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Ein spannendes Abenteuer in der Welt von Minecraft
Leserstimmen:
"Für Minecraft Fans genau das Richtige!" ***** "Schon nach wenigen Seiten hat mich die Geschichte gefangen. Und der Schluss ist einfach genial!" ***** "Nicht nur für Minecrafter besteht Suchtgefahr, definitiv top!" ***** "Perfekte Nerd Lektüre!" ***** "Alles ist sehr hilfreich für Spieler, weshalb ich das Buch Lesern von 8 - 12 Jahren empfehle" ***** "Auch für Erwachsene schön zu lesen"
Inhalt:
Builder Debitor führt mit seinem Kater Lucky ein friedliches Leben im kleinen Ort Dorflingen. Er baut allerhand Nützliches für die anderen Bewohner und wartet täglich die große Dorfmauer, die alle Monster fernhält. Wenn es nach ihm ginge, könnte es immer so weitergehen. Doch plötzlich verhält Lucky sich merkwürdig. Und nicht nur er: Alle Tiere des Dorfes sind verändert. Sie verstecken sich, rennen fort und ziehen den Schwanz ein. Debitors Großvater scheint das ernsthafte Sorgen zu bereiten. Als dann auch noch die Pflanzen beginnen, sich schwarz zu färben, weiß er: Das Dorf wird von einem bösen Zauberer bedroht, der sie alle vernichten möchte. Nur ein Netheritenschwert kann ihn aufhalten. Und nur Debitor ist in der Lage, es zu bauen. Widerwillig begibt er sich auf die gefährliche Reise in den Nether, um die nötigen Materialien zu besorgen. Nicht ahnend, dass ihn eine noch viel größere Herausforderung erwartet – denn der Zauberer ist ihm viel näher, als er denkt …
Das erste Fanfiction-Buch von YouTuber Debitor, mit vielen Minecraft-Ideen zum Erleben und Nachbauen. Spannend wie ein Roman, praktisch wie ein Handbuch: Ein Muss für alle Minecraft-Fans von Anfänger bis Könner.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2021
Debitor
mit Daniela Büttinghaus
Die Legende des Netheritschwerts
Roman für Minecrafter
Mit Illustrationen von Pewy
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Originalausgabe
© 2021 YUNA Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München
Umschlaggestaltung: Inka Hagen, unter Verwendung eines Motivs von Jasmin »Pewy« Skiadas-Kriese
Layout/Satz: Karin Herres, Alling
ISBN 978-3-641-27804-5V001
Kapitel 1
Ein merkwürdiger Tag
Kapitel 2
Das Geheimnis der Bibliothek
Kapitel 3
Grossvaters Tagebuch
Kapitel 4
Das Abenteuer beginnt
Kapitel 5
Das Portal zum Nether
Kapitel 6
Im Karmesinwald
Kapitel 7
Die Piglins
Kapitel 8
Die Bastionsruine
Kapitel 9
Die Abkürzung
Kapitel 10
Der Zauberer
Kapitel 11
Kampf am Turm
Kapitel 12
Ende gut, alles gut
Anleitungen und Tipps
Das Abenteuer geht weiter …
Kapitel 1
Dorflingen war ein beschauliches, friedliches Dorf, das weit außerhalb lag, umgeben von Bergen und kleinen Seen. Man kannte sich dort, und jeder wusste fast alles über jeden. Geheimnisse blieben nie lange verborgen, und Neuigkeiten verbreiteten sich schneller, als man Nachrichten sagen konnte. Und obwohl das manchmal wirklich nervig war, gab es auch ein kleines Stück von Sicherheit.
Weit am Rande des Dorfes, ganz in der Nähe der Stadtmauern, lag ein kleines, schlichtes Haus. Hier wohnte Peter, der von einigen im Dorf immer noch Debitor genannt wurde. Der Spitzname hing ihm nach, was ihm nicht so wirklich gefiel. Peter war ein typischer Einzelgänger und hatte den einsamen Platz bewusst gewählt, als er sein Haus errichtete. Er liebte die Abgeschiedenheit. Hier konnte er ganz für sich sein.
Am Abend stand er oft an seiner Werkbank und schnitt mit einer Steinsäge Steine zurecht, die er dann verwendete, um die Stadtmauern zu erneuern. Morgens war er schon früh auf den Beinen, spazierte in die Mine oder den Wald, um seine Vorräte an Rohstoffen aufzufüllen. Er ging immer auf Nummer sicher und hatte lieber zu viel im Haus als zu wenig. Bis unter das Dach stapelten sich vollgestopfte Kisten, es war das reinste Chaos. Zumindest dachte das jeder, der sein System nicht verstand. Denn in Wahrheit war Peter sehr gewissenhaft und wusste immer genau, wo er was finden konnte. Und darauf kam es ja an.
An diesem Tag schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen. In der Schmiede leuchteten die heißen Eisen. Aus der Bäckerei strömte der Geruch von frischem Brot. Die Kinder rauften sich auf den Spielplätzen, während die Mütter auf den Bänken den neusten Klatsch und Tratsch verbreiteten.
Doch etwas war anders: Peter schnarchte noch in seinem Bett. Normalerweise wäre er zu dieser Uhrzeit längst auf den Beinen. Auf Peter konnte man sich immer verlassen. Er verschlief niemals. Er war eigentlich so pünktlich, dass er schon das ein oder andere Mal deswegen aufgezogen worden war.
Nun aber lag er noch in seinem Bett und schlief tief und fest. Erst als die Sonnenstrahlen ihm mitten ins Gesicht schienen, öffnete er die Augen und rieb sich verschlafen das Gesicht. Noch leicht benommen stand er auf, ging in die Küche und füllte sich etwas Wasser in ein Glas, um zu trinken. Sein Blick fiel durch das Fenster. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass die Sonne schon viel zu hoch am Himmel stand. Vor Schreck ließ er das Glas fallen, und das ganze Wasser ergoss sich über den Boden.
Er rieb sich den Kopf. Wie war so etwas möglich? Normalerweise wurde er wach, wenn der Hahn der nächsten Nachbarn krähte. Hatte der nicht gekräht? Oder hatte Peter ihn nicht gehört?
Aber selbst dann hätte er wach werden müssen, weil Lucky ihm auf die Brust sprang, um ihm mitzuteilen, dass er Hunger hatte. Aber Moment mal. Lucky! Wo war Lucky? Der weiß-braune Siamkater mit den kräftigen blauen Augen war nirgends zu sehen. Dabei wich er ihm nicht von der Seite, seit Peters Großvater ihn vor vielen Jahren von einer seiner Reisen mitgebracht hatte.
»Lucky? Lucky, wo bist du?«, rief Peter.
Der Kater war eigentlich genauso verlässlich wie er selbst. Nun kam er nicht einmal hervor, um das Wasser vom Boden zu schlecken. Irgendwas musste passiert sein.
Peter öffnete die Haustür. Vielleicht hatte Lucky trotz der verriegelten Türen und Fenster einen Weg hinaus gefunden.
»Lucky?«, rief er und lief vorsichtig um das Haus. »Komm her zu mir. Ich habe etwas zu essen für dich.«
Von Lucky fehlte jede Spur. Peter ging verzweifelt zurück ins Haus. Doch was war das? Hinter einer der Kisten blitzte etwas Weißes hervor.
»Lucky!«, rief Peter voller Freude und schob die Kiste ein wenig zur Seite, um seinen Kater auf den Arm zu nehmen. »Was machst du denn für Sachen?«
Lächelnd füllte er etwas Wasser und Katzenfutter in die Schüsseln, die auf dem Boden standen, und setzte Lucky davor ab. Doch der Kater rührte nichts an. Die Freude in Peters Augen verschwand.
»Du wirst mir doch nicht krank werden?«, fragte er besorgt und wollte Lucky über das Fell streicheln. Der Kater machte einen großen Satz und verkroch sich erneut hinter der Kiste.
Das war eigenartig. So hatte sich Lucky zuvor noch nie verhalten. Peter machte sich so große Sorgen, dass er nicht einmal mehr Lust hatte, sich ein Brot zum Frühstück zu machen.
»Ich muss los, Lucky. Ich werde beim Tierarzt vorbeischauen und fragen, ob er dir helfen kann.«
Eigentlich wollte er seinen Kater lieber mitnehmen, doch hier schien Lucky sich sicherer zu fühlen. Er würde sich einfach beeilen müssen, um schnell wieder da zu sein.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch verließ Peter das Haus. An seinem Gürtel baumelten eine Spitzhacke, eine Axt und eine Schaufel. Auch wenn er spät dran war, führte sein erster Weg ihn an die Stadtmauer, die er vor einigen Jahren dort gebaut hatte, wo die Berge keinen Schutz mehr boten. Jeden Morgen kontrollierte er seitdem, ob in der Nacht etwas zerstört worden war. Dann reparierte er es direkt, damit der Schutz auch in der nächsten Nacht geboten war und keine Monster ins Dorf gelangten.
Peters Haus war das erste, auf das Eindringlinge stießen, was ihn schon ein wenig beunruhigte. Vielleicht erledigte er auch deshalb seine Arbeit so gewissenhaft. Denn Peter konnte zwar gut mit seinen Werkzeugen umgehen, doch mit Schwert und Bogen war er nicht so vertraut. Also sorgte er lieber dafür, dass die Monster gar nicht erst in seine Nähe kamen.
An diesem Tag schien die Mauer jedoch keine Reparatur nötig zu haben, was ein gutes Zeichen war. Erleichtert ließ Peter sie hinter sich. Sein nächstes Ziel waren die Monsterfallen, die er alle sehr einfach gebaut hatte. Meistens befand sich einfach ein fünf mal fünf Blöcke großes Loch im Erdboden, an dessen Rändern sich Falltüren befanden. Sobald ein Monster darüberlief, stürzte es ins Loch, kam eigenständig nicht mehr heraus und wurde am nächsten Tag vom Sonnenlicht vernichtet. Hin und wieder kam Peter früh genug, um sie in der Falle sitzen zu sehen. Und obwohl er stolz auf seine Konstruktion war, mochte er den Anblick nicht besonders.
An diesem Tag war er jedoch ohnehin zu spät dran, und nachdem er sich vergewissert hatte, dass alle Fallen noch intakt waren, lief er weiter ins Dorf hinein.
»Na, spät dran heute?«
Die Dorfbewohner hatten mittlerweile bemerkt, dass Peter auf sich warten ließ, und machten sich ein wenig lustig.
»Hast wohl den Hahn nicht gehört?«
Peter grinste, doch mit jeder weiteren Frotzelei ärgerte er sich ein bisschen mehr.
»Wenn keiner mehr eure Fallen baut und kontrolliert, würdet ihr blöd schauen«, dachte er. Aber eigentlich wusste er, dass sie es nicht böse meinten.
»Achtung!«
Erschrocken drehte er sich um und konnte gerade noch rechtzeitig zur Seite springen, um nicht von einem Pferd umgerannt zu werden.
»Ent-schul-di-ge«, japste Sven der Tierhändler völlig außer Atem. Er lebte etwas außerhalb des Dorfes und hatte alles, was man sich nur wünschen konnte: Schweine, Hühner, Kühe und eben auch Pferde. Sein Weg führte ihn oft ins Dorf, wenn er einen seiner Schützlinge zu seinem neuen Besitzer brachte. Peter hatte einmal zwei Hühner von ihm bekommen und ihm im Austausch dabei geholfen, einen Stall zu bauen.
»Ich weiß nicht, was heute mit ihm los ist. Er ist nicht ganz er selbst.« Sven sah fertig aus. Am liebsten hätte Peter ihm irgendwie geholfen.
»Ist ja eigenartig, meine Katze …«, setzte er an, aber Sven verabschiedete sich eilig mit einem Winken und rannte weiter seinem Gaul hinterher. Gedankenverloren sah Peter ihm nach, bevor er sich wieder seiner Routine widmete.
Er kontrolliere die Laternen, die das Dorf in der Nacht beleuchteten und die Helligkeit stets über sieben hielten, damit die Monster es viel schwerer hatten, im Dorf zu spawnen. Nur eine von ihnen musste repariert werden. Vermutlich hätte das auch warten können, denn es gab mehr Lichter in der Stadt als notwendig, aber Peter wollte einfach nichts riskieren.
»Hey, Peter!« Egon der Schmied lief ihm auf der Straße entgegen und hielt sich vor Lachen den Bauch. »Hast du Sven und seinen Gaul gesehen?«
»Habe ich«, lachte auch Peter. »Ich weiß nicht, wer von beiden mich eher umgerannt hätte, wenn ich nicht beiseitegesprungen wäre.«
Egon war wohl der einzige Dorfbewohner, der so etwas wie ein Freund für ihn war. Peter half ihm manchmal, wenn er zu viele Aufträge hatte, oder besorgte sich Materialien bei ihm, wenn er selbst etwas bauen wollte.
»Weißt du, ob der Tierarzt zuhause ist?«, fragte er.
»Ich weiß nicht«, antwortete Egon. »Ist was mit Lucky?«
Er war vermutlich auch der einzige Bewohner des Dorfes, der wusste, dass Peter einen Kater hatte, der Lucky hieß.
»Ja, er ist irgendwie krank«, erwiderte Peter. »Er isst nicht. Und ich mache mir etwas Sorgen.«
Egon legte für einen kurzen Moment die Hand auf seine Schulter.
»Das wird sicher wieder«, tröstete er.
»Ja«, antwortete Peter. »Ich schaue einfach mal nach, ob der Tierarzt da ist.« Er wollte sich gerade verabschieden, als Egon ihn am Arm festhielt.
»Warte!«, sagte er. »Ich habe noch etwas für dich.« Er ging in seine Schmiede und kam mit einem duftenden Stapel Brot in der Hand zurück – ganze 64 Laibe.
»Das isst du doch so gerne, nicht wahr?«, grinste er. »Als kleines Dankeschön für deine Hilfe letzte Woche.« Peter nahm das Brot entgegen und roch genüsslich daran. Offensichtlich war es frisch vom Bäcker.
»Du weißt einfach, was ich gerne esse«, sagte er. »Vielen Dank, Egon! Das wäre aber wirklich nicht nötig gewesen.«
»Nicht nötig?« Egon schüttelte den Kopf. »Du hast mir geholfen, das komplette Dach meiner Schmiede zu reparieren. Ein Stapel Brot ist doch das Mindeste!«
Peter bekam oft kleine Aufmerksamkeiten von den Dorfbewohnern, wenn er ihnen half, etwas zu reparieren. Meistens Nahrung, aber hin und wieder auch ein paar Smaragde, die Währung des Dorfes. Meistens legte er die Steine beiseite, um sie zu sparen, auch wenn er nicht wusste, wofür. Er hatte schließlich alles, was er zum Leben brauchte. Und was er nicht hatte, baute er sich.
»Also nimm es und genieße es«, riss Egon ihn aus seinen Gedanken.
»Okay, okay!«, gab Peter sich geschlagen. Eigentlich mochte er es ja auch, wenn seine Arbeit wertgeschätzt wurde.
»Und sieh doch vielleicht mal nach deinem Großvater,« fügte Egon hinzu. »Er war gestern bei mir, und ich glaube, es geht ihm nicht so gut.«
Jeder im Dorf kannte Peters Großvater. Sein Name war Hans, und er war der älteste Bewohner Dorflingens. Keiner hatte so gute Geschichten zu erzählen wie er. Peter hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu ihm. Seine Eltern waren vor einigen Jahren bei einem Monsterangriff umgekommen, seitdem war Opa Hans sein einziger Verwandter. Auch deswegen war Peter die Verteidigung des Dorfes so wichtig.
Egon verabschiedete sich, und Peter gönnte sich direkt zwei Brote, die sogar noch ein bisschen warm waren. Als er das Haus des Tierarztes erreichte, hatte er schon fast zehn verputzt. Er hätte wohl doch frühstücken sollen. Er packte den Rest zurück in den Beutel und klopfte gegen die Tür. Niemand öffnete. Es war ganz still, das aufgeregte Bellen und Miauen, das sonst zu vernehmen war, wenn jemand an der Tür war, fehlte.
»Merkwürdig«, dachte Peter, wandte sich zum Gehen und wäre beinahe in den Tierarzt gerannt, der plötzlich vor ihm stand und sich ziemlich erschreckte. Er schien mit seinen Gedanken ganz woanders gewesen zu sein.
»Hallo«, sagte Peter. »Ich wollte gerade zu Ihnen. Ist alles in Ordnung?«
»In Ordnung?«, polterte der Tierarzt. »Nichts ist in Ordnung! Alle drehen durch.«
Er schüttelte hektisch den Kopf und schien irgendwie überfordert. Zum Öffnen der Tür brauchte er drei Versuche.
»Komm rein«, keuchte er. »Willst du was trinken?«
Peter verneinte, was den Tierarzt irgendwie zu erleichtern schien. Im Haus empfing sie diese merkwürdige Stille.
»Sind heute gar keine Tiere da?«, fragte Peter.
»Hm?« Der Tierarzt blickte ihn an und öffnete die Tür zu einem der hinteren Räume, in denen sich die Tiere von irgendwelchen Behandlungen erholen konnten. Peter ging näher und sah, dass die Käfige keineswegs leer waren. Allerdings hatten sich alle Tiere in die hintersten Ecken verkrochen, zitterten und gaben keinen Ton von sich.
»Genau wie Lucky«, murmelte Peter.
Der Tierarzt horchte auf. »Was ist mit Lucky?«
»Er verhält sich merkwürdig«, erklärte Peter. »Genau genommen bin ich deshalb auch hier. Er frisst nicht. Er trinkt nicht. Und er versteckt sich.«
Peter ging näher an einen Käfig heran. Der kleine Hund zeigte keine Regung.
»Was ist los mit den Tieren? Sind sie krank?«
Der Tierarzt zuckte mit den Schultern.
»Ich weiß es nicht«, sagte er. »So etwas ist mir noch nie untergekommen. Schon den ganzen Morgen soll ich mir Hunde, Katzen, Kühe, Schweine … ach, alles Mögliche ansehen. Sie scheinen alle das Gleiche zu haben. Sie benehmen sich merkwürdig, verkriechen sich, fressen nicht mehr oder rennen weg. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, sie haben panische Angst. Doch ich weiß nicht, wovor.«
Für einen kurzen Moment wurde es noch stiller im Raum. Auch wenn es keiner von ihnen aussprach, waren Peter und der Tierarzt beunruhigt.
»Ich schaue mir Lucky gerne an«, brach der Tierarzt schließlich das Schweigen. »Es würde allerdings erst gegen Abend gehen, und ich fürchte, viel kann ich nicht machen.«
Peter nickte. Es war offensichtlich, dass der Tierarzt mehr zu tun hatte, als er bewerkstelligen konnte.
»Danke«, entgegnete er. »Aber das ist dann wohl nicht nötig. Hoffen wir, dass es von alleine besser wird. Und melden Sie sich, falls Sie eine Antwort gefunden haben.«
Peter verabschiedete sich. Als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, blickte er sich um. War denn irgendwas anders als sonst? Die Monsterabwehranlagen waren alle intakt. In der Nacht schien es keinen Vorfall gegeben zu haben. Warum also verhielten sich die Tiere so merkwürdig? Peter hatte keine Ahnung, aber vielleicht hatte sein Großvater Antworten. Er lebte schließlich schon sehr lange in diesem Dorf. Vielleicht hatte er etwas Ähnliches schon einmal erlebt.
Wie immer war Peter völlig außer Atem, als er das Haus seines Großvaters erreichte. Es stand auf einem großen Hügel etwas außerhalb. Von hier oben konnte man das Dorfleben perfekt beobachten.
Peters Großvater lebte allein. Die Bezeichnung »Haus« war für seine Residenz etwas untertrieben. Es war viel eher eine riesige Villa mit viel zu vielen Zimmern für nur eine Person – das komplette Gegenteil von Peters Haus.
Eigentlich wäre es Peter auch lieber gewesen, wenn sein Großvater irgendwo in seine Nähe gezogen wäre. Seit einem Unfall vor vielen Jahren war er an einen Rollstuhl gebunden. Zwar konnte er seine Beine noch spüren, doch sie trugen ihn nicht mehr so weit. Für Peters Großvater war es ein schwerer Schicksalsschlag gewesen. Er war immer viel gereist und gerne unterwegs. Vielleicht hing er deswegen so an seinem Haus. Es beherbergte all seine Erinnerungen.
Peter öffnete die Tür.
»Großvater? Bist du da?«
Es war, als würde man ein Museum betreten. Überall hingen große Gemälde, an den Wänden standen Statuen. Und mitten im Foyer hatte der Großvater die verschiedensten Rüstungen aufgestellt. Einige waren aus Eisen, einige aus Gold, und es gab sogar Rüstungsteile aus Diamanten.
Das Haus hatte eine Bibliothek, in der neben Unmengen an alten Büchern auch Glaskästen voller Schätze standen und eingerahmte Schatzkarten an den Wänden hingen.
All das hatte Großvater von seinen Reisen mitgebracht. Oder besser gesagt: von seinen Abenteuern. Als Peter noch ein Kind war, lauschte er gebannt, wie Hans davon erzählte, die Welt erkundet und sogar gegen Drachen gekämpft zu haben. Was seinen Großvater in die Welt zog, hatte Peter allerdings schon damals nicht verstanden. Er blieb lieber daheim, in seinem kleinen, sicheren Dorf.
Aber war es wirklich noch so sicher? Das Verhalten der Tiere beunruhigte ihn. Irgendwas musste passiert sein. Etwas, von dem man jetzt noch nichts erkennen konnte.
»Großvater? Wo bist du?«, rief Peter erneut und schaute in die Zimmer. Weit konnte der alte Mann nicht sein. In jedem Raum erinnerte irgendetwas an seine Abenteuer, doch von Hans fehlte jede Spur.
Peter ging nach draußen und sah ins Dorf hinunter. Von hier oben sah alles ganz normal aus. Die Menschen liefen in den Straßen umher und erledigten ihre Aufgaben. Nichts deutete darauf hin, dass irgendwas passiert war.
Plötzlich zuckte Peter erschrocken zusammen. Ein lautes Geräusch hatte ihn aus den Gedanken gerissen. Er blickte nach oben und sah einen Schwarm Papageien, die schnell und wild mit den Flügeln schlugen, als wären sie voller Panik. Es wirkte fast so, als wollten sie so schnell wie möglich weg von diesem Ort. Weg aus diesem Dorf.
»Es ist so weit.« Eine leise, zitternde Stimme erklang hinter ihm. Großvater rollte mit seinem Rollstuhl heran.
»Da bist du ja!« Peter atmete auf. »Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Wo warst du denn? Ich habe dich überall gesucht!«
