Beschreibung

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz! Als Klaras Ehemann Tobias erfährt, dass ihr Wanderapotheker Armin in Rübenheim verhaftet worden ist, bricht er auf, um diesem beizustehen. Doch kaum in Rübenheim angekommen, wird er selbst verhaftet, da man ihn als Erzeuger der Arznei für schuldig erachtet, den Tod des Bürgermeisters herbeigeführt zu haben. Zuhause muss Klara unterdessen neben ihrem Mann auch ihren Schwiegervater ersetzen, da dieser sich verletzt hat. Dabei bekommt sie es mit einem Mann zu tun, der alles tut, um ihren Mann und ihren Schwiegervater aus dem Wanderhandel mit Arzneien zu verdrängen. »Eine schlimme Nachricht« ist der erste Teil des sechsteiligen eSerials »Die Liebe der Wanderapothekerin«.

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MOBI

Seitenzahl: 114


Iny Lorentz

Die Liebe der Wanderapothekerin 1

Eine schlimme Nachricht

Knaur e-books

Über dieses Buch

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz!

Als Klaras Ehemann Tobias erfährt, dass ihr Wanderapotheker Armin in Rübenheim verhaftet worden ist, bricht er auf, um diesem beizustehen. Doch kaum in Rübenheim angekommen, wird er selbst verhaftet, da man ihn als Erzeuger der Arznei für schuldig erachtet, den Tod des Bürgermeisters herbeigeführt zu haben. Zu Hause muss Klara unterdessen neben ihrem Mann auch ihren Schwiegervater ersetzen, da dieser sich verletzt hat. Dabei bekommt sie es mit einem Mann zu tun, der alles tut, um ihren Mann und ihren Schwiegervater aus dem Wanderhandel mit Arzneien zu verdrängen.

Inhaltsübersicht

1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. KapitelDie Liebe der Wanderapothekerin Teil 1 –PersonenHistorischer ÜberblickAlle Teile von »Die Liebe der Wanderapothekerin«
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1.

Klara biss die Zähne zusammen, doch die Übelkeit wollte nicht weichen. Aber wenn sie die Kirche verließ, um draußen ihren Magen zu entleeren, würden ihr scheele Blicke folgen und einige ihr sogar nachreden, sie wäre vom Teufel besessen, weil sie den Weihrauch und die Predigt des Pastors nicht vertrüge. Dabei war sie schwanger und wurde von einer besonders üblen Morgenübelkeit geplagt. Ich hätte nicht in die Kirche gehen sollen, dachte sie. Und doch wusste sie, dass auch dies keine Lösung gewesen wäre. In ihrer ersten Schwangerschaft war sie dem Gottesdienst ein paarmal ferngeblieben, und sofort hatten die Schwatzweiber von Königsee sich das Maul darüber zerrissen.

Mit eisernem Willen beherrschte sie ihren Magen, schwitzte aber vor Anstrengung und war froh, als der Pfarrer sein letztes Amen sprach. Klara zwang sich, nicht sofort hinauszustürzen, sondern ließ den alten Frauen den Vortritt.

Eine von ihnen lächelte ihr zu. »Bist ein braves Weib, Justin! Da könnte sich so manch hochfahrende Jungfer ein Beispiel nehmen.«

Klara senkte kurz den Kopf, spürte dabei, dass die Übelkeit abnahm, und atmete auf. Ganz so schlimm wie vor gut drei Jahren, als sie mit dem kleinen Martin schwanger gegangen war, hatte es sie diesmal nicht befallen. Bei dem Gedanken an ihren Sohn lächelte sie. Martin hatte wieder Freude in das Leben ihres Schwiegervaters gebracht, nachdem dessen Ehefrau Magdalena kurz zuvor verstorben war. In sechs Monaten würde er sich über einen weiteren Enkel oder eine Enkelin freuen können.

In Gedanken versunken, hatte Klara kaum bemerkt, dass die Kirche sich geleert hatte. Erst eine Berührung am Arm ließ sie aufblicken. Es war Tobias, ihr Mann.

»Geht es dir nicht gut, mein Schatz?«, fragte er besorgt.

Klara sah ihn lächelnd an. »Vorhin war es quälend, doch jetzt geht es wieder. Ich muss nur an die frische Luft.«

»Dann komm! Vater ist schon draußen.« Tobias bot Klara seinen Arm und führte sie auf den Vorplatz. Dort hatten sich bereits viele Kirchenbesucher eingefunden. Während die meisten Männer dem Wirtshaus zustrebten, standen die Frauen in der Nähe des Portals und tauschten den neuesten Klatsch aus.

»Sollen wir gleich nach Hause gehen?«, fragte Tobias.

Klara schüttelte den Kopf. Sie wusste, dass er noch mit einigen Männern sprechen und hinterher einen Krug Bier in der Schankwirtschaft trinken wollte. Auch fühlte sie sich mittlerweile wieder gut genug, um den Weg allein zu bewältigen. Daher löste sie sich von Tobias und trat zu den anderen Frauen.

Deutlich war eine Trennung zwischen den einzelnen Ständen und Gruppen zu erkennen. Als Schwiegertochter des reichen Laboranten Rumold Just war Klaras Platz bei den wohlhabenden Bürgerinnen und den Ehefrauen der fürstlichen Beamten in Königsee. Während es bei den Weibern der einfacheren Stände recht lebhaft zuging, achteten die bessergestellten Frauen auf die Bedeutung, die ihnen ihre Abstammung und die Familie verliehen.

Klara, die als Tochter eines einfachen Wanderapothekers aufgewachsen war, hätte sich gewünscht, sich zu den Ärmeren gesellen zu können. Bei denen wurde zwar auch gehechelt und gestritten, aber aus ehrlichem Herzen. Stattdessen war sie gezwungen, sich das ebenso gezierte wie vergiftete Gerede der Damen anzuhören.

Während die Frau des Pastors eben über eine Magd des Amtsmanns herzog, die sich durch unsittliches Verhalten einen dicken Bauch geholt habe, blickte Klara zu ihrem Mann hinüber. Noch heute erschien es ihr wie ein Wunder, dass Tobias sich in sie verliebt und die Heirat bei seinen Eltern durchgesetzt hatte. Er war der liebenswerteste Mensch, den sie kannte, sah obendrein noch gut aus und hatte Verständnis für all ihre kleinen und großen Sorgen. Auch mit ihrem Schwiegervater kam sie gut zurecht. Leider hatte er nach dem Tod seiner Frau die Freude am Leben verloren und überließ Tobias die meiste Arbeit bei der Herstellung ihrer Arzneien. Dennoch galt er nach wie vor allen als der Herr im Hause Just. Klara lächelte, denn sie war sich sicher, dass ihr Mann ihm ohne Schwierigkeiten würde nachfolgen können.

Sie hoffte jedoch, dass dieser Tag noch fern war, denn sie lebten alle gut miteinander. Zudem war es nie schön, am Grab eines Menschen stehen zu müssen, den man geliebt hatte. Mit diesem Gedanken wandte sie sich wieder dem Gespräch der Damen zu. Es unterschied sich nicht nur durch die gezierte Sprache und die feinen Spitzen, die darin verteilt wurden, von dem der einfacheren Frauen. Die Ärmeren nahmen es einer Magd nicht übel, wenn sie einen dicken Bauch bekam. Hier aber wetzten die Pharisäerinnen, wie Tobias sie nannte, ihre Schnäbel, und die waren äußerst scharf.

Um der Höflichkeit Genüge zu tun, blieb Klara eine Zeitlang bei den Frauen stehen, dann verabschiedete sie sich erleichtert und strebte dem stattlichen Anwesen ihres Schwiegervaters zu. Dieser war bereits mit Tobias zusammen zum Wirtshaus gegangen, doch die beiden würden rechtzeitig zum Mittagessen zurück sein. Bis dorthin lag einiges an Arbeit vor ihr und der Köchin Kuni.

Ein paar Frauen sahen ihr nach, und nicht alle taten es mit Wohlwollen. »Seht nur, wie stolz sie geht!«, sagte eine Jungfer, die sich vor ein paar Jahren große Hoffnungen gemacht hatte, der schmucke Laborantensohn Tobias Just könnte sie heimführen.

»Dabei ist sie nur die Tochter eines schlichten Buckelapothekers und ist sogar selbst als Wanderapothekerin durch die Lande gezogen«, warf eine zweite Frau ein.

Ihre Nachbarin wollte ebenfalls nicht zurückstehen. »Man muss sich wirklich fragen, was der junge Just an ihr gefunden hat.«

»Wahrscheinlich die Bereitwilligkeit zu gewissen Dingen, die leider Gottes bei Mädchen niederen Standes verbreitet sind«, erwiderte die Frau des Pastors. Sie hatte mehrere Töchter zu versorgen, und da wäre ihr der Sohn eines wohlhabenden Laboranten als Schwiegersohn durchaus willkommen gewesen.

»Es steht schon in der Bibel, dass ihr nicht falsches Zeugnis ablegen sollt über euren Nächsten«, mahnte die alte Frau, der Klara in der Kirche den Vorrang gewährt hatte. »Immerhin hat Klara Just ihr erstes Kind geziemende vierzehn Monate nach ihrer Hochzeit geboren, und ich habe nie eine Klage über sie gehört, dass sie hoffärtig wäre oder jemanden beleidigt hätte. Euer Ehemann«, der Finger der Alten stach auf die Frau des Pastors zu, »nannte sie letztens von der Kanzel ein glänzendes Beispiel christlicher Nächstenliebe, denn sie hat, als das Haus von Matthes in Lichta abgebrannt ist, nicht nur für den armen Mann gespendet, sondern drei von dessen Kindern im Haus ihres Schwiegervaters aufgenommen, bis die neue Kate errichtet war.«

Einige der Frauen freuten sich über die Zurechtweisung der Pfarrersfrau, da diese sich ihrer Meinung nach etwas zu viel auf ihre Stellung einbildete und kaum ein gutes Haar an anderen ließ. Die Pastorenfrau selbst aber wandte sich grußlos ab und strebte erhobenen Hauptes dem Pfarrhaus zu.

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2.

Unterdessen hatte Klara das Anwesen ihres Schwiegervaters erreicht und trat in ihre Kammer, um sich umzuziehen. Als sie kurz darauf zur Küche hinunterstieg, wunderte sie sich, Stimmen zu vernehmen. Immerhin war Kuni allein zurückgeblieben, und der kleine Martin spielte draußen im Garten.

Sie öffnete die Küchentür und stieß einen Laut der Überraschung aus. »Martha! Wie schön, dich zu sehen!«

Begeistert umarmte sie ihre Freundin, nahm erst dann den schmerzlichen Ausdruck auf deren Gesicht wahr und sah sie erschrocken an. »Ist etwas Schlimmes geschehen?«

Martha nickte. »Ja! Aber das werde ich dir später erzählen. Zuerst sollten wir zusehen, dass die Brotklöße so werden, wie Tobias und sein Vater sie mögen.«

»Ihr könnt ruhig ein wenig miteinander schwatzen. Martha hat mir genug geholfen, so dass ich jetzt allein zurechtkomme«, erklärte Kuni.

Trotz dieser Worte sah Klara sich in der Küche um, stellte aber fest, dass Kuni recht hatte. Für sie gab es nichts mehr zu tun.

»Dann komm mit!« Sie führte Martha in ihr Nähzimmer. Es war zwar nicht besonders groß, bot aber Platz für einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Vor allem aber wagte weder ihr Mann noch ihr Schwiegervater, sie in diesem Raum zu stören.

Klara goss Schlehenwein in einen Becher, stellte ihn vor Martha hin und sah sie auffordernd an. »Was gibt es?«

Zunächst druckste Martha ein wenig herum, hob dann mit einer hilflosen Geste die Hände und brach in Tränen aus. »Es geht um Fritz’ Vater!«

Klara kannte den alten Kircher als einen kleinen Bauern, der sich bislang mühsam über Wasser gehalten hatte. In den letzten Jahren hatte sein Hof nicht zuletzt durch Zukäufe an Land, die er mit Marthas Geld hatte tätigen können, an Wert gewonnen. Da Marthas Ehemann Fritz ein besserer Landwirt war als sein Vater, konnte er seitdem genug erwirtschaften, um seiner Familie ein gutes Auskommen zu bieten.

»Was ist mit ihm?«, fragte sie. »Er ist doch nicht etwa gestorben?«

»Ich wollte, er wäre es!«, rief Martha erregt aus. Sie sah Klara mit wehen Augen an. »Alles hat mit dem Tod meiner Schwiegermutter im letzten Winter angefangen. Am nächsten Tag schon begann Fritz’ Vater, mir nachzustellen. Er sagte mir ins Gesicht, dass er, da ich nach vier Jahren Ehe von seinem Sohn nicht schwanger geworden wäre, wohl selbst für seine Enkel sorgen müsse!«

»Aber das ist doch …« Klara fehlten die Worte.

»Zuerst habe ich es nur für das dumme Gerede eines alten Mannes gehalten und mir nicht viel dabei gedacht. Aber dann bedrängte er mich wieder und wieder. Wenn Fritz nicht in der Nähe war, griff er mir an die Brust oder an den Hintern. Als ich ihm sagte, er solle damit aufhören, weil ich es sonst meinem Mann sagen würde, lachte er mich aus. Er erklärte mir, er wäre der Herr auf dem Hof, und Fritz hätte zu kuschen – und ich ebenfalls!«

Martha rieb sich die Tränen aus den Augen. »Er brachte mich so weit, mich schuldig zu fühlen, weil ich noch kein Kind geboren habe. Daher wollte ich unbedingt von Fritz schwanger werden. Aber es kam nicht dazu. Und dann … dann hat mich der Alte im Stall überfallen, mich auf die Streu gedrückt und mich wie ein Wilder mit Gewalt gerammelt. Er meinte, ich dürfe es Fritz gerne erzählen. Dem würde er sagen, ich hätte mich ihm angeboten, um ein Kind zu bekommen, weil Fritz es ja fast vier Jahre lang nicht geschafft habe, mir eins in den Bauch zu schieben!«

»Hast du es Fritz erzählt?«, fragte Klara.

Ihre Freundin nickte.

»Und?«

»Es gab einen wüsten Streit! Dabei schrie der Alte Fritz an, da er bei mir nicht für Kinder sorgen könne, müsse er das wohl übernehmen. Sollte uns dies nicht passen, könnten wir den Hof verlassen.«

»Der Mann ist verrückt!«, rief Klara erregt aus. »Was hat Fritz daraufhin gesagt?«

»Er hat den Alten zur Rede gestellt, wurde aber von diesem scharf angefahren, und fragte mich zuletzt, ob es denn so schlimm sei, wenn ich seinen Vater das eine oder andere Mal machen lasse. Ich wünschte mir, er hätte mehr Selbstvertrauen, doch er ist zu sehr gewohnt, dem Alten zu gehorchen.«

»Das kann doch nicht wahr sein!«, rief Klara empört. »Wenn Fritz das von dir fordert, ist er ebenfalls verrückt. Ich wusste ja, dass er nicht viel im Kopf hat, aber das hätte ich nicht von ihm erwartet.«

Martha brach in Tränen aus. »Ich doch auch nicht! Auf jeden Fall habe ich ihm erklärt, dass er nicht mehr mein Mann ist, solange er von mir verlangt, die Hure für seinen Vater zu spielen. Dann habe ich mein Bündel gepackt und bin gegangen. Sie wollten mich zwar aufhalten, aber ich bin schneller als die beiden.« Martha zischte bei der Erinnerung an die Szene empört und klammerte sich an Klara. »Ich bitte dich, mir Obdach zu geben, bis ich weiß, wie es weitergehen soll.«

»Du bist meine beste Freundin, und ich lasse dich nicht im Stich.« Klara streichelte Martha sanft übers Haar und sagte sich, dass diese, wäre es ihr damals mit einer Heirat nicht so eilig gewesen, gewiss einen Mann mit einem festeren Charakter als Fritz Kircher gefunden hätte.

»Jetzt bleibst du erst einmal hier. Du kannst Kuni helfen und ein wenig auf Martin achtgeben. Der kleine Racker versetzt mich mit seinen Streichen immer wieder in Angst und Schrecken. Erst gestern habe ich ihn vom Bachufer weggeholt. Er wolle einen Fisch fangen, sagte er.«

»Mit drei Jahren? Da fängt er aber früh an!« Nun lächelte Martha doch, und als sie in sich hineinhorchte, freute sie sich darauf, Klaras Sohn um sich zu haben.

»Du bist so lieb zu mir!«, sagte sie und brach erneut in Tränen aus.

»Du hast so viel für mich getan, da kann ich auch ein wenig für dich tun«, antwortete Klara und wies zur Tür. »Wir sollten jetzt zurück in die Küche. Nun gibt es gewiss etwas für uns zu tun, denn es wird nicht mehr lange dauern, bis Tobias und sein Vater heimkommen.«