Die Hochzeit im Rosenhaus (Vier Hochzeiten und ein Fiasko, Buch 1-3) - Bella Andre - E-Book
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Die Hochzeit im Rosenhaus (Vier Hochzeiten und ein Fiasko, Buch 1-3) E-Book

Bella Andre

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Beschreibung

Drei romantische Geschichten aus der Bestsellerreihe "Vier Hochzeiten und ein Fiasko" "Ich habe dieses Buch geliebt! Es hat mich an Nora Roberts Hochzeitsserie erinnert." 5 Sterne Die Mitarbeiter von San Franciscos führendem Hochzeitslokal The Rose Chalet haben schon immer die Träume ihrer Kunden wahr werden lassen... jetzt sind sie an der Reihe in diesen drei romantischen Romanen der New York Times-Bestsellerautorin Bella Andre. Liebe ganz unerwartet Nachdem Julie Delgado ihr Restaurant schließen muss, findet sie vorübergehend Arbeit als Köchin beim Rose Chalet, einem exklusiven Hochzeitsveranstalter in San Francisco. Ihr Plan ist es, das nächste Brautpaar so mit ihrer Kochkunst zu beeindrucken, dass die Besitzerin des Chalets sie dauerhaft einstellen wird. Aber als der Bruder des Bräutigams zu einem ersten Testessen auftaucht, wird ihr klar, dass das Schicksal andere Pläne mit ihr hat. Mit der Liebe flirten Phoebe Davis, Floristin im Rose Chalet, weiß, dass nichts von Dauer ist — nicht die Blumenarrangements, die sie kreiert, nicht die Hochzeiten, die sie ausrichten hilft, und sicher nicht die Ehe ihrer Eltern, die in einem bitteren Scheidungskrieg endete. Sie weiß, dass Beziehungen immer an Bedingungen geknüpft sind, und hat beschlossen, nur für den Moment zu leben und niemals und unter keinen Umständen Bindungen einzugehen. Schon mal was von Liebe gehört? Tyce Smith, DJ und Bandleader des exklusivsten Hochzeits- veranstalters in San Francisco, hat seit fünf Jahren keinen neuen Song mehr geschrieben. Seit jener schicksalshaften Nacht, in der er die Frau seiner Träume küsste und sie wegging, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, sie je wiederzufinden. Als ihm das Schicksal eine zweite Chance gewährt, darf er sie kein zweites Mal entkommen zu lassen ... selbst wenn die Hindernisse auf dem Weg zur wahren Liebe unüberwindbarer denn je scheinen. VIER HOCHZEITEN UND EIN FIASKO" Liebe ganz unerwartet Mit der Liebe flirten Schon mal was von Liebe gehört? Kennst du die Regeln der Liebe? Gib dich der Liebe hin "MARRIED IN MALIBU" Wellen der Gefühle Die Sommerhochzeit Braut ohne Schuhe Hochzeit im Mondschein "Liebesgeschichten von Walker Island" Für immer deine Liebe Diese Liebe ist wie keine Liebe aus heiterem Himmel Alles aus Liebe Für immer in Liebe vereint "Muss man gelesen haben! Lucy Kevin hat es wieder mal geschafft! Sie schreibt von der ersten Seite an so mitreißend, dass man das Buch erst wieder aus der Hand legen kann, wenn man durch ist. Ms. Kevin ist eine wirklich talentierte Autorin. Wenn Sie bisher noch keines ihrer Bücher gelesen haben, haben Sie wirklich etwas verpasst. Sie sollten sie auf jeden Fall ausprobieren. Sie werden es nicht bereuen. "Ich liebe dieses Buch. Es erinnert mich an Nora Roberts Hochzeits-Reihe. Ich kann es kaum erwarten, dass Phoebe endlich die wahre Liebe findet. Das Rose Chalet ist ein interessanter Ort, um Menschen, die zunächst so gar nicht füreinander bestimmt zu sein scheinen, zusammenfinden zu lassen." "Was für ein mitreißendes Lesevergnügen für uns romantische Liebesromanfans. Ich habe jede Minute geliebt und habe bis tief in die Nacht hinein gelesen. Ich kann den zweiten Band der Reihe kaum erwarten."

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Inhaltsverzeichnis

Liebe ganz unerwartet

„Vier Hochzeiten und ein Fiasko“, Band 1

Mit der Liebe flirten

„Vier Hochzeiten und ein Fiasko“, Band 2

Schon mal was von Liebe gehört?

„Vier Hochzeiten und ein Fiasko“, Band 3

Alle Bücher von Bella Andre in deutscher Sprache

Über die Autorin

Liebe ganz unerwartet

„Vier Hochzeiten und ein Fiasko“, Band 1

Bella Andre & Lucy Kevin

Liebe ganz unerwartet

„Vier Hochzeiten und ein Fiasko“, Band 1

© 2022 Bella Andre & Lucy Kevin

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Nachdem Julie Delgado ihr Restaurant schließen muss, findet sie vorübergehend Arbeit als Köchin beim Rose Chalet, einem exklusiven Hochzeitsveranstalter in San Francisco. Ihr Plan ist es, das nächste Brautpaar so mit ihrer Kochkunst zu beeindrucken, dass die Besitzerin des Chalets sie dauerhaft einstellen wird. Aber als der Bruder des Bräutigams zu einem ersten Testessen auftaucht, wird ihr klar, dass das Schicksal andere Pläne mit ihr hat.

Andrew Kyle ist nicht nur Gourmetkoch und der Moderator von „Edgy Eats—Essen ohne Grenzen“ beim Kochsender Cuisine Channel, sondern es war auch ausgerechnet seine Kritik, die Julies Restaurant endgültig in den Ruin trieb. Als er Julie im Rose Chalet trifft, ist er davon überzeugt, dass sie es auf keinen Fall wagen wird, irgendein Risiko einzugehen. Dennoch brennt er darauf, derjenige zu sein, der ihre tief verborgenen Leidenschaften weckt.

Doch trotz der Anziehungskraft, die unbestreitbar zwischen ihnen besteht—und der Tatsache, dass er tatsächlich als Einziger an sie zu glauben scheint—, fragt Julie sich, ob sie es sich wirklich leisten kann, ein so großes Risiko einzugehen, sowohl was das Kochen angeht, ihre Karriere—oder ihr Herz ….

KAPITEL 1

Delgado’s: 2 von 5 Sternen

Wenn ich in einem Restaurant esse, erwarte ich, dass der erste Gang—eine Bisque aus Meeresfrüchten—einwandfrei zubereitet ist. Ich erwarte, dass die Poularde perfekt gegrillt ist, die hausgemachte Eiscreme aromatisch und kalt und das Personal freundlich. All diese Erwartungen wurden auch von diesem Neuling in der Szene von San Francisco erfüllt.

Leider reicht es auf diesem Niveau nicht, Erwartungen zu erfüllen. Das tun selbst Fast-Food-Restaurants und Gastronomieketten. Ein Restaurant sollte mehr bieten als langweiliges Essen. Für einen besonderen Abend muss man ein kulinarisches Gesamterlebnis schaffen, das zeigt, dass der Besitzer Leidenschaft für das Essen empfindet, das serviert wird.

Genau diese Leidenschaft habe ich im Delgado’s vermisst, und den vielen leeren Plätzen nach zu urteilen, ging es den anderen Gästen genauso.

Vielleicht wird die Besitzerin irgendwann in der Zukunft ihr offensichtliches Können mit einem einfallsreicheren Menü unter Beweis stellen, aber so wie es im Moment aussieht, sollte man Delgado’s meiden.

Nicht empfehlenswert.

– Andrew Kyle, Moderator von „Edgy Eats—Essen ohne Grenzen“ und Restaurantkritiker von SF Online

* * *

„Mach schon, Julie. Wenn du dich nicht beeilst, kommst du noch zu spät. Du weißt, ich …“

„… bin nie zu spät gekommen“, beendete Julie den Satz. „Ja, Tante Evie, ich weiß. Aber ich treffe heute neue Kunden im Rose Chalet. Sehe ich ordentlich aus?“

Ihre Tante war schon über sechzig, mit grauem Haar und einem leicht krummen Rücken, der von zu vielen über dem Herd gebeugt stehenden Jahren zeugte. Aber sie sah immer noch gut für ihr Alter aus und hatte auch immer noch dieselbe pragmatische Art, mit ihr umzugehen, die sie schon gehabt hatte, als Julie noch ein Kind gewesen war.

Auch wenn Julie inzwischen achtundzwanzig war, zögerte ihre Tante nicht, ihr ein bisschen verschmierte Mascara von der Wange zu wischen. „Du siehst bezaubernd aus, Schatz.“

„Wirklich?“

Sie überprüfte ihr Aussehen ein weiteres Mal in dem Spiegel neben der Tür. Heute musste alles perfekt sein. Normalerweise band sie ihr dunkles Haar zurück, wenn sie kochte, aber heute hatte sie es offen gelassen. Sie wusste, dass sie bei Leuten, die sie noch nicht kannten, einen besseren ersten Eindruck machte, wenn es ihr um die Schultern fiel. Sie beschloss an diesem wichtigen Tag einen marineblauen Pullover mit einer einfachen, dunklen Hose zu kombinieren, weil das praktisch genug war, um darin zu kochen, sie aber dennoch verantwortungsbewusst aussehen ließ.

Tante Evie nickte. „Natürlich. Auch wenn es dir nicht schaden würde, ein paar Pfund zuzunehmen. Wer hat schon je von einer dünnen Köchin gehört?“

„Das von der Frau, die nicht einmal im Traum daran denken würde, ihre zwei Fitnesskurse die Woche zu verpassen“, entgegnete Julie. Sie blickte wieder in den Spiegel und strich sich mit einer Hand über das Haar. „Sollte ich vielleicht lieber …“

„Ich werde hier nicht länger herumstehen und dir Komplimente machen. Du solltest schon längst auf dem Weg zur Arbeit sein“, sagte Tante Evie. „Du hast gefrühstückt, oder?“

„Ich schnapp mir später was“, versprach Julie.

„Wahrscheinlich von einem dieser Imbisswagen, die du so liebst“, brummelte ihre Tante.

Julie drückte ihr einen schnellen Kuss auf die Wange und lief zu dem Auto, das sie sich geliehen hatte. Ihr Mustang war genau wie ihre Wohnung sehr schnell verschwunden, als es daran ging, die Schulden zu begleichen, nachdem sie ihr Restaurant hatte schließen müssen.

Sie schlängelte sich durch den dichten Verkehr und hoffte, nicht in eine Kontrolle zu geraten, da sie die Geschwindig­keitsbeschränkung leider vollkommen ignorieren musste, um es noch halbwegs rechtzeitig zu schaffen. Wie Tante Evie so richtig bemerkt hatte: Sie war während der ganzen Zeit, die sie im Rose Chalet gearbeitet hatte, kein einziges Mal zu spät gekommen, und da Julie nun den alten Job ihrer Tante machte …

Tatsächlich half sie nur aus. Rose Martin, die Besitzerin des Chalets, hatte ihr das ganz deutlich gesagt. Rose brauchte sie nur für die eine Hochzeit, bis sie jemanden fand, der dauerhaft die Zubereitung des Essens für das Rose Chalet übernehmen würde.

Julie konnte sich nicht leisten, dass etwas schief ging. Nicht, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance haben wollte, diesen einmaligen Einsatz als Aushilfsköchin zu einer festen Anstellung zu machen.

Als sie einige Minuten später aus dem Wagen stieg, musste sie zugeben, dass das Rose Chalet ein wunderschöner Arbeitsplatz war. Das Gebäude hatte eine kultivierte, altmodische Eleganz, und die Grünflächen um es herum waren perfekt gepflegt. Es verkörperte genau das, was die Leute ihrer Meinung nach von einem Ort für ihre Hochzeit erwarteten: ein kleines Stück vom Paradies mitten in der Großstadt.

Im Moment ging es in der Rezeption allerdings ein wenig chaotisch zu. Rose, makellos und wunderschön wie immer, das rote Haar sorgfältig frisiert, das zart gemusterte Kleid perfekt auf ihren Typ abgestimmt, stand am Fuß einer Trittleiter, während RJ, der Hausmeister und Gärtner, damit beschäftigt war, hoch oben an der Wand ein Stück beschädigte Holzverzierung zu ersetzen. Da er sowohl muskulös als auch sehr attraktiv war, konnte Julie sich gut vorstellen, dass sich so manche Frau nicht beschwert hätte, ihm die Leiter zu halten—oder auch alles andere, was er gerne gehalten haben wollte—, aber offensichtlich gehörte Rose nicht zu diesen Frauen.

„Könnten Sie sich ein bisschen beeilen, RJ?“

RJ schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. „Ich würde mich beeilen, aber ich weiß, dass Sie es nicht ertragen könnten, wenn ich hier herunterfiele und mir den Hals bräche. Halten Sie sie bitte noch ein paar Sekunden fest, Boss.“

Julie war sich nicht sicher, ob Rose kurz davor war zu schreien oder zu lachen. Keine Frage, RJ war sehr charmant. Aber sie wusste, dass sie es niemals gewagt hätte, so mit Rose zu sprechen.

„Einige sehr wichtige potenzielle Kunden kommen heute, und ich muss sicher sein, dass alles bereit für sie ist.“ Rose brach ab und sah zu Julie hinüber. „Oh, gut. Sie sind endlich da.“ Sie zog mit ihrer freien Hand ein Handy heraus und blätterte durch ihren Kalender. „Das glückliche Paar wird heute Nachmittag erwartet. Bis dahin müssen Sie Kostproben aller Gerichte und ein vollständiges Menü vorbereitet haben, während ich noch die ganzen übrigen Muster, das Budget und ungefähr ein Dutzend andere Dinge koordinieren muss, bevor ich mich mit Donovan zum Mittagessen treffe.“

„Es wird alles rechtzeitig fertig sein“, versprach Julie. „Warum halte ich nicht einfach die Leiter, und Sie können sich dann weiter um Ihre Aufgaben kümmern?“

Rose sah RJ einen Moment lang an, bevor sie nickte. „Danke.“

Julie nahm ihren Platz an der Leiter ein, während Rose davoneilte. Sie schien es eigentlich immer eilig zu haben.

„Also“, sagte sie zu RJ, nachdem Rose verschwunden war, „wer ist Donovan?“

„Roses Verlobter. Ein Schönheitschirurg. Hören Sie, ich hatte Rose nur die Leiter halten lassen, damit sie mal eine Pause macht. Sie ist schon seit Tagesanbruch unablässig hier zu Gange. Aber ich vermute, Sie haben eigentlich wichtigere Dinge zu tun, als herumzustehen und mir bei der Arbeit zuzusehen.“

Er hatte recht. Sie musste beispielsweise ein gesamtes Menü kochen. Das meiste davon konnte sie ohnehin erst am frühen Nachmittag zubereiten. Das war eben die Sache beim Kochen: Sie konnte vorbereiten, so viel sie wollte, es endete doch immer damit, dass sie versuchte, fünf Sachen gleichzeitig zu machen, während sie durch die Küche wirbelte, um alles rechtzeitig fertig zu bekommen.

Es hatte eine Zeit gegeben, zu der sie dieses Gefühl gemocht hatte. Nein, sie hatte es geliebt, den Rausch, mit Zutaten zu arbeiten, die sie mit Hitze und Gewürzen, mit verschiedenen Kombinationen und ausgefallener Präsentation verändern konnte.

Aber alles, was sie im Moment wollte, war, sicher sein zu können, dass alles glatt lief, damit sie Rose beeindrucken konnte. Genug, um aus diesem Aushilfsjob eine Festanstellung zu machen.

„Ja, ich sollte vermutlich endlich anfangen“, sagte sie. „Ich will Rose um nichts in der Welt enttäuschen.“

RJ lächelte von seiner Leiter auf sie herunter. „Machen Sie sich um Rose keine Sorgen. Ihr Bellen ist schlimmer als ihr Beißen. Sie will nur, dass dieser besondere Tag für jeden …“

„Besonders wird?“, unterbrach Julie ihn mit einem eigenen Lächeln.

„Ich wollte eigentlich perfekt sagen. Viel Glück mit dem Menü.“

Während Julie zur Küche des Chalets hinüberging, hoffte sie, dass Glück nicht nötig sein würde.

Die Küche war groß und perfekt dazu geeignet, Essen für mehrere Hundert Hochzeitsgäste zuzubereiten. Sie war ein gutes Stück größer als die in ihrem alten Restaurant, aber jetzt in den frühen Morgenstunden so ruhig, wie es die im Delgado’s nie gewesen war. Julie hatte die Arbeit und das halbe Dutzend Menschen, das zusammen in ihrer quirligen Restaurantküche arbeitete, um hungrige Gäste zu füttern, geliebt.

Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte sich selbst versprochen, nicht mehr an die Vergangenheit zu denken. Im Rose Chalet zu arbeiten war ein neuer Anfang, ein Weg, aus Evies Gästezimmer ausziehen zu können und wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Sie konnte es sich nicht leisten, in Erinnerungen an das, was gewesen war, zu versinken. In Bedauern zu verfallen.

Sie zwang sich, sich wieder auf die Hochzeit zu konzentrieren, für die sie kochen sollte. Das Menü selbst war ziemlich unkompliziert. Bei einem Hochzeitspaar, bei dem Verwandte aus allen Teilen des Landes anreisten, wollte schließlich niemand riskieren, dass es einem der Gäste nicht schmeckte. Sie hatte für den ersten Gang Meeresfrüchte und einen Salat ausgewählt. Danach gab es entweder Ente in Pflaumensauce oder Pasta mit Pesto, gefolgt von einer Auswahl kleiner Törtchen, die gut mit der Hochzeitstorte harmonieren würden, ohne sie in den Schatten zu stellen.

Gegen Mittag hatte sie die meisten Vorbereitungen erledigt. Sie bereitete den Teig für die Mini-Törtchen, die sie zur Verkostung ausgesucht hatte, und stellte ihn zum Ruhen in die begehbare Kühlkammer. Die Ente schmorte langsam vor sich hin, da konnte kaum etwas schiefgehen. Das Gemüse und die Zutaten für die Sauce waren fertig. Die Pasta konnte sie erst direkt vor dem Servieren zubereiten, und der Fisch und die Jakobsmuscheln waren bereit für ihren Einsatz. Nun konnte sie nur noch auf diese manischen letzten zwanzig Minuten warten, was bedeutete, dass jetzt der beste Zeitpunkt war, sich um ihr eigenes Mittagessen zu kümmern.

Julie liebte die neuen, modernen Imbisswagen, die seit einiger Zeit in zunehmendem Maße die Straßen der Stadt säumten. In den vergangenen paar Jahren schienen sie wie Pilze aus dem Boden geschossen zu sein, servierten alle nur denkbaren Arten von Essen von fetttriefendem Fastfood bis hin zu edler Gourmetküche, traditionell amerikanisch oder ganz international. Sie hatte immer genau gewusst, wo die besten Wagen im Umkreis von zwanzig Gehminuten vom Delgado’s standen, und wenn sie auch die Gegend um das Rose Chalet nicht wirklich kannte, dachte sie doch, dass sie, wenn sie schnell war, recht gute Chancen hatte, einen der besseren zu finden.

Sie trat genau zur rechten Zeit aus der Tür, um Rose mit ihrer eigenen Mittagsverabredung weggehen zu sehen, einem blonden, unglaublich gut aussehenden Mann, dessen Wagen praktisch „erfolgreicher Chirurg“ schrie.

Kein Wunder, dass Rose so darauf bedacht war, trotz der ganzen Arbeit ihr Date einzuhalten, dachte Julie. Es war Gott weiß lange genug her, dass sie selbst mit einem Mann ausgegangen war.

Zum Glück hatte sie keine Zeit, über das klägliche Nichtvorhandensein ihres Liebeslebens nachzudenken. Nicht, wenn jeder ihrer Gedanken darauf ausgerichtet sein musste, in wenigen Stunden Roses Kunden unglaublich zu beeindrucken.

Fünf Minuten später fand sie einen Wagen, der die besten Falafel verkaufte, die sie seit langem gegessen hatte. Sie genoss es, auf einer Bank in einem nahe gelegenen Park zu sitzen und über die Bucht von San Francisco zu blicken. Dennoch ließ sie sich nicht viel Zeit mit dem Essen, und als sie eine halbe Stunde später ins Rose Chalet zurückkehrte, war sie überrascht, als sie sah, dass Rose ebenfalls schon von ihrem Mittagessen mit dem Chirurgen zurückkam.

Wenn das ihre typische Geschwindigkeit war, war es kein Wunder, dass RJ einen Trick benutzen musste, um sie mal ein paar Minuten lang stillstehen zu lassen.

RJ arbeitete mit hochgekrempelten Ärmeln an den Umrandungen einiger Blumenbeete und nickte ihnen zur Begrüßung zu. „Wie war das Mittagessen?“

„Sehr gut, danke“, sagte Julie.

Statt ihm zu antworten, wandte Rose sich ihr zu. „Unsere Gäste werden gleich hier sein, Julie. Ist das Essen so weit?“

„Es ist alles vorbereitet“, antwortete Julie. „Ich muss nur noch die letzten Details fertig machen, wenn die Braut und der Bräutigam eintreffen.“

Rose nickte, offensichtlich dabei, Punkte auf einer langen mentalen Checkliste abzuhaken. „Ich rufe Sie in dem Moment, in dem sie ankommen, auf Ihrem Handy an, und von da aus machen wir weiter. Oh, und könnten Sie sicherstellen, dass im Speisesaal alles vorbereitet ist? Ich habe mir vorhin alles angesehen, aber …“

In der Zwischenzeit könnte ein kleiner Tornado zugeschlagen haben?

Julie verbannte den bissigen Gedanken schnell wieder. Rose hatte recht—an ihrem Hochzeitstag sollte für Braut und Bräutigam alles perfekt sein.

Nachdem sie nachgesehen hatte, dass im Speisesaal tatsächlich alles perfekt war, machte sie sich auf den Weg in die Küche. Sie war beinahe an der Schwingtür angekommen, als ihr mit einem plötzlich aufflackernden Gefühl der Panik einfiel, dass sie die Ente vergessen hatte. Wie gut, dass sie sich mit dem Mittagessen so beeilt hatte!

Sie war gerade dabei, den Vogel aus dem Ofen zu ziehen, und das möglichst, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen, als Rose sie auf ihrem Handy anrief. Julie nahm ab und erinnerte sich gerade noch daran, „Hallo“ zu murmeln, während sie die Ente tranchierte und mit einem lauten Seufzer der Erleichterung feststellte, dass alles gut gegangen war.

Aber genau deshalb brauchte sie auch etwas länger, als eigentlich nötig gewesen wäre, bis zu ihr durchdrang, was Rose ihr gerade sagte. „Sie sind schon da?“

„Er ist schon da“, korrigierte Rose sie.

„Die Braut hat den Bräutigam allein hergeschickt?“ Julie konnte ihre Überraschung nicht verbergen. Welche Braut wollte denn nicht bei der Planung ihrer eigenen Hochzeit dabei sein?

„Nein, es ist der Bruder des Bräutigams“, sagte Rose. „Wir werden in etwa einer Viertelstunde im Speisesaal sein.“

Der Bruder des Bräutigams?

Julie verdrängte die Frage, während sie schnell die letzten Handgriffe am Essen vollführte. Als sie fertig war, balancierte sie die Teller, so gut sie konnte, den kurzen Gang zum Speisesaal herunter.

Rose und der Bruder des Bräutigams kamen gerade herein, und Julie erhaschte einen kurzen Blick auf einen gut angezogenen, dunkelhaarigen Mann Anfang dreißig. Sie beugte sich für einige Augenblicke über die Teller, um sicherzugehen, dass es keine Saucen- oder Gewürzreste auf den Rändern gab.

„Das ist Julie, die sich bei der Hochzeit Ihres Bruders um das Essen kümmern wird. Julie, darf ich Ihnen Andrew vorstellen?“

Sie blickte hoch, ihr freundlichstes Lächeln auf den Lippen. Sie sah dunkle, attraktive Gesichtszüge mit einem ganz leichten Bartschatten, Grübchen und einen athletischen Körper, der in einem gut geschnittenen Anzug perfekt zur Geltung kam. Normalerweise wäre ihr Lächeln in weiblicher Anerkennung noch ein wenig breiter geworden.

Stattdessen gefror es ihr auf den Lippen, und es bedurfte all ihrer Selbstbeherrschung, es überhaupt beizubehalten.

Sie erkannte diese Züge. Tatsächlich wäre es schwierig gewesen, das nicht zu tun, wo sie sie so lange angestarrt hatte. Schließlich war es das Gesicht, das sie aus dem Cuisine Channel anstrahlte. Es waren die Züge des Mannes, den praktisch jeder Koch fürchtete, in seinem Restaurant zu haben.

Und es waren auch genau die perfekten Züge, die sie von über der Restaurantkritik angeschaut hatten, die ihr Leben ruiniert hatte.

„Sie sind Andrew Kyle.“

„Freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Julie.“

Natürlich musste sie seine ausgestreckte Hand nehmen. Sie konnte den Bruder eines potenziellen Kunden nicht einfach ignorieren, vor allem nicht, wenn Rose daneben stand.

Das war allerdings keine Entschuldigung dafür, dass ihr sofort auffiel, wie stark seine Hände waren, die Handflächen und Finger leicht vernarbt von alten Verbrennungen und Schnitten, die keiner, der mit Kochen seinen Lebensunterhalt verdiente, vermeiden konnte.

„Arbeiten Sie schon lange hier?“, fragte er.

Wie sollte sie das beantworten? „Seit Ihre Zwei-Sterne-Kritik mein Leben ruiniert hat“ schien nicht ganz passend. Genauso wenig wie die Stummfilmversion: ihm einfach einen Teller Salat über den Kopf zu kippen.

Schließlich entschied sie sich für ein unverbindliches: „Nein, noch nicht sehr lange.“

„Julie hat freundlicherweise zugestimmt, uns bei dieser Hochzeit zur Seite zu stehen, jetzt, da ihre Tante nicht mehr bei uns arbeitet“, fügte Rose hinzu, offensichtlich bemüht, Julies Mangel an sozialem Geschick auszugleichen.

Es gelang ihr zu nicken. „Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden“, sagte sie. „Ich muss zurück in die Küche, um die Hauptgänge fertig zu machen. Bitte probieren Sie doch in der Zwischenzeit die Vorspeise. Ich hoffe, sie schmeckt Ihnen.“

Leider war die Chance, dass Andrew Kyle etwas schmeckte, was sie gekocht hatte, so gering, dass man sie vermutlich mit der Lupe suchen musste.

Zurück in der Küche lehnte Julie sich mit dem Rücken gegen die Tür und atmete einmal tief durch. Sie stellte fest, dass das Schlimmste nicht war, von Andrews Auftauchen an ihrem neuen Arbeitsplatz überrascht zu werden.

Das Schlimmste war, dass er sie nicht einmal erkannt hatte.

Doch als sie daran dachte, wie viel Arbeit sie noch mit den Hauptgängen und Desserts vor sich hatte, wurde ihr plötzlich klar, dass das Allerschlimmste wäre, einem der bekanntesten Star-Köche der Westküste unfertiges Essen servieren zu müssen.

Er würde dann nicht nur wissen, dass er recht gehabt hatte, ihre Kochkunst als unterdurchschnittlich zu bezeichnen, sondern Rose würde sie ohne Zweifel auch sofort feuern.

KAPITEL 2

Es kostete Julie einige Mühe, sich darauf zu konzentrieren, den Rest des Menüs fertig zu machen. Sie musste die ganze Zeit daran denken, dass da draußen Andrew Kyle saß und vermutlich genau jetzt Rose gerade erzählte, wie fürchterlich das Essen war. Und sie würde natürlich auf ihn hören, denn was sollte sie im Angesicht dieses Dreifachschlags—Star-Koch, Bruder des Bräutigams und großartige Grübchen—auch sonst tun?

Vergiss die Grübchen, befahl Julie sich selbst. Denk lieber daran, was er dir angetan hat.

Es wäre allerdings auch ziemlich schwierig gewesen, das zu vergessen. Eine schlechte Kritik vom berühmtesten Fernsehkoch der Stadt, und ihr Restaurant hatte keine Chance mehr gehabt. Das magere Rinnsal neuer Gäste, von dem sie sich erhofft hatte, es werde sich zu einem Strom verbreitern, war komplett ausgetrocknet. Ihr gesamter Traum verabschiedete sich innerhalb weniger Wochen, und alles Dank dieses Mannes, der gerade ihren Meeresfrüchteteller kostete.

Nun, sie würde ihn auf keinen Fall auch diesen Traum ruinieren lassen. Was aber leider auch bedeutete, dass sie nichts Fürchterliches mit seinem Essen anstellen konnte, selbst wenn ein kleiner Teil von ihr sich nach Rache sehnte.

Die beste Rache wäre allerdings tatsächlich, ihm zu zeigen, wie sehr er sich getäuscht hatte. Was sie jetzt also tun musste, war, das beste Essen ihres Lebens zuzubereiten und ihn zu zwingen, sein Urteil zu revidieren.

Ganz einfach.

Aber wenn es so einfach war, warum zitterten dann ihre Hände, während sie die Ente tranchierte? Sie musste sich konzentrieren, ganz ruhig bleiben und …

„Alles in Ordnung?“

Julie zuckte beim Klang von Andrews Stimme so sehr zusammen, dass sie sich beinahe in den Finger geschnitten hätte.

Was machte er in ihrer Küche? War ihm endlich klar geworden, wer sie war? War er gekommen, um sich an ihrem Elend zu weiden?

Oder vielleicht, um sich für das, was er getan hatte, zu entschuldigen?

Da ihr bewusst war, dass alles, was sie ihm wirklich sagen wollte, dafür gesorgt hätte, dass Rose sie sofort entließ, meinte sie nur: „Ich bin mir nicht sicher, ob Sie hier sein sollten.“

„Nein, das geht schon in Ordnung …“

„Julie“, erinnerte sie ihn, als hätte Rose ihm ihren Namen nicht erst wenige Minuten zuvor genannt. „Julie Delgado.“

War da ein kleines Flackern von Wiedererkennen in seinen Augen? Erinnerte er sich doch vage an ihren Namen?

Aber warum sollte er? Er war ein berühmter Koch. Sie war ein Niemand, die ihr eigenes Restaurant verloren hatte und nun für einen Apfel und ein Ei für einen Hochzeitsveranstalter kochte.

„Ich habe natürlich Rose gefragt, ob es in Ordnung ist, in die Küche zu gehen, um mir anzusehen, wo möglicherweise das Essen für die Hochzeit zubereitet wird.“

„Möglicherweise?“

„Mein Bruder und seine Verlobte verdienen das Beste. Ich habe versprochen, mir alles genau und mit den Augen eines Kochs anzusehen. Darum würde ich es auch zu schätzen wissen, wenn Sie die Desserts zusammen mit den Hauptgängen herausbringen würden und dann bei uns blieben, um alles zu besprechen.“ Er schenkte ihr eines seiner brillant strahlenden Lächeln. „Ich bin mir sicher, dass wir zwei sehr viel zu besprechen haben werden.“

Für einen kurzen Moment fragte sich Julie, ob er von seiner Kritik ihres Restaurants sprach, aber diese verdammten Grübchen verwandelten ihr Gehirn dermaßen in Brei, dass sie gerade noch ein ersticktes „Werden wir das?“ herausbrachte.

„Natürlich“, antwortete er mit einem weiteren Lächeln.

Oh mein Gott, nach allem, was er ihr angetan hatte, flirtete er tatsächlich mit ihr?

Sie konnte sich gerade noch zurückhalten und heldenhaft dem Impuls widerstehen, ihm den nächstbesten Gegenstand auf den Kopf zu schlagen, aber auch nur, weil das gerade der Topf mit der leise vor sich hinreduzierenden Pflaumensauce war. Was für ein arroganter …

Wieder zwang sie sich, tief durchzuatmen. Sie rief sich ins Gedächtnis, dass sie offensichtlich nicht wichtig genug war, dass der große Star sich an sie erinnerte. Warum also sollte er nicht seinen Charme an ihr ausprobieren, mit dem er ja auch alle anderen so mühelos umgarnte?

„Natürlich bringe ich gerne alles zusammen heraus“, sagte sie, wenn auch nur, weil das der schnellste Weg schien, ihn wieder loszuwerden. „Geben Sie mir ein, zwei Minuten.“

Tatsächlich wurden es eher zehn, aber in diesen herrlichen Minuten musste sie sich wenigstens über nichts Wichtigeres Gedanken machen als darüber, ob ihre Gâteaux sich richtig gesetzt hatten und wie sie es schaffen sollte, alles bis zum Speisesaal zu balancieren. So viel Spaß es ihr auch gemacht hätte, „aus Versehen“ zu stolpern und ihm eine volle Ladung Essen überzuschütten, wusste sie doch genau, dass sie es nicht tun würde.

Andrew überraschte sie damit, dass er aufstand, um ihr mit den Tellern zu helfen, und sogar mit zurück in die Küche kam, um die Desserts hinauszutragen.

Als sie sich gesetzt hatten, betrachtete er die Teller mit einem kritischen Blick. Rose saß neben ihm, ihr Gesicht unlesbar. Sie war vermutlich genauso besorgt wie Julie selbst, ob alles gut gehen würde, und wenn sie je Edgy Eats gesehen oder eine von Andrews Restaurantkritiken gelesen hatte, würde sie genau wissen, wie hart sein Urteil ausfallen konnte.

Julie setzte sich auf den freien Platz am Tisch und sah zu den Tellern hinüber, auf denen sie den ersten Gang serviert hatte. Wie hatte Andrew ihn wohl gefunden?

Es war unmöglich, das sicher vorherzusagen. Er hatte nicht viel von jedem Gericht gegessen, aber er hatte alle probiert. Sie hoffte, dass das ein gutes Zeichen war. Unruhig rutschte sie auf ihrem Stuhl herum und verknotete unter dem Tisch die Hände ineinander, um sie möglichst ruhig zu halten. Sie riskierte einen weiteren Blick zu Rose hinüber, aber deren Gesicht verriet ihr ebenfalls nichts.

„Ich habe die Meeresfrüchte und den Salat schon gekostet, aber probieren wir doch erst einmal alles durch, und dann schildere ich Ihnen am Ende meine Eindrücke.“

Andrew Kyle beim Essen zuzusehen war ein Erlebnis. Er blieb während der gesamten Verkostung stumm, als würde alles andere in irgendeiner Form seine Konzentration stören. Stattdessen stellte er sorgfältig einen Bissen auf seiner Gabel zusammen, schloss die Augen und widmete sich für einen Moment dem Duft, bevor er ihn endlich in seinen sinnlichen Mund schob.

Julie war verzaubert davon, dass er offensichtlich so viele Sinne wie möglich einbeziehen wollte, von der Tatsache, dass er Essen als etwas wirklich Wichtiges betrachtete.

Natürlich wog das nicht die Art auf, in der er Rose und sie auf sein Urteil warten ließ, während er alles probierte. Tatsächlich sprach er nur ein einziges Mal, als er etwa halb durch war, aufsah und eine Augenbraue hob.

„Wollen Sie sich mir nicht anschließen, Julie?“

„Haben Sie Angst, dass ich Ihnen etwas ins Essen getan haben könnte?“

Er lachte, auch wenn Rose von der kaum verhüllten Gereiztheit in Julies Stimme deutlich wenig angetan war.

„Kommen Sie, nehmen Sie auch etwas. Ich komme mir immer so komisch vor, wenn ich allein etwas probiere. Rose?“

Rose hob abwehrend die Hände. „Ich habe gerade erst zu Mittag gegessen.“

Er wandte seinen Blick wieder zu ihr zurück. „Sieht so aus, als blieben nur wir beide.“

Es war ganz eindeutig eine Herausforderung. Außerdem wusste Julie, dass sie nie mit derselben Ausrede durchkommen würde wie Rose.

Sie nahm eine Gabel in die Hand und fiel über das Essen her, das sie mit aller ihr nur möglichen Sorgfalt zubereitet hatte. Sie hatte schon immer so gegessen. Tante Evie fragte sie manchmal lachend, ob sie Angst hätte, dass ihr jemand in der nächsten Minute den Teller wegschnappen könnte.

Sie bemühte sich, sich auf den Geschmack der einzelnen Speisen zu konzentrieren, alles zu bemerken, was der Starkoch bemerken und kommentieren könnte. Waren die Jakobsmuscheln perfekt angebraten? War die Textur der Törtchen richtig? Gab es irgendeinen kleinen Fehler, der zum Problem werden könnte?

Sie seufzte fast vor Erleichterung, als sie die Ergebnisse all ihrer Bemühungen gekostet hatte. So weit sie es sagen konnte, war alles perfekt.

Versuch bitte mal, da einen Fehler zu finden, Andrew Kyle.

Rose war offensichtlich genauso darauf bedacht, das Ergebnis zu erfahren, wie sie selbst. „Was denken Sie?“, fragte sie Andrew.

Julie konnte nicht umhin zu bemerken, dass Roses Tonfall deutlich formeller wurde, wenn sie mit einem wichtigen Kunden sprach.

„Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?“

Andrew legte sorgfältig die Gabel nieder. „Es ist alles sehr gekonnt zubereitet“, sagte er. „Die Jakobsmuscheln sind gut gemacht, und der Fisch passt dazu. Der Salat ist frisch und knackig. Die Pflaumensauce für die Ente ist genau richtig, und ich mag die Üppigkeit der Törtchen.“

„Nun, das hört sich doch gut an“, sagte Rose. „Ich bin mir sicher, dass Julie am tatsächlichen Hochzeitstag alles in genau der gleichen Qualität herstellen kann.“

„Das denke ich auch“, sagte Andrew.

Aber irgendwie ließ das Kompliment Julie sich nicht so warm und wonnig fühlen, wie es das eigentlich hätte tun sollen. Vielleicht war es der Ton, in dem er es sagte.

Rose dagegen schien fest entschlossen, seinen nicht gerade begeisterten Tonfall zu ignorieren. Oder vielleicht hoffte sie auch nur, dass schon noch alles gut werden würde, wenn sie nur einfach weiter gerade voranpreschte. „Warum zeichnen Sie dann nicht das Menü ab, Mr. Kyle, und wir …“

„Tut mir leid, aber das kann ich nicht“, sagte er mit einem Kopfschütteln.

„Aber Sie sagten doch gerade …“

„Das Essen ist gut“, bestätigte er, „aber leider ist es zu langweilig.“

Langweilig.

Es war dasselbe Wort, das er auch in Bezug auf ihr Restaurant benutzt hatte.

Julies Hände krallten sich in die Tischdecke. „Langweilig?“, wiederholte sie.

Er nickte. „Wie ich schon sagte, es ist gut, nur … wenn ich offen sein darf: Es ist Hochzeitsessen.“

„Aber genau dafür ist das Essen doch auch gedacht“, fühlte Julie sich gezwungen anzumerken. „Eine Hochzeit.“

„Ja, aber es ist die Hochzeit meines Bruders, und es tut mir leid, aber dieses Menü funktioniert einfach nicht. Das ist alles genau so schon gemacht worden. Es ist absolut nichts Spannendes dabei. Keines der klassischen Gerichte hat eine neue Note bekommen, und es gibt auch nichts Innovatives. Dies ist mein Hochzeitsgeschenk für meinen Bruder und seine Verlobte. Es muss etwas Besonderes sein. Aber nichts an diesem Menü macht deutlich, dass ihre Hochzeit ein wirklich besonderer Anlass ist.“

Julie dachte, dass der Teil, wo eine Braut und ein Bräutigam vor ein paar Hundert Leuten „Ich will“ sagten, möglicherweise ein Hinweis auf die Besonderheit des Anlasses sein könnte, aber natürlich sagte sie das nicht laut. Außerdem war sie gerade viel zu sehr damit beschäftigt, sich an das erste Mal zu erinnern, als Andrew Kyle diese Bemerkung über ihr Essen gemacht hatte.

Sich daran zu erinnern, wie weh es getan hatte.

Genau so weh wie jetzt, wenn sie so drüber nachdachte.

„Was genau wollen Sie also?“, fragte sie. Sie gab sich große Mühe, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. Vollkommen emotionslos.

Trotzdem warf Rose ihr einen scharfen Blick zu, bevor sie die Gesprächsführung selbst in die Hand nahm. „In der Tat. Wenn Sie uns genau beschreiben könnten, was Sie wollen, können wir es vielleicht eher zur Verfügung stellen.“

Andrew lächelte sie an, hatte tatsächlich die Nerven, seine wundervollen Lippen freundlich in die Breite zu ziehen, als sei überhaupt nichts los. „Etwas Besonderes. Etwas anderes. Etwas mit einem Hauch Fantasie.“

Er richtete seinen Blick auf sie, und sie weigerte sich standhaft, ihr verdammtes Herz schneller schlagen zu lassen.

„Etwas, was Sie nicht im Schlaf kochen könnten, Julie.“ Ein weiteres Lächeln. „Diese Hochzeit ist eine große Sache für unsere Familie, und ich weiß, dass Sie sich etwas Besseres einfallen lassen können als das, was Sie uns heute serviert haben.“

Na, immerhin wusste es wenigstens einer von ihnen, dachte sie, während Rose noch versuchte, die Situation zu retten.

„Sind Sie sich sicher, dass wir nicht …“

Andrew hob eine Hand, um sie zu unterbrechen. „Es tut mir leid, aber ich muss ein komplett überarbeitetes Menü sehen, bevor ich irgendetwas absegnen kann.“

„Ich verstehe“, sagte Rose. Sie hörte sich nicht glücklich an.

Julie konnte ihr keinen Vorwurf machen, vor allem, weil sie selbst gerade darüber nachdachte, ob sie aus der Hintertür schlüpfen und ins Ausland verschwinden oder doch lieber Nadeln in ein Voodoo-Püppchen mit Andrew Kyles „perfekten“ Gesichtszügen spießen sollte. Vielleicht könnte sie noch ein paar neue Grübchen hinzufügen, wenn sie schon mal dabei war.

„Hören Sie“, sagte Andrew, „ich würde gerne noch einmal wiederkommen und mit Julie ein paar Ideen durchsprechen. Zusammen wird uns bestimmt etwas einfallen, was perfekt für die Hochzeit ist, da bin ich mir sicher.“

Er hatte gerade zum zweiten Mal in wenigen Monaten ihre Kochkunst durch den Dreck gezogen, und er glaubte wirklich, dass sie sich weiter mit ihm abgeben wollte?

„Was für eine wundervolle Idee“, sagte Rose, bevor Julie es rundweg ablehnen konnte, Andrew Kyle auch nur noch ein einziges Mal wiederzusehen. „Unser Ziel im Rose Chalet ist es, dafür zu sorgen, dass der Tag genau so abläuft, wie sich das Paar das wünscht. Julie wäre nur zu glücklich, sich mit Ihnen zusammenzusetzen, um über das Menü nachzudenken, nicht wahr, Julie?“

Da die Frage offensichtlich rhetorisch war, murmelte Julie etwas, das man als Ja interpretieren konnte.

Rose stand auf. „Andrew, wenn Sie noch ein paar Minuten haben, würde ich Sie gerne durchs Chalet führen, damit Sie ein Gefühl für die Örtlichkeiten bekommen. Mein Personal ist im Moment nicht vollzählig anwesend, aber wir könnten schon mal über ein paar Möglichkeiten sprechen.“

Julie war noch nie in ihrem Leben für etwas so dankbar gewesen, wie als Andrew zustimmte. Normalerweise hätte sie einem Mann wie ihm hinterhergeguckt, einfach weil man nicht nicht starren konnte. Aber heute war es nur, um sicherzustellen, dass er wirklich außer Sichtweite war, bevor sie mit einem Seufzer in ihrem Sitz zusammensank.

Worauf hatte sie sich da nur wieder eingelassen?

KAPITEL 3

Worauf hatte er sich da nur wieder eingelassen?

Die Antwort auf diese Frage war ziemlich offensichtlich, als Andrew Rose durch das Chalet folgte. Er hatte gerade zugestimmt, seinem Terminplan neben der Aufzeichnung einer anstrengenden Fernsehshow und dem Einsatz als Gastkoch in dem Fünf-Sterne-Restaurant eines Freundes zwei Abende die Woche auch noch die Oberaufsicht der Planung der Hochzeit seines Bruders hinzuzufügen.

Und alles nur, weil er es nicht ertrug, wenn Essen weniger als wirklich spektakulär war.

Seine Familie würde den Unterschied noch nicht einmal bemerken. Aber er würde es.

Andrew hatte Essen und Kochen schon immer geliebt, so sehr, dass er entschlossen den enormen Druck seiner Familie ignoriert hatte, wie sein Bruder Medizin zu studieren. Und das war auch der Grund, warum die eine Sache, bei der er nicht einfach danebenstehen und zuschauen konnte, ein Essen war, das ohne Hingabe zubereitet wurde.

„Dies“, sagte Rose, „ist unser Garten. Einige Paare geben sich gerne hier unter dem Rosenbogen das Jawort, aber ich glaube, Sie sagten, dass Ihr Bruder und seine Braut eine Zeremonie drinnen bevorzugen würden?“

Andrew nickte. Der Garten war wunderschön, aber er hatte sich mit Phil und Nancy unterhalten, bevor er zugestimmt hatte zu helfen. Sie hatten vielleicht nicht die Zeit, bei allen Vorbesprechungen selbst dabei zu sein, aber sie wussten dennoch genau, was sie wollten. Er dachte wieder einmal daran, wie selbstverständlich sie davon ausgegangen waren, dass er natürlich die Zeit hatte.

„Wir arrangieren einen Termin, an dem Sie Phoebe, unsere Floristin, treffen und mit ihr die entsprechenden Arrangements besprechen können. Unsere Designerin Anne arbeitet schon an einem Entwurf für das Kleid, ausgehend von den Ideen, die Nancy geschickt hat. Ihre zukünftige Schwägerin wird es doch zur letzten Anprobe schaffen?“

Andrew breitete die Hände aus. „Das ist definitiv ein Teil der Hochzeit, mit dem ich nichts zu tun habe.“

Sein Handy klingelte genau in dem Moment, in dem der Gärtner herankam und Rose bedeutete, einen Moment zu ihm zu kommen. Offensichtlich in der Annahme, dass er das Gespräch annehmen würde, entschuldigte sich Rose und trat einen Schritt beiseite. Er glaubte, von ihr eine Bemerkung in der Richtung zu hören, sie doch bitte nicht zu stören, wenn sie mit einem Kunden beschäftigt war, woraufhin der Gärtner nur grinste und meinte: „Keine Sorge, ich werde schon keinen Dreck auf Sie oder Ihre Kunden kommen lassen“, bevor er zu den Blumenbeeten an der Ecke des Gebäudes hinüberzeigte.

Andrew blickte auf das Display seines Handys und sah, dass es seine Assistentin Sandy war, die ihn vermutlich zu erreichen versuchte, um ihm irgendein Detail über die später anstehenden Dreharbeiten mitzuteilen.

Seine neue Show kam ohne die meisten üblichen Spielereien aus und konzentrierte sich ganz auf Andrew, der vor einem Studiopublikum kochte. Genau dieses einfache Konzept beunruhigte den Produzenten jetzt aber, weshalb er darauf bestand, Andrew wegen jeder Kleinigkeit zu konsultieren. Sein letztes Problem war das Arrangement der Salz- und Pfefferstreuer am Set gewesen, um sicherzugehen, dass sie im Scheinwerferlicht auch ja keine unschönen Schatten warfen.

Ausnahmsweise ließ Andrew den Anruf auf die Mailbox gehen. Sandy sah vielleicht nicht so aus—der Produzent hatte schon den Fehler gemacht, die Meinung zu äußern, dass Fünfundzwanzigjährige mit zu vielen Piercings unmöglich richtige Assistentinnen sein konnten—, sie war jedoch extrem fähig.

Aber er dachte gerade in diesem Moment an eine ganz andere Frau. Eine, die die Farbe ihres Haares nicht danach aussuchte, was an diesem Tag am meisten schocken würde … und eine, mit der er gerade vereinbart hatte, eng zusammenzuarbeiten.

Julie Delgado.

Er hatte sie sofort erkannt. Sie war auch nicht gerade leicht zu vergessen, und das lag nicht nur daran, dass sie so hübsch war. Als jemand, der beim Fernsehen arbeitete, war Andrew daran gewöhnt, attraktive Frauen um sich zu haben. Er hatte auch schon mehr als genug Beziehungen mit welchen hinter sich. Normalerweise dauerten sie so lange, bis ihm klar wurde, dass sie mehr an seinem Status als Berühmtheit als an ihm selbst interessiert waren, oder bis die Frauen beschlossen, dass es bessere Dinge im Leben gab als Essen. Meistens beides.

Aber Julie war anders. Er konnte nicht wirklich sagen, was genau es war, was sie an sich hatte, aber er wusste, dass es da war.

Es war sogar da gewesen, als er in ihr Restaurant gekommen war, um seine Kritik zu schreiben. Ein Blick in diese tiefbraunen Augen, als sie in den Speisesaal kam, um nachzusehen, ob sein Essen in Ordnung war, wäre beinahe—beinahe—genug gewesen, um ihn seine Kritik noch einmal überdenken zu lassen.

Doch am Ende hatte er mit persönlicher Integrität handeln müssen.

Was machte Julie hier?

Er hatte gehört, dass sie ihr Restaurant hatte schließen müssen, war aber davon ausgegangen, dass sie eine Stelle in einem der Spitzenrestaurants der Stadt annehmen würde. Das technische Können dazu hatte sie auf jeden Fall. Früher, als er noch eigene Restaurants gehabt hatte, wäre er mehr als glücklich gewesen, ihr einen Platz in seiner Küche anzubieten, wenn er gewusst hätte, dass sie frei gewesen wäre, und gedacht hätte, dass sie annehmen würde.

In deiner Küche? Oder in deinem Bett?

Die Wahrheit war, wie er sich ehrlicherweise eingestehen musste, dass Julie Delgado sein Interesse auf eine Weise erregte, wie andere Frauen es nicht taten.

Rose kam zurück und erzählte ihm mehr über die Details der Hochzeit, aber er hörte nur mit halbem Ohr zu. Er war zu sehr damit beschäftigt, über Julie Delgados wundervolle dunkle Augen nachzudenken, den sanften Schwung ihrer Lippen, die Art, wie sie selbst in Kleidung, die sie offensichtlich mehr in Hinblick auf die Arbeit in der Küche als mit dem Gedanken, jemanden zu beeindrucken, ausgewählt hatte, atemberaubend ausgesehen hatte.

Er war kaum fähig gewesen, den Blick von ihr zu wenden. Normalerweise hätte er sie sofort gefragt, ob sie mit ihm ausgehen wollte, aber die Dinge lagen hier komplizierter.

„Erzählen Sie mir von Julie“, sagte er und versuchte dabei, so neutral wie möglich zu klingen.

Ein beunruhigter Ausdruck huschte über Roses Gesicht. „Ich weiß, dass das Essen nicht ganz das war, was Sie erwartet hatten, aber ich glaube wirklich, dass sie, wenn Sie ihr noch eine Chance geben …“

„Ihre Fähigkeiten als Köchin sind ohne Frage ausgezeichnet“, antwortete er. „Ich weiß nur gerne mehr über die Leute, mit denen ich zusammenarbeite. Ist sie schon lange bei Ihnen?“

„Erst seit ein paar Tagen.“ Rose ging weiter, während sie sprach. „Ihre Tante Evie hat vorher das Essen für uns zubereitet, aber leider musste sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben zurückziehen.“ Sie machte eine Pause und sah für einen Moment traurig aus.

„Also ist das die erste Hochzeit, bei der Julie für das Essen zuständig ist?“

„Ja, aber ich versichere Ihnen, dass sie mit den besten Referenzen zu uns gekommen ist. Sie hatte früher ihr eigenes Restaurant. Delgado’s. Ich vermute, dass Sie davon gehört haben, da Sie ja aus derselben Branche kommen.“

Andrew merkte, dass es Rose nicht nur darum ging, die Hochzeit ohne Probleme über die Bühne zu bringen, sondern dass ihr die Menschen, mit denen sie zusammenarbeitete, wirklich am Herzen lagen. Wenn sie von seiner Kritik und davon, was mit Julies Restaurant passiert war, wusste, würde sie vielleicht versuchen, eine Zusammenarbeit zwischen ihnen zu verhindern. Aber Andrew war zu sehr daran gewöhnt, das zu bekommen, was er wollte, um das zu erlauben.

Er und Julie würden bei der Planung der Hochzeit seines Bruders zusammenarbeiten, und wenn er sich nicht sehr täuschte, würden sie dabei auch dem Funken, der so spürbar zwischen ihnen übergesprungen war, eine Chance geben.

Zumindest würde er dem Problem von Julies Kochen auf den Grund gehen. Sie hatte das technische Können. Sie hatte offensichtlich den feinen Gaumen, um verschiedene Aromen richtig auszubalancieren. Sie hatte ein Händchen für die Präsentation und die Fähigkeit, mehrere Gerichte gleichzeitig zuzubereiten—also all die individuellen Zutaten, die einen wirklich herausragenden Koch ausmachten.

Aber er wusste so gut wie jeder andere, dass die Zutaten allein nicht reichten. Es ging darum, was man daraus machte.

Sein Handy klingelte wieder, und diesmal entschuldigte er sich und nahm den Anruf an.

„Gehen Sie jetzt gar nicht mehr an Ihr Handy?“, meinte seine Assistentin.

„Brauchen die Beleuchter meine Erlaubnis, die Filter auf den Hauptscheinwerfern noch einmal zu ändern?“, erwiderte er. „Komm schon, Sandy, das kannst du allein regeln.“

„Natürlich kann ich das, das wäre kein Problem. Aber wir brauchen Sie wirklich hier im Studio.“

„Du weißt, dass ich mich um die Vorbereitungen für die Hochzeit meines Bruders kümmern muss. Das ist mein Hochzeitsgeschenk für ihn.“

„Und ich finde immer noch, dass Sie komplett verrückt sind, dem zugestimmt zu haben. Sie hätten einfach eine Vase kaufen und ihm sagen können, dass er sich um seine Hochzeit gefälligst selbst kümmern soll. Oder ich könnte es ihm von Ihnen ausrichten. Denn ehrlich gesagt haben Sie im Augenblick schon genug zu tun, ohne noch irgendwelche neuen Projekte anzufangen.“

Die Art, wie seine Assistentin sich zu seiner Beschützerin aufspielte, entlockte Andrew ein kleines Lächeln. „Du weißt, dass ich dich jederzeit entlassen kann, oder?“

„Hurra. Dann kann sich endlich jemand anderes um die endlosen Gespräche mit unserem Produzenten kümmern, warum das tiefgefrorene Essen, das er bestellt hat, nicht gut genug ist.“

Da hatte sie recht. Aber irgendwo musste er eine Grenze ziehen. „Hör zu, ich muss erst heute Nachmittag am Set sein, also …“

„Das versuche ich Ihnen ja gerade klarzumachen“, schoss seine Assistentin zurück. „Die Idioten haben den Drehplan geändert. Sie behaupten, sie hätten eine E-Mail dazu geschickt, aber ich habe die nie bekommen. Wie auch immer, Sie hätten schon vor zwanzig Minuten am Set sein sollen.“

Normalerweise hätte er dem Studio nicht erlaubt, ihn so herumzukommandieren, aber wenn er wollte, dass diese neue Show von Anfang an richtig lief, musste er wohl seinen Besuch im Rose Chalet abbrechen.

„Tut mir sehr leid, aber ich muss los“, sagte er zu Rose, als er auflegte.

„Sie haben aber schon vor, wiederzukommen, oder?“, fragte Rose. „Um das Menü noch einmal durchzusprechen und über die Blumen zu reden? Es müssen noch so viele Dinge entschieden werden.“

Andrew dachte noch einmal an Julie Delgado. Kochen war so persönlich, so ehrlich. Der Druck der Küche war unbarmherzig, aber es hatte auch etwas Magisches an sich.

Um alles über einen Menschen zu erfahren war nichts besser geeignet als Essen … und es gab auch nichts Besseres, als für jemanden zu kochen—und bekocht zu werden—, um jemandem näher zu kommen.

„Oh, ja“, sagte er als Antwort auf Roses Frage. „Ich habe auf jeden Fall vor wiederzukommen.“

KAPITEL 4

Julie räumte den Speisesaal auf, trug vorsichtig die Teller hinaus und stellte sie in den Geschirrspüler, jede Bewegung genau kontrolliert. Sie würde zu allem anderen nicht auch noch einen Teller zerbrechen.

Und sie würde ganz bestimmt keinen einzigen weiteren Gedanken an Andrew Kyle verschwenden.

Zugegebenermaßen war das leichter gesagt als getan. Da waren zunächst einmal diese Grübchen. Und nicht zu vergessen, wie er einfach hier hereinspaziert war und ihre höchste Kochkunst beiseite gewischt hatte, als wäre sie gar nichts, auf genau dieselbe Art, wie er auch ihr Restaurant mit wenigen Sätzen abgetan hatte. Sie hatte auch da ihre höchste Kochkunst präsentiert, und er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, nach einem besseren Wort als langweilig für sie zu suchen.

Wer glaubte er eigentlich, wer er war?

Ein erfolgreicher Starkoch, natürlich, aber davon mal abgesehen. Wie kam er dazu, ihr genau ausgeklügeltes Menü vor Rose auseinanderzunehmen, sodass sie nun doppelt so hart arbeiten musste, ihre momentane Chefin davon zu überzeugen, dass sie die richtige Wahl war, sich dauerhaft um das Essen für das Rose Chalet zu kümmern?

Das Einzige, was Julie sich vorstellen konnte, war, dass er seine Macht genoss. Er konnte Karrieren machen oder beenden. Was musste das für ein Ego-Trip sein? Sie konnte nicht fassen, wie nonchalant er vorgeschlagen hatte, dass er kommen und ihr „helfen“ könnte. Mit anderen Worten: sie mit Argusaugen beobachten und alles, was sie tat, kritisieren.

Unglücklicherweise kannte sie diesen Typ Mann nur zu gut. Kerle, die unglaublich von sich selbst überzeugt waren, unerschütterlich in dem Glauben, dass sie nur mit den Fingern schnippen müssten, und die Frauen würden gerannt kommen. Es war einer der Hauptgründe, warum sie es aufgegeben hatte, überhaupt noch auszugehen.

Nachdem sie ein paarmal tief Luft geholt hatte, musste sie allerdings zugeben, dass das eigentlich nicht der Eindruck gewesen war, den sie von Andrew bekommen hatte, als er ihr Menü durchsprach.

Tatsächlich hatte er sogar ziemlich nett gewirkt. Wie jemand, der Essen ernst nahm, aber nicht fies war. Oder ein Machoarsch.

Na ja, manche Leute waren eben nicht so, wie sie auf den ersten Blick schienen. Diese Lektion hatte sie schon mehr als einmal lernen müssen. Sie würde ganz sicher nicht den Fehler machen, einem Mann zu trauen, der schon einmal eine Hauptrolle dabei gespielt hatte, ihr Leben zu ruinieren.

„Hi, Julie.“

Sie wirbelte herum und sah Phoebe. Die Floristin des Rose Chalets sah in ihrem dunklen Kleid und Pumps wie immer sehr elegant aus. Ihr Haar war auf eine Art perfekt, die Julie nach ein paar Stunden in der heißen Küche unwillkürlich verlegen daran denken ließ, wie wild ihr eigenes aussehen musste.

„Was machst du denn hier?“

Sie hatte Phoebe nicht anfauchen wollen, aber die andere Frau lächelte nur und fragte: „Harter Tag?“

„Tut mir leid“, sagte sie. „Es ist nur dieser Typ …“

Sie schloss abrupt den Mund, weil ihr klar war, dass Rose sie sofort aus dem Chalet werfen würde, wenn sie hereinkam und sie schlecht über den Bruder des Bräutigams reden hörte.

Phoebe nahm das Leben deutlich entspannter als Rose, aber sie waren hier immer noch auf der Arbeit, und es gab Dinge, von denen Julie einfach nicht wollte, dass man sie ihr nachsagte. Aber es schien, als hätte sie schon genug gesagt, denn Phoebe legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm.

„Du solltest nicht zulassen, dass irgendein Typ dich so auf die Palme bringt“, sagte sie. „Kein Mann ist das wert.“

Julie gestand sich ein, dass Andrews Herabsetzung ihres Essens nicht so sehr geschmerzt hätte, wenn er irgendjemand anderes gewesen wäre, nicht einer der besten Köche der Stadt, und wenn sie in seinen Restaurants nicht ein paar der besten Essen zu sich genommen hätte, die sie sich in den letzten fünf Jahren gegönnt hatte.

Für was für eine Versagerin er sie halten musste! Nicht nur wegen ihres pleitegegangenen Restaurants, sondern weil sie es zugelassen hatte, dass er rücksichtslos über ihr Können als Köchin hinweggetrampelt war, nicht nur ein-, sondern gleich zweimal!

Ich bin keine Versagerin, dachte sie, während sie die Metallpfanne in die Spüle pfefferte, was ein befriedigend lautes Geräusch produzierte. Aber das weiß er natürlich nicht.

Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, warum es ihr in Wirklichkeit so schlecht ging, seit er weg war. Nicht, weil sie dachte, dass sie es nicht schaffen würde, ein großartiges Essen für die Hochzeit seines Bruders zu produzieren … sondern weil sie ihre Kochkünste nicht verteidigt hatte. In keiner Art, Form oder Weise.

Es war eine Sache, eine Versagerin mit einem pleitegegangenen Restaurant zu sein.

Es war eine ganz andere, auch noch als Feigling dazustehen.

Phoebe sah sie leicht beunruhigt an. „Julie?“

„Wenn Rose fragt, wo ich bin, kannst du ihr bitte sagen, dass ich etwas sehr Wichtiges erledigen musste?“

„Natürlich“, antwortete Phoebe. „Aber bist du sicher, dass wirklich alles in Ordnung ist?“

Julie gab ihr die einzige Antwort, an die zu glauben sie sich gestatten konnte. „Das wird es bald sein.“

Sie riss sich die Schürze herunter und eilte gerade noch rechtzeitig zum Parkplatz des Rose Chalets, um Andrew in ein silbernes Porsche Cabrio steigen und losfahren zu sehen. Sie sprang in das Auto ihrer Tante und folgte ihm.

Auf offener Strecke wäre es ihr nie möglich gewesen, mit ihm mitzuhalten. Schließlich war sein Auto ein schneller, wendiger Sportwagen, während der alte Volvo ihrer Tante eher dazu gedacht war, im Kofferraum einem Maximum an Einkäufen Platz zu bieten. Andrew wechselte auf den breiteren Abschnitten der Straße mühelos die Spur, schlängelte sich geschickt durch den dichten Verkehr, schoss gerade noch durch dunkelorange Ampeln und nahm die Kurven so, dass man ihn vermutlich verhaftet hätte, wenn irgendwo in der Nähe ein Streifenwagen gewesen wäre. Sie musste ihre volle Konzentration aufwenden, damit sie bei ihrer Verfolgungsjagd nicht noch in einen Unfall verwickelt wurde.

Um nicht als schlechtere Fahrerin dazustehen, als er sehr sportlich abbog, presste sie entschlossen die Hand auf die Hupe und schoss durch einige Lücken im Verkehr, durch die kaum ein durchschnittliches Fahrrad gepasst hätte. Die Fahrer um sie herum machten glücklicherweise Platz, sonst hätte sie es wohl kaum geschafft.

Sie konnte sein Auto jetzt zwar gerade noch sehen, aber es war schon ziemlich weit weg. Als der Porsche um eine weitere Ecke bog, nahm sie einfach die nächste Straße rechts und hoffte, dadurch irgendwo vor ihm herauszukommen. Schlimmer konnte es die Situation wohl kaum machen.

Oder vielleicht doch.

Sie trat voll auf die Bremse, genau wie die Fahrer der Autos, die ihr entgegenkamen, bevor sie unter einem anschwellenden Hupkonzert hastig den Rückwärtsgang einlegte. Sie rutschte tiefer hinter ihr Lenkrad und versuchte, sich so klein wie möglich zu machen.

Wer hatte denn bitte ausgerechnet hier eine Einbahnstraße eingerichtet?

Aber das war im Augenblick nicht das Wichtigste. Auch nicht, hier irgendwie herauszukommen, bevor alles noch schlimmer wurde, oder kurz zu hoffen, dass sich der Boden unter ihr auftun und sie verschlingen möge.

Das einzig Wichtige war, dass sie Andrews Auto nicht mehr sehen konnte.

Er war weg.

An jedem anderen Tag hätte sie aufgegeben. Aber wie ihr schlagartig bewusst wurde, gab es einen Punkt, an dem man die monumentale Dummheit, die man gerade beging, einfach durchziehen musste, und sei es nur, weil es ohne irgendeine Art von Ergebnis am Ende bedeuten würde, dass die monumentale Dummheit tatsächlich völlig sinnlos gewesen war.

Das war vielleicht gut genug für jede Menge Reality-Shows, aber nicht gut genug für sie.

Sie fuhr, jetzt deutlich langsamer, weiter in die Richtung, in der sie Andrew hatte verschwinden sehen, und hoffte, den Porsche vielleicht irgendwo zu entdecken. Fünf Minuten später sah sie endlich, wonach sie Ausschau hielt. Das schnittige Auto parkte vor einem großen Gebäude, das aussah, als hätte jemand willkürlich einen Haufen Beton auf den Boden gegossen und ein großes Schild mit der Aufschrift Cuisine Channel Studios davorgestellt.

Sie fuhr auf den Parkplatz und stieg aus dem Auto, auch wenn sie praktisch fühlen konnte, wie ihre Nerven heftig zu vibrieren begannen. Was genau sollte sie sagen, wenn sie da hineinging? Wenn sie sich das nur schon während der Fahrt hätte überlegen können und nicht all ihre Aufmerksamkeit damit beschäftigt gewesen wäre, es überhaupt heil hierher zu schaffen.

Ein Wachmann kam auf sie zu und fragte: „Kann ich Ihnen helfen, Ma’am?“

Sie beschloss, es einfach mit der Wahrheit zu versuchen. „Ich bin hier, um Andrew Kyle zu treffen.“

„Noch jemand, der die Nachricht vom vorverlegten Drehtermin nicht bekommen hat, hm?“ Der Wachmann zeigte zum Gebäude hinüber. „Ich habe ihn gerade vor ein, zwei Minuten reingehen sehen. Das Studio ist im ersten Stock.“

Julie versuchte gar nicht erst zu entschlüsseln, was er mit der nicht bekommenen Nachricht gemeint hatte, sondern ging einfach hinein. Niemand versuchte, sie aufzuhalten, vielleicht weil jeder, dem sie begegnete, unglaublich beschäftigt schien. Zwei Männer diskutierten über einer Angst einflößend verworrenen Anzahl von Kabeln. Andere rannten mit Kaffeetassen und Papierstapeln in den Händen herum. Jeder sah unglaublich gestresst aus.

An einem Tag wie heute hatte sie das Gefühl, hier perfekt hineinzupassen.

Sie fragte sich kurz, ob Andrew Kyle tatsächlich der Mittelpunkt von allem hier war. Wenn dem so wäre, würde das schon mal ziemlich weitgehend erklären, warum er dachte, dass er sich wie ein arroganter, sturköpfiger Vollidiot benehmen konnte.

Wenn so viele Leute nur seinetwegen so herumrannten, glaubte er vermutlich, er könnte immer einfach genau das tun, was er gerade wollte.

Sie würde es auf jeden Fall genießen, ihn darauf hinzuweisen, dass dem nicht so war … vorausgesetzt, dass sie ihn überhaupt fand.

Der Eingang zu dem Studio im ersten Stock wurde von einem Schrank von Mann bewacht, der sie erst einmal einige Minuten warten ließ, bevor er den Weg frei gab. Das Chaos draußen war schon heftig genug gewesen, aber hier drinnen war es noch schlimmer. Inmitten eines kleinen Kreises aus Kameras, Kabeln und Scheinwerfern befand sich eine Bühne mit einer Küche. Gegenüber der Küche saßen die Zuschauer. Jeder Sitz war gefüllt. Im Moment filmte niemand, möglicherweise weil mehrere Mitarbeiter zu sehr damit beschäftigt schienen, sich zu streiten.

In der Mitte des Ganzen stand Andrew, genau wo sie ihn vermutet hatte. Er lehnte an einem der Küchenelemente, offensichtlich tief in Gedanken versunken.

Sie wollte zu ihm gehen, doch eine junge Frau mit feuerwehrautorotem Haar und etlichen Piercings, ein Klemmbrett in der Hand, trat ihr in den Weg.

„Tut mir leid“, sagte die Frau in dem Tonfall einer Person, deren Geduld an diesem Tag schon von jedem in diesem Raum bis zum Äußersten strapaziert worden war, „wir erlauben keine Zuschauer auf dem Set. Wenn Sie bitte zu Ihrem Platz zurückgehen würden, es gibt nach der Aufnahme die Möglichkeit für ein kurzes Treffen mit Andrew.“

„Ich bin keine Zuschauerin. Ich bin Julie Delgado und ich soll mit Andrew kochen, nur …“

„Bitte was? Sie kochen mit ihm?“ Die junge Frau sah verwirrt aus, während sie den Papierstapel auf ihrem Klemmbrett durchblätterte und dann einem Haufen streitender Leute einen wütenden Blick zuwarf, der klar machte, dass sie vermutlich dankbar sein sollten, dass sie gerade keine wie auch immer geartete Waffe zur Hand hatte. „Ich kann nicht fassen, dass der Produzent zu einem so späten Zeitpunkt noch etwas Neues einbauen will. Ich habe ihm gesagt, wir lassen uns nicht noch mehr solchen Mist gefallen.“

„Nein“, versuchte Julie zu erklären, „das war alles Andrews Idee. Ich …“

„Andrew hat ein neues Segment eingeführt? Ohne es mir zu sagen? Warten Sie bitte hier, ich muss mal kurz mit ihm reden.“

Julie war mehr als ein bisschen überrascht, als Andrew sie eine Minute später anlächelte und herüberwinkte. Als sie zu ihm hinüberging, erinnerte sie sich daran, im Angesicht seiner Grübchen festzubleiben—egal, wie glücklich er aussah, sie zu sehen. Warum um alles in der Welt sollte er auch glücklich sein, sie zu sehen?

Sie bereitete sich innerlich darauf vor, ihm ganz deutlich zu sagen, dass ihr ihre Arbeit im Rose Chalet zwar sehr wichtig war, er aber nicht einfach über sie hinwegtrampeln konnte. Doch ehe sie noch ein Wort herausbringen konnte, brüllte eine Stimme außerhalb des Kreises der gleißend hellen Lichter: „Okay, Leute, wir können drehen!“

KAPITEL 5

Bevor Julie noch einwenden konnte, dass sie vermutlich nicht auf der Bühne sein sollte, war Andrew schon mittendrin und sprach mit einer Leichtigkeit in die Kamera, die nur jemand haben konnte, der tagtäglich Fernsehen machte.

„Hallo und willkommen bei Edgy Eats—Essen ohne Grenzen. Ich bin Andrew Kyle, und heute ist Julie Delgado, Köchin hier aus San Francisco, bei mir, um mir bei meiner Version einer klassischen Quiche zu helfen.“

Würde sie? Seit wann?

Sie wusste, dass sie schon lange hätte Einspruch erheben sollen, aber als sie sich vorsichtig umsah und bemerkte, dass sie in dem weiten Kreis der Scheinwerfer gefangen war, erstarb der Protest auf ihren plötzlich trockenen Lippen.

„Klassische Rezepte sind gut dazu geeignet, sie zu Hause nachzukochen, aber ich habe schon immer geglaubt, dass es wichtig ist, mehr zu tun, als nur das Altbewährte zu wiederholen. Man sollte mit dem Essen experimentieren und es zu etwas ganz Eigenem machen. Stimmen Sie mir da nicht zu, Julie?“

Hatte er das gefragt, um sie aufs Glatteis zu führen?

Sie beschloss, sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen zu lassen, und entgegnete: „Ich war eigentlich immer der Meinung, dass Klassiker aus einem bestimmten Grund Klassiker sind.“

Andrew lachte und drehte sich leicht, um zum Studiopublikum zu sprechen. „Ich sehe schon, dass ich alle Hände voll zu tun haben werde, Julie von meiner Denkart zu überzeugen.“ Er warf ihr einen Blick zu, der deutlich erkennen ließ, dass er sie mochte, bevor er sich wieder dem Publikum zuwandte. „Was meinen Sie? Sollen wir ein Kochduell veranstalten?“

Julie biss die Zähne aufeinander, als seine Herausforderung den unvermeidbaren Zustimmungssturm des Publikums hervorrief, das darauf getrimmt war, mit absoluter Begeisterung auf alles zu reagieren, was er sagte. Sie war hergekommen, um die Sache zwischen ihnen zu klären und für sich selbst einzustehen, wo sie schon mal dabei war, nicht, um in einen Kampf der Köche mit ihm verwickelt zu werden. Dass er sie so in seine Show hineinzog, war nicht fair, und es war außerdem typisch für einen Mann wie ihn, dass er es tat, ohne sie vorher auch nur zu fragen.

Sie war versucht, von der Bühne zu steigen und ihn einfach stehen zu lassen, und sei es nur, um zu sehen, was sein tolles Publikum dann tun würde.

Aber sie wusste schon, was in dem Fall passieren würde. Das Publikum würde ihr die Schuld geben. Sie wäre die „Spielverderberin“ und würde als „schwierige Person“ gebrandmarkt werden, mit der der arme Andrew sich herumschlagen musste. Seine Sendung würde währenddessen vermutlich auch ohne sie gut laufen, also würde es absolut nichts bringen.

Außer dass er noch weniger von ihr halten würde, weil sie sich seiner Herausforderung nicht gestellt hatte.

Nein, sie würde ihn nicht so einfach gewinnen lassen. Stattdessen zwang sie sich zu einem breiten TV-Lächeln.

„Natürlich“, antwortete sie. „Ich bin dabei.“

Andrew sah extrem zufrieden aus, dass sie mitmachen würde. Nun, es würde sich zeigen, wie zufrieden er nachher noch sein würde.

„Wir backen jeder eine Quiche nach unserem eigenen Rezept. Die Zuschauer werden dabei einen guten Eindruck davon bekommen, was der Unterschied zwischen einem traditionellen Rezept und einer moderneren Interpretation ist.“

Ohne darauf zu warten, dass er ihr bedeutete anzufangen, griff Julie nach den Zutaten.

Quiche. Ein Kinderspiel. Eier, ein Teigmantel, Käse, Crème fraîche, Sahne und einige einfache Zutaten wie Schinkenspeck und Gemüse als Füllung. Es war alles ganz einfach. Viel zu einfach, als dass Andrew Kyle es jemals so machen würde, was vermutlich erklärte, warum es so viele zusätzliche Zutaten auf dem Küchentresen gab. Sie sah eine große Auswahl an Kräutern und Gewürzen und einige ungewöhnliche Früchte und Gemüse.

Sie konzentrierte sich auf das Rezept, das sie kannte. Keine Ablenkungen, genau so musste man es machen.

Julie hätte vermutlich wissen sollen, dass Andrew es ihr nicht so einfach machen würde.

„Also, Julie“, sagte er, gerade als sie versuchte, sich zu erinnern, wie viel Muskatnuss sie gerne zum Würzen benutzte, „auf welcher Herangehensweise beruht Ihr Vorgehen heute?“

„Ich werde es korrekt machen“, sagte sie. „Klassische, lang erprobte Rezepte sind vielleicht gerade nicht sehr angesagt, aber manchmal sind sie die beste Art, eine Sache zu machen.“

„Es geht nicht darum, was angesagt ist“, entgegnete Andrew, während er eine Handvoll Sellerie nahm und mit einigen Kartoffeln zerstampfte. „Es geht darum, dass sich die Welt des Kochens vorwärts bewegt. Wir können entweder in der Vergangenheit stehen bleiben oder Neues ausprobieren.“

„Ich kann nur wiederholen“, erwiderte sie in ihrer ruhigsten Stimme, „der Grund, warum klassische Rezepte Klassiker sind, ist, dass Leute gutes Essen erkennen, wenn sie es essen, und diese Rezepte mit anderen teilen, die der gleichen Meinung sind.“

Andrew lächelte erst sie und dann das Publikum an. „Leute mit Essen glücklich zu machen bedeutet nicht, dass man sich jegliches Experiment verwehren sollte, oder, Julie?“

Sie beschloss, diese viel zu direkte Frage zu ignorieren und sich lieber darauf zu konzentrieren, die Konsistenz ihres Teiges genau richtig hinzubekommen. Mit etwas Glück würde Andrew sich wiederum darauf konzentrieren müssen, dem Publikum zu erklären, wie er seine Zutaten verwendete und sie für einige Zeit vergessen.

Leider schien er jedoch noch lange nicht mit ihr fertig zu sein.

„Ich weiß, Sie hatten Ihr eigenes Restaurant, Julie. Was ist für Sie das Wichtigste, wenn es um die Zubereitung hochklassigen Essens geht?“

Wow. Er hatte es endlich gesagt. Er erinnerte sich an sie.

Was bedeutete, dass sie mit ihren Vermutungen recht gehabt hatte: Das hier war wirklich alles nur ein krankes, verdrehtes Spiel für ihn.