichem Schein, fällt mir für dich nur stets dasselbe ein.

LXXVII

Inhaltsverzeichnis
Im Spiegel siehst du deine Schönheit fliehn, die Uhr gibt kund die Flucht dir deiner Stunden. Ist diesen Blättern erst dein Geist verliehn, hast bald du selbst die Frucht davon gefunden.
Die Risse, die das Bild dir hält bereit, sie mahnen dich: schon stehen Gräber offen; der Zeiger: wie mit Diebesschritt die Zeit bald in der Ewigkeit ist eingetroffen.
Was dein Gedächtnis dir nicht kann bewahren, in diese Blätter sollst du es verschließen, daß fremdgewordne Worte du nach Jahren als deine Geisteskinder kannst begrüßen.
Begib dich oft ans Werk, es wird dir nützen, vermehrend deine Früchte zu besitzen.

LXXVIII

Inhaltsverzeichnis
Als meine Muse rief ich dich so oft und so viel Stärke gabst du meinem Lied, daß jeder Kiel sich nun Erfolg erhofft, wenn er zu deinem Preise sich bemüht.
Dein Anblick gibt dem Stummen Melodien und läßt des Lahmen Höhenflug gelingen, hat der Gelehrtheit neuen Schwung verliehn und noch gemehrt die Kraft von Engelsschwingen.
Doch mehr hast wahrlich Grund du stolz zu sein auf mein Gedicht, das ganz aus dir entsprungen. An andern magst verschönern du den Schein, den Reiz erhöhn, der deinem Reiz gelungen.
Du selbst bist meine Kunst: durch deine Gunst verwandelt sich mein roher Stoff in Kunst.

LXXIX

Inhaltsverzeichnis
Da ich allein dich rief als Muse an, zehrt' ich allein von deiner Anmut Gnade. Doch ist nun bald mein Liederschatz vertan, und andre schreiten schon auf meinem Pfade.
Ich weiß, Geliebter, wohl: dein holdes Bild ist wert, daß beßre Dichter von ihm singen; doch was den Sänger je vor dir erfüllt, er stahl es dir, um dir's zurückzubringen.
Pries deine Tugend er, nahm er den Preis von deiner Art; der deine Schönheit sang, fand sie auf deinem Antlitz, und er weiß, daß jedes Wort aus deinem Wert entsprang.
Drum dank ihm nicht, bezahl nicht Huld mit Huld; du hast geschenkt – er bleibt in deiner Schuld.

LXXX

Inhaltsverzeichnis
Wie fehlt die Kraft mir, deinen Wert zu preisen, seitdem zu dir ein stärkrer Geist gefunden, vor dessen hochberühmten Kraftbeweisen sich meines Liedes Zunge fühlt gebunden!
Doch da dein Reichtum gleicht dem Ozean, der schlichte Schiffe wie die stolzen trägt, so magst du dulden, daß mein armer Kahn auf deiner schönen Welle sich bewegt.
Ich brauche Beistand, der mich oben hält, wenn jener flott sich auf die Fahrt gemacht; und bin als leerer Nachen ich zerschellt, zieht er dahin mit Pracht und stolzer Fracht.
Wenn glücklich er in deinen Hafen triebe, was liegt an mir: gestrandet an der Liebe!

LXXXI

Inhaltsverzeichnis
Leb ich noch an dem Tag, der dich begräbt, bist du noch da, wenn ich zu Staub zerfallen: kein Tod hat Macht, und dein Gedächtnis lebt der Erdenwelt, die lang' vergaß mein Wallen.
Unsterblich bleibst du, wenn ich dich verlasse, und an mein Ende schließt sich dein Beginn, weil ich mein Lied von dir zu Herzen fasse und deine Schönheit in der Nachwelt Sinn.
Mein Vers sei Denkschrift dir, in der zu lesen noch Ungebornen einstens wird vergönnt; und wer dann sein wird, weiß, daß du gewesen. Ich setze dir mein Wort als Monument.
Der Geist, der es erschuf, kann Macht verleihn: Solange Menschen leben, wirst du sein!

LXXXII

Inhaltsverzeichnis
Da du ja meiner Muse nicht vermählt, so hast du keiner Untreu dich zu schämen, wenn du die Worte, die sie dir erwählt, geneigt bist von den Dichtern anzunehmen.
Du bist an Form und Inhalt so voran, daß schwer mein Wort es hat, dir nachzukommen; und darum brauchst du den, der besser kann und zeitgemäßer deiner Schönheit frommen.
Es sei; doch würden sie dir alle bringen, was man mit Redekunst zustandebringt – von deiner wahren Schönheit wahr zu singen, doch einzig deinem wahren Freund gelingt.
Für alterswelke Wangen Schminke muß das ihre tun – an dir wär's Überfluß.

LXXXIII

Inhaltsverzeichnis
Nie fand ich, daß es dir an Farbe fehle; so schien mir's leicht, auf Schminke zu verzichten. Zu schön erschienst du mir, als daß man wähle die Worte, dein Gedicht zu überdichten.
Drum war ich säumig, deinen Wert zu preisen, daß überzeugend für sich selbst er spreche, imstande, durch sein Dasein zu erweisen poetischen Erdreistens ganze Schwäche.
Und dieses Stummsein, dir erschien's als Schuld – ich dachte, daß es mir zum Ruhm gereiche: aus Schweigen wird nicht Kränkung deiner Huld, durch falsches Wort wird Leben eine Leiche.
In einem deiner Augen ist mehr Leben, als beiden deine beiden Dichter geben.

LXXXIV

Inhaltsverzeichnis
Wer singt am besten? Was könnt' besser singen dein Lob als dieses Wort: »Nur du bist du«? vermögend, ganz und gar dich zu umschlingen und andre auszuschließen immerzu!
Die Feder, der es möcht' an Schmuck gebrechen für ihren Stoff, verdiente ihren Tadel; jedoch die Fähigkeit, von dir zu sprechen: »Nur du bist du«, verleiht dem Lied den Adel.
Der Dichter sei imstand, dich abzuschreiben, er mindre nicht naturgeschaffnen Wert, und solch ein Abbild wird von dir verbleiben, daß alle Welt als Künstler ihn verehrt.
Dein Fluch: statt stolz zu sein auf solchen Segen, bist eitel du dem leeren Lob erlegen.

LXXXV

Inhaltsverzeichnis
Es schweigt die Muse mir, bewahrt die Haltung, sie scheut der goldnen Federn Lobgedränge, die allen Schmuck zu deines Ruhms Entfaltung geborgt gleich von der ganzen Musenmenge.
Nicht schlechter denk ich, als ein andrer dichtet, und wie der Küster will ich Amen sagen zu jedem Preislied, das, an dich gerichtet, zu deinem Ruhme kunstvoll beigetragen.
Dein Lob erfüllt gefällig ganz mein Ohr, noch größres Lob oft hätt' ich unterschrieben – doch nur im Geist, der liebend kommt zuvor dem Wort von mir, das weit zurückgeblieben.
Gib Lob dem Wort der andern, mir zu zeigen die wahre Gunst für mein beredtes Schweigen.

LXXXVI

Inhaltsverzeichnis
War's seiner Dichtung Prunkschiff, ohne Wanken in siegessicherm Kurs auf deinen Wert, was mir zerstört hat reifende Gedanken, zur Gruft verkehrt den Schoß, der sie gebärt?
War es sein Geist, der, mehr als Menschen ahnen, von Geistern mitbekam, was mich verdorrt? Nein, nicht vor ihm, noch seinen Nachtkumpanen, die ihm zur Hand gewesen, wich mein Wort.
Nicht er, auch nicht der Hausgeist, der bei Nacht ihn treu mit falscher Weisheit macht zum Narren, hat sieghaft zum Verstummen mich gebracht; nicht derlei Furcht ließ mir das Blut erstarren.
Jedoch dein Lob, das ihm den Atem nährt zu seinem Lied, hat mir ihn ganz verzehrt.

LXXXVII

Inhaltsverzeichnis
Leb wohl! Zu hoch stehst du im Preis für mich, und weißt, daß du vor allen auserkoren. Nach deines Wertes Rechte frei, zerbrich den Bund; mein Recht auf dich hab ich verloren.
Wenn nicht geschenkt, wie wärst du meine Habe? War durch Verdienst solch Reichtum mir beschert? Da ich in nichts bin würdig deiner Gabe, gehört sich's, daß sie wieder dir gehört.
Du gabst dich, weil du deinen Wert nicht kanntest, vielleicht auch weil den meinen du verkannt; drum wieder wird, da deinen Sinn du wandtest, was mein durch Irrtum war, dir zugewandt.
So warst du mein durch eines Traumes Macht: ich schlief als Fürst, zum Nichts bin ich erwacht.

LXXXVIII

Inhaltsverzeichnis
Wenn Leid mir zuzufügen dich erfreute und mein Verdienst mit deinem Spott zu schmähn, so kämpf ich gegen mich auf deiner Seite, bereit, trotz falschem Eid dich treu zu sehn.
Die eignen Schwächen kann ich mir nicht hehlen und will sie zeigen dir mit offnem Sinn, und kennst du all mein Fehlen und Verfehlen, so wird dir mein Verlust gar zum Gewinn.
Und schließlich mach ich's mir auch zum Geschenke: da ich an dich zu denken nur vermag, so bringt die Schmach, mit der ich selbst mich kränke, als dein Ertrag mir doppelten Ertrag.
So lieb ich dich, und darf mich nicht beklagen: was Liebe einträgt, hat sie zu ertragen.

LXXXIX

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Gib meinem Fehler Schuld, und ich will schnell entschuld'gen mich, weil du mir brachst die Treu; sag, ich sei lahm: ich hinke auf der Stell, damit mein Gang dich nicht der Lüge zeih'.
Du kannst, mein Lieb, nicht halb so tief mich beugen, den Wandel deiner Neigung zu verhüllen, als ich mich selbst: ich will mich kalt dir zeigen und durch Entfremdung achten deinen Willen.
Ich geh dir aus dem Weg; ich bin entschlossen, selbst deinen holden Namen nicht zu nennen, daß nicht entehrt den einstigen Genossen des Glücks ein Wort durch törichtes Bekennen.
Nur Selbsthaß läßt die Liebe mir am Schluß, weil den, den du nicht liebst, ich hassen muß.

XC

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So hasse mich, doch tu's im Augenblick, jetzt wo die Welt mein Werk durchkreuzen mag; dem Schicksal hilf mich treffen ins Genick, doch triff mich nicht als allerletzter Schlag!
O, wenn mein Herz besiegt hätt' diese Sorgen, komm nicht als Nachtrab überstandner Qual; gib nicht zur Wetternacht noch Regenmorgen, verzögre nicht, was kommen muß einmal!
Willst du mich lassen, tu's mit schnellem Streich und nicht, wenn kleines Leid schon hingeschwunden; triff lieber gleich mich, denn so fühl ich gleich: nun hat das Schicksal ganz mich überwunden.
Und alles Leid, das schmerzlich mir bewußt, verliert sich, wenn sich vorstellt dein Verlust.

XCI

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Der prahlt mit Kunst, und der mit dem Vermögen, der legt auf Kraft, der auf den Adel Wert, der fühlt im Geckenkleid sich überlegen, und den erfreuen Hund und Falk und Pferd.
Jedwedem Wesen so ist zugemessen die Freude, die sich ans Besondre wendet. Mir, fern von solchen Einzelinteressen, ist doch umfassend größres Glück gespendet.
Weit mehr als Adel, mehr als Prunkgewand, und mehr als Geld, als Pferd und Falk und Hund bedeutet mir das sichre Liebespfand; und alle haben mich zu neiden Grund.
Verkürzt nur bin ich einzig durch den Glauben, du könntest dieses Gutes mich berauben.

XCII

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Doch tu dein Schlimmstes nur: laß mich allein! Solang' ich bin, wirst du zu mir gehören. Die Zeit der Liebe wird mein Leben sein; denn nur von ihr vermag es sich zu nähren.
So hab ich keine Furcht vor schlimmstem Leiden, da das geringste mich schon überwunden, und seh ein beßres Los sich mir bescheiden, als das an deine Laune mich gebunden.
Du kannst nicht mehr mit Unbestand mich kränken; dort, wo du abfällst, endet mir das Leben. Wie gütig will das Schicksal mich beschenken: in Liebe und im Tod mir Glück zu geben!
Wo aber wär' Vollendung, der nichts fehlt? Du könntest falsch sein und hast mir's verhehlt.

XCIII

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So leb ich in dem Wahn von deiner Treue, getäuschtem Gatten gleich, und schließ aufs Herz aus deinem Blick, und wenn sich's auch erneue; mir bleibt dein Aug, das Herz floh anderwärts.
Denn Haß kann ich in deinem Aug nicht finden, von deiner Wandlung gibt es nicht Bericht; sie läßt aus andern Zügen sich ergründen, durch die die Lüge leicht gelangt ans Licht.
Da Gott dich schuf, beschloß er: niemals fehle auf deinem Antlitz reiner Liebe Schein; was immer auch ersinne deine Seele, im Aug soll nichts als holde Treue sein.
Doch will sie nicht an deine Schönheit reichen, wird deine Schönheit Evas Apfel gleichen.

XCIV

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Wer Kraft zum Angriff hat und ihn nicht führt, wer das nicht übt, wofür er angesehn, wer andre aufrührt, selber ungerührt, und jedem Ruf vermag zu widerstehn: