Die Legende von Aaron Ostwald - Karl Trs - E-Book

Die Legende von Aaron Ostwald E-Book

Karl Trs

4,6

Beschreibung

BUCH 1-3 in einem Band! Malgor, Destrara und die Grauen Magier haben nur eines im Sinn: Sie wollen die Macht über Ostwald und Westwald erringen und die Bewohner unterwerfen. Aaron wächst auf einem einsamen Hof in Ostwald bei Zieheltern auf. Mit seinem Hund Leo gelangt er auf wundersame Weise durch eine Höhle in das "Tal des Friedens". Dort stattet ihn der weise, alte Zacharias mit dem Wissen aller Auserwählten der Vergangenheit aus, um ihn gegen die Bedrohung durch die dunklen Mächte zu wappnen. Gemeinsam mit Gabriella, seinem Hund Leo und dem Kater Xerxes wird Aaron die Welt der Menschen in Ostwald und in Westwald verändern - als "Sohn des Lichts". Eine fantastische Geschichte voll Weisheit und Magie. Sie erzählt von einer inneren und äußeren Klimakatastrophe in einer Gesellschaft, die der heutigen gar nicht so unähnlich ist. Eine weise und spannende Parabel über die Kraft des Lichts und die Macht der Liebe.

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© edition lichtland

edition LichtlandStadtplatz 4, 94078 FreyungDeutschland

Illustration: Janusz GiniewskiGrafische Gestaltung: Edith DöringerSatz: 4m grafik, Melanie Lehner

1. Auflage 2014

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt.Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlagszulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,Übersetzungen und die Einspeicherung undVerarbeitung in elektronischen Systemen.

ISBN: 978-3-942509-43-5ISBN der gebundenen Ausgabe: 978-3-942509-21-3www.lichtland.eu

Band 1

DUNKLER MORGEN

Band 2

GRAUER TAG

Band 3

HELLER ABEND

Band 1

DUNKLER MORGEN

Dein Weg

„Dein Weg wird steinig und schwierig sein,

oft erfüllt von Traurigkeit und Zweifel.

Aber doch sind da auch Freude und Lachen,

je mehr, umso fester du daran glaubst.

Hab keine Angst und gehe deinen Weg,

denn am Ende kannst nur du allein

Licht in dein Inneres bringen.“

Markus Salvio,aus dem mittleren Zeitalter

Prolog

Westwald, Golgor, königlicher Palast, vor langer Zeit

Beißender, stinkender Rauch lag über der lichterloh brennenden Stadt Golgor, noch vor wenigen Stunden stolze und glänzende Hauptstadt des Königreiches von Westwald.

Nur wenige Häuser waren von der durch die marodierenden Soldaten der Dunklen Armee heimgesuchten Stadt verschont geblieben. Die Soldaten und vor allem auch die Magier, die sie begleiteten, große, schlanke Männer mit langen schlohweißen Haaren und grauen Kapuzenumhängen, hatten keine Unterschiede gemacht zwischen Arm und Reich, Alten oder Jungen. Männer, Frauen und Kinder waren während des Vormarsches der Soldaten dahingemetzelt worden.

Dieser kurze Krieg von wenigen Tagen gegen die Dunkle Armee und ihren König Malgor war nicht so gewesen wie die wenigen Kriege der früheren Zeiten. In diesen hatte es immer so etwas wie Ritterlichkeit gegeben, auf beiden Seiten. Immer war da ein gebildeter Offizier, der seine Soldaten im Zaum halten konnte. Frauen und Kinder, auch alte Männer und Männer, die keine Soldaten waren, waren bislang immer geschont worden. Auch in Zeiten des Krieges waren grundlegende Regeln der Menschlichkeit befolgt worden.

In diesem Krieg aber war alles anders gewesen. Auf dem Weg nach Golgor hatte die Dunkle Armee nur verbrannte Erde hinter sich gelassen. Dort wo sie durchgekommen war, lebte nichts mehr, vielleicht noch hier und da eine Schabe in einem dunklen Erdloch. Es herrschte nur noch Trostlosigkeit.

König und Heerführer Malgor stand auf der obersten Balustrade des Königspalastes von Golgor und blickte mit einem kalten und gefühllosen, jedoch zufriedenen Grinsen auf die brennende Stadt hinab.

Er fühlte sich so gut, weil sich der Krieg für ihn diesmal wirklich gelohnt hatte. Er war deshalb so zufrieden, weil die Menschen von Westwald, und vor allem die Einwohner Golgors, sich mit solcher Macht gegen ihn und seine Horden gestemmt hatten, sodass er selbst gezwungen gewesen war, mit seiner Schwertkunst, aber auch mit seiner magischen Macht in die Kämpfe einzugreifen.

Beinahe, ja beinahe wäre es den Einwohnern Golgors gelungen, den ersten Ansturm seiner Truppen zurückzuschlagen. Eine Stunde lang hatte die für beide Seiten verlustreiche Schlacht am Haupttor der Stadt hin- und hergewogt, angeführt aufseiten Golgors von ihrem König, dessen Namen Malgor nicht einmal wusste. Erst als er selbst eingegriffen hatte, das Tor mit einem magischen Donnerschlag zersplittert, den König zum Zweikampf gestellt und ihn letztendlich mit einem Schwertstreich kurzerhand enthauptet hatte, war die Kampfeslust der Menschen von Westwald versiegt. Danach war es ein Leichtes für die Dunkle Armee, sich einen Weg zum Königspalast zu bahnen und dort den letzten Widerstand der Königswachen in einem grausamen Blutbad zu beenden. Er selbst hatte es genossen, geschützt durch einen magischen Schild, gelegentlich einen der Soldaten Westwalds in ihren sauberen, glänzenden Gardeuniformen zu töten, obwohl dieser, angesichts der Übermacht der anstürmenden Dunklen Armee, bereits seine Waffen niedergelegt und sich ergeben hatte.

Zu seiner Rechten stand seine Gefährtin Destrara, wie immer in ein weißes Kleid gewandet. Auch sie hatte die Dunkle Armee mit ihrer kalten Macht bei ihrem Vormarsch in Westwald unterstützt. Irgendwann einmal wollte er ihr Geheimnis erfahren, wie sie es schaffte, in dem ganzen Schlachtengetümmel keinen einzigen Blutspritzer abzubekommen. Ihr Kleid, ihr Haar und sie selbst waren wie immer makellos sauber.

Destraras Macht lag darin, dass sie alleine durch ihr Auftreten gegnerischen Truppen den Kampfeswillen nahm. Wenn man ihrer gewahr wurde, überkam die Menschen eine abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit, die in Furcht vor dem mündete, was da auf sie zukam. Jedoch ihm gegenüber, war sie bislang immer treu gewesen und hatte ihn noch nie verraten. Von niemandem sonst ließ er sich so viel Widerspruch gefallen wie von Destrara. Nur sie hatte keine Angst vor seinem immerwährenden grausamen Zorn, denn beide wussten, dass sie sich auf ihrem Weg, dem Dunklen Weg, aufs Beste ergänzten. Manchmal fragte er sich jedoch, was die wahren Beweggründe des Handelns von Destrara waren, und ob sie ihm nicht doch einmal in den Rücken fallen würde, um selbst alleine zu herrschen.

Zu seiner Linken, leicht im Hintergrund, stand Torga, Erster Priester des Ordens der Dunklen Magier, wie immer gekleidet in seinen unscheinbaren schwarzen Umhang, die Kapuze weit ins Gesicht gezogen. Malgor war sich sicher, dass Torga ihn nie verraten würde. Er kannte Torga schon so lange er denken konnte, er war einer seiner Lehrer in der Kindheit gewesen und hatte ihn auf den Pfad des Dunklen Weges gebracht. Er schätzte Torga wegen seiner unaufdringlichen, aber bestimmten Art, seine Ratschläge waren stets wohldurchdacht und hatten sich immer als vorteilhaft für seine Vorhaben erwiesen. Malgor wusste, dass er oft zu ungeduldig war und deshalb auch schon einige vorschnelle Entscheidungen getroffen hatte, die ihm ärgerliche Rückschläge eingebracht hatten. Torga hatte ihn immer vor solchen Entscheidungen gewarnt, aber trotzdem immer seine Befehle ausgeführt. Torga war der mächtigste Dunkle Priester, den Malgor kannte, vielleicht in seiner Magie noch mächtiger als er selbst. Dies war der Grund dafür, dass Torga mit eiserner Hand die Macht über den Orden der Dunklen Priester ausübte, und dies schon seit der Zeit, bevor Malgor überhaupt geboren worden war.

Als er sich am Anblick der brennenden Stadt sattgesehen hatte, die Schreie der Sterbenden langsam verebbten und nur hier und da noch Geräusche von Scharmützeln gegen kleine Widerstandsnester in der Stadt zu hören waren, wandte er sich Destrara zu und schaute ihr mit brennendem Blick in die stahlblauen, kalten Augen.

Er musste nichts sagen. Destrara wusste, wonach ihm immer nach einer blutigen Schlacht war. Auch Torga kannte ihr Ritual und zog sich mit einem Kopfnicken zurück.

Malgor nahm Destrara an der Hand und führte sie in den Thronsaal, der über und über mit dem Blut der dort hingeschlachteten und noch herumliegenden Leichen der Königswache besudelt war.

Er riss einen der Wandteppiche herunter und breitete ihn inmitten der Leichen aus. Dann sanken sie zusammen auf den Teppich hinab und ergaben sich ihrer Gier und Leidenschaft. Ihr seelenloses Liebesspiel dauerte noch an, als seine Generäle und Hauptmänner und die gemeinen Soldaten nach dem Hinschlachten der letzten noch Widerstand leistenden Kämpfer dazu übergegangen waren, auch für sich selbst etwas herauszuschlagen.

Für kurze Zeit war es still geworden in der brennenden Stadt. Dann aber hörte man, immer lauter und lauter, das Wehklagen von geschändeten Frauen.

Diese Nacht gehörte der Dunklen Armee. Diese Nacht gehörte dem Bösen.

Der Tag vor dem Sturm

Aaron war vor ein paar Tagen zwanzig Jahre alt geworden. Er und auch all seine Freunde und seine Familie konnten sich nicht daran erinnern, dass man im Dorf Rabennest in Ostwald je so einen Sommer erlebt hatte.

Einen Sommer so heiß, nein so stickig und drückend, dass man schon am frühen Morgen gierig nach Stellen suchte, an denen zumindest ein kleiner Lufthauch durchzog und man sich so etwas wie ein bisschen Kühlung verschaffen konnte.

Der Sommer und damit die Trockenheit hatten mitten im regenarmen Frühjahr begonnen. Die Erde auf den Feldern dürstete schon damals nach Feuchtigkeit, und jetzt konnte jeder Windstoß so viel Staub aufnehmen, dass man glaubte, man habe einen gelblichen Schleier vor Augen. Der feine Staub legte sich auf jede Oberfläche, egal ob draußen oder in den kleinen, mit so viel Mühe weiß gekalkten Häusern.

Am schlimmsten war jedoch das Brennen beim Atmen in den Lungen jedes Lebewesens.

Und doch hatte man nicht das Gefühl, die Luft sei trocken. Vielmehr fühlte man sich unter dem bleiernen Himmel mit einer unnatürlich rot schimmernden Sonne, als wenn über einem eine Höhlendecke sei, die von einer unsichtbaren Kraft immer weiter nach unten gedrückt würde.

Genauso war die Stimmung der Menschen in Rabennest, bedrückt und auch aggressiv. Im Laufe der Monate war es schon zu vielen Raufereien und sogar zu Selbstmorden gekommen, die sich keiner der verzweifelten Angehörigen erklären konnte.

Aarons Tag hatte mit einer richtigen Katzenwäsche begonnen. Schon seit geraumer Zeit konnte sich niemand in Rabennest mehr richtig waschen, denn klares Wasser war so kostbar geworden wie Juwelen und Gold.

Nach einem kargen Frühstück aus knochenhartem, vertrocknetem Brot, eingeweicht in dünner, saurer Milchsuppe vom Vorabend, hatte sich Aaron daran gemacht, seine täglichen Pflichten auf dem Hof seiner Eltern, Marie und Edelbert Knorrheim, mit eher mäßiger Begeisterung aufzunehmen. Nachdem er im Stall die zwei abgemagerten Kühe gemolken und seiner Mutter die klägliche Menge Milch in die Küche gebracht hatte, schickte er sich an, den Zaun des Hühnergartens zu reparieren, dessen Draht, wie schon oft in der letzten Zeit, von wilden Tieren einfach durchgebissen worden war.

Die Sonne brannte den ganzen Vormittag erbarmungslos vom wie immer dreckig gelblich schimmernden Himmel. Aaron war es schon egal geworden, ob es einfach heiß war oder schon so heiß, wie man es sich eigentlich nur in den südlichen Wüsten immer so vorstellte. Sein Schweiß floss sowieso in Bächen über seinen ausgemergelten, dürren Körper. Er versuchte, nicht an seinen unbarmherzigen Durst zu denken, denn er wusste, dass er erst zum Mittagsmahl vielleicht zwei Gläser mit schalem und lauwarmen Wasser aus dem Hausbrunnen, der dankenswerterweise noch nicht ganz versiegt war, zu trinken bekam.

Endlich, kurz vor dem Höchststand der Sonne am Firmament, war er mit seiner Arbeit fertig. Der reparierte Zaun würde die wilden Tiere jedoch nur für ein paar Tage wieder von den Hühnern fernhalten können.

Um sich wenigstens einigermaßen vor der Hitze zu schützen hatte Aaron die „neue Tracht“, so wurde sie von den Einheimischen genannt, zur Arbeit getragen. Sie bestand aus einer Art langem Hemd aus dünnem Naturstoff von möglichst heller Farbe, das man sich einfach über den Kopf zog und dann um die Hüfte locker zusammenband und einen breitkrempigen Hut aus leichtem Filz. Jetzt waren beide, Hut und Gewand, von Schweiß durchnässt und klebten auf seiner sonnengegerbten Haut und boten keinen Schutz mehr vor der unbarmherzigen Sonne. Seine dunkle Haut hatte sich daher trotzdem rot verfärbt und brannte wie Feuer. Er freute sich, endlich in den Schatten im Haus zu kommen, auch wenn er sich dort, wie immer in den kleinen Räumen, eingeengt fühlte.

„Wasch dir wenigstens noch die Hände vor dem Essen, Aaron“, meinte seine Mutter, als sie ihn in Richtung Küche kommen sah.

„Wie immer, Mutter“, entgegnete Aaron und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm die schwüle Hitze gerade heute bei der Arbeit am Zaun zugesetzt hatte.

„Aaron, dein Vater möchte mit dir reden. Beeile dich doch etwas, ich und Edelbert wollen noch auf den Markt und sehen, ob wir nicht etwas Fleisch für heute Abend besorgen können.“ Während sie dies sagte, schaute sie Aaron jedoch nicht in die Augen, wie es sonst ihre Art war, wenn er zu ihr in die Küche kam.

Aaron beobachtete Marie, wie sie mit einer ihr ansonsten nicht eigenen Unruhe nach Arbeit suchte. Das Gemüsemesser wurde aus der Schublade geholt, nur um ein paar Sekunden später wieder auf den Tisch gelegt zu werden, völlig unbenutzt. Ganz allmählich beschlich Aaron ein ganz eigenartiges und ungutes Gefühl. Obwohl alles wie sonst war, bekam er einen flauen Magen. Was würde sein Vater wohl mit ihm zu bereden haben? Hatte er seine Arbeit nicht richtig gemacht? Oder war ihm sein Vater auf die Schliche gekommen, dass er beim Essen immer etwas für seinen Hund Leo beiseitelegte, um ihm trotz der knappen Vorräte von Zeit zu Zeit auch noch etwas anderes als den üblichen Küchenabfall zukommen zu lassen? Er wusste es einfach nicht.

Nachdem er sich an den Tisch gesetzt hatte, konnte er es kaum erwarten, das Gespräch mit seinem Vater hinter sich zu bringen.

Gespräche mit seinem Vater waren selten, er konnte sich gar nicht an die Worte erinnern, die er zuletzt mit Edelbert gewechselt hatte. Meist ging es nicht über „Morgen“, „Bist du mit der Arbeit fertig“ und „Gute Nacht“ hinaus. Was gab es denn jetzt so Wichtiges?

Endlich kam sein Vater vom Feld zurück ins Haus. Als er sich wie immer wortlos an seinen Platz am Küchentisch setzte, das Haupt so sehr gesenkt, dass man nur mehr die Sorgenfalten auf seiner Stirn wahrnehmen konnte, und erst einmal gar nichts sagte, wurde es Aaron immer kribbeliger und er konnte es nicht mehr erwarten herauszubekommen, was Edelbert von ihm wollte.

Nach einer unendlich langen, für Aaron fast unerträglichen Zeit, hob sein Vater endlich sein Gesicht und blickte ihn dann unvermittelt lange und durchdringend mit seinen grauen, harten Augen an.

„Aaron, du musst den Hof verlassen. Du packst noch heute deine Sachen und gehst morgen früh. Trotz deiner Arbeit, für die ich dankbar bin, können wir es uns nicht mehr leisten, für dich zu sorgen. Du bist jetzt zwanzig Jahre alt, alt genug, um dir dein eigenes Leben aufzubauen. Du wirst nach Großostwald gehen, um in der Werkstatt meines Bruders Adalbert die Schmiedekunst zu erlernen. Du solltest innerhalb von zwei Tagen bei ihm eintreffen, wenn du auf dem Weg nicht trödelst oder vielleicht auch bei einem Händler ein Stück des Weges mitfahren kannst.“

Aaron fühlte sich, als wenn ihm mit einem Mal der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre. So viel gesprochen hatte sein Vater eigentlich noch nie mit ihm. Was heißt hier Gespräch, er hatte ihm einfach nur gesagt, dass er morgen gehen müsse. Er spürte in sich eine Leere, so wie er sie noch nie in seinem Leben gefühlt hatte.

Sein Vater war einfach vom Tisch aufgestanden und in den großen Schuppen gegangen, wo er sich mit dem Schleifen seiner Sensen beschäftigte. Aaron fragte sich wofür, denn das Gras war schon lange auf den Wiesen verdorrt.

Seine Mutter räumte den Tisch ab. Gegessen hatte niemand etwas. Auch sie starrte nur auf den Boden. Offensichtlich konnte sie es nicht über sich bringen, ihrem Sohn in die Augen zu blicken, denn sonst hätte sie wohl auch mit ihm reden müssen.

Aarons ganzer Körper hatte sich verkrampft. Um endlich wieder atmen zu können, gab er sich mit seiner noch verbliebenen Willenskraft einen gewaltigen inneren Ruck, erhob sich unter Schmerzen in all seinen Muskeln vom Tisch und ging in den Hof vor der Tür des Hauses.

Nach einem kurzen Blick voller Leid in den vor Staub gelblich schimmernden Himmel nahm er seinen Wanderstab aus hartem Buchenholz und machte das, was er immer tat, wenn er enttäuscht war über sich, andere oder das Leben im Allgemeinen: Er schickte sich an, dorthin zu gehen, wo er stets Trost gefunden hatte: auf den kleinen Gipfel auf der Anhöhe hinter dem Hof, ein Fußweg von knapp einer Stunde.

Keiner würdigte ihn eines Wortes. Weder Edelbert noch Marie riefen ihm nach und fragten ihn, wo er denn hinwolle. Sie wussten sowieso, wo er hinging.

Nach ein paar Schritten aber fühlte er, wie etwas sich an seiner Seite bewegte. Er war nicht überrascht, denn jedes Mal, wenn er auf den Gipfel wollte, konnte dies der Hofhund Leo, ein Mischlingsrüde undefinierbarer Rasse, spüren. Er begleitete ihn immer dort hinauf, und Aaron hatte noch nie etwas dagegen gehabt, denn der Hund verhielt sich ruhig, legte sich auf dem felsigen Gipfel mit guter Sicht auf das Tal und auf Rabennest einfach neben ihn. Aaron hatte das Gefühl, dass beide, Tier und Mensch, für kurze Zeit so dem trostlosen Alltag entfliehen konnten.

Der Auserwählte

Oh Wanderer durch das Leben, wenn du einen Auserwählten triffst,

so gibt es drei Dinge, an denen du ihn erkennen wirst:

Er ist nie allein. Jeder Auserwählte hat einen Gefährten,

auch wenn es sich dabei vielleicht nur um ein Tier handelt.

Dann hat er einen Stab bei sich.

Dieser kann aus Holz, Metall oder auch aus beidem bestehen.

Unscheinbar oder voll von Zierrat. Hüte dich vor dem Stab,

denn dieser beherbergt die Macht des Auserwählten.

An einem wirst du ihn aber immer erkennen:

Nur wenn du gar keine Gefühle mehr hast,

wirst du nicht die Macht spüren, die ihm gegeben ist.

Wenn du es willst, lass dich von seiner Macht einnehmen.

Nur wenn du Angst hast, wirst du ihn verdammen.

Jedoch dann bist du selbst verdammt.

Volksweisheit, Ostwald,aus dem frühen Zeitalter

Auf dem Gipfel

Der am Anfang nur leicht ansteigende Weg hinauf zum Gipfel kam Aaron diesmal schon zu Beginn viel steiler vor als sonst.

Vielleicht lag es an seiner Erschöpfung. Er hatte das Gefühl, sein Kopf würde glühen, aber schwitzen konnte er nicht, er hatte wohl keine Flüssigkeit mehr in seinem Körper.

Und dann war da diese Leere in seinen Gedanken. Er wusste nicht, wie sein Leben weitergehen sollte. Er hatte sich immer darauf verlassen, dass er irgendwann einmal den Hof von seinem Vater übernehmen würde, wenn dieser keine Kraft mehr für die harte Arbeit haben würde. Und jetzt war da, von einem Augenblick auf den anderen, gar nichts mehr.

Die monotone Bewegung des Gehens, einen Schritt vor den anderen, beruhigte ihn jedoch, wenn auch nur ganz allmählich.

Als er an den Beginn des steileren Abschnittes seines kurzen Aufstieges kam, dort wo der Weg aus dem sonst von Laubbäumen beschatteten Teil endete und in einen steinigen, mit Löchern und Totholz übersäten und sich in Schlangenlinien windenden engen Pfad überging, konnte er erste klare Gedanken fassen und nahm auch seine Umgebung einigermaßen wahr.

Geschwächt von der Hitze und zusätzlich von seinem schon unbändigen Durst war er froh, dass er seinen alten Holzstab bei sich hatte. Dieser half ihm ein ums andere Mal, sein Gleichgewicht zu halten, wenn er auf dem immer steiniger werdenden Pfad strauchelte. Sein Stab hatte ihn noch nie im Stich gelassen, wenn er in den Wäldern um Rabennest unterwegs gewesen war. Wenn er ein verdächtiges Geräusch hörte, das ihm Angst einjagte, konnte er sich an seinem Stab festhalten und sich diesen als starke Waffe vorstellen, so dass seine Angst wieder kleiner wurde.

Nun registrierte er auch wieder seinen Hund Leo und erst jetzt nahm er sich die Zeit, seinen Gefährten genauer zu betrachten.

Von mittlerem Wuchs, etwas über kniehoch, hatte das Tier ein mittellanges, zwischen ocker und dunkelbraun wechselndes Fell. Die braunen, tiefgründigen Augen sahen ihn von Zeit zu Zeit wissend, verständnisvoll und mitfühlend an. Aaron fragte sich oft, ob nicht ein Hund seinem menschlichen Herrn treuer ergeben war als jeder Mensch. Futter, Wasser, manchmal ein liebes Wort und ein paar Streicheleinheiten, mehr brauchte es nicht, um Leo glücklich zu machen.

Kurz und gut: Aaron nannte einen richtigen Allerweltsköter sein Eigen. Aber um nichts auf der Welt würde er diesen für einen anderen Hund eintauschen, denn nichts konnte das überbieten, was Leo bereit war ihm zu geben: Zuneigung und Treue.

Schließlich erreichte Aaron eine Stelle auf dem Pfad kurz unterhalb des Gipfels, an der von jeher eine kleine Quelle den Beginn eines ebenso kleinen Baches markiert hatte. In besseren Zeiten konnte man ohne Probleme aus einer kleinen Vertiefung seinen Durst mit klarem, kühlem und erfrischendem Quellwasser löschen. Jetzt war die Quelle zu einem erbarmungswürdigen Rinnsaal geworden, das nach wenigen Handspannen im Staub des Pfades versickerte. Trotzdem versuchte Aaron, ein paar Tropfen der abgestanden schmeckenden Flüssigkeit mit seinen Händen zu schöpfen. Seine befeuchteten Hände schleckte dann Leo mit seiner rauen und schon rissig-trockenen Zunge ab.

Die letzten Meter zum Gipfel muss man sich vorstellen, als wenn man ins Hochgebirge käme. Bäume und Sträucher waren schon längst verdorrt und trugen keine Blätter oder Nadeln mehr, hier gab es nur mehr Moose, knöchelhohes, trockenes Gras und verdorrten Farn. Dieser Teil des Aufstieges war zwar nicht lang, verlangte Aaron und Leo aber in ihrem geschwächten Zustand ihre restlichen Kräfte ab.

Letztendlich war es dann doch geschafft: Aaron und Leo ließen sich erschöpft auf die von der Nachmittagssonne aufgeheizten und damit nahezu glühenden Felsen niederfallen, die schon manch einem müden Wanderer als Raststätte gedient hatten.

Aaron legte seine Füße auf einen etwas höher gelegenen großen Stein und machte es sich so bequem wie möglich. Dann ließ er seinen Blick über das Tal von Ostwald schweifen. Weit in der Ferne, im Südwesten, konnte er einen Teil von Großostwald sehen, dort wo sein Onkel seine Schmiede hatte. Über der für ihn als fast schon überwältigend empfundenen Stadt stand eine Rauchschwade von den vielen kleinen Feuern, die jetzt mangels Holz von Kuhdung befeuert wurden. Ungünstige Winde trugen diesen stinkenden Rauch des Öfteren auch schon einmal bis nach Rabennest und erschwerten bei der herrschenden Hitze zusätzlich noch das sowieso schon mühsame Atmen. Aber was sollten die Leute tun? Gekocht werden musste immer.

Leo legte seine Schnauze in Aarons Schoß, seufzte kurz und schloss die Augen. Nach wenigen Augenblicken wurde der anfänglich rasselnde Atem des Tieres immer ruhiger und gleichmäßiger. Diese Regelmäßigkeit übertrug sich auf Aaron, und auch er fühlte eine innere Ruhe in sich aufsteigen. Schließlich begann er einzudösen.

Während die zwei Lebewesen auf dem Gipfel des kleinen Hügels hoch über Rabennest kurz auf ihrem beschwerlichen Weg innehielten, bemerkten sie nicht, wie die rötlich schimmernde Sonne sich immer mehr verfinsterte.

Man konnte es erst nur erahnen, aber genau auf der Höhenlinie der im Westen befindlichen kleinen Gebirgskette konnte man einen jetzt noch schmalen Streifen einer Dunkelheit erblicken, so abgrundtief, als wäre man in einer Höhle ohne jegliche Lichtquelle eingesperrt. Dies glich in keinster Weise einem normalen Sonnenuntergang kurz vor einem drohenden sommerlichen Unwetter.

Aber von all dem bekamen Leo und Aaron nichts mit. Beide waren in einen tiefen, traumlosen Schlaf gesunken, vergaßen dabei vor lauter Erschöpfung und Durst für einen kleinen Augenblick die Welt um sich herum.

Je weiter die Sonne versank, umso höher stieg die bedrohliche Dunkelheit von Westen her auf. Als der untere Rand der Sonnenscheibe die Dunkelheit berührte, kam es zu einer stillen Explosion am westlichen Himmel. Völlig lautlos, jedoch mit einer unheimlichen Intensität waren alle Farben des Regenbogens am Himmel zu sehen, die dazu in allen Schattierungen nur kurz, aber unglaublich intensiv, aufleuchteten.

Und die Stille der Explosion breitete sich vom Horizont langsam, aber unaufhaltsam immer weiter über das Tal und die Berge von Ostwald aus.

Und noch mehr: nach ein paar Stunden, es ging schon auf Mitternacht zu, hörte man gar nichts mehr. Keinen Vogelruf, kein Gescharre von Mäusen im trockenen Gras, kein Geraschel von Insekten im verdorrten und schon halb zerfallenen Laub im Wald. Einfach nichts mehr.

Es war schon einige Zeit nach Mitternacht, als Aaron von einem für ihn kaum wahrnehmbarem, aber andauerndem und immer eindringlicherem Gewimmer geweckt wurde. Ein Gefühl von Unruhe und Furcht hatte ihn aus seinem tiefen und traumlosen Schlaf geweckt.

Leos Kopf lag immer noch in seinem Schoß, jedoch hatte sein tierischer Gefährte die braunen Augen weit geöffnet und schaute angstvoll himmelwärts. Das Tier wurde von einem Zittern gepeinigt, so wie ein Tier nur zittert, wenn es Angst um sein Leben hat.

Aaron fühlte, wie sich die Muskeln im Körper von Leo immer weiter verkrampften.

Auf das Tiefste beunruhigt, war er plötzlich hellwach. Er legte seine Hand beruhigend auf die Flanke seines Hundes, dann blickte er hoch zum Himmel.

Über ihm konnte er eine Dunkelheit erblicken, so wie er sie noch nie in seinem Leben gesehen hatte. „Sehen“ beschreibt es eigentlich nicht richtig, vielmehr war es ein tiefes Gefühl von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, das ihn mit eisernem Griff umfing.

Was ihm aber noch viel mehr Angst als die Stille und die Dunkelheit machte, war das, was er noch am Himmel sehen konnte: lautlose, grelle und unglaublich Furcht einflößende Blitze, die sich über das ganze Firmament zogen und ineinander verwoben. Aber: Nicht der kleinste Windhauch war zu spüren und auch kein Donnern zu hören wie bei einem normalen Gewitter.

Panische Angst durchfuhr Aaron.

Er sprang auf, packte seinen Stab und befahl Leo mit heiserer und zittriger Stimme ihm zu folgen.

Aaron wusste, wo er hinwollte: zur verborgenen Höhle mit dem kleinen unterirdischen See, der auch jetzt in diesem trockenen Sommer noch Wasser führte. Den Eingang zu dieser Höhle kannten nur wenige Menschen im Tal von Ostwald, denn die Höhle galt als verhext und als ein Ort von Mysterien. Die Menschen in Ostwald waren von jeher abergläubisch gewesen. Und so hatten sie seit Urzeiten Angst vor dem gehabt, was sie sich nicht erklären konnten.

Aaron hatte keine Angst vor Mysterien. Aber er hatte Angst vor der lautlosen Dunkelheit.

Leo und er würden in der Höhle bleiben, bis der neue Tag anbrach.

Glaube, Mensch

Mensch, warum fürchtest du dich vor dem,

das du dir nicht erklären kannst?

Ein wesentlicher Sinn des Lebens liegt doch darin,

dass du an etwas glauben kannst, ganz egal, was es auch sei.

Im Laufe deines Lebens wirst du viel lernen und Erfahrungen sammeln.

Vieles kannst du dir dann erklären

und verlierst so auch die Angst davor.

Aber immer wird da etwas bleiben,

für das du keine Erklärung finden wirst,

auch wenn du noch so sehr danach strebst und suchst.

Lass dieses Etwas einfach unerklärbar bleiben,

denn auch dies macht es aus, ein Mensch zu sein.

Wenn du alles erklären kannst, dann fehlt dir etwas,

was das Menschsein im Kern ausmacht:

Du musst kein Vertrauen mehr zu etwas haben.

Kein Vertrauen mehr zu einem Freund, der dir ohne zu zögern hilft.

Kein Vertrauen mehr zu deiner Familie, die für dich da ist.

Kein Vertrauen mehr zur Erde, die dich letztendlich ernähren wird.

Vertraue darauf,

dass du dir nicht alles im Leben erklären wirst können.

Denn dann hast du etwas für dich gewonnen,

was dein eigenes Menschsein im Inneren ausmacht:

Du wirst nie allein sein.

Weisheit vom Glauben aus denfernöstlichen Ländern, Frühzeit

In der Höhle

So schnell er und Leo konnten, stolperten und schlitterten sie vom Gipfel herunter. Immer wieder, wenn ein Blitz am Himmel in ihrer Nähe kurz die Dunkelheit aufhellte, konnte Aaron einen weiteren Teil des kurzen Weges zum Höhleneingang erkennen. Dieser befand sich nicht weit vom Gipfel hinter einer engen Baumgruppe von Nadelhölzern versteckt in einer kleinen Felsformation. Die Öffnung zur Höhle selbst war gerade groß genug, dass sich ein schlanker Mensch wie Aaron hindurchzwängen konnte. Zuerst aber mussten sich Leo und er noch durch ein Dornengebüsch kämpfen, das den Eingang zur Höhle behütete.

Kurz bevor sie die Öffnung erreichten, zerriss völlig unerwartet ein unglaublich lautes Grummeln, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Knall die zuvor unnatürliche Stille. Beide hatten sich nicht darauf vorbereiten und schützen können, und so stach ihnen ein Schmerz, einem Wespenstich gleich in ihre Ohren. Leo konnte nur mehr leise wimmern. Nach diesem Krachen hörten beide dann nur mehr ein gedämpftes Summen, das aus ihren eigenen Köpfen zu kommen schien.

Ein paar Sekunden später und nur wenige Meter vor dem Höhleneingang kam es Aaron so vor, als wenn sich alle Schleusen des Himmels auf einmal öffnen würden.

Der Regen fiel in dicken, harten Tropfen, so groß wie kleine Kirschen, von einem Augenblick zum anderen mit einer Heftigkeit vom Himmel, die nicht so sehr an einen Gewitterschauer erinnerte, als an den fallenden Strom eines kleinen Wasserfalles. Man glaubte, fast davon erschlagen zu werden.

Die Regentropfen, vielmehr die erdrückende Wand aus Wasser, war aber nicht das Schlimmste. Die Luft kurz vor dem Regen war unheimlich schwer, schwül und staubgeschwängert gewesen. Mit dem ersten Tropfen Regen änderte sich dies jedoch schlagartig: Man hatte das Gefühl, direkt vom heißen Sommer zum Winteranfang geschleudert zu werden. Das Wasser fühlte sich so kalt an wie ein tagelanger Regen im Spätherbst, wenn man merkt, dass es in den nächsten Stunden zu schneien beginnen wird.

Geschockt, in kurzer Zeit völlig durchnässt und ihrer Bewegungen kaum mehr Herr, stürzten sich Leo und Aaron mit ihren letzten Kräften durch den Dornbusch, um dem Inferno draußen in der Welt zu entgehen. Dabei konnten sie es nicht vermeiden, am ganzen Körper von den spitzen und durch die Trockenheit noch härter gewordenen Dornen zerkratzt zu werden. Aarons Tunika wurde völlig zerfetzt und sie hing nur mehr als Lumpen an seinem aus vielen kleinen Wunden blutendem Körper. Auch Leos Fell war an mehreren Stellen aufgerissen worden.

Aaron wusste, dass sich rechts nach dem Höhleneingang eine geschützte Nische befand, gleich hinter einem kleinen Felsvorsprung, dessen Boden von weichem und trockenem Sand bedeckt war. Dorthin schleppten sich er und Leo, mehr den Weg erahnend und ertastend, als dass sie diesen mit den Augen hätten sehen können.

Der sandige Boden in der Nische hatte die unnatürliche Hitze der letzten Monate in sich aufgenommen. Beide ließen sich dort völlig erschöpft auf den warmen Untergrund fallen und konnten erst jetzt wieder Atem schöpfen, auch wenn sich in der Höhle nur noch stickigere und schwerer zu atmende Luft befand als draußen.

„Leo, was sollen wir nur tun? Dort draußen geht wohl die Welt unter. Hast du so etwas schon mal erlebt? Hast du die Eiseskälte im Regen gespürt?“, fragte Aaron in Richtung seines Hundes.

Dieser konnte seinen Kameraden nur mit tieftraurigem Blick ansehen, kam aber dann im Halbdunkel der Höhle zu ihm gekrochen und leckte ihm die Hand. Aaron rappelte sich hoch und kraulte Leos Hals mit vor Kälte starren Fingern.

So beruhigten sich beide gegenseitig, ihr Atem wurde wieder regelmäßiger und die Todesangst wich Hilflosigkeit. Beide wussten nicht, wie lange sie in der Höhle würden bleiben müssen, denn draußen vor dem Eingang brach wahrlich die Hölle los.

Zu der Sturzflut an Regen hatte sich ein Sturm erhoben, ein Sturm so gewaltig, wie ihn Aaron und auch wohl ganz Ostwald noch nicht erlebt hatten. So lautes Geheule, dass dies sogar Aaron und Leo mit ihren vom Donnerschlag fast tauben Ohren über das immer noch andauernde Summen hinaus ohne Probleme wahrnehmen konnten.

Dazu war zu vernehmen, wie der Sturm die vertrockneten Bäume rund um den Gipfel zuerst wie Grasbüschel in die eine Richtung bog und schließlich mit nur einer Böe wie trockenes Reisig einfach abbrach. In nur wenigen Sekunden zerstörte diese eine Böe pflanzliches Leben, das teilweise mehrere Hundert Jahre gebraucht hatte, bis aus einem kleinen Pflänzchen ein stattlicher Baum geworden war. Das Prasseln der brechenden Bäume verstärkte noch das ohrenbetäubende Geheul des Sturmes. Trotz des Schutzes durch die Höhle konnten Aaron und Leo spüren, wie der Wald um sie herum im Todeskampf erzitterte.

Aaron lag nur da und wollte die Zeit bis zum Ende des Sturmes abwarten, um dann ins Tal hinab zu eilen, um nach Edelbert, Marie und dem Hof zu sehen. Er hoffte, dass beide bei den ersten Anzeichen des Sturmes in den Keller gekrochen waren und ihn überlebt hatten.

Es kam ihm vor, als wenn der Sturm Ewigkeiten gedauert hätte. Aber so plötzlich, wie er mit dem Donnerschlag begonnen hatte, endete er auch. Dann aber herrschte um ihn herum wieder diese unwirkliche Stille. Zu hören waren da nur das trockene, hechelnde Schnaufen seines Hundes und sein eigenes angsterfülltes, tiefes Atmen.

Und plötzlich, zu Beginn kaum merkbar, begann die Höhle hinter der versteckten Nische in einem dunkelroten Schein zu glühen. Das Glühen wurde immer stärker und leuchtender, bis es das Dunkel der Höhle völlig verdrängt hatte und man die Gesamtheit der Höhle erkennen konnte. Das flackernd rote, schemenhafte Licht ähnelte verglühenden Holzresten eines Feuers.

Zusätzlich bemerkten beide, Aaron und Hund, eine Veränderung in der Luft der Höhle, die jedoch nicht von der jetzt eisig vom Höhleneingang hereinwehenden und vom Regen feuchten Atmosphäre verursacht wurde. Es stank nach verwestem Fleisch, so als hätte sein Vater in der Hitze des Sommers einen geschlachteten Hasen in der Schlachtstube vergessen, um den schon Schmeißfliegen schwirrten.

Etwa zwanzig Schritte von Aarons und Leos versteckter Nische entfernt befand sich das Ufer des kleinen unterirdischen Sees. Aaron kroch auf seinem Bauch so weit um den Felsvorsprung herum, bis er freie Sicht auf das Ufer hatte.

Das dunkelrote Leuchten schien vom tiefen Grund des Sees zu kommen. Es verstärkte sich unentwegt und wurde immer intensiver, sodass es für ihn schon schwierig wurde, direkt in Richtung des Sees zu blicken. Zugleich wich etwa in der Mitte des Sees das dunkle Wasser zu beiden Seiten zurück und es bildeten sich etwa zehn Schritte hohe Wände aus rötlich schimmerndem Wasser, die wie von Geisterhand berührt den Kräften der Natur widerstanden und zitternd fest wurden. Man hatte nun freien Blick in Richtung des Seegrundes, dort unten wurde das Gleißen des roten Lichtes immer greller, sodass Aaron schließlich seine Augen abwenden musste. Leo hatte schon lange seine Schnauze unter Aarons Bauch geschoben und lag zitternd neben seinem menschlichen Freund.

Aus den Augenwinkeln ahnte es Aaron mehr, als dass er es sah, wie im rötlich-gleißenden Licht des Seegrundes dunkle Schatten auftauchten. Zuerst glaubte er, er habe sich getäuscht oder seine geblendeten Augen würden ihm einen Streich spielen, aber letztlich bestätigte es sich doch. Aus dem Licht kamen Reiter, so furchterregend, dass Aaron der Atem stockte.

Es waren, wie Aaron später herausfinden sollte, die Soldaten der Dunklen Armee aus Westwald, die Schergen des Dunklen Königs Malgor und seiner Gefährtin, der Hexe Destrara.

Der Weg zur Dunklen Seite

Denkendes Wesen,

wenn du diese Zeilen lesen kannst,

dann hast du den ersten Schritt

auf dem Weg zur Dunklen Seite schon getan:

Du hast das geheime Buch der Dunklen Seite gefunden

und es geöffnet.

Sei gewarnt, denn je mehr du dich diesem Geheimnis hingibst,

umso schwieriger wird es für dich werden,

einen Weg zurückzufinden.

Wenn du diesen Weg gehen willst,

dann nur mit deiner ganzen Kraft.

Alles, was du dafür brauchst, hast du bereits in dir:

Lüge, Betrug, Neid, Hass und Gewalt.

Wenn du dich davor nicht scheust, wirst du alles erreichen,

was du dir für dein Leben erträumst.

Geld, Macht und unvorstellbare körperliche Freuden.

Schreite voran und Welten werden dir zu Füßen liegen.

Einleitung zu„Magie der Dunklen Seite“,gilt seit Anbeginn als verschollen

Die Schwarzen Männer

Aaron glaubte seinen Augen nicht trauen zu können. Er lag, erstarrt wie ein im hohen Gras verstecktes Rehkitz im Angesicht eines jagenden Wolfes, regungslos hinter dem kleinen Felsvorsprung und brachte nicht einmal den Mut auf, wieder weiter zurück in die Nische zu kriechen, um vielleicht dort nicht von den vor ihm aus der Furt zwischen den Wasserwänden auftauchenden Kreaturen gesehen zu werden. Vielleicht wollte er dies auch gar nicht, denn von dem Schauspiel vor seinen Augen ging eine eigentümliche Faszination aus, der er sich offenbar nicht entziehen konnte.

Die Pferde der Reiter kamen Aaron übergroß vor, sie hatten mächtige Muskeln, ihre Flanken und ihre Brust waren mit ledernen Harnischen gepanzert, die darüber hinaus teilweise auch noch mit dunkel schimmernden Metallplatten verstärkt waren. Das kurze schwarze Fell der schnaubenden Tiere glänzte rötlich im Schein der noch immer erleuchteten Höhle.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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