Die größten englischen Theaterstücke - William Shakespeare - E-Book

Die größten englischen Theaterstücke E-Book

William Shakespeare

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E-artnow präsentiert Ihnen die größten Theaterklassiker der englischen Literatur. Diese Meisterwerke erleben immer noch weltweite Aufführungen in Theatern. Sie präsentieren Themen und Charaktere, die das Publikum nachhaltig berühren und faszinieren. Diese sind die Themen und Persönlichkeiten, die das Publikum bis heute bewegen und faszinieren - Geschichten, die jeder Mensch kennen und erleben sollte: Doktor Faustus (Christopher Marlowe) Edward II. (Christopher Marlowe) Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare) Viel Lärm um Nichts (William Shakespeare) Der Widerspenstigen Zähmung (William Shakespeare) Wie es euch gefällt (William Shakespeare) Der Sturm (William Shakespeare) Coriolanus (William Shakespeare) Julius Cäsar (William Shakespeare) Richard III. (William Shakespeare) König Lear (William Shakespeare) Othello, der Mohr von Venedig (William Shakespeare) Macbeth (William Shakespeare) Hamlet (William Shakespeare) Romeo und Juliette (William Shakespeare) Die Cenci (Percy Bysshe Shelley) Manfred (Lord Byron) Cain (Lord Byron) Marino Faliero. Doge von Venedig (Lord Byron) Sardanapal (Lord Byron) Die beiden Foscari (Lord Byron) Salome (Oscar Wilde) Die Bedeutung des Ernstseins (Oscar Wilde)

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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William Shakespeare, Oskar Wilde, Christopher Marlowe, Lord Byron, Percy Bysshe Shelley

Die größten englischen Theaterstücke

Doktor Faustus, König Lear, Macbeth, Hamlet, Romeo und Juliette, Salome
e-artnow, 2023 Kontakt: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Doktor Faustus (Christopher Marlowe)
Edward II. (Christopher Marlowe)
Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare)
Viel Lärm um Nichts (William Shakespeare)
Der Widerspenstigen Zähmung (William Shakespeare)
Wie es euch gefällt (William Shakespeare)
Der Sturm (William Shakespeare)
Coriolanus (William Shakespeare)
Julius Cäsar (William Shakespeare)
Richard III. (William Shakespeare)
König Lear (William Shakespeare)
Othello, der Mohr von Venedig (William Shakespeare)
Macbeth (William Shakespeare)
Hamlet (William Shakespeare)
Romeo und Juliette (William Shakespeare)
Die Cenci (Percy Bysshe Shelley)
Manfred (Lord Byron)
Cain (Lord Byron)
Marino Faliero. Doge von Venedig (Lord Byron)
Sardanapal (Lord Byron)
Die beiden Foscari (Lord Byron)
Salome (Oscar Wilde)
Die Bedeutung des Ernstseins (Oscar Wilde)

Christopher MarloweDoktor Faustus

Inhaltsverzeichnis

Personen.

Der Chor

Faustus

Mephostophilis

Der Pabst

Der Kaiser von Deutschland

Bruno

Raimund, König von Ungarn

Der Herzog von Sachsen

Der Herzog von Vanholt

Die Herzogin

Friedrich,

Martin,

Benvolio,

Edelleute

Valdes

Kornelius

Guter Engel

Böser Engel

Lucifer

Beelzebub

Ein alter Mann

Drei Studenten

Die sieben Todsünden

Wagner

Rüpel

Dick, ein Stallknecht

Ein Kärner

Ein Pferdephilister

Eine Wirthin

Ein Schenk

Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, Priester, Mönche, Hofleute, Soldaten, Diener, der Geist der Helena, des Alexander, des Darius u.s.w., Teufel in verschiedenen Gestalten u.s.w.

DER CHOR tritt auf.

Nicht schreitend durch die Thrasimener Felder,

Wo Mars sich mit dem tapfern Punier maß,

Nicht tändelnd in dem losen Spiel der Liebe

An Königshöfen, im verkehrten Staat,

Nicht in dem Glanze stolzer Heldenthaten

Will unsre Mus' auf hehren Versen prangen:

Ein Andres wolln wir heut, ihr Herr'n, euch spielen,

Das Spiel von Faustus Schicksal, gut und schlecht.

Und um Geduld nun rufen wir euch an,

Ein Wort von Faustus Kindheit euch zu sagen.

Geboren ist der Mann aus niedrem Stamme,

In einer Stadt von Deutschland, heißet Rhodes:

In reifrer Zeit gieng er nach Wittenberg,

Wohin ein Vetter sonders ihn gebracht,

Und kömmt so weit in der Theologie,

Daß bald der Doktorhut das Haupt ihm schmückt:

Der Erste überall, der schönste Redner

Im heilgen Felde der Theologie,

Bis daß in Witz und Eigendünkel schwellend

Sein Dädalsflügel überhoch ihn trug

Und ihm das Wachs der Himmel schmolz zum Sturz.

So fällt herab er in des Teufels Schule

Und von der Weisheit goldnen Gaben satt,

Will er mit schwarzer Kunst sich überladen.

Nichts ist so lieb ihm schon als die Magie,

Er zieht sie seinem ewgen Heile vor.

Doch seht, da sitzt er selber am Studirtisch!

FAUSTUS am Studirtisch.

Setz' ab mal vom Studiren, Faust, und schaue

In diese Tiefe, die du willst ergründen!

Des Doktors wegen heiß' nur Theolog,

Doch nach dem Ziele jeder Weisheit streb'

Und leb' und stirb im Aristoteles.

O süße Analytik, meine Wonne!

Bene disserere est finis logices.

Gut disputiren ist der Logik Krone?

Kann diese Kunst kein größres Wunder bieten?

Dann lies nicht mehr: die Krone ist gewonnen!

Nach einem höhern Preis fragt Faustus Geist.

Fahr' hin, Philosophie! Galen, komm her!

Sei denn ein Arzt, Faust, häufe Gold zusammen

Und werd' ein Gott für eine Wunderkur!

Summum bonum medicinae sanitas.

Gesundheit ist der Heilkunst letztes Ziel –

Wie, Faustus, hast du nicht dieß Ziel erreicht?

Hängen nicht deine Recipes zum Denkmal

In mancher Stadt, die sie der Pest entrissen

Und retteten aus tausend grimmen Seuchen?

Und bist doch nur der Faustus und ein Mensch!

Könntst du den Menschen ewges Leben spenden,

Die Toten wieder aus den Gräbern wecken,

Dann wäre diese Kunst noch etwas werth.

Leb' wohl, Arznei! Wo ist Justinian?

Si una eademque res legatur duobus,

Alter rem, alter valorem rei –

O armer Fall von ärmlichen Legaten!

Exhereditare filium non potest pater, nisi –

Ist dieß der Inhalt der Institutionen,

Ist dieß das ganze große Corpus Juris?

Das Studium ist für einen Lohnknecht gut,

Der nur nach fremdem Wegwurf lüstern ist,

Für mich zu sklavisch, zu illiberal!

Da bleibt zuletzt das Erste doch das Beste!

Die Bibel Hieronymi – laß sehn!

Stipendium peccati mors est – ha, stipendium!

Der Lohn der Sünd' ist Tod – ei, das ist hart!

Si peccasse negamus, fallimur,

Et nulla est in nobis veritas –

Wenn einer sagt, er habe keine Sünde,

Der täuscht sich und in ihm ist keine Wahrheit –

Das heißt denn doch: wir müssen sündigen

Und demzufolge sterben,

Ja, müssen sterben einen ewgen Tod.

Das nenn' ich mir 'ne Weisheit! Que sera, sera –

Was sein wird, wird sein – Bibel, leb' denn wohl!

Die Metaphysika der Zauberei,

Die Nekromantenbücher, die sind himmlisch!

Die Linien, Kreise, Lettern, Charaktere,

Die sind's, wonach am meisten mich verlangt.

O welche Welt der Wonne, des Genusses,

Der Macht, der Ehre und der Allgewalt,

Ist hier verheißen einem treuen Jünger!

Was zwischen beiden Polen sich bewegt,

Ist mir gehorsam; Könige und Kaiser

Sind Herren, jeder nur in seinen Gauen;

Doch wer es hier zum Herrschen bringt, deß Reich

Wird gehn soweit der Geist des Menschen reicht.

Ein guter Zaubrer ist ein halber Gott –

Hier gilt's zu grübeln um ein Himmelreich.

Wagner tritt auf.

FAUST.

Wagner, empfiehl mich meinen theuren Freunden,

Den Deutschen, Valdes und Kornelius,

Und bitt' inständig sie, mich zu besuchen.

WAGNER.

Ich gehe, Herr.

FAUST.

Mit ihnen sprechen wird mich weiter fördern,

Als Tag und Nacht bei meinen Studien sitzen.

Guter und böser Engel, treten von verschiedenen Seiten auf.

GUTER ENGEL.

O Faust, leg' das verfluchte Buch beiseite.

Sieh nicht hinein, s' versucht dir deine Seele

Und häuft des Herren schweren Zorn auf dich,

Lies in der Bibel – dieß ist Gotteslästrung.

BÖSER ENGEL.

Geh' vorwärts, Faust, in dieser großen Kunst,

Darin der Schatz der ganzen Welt verschlossen.

Sei du auf Erden, was im Himmel Zeus,

Herr und Regirer aller Elemente!

Die Engel verschwinden.

FAUST.

Wie der Gedanke mich so ganz erfüllt! –

Solln mir die Geister holen, was mich lüstet?

Aus allen Zweifeln meine Seele lösen?

Vollbringen, was tollkühner Muth erdenkt?

Gen Indien sollen sie nach Golde fliegen,

Des Orients Perlen aus dem Meere wühlen,

Die Winkel all der neuen Welt durchspähen

Nach edlen Früchten, leckern Fürstenbissen;

Sie sollen mir die neue Weisheit lesen,

Der fremden Könge Kabinett enthüllen:

Ganz Deutschland sollen sie mit Erz umwallen,

Den schönen Rhein um Wittenberg mir leiten;

Sie solln mit Geist die hohen Schulen füllen,

Daß die Studenten reich damit sich schmücken –

Soldaten werb' ich mit dem Geld der Geister,

Den Prinz von Parma jag' ich aus dem Lande

Und herrsch' als ein'ger König aller Reiche.

Ja, wundersamre Kriegsmaschinen als

Das Feuerfaß auf der Antwerpner Brücke

Solln meine Geisterdiener mir erfinden.

Valdes und Kornelius treten auf.

FAUST.

Kommt, meine Freunde Valdes und Kornelius,

Und gönnt mir eure weise Unterhaltung.

Valdes, Freund Vales und Kornelius,

Wißt, daß eur Wort mich endlich hat gewonnen,

Die Magik und geheime Kunst zu üben.

Philosophie ist lästig mir und dunkel,

Arznei und Jus sind gut für kleine Seelen,

Magie, Magie ist's, was mein Herz entzückt!

Drum, edle Freunde, helft mir dieß erstreben,

Und ich, der ich durch feine Syllogismen

Der deutschen Kirche Hirten jüngst verwirrt,

Um deß Probleme sich die stolze Jugend

Der Schule drängte, wie die Höllengeister

Um des Musäus Lied im Reich der Schatten,

Ich will nun werden was Agrippa war,

Deß Namen ganz Europa noch verehrt.

VALDES.

Dein Witz, die Bücher, unsre Kunsterfahrung,

Solln bald zu Heilgen aller Welt uns machen.

Wie ihrem span'schen Herrn die Indermohren,

So solln die Geister aller Elemente

Gehorsam dienen unsrem Herrscherwort.

Wie Löwen solln sie jetzo um uns wachen,

Wie deutsche Ritter ihre Lanzen schwingen,

Wie Laplands Riesen uns zur Seite traben,

Und dann als Weiber oder junge Mädchen

Enthüllt uns ihre Luftgestalt mehr Reize

Als einer Liebesgöttin Schwanenbrust.

Sie solln die Flott' uns aus Venedig holen

Und aus Amerika das goldne Vließ,

Das Philipps Schatz alljährig füllen muß –

Nur, weiser Faustus, sei entschlossen auch.

FAUST.

Entschlossen bin ich hier, wie du zu leben

Entschlossen bist, drum wende nichts mehr ein.

KORNELIUS.

Die Wunder, so Magie vollbringen kann,

Solln bald dich ganz an dieses Studium fesseln.

Wer sattelfest in der Astrologie,

Sprachen versteht, im Steinreich ist bewandert,

Hat die Prinzipia, so die Magik fordert.

Drum zweifle nicht, bald so berühmt zu sein,

Und so besucht um die geheime Kunst,

Wie ehemals das Delphische Orakel.

Die Geister wollen uns die See austrocknen

Und Schätz' aus allen fremden Scheitern suchen,

Ja, alles Gut, was unsre Väter einst

Vergruben in der Erde festem Schoße –

Dann sage, Faust, was wird uns dreien fehlen?

FAUST.

Nichts, nichts, mein Freund – o es entzückt mein Herz!

Komm, zeig' mir ein paar magische Versuche,

Daß ich mir eines Waldes Schatten suche

Und schlürf' in vollem Maß des Zaubers Freuden.

VALDES.

Dann eile nur zu einem stillen Haine.

Nimm Bakons und Albanus Werke mit,

Die Psalmen und das neue Testament,

Und was noch sonst dazu erforderlich,

Sollst du vor unsrem Abschied alles wissen.

KORNELIUS zu Valdes.

Erst theil' ihm mit die Wörter unsrer Kunst,

Und kennt er alle Ceremonien erst,

Mag seine Klugheit sich von selbst versuchen.

VALDES.

Erst will ich dich die Elemente lehren,

Dann wirst du bald den Meister übertreffen.

FAUST.

So kommt und speist mit mir und nach der Tafel

Wolln wir die Sach' in allen Punkten prüfen.

Denn eh' ich schlafe, will ich mich versuchen,

Noch diese Nacht beschwör' ich, gält's mein Leben.

Alle ab. Zwei Studenten treten auf.

ERSTER STUDENT.

Ich wundre mich, wo heut' der Doktor bleibt,

Den jeder Mund mit Bravo möcht' empfangen.

Wagner kömmt.

ZWEITER STUDENT. Das werden wir gleich erfahren: hier kömmt sein Famulus.

ERSTER STUDENT.

Heda, Bursch, wo ist dein Herr?

WAGNER.

Gott im Himmel weiß es.

ZWEITER STUDENT.

Und warum weißt du es denn nicht?

WAGNER.

Ja, ich weiß es, aber es folgt nicht nothwendig daraus.

ERSTER STUDENT.

Geh', geh', Bursch, laß dein Spaßen, und sage, wo er ist.

WAGNER.

Es folgt aber doch nicht kraft des Schlusses, was ihr, als Licentiaten, doch wohl wissen solltet. Darum erkennt euren Irrthum an und hört mir aufmerksam zu.

ZWEITER STUDENT.

Du willst es uns also nicht sagen?

WAGNER. Ihr irrt euch, ich will es euch wohl sagen, aber wäret ihr nicht Dickköpfe, so würdet ihr nie eine solche Frage thun: denn, ist er nicht ein corpus naturale und dem zu Folge mobile? Also, warum thatet ihr eine solche Frage? Ja, wäre ich nicht von Natur phlegmatisch, langsam zum Zorn und geneigt zur Liederlichkeit, zur Liebe wollt' ich sagen, ihr dürftet euch keine vierzig Fuß an den Richtplatz heranwagen. Trotz dem zweifle ich aber nicht, euch alle beide in der nächsten Sitzung gehängt zu sehen. Nachdem ich nun also über euch triumphiert habe, will ich mein Gesicht in eine gehörige Puritanerphysiognomie legen und also beginnen: Wahrlich, meine theuren Brüder, mein Meister speist drinnen zu Mittag mit Valdes und Kornelius, wie dieser Wein, wenn er nur sprechen könnte, eure Ehrwürden berichten würde. Und somit, der Herr segne euch, behüte euch und erhalte euch, meine theuren Brüder.

Ab.

ERSTER STUDENT.

O Faust, jetzt fürcht' ich, was ich lang geargwohnt,

Daß du verfallen in die Teufelskunst,

Die diese beiden weit verrufen macht.

ZWEITER STUDENT.

Wär' er ein Fremder und mir nicht gesellt,

Mich müßte seiner Seele Noth erbarmen,

Doch komm, laß uns dem Rektor es berichten,

Ob ihn sein ernster Rath vielleicht zurückruft.

ERSTER STUDENT.

Ich fürchte, nichts wird mehr zurück ihn rufen.

ZWEITER STUDENT.

Doch laß uns sehn, was wir zu thun im Stande.

Ab. Donner. Lucifer und vier Teufel treten auf.

FAUSTUS redet sie also an.

Jetzt, wo das düstre Schattenbild der Nacht,

Sich sehnend nach Orions Strahlenblick,

Aufsteigt am Himmel aus des Südpols Welt,

Mit seinem schwarzen Hauch den Tag verhüllend,

Jetzt, Faust, beginne deine Zauberei

Und sieh, ob deinem Ruf die Teufel folgen,

Wenn sie dein Opfer und Gebet gesehn.

In diesem Kreise steht Jehovas Name,

Vorwärts und rückwärts, wie ein Anagramm,

Und abgekürzt die Namen aller Heilgen,

Auch die Figuren aller Gottesdiener,

Der Himmelskugel Signa, die Planeten,

Durch deren Kraft empor die Geister steigen.

Drum, Faust, befürchte nichts und sei entschlossen,

Der Magik höchstes Wunder zu versuchen.

DONNER. Sint mihi Dii Acherontis propitii! Valeat numen triplex Jehovae! lgnei, aeri, aquatani spiritus, salvete! Orientis Princeps Beelzebub, inferni ardentis monarcha et demogorgon, propitiamus vos, ut appareat et surgat Mephostophilis Dragon, quod tumeraris: per Jehovam, Jehennam, et consecratam aquam, quam nunc spargo, signumque crucis quod nunc facio et per vota nostra ipse nunc surgat nobis dictatis Mephostophilis. Der Teufel tritt auf.

FAUST.

Kehr' um, ich will es, wandle die Gestalt,

Du bist zu häßlich, um mir aufzuwarten.

Geh, werd' ein Alter Franziskanerbruder,

Solch heilig Ansehn steht dem Teufel besser.

Teufel ab.

Ich seh', die heilgen Worte haben Kraft:

Wer möcht' in dieser Kunst nicht vorwärtsgehn?

Wie bieglich ist der Mephostophilis,

So voll Gehorsam, so demüthiglich!

Das ist des Zaubers Kraft und meiner Worte.

Mephostophilis tritt auf.

MEPHOSTOPHILIS.

Nun, Faustus, sprich, was willst du von mir haben?

FAUST.

Du sollst zeitlebens mein Begleiter seyn,

Verrichten alles, was ich dir befehle,

Und wär's den Mond vom Himmel falln zu lassen,

Wär's mit dem Meer die Welt zu überschwemmen.

MEPHOSTOPHILIS.

Ich bin ein Knecht des großen Lucifer

Und darf ohn' seinen Urlaub dir nicht folgen,

Und nichts vollführen, was er nicht befiehlt.

FAUST.

Befahl er dir nicht, daß du mir erschienest?

MEPHOSTOPHILIS.

Nein, ganz aus eignem Antrieb kam ich her.

FAUST.

Zwang mein Beschwören dich herauf nicht? Sprich!

MEPHOSTOPHILIS.

Es war der Grund doch nur per accidens,

Denn, hören wir, daß einer Gott verlästert,

Die Schrift abschwört und Christum, seinen Heiland,

Da fliegen wir, das stolze Herz zu fangen:

Nur solche Mittel können uns bewegen,

Wobei das Heil der Seele wird gewagt.

Drum ist der kürzste Weg, uns zu beschwören,

Abschwören kühnlich alle Göttlichkeit

Und fromm zum Herrn des Höllenreiches beten.

FAUST.

Der Lehre bin bereits ich treu gefolgt.

Ich kenne keinen Herrn als Beelzebub,

Dem ich mich selbst von ganzer Seele weihe.

Das Wort Verdammung schreckt mich nicht zurück,

Eins ist mir Hölle und Elysium,

Mein Geist sei bei den alten Philosophen.

Doch lassen wir die eitlen Menschenpossen,

Sag' mir: wer ist der Lucifer, dein Herr?

MEPHOSTOPHILIS.

Erzherrscher und Regirer aller Geister.

FAUST.

War nicht der Lucifer ein Engel einst?

MEPHOSTOPHILIS.

Ja, Faustus, und gar sehr von Gott geliebt.

FAUST.

Wie kömmts denn, daß er Fürst der Teufel ist?

MEPHOSTOPHILIS.

Oh, um den frechsten Stolz und Übermuth

Hat Gott ihn aus des Himmels Licht geworfen.

FAUST.

Und wer seid ihr denn, die ihr lebt mit ihm?

MEPHOSTOPHILIS.

Unselge Geister, die wir mit ihm leben,

Verschworen gegen unsren Gott mit ihm,

Und bis in Ewigkeit verdammt mit ihm.

FAUST.

Wo seid denn ihr Verdammten?

MEPHOSTOPHILIS.

In der Hölle.

FAUST.

Wie kömmts, daß du jetzt aus der Hölle bist?

MEPHOSTOPHILIS.

Was? Hier ist Hölle, ich bin nicht aus ihr.

Denkst du, daß wer das Antlitz Gottes sah

Und schmeckte von den ewgen Himmelsfreuden,

Daß der nicht tausend Höllenqualen leidet,

Beraubt des ewig vollen Heils sich fühlend?

O Faustus, laß die eitlen Fragen sein,

Die mir das matte Herz mit Graun erschüttern.

FAUST.

Ei, großer Mephostophilis, so hitzig,

Daß du der Himmelsfreuden bist beraubt?

Komm, lerne von dem Faustus Kraft des Mannes

Und kümmre nicht dich um verlornes Gut.

Geh', trag' zum großem Lucifer die Zeitung:

Sag, Faustus ist dem ewgen Tod verfallen

Durch freches Sinnen gegen Jovis Gottheit,

Sag', seine Seele übergiebt er ihm,

Wenn er ihn vierundzwanzig Jahre lang,

In allen Erdenfreuden hier läßt leben

Und giebt dich mir zum stetigen Begleiter,

Zu geben mir, was ich verlangen mag,

Antwort zu sagen allen meinen Fragen,

Dem Feinde Feind, dem Freunde Schutz zu sein,

Und allweg meinem Willen zu gehorchen.

Geh', kehre heim zum großen Lucifer,

Dann komm um Mitternacht nach meiner Kammer

Und künde deines Meisters Willen mir.

MEPHOSTOPHILIS.

Ich gehe, Faustus.

Ab.

FAUST.

Hätt' ich mehr Seelen als da Sterne leuchten,

Ich gäb' sie all für Mephostophilis.

Durch ihn werd ich der Erde großer Kaiser

Und baue Brücken durch die leichte Luft,

Um übers Meer mit meiner Schar zu ziehen.

Ich will der Afrikanerküste Berge

Zusammenbinden mit dem Spanierland,

Daß beide meiner Krone dienstbar werden.

Der Kaiser soll durch meine Gunst nur leben,

Wie alle Fürsten in dem deutschen Reich,

Jetzt, da ich's habe, was mein Herz ersehnt.

Ich will in meiner Kunst noch spekuliren,

Bis Mephostophilis zurücke kömmt.

Ab. Wagner und Rüpel treten auf.

WAGNER. Komm hierher, Kerl! Junge!

RÜPEL. Junge! Hol' mich der Teufel! Wetter! ich ein Junge in eurem Gesicht! Ihr müßt wohl schon viel bärtige Jungen gesehn haben.

WAGNER. Hast du keine Einkünfte?

RÜPEL auf die Löcher in seinem Kleide zeigend. Ja, und auch Auskünfte, wenn Ihr nur hierher sehen wollt, Herr.

WAGNER. Ach, du armes Thier! Seh' einer, wie der Kerl in seiner Nacktheit noch spaßt! Ich weiß, der Schuft ist außer Dienst und so hungrig, daß er seine Seele dem Teufel für eine Schöpfenkeule hingäbe, wenn sie auch blutroh wäre.

RÜPEL. Nein, so arg ist's nicht: sie müßte gut gebraten sein und auch eine gute Sauce dazu, wenn ich sie so theuer bezahlen sollte, das könnt Ihr glauben.

WAGNER. Kerl, willst du mein Diener werden und mir aufwarten? Ich will dich gehn lassen wie einen, qui mihi discipulus.

RÜPEL. Was, in Versen?

WAGNER. Nein, Sclav, in gediegener Seide und mit Rittersporn.

RÜPEL. Rittersporn? Das ist ja gut für das Ungeziefer. Da sollen mich in eurem Dienst wohl am Ende die Läuse fressen?

WAGNER. Ja, sie sollen's, du magst nun in meinen Dienst treten oder nicht. Denn, wisse, Kerl, wenn du dich mir nicht augenblicklich auf sieben Jahre verschreibst, so will ich jede Laus, die auf dir sitzt, in einen Hauskobold verwandeln und dich von ihnen in Stücke reißen lassen.

RÜPEL. Nein, Herr, spart euch die Mühe: denn die Läuse sind so alte Hausbekannte bei mir, als hätte ich sie mit Essen und Trinken in Kost, das kann ich euch versichern.

WAGNER.

Gut, Kerl, laß deinen Spaß und nimm diese Gulden.

RÜPEL. Sehr gern, Herr, und ich danke Euch auch.

WAGNER. So, nun kann der Teufel dich nach einstündiger Ankündigung abholen, wann und wohin er will.

RÜPEL. Hier, nehmt eure Gulden wieder, ich will nichts davon wissen.

WAGNER. Nichts, nichts, ich habe dich fest. Bereite dich, denn ich will in diesem Augenblick zwei Teufel citiren, die dich fortschleppen sollen. He, Rülpsius! Stülpsius!

RÜPEL. Rülpsius und Stülpsius! Kommt nur, ich will euch schon rülpsen und stülpsen. Ich fürchte mich vor keinem Teufel.

Zwei Teufel kommen.

WAGNER. Wie nun, mein Herr? Wollt ihr nun mein Diener sein?

RÜPEL. Ja, ja, guter Wagner, bringt nur die Teufel weg.

WAGNER. Geister, fort! Nun, Bursche, folge mir.

RÜPEL. Ich folge Herr, aber hört einmal, Meister, wollt ihr mich das Beschwörungshandwerk nicht lehren?

WAGNER. Ja, Kerl, ich will dich lehren dich zu verwandeln in einen Hund, oder in eine Katze, oder in eine Maus, oder in eine Ratze, oder was du sonst willst.

RÜPEL. Ein Hund, eine Katze, eine Maus, eine Ratze! O braver Wagner!

WAGNER. Schuft, nenne mich Herr Wagner und sieh dich vor, daß du ordentlich gehst, und laß dein rechtes Auge immer diametrisch auf meine linke Ferse geheftet sein, daß du mögest quasi vestigias nostras in sistere.

RÜPEL. Gut, Herr, verlaßt euch auf mich.

Beide ab. Faustus im Studierzimmer.

FAUST.

Jetzo, Faustus,

Bist du verdammt, nichts kann dich mehr erretten.

Was hilft's denn, noch an Gott und Himmel denken?

Fort, all das eitle Hirngespinnst! – Verzweifle,

Verzweifl' in Gott, vertrau' auf Beelzebub!

Nein, geh' nicht rückwärts, Faustus, sei entschlossen! –

Was schwankst du? Oh, es tönt was in mein Ohr:

Schwör' ab die Magik, kehr' zuGott zurück –

Wie, liebt dich denn der Gott?

Der Gott, dem du dienst, ist dein eigner Wille,

Und darin steht der Beelzebub zu oberst.

Ihm will ich Kirchen und Altäre baun

Und neugebor'ner Kinder Blut ihm opfern.

Zwei Engel treten auf.

BÖSER ENGEL.

Geh' vorwärts, Faust, in dieser großen Kunst!

GUTER ENGEL.

Mein lieber Faust, laß die verruchte Kunst.

FAUST.

Zerknirschung, Beten, Reue – wo beginnen?

GUTER ENGEL.

Noch Wege giebt's, die dich zum Himmel führen.

BÖSER ENGEL.

Nur Spiegelfechterei, mondsüchtge Weisheit,

Die jeden Sinn verrückt, der daran glaubt.

GUTER ENGEL.

Freund Faustus, denk' an Gott und Göttliches.

BÖSER ENGEL.

Nein, Faustus, denk' an Ehr' und Reichthum nur!

Beide ab.

FAUST.

Reichthum! –

Ja, soll nicht mein die Herrschaft Emden werden,

Wenn Mephostophilis mir dienstbar ist?

Weß Macht befürcht' ich? Faust, du bist im Hafen.

Drum fort, ihr Zweifel, komm, Mephosto, komm,

Und bring' mir frohe Zeitung aus der Hölle.

Ist's Mitternacht nicht? Mephostophilis,

Veni, veni, o Mephostophilis! Mephostophilis tritt auf.

FAUST.

Nun sprich, was meldet Lucifer, dein Herr?

MEPHOSTOPHILIS.

Daß ich den Faust zeitlebens soll begleiten,

Wenn du den Dienst mit deiner Seele zahlst.

FAUST.

Hab' ich die nicht um dich schon dran gewagt?

MEPHOSTOPHILIS.

Doch jetzt sollst du es feierlich bestät'gen

Und sie mit eignem Blute ihm verschreiben:

Denn diese Sicherheit will Lucifer.

Ist dir's nicht recht, muß ich zurück zur Hölle.

FAUST.

Halt, Mephostophilis, und sage mir,

Was frommt wohl meine Seele deinem Herrn?

MEPHOSTOPHILIS.

Ei nun, sie hilft sein Königreich erweitern.

FAUST.

Ist das der Grund, daß er uns so versucht?

MEPHOSTOPHILIS.

Solamen miseris socios habuisse doloris.

FAUST.

Wie? Habt ihr, die ihr quält, auch Qual zu leiden?

MEPHOSTOPHILIS.

So harte Qual, wie alle Menschengeister.

Doch sag' mir, Faust, soll deine Seel' ich haben,

Und gleich bin ich dein Sclav und folge dir,

Und geb' dir mehr, als Witz du hast zu fordern.

FAUST.

Ja, Mephostophilis, ich geb' sie ihm.

MEPHOSTOPHILIS.

Dann, Faustus, stich dir herzhaft in den Arm

Und binde deine Seele, daß mein Herr sie

Den und den Tag abfordern kann zu eigen,

Und dann sei du so groß wie Lucifer.

FAUST.

Sieh, Mephostophilis, wie dir zu Liebe

Faust sich den Arm zersticht, mit eignem Blut

Zu eigen sich dem Lucifer verschreibt,

Dem Erzherrn und Regenten ewger Nacht.

Sieh, wie das Blut von meinem Arme tröpfelt

Und laß es deinem Wunsch gefällig seyn.

MEPHOSTOPHILIS.

Aber, Faustus,

Schreib' den Kontrakt in forma juris lieber.

FAUST.

Ich bin's zufrieden! Aber, sieh, Mephosto,

Mein Blut gefriert, ich kann nicht weiterschreiben.

MEPHOSTOPHILIS.

Ich hol' dir Feuer, um es aufzuthauen.

Mephostophilis ab.

FAUST.

Was mag dieß Starren meines Bluts bedeuten?

Ist's nicht zufrieden, daß das Blatt ich schreibe?

Was strömt es nicht, daß ich kann weiter schreiben?

Faustus giebt seine Seele – da, da starrt' es –

Dürft' ich das nicht? Ist nicht die Seele mein?

Drum schreibe fort – Faustus giebt seine Seele –

Mephostophilis kömmt mit einer Feuerpfanne.

MEPHOSTOPHILIS.

Sieh, Faustus, hier ist Feuer – Halt es dran.

FAUST.

So, jetzt läuft wieder hell das Blut heraus,

Nun werd' ich gleich damit zu Ende seyn.

MEPHOSTOPHILIS.

Was soll man nicht um solche Seele thun!

FAUST.

Consummatum est, der Kontrakt ist fertig;

Faust hat die Seele Lucifern verschrieben. –

Doch, was will diese Schrift auf meinem Arm?

Homo fuge! Und wohin soll ich fliehen?

Will ich zum Himmel, reißt er mich zur Hölle.

Mich täuscht mein Aug' – es steht ja nichts geschrieben –

Und doch, ich seh' es hell, da steht's geschrieben:

Homo fuge! doch Faustus kann nicht fliehn.

MEPHOSTOPHILIS.

Ich muß ihm etwas zur Erheitrung holen.

Ab. Teufel treten auf und geben dem Faust Kronen und reiche Kleider. Sie tanzen und verschwinden. Mephostophilis kömmt.

FAUST.

Was heißt das Schauspiel, Mephostophilis?

MEPHOSTOPHILIS.

Nichts, Faust, es soll dein Herz nur was erheitern

Und zeigen, was Magie vollbringen kann.

FAUST.

Kann ich dergleichen Geister immer rufen?

MEPHOSTOPHILIS.

Ja, Faust, und Größres noch als dieses thun.

FAUST.

Dann Mephostophilis, nimm diesen Zettel,

Worin ich Leib und Seele euch verschreibe,

Doch mit Bedingung, daß auch du erfüllst

Des gegenseitigen Kontrakts Artikel.

MEPHOSTOPHILIS.

Faust, bei der Höll' und Lucifern beschwör' ich's,

Zu halten die Versprechen zwischen uns.

FAUST.

Dann hör', ich les' es, Mephostophilis.

Unter folgenden Bedingungen:

Erstens, daß Faustus ein Geist werde in Form und Substanz.

Zweitens, daß Mephostophilis sein Diener werde und unter seinem Befehle stehe.

Drittens, daß Mephostophilis für ihn thue und bringe, was er verlangt.

Viertens, daß er in seinem Hause und in seinem Zimmer unsichtbar um ihn sei.

Letztens, daß er besagtem Johannes Faustus zu jeder Stunde erscheine, in was Gestalt und Form es diesem beliebt.

Gegen diese Bedingungen gebe ich, Johannes Faustus von Wittenberg, Doktor, durch dieses Schreiben meine Seele und meinen Leib dem Lucifer, dem Fürsten von Osten und seinem Minister Mephostophilis und verleihe ihnen nach Ablauf von vierundzwanzig Jahren, sofern bis dahin die oben geschriebenen Artikel von ihnen nicht verletzt worden sind, unumschränkte Gewalt, besagten Johannes Faustus zu holen oder holen zu lassen, mit Leib und Seele, und ihm eine beliebige Behausung bei sich anzuweisen.

Eigenhändig unterschrieben: Johannes Faustus.

MEPHOSTOPHILIS.

Faust, giebst du dieß als deine Handschrift mir?

FAUST.

Ja nimm und laß den Teufel dir's bezahlen.

MEPHOSTOPHILIS.

So, Faust, nun fordere nur, was dir beliebt.

FAUST.

Zuerst will ich dich nach der Hölle fragen,

Sag' mir, wo ist der Ort, den wir so nennen?

MEPHOSTOPHILIS.

Unter dem Himmel.

FAUST.

Ja, da sind alle Dinge – aber wo da?

MEPHOSTOPHILIS.

Tief in dem Schooße dieser Elemente,

Darin gequält wir ewig leben müssen.

Die Höll' ist ohne Gränzen, nicht beschlossen

In einem Raume – wo wir sind, ist Hölle

Und wo die Höll' ist, sind auch ewig wir,

Und, kurz zu seyn, wenn diese Welt vergeht

Und jede Kreatur geläutert wird,

Wird alles Hölle seyn, was nicht ist Himmel.

FAUST.

Ich denke doch, die Höll' ist nur ein Mährchen.

MEPHOSTOPHILIS.

Denk's immer, bis du's besser wirst erfahren.

FAUST.

Wie, glaubst du, Faust müss' ein Verdammter sein?

MEPHOSTOPHILIS.

Jawohl, nothwendig, denn hier ist der Zettel,

Darin die Seele Lucifern du giebst.

FAUST.

Ja, und den Leib auch – Wenig soll's mich kümmern.

Denkst du, ich sei solch süßlicher Phantast,

Nach diesem Leben eine Qual zu träumen?

Nein, das sind Possen, alter Weiber Mährchen.

MEPHOSTOPHILIS.

Doch steht ein Beispiel hier des Gegentheils,

Ich sag', ich bin verdammt und in derHölle.

FAUST.

Nun, ist's hier Hölle, will ich gern verdammt seyn.

Was, schlafen, essen, reden und spaziren?

Doch, das bei Seite, schaffe mir ein Weib,

Das schönste Mädchen in den deutschen Landen,

Denn ich bin üppig von Natur und geil

Und kann nicht länger leben ohne Weib.

MEPHOSTOPHILIS.

Gut, Faustus, gleich sollst du ein Weibchen haben.

Er citirt einen weiblichen Teufel.

FAUST.

Was ist das für ein Anblick?

MEPHOSTOPHILIS.

Nun, Faust, du wolltest ja ein Weibchen haben.

FAUST.

Das ist 'ne Hure – nein, ich will kein Weib.

MEPHOSTOPHILIS.

Die Heirath ist ein feierlicher Spaß,

Und hast du lieb mich, denk' nicht mehr daran.

Ich will die schönsten Dirnen dir erlesen

Und jeden Morgen vor dein Bette bringen:

Was deinem Blick gefällt, dein Herz soll's haben,

Und wär' das Kind keusch wie Penelope,

Und weise wie die Saba und so schön

Wie Lucifer vor seinem Falle strahlte.

Hier, nimm dies Büchlein und gebrauch' es wohl:

Die Linien nachgezogen, das giebt Gold;

Beschreibst du diesen Zirkel auf dem Boden,

Kömmt Blitz und Donner, Sturm und Wirbelwind;

Sprich die drei Wort' andächtig vor dich hin,

Gleich werden Panzermänner dir erscheinen,

Bereit, was du gebietest, zu vollführen.

FAUST.

Dank dir, Mephosto, für das süße Buch,

Ich will es theuer wie mein Leben halten.

Beide ab. Faustus in seinem Studirzimmer und Mephostophilis.

FAUST.

Betracht' ich so den Himmel, dann bereu' ich

Und fluche dir, boshafter Höllengeist,

Der du mich dieser Freuden hast beraubt.

MEPHOSTOPHILIS.

War's nicht dein eigner Wille? dank' dir selber.

Doch denkst, der Himmel sei solch herrlich Ding?

Ich sag' dir, Faust, er ist nicht halb so schön,

Als du und jeder andre Mensch auf Erden.

FAUST.

Beweise das.

MEPHOSTOPHILIS.

Für euch ist er gemacht, drum seid ihr mehr.

FAUST.

Für uns ist er gemacht? Ja, auch für mich!

Fahr' hin denn Zauberei, ich will bereuen.

Zwei Engel treten auf.

GUTER ENGEL.

Faustus, bereu', noch wird sich Gott erbarmen.

BÖSER ENGEL.

Du bist ein Geist, Gott kann sich nicht erbarmen.

FAUST.

Wer flüstert mir in's Ohr, ich sei ein Geist?

Wär' ich ein Teufel, Gott kann sich erbarmen,

Ja, Gott wird sich erbarmen, fühl' ich Reue.

BÖSER ENGEL.

Ha, aber Faust wird nimmer Reue fühlen.

Beide ab.

FAUST.

Mein Herz ist Stein, ich kann nicht mehr bereuen,

Kaum kann ich glauben, Heil und Himmel nennen.

Gift, Schwerdter, Stränge und vergiftet Stahl

Liegt vor mir da, von hinnen mich zu schaffen:

Und lange schon hätt' ich gethan die That,

Hielt der Zerknirschung nicht die Lust noch Stand.

Hat nicht Homer, der blinde, mir gesungen

Von Paris Liebe, von Oenonens Tod?

Und der die Mauern Thebens auferbaut,

Mit seiner süßen Harfe Wunderklängen,

Hat er nicht mit Mephosto musicirt?

Wie sollt' ich sterben oder feig verzweifeln?

Ich bin entschlossen, Faust soll nicht bereuen.

Komm her, Mephosto, laß uns disputiren,

Sprich von der göttlichen Astrologie.

Sag', giebt es noch viel Sphären ob dem Mond?

Sind alle Himmelskörper nur ein Globus

Von der Beschaffenheit, wie unsre Erde?

MEPHOSTOPHILIS.

So wie die Elemente, so die Himmel.

Vom Monde aus bis zu dem Götterhimmel,

Ein' in die andre Sphäre eingefächert,

Drehn sie vereint sich doch um eine Axe,

Deß Grenzpunkt ist der Welten weiter Pol:

Auch sind die Namen Mars, Saturn und Zeus,

Erdichtet nicht, es sind des Abends Sterne.

FAUST. Aber haben sie alle eine Bewegung, sowohl situ als tempore?

MEPHOSTOPHILIS. Alle bewegen sich in vierundzwanzig Stunden um die Pole der Welt, aber sie differiren –

FAUST.

Die Schülerfragen kann mir Wagner lösen.

Hast du, Mephosto, keinen größern Witz?

Wer kennt nicht der Planeten Doppelbahn?

Das nennen wir bei uns Fuchsfragen. Aber sage mir,

hat jede Sphäre eine Herrschaft oder intelligentia?

MEPHOSTOPHILIS. Ja.

FAUST. Wie viel Himmel oder Sphären giebt es?

MEPHOSTOPHILIS. Neun: die sieben Planeten, das Firmament und der Götterhimmel.

FAUST. Aber giebt es denn nicht auch coelum igneum et crystallinum?

MEPHOSTOPHILIS. Nein, Faustus, das sind lauter Fabeln.

FAUST. So löse mir denn diese Frage: Warum sind nicht Konjunktionen, Oppositionen, Aspekte, Eklipsen alle immer zu einer Zeit? Warum haben wir in einem Jahre mehr, in dem andern weniger?

MEPHOSTOPHILIS. Per inaequalem motum respectu totius.

FAUST. Gut, das wäre beantwortet. Nun sage mir, wer hat die Welt erschaffen?

MEPHOSTOPHILIS. Ich will nicht.

FAUST. Süßer Mephostophilis, sag' es mir.

MEPHOSTOPHILIS. Bring' mich nicht auf, Faust.

FAUST. Schurke, habe ich nicht verpflichtet, mir alles zu sagen, was ich wissen will?

MEPHOSTOPHILIS.

Ja, was nicht gegen unsre Herrschaft ist.

Dieß ist's – du bist verdammt, denk' an die Hölle.

FAUST.

Faust, denke an Gott, der die Welt erschaffen hat!

MEPHOSTOPHILIS.

Vergiß es nicht.

Mephostophilis ab.

FAUST.

Ha, fort, verfluchter Geist, zur schwarzen Hölle!

Du hast verdammt des armen Faustus Seele.

Die beiden Engel treten auf.

BÖSER ENGEL.

Zu spät!

GUTER ENGEL.

Nimmer zu spät, wenn Faust bereuen will.

BÖSER ENGEL.

Wenn du bereust, zerstücken dich die Teufel.

GUTER ENGEL.

Bereu' und keiner soll ein Haar dir krümmen.

Beide ab.

FAUST.

O Christus, mein Erlöser, mein Erlöser,

Hilf und erlös' des armen Faustus Seele!

Lucifer, Beelzebub und Mephostophilis treten auf.

LUCIFER.

Christ kann dich nicht erlösen, der gerecht ist,

Ich bin der Einzge, der um dich sich kümmert.

FAUST.

O, wer bist du, der mich so schrecklich anblickt?

LUCIFER.

Ich bin Lucifer,

Und dies ist mein Gefährte, Prinz der Hölle.

FAUST.

O Faust, sie kommen, um dich abzuholen.

BEELZEBUB.

Wir kommen, dir zu sagen, daß du frevelst.

LUCIFER.

Du rufst den Christ an gegen den Kontrakt.

BEELZEBUB.

Du sollst an Gott nicht denken.

LUCIFER.

Denk' an den Teufel.

BEELZEBUB.

Und an seine Großmutter.

FAUST.

Ich will es nimmer wieder mir vergeben,

Ich schwöre, nie gen Himmel mehr zu schaun.

LUCIFER.

So zeige dich als unsren treuen Diener,

Und höchlich wolln wir dich dafür belohnen.

BEELZEBUB.

Faustus, wir sind gekommen aus der Hölle,

Dir hier ein Zeitvertreibchen vorzumachen.

Setz dich, du sollst die sieben Todessünden

In leiblichen Gestalten vor dir sehn.

FAUST.

Der Anblick soll so lieblich für mich sein

Wie Eden für den Adam bei der Schöpfung.

LUCIFER.

Sprich nicht von Eden, sieh nur nach dem Schauspiel

Geh', Mephostophilis, hol' sie herein.

Die sieben Todsünden treten auf.

BEELZEBUB. Nun, Faustus, frage sie nach ihren Namen und Eigenschaften.

FAUST. Das will ich gleich. Wer bist du, der Erste?

STOLZ. Ich bin Stolz. Es ist für mich zu gemein, Eltern zu haben. Ich bin wie Ovids Floh: ich krieche in alle Winkel einer Hure, bald sitz' ich ihr als eine Perücke auf der Stirn, bald häng' ich als ein Halsband um ihren Nacken, dann küss' ich sie als ein Fächer oder Fliegenwedel, und dann verwandle ich mich in ein altes Hemde und treibe mit ihr, was mich gelüstet. Aber, pfui, was ist das für ein Geruch hier! Ich spreche kein Wort mehr, und wolltet ihr mir auch so viel dafür geben, wie ein König werth ist, bis ihr nicht diesen Boden parfümirt und mit köstlichen Teppichen belegt.

FAUST. Du bist ein stolzer Bursche, das gesteh' ich. Wer bist du, der Zweite?

HABSUCHT. Ich bin Habsucht. Mich hat ein alter Filz in einem ledernen Sacke zur Welt gebracht. Und könnte ich jetzt meinen Wunsch erfüllt sehn, so müßte dieß Haus, ihr und alles sich in Gold verwandeln, damit ich es in meinen Kasten packen könnte. O mein süßes Gold!

FAUST. Und wer bist du, der Dritte?

NEID. Ich bin Neid. Mein Vater ist ein Schornsteinfeger und meine Mutter ein Austernweib. Ich kann nicht lesen und darum wünsche ich, daß alle Bücher verbrannt würden. Ich bin mager geworden, weil ich andre muß essen sehn. Oh, daß eine Hungersnot über die ganze Welt käme, daß alles sterben müßte und ich allein leben bliebe, da solltest du sehen, wie fett ich werden würde! Aber mußt du sitzen und ich stehen? Steh' auf in's Teufels Namen!

FAUST. Fort, du neidische Bestie! Aber, wer bist du, der Vierte?

ZORN. Ich bin Zorn. Ich habe weder Vater noch Mutter. Ich sprang aus eines Löwen Rachen, als ich kaum eine Stunde alt war, und seitdem laufe ich durch die Welt, auf und nieder, mit diesem Rappierfutteral und wenn ich keinen finde, der mit mir fechten will, so verwund' ich mich selbst. Ich bin geboren in der Hölle, und seht euch vor, denn Einer von euch muß mein Vater seyn.

FAUST. Und wer bist du, der Fünfte?

SCHLEMMEREI. Ich bin Schlemmerei. Meine Eltern sind beide gestorben und die ganze Baarschaft, die sie mir gelassen haben, ist der Teufel; das ist aber ein schlechter Kosthalter. Er gibt mir des Tages nur dreißig Mahlzeiten und zehn kleine Imbisse: ein armes Bagatell für die Bedürfnisse der Natur. Ich bin aus königlichem Stamme. Mein Vater war ein Schinken von Speckland und meine Mutter eine Saukopf von Burgunder; meine Pathen waren Peter Pückelhering und Martin Martinsochs, und meine Pathinn, oh, das war eine alte Edelfrau, die Margaretha Märzbier. Jetzt, Faustus, kennst du meinen Stammbaum. Willst du mich zum Abendessen bitten?

FAUST. Behüte mich –

SCHLEMMEREI. Hol' dich der Teufel!

FAUST. Hol' er dich, Fresser. Wer bist du, der Sechste?

FAULHEIT gähnend. Ah, ah, ich bin Faulheit. Ich wurde auf einer heißen Sandbank ausgeheckt. Ah, ah, ich rede kein Wort mehr und würde jedes mit eines Königs Lösegeld bezahlt.

FAUST. Und wer bist du denn, Mamsell Niedlich, die du ganz am Ende stehst?

HUREREI. Wer, ich, Herr? Ich bin eine, die einen Daumen breit rohes Bockfleisch lieber hat als eine Elle gebratenen Stockfisch, und der erste Buchstabe meines Namens fängt an mit Hurerei.

LUCIFER. Fort zur Hölle, fort! Pfeifer, blas't!

Die sieben Todsünden gehen ab.

FAUST.

Oh, wie das Schauspiel meine Seel' entzückt!

LUCIFER. Ja, Faustus, in der Hölle sind alle Arten von Entzückungen.

FAUST. Oh, könnte ich die Hölle sehn und gesund wieder herauskommen, wie glücklich wär' ich dann!

LUCIFER.

Faustus, du sollst es.

Um Mitternacht send' ich nach dir: bis dahin

Gebrauch' dieß Buch und lies es durch und durch,

Und wandeln kannst du dich, in was Gestalt du willst.

FAUST.

Dank, mächtger Lucifer,

Ich will es theuer wie mein Leben halten.

LUCIFER.

Nun, Faustus, lebe wohl.

FAUST.

Leb' wohl, Fürst Lucifer.

Komm, Mephostophilis.

Alle zu verschiedenen Seiten ab. Rüpel tritt auf.

RÜPEL. Heda, Dick! sieh nach den Pferden, bis ich zurückkomme. Ich habe eins von Doktor Faustus Beschwörungsbüchern erobert und da wollen wir einmal die Spitzbüberei versuchen.

Dick kommt.

DICK. Heda, Rüpel, du mußt fort und die Pferde ausreiten.

RÜPEL. Ich die Pferde ausreiten? Prosit die Mahlzeit, ich habe andre Sachen zu tun, laß die Pferde sich selbst ausreiten, wohin sie wollen. A per se a per se demi orgon gorgon – Heb dich weg von mir, du unlitterarischer und ungelehrter Stallknecht!

DICK. Potz Würmer und Schlangen, was hast du denn da erobert? Ein Buch? Was, du kannst ja kein Wort darin lesen.

RÜPEL. Du sollst es gleich sehn. Geh mir aus dem Cirkel, sag' ich, oder ich lasse dich vom Teufel in den Pferdestall transportiren.

DICK. Das ist was Schönes, das muß ich gestehn. Du thätst auch besser, deine Tollheiten sein zu lassen, denn wenn der Herr kömmt, der wird dich in der That recht ordentlich beschwören.

RÜPEL. Mein Herr mich beschwören? Ich will dir was sagen: wenn der Herr mir zu nahe kommt, so will ich ihm ein so schönes Paar Hörner an den Kopf setzen, wie du in deinem Leben nicht gesehen hast.

DICK. Das brauchst du nicht erst zu thun, dafür hat die Madam schon gesorgt.

RÜPEL. Oho, hier sind Leute, die in diese Materie eben so tief eingedrungen sind, wie Andere, wenn wir nur plaudern wollten!

DICK. Hol' dich der Teufel, ich dachte es mir immer, daß du nicht so für nichts und wieder nichts Trepp' auf Trepp' ab hinter sie her schlichest. Aber, ich bitte dich, Rüpel, sag' mir in völligem Ernst, ist denn das ein Beschwörungsbuch?

RÜPEL. Sprich nur, was ich thun soll und ich will es thun. Willst du nackend tanzen, so zieh' nur deine Kleider aus, und ich will dich auf der Stelle beschwören. Oder willst du mit mir in die Kneipe gehn, ich will dir geben lassen Weißwein, Rothwein, Claret, Sekt, Muskat, Malvasier und Tunkwein. – Halt, Schlampampus, halt – und wir wollen keinen Pfennig dafür bezahlen.

DICK. O du Braver! Ich bitte dich, laß uns gleich gehn, denn ich bin durstig wie ein Hund.

RÜPEL. Komm denn, wir wollen fort.

Beide ab.

DER CHOR tritt auf.

Der hochgelehrte Faustus,

Um die Mysterien der Astronomie

In Jovis hohem Himmelsbuch zu lesen,

Stieg zu Olympus steilem Haupt empor,

Und dort in einem Flammenwagen sitzend,

Gezogen von der Kraft gejochter Drachen

Sieht er die Wolken, Sterne und Planeten,

Die Wendekreise, Himmelsgegenden,

Vom hellen Kreise des gehörnten Monds

Bis zu dem Glanz des primum Mobile.

Und also segelnd durch die ewgen Bahnen,

Die um den Pol die lichten Kreise ziehn,

Fährt schnell sein Drachenspann von Ost nach West

Und bringt ihn in acht Tagen wieder heim.

Doch lange hielt er nicht zu Hause Rast,

Den Leib zu pflegen nach der schweren Reise.

Zu neuen Taten treibt es ihn hinaus,

Und so besteigt er eines Drachen Rücken

Deß Flügelpaar die leichte Luft durchschneidet.

Dieß Mal will er Kosmographie studiren,

Der Erde Reich' und Küsten auszumessen,

Und, wie ich glaube, geht er jetzt nach Rom,

Den Pabst und seinen Hofstaat zu besuchen

Und beizuwohnen dem Sanct Petersfest,

Das diesen Tag man feierlich begeht.

Ab. Faust und Mephostophilis.

FAUST.

Nachdem wir nun, Freund Mephostophilis,

Mit Freuden schon das stolze Trier passirt,

Umgeben rings mit luftgen Felsengipfeln,

Mit Kieselwällen, tiefgezog'nen Gräben,

Unüberwindlich dem Eroberer;

Dann von Paris, beschiffend Frankreichs Küsten,

Sahn wir den Main sich in den Rhein ergießen,

An dessen Strand die Rebenhaine grünen;

Durch Napel dann, Kampanien, das reiche,

Wo der Gebäude Pracht das Auge blendet,

Der graden Straßen seines Ziegelpflaster:

Sahn dort des weisen Maro goldnes Grab,

Den Weg, den er'ne Brittenmeile lang

In einer Nacht durch einen Felsen hieb:

Dann nach Venedig, Padua und gen Osten,

Wo jener wunderreiche Tempel steht,

Der mit dem stolzen Haupt den Sternen droht,

Deß Grund belegt mit vielen bunten Steinen,

Deß Dach ein seltnes Meisterwerk von Gold:

So hat bisher sich Faust die Zeit vertrieben.

Doch sag' mir nun, was liegt da für ein Ort?

Hast du, wie ich dir erst befohlen habe,

Mich in die Mauern Roms hereingeführt?

MEPHOSTOPHILIS.

Ich hab' es, Faust, und zum Beweis dafür,

Dies ist des Pabstes stattlicher Pallast,

Und weil wir ungewohnte Gäste sind,

Wähl' ich sein eignes Zimmer uns zur Wohnung.

FAUST.

Wie wird dich seine Heiligkeit begrüßen!

MEPHOSTOPHILIS.

Mir einerlei: sein Wildpret soll schon schmecken.

Doch nun, mein Faust, damit du auch erkennst,

Was Augenweide Rom für dich enthält,

Wiss' daß die Stadt auf sieben Hügeln steht,

Die ihren Grundbau unterstützen müssen:

Grad' mittendurch zieht sich der Tiberstrom,

Des Schlangengang sie in zwei Theile schneidet,

Darüber sich zwei prächtge Brücken legen,

Die sichren Weg nach jeder Gegend bieten:

Auf einer, Ponte Angelo genannt,

Ist jenes wunderschöne Schloß erbaut,

Darin zu sehn solch Lager von Geschütz,

Daß der Kartaunen Meng', aus Erz geschmiedet,

Gleich kommt der Zahl der Tage, so enthalten

In eines vollen Jahres Kreise sind;

Die Pforten auch und hohen Pyramiden,

Die Julius Cäsar bracht' aus Afrika.

FAUST.

Jetzt bei dem Königreich der Unterwelt,

Beim Styr, beim Acheron, beim Feuersee

Des ewig glüh'nden Phlegeton, beschwör' ich's,

Daß ich verschmachte fast, die Monumente

Und Lage zu besehn des stolzen Roms.

Komm denn und laß uns gehn.

MEPHOSTOPHILIS.

Nein, wart', mein Faust,

Ich weiß, du willst den heilgen Vater sehn

Und Theil auch nehmen am Sanct Peters Fest,

Das diesen Tag man feierlichst begeht:

Der Tag wird hochgeehrt in Rom und Welschland

Zum Angedenken des Triumpfs der Kirche.

FAUST.

Freund Mephostophilis, wie bist du freundlich!

Solang' ich hier auf Erden, laß mich schwelgen

In allem, was des Menschen Herz erfreut,

Die vierundzwanzig Jahre meiner Freiheit

Will ich in Lust und losem Scherz verbringen,

Daß Faustus Ruf, so lang die Erde steht,

Bewundert weit von Land zu Lande geht.

MEPHOSTOPHILIS.

So hab' ich's gern: komm bleibe dicht bei mir,

Du sollst die Herren gleich erscheinen sehn.

FAUST.

Nein, wart', mein lieber Mephostophilis,

Gewähr' mir eine Bitte und dann geh' ich.

Du weißt, daß wir im Zeitraum von acht Tagen

Uns angesehen Himmel, Erd' und Hölle.

Hoch stiegen unsre Drachen in die Lüfte,

Daß, wenn wir niederschauten, uns der Welt

Gestalt nicht dicker schien als meine Hand;

Da sahen wir der Erde Königreiche

Und was das Auge reizt, durft' ich betrachten.

Nun laß mich mit in diesem Schauspiel spielen,

Den stolzen Pabst des Faustus Ankunft fühlen.

MEPHOSTOPHILIS.

So sei es, Faust, doch jetzo bleib' erst stehn,

Laß ihren Siegszug hier vorübergehn,

Und dann bedenk', was deinem Sinn behagt:

Durch deiner Kunst Gewalt den Pabst zu kreuzen,

Und ihm den Glanz der Festlichkeit zu trüben,

Daß seine Mönch' und Abbte affengleich

Nach der dreifalt'gen Krone fratzend gaffen. –

Drisch auf der Mönche Haupt mit Rosenkränzen,

Setz' ein Geweih' den Kardinälen auf,

Und was du sonst Nichtswürdiges ersinnst,

Ich will's vollbringen, Faustus – Horch, sie kommen!

Heut' sei dein Ruhm im ganzen Rom vernommen.

Kardinäle und Bischöfe in großem Ornat, Mönche und Geistliche mit Rauchpfannen und singend. Dann der Pabst und Raimund, König von Ungarn, mit Bruno in Ketten.

PABST.

Setzt meinen Schämel nieder.

RAIMUND.

Bruno von Sachsen, steh,

Bis seine Heiligkeit auf deinem Rücken

Besteigt Sanct Peters hohen Kirchenthron.

BRUNO.

Der Thron ist mein, du stolzer Lucifer,

Sanct Petern beug' ich mich, doch nicht vor dir.

PABST.

Vor mir und Petro lieg' im Staube hier

Und krieche vor des Pabstes Majestät.

Trompeter blast! Sanct Petri Erben reicht

Bruno den Rücken, drauf zum Thron er steigt.

Trompetenstoß, während er auf den Thron steigt.

So wie der Himmel kriecht auf Schneckenfüßen,

Eh' er mit Eisenhand den Menschen straft:

So brech' auch unsre Rach' aus ihrem Schlaf

Und stürz' in Tod dein abscheuvolles Werk.

Ihr Kardinäl' aus Frankreich, Padua,

Geht hin nach unsrem heilgen Konsistorium

Und leset in den Dekretalien,

Was in Trient beim heiligen Koncil

Die hohen Väter dekretirt für den,

Der sich anmaßt der päpstlichen Gewalt

Ohn' rechte Wahl und allgemeine Stimme.

Geht, bringt in Eil' die Antwort mir zurück.

ERSTER KARDINAL.

Wir gehen, Herr.

Kardinäle ab.

PABST.

Herr Raimund!

FAUST.

Geh', spute dich, Freund Mephostophilis,

Folg' ihnen in das Konsistorium,

Und wenn sie gläubig in den Büchern blättern,

Schlag' sie mit Müdigkeit und schwerer Schlafsucht,

Daß sie so fest entschlummern, daß wir beide

In ihres Leibs Gestalt den Pabst berichten,

Der also stolz dem Kaiser trotzen will,

Und daß wir, trotz all seiner Heiligkeit,

Den Bruno wieder in die Freiheit setzen

Und tragen unversehrt in's deutsche Reich.

MEPHOSTOPHILIS.

Faustus, ich gehe.

FAUST.

Mach' es bald ab.

Der Pabst soll fluchen, daß nach Rom ich kam.

Faust und Mephostophilis ab.

BRUNO.

Pabst Adrian, laß nach dem Recht mich richten,

Ich bin erwählet von dem deutschen Kaiser.

PABST.

Die That bringt deinen Kaiser um den Thron

Und seine Völker in der Kirche Bann.

Denn du und er sind exkommunicirt

Und von der Kirche Vorrecht ausgeschlossen,

Sowie aus der Gemeinschaft aller Heilgen.

Er wird zu stolz in seiner Macht Gefühl,

Sein kühnes Haupt über die Wolken hebend,

Und überschaut, gleich einem Thurm, die Kirche.

Doch wolln den frechen Mut wir niederdrücken,

Und wie Pabst Alexander, unser Vorfahr',

Auf Kaiser Friedrichs Nacken einst getreten,

Den goldnen Spruch zu dem Triumpfe fügend:

Auf Kaisern sollen Petri Erbenstehn

Und fußen auf der Natter grausenRücken,

Den Löwen und den Drachenniedertreten

Und kühn den giftgen Basiliskenstoßen:

So wolln wir des Empörers Hochmut dämpfen

Und kraft der apostolischen Gewalt

Ihn seines kaiserlichen Throns entsetzen.

BRUNO.

Pabst Julius schwur dem König Sigismund

Für sich und alle Päbste, die ihm folgten,

Den Kaiser als rechtmäßgen Herrn zu ehren.

PABST.

Das war ein Mißbrauch mit der Kirche Rechten

Und darum ist sein Ausspruch null und nichtig.

Ist unser nicht jedwede Macht auf Erden?

Und irren kann kein Pabst, selbst wenn er's wollte.

Sieh diesen Silbergürtel, dran befestigt

Die sieben goldnen Siegel, fest gesiegelt,

Zum Zeichen unsrer siebenfachen Macht,

Zu binden, lösen, schließen, richten, strafen,

Besiegeln und aufheben, wie's uns recht ist.

Drum beugt euch, du und er und alle Welt,

Wo nicht, so fürchtet meines Fluches Donner,

Die schwer euch treffen wie der Hölle Qualen.

Faustus und Mephostophilis, als Kardinäle, treten auf.

MEPHOSTOPHILIS.

Nun sag' mir, Faust, sehn wir nicht trefflich aus?

FAUST.

Ja Freund, und von zwei solchen Kardinälen

Wie wir, ward nie ein heil'ger Pabst bedient.

Doch, während die im Konsistorium schnarchen,

Laß hier uns den ehrwürdgen Vater grüßen.

RAIMUND.

Sieh, Herr, die Kardinäle sind zurück.

PABST.

Willkommen, edle Väter, sagt mir jetzt,

Was hat das heilige Koncil bestimmt,

Hinsichtlich Bruno's und des deutschen Kaisers,

Zur Strafe ihrer letztlichen Verschwörung

Gegen des Pabstes Reich und Heiligkeit?

FAUST.

Viel heiliger Patron der röm'schen Kirche,

Durch des Konciliums ungetheilte Stimme,

Von Priestern und Prälaten, ist bestimmt,

Daß Bruno und des deutschen Reiches Kaiser

Für Ketzer und Abtrünnige zu halten,

Für freche Störer unsres Kirchenfriedens:

Und wenn der Bruno hier, aus eigner Wahl,

Und ohne allen Zwang der deutschen Pärs,

Gegriffen hat nach der dreifaltgen Krone,

Durch deinen Tod auf Petri Stuhl zu steigen,

So sprechen dieß die Dekretalien:

Er werde stracks der Ketzerei verdammt

Und müss' auf einem Scheiterhaufen brennen.

PABST.

Es ist genug, hier, nehmt ihn in Verwahrung,

Und führt ihn gleich nach Ponte Angelo,

Und in den tiefsten Thurm schließt mir ihn ein.

Und Morgen, in dem Konsistorio,

Im Beisitz aller edlen Kardinäle,

Wolln über Tod und Leben wir ihn richten.

Hier, nehmt auch seine Krone mit euch weg

Und legt sie in den Schatz der Kirche nieder.

Beeilt euch, meine lieben Kardinäle,

Und nehmet unsern väterlichen Segen.

MEPHOSTOPHILIS.

So, so: ward schon ein Teufel so gesegnet?

FAUST.

Komm, Mephostophilis, und laß uns gehn.

Hoch kömmt der Spaß den Schläfern noch zu stehn.

Faust und Mephostophilis ab.

PABST.

Geht jetzt und bringt ein Gastmahl mir heraus,

Daß feierlich wir Petri Fest begehn,

Und mit Herrn Raimund, Ungarns Könige,

Trinken auf unsres letzten Sieges Glück.

Ab. Musik, während dessen das Gastmahl bereitet wird. Dann Faust und Mephostophilis in ihrer eigenen Gestalt.

MEPHOSTOPHILIS.

Jetzt, Faustus, komm, bereite dich zum Lachen,

Die faulen Kardinäle sind dabei schon,

Bruno zu richten, den wir fortspedirt,

Der auf dem kühnsten Roß, gedankenschnell,

Über die Alpen schon nach Deutschland fliegt,

Dort den betrübten Kaiser zu begrüßen.

FAUST.

Der Pabst wird heute ihren Schlaf verfluchen,

Der Bruno ihm verschlief sammt seiner Krone.

Doch jetzo laß den Faust sein Herz erfreun

Und einen Spaß aus ihrer Thorheit machen:

Freund Mephostophilis, bezaubre mich,

Daß unsichtbar ich unter Allen wandle

Und unsichtbar, was mir behagt, vollbringe.

MEPHOSTOPHILIS.

Faustus, du sollst: so knie jetzo nieder.

Beschwörend.

Dein Haupt mit meiner Handberührt,

Der Zauberstab ringsum geführt,

Nimm diesen Gürtel und erschein'

Unsichtbar jedem Blick zu seyn;

Die sieben Planeten, dieNebelluft,

Der Furien Haar, die Höllenkluft,

Des Pluto blauer Feuersee,

Der Baum der bleichen Hekate,

Sie hüllen dich in Zauber ein,

Daß dringt kein Blick zu dirherein.

So, Faust, vor aller seiner Heiligkeit

Thu' was du willst jetzt: Keiner wird dich merken.

FAUST.

Dank dir, mein Freund. Nun Fratres, habet Acht,

Daß Faust die Glatzen euch nicht blutig macht!

MEPHOSTOPHILIS.

Still, Faustus. Sieh, die Kardinäle kommen.

Der Pabst und die Herren seines Gefolges. Dann die Kardinäle.

PABST.

Willkommen, Kardinäle, setzt euch nieder;

Herr Raimund, nehmet Platz; ihr Fratres, sorgt,

Und seht, daß alles in Bereitschaft sei,

Wie es dem feierlichen Tage ziemt.

ERSTER KARDINAL.

Laßt erst es Eurer Heiligkeit gefallen

Zu hören des ehrwürdgen Sends Beschluß,

Hinsichtlich Bruno's und des deutschen Kaisers.

PABST.

Was soll die Rede? Sagt ich euch nicht eben,

Im Konsistorio wolln wir morgen sitzen

Und dort entscheiden über ihre Strafe?

Ihr brachtet ja das Wort, es sei beschlossen,

Daß Bruno und der fluchbelad'ne Kaiser

Verdammt vom heiligen Koncile wären,

Als faule Ketzer und Abtrünnige:

Was soll ich selbst noch in die Bücher gucken?

ERSTER KARDINAL.

Eur Gnaden irrt: Ihr gabt nicht den Bescheid.

RAIMUND.

Leugnet es nicht, wir Alle sind ja Zeugen,

Daß Bruno hier euch übergeben ward,

Sammt seiner reichen Krone zur Verwahrung

Und Niederlegung in der Kirche Schatz.

BEIDE KARDINÄLE.

Beim heilgen Paul, wir haben nichts gesehn.

PABST.

Beim heilgen Peter, ihr sollt Beide sterben,

Schafft ihr nicht ihn und sie alsbald zurück.

Schlagt sie in Fesseln, werft sie ins Gefängniß!

Falsche Prälaten, dieser Hochverrath

Stürz' eure Seelen in die Höllenqual!

FAUST.

So, die sind fort. Nun, Faustus, auf zum Feste!

Was hat der Pabst doch heut für lustge Gäste!

PABST.

Herr Erzbischoff von Rheims, setzt Euch zu Tische.

ERZBISCHOF.

Ich dank' Eur' Heiligkeit.

FAUST.

Allons, in's Teufels Namen, macht ein Ende!

PABST.

Wer spricht da? Fratres schauet wohl umher!

Herr Raimund, greifet zu: dem Bischof Mailands

Dank' ich für dieses köstliche Geschenk.

Reicht dem Raimund eine Schüssel. Faust reißt sie weg.

FAUST.

Ich dank' Euch, Herr.

PABST.

Was! wie? wer riß mir meine Schüssel weg?

Schurken, antwortet mir!

Mein guter Erzbischof, die leckre Schüssel

Ward mir von Frankreichs Kardinal gesandt.

Wie oben.

FAUST wie oben.

Die will ich auch.

PABST.

Stehn Ketzer neben unsrer Heiligkeit,

Daß wir so große Schmach erleiden müssen?

Holt mir den Wein.

FAUST.

Ich bitte drum, denn ich verdürste fast.

Schenken bringen Wein.

PABST.

Herr Raimund, auf eur Wohlsein dieses Glas!

FAUST wie oben.

Ich trink auf eures, Herr.

PABST.

Mein Wein auch fort? Ihr Schlingel seht euch um,

Und sucht den Kerl, der mir den Schimpf gethan,

Bei unsrer Heiligkeit, es gilt eur Leben.

Ich bitt' euch, meine Herr'n, laßt euch nicht stören.

BISCHOF. Belieb' es Eur Heiligkeit, mich anzuhören. Ich glaube, es ist ein Geist, der sich aus dem Fegefeuer geschlichen hat und nun um seine Erlösung zu Eur Heiligkeit gekommen ist.

PABST.

Das kann wohl seyn.

Geht, laßt die Priester Seelenmessen singen,

Daß sich die Wut des irren Geistes lege.

Sie bekreuzen sich und die Speisen.

FAUST.

Was, müßt ihr jeden Bissen denn bekreuzen?

Nehmt das dafür.

Faust giebt dem Pabst eine Ohrfeige.

PABST.

O weh, ein Schlag! O helft mir, meine Herr'n!

O kommt und helft, tragt meinen Leib von hinnen!

Fluch ewig seiner Seel' um diese That!

Pabst und Gefolge ab.

MEPHOSTOPHILIS.

Nun, Faust, was nun zu thun? Denn du mußt wissen,

Verflucht wirst du mit Schelle, Buch und Kerze.

FAUST.

Ja, Schelle, Buch und Kerz', und Kerze, Buch und Schelle

Von hinten und von vorn flucht meinen Geist zur Hölle!

Die Priester mit einer Schelle, einem Buch und einer Kerze kommen.

ERSTER PRIESTER. Kommt, Fratres, laßt uns unser heiliges Amt mit guter Andacht beginnen.

Verflucht sei, wer seiner Heiligkeit die Schüsseln von der Tafel gestohlen hat. Maledicat Dominus!

Verflucht sei, wer seiner Heiligkeit eine Maulschelle gegeben hat. Maledicat Dominus! Faust und Mephostophilis schlagen auf sie.

Verflucht sei, wer dem Frater Sandelo einen Schlag auf die Glatze gegeben hat. Maledicat Dominus! Verflucht sei, wer unsre heilige Seelenmesse stört. Maledicat Dominus! Verflucht sei, wer seiner Heiligkeit den Wein ausgetrunken hat. Maledicat Dominus! Faust und Mephostophilis werfen Feuerwerk unter sie. Die Priester laufen davon. Rüpel und Dick treten auf. Einer hält einen Becher.

DICK. Kerl! Rüpel! wir thäten am besten, uns nach deinem Teufel umzusehn, daß der sich für unsern gestohlenen Becher verantwortete, denn des Schenkwirths Junge folgt uns hart auf den Fersen.

RÜPEL. Hat nichts zu sagen, laß ihn kommen. Wenn er uns folgt, so will ich ihn beschwören, wie er in seinem Leben noch nimmermehr beschworen worden ist, dafür steh' ich. Gieb mir den Becher.

Der Schenkwirth kömmt.

DICK giebt den Becher an Rüpel. Hier hast du ihn. Da kommt er. Jetzt, Rüpel, jetzt oder nimmermehr zeige deine Wissenschaft.

SCHENKWIRTH. Ah, seid ihr hier? Ich freue mich, daß ich euch gefunden habe. Ihr seid mir ein Paar schöne Kumpans. Sagt, wo ist der Becher, den ihr aus der Schenke gestohlen habt?

RÜPEL. Was, was! Wir einen Becher gestohlen? Seht zu, was ihr sprecht. Sehn wir wie Becherdiebe aus? He, was meint ihr?

SCHENKWIRTH. Nun, nun, leugnet's nur nicht. Ich weiß es, ihr habt ihn und ich muß euch visitiren.

RÜPEL. Mich visitiren? Gut, macht's nur – Halt' den Becher, Dick – Kommt, kommt, visitirt mich.

SCHENKWIRTH zu Dick. Komm heran, Kerl, jetzt will ich dich visitiren.

DICK. Ja, ja, nur zu – Halt' den Becher, Rüpel – Ich fürchte mich nicht vor eurem Visitiren. Wir werden uns wahrhaftig nicht so gemein machen, eure Becher zu stehlen, das kann ich euch sagen.

SCHENKWIRTH. Nun, nun, ihr macht mich noch nicht dumm. Denn ich bin überzeugt, der Becher ist unter euch beiden.

RÜPEL hält den Becher in die Höhe. Nein, da lügt ihr. Er ist über uns beiden.

SCHENKWIRTH. Hol' euch der Teufel, ich dacht' es gleich, daß es nur ein Spaß von euch wäre, daß ihr den Becher mitgenommen habt. Kommt, gebt ihn her.

RÜPEL. Ja, Prosit die Mahlzeit! Übermorgen! Dick, mache einen Kreis um mich herum, stelle dich dicht an meinen Rücken und rühre dich um Leib und Leben nicht. Herr Schenk, Ihr sollt euren Becher gleich haben. Still Dick. O per se o demigorgon! Rülpsius und Mephostophilis.

Mephostophilis tritt auf.

MEPHOSTOPHILIS.

O ihr Trabanten all des Höllenreich's,

Wie mich die Zauberei der Schufte neckt!

Von Stambul aus werd' ich hieher beschworen

Zum Spaße nur für diese Sclavenbrut.

RÜPEL. Bei der heiligen Jungfrau, Herr, da habt ihr eine verdammte Tagereise gehabt. Ist es euch gefällig, mit einer Schöpsenkeule zum Abendbrot vorlieb zu nehmen und dann mit einem Zehrpfennig in der Tasche euren Weg fortzusetzen?

DICK. Ja, ich bitt' euch von Herzen darum. Denn wir riefen euch blos aus Jokus, das könnt ihr glauben.

MEPHOSTOPHILIS.

Um den vorwitzgen Frevel zu bestrafen,

Sei du in diese Schmachgestalt verwandelt.

Verwandelt Dick in einen Affen.

Die Affenfratz' ist für die Affenthat.

RÜPEL. O vortrefflich! Ein Affe! Ich bitt' Euch, Herr, laßt mich ihn herumführen und Kunststücke mit ihm machen.

MEPHOSTOPHILIS. Das soll geschehen. Verwandle dich in einen Hund und nimm ihn auf den Rücken. Marsch, fort!

RÜPEL. Ein Hund! Das ist excellent! Nun, Mägde, seht nach euren Suppentöpfen, denn es geht gleich in die Küche mit mir. Komm, Dick, komm!

Beide ab.

MEPHOSTOPHILIS.

Jetzt mit des ewigglüh'nden Feuers Flammen

Beschwing' ich mich, und fliege frisch von dannen

Zu meinem Faust am Hof des Großsultans.

Ab. Martin und Friedrich treten zu verschiedenen Thüren ein.

MARTIN.

Heda, ihr Herren und ihr Officiere!

Auf Posten, schnell, den Kaiser zu begleiten!

Freund Friedrich, seht, daß man die Zimmer räume,

Denn seine Majestät kömmt nach der Halle.

Geht nun, und sorgt, daß Alles in Bereitschaft.

FRIEDRICH.

Doch wo ist Bruno, der erwählte Pabst,

Der auf der Furienpost von Rom gekommen?

Wird seine Gnade bei dem Kaiser seyn?

MARTIN.

O ja. Und mit ihm kömmt der deutsche Zaubrer,

Der weise Faust, der Stolz von Wittenberg,

Das Wunder aller Welt in der Magie.

Und dieser will den großen Karl hier zeigen

Und seiner tapfern Ahnen lange Kette,

Auch bringen seiner Majestät vor Augen

Die königlichen kriegerischen Bilder,

Den Alexander und sein schönes Liebchen.

FRIEDRICH.

Wo ist Benvolio?

MARTIN.

Der schläft noch fest, gewiß,

Der hat sich einen Rheinweinrausch getrunken

So freundlich gestern Nacht auf Brunos Wohlseyn,

Daß heut' der Schlucker noch das Bette hütet.

FRIEDRICH.

Sieh, sieh! sein Fenster offen! Ruf' hinein!

MARTIN.

He, he, Benvolio!

BENVOLIO in Nachtkleidern, steckt seinen Kopf durch das Fenster.

Was plagt euch beide für ein Teufel?

MARTIN.

Sprecht sacht, Herr, daß der Teufel euch nicht hört,

Denn Faust ist jüngst bei Hofe angekommen,

Dem tausend Furien auf den Fersen folgen,

Des Doktors Wort' und Winke zu vollführen.

BENVOLIO.

Was ist das?

MARTIN.

Komm nur aus deiner Stub' und du sollst sehn,

Was seltne Stücke der Beschwörer zeigt

Hier vor dem Pabste und vor unsrem Kaiser,

Wie man bisher in Deutschland nie gesehn.

BENVOLIO.

Hat denn der Pabst das Zaubern noch nicht satt.

Kaum stieg er runter von des Teufels Rücken –

Und hat er sich so sehr in ihn verliebt,

Mag er mit ihm nach Rom zurück kutschiren.

FRIEDRICH.

Sprich, willst du kommen und den Spaß mit ansehn?

BENVOLIO.

Ich danke.

MARTIN.

So stell' ans Fenster dich und sieh es da.

BENVOLIO.

Ja, schlaf' ich mittlerweile nur nicht ein.

MARTIN.

Der Kaiser naht sich uns, um hier zu sehn,

Was Wunder kann durch schwarze Kunst geschehn.

BENVOLIO. Gut, geht nur und begleitet den Kaiser. Ich bin es für dieses Mal zufrieden, meinen Kopf zum Fenster hinaus zu stecken: denn, es heißt ja, wenn ein Mensch die Nacht über betrunken gewesen ist, so kann ihm der Teufel den Morgen nichts anhaben. Wenn das wahr ist, so habe ich einen Zauber in meinem Kopfe, der soll ihm so viel zu schaffen machen, wie der Beschwörer, dafür steh' ich euch.

Ab. Karl, der deutsche Kaiser, Bruno, der Herzog von Sachsen, Faust, Mephostophilis, Friedrich, Martino und Gefolge.

KAISER.

Wunder der Welt, berühmter Zauberer,

Dreimal gelehrter Faust, sei uns willkommen!

Die That, daß du den Bruno freigemacht

Von seinem und von unsrem offnen Feind,

Soll deiner Kunst mehr Herrlichkeit verleihn,

Als wenn mit mächtgen Nekromantensprüchen

Der Welt Gehorsam du gebieten könntest:

Denn ewig bleibt dir deines Kaisers Liebe.

Und wenn der Bruno, den du jüngst gelöst,

In Frieden trägt der Kirche Diadem

Und sitzt auf Petri Stuhl, der Wandlung trotzend,

Sollst du gepriesen sein durch ganz Italien

Und hochgeehret von dem deutschen Kaiser.

FAUST.

Die Gnadenworte, kaiserlicher Herr,

Werden den armen Faust, nach ganzer Kraft,

Mit Lieb' und Dienste euch ergeben machen;

Auch euch, Sankt Bruno, leg' ich mich zu Füßen:

Und zum Beweis, gefällt es eurer Gnade,

Bin ich bereit, durch meiner Kunst Gewalt,

Zu wecken solche Zauber, die durchbrechen

Das schwarze Thor der ewgen Höllenflammen,

Die grimmen Furien ziehn aus ihren Höhlen,

Zu schaffen, was Eur Gnaden mag belieben.

BENVOLIO. Wetter, der spricht ja fürchterlich. Aber trotzdem glaube ich ihm nicht viel. Er hat soviel Ähnlichkeit mit einem Beschwörer, wie der Pabst mit einem Aepfelhöcker.

KAISER.

Dann, Faustus, wie du jüngst uns hast versprochen,

Laß sehn uns den berühmten Welterobrer,

Den großen Alexander und sein Liebchen,

In wahrer Bildung, voller Majestät,

Daß wir anstaunen ihre Herrlichkeit.

FAUST.

Eur Majestät soll alsobald sie sehn.

Mephostophilis, fort.

Und bei dem Feierklange der Trompeten

Stell' seiner kaiserlichen Gnade vor

Den Alexander und sein schönes Liebchen.

MEPHOSTOPHILIS.

Faustus, ich gehe.

BENVOLIO. Gut, gut, Herr Doktor, wenn eure Teufel nicht gleich erscheinen, so schlaf' ich ein. Wetter, ich könnte mich vor Aerger selbst auffressen, wenn ich denke, daß ich so ein Esel gewesen bin, so lange nach diesem Teufelsgouverneur zu gaffen und am Ende doch nichts zu sehn.

FAUST bei Seite.

Ich will dir gleich was zu fühlen geben,

Wenn meine Kunst mich nicht im Stiche läßt.

Mein Herr, erst muß Eur Majestät ich warnen,

Wenn meine Geister euch die Schatten zeigen,

Den großen Alexander und sein Liebchen,

Thut keine Fragen an den König dann,

Laßt kommen sie und gehn in tiefem Schweigen.

KAISER.

Doktor, was dir gefällt, wir sind's zufrieden.

BENVOLIO. Ja, ja, und ich bin's auch zufrieden. Aber, wenn du den Alexander und sein Liebchen dem Kaiser vorstellst, so will zu einem Aktäon ich werden und mich in einen Hirsch verwandeln.