Die Krandelkicker - Dierk Rohdenburg - E-Book

Die Krandelkicker E-Book

Dierk Rohdenburg

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Beschreibung

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird in wenigen Monaten ein Länderspiel in Bremen absolvieren. Als Ole und die 3.-E-Jugend des VfL Wittekind erfahren, dass ein Kinder-Team mit den Nationalkickern ins Stadion einlaufen darf, sind alle Spieler Feuer und Flamme und wollen dabei sein. Leider wünschen sich das nicht nur die Wildeshauser Kicker. Eine Bewerbungsflut vieler Vereine bricht über den Fußball-Verband herein, sodass beschlossen wird, die Mannschaft, die ins Stadion einlaufen darf, in einem Turnier zu ermitteln. Trainer Michael ahnt, dass sein Team im sportlichen Wettstreit keine Chance haben wird. Aber da gibt es ja noch die originelle Video-Bewerbung seiner Mannschaft mit einem Schwein und frechen Sprüchen, die bestimmt ein Volltreffer wird ...

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dierk Rohdenburg

Die Krandelkicker

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Training im Matsch

2. Das Nationalteam kommt

3. Auftritt in der Backstube

4. Ein ungewöhnliches Training

5. Warten auf Antwort

6. Training in der Lagerhalle

7. Riskante Schlittenfahrt

8. Der erste Sieg

9. Das schwerste Spiel des Turniers

10. Beim Länderspiel

Impressum neobooks

1. Training im Matsch

So ein Schietwetter! Es regnet in Strömen. Der Rasen ist völlig aufgeweicht und glitschig. Mein nasses Trikot klebt wie ein schwerer Sack am Körper, und die Regentropfen rinnen von meinen Haaren übers Gesicht und den Hals hinunter. In meinen Schuhen hat sich bereits ein kleiner See gebildet, in dem meine Zehen ihren Freischwimmer machen könnten. Wenn das hier so weitergeht, liege ich spätestens übermorgen mit Erkältung im Bett.

Unseren Trainer scheint das nicht sonderlich zu interessieren. „Nicht schlapp machen!“, ruft Michael unermüdlich von irgendwoher durch den dichten Regen. „Na los, Ole! Mit dem Ball im Slalom durch die Hütchenreihe und dann voll aufs Tor abziehen!”

Wenn das mal so leicht wäre! Ich führe das Leder möglichst eng am Fuß, steuere das erste der orangefarbenen Baustellenhütchen an. Rechts-links, rechts-links, das ist die ganze Kunst. Dem Ball einen kleinen Stups geben, aber immer den Innenrist dran behalten. Wenn man das Leder förmlich am Fuß kleben hat, kann nichts schief gehen. Aber mein linker Fuß ist deutlich schlechter als der rechte, und wenn die Pille im Matsch stecken bleibt, dann ...

„Mist!“ Ich setze dem Ball nach, der zu weit nach links abgedriftet ist. Jetzt krieg ich ihn wieder an den Fuß, laufe zurück, lasse einfach einen der Kegel aus. Hinter mir kommt Tobi näher. „Gleich überhole ich dich!“, droht er, aber so leicht werde ich es ihm nicht machen. Ich bin schon am vorletzten Kegel. Einmal noch da rum. Aufpassen, dass ich nicht wegrutsche und weiter. Vor mir ist das Tor. Knapp 15 Meter entfernt. Ich lege mir den Ball vor, sehe Serpil in ihrem gelben Torwartdress zum Sprung bereit. Jetzt! Ich hole voll aus. Verflucht! Mein Standbein rutscht weg. Ich verliere den Halt. Nein!!! Dann sehe ich nur noch, wie der Ball in Richtung Baumkronen verschwindet.

Der Trainer lacht und klatscht in die Hände. „Großartige Leistung, Ole! Darauf kann man aufbauen.“

Ich fluche, sehe im Matsch liegend, wie Tobi gleich nach mir abzieht. Die Pille kommt gut in den Winkel, doch Serpil ist schon in der Luft, macht sich lang und lenkt das Leder über die Latte.

„Na, gönnst du dir eine Schlammpackung?“, grinst Tobi, als er an mir vorbei zurücktrabt. „So was soll ja sehr gesund sein.“

„Halt die Klappe“, knurre ich zurück. Immerhin sieht Tobi nach den Kniebeugen und Liegestützen von vorhin auch nicht viel besser aus als ich. Sein vormals rotes Trikot ist mit Matschflecken übersät, und die Farbe seiner Stutzen ist vor Dreck nicht mal mehr zu erahnen.

Michael pfeift auf seinen Fingern. „So Leute, lasst uns für heute Schluss machen. Bei diesem Sauwetter müssen wir es schließlich nicht übertreiben.“

„Am besten wären wir heute gar nicht erst rausgegangen“, mault Justus, Sohn des Trainers, und der mit Abstand dickste Spieler unseres Teams. Er bringt bestimmt das doppelte Gewicht von mir auf die Waage und hat meistens eine Stulle in der Hand. Entsprechend schnell ist er auch auf dem Fußballfeld unterwegs, nämlich in Zeitlupentempo. Merkwürdigerweise steht er trotzdem oft schon dort, wo er gebraucht wird: Im Abwehrzentrum direkt vor dem gegnerischen Stürmer. Das ist eben optimale Platzaufteilung. Und wenn Justus voll gegen den Ball tritt, muss man Angst haben, dass die Pille aus allen Nähten platzt, so einen Wumms setzt er dahinter.

„Hört auf mit dem Gemaule. Ihr seid schließlich nicht aus Zucker“, ruft Michael, der Justus’ Bemerkung gehört hat. „Jungs und Mädchen wie ihr müssen die paar Tropfen abkönnen. Sonst verweichlicht ihr ja völlig vor euren Smartphones und Fernsehapparaten.“

„Und wenn ich morgen eine Erkältung habe, schreibst du mir eine Entschuldigung für die Schule“, stöhnt Justus.

„Papperlapapp. Schnell unter die heiße Dusche mit euch. Danach sieht die Welt wieder freundlicher aus. Außerdem habe ich Laugenbrezeln dabei.“

Nach dieser Ankündigung geht es uns augenblicklich besser. Michael ist nämlich Profi, was das Backen von Laugenbrezeln betrifft. Er ist Bio-Bäcker und verarbeitet nur Getreide, das ohne Gift und Kunstdünger angebaut wird. Seine Laugenbrezeln schmecken einfach spitze.

„Außerdem sind sie viel gesünder als Pommes mit Majo oder Ketchup“, behauptet der Trainer.

Das finde ich zwar nicht, weil ich beides total gerne esse. Aber da uns Michael sowieso nicht erlaubt, nach dem Training am Imbiss am Bahnübergang Pommes zu holen, habe ich ja eh keine Wahl.

Als wir den Stollengang vor den Umkleidekabinen entlang laufen, kommen uns die Spieler der ersten Mannschaft im vollen Dress entgegen. Die haben sogar eigene Trainingsanzüge, die von einem Autohaus hier in der Nähe gesponsert sind. Kein Wunder, mit der 1. E-Jugend kann man eben gut Werbung machen. Die Mannschaft spielt in der Leistungsliga, während wir nur in der Kreisklasse kicken.

„Oho, unser Nachwuchsteam kommt. Habt ihr euch schön im Schlamm gewälzt?“, höhnt Robert Zöllner. Er ist Mannschaftskapitän der Ersten und geht in meine Parallelklasse an der Wallschule.

„Wart’s nur ab, bis ihr euer Training hinter euch habt“, höhnt Paul zurück.

„Ja, aber bei uns lohnt sich die Anstrengung wenigstens. Für Leistung muss man eben bezahlen und wird auch mal dreckig. Aber für ständiges Verlieren? Nee, dazu hätte ich keine Lust“, ruft Zöllner. „Auf welchem Platz steht ihr noch so gerade?“

„Das kann dir doch egal sein.“ Justus schubst Zöllner zur Seite und geht weiter.

„Die sind Vorletzter!“, kommt einer aus der Ersten seinem Mannschaftskapitän zu Hilfe.

„Ach ja, hatte ich ganz vergessen“, grinst Zöllner. „Vorletzter ist immerhin nicht Letzter. Mein Kompliment. Gar nicht schlecht dafür, dass bei euch Mädchen mitspielen.“

„Immerhin ist die Frauennationalmannschaft schon mal Weltmeister geworden“, entgegnet Serpil selbstbewusst.

„Ja, die deutsche Nationalmannschaft, aber nicht die türkische. Und unsere Männer sind aktueller Titelträger“, kichert Piet, der ebenfalls in der Ersten ist und leider in meine Klasse geht.

Bevor wir uns noch in die Haare kriegen, greift Michael ein. „So Leute, jetzt ist aber Schluss mit dem Rumgestänker. Die Erste geht sofort raus, und die Dritte kommt mit unter die Dusche.“

„Die Vorletzte“, höhnt Robert Zöllner noch, als er umringt von seinen Kameraden vor die Tür tritt.

„Angeber!“, rufe ich hinter ihm her, aber das hat er wahrscheinlich nicht mehr gehört.

„Na ja, besser spielen als wir können sie nun mal“, sagt Paul.

Ja, aber bestimmt nicht deshalb, weil die keine Mädchen dabei haben!“ Mia verschwindet wütend mit Serpil und Emma in den Mädchenumkleideraum.

„Genau“, sagt Justus. „Mit den Mädchen hat das gar nichts zu tun, dass die besser sind. Serpil ist ein Top-Torwart, und Emma und Mia sind gute Stürmer. Die in der Ersten haben einfach mehr Kondition und sind technisch stärker als wir.“

„Dafür sind wir das bessere Team“, rufe ich, ziehe mir das klitschnasse Trikot über den Kopf und werfe es auf den Kleiderhaufen in der Mitte der Kabine.

„Wie meinst du das denn jetzt?“, fragt Paul.

„Bei uns ist die Kameradschaft wichtiger.“ Ich muss es schließlich wissen, weil ich der Mannschaftsführer der Dritten bin. „Die in der Ersten streiten sich doch immer nur, wer der Bessere ist. Und wenn einer seine Leistung mal nicht bringt, sitzt er nur noch auf der Auswechselbank.“

„Natürlich. Das könnte bei uns nicht passieren“, sagt Justus. „Wir sind schließlich nur elf Leute und können auf niemanden verzichten.“

2. Das Nationalteam kommt

Frühstück vor der Schule! Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen. Morgens kriege ich die Augen kaum auf vor Müdigkeit. Ich bekomme keinen Bissen runter, und zu einer Unterhaltung habe ich auch keine Lust. Erst recht nicht dann, wenn eine schwere Klassenarbeit bevorsteht.

Papa ist zu dieser Uhrzeit auch nicht sehr gesprächig. Er hat schon gegessen, wenn ich an den Tisch komme. Anschließend liest er die Zeitung, trinkt seinen Kaffee aus und verschwindet in den Laden.

Mama ist von uns dreien morgens noch am besten gelaunt. Sie kommentiert die Nachrichten aus dem Radio oder erzählt den neuesten Klatsch aus der Nachbarschaft. Oft wirbelt sie aber auch nebenan in der Küche herum und klappert mit den Töpfen.

Heute allerdings verläuft unser Frühstück ganz anders als sonst. Schon deshalb, weil bereits auf der ersten Sportseite etwas Interessantes steht.

„Wird auch Zeit“, murmelt Papa zufrieden, steckt sich seinen letzten Brotbissen in den Mund und beginnt einen Artikel zu lesen.

„Was wird Zeit?“, frage ich.

Papa schaut auf. „Dass hier wieder ein Länderspiel stattfindet“, erklärt er. „Das letzte Mal war Hamburg dran, davor München. Um Bremen haben sie immer einen weiten Bogen gemacht. Als wenn unser Stadion nicht gut genug wäre. Aber in fünf Monaten geht es gegen Spanien.“

„Im Weserstadion?“, frage ich überrascht. „Fußball?“

„Natürlich Fußball“, sagt Papa. „Glaubst du vielleicht, ich interessiere mich für Minigolf oder Wasserball? Nee, das ist ein Vorbereitungsspiel für die Weltmeisterschaft. Ein wichtiger Test, wo Jogi Löw und seine Jungs stehen.“

Wahnsinn! Ich kann es gar nicht fassen. Das Nationalteam ganz in der Nähe. Sofort bin ich hellwach und versuche, einen Blick auf die Seite zu erhaschen. Doch Papa hält die Zeitung so, dass ich kaum hineingucken kann.

„Du bekommst sie ja gleich“, sagt er. „Seit wann interessierst du dich so fürs Zeitung lesen?“

Ich schneide eine Grimasse: „Den Sport gucke ich mir oft an. Der Rest ist doch langweilig.“

Papa lacht. „Hoffentlich änderst du deine Meinung noch ein wenig. He, guck mal hier, das könnte auch für dich interessant sein.“ Er zeigt mir die Seite und fährt mit dem Finger über eine Textpassage: