Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 - Lowell, Edward J. (Edward Jackson) - kostenlos E-Book

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783 E-Book

Lowell, Edward J. (Edward Jackson)

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The Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschenHilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson LowellThis eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and withalmost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away orre-use it under the terms of the Project Gutenberg License includedwith this eBook or online at www.gutenberg.orgTitle: Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen AmerikaAuthor: Edward Jackson LowellTranslator: O.C. Freiherr von VerschuerRelease Date: October 27, 2013 [EBook #44049]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HESSEN UND DIE ANDERN ***Produced by Peter Becker, Karl Eichwalder and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (Thisbook was produced from scanned images of public domainmaterial from the Google Print project.)

Anmerkungen zur Transkription

Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George Bancroft gemeint ist. Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier gesondert erwähnt zu werden. Eine Liste der Korrekturen befindet sich am Ende des Texts.

Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im KriegeGross-Britanniens gegen Amerika1776-1783

Von

Edward J. Lowell.

Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers

von

O. C. Freiherrn von VerschuerMajor z. D.

Mit 8 Plänen

Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe.

Braunschweig und Leipzig

Verlag von Richard Sattler 1902.

Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur

Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff

in Dankbarkeit und Verehrung

gewidmet

von gewidmetvon

dem Uebersetzer von gewidmet vondem Uebersetzer

Einleitung des Übersetzers.

In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen, insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen — mit dem Sammelnamen »Hessen« bezeichnet — gebildet haben. Seine Anschauungen in Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist, die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und Zustände — und ihrer Entwickelung — in allen Staaten, die im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider — verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean zum Bewusstsein zu bringen: was das Überlassen von Menschen an fremde Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe! Wie in vielen andern Dingen so auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England interessierten Kreise — im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die Reichsverfassung — zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel« bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf« und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte.

Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den »Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.

Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im 18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher — wenngleich ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet — von einer spätern Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er — dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen — besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren, die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen, und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit gethan haben.

Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder weniger in allen deutschen Landen — in mancher Hinsicht — um die Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat.

Frankfurt a. M., im März 1902.

v. Verschuer.

Vorwort

Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden, dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000 Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als 29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als 12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte; dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen, die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben. Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3 Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq., der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.

Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen.

In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38 Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es aber mit Vorsicht gethan.

Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren.

Der Verfasser.

Inhalt.

SeiteKapitelI.Die Fürsten1"II.Die Verträge12"III.Die Verträge vor dem Parlament22"IV.Die Soldaten30"V.Von Deutschland nach Amerika37"VI.Die Schlacht von Long-Island 177641"VII.Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov. 177651"VIII.Trenton, 26. Dez. 177664"IX.Der Winter 177775"X.Die Braunschweiger in Canada 177690"XI.Baronin Riedesels Reise 1776 u. 7798"XII.Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777108"XIII.Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777120"XIV.Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777129"XV.Die Braunschweiger in Gefangenschaft145"XVI.Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777160"XVII.Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778170"XVIII.Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779174"XIX.Die Umgegend von New-York 1777-79180"XX.Wiederholds Reise — eine Episode — Sept. 1779187"XXI.Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781195"XXII.New-York in den Jahren 1780 u. 81208"XXIII.Der Feldzug im Süden im Jahre 1781216"XXIV.Schluss230

Anhang.

SeiteA.Quellen-Verzeichnis241B.Die hessischen Regimenter und ihre Namen244C.Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten248D.Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des Revolutionskrieges250

Karten und Pläne.

1.Schlacht von Long-Island 1776482.Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776643.Affaire bei Trenton 1776744.Burgoynes Übergabe 17771285.Schlacht von Brandywine 17771606.Überfall auf Paulus Hook 17791867.Lord Cornwallis Operationen im Süden 17812168.Yorktown 1781224

Die Hessen

und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege Gross-Britanniens gegen Amerika 1776-1783.

Kapitel I.

Die Fürsten.

Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten, sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die 3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren eben Menschen, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name »Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde. Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und 1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen, 6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000 Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten.

Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien. Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen, war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.

Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander. Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen, Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland, neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300 Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen, aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System, Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung.

Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten stand nicht mehr unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen, selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden erblich sind«.

Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden betrachten, die Söldner nach Amerika sandten.

Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde.

Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet. Französisch war ebenfalls — und ist es noch lange nachher geblieben — die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben.

Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen, durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt, bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000 Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000 Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach Amerika schickten.

Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs, regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August 1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber, ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien 1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«. Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp, dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein.

Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr, während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von 4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg beendigt war.

Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr 400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu Grunde lag.

Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war, versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem Fusse mit ihm.

Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen. Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten, wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb. Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«

Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren. 1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt, Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.

Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.

Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353 erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd. erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.

Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land. Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.

Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot, Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.

Kapitel II.

Die Verträge.

Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten. Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint, dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit seinem Agenten sehr zufrieden erklärte.

Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen, getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern.

Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen Eifer und seine Ergebenheit — »dem besten der Könige« — auszudrücken und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er 600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst, verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für Seine Majestät zu opfern.

Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.

Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen, um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr. Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen, mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr. Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.

Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an die übrige Armee gestellt wurden.

Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4 Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen, und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se. Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.

Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden, da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht, befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30 Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und 11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht angenehm gewesen wäre.

Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben, wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde. Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also 30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder 108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass — abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet — der Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch, was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.

Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck, Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.

Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen. Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht.

Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie folgt zusammen aus:

Braunschweig5 723Hessen-Cassel 16 992Hessen-Hanau2 422Anspach-Bayreuth 2 353Waldeck1 225Anhalt-Zerbst1 152Zusammen:29 867

Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554 nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden, diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.

Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III. zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein abscheuliches Verbrechen galt.

Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend, veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.« Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel. Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.

Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der