Beschreibung

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz! Auf Richter Hüsings Rat sucht Klara ihren Fürsten auf und bittet ihn, sich für ihren Mann und den Buckelapotheker Armin zu verwenden. Doch alles scheint vergebens, denn ihre Feindin lässt auch den Richter verhaften und legt die Hinrichtung der Gefangenen auf den nächsten Tag fest. Klara muss alles riskieren, um Tobias und den Richter vor dem Henker zu retten. Gleichzeitig wird ihr klar, dass es einen Feind im Hintergrund geben muss, der sowohl ihren Mann und sie, wie auch die Tochter des Bürgermeisters und deren Verbündete vernichten will. »Die Flucht« ist der vierte Teil des sechsteiligen eSerials »Die Liebe der Wanderapothekerin«.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 118


Iny Lorentz

Die Liebe der Wanderapothekerin 4

Die Flucht

Knaur e-books

Über dieses Buch

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz!

Auf Richter Hüsings Rat sucht Klara ihren Fürsten auf und bittet ihn, sich für ihren Mann und den Buckelapotheker Armin zu verwenden. Doch alles scheint vergebens, denn ihre Feindin lässt auch den Richter verhaften und legt die Hinrichtung der Gefangenen auf den nächsten Tag fest. Klara muss alles riskieren, um Tobias und den Richter vor dem Henker zu retten. Gleichzeitig wird ihr klar, dass es einen Feind im Hintergrund geben muss, der sowohl ihren Mann und sie wie auch die Tochter des Bürgermeisters und deren Verbündete vernichten will.

Inhaltsübersicht

1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. KapitelDie Liebe der Wanderapothekerin Teil 4 – PersonenHistorischer ÜberblickAlle Teile von »Die Liebe der Wanderapothekerin«
[home]

1.

Obwohl Klara in Steinstadt nur jene Informationen bekam, die sie von dem schwatzhaften Gesinde erfuhr oder beiläufig aufschnappte, wurde ihr rasch klar, wie sehr es in der Stadt gärte. Jahrelang hatten der Bürgermeister und der Rat auf Christoph Schüttensees Anweisungen hin handeln müssen. Und nun waren die Männer nicht bereit, nach dessen Tod seinem Sohn ebenso zu gehorchen. Klara begriff aber auch, dass es nicht einfach sein würde, Elias Schüttensees Macht zu brechen. Immerhin besaß dieser mehr Geld als alle anderen Ratsmitglieder zusammen, und es waren genug Männer bereit, für ihn zu kämpfen, wenn er sie gut dafür bezahlte.

Als Klara die Stadt verließ, stand diese am Rande eines Bürgerkriegs. Liese war froh, dass sie abreisten, denn sie hatte sich sehr geängstigt, als vor den Häusern des Bürgermeisters und mehrerer Ratsmitglieder Schreier randaliert hatten, um Elias Schüttensees Forderungen zu unterstützen.

»Was werden wir jetzt tun?«, fragte sie Klara, nachdem Steinstadt hinter ihnen lag.

»Wir steigen erst einmal bei dem Dorf aus, in dem Richter Hüsings Diener auf uns wartet, und erstatten ihm Bericht. Anschließend werden wir diesen Fabel aufstöbern. Da er uns Königseer in ein schlechtes Licht setzt, halte ich es für möglich, dass er auch an anderen Dingen die Schuld trägt.«

Mehr wollte Klara in der Postkutsche nicht sagen, da andere ihnen zuhören konnten. Eines aber war für sie klar: So verzweifelt ihre Situation auch scheinen mochte, niemals würde sie aufgeben, solange sie noch gehen und reden konnte. Sie legte sich eine Hand auf den Leib, in dem neues Leben heranwuchs, und schwor sich, dass ihre Kinder in Ruhe und Geborgenheit aufwachsen würden.

Diesmal gab es keine Zwischenfälle, und so konnten Klara und Liese die Kutsche am letzten Zwischenhalt vor Rübenheim verlassen. Der Gasthof, den Hüsing ihr genannt hatte, lag am anderen Ende des Ortes, und so musste Liese die schwere Reisetasche dorthin schleppen. Als Klara sie ihr unterwegs abnehmen wollte, traf sie ein empörter Blick des Mädchens.

»Ich bin die Magd und Ihr die Herrin! Wie sähe es aus, wenn ich Euch die Tasche tragen ließe?«

»Aber sie ist doch recht schwer.«

»Das schaffe ich schon!« Ihren Worten zum Trotz hätte Liese die Tasche unterwegs gern ein- oder zweimal abgestellt, um sich ein wenig auszuruhen. Sie biss jedoch die Zähne zusammen.

Der von Hüsing empfohlene Gasthof war kleiner als die Posthalterei, dafür aber nicht so laut, und es herrschte deutlich weniger Betrieb.

Die Wirtin begrüßte Klara freundlich, sagte sich aber, dass sie eine sparsame Bürgersfrau vor sich hatte, der die Preise beim Gasthof zur Post zu teuer waren. »Ihr wollt eine Kammer? Damit kann ich Euch dienen«, erklärte sie und führte Klara und Liese persönlich nach oben.

»Hier ist sie!« Mit den Worten öffnete sie die Tür und ließ Klara in das Zimmer schauen. Es war reinlich, das Bett breit genug, so dass auch Liese neben ihr schlafen konnte, und es gab sogar einen schmalen Schrank, in dem Klara ihr Ersatzkleid aufhängen konnte.

»Der Raum gefällt mir«, sagte Klara. »Ich weiß nicht, wie lange wir bleiben können, aber ein oder zwei Nächte werden es schon sein.«

»Mir ist es recht«, meinte die Wirtin und wandte sich zum Gehen.

»Wir würden gerne etwas essen! Der letzte Halt war nur kurz, und in der rappelnden Kutsche konnte ich nichts zu mir nehmen«, rief Klara ihr nach.

Die Wirtin lachte kurz auf. »Bei mir ist noch keiner verhungert! Wenn Ihr nach unten kommt, steht etwas für Euch bereit.«

»Seid bedankt!« Klara setzte sich erst einmal auf das Bett und sah zu, wie Liese die Reisetasche ausräumte und den Inhalt im Schrank verstaute.

»Lass das Kleid hier! Ich ziehe mich um.« Noch während sie es sagte, legte Klara ihr Reisekleid ab und ließ sich von Liese in das andere helfen. Danach wies Klara zur Tür.

»Den Rest kannst du nachher erledigen. Erst einmal habe ich Hunger!«

Wie versprochen hatte die Wirtin in der Gaststube Wurst, Käse und Brot aufgetischt, war aber im Zweifel, ob diese Gäste nun Wein oder Bier bevorzugen würden. Klara griff kurz an ihren Leib und bat dann um etwas Milch.

»Mir soll’s recht sein«, sagte die Wirtin verwundert und wandte sich dann an Liese. »Und was willst du?«

»Bier, wenn es recht ist!« Unterwegs hatte Liese Kirschen gegessen und mit Wasser hinuntergespült. Das war ihr nicht gut bekommen, und daher war sie froh um das leichte Bier, das die Frau ihr vorsetzte. Sie nahm eine Brotscheibe und belegte sie dünn mit Wurst.

»Du solltest Butter dazu nehmen und ein wenig mehr Wurst. Immerhin musst du noch wachsen«, sagte Klara und schmierte, da Liese nicht sofort folgte, dieser selbst ein Brot.

»So gehört sich das! Wie willst du meine Tasche schleppen, wenn du keine Kraft hast?«

Damit überzeugte sie das Mädchen, das sich zu Hause bei zu vielen Mündern angewöhnt hatte, nur wenig zu essen. Kraft, um ihrer Herrin gut dienen zu können, wollte Liese durchaus haben.

Klara sah sich in der Wirtsstube um. Sie und Liese waren die einzigen Gäste. Am liebsten hätte sie die Wirtin geradeheraus gefragt, ob nicht Hüsings Diener erschienen wäre. Aber sie hielt dann doch den Mund. Entweder schickte ihr der Richter einen Mann, oder sie würde zwei Tage warten und dann weiterreisen.

[home]

2.

In dieser Nacht war es still, und Klara schlief länger als gewöhnlich. Nach den Aufregungen der letzten Zeit tat ihr die Ruhe gut, und sie fühlte sich, als sie sich zum Frühstück setzte, zuversichtlicher als die Tage zuvor. Bislang war sie durch ihre Schwangerschaft nicht schwerfällig geworden. Sollte es keinen anderen Weg geben, würde sie allen Widerständen zum Trotz einen Weg finden, Tobias aus seinem Gefängnis zu befreien.

Während sie auf Richter Hüsings Boten wartete, spann Klara einen Plan. Bedauerlich war, dass sie nicht auf männliche Unterstützung hoffen konnte. Ihr Schwiegervater wurde durch seinen verletzten Knöchel behindert, und Fremde wollte sie nicht mit in die Sache hineinziehen. Ich brauche Martha, schoss es ihr durch den Kopf. »Wir zwei haben schon einige Gefahren gemeinsam gemeistert und sind jedes Mal heil herausgekommen«, murmelte sie. »Das wird auch diesmal so sein.«

Zuerst aber musste sie in Erfahrung bringen, wie viel Zeit ihr noch blieb. Wenn die verrückte Jungfer in Rübenheim Tobias bald foltern und hinrichten lassen wollte, würde sie auf Martha verzichten und den Befreiungsversuch zusammen mit Liese unternehmen müssen. Da Kathrin Engstler sie aus der Stadt gewiesen hatte und sie nur mit Schwierigkeiten wieder hineinkommen würde, würde sie sich auch dafür etwas einfallen lassen müssen.

Mittag kam, und sie erhielten in diesem Gasthof besseres Essen als in manchen Posthaltereien.

Klara überlegte, ob sie einen Spaziergang unternehmen sollte. Die Angst, Hüsings Boten zu verfehlen, ließ sie jedoch davon absehen.

Als Klara schon nicht mehr glaubte, dass an diesem Tag noch jemand eintreffen würde, betrat ein Mann die Gaststube, hängte seinen Umhang an einen der Holzzapfen, die zu dem Zweck in die Wand geschlagen waren, und sah sich um. Als er sie entdeckte, setzte er sich an den Nebentisch, bestellte sich ein Bier und lehnte sich scheinbar gemütlich zurück.

»Wohl nicht viel los hier, was?«, fragte er die Wirtin.

»Es geht«, antwortete diese achselzuckend. »Vor einem Jahr, als die Posthalterei an den anderen Wirt vergeben worden ist, war es noch schlimmer. Da sind alle hingelaufen, um die Reisenden zu bestaunen. Mittlerweile kehren die Stammgäste wieder zu mir zurück. Sie wissen, dass mein Bier schmeckt und ich gut kochen kann.«

»Da du gerade vom Kochen redest: Ich hätte Hunger«, meinte der Mann.

»Dagegen kann ich was tun!« Mit diesen Worten stellte ihm die Wirtin den vollen Bierkrug hin und verschwand in der Küche.

Kaum war der Mann mit Klara und Liese allein, drehte er sich zu den beiden um. »Der Herr Richter lässt Euch grüßen, Frau Just. Er will noch heute mit Euch sprechen. Verlasst das Dorf in Richtung Rübenheim. Nach einer Viertelmeile trefft Ihr auf einen Torfschuppen. Wartet dort auf ihn!«

Klara nickte und stand auf. Da hob der Mann kurz die Hand. »Wartet noch, bis ich meinem Begleiter Bescheid gegeben habe. Er wird nach Rübenheim zurückkehren und dem Herrn sagen, dass Ihr gekommen seid. Wenn die Kirchturmuhr die sechste Stunde schlägt, wird mein Herr zum Schuppen kommen.«

Ein Blick aus dem Fenster verriet Klara, dass es bis dorthin noch fast zwei Stunden waren. Trotzdem wäre sie am liebsten sofort aufgebrochen. Im nächsten Moment kam die Wirtin mit einem Stück Braten und einer großen Scheibe Brot herein. Als Klara den Duft der Speisen roch, bekam sie ebenfalls Hunger und bat die Frau, auch ihr und Liese etwas zu bringen.

»Gerne!«, antwortete die Wirtin und verschwand in der Küche.

Hüsings Bote trank einen Schluck und ging dann nach draußen. Durch das Fenster sah Klara, dass er den Abtritt aufsuchte. Bevor er diesen jedoch betrat, machte er einem anderen Mann, der draußen herumlungerte, ein Zeichen. Dieser nickte, stieg auf ein Pferd und ritt in strammem Tempo Richtung Rübenheim davon.

Das ist also der Diener, der Hüsing rufen soll, dachte Klara. Bis er die Stadt erreicht hatte und der Richter zum genannten Treffpunkt kam, blieb ihr gewiss genug Zeit, ihren Hunger zu stillen.

Das Essen war auch diesmal gut und machte die Wartezeit erträglich. Als die Kirchturmuhr die halbe Stunde vor der sechsten Nachmittagsstunde schlug, hielt Klara nichts mehr in der Gaststätte. Sie verließ diese unter dem Vorwand, ein wenig Luft schnappen zu wollen, und wanderte in Richtung Rübenheim. Liese hielt sich eng an ihrer Seite.

Nach einer Weile führte der Weg an einem Moor vorbei. Klara stellte fest, dass es mehrere Torfschuppen gab, und wusste nicht so recht, welchen davon Hüsing meinte. Eine Hütte stand ein wenig abseits von den anderen und auch näher auf die Straße zu, daher lenkte sie ihre Schritte unwillkürlich dorthin. Wie die anderen Torfschuppen war auch diese Hütte mit der Rückwand gegen die Wetterseite errichtet worden, während die Vorderseite offen stand. Klara setzte sich auf einen Stapel ausgestochener Torfstücke, die bereits trocken waren, denn es fiel ihr bereits schwer, lange zu stehen.

»Hoffentlich habe ich mich nicht geirrt und Richter Hüsing wartet in einem anderen Schuppen auf mich«, sagte sie zu Liese.

Diese warf einen Blick nach draußen und drehte sich dann zu ihr um. »Wenn er das tut, sehen wir ihn auf jeden Fall, sobald er wieder nach Hause gehen will. Es liegt keine Torfhütte näher auf Rübenheim zu als die unsrige.«

Das beruhigte auch Klara. Dennoch kaute sie sich beinahe die Fingernägel ab, als die Uhr in der Stadt die volle Stunde schlug und immer noch nichts vom Richter zu sehen war.

Nicht lange danach vernahm sie Pferdegetrappel und schaute neugierig hinaus. Auch wenn der Reiter einen weiten Mantel um sich geschlungen hatte, erkannte sie Hüsing. Er ritt an der Hütte vorbei, bog gut hundert Schritt weiter vorne ab und verschwand kurz darauf hinter einem Gebüsch. Kurz darauf kam er eilig zu Fuß auf den Schuppen zu, in der sie sich befand.

»Da seid Ihr ja! Gott sei Dank!«, sagte er anstelle eines Grußes und fasste nach ihrer Hand.

Verwundert, weil er sie mit einem Mal so höflich ansprach, sah Klara ihn an.

»Ist etwas geschehen?«, fragte sie.

Der Richter nickte mit verbissener Miene. »Das kann man wohl sagen! Die Jungfer hat den Apotheker verhaften lassen. Es könnte ja sein, dass dieser und nicht Euer Mann oder dessen Buckelapotheker das Gift in die Arznei gegeben hat.«

»Dies traue ich Stößel ebenso wenig zu wie meinem Mann!«, rief Klara entrüstet aus.

»Ich auch nicht! Aber nun sitzt er im Gefängnis und wird es, wenn kein Wunder geschieht, erst wieder verlassen, um gemeinsam mit Eurem Mann und Armin Gögel auf dem Richtplatz zu enden.«

Klara starrte den Richter erschrocken an. »Ist die Jungfer verrückt geworden?«

»Nicht verrückt! Sie will nur ihre Macht beweisen, dies aber auf eine Art, die ebenso unklug wie verderblich ist. Wenn sie nicht einlenkt, wird es in der Stadt zu Mord und Totschlag kommen.«

Hüsings Worte erinnerten Klara daran, was sie in Steinstadt erfahren hatte, und berichtete es ihm.

Hüsing ballte beim Zuhören mehrfach die Fäuste. »Wenn es so weitergeht, wie Ihr sagt, wird es auch dort zu Straßenkämpfen kommen. Das könnte den Landgrafen dazu bewegen, den Statthalter des englischen Königs in Hannover zu bitten, für Ordnung zu sorgen. Mit einem solchen Schritt wären alle Rechte und Privilegien, die Steinstadt im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat, perdu!«

»Per… was?«, fragte Liese verdattert.