Die Katakaustik im Töpfchen - Ipke Wachsmuth - E-Book

Die Katakaustik im Töpfchen E-Book

Ipke Wachsmuth

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Beschreibung

Ein Wissenschaftler erzählt aus seiner Kindheit und Jugend und erinnert sich an seine ersten überraschenden Entdeckungen. Mit Geschichten von Lichtstrahlen und Schallwellen, elektrischem Strom und chemischen Reaktionen bis hin zu Raketendüsen soll das Buch Freude am Beobachten, Ausprobieren und Nachdenken wecken. Für wissbegierige Kinder, die schon lesen können, und Große, die sich für Wissenschaft interessieren.

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Ipke Wachsmuth ist 1950 geboren und hat sich schon in der Schule für Naturwissenschaft und Technik begeistert. Er hat Mathematik und Informatik studiert, später an verschiedenen Universitäten geforscht und bei einer Computerfirma gearbeitet. Danach war er 25 Jahre lang Professor an der Universität Bielefeld. Er ist Vater von drei Kindern und mehrfacher Großvater.

INHALT

Augen auf und Ohren gespitzt!

Die Katakaustik im Töpfchen

Ein merkwürdiger Effekt

Kaffeesatz im Klo

Durch den Zaun schauen

Strom und elektrisch

Klaus und ich bauen ein Telefon

Bonbons und Brausepulver

Mein Bruder baut eine Rakete

Wie ich Wissenschaftler wurde

Sonne, Mond und Regenbogen

Nachwort: Wer bin ich?

Danke!

Für meine Kinder und Enkelkinder

1. AUGEN AUF UND OHREN GESPITZT!

„Heran, heran, wer lesen kann.“ So hieß mein erstes Buch zum Selberlesen. Meine Tante hatte es mir zum sechsten Geburtstag geschenkt. Und ich las eine Geschichte nach der anderen, und bald ein Buch nach dem anderen. „Du bist eine Leseratte“, sagte meine Tante, und: „Lesen macht schlau.“

In meinem späteren Leben bin ich Wissenschaftler geworden, und darum geht es in dem Buch, das du jetzt vor dir hast.

Was Wissenschaft ist, kann man nicht mal eben erklären. Das wäre zu kompliziert, denn es gibt viele verschiedene Wissenschaften – für alles, was uns Menschen interessiert. Stattdessen erzähle ich dir Geschichten aus meiner Kindheit und Jugend – von meinen ersten Entdeckungen, die meine Neugier auf die Wissenschaft geweckt haben.

Als ich klein war und noch gar nicht richtig sprechen konnte, sagte meine Mutter immer „horch!“, wenn ein Geräusch oder ein Ton zu hören war, um mich darauf aufmerksam zu machen. Zum Beispiel, wenn in der Ferne die Kirchenglocken läuteten: „Horch! Die Glocken läuten.“

Dann soll ich die Ohren gespitzt und geantwortet haben: „Licken locken.“ (Wie gesagt, ich konnte noch nicht richtig sprechen.)

Als ich größer war, bin ich einmal auf unseren Dachboden geschlichen. Das Sonnenlicht fiel durch die Dachluke herein und ich war sehr überrascht, als ich entdeckte, dass im Licht viele winzige Teilchen tanzten. Was ist das?

Aufgeregt erzählte ich es meinen Eltern. „Das ist der Staub“, sagten sie, „der ist in der Luft.“ Und ich: „Aber die Luft atmen wir doch, atmen wir den Staub dann mit ein? Kann man den nicht wegmachen?“ – „In der Wohnung nehmen wir dazu den Staubsauger, aber etwas Staub ist immer da und es macht nichts, wenn wir den einatmen.“ – „Aber warum tanzt der Staub in der Luft?“ – „Die Luft ist immer in Bewegung, auch wenn man das mit bloßem Auge nicht sieht.“ Das leuchtete mir ein, denn wenn ein Kuchen im Ofen war, begann es bald in der ganzen Wohnung gut zu riechen.

Aber warum ist eigentlich die Luft immer in Bewegung? Und was ist Staub überhaupt? Oder wie entstehen Töne, und warum hört man sie? Ich war immer so neugierig, was es zu entdecken gibt, und wollte wissen, was dahinter steckt.

In der Wissenschaft nennt man das forschen. Man forscht, um etwas zu entdecken und zu verstehen, woran es liegt. Und dafür ist ganz wichtig, dass man lernt, etwas aufmerksam zu beobachten. Als ich schon viele Jahre in der Forschung tätig war, habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben und ihr dafür gedankt, dass sie mir aufmerksames Beobachten schon früh beigebracht hat.

In der Schule interessierten mich die Naturwissenschaften: Physik, Chemie und Biologie. In der Physik geht es um die Beobachtungen in der Natur und wie man sie erklären kann. Zum Beispiel, wie entsteht ein Regenbogen, oder wie bewegen sich die Sterne? In der Chemie forscht man über Stoffe wie Eisen oder Zucker und wie sie sich (beispielsweise durch Erhitzen) in neue Stoffe umwandeln. Die Biologie befasst sich mit den Lebewesen, egal wie groß oder klein sie sind. Ich war überrascht, als ich durch ein Mikroskop einmal sah, wie es in einem Wassertropfen von Leben nur so wimmelt.

Neben der Schule interessierte ich mich für Technik: Wie man nützliche Dinge macht, und wie sie funktionieren. Zum Beispiel Lautsprecher, Fernseher – oder das Telefon, durch das wir mit der ganzen Welt verbunden sind. Wie man erfrischende Limonade herstellen kann. Oder wie die Toilettenspülung funktioniert, oder der Computer oder eine Rakete.

Wie wichtig für das alles die Mathematik ist, habe ich erst später erkannt. Jedes Schulkind lernt Mathematik, aber in der Schule war das nicht gerade mein Lieblingsfach. Erst als ich später studierte, zunächst Physik und dann Mathematik, wurde mir klar: Ohne Mathematik hätte man beispielsweise keine Autobahnbrücken bauen können, oder Computer konstruieren oder zum Mond fliegen.

Jetzt habe ich dieses Buch geschrieben. Ich hoffe, dass es dich neugierig auf die Wissenschaft macht und Freude am Beobachten, Ausprobieren und Nachdenken weckt. Und dass es auch Große, die sich für Wissenschaft interessieren, gerne lesen.

Halt – vorher noch zwei Dinge: Nicht immer kann ich alle Einzelheiten erklären, sonst verdirbt es am Ende den Lesespaß. Wenn du etwas nicht verstehst, lass deine Fantasie spielen oder frage jemanden. Oder lies im Lexikon oder im Internet nach. Lesen macht schlau, auch wenn man nicht gleich alles versteht. Es macht Freude, wenn man es selbst herausfindet.

Das Zweite: In meinem Buch sind sicher Wörter, die du noch nicht kennst. Lass dich davon nicht abschrecken. Das sind vermutlich Fachwörter, also Wörter, die in einem bestimmten Fach verwendet werden. Physik, Chemie oder Mathematik sind solche Fächer. Diese Wörter braucht man, um wichtigen Dingen einen eigenen Namen zu geben. Zum Beispiel: Schallwelle, Luftwiderstand, Stromkreis oder Weinsäure.

Oder gar so ein spezielles Wort wie Katakaustik. Damit geht es gleich im nächsten Kapitel los. Bist du wissbegierig? Dann lies weiter!

2. DIE KATAKAUSTIK IM TÖPFCHEN

Katakaustik ist ein merkwürdiges Wort, das kaum jemand kennt. Ich früher auch nicht – kein Kinderwort jedenfalls. Aber irgendwie ein tolles Wort, das auch schon kleine Kinder nachsprechen können. Kinder haben einen riesen Spaß damit, Wörter nachzusprechen. Probiert es einmal miteinander aus: „Katakaustik!“ – „Pink Floyd!“ – „Kartoffel-panesisch-pommfrittös!“ ... oder was euch noch so einfällt.

Doch nun zu meiner Geschichte. Wenn man klein ist und mal muss, wird man aufs Töpfchen gesetzt. Wir hatten damals zu Hause zwei verschiedene: ein größeres aus Porzellan mit blauen Mustern, und ein kleineres aus Metall mit glänzend weißer Emaille (das spricht man „Emallje“) und einem glatten Boden. Das fand ich viel besser, denn man konnte herrlich damit auf dem Teppich herumrutschen. Mit dem anderen ging das nicht so gut (und mit den heutigen Töpfchen aus Plastik schon gar nicht – schade eigentlich).