Beschreibung

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz! Um ihrem Mann Tobias zu helfen, bricht Klara nach Rübenheim auf. Dort begreift sie rasch, dass die Tochter des Bürgermeisters in der Stadt das Sagen hat, und diese will Rache für den Tod ihres Vaters. Der Richter Hüsing zweifelt hingegen an Tobias Schuld und geht mit Klara ein Bündnis gegen die Bürgermeisterstochter ein. Für Klara bedeutet dies neue Reisen und neue Gefahren. »Gegen Windmühlen« ist der dritte Teil des sechsteiligen eSerials »Die Liebe der Wanderapothekerin«.

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Seitenzahl: 115


Iny Lorentz

Die Liebe der Wanderapothekerin 3

Gegen Windmühlen

Knaur e-books

Über dieses Buch

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz!

Um ihrem Mann Tobias zu helfen, bricht Klara nach Rübenheim auf. Dort begreift sie rasch, dass die Tochter des Bürgermeisters in der Stadt das Sagen hat, und diese will Rache für den Tod ihres Vaters. Der Richter Hüsing zweifelt hingegen an Tobias’ Schuld und geht mit Klara ein Bündnis gegen die Bürgermeisterstochter ein. Für Klara bedeutet dies neue Reisen und neue Gefahren.

Inhaltsübersicht

1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. KapitelDie Liebe der Wanderapothekerin Teil 3 – PersonenHistorischer ÜberblickAlle Teile von »Die Liebe der Wanderapothekerin«
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1.

Klara blickte Mutter und Schwester nach, bis sie hinter einer Kurve ihrem Blick entzogen wurden. Am Vortag hatten die beiden noch mitgeholfen, Justs Haus zu reinigen. Trotzdem waren mehrere Kammern stark verrußt und rochen so sehr nach Rauch, dass niemand länger darin bleiben, geschweige denn eine ganze Nacht darin schlafen konnte. Dazu zählte auch jenes kleine Zimmer, das für Martha gedacht war. Klara hatte daher beschlossen, dass ihre Freundin nach ihrer Rückkehr erst einmal bei ihr nächtigen sollte. Bis Tobias wieder da war, wollte sie die Schäden des Brandanschlags beseitigt haben.

Bei dem Gedanken fragte sie sich wie schon so oft, wer das Haus hatte in Brand setzen wollen. Ihr Schwiegervater und ihr Mann waren angesehene Bürger von Königsee. Es war unvorstellbar, dass es im Ort Feinde geben sollte, die auf ihren Tod aus waren.

Es war ein Rätsel, das Klara nicht zu lösen vermochte. Allein der Gedanke, die Unbekannten könnten erneut aus dem Dunkeln heraus zuschlagen, war kaum zu ertragen. Wenn es wieder zu einem Anschlag kam, würde womöglich niemand früh genug aufwachen, um alle retten zu können. Klara erinnerte sich, dass ihre Mutter berichtet hatte, ihre Schwägerin Fiene und deren Tochter Reglind hätten sie in Katzhütte besucht. Obwohl sie von den Verwandten nicht gerade in Frieden geschieden war, glaubte sie nicht, dass die beiden auf ihren Tod aus waren. Immerhin sah es so aus, als würden Fiene und Reglind mittlerweile in angenehmen Verhältnissen leben.

»Zu viel Grübeln bringt nichts«, sagte Klara mahnend zu sich selbst und kehrte zum Haus zurück. Dort war der Zimmermann mit der Reparatur der beschädigten Fenster beschäftigt.

Klara blieb neben ihm stehen. »Du solltest die Fensterläden so verstärken, dass sie von außen nicht mehr geöffnet werden können.«

Der Zimmermann drehte sich mit zweifelnder Miene zu ihr um. »Wenn jemand sie aufbrechen will, hilft auch der beste Riegel nichts!«

»Dann sollte es wenigstens so viel Krach machen, dass jemand im Haus wach wird.«

»Das könnte gehen«, antwortete der Zimmermann. »Dafür aber brauche ich stärkere Riegel, und die muss mir der Schmied fertigen. Das wird noch ein paar Tage dauern.«

»Bis dorthin wird sich hoffentlich niemand an unseren Fenstern zu schaffen machen. Wenn du Durst hast, so lass dir von Kuni einen Krug Bier reichen.« Nach diesen Worten betrat Klara das Haus, wo ihr sogleich der stechende Brandgeruch in die Nase stieg.

Kuni kam mit missmutiger Miene auf sie zu. »Wir werden einige Vorräte entsorgen müssen, Frau Just. Das Zeug stinkt nach Rauch!«

»Das ist schade, aber nicht zu ändern. Kümmere dich darum!« Klara ging weiter und fand Liese dabei, Wäsche in einen großen Korb zu stopfen. »Wir werden alle Kleider, Laken und Decken, die noch zu retten sind, waschen müssen, Herrin. Das Zeug ist stark verrußt und stinkt.«

»Das sollen aber nicht Kuni und du machen. Hole dir zwei Tagelöhnerinnen für diese Arbeit«, wies Klara das Mädchen an.

Liese wiegte unschlüssig den Kopf. »Ich weiß nicht, ob die sorgsam genug mit unserer Wäsche umgehen werden.«

»Die Heide und die Bine haben schon oft anderer Leute Wäsche gewaschen, und man war immer mit ihnen zufrieden. Frag sie, ob sie auch für uns arbeiten wollen.«

Klara war froh, dass ihr die beiden Frauen eingefallen waren. Diese gingen zwar auf Tagelohn, doch sie waren als zuverlässig bekannt.

»Sie werden es gewiss gerne tun«, meinte Liese und lief los.

Klara suchte ihren Sohn und fand ihn im Garten. Er hatte sich dort unter den Apfelbaum gesetzt und kaute auf einem noch recht grünen Apfel herum.

»Gib acht, dass du keine Bauchschmerzen bekommst!«, warnte ihn die Mutter.

Der Junge lachte. »Äpfel sind gesund, sagt Großvater.«

»Das schon, aber erst, wenn sie reif sind.« Klara nahm dem Jungen den Apfel weg und warf ihn dem Schwein vor, das im Anbau gemästet wurde.

»Komm mit zu Kuni! Sie soll dir ein Butterbrot mit Honig schmieren«, sagte sie zu Martin.

Sofort hellte sich seine Miene auf. »Honigbrot mag ich noch lieber als einen Apfel.«

»Wenn die Früchte reif sind, wirst du ganz viele essen dürfen und auch von dem Saft trinken, den wir daraus bereiten«, versprach Klara ihm und nahm ihn bei der Hand.

Als sie bei Kuni in der Küche ankamen, hob diese zwinkernd den Kopf. »Der Kleine bekommt wohl wieder ein Honigbrot, was?«

»Woher weißt du das?«, fragte Martin verwundert.

»Ich sehe es dir an der Nasenspitze an! Außerdem gehst du nur dann so brav an der Hand deiner Mama, wenn es was Gutes gibt.« Kuni zerzauste dem Jungen den Schopf und machte sich daran, das Brot zu schmieren.

»Kann ich Martin bei dir lassen?«, fragte Klara. »Ich fühle mich so unruhig. Herr Just und Martha müssten heute aus Rudolstadt zurückkommen.«

»Vielleicht hat Herr Just dort mehr zu tun und braucht dafür ein paar Tage«, meinte Kuni.

»Mir wäre es lieb, wenn er zurückkäme. Mit einem Mann im Haus würde ich mich sicherer fühlen!«

Kuni lachte. »Mit seinem verletzten Fuß wäre er keine große Hilfe. Außerdem haben wir Frauen das Feuer auch ohne ihn gelöscht.«

»Mit tatkräftiger Unterstützung der Nachbarn«, schränkte Klara ein.

»Die sind erst zuletzt erschienen! Aber ich glaube …« Kuni blickte zum Fenster hinaus und wies auf einen Wagen, der eben die Straße herankam. »Da kommen der Herr und Martha zurück! Na, die werden sich wundern, wenn sie erfahren, was hier passiert ist.«

Den letzten Satz hörte Klara schon nicht mehr, dann sie rannte bereits aus dem Haus und dem Wagen entgegen.

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2.

Rumold Justs Gesicht wirkte grau, als er sich von Klara und Martha vom Wagen helfen ließ. Auch Martha sah aus, als hätte sie Schreckliches erlebt. Klara stand jedoch zu sehr unter dem Bann des Brandanschlags, um darauf achten zu können.

»Gott sei Dank seid ihr wieder hier!«, rief sie und schloss beide in die Arme.

»Wir bringen keine gute Nachricht! Wahrlich, gar keine gute«, sagte Just mit trüber Stimme, und Martha kämpfte gegen ihre Tränen an.

Nun erst begriff Klara, dass etwas Entsetzliches geschehen sein musste, doch als sie danach fragte, schüttelte Just den Kopf.

»Nicht hier vor allen Leuten!«

Also musste die Nachricht sehr schlimm sein, fuhr es Klara durch den Kopf. »Auch ich habe eine schlechte Neuigkeit«, sagte sie. »Jemand hat vorletzte Nacht versucht, unser Haus anzuzünden. Hätte Liebgard es nicht früh genug bemerkt, wären wir alle verbrannt!«

»Bei Gott!« Rumold Just starrte seine Schwiegertochter entgeistert an und bewegte die Lippen, ohne dass ein Ton herauskam.

»Wir sollten ins Haus gehen! Herr Just ist erschöpft«, sagte Martha besorgt.

Klara nickte und trat an die andere Seite ihres Schwiegervaters. Gemeinsam gelang es ihnen, ihn ins Haus zu schaffen. Da es in der guten Stube noch heftig nach Rauch stank, führten sie ihn in die Küche. Kuni schob ihm einen Stuhl hin. Kaum saß er, schlug er sich die Hände vors Gesicht, damit die anderen die Tränen nicht sahen, die ihm aus den Augen quollen. Er war so aufgewühlt, dass er nicht zu reden vermochte. Daher blieb es Martha überlassen, zu berichten, was sie in Rudolstadt erfahren hatten.

»Dein Mann ist in Rübenheim verhaftet worden!« Eigentlich hatte Martha es Klara schonend beibringen wollen, doch der Schrecken über den Brandanschlag war zu groß, als dass sie über eine bessere Formulierung hätte nachdenken können.

»Was?«, rief Klara entgeistert. »Aber warum?«

»Man gibt ihm die Schuld am Tod des Bürgermeisters dieser Stadt.«

»Zunächst hat man Armin Gögel deswegen festgesetzt, doch man schiebt die Schuld auf unsere Medikamente.« Endlich hatte Just sich so weit gefasst, dass er etwas sagen konnte. Gemeinsam mit Martha berichtete er, weshalb Gögel und Tobias eingesperrt worden waren, und auch davon, dass ihnen das Privileg, Arzneien zu erzeugen, vorerst entzogen worden war.

»Es besteht sogar die Gefahr, dass Herrn Justs Haus beschlagnahmt und dem fürstlichen Domänenamt zugeschlagen wird«, setzte Martha düster hinzu.

Klara brauchte einige Zeit, um das alles zu begreifen. Ihr eigenes Schicksal und das, was mit ihr, ihrem Schwiegervater und dem kleinen Martin geschehen würde, wenn sie tatsächlich enteignet und aus Schwarzburg-Rudolstadt ausgewiesen wurden, kümmerte sie am wenigsten.

»Man muss doch etwas für Tobias tun können!«, rief sie empört. »Er ist Schwarzburg-Rudolstädter Untertan. Die Bewohner von Rübenheim können ihn doch nicht einfach gefangen nehmen und ihm den Prozess machen.«

»Vor die Wahl gestellt, Tobias zu opfern oder das Wanderapothekerprivileg dieser Stadt und vielleicht der ganzen Landgrafschaft Hessen-Kassel zu verlieren, werden die Beamten des Fürsten diesem raten, den Behörden von Rübenstadt bei Tobias und Gögel freie Hand zu lassen.«

Dieses Argument wog schwer. Trotzdem war Klara nicht bereit, so einfach aufzugeben. »Wenn der Fürst nichts für Tobias unternimmt, müssen wir es tun.«

»Was willst du denn unternehmen?«, fragte ihr Schwiegervater mutlos. »Der Tote war der Bürgermeister dieser Stadt und einer der reichsten und mächtigsten Bürger in ganz Hessen-Kassel. Sie werden den Mann, den sie für seinen Tod verantwortlich machen, nicht einfach laufenlassen, weil wir ihnen schreiben, sie sollen es tun.«

»Klara hat recht!«, sprang Martha ihrer Freundin bei. »Wir dürfen unsere Hände nicht in den Schoß legen!«

»Jemand muss versuchen, mit Tobias zu reden.«

»Herrn Just ist das nicht möglich!«, wandte Martha ein. »Selbst wenn er nicht verletzt wäre, dürfte es viel zu gefährlich für ihn sein. Er ist immerhin der Laborant, und man gibt der von ihm gefertigten Arznei die Schuld, dass der Bürgermeister starb. Daher würde man ihn sofort verhaften und zu Tobias ins Loch stecken.«

»Aber ich kann!«, rief Klara aus. »Mich können sie nicht einsperren. Und falls doch, muss unser Fürst sich für mich verwenden. Schließlich bin ich nur das Weib des Laboranten und zudem schwanger.«

»Ich rate dir von dem Wagnis ab!«, sagte Just. »Es ist ein weiter Weg, und du bist, wie du selbst sagst, guter Hoffnung. Ich will nicht, dass du Gefahr läufst, dein Kind zu verlieren.«

Klara griff sich mit der rechten Hand an den Bauch und lächelte schmerzlich. »Mein Kind und ich sind stark genug, um auch das zu ertragen. Ich darf und kann Tobias nicht im Stich lassen.«

»Dann komme ich mit dir«, sagte Martha mit kämpferisch blitzenden Augen.

»Nein! Du wirst hier gebraucht. Zum einen wissen wir nicht, ob unser Feind erneut zuschlägt, und da traue ich dir eher als Kuni oder Liese zu, damit fertig zu werden. Zum anderen ist es möglich, dass wir Tobias auf andere Weise retten müssen, wenn ich vor Ort nichts erreiche. Dafür ist es besser, wenn man dich in Rübenheim nicht kennt.«

Martha dachte einen Moment nach und sah sie dann listig an.

»Du meinst, wir müssen Tobias notfalls befreien? Das wird nicht leicht werden.«

»Das wird es gewiss nicht!«, stimmte Klara ihr zu. »Daher hoffe ich ja, dass wir seine Unschuld beweisen können. Der Bürgermeister kann an allem Möglichen gestorben sein, aber gewiss nicht an unserer Medizin.«

Just nickte mit verkniffener Miene. »Tobias und ich mischen die Bestandteile der Arzneien selbst, und wir gehen dabei sehr sorgfältig vor. Darüber hinaus werden sie sowohl von unserem hiesigen Arzt wie auch vom Stadtsyndikus von Rudolstadt geprüft und sind bisher immer für gut befunden worden.«

»Ihr habt in Rudolstadt gesagt, dass bei diesem Mittel das Gift der Tollkirsche nicht verwendet wird«, mischte sich Martha ein.

»So ist es! Deshalb kann ich auch nicht verstehen, weshalb man behauptet, der Mann wäre durch diese Arznei zu Tode gekommen.«

Just spürte, wie seine Kraft, sich gegen das Schicksal aufzulehnen, immer mehr schwand. Musste er wirklich alles seiner Schwiegertochter überlassen?, fragte er sich. Klara hatte doch schon so viel zu tragen. Er betrachtete bewundernd ihr schönes, nun aber recht blasses Gesicht und ihre kämpferisch blitzenden Augen. Wenn es jemanden gab, der Tobias zur Freiheit verhelfen konnte, dann war sie es. Er selbst durfte ihr dabei nicht wie ein Klotz am Bein hängen. Damit war weder seinem Sohn noch ihr gedient.

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3.

Nachdem Klara den Entschluss gefasst hatte, nach Rübenheim zu fahren, bereitete sie die Reise sorgfältig vor. Als Erstes ging sie zum Arzt und bat ihn, das Urteil, das er für die Medizin abgegeben hatte, noch einmal aufzuschreiben. Mittlerweile hatte auch er von Tobias’ Verhaftung erfahren und zögerte. Andererseits wollte er Klara nicht vor den Kopf stoßen. Daher schrieb er, dass Proben dieser Arznei, so sie ihm vorgelegt worden seien, der Gesundheit zuträglich gewesen wären und keine Anteile an Atropa belladonna enthalten hätten.

Auch wenn Übelwollende daraus entnehmen konnten, dass jemand das Gift später beigegeben hatte, war Klara mit dieser Erklärung zufrieden. Sie konnte Tobias so weit entlasten, dass es für das Gericht in Rübenheim unmöglich war, einen Schuldspruch zu fällen. Andererseits richtete das Attest den Verdacht auf Armin Gögel, und diesem traute sie keinen Mord zu.