Die Mäuse der Beckers - Wilfried Becker - E-Book

Die Mäuse der Beckers E-Book

Wilfried Becker

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Beschreibung

Geschichten über Mäuse, die im Leben der Kleinfamilie Becker vorkamen. Zum Vorlesen für kleine Kinder, zum Selberlesen für größere Kinder und zum Gernehaben für ganz Große, die schon lange lesen können. Mit Fotos, naturkundlichen Informationen und weiteren Extras.

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Seitenzahl: 42

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Für Christian und Martin,

meine längst erwachsenen Söhne,

für die der Managerpapa wenig Zeit hatte

und für Etienne, Aimée, Daphne, Linus,

Max und andere Kinder von Freunden und Bekannten

In diesem Buch findest Du :

Mäusegeschichten über :

Hänschen aus Usingen Ein armer Mäuserich aus dem Hochtaunus

Jaques de Woustviller Ein Hans im Glück

Fritz from Twickenham Der Urururenkel von Frederick

Manni Maus in Kirn Ein zufriedener Einzelgänger

Willi Wühler, der Bönnsche Ein Rheinländer auf der Flucht

Topolino in Florenz Dolce vita, das Mäuseleben ist schön

Francois oder Franz Ein französischer Überlebenskünstler aus Le Vigan

Mäuse ohne Namen Erinnerung an weniger glückliche Mäuse

Und dazu noch :

Mehr über Mäuse Wissen für kleine Zoologen

Mäuserekorde und Rekordmäuse Ein Mini-Guinness-Buch der Nagerrekorde

Katz und Maus Eine alte Bildgeschichte von Wilhelm Busch

Ha ha ha Witze über Mäuse

Schöne Mäuse Eine kleine Bildergalerie

Werde keine graue Maus Ein Brief von Uwe Nachtwey

Hänschen aus Usingen

Ein armer Mäuserich aus dem Hochtaunus

Hänschen war eine Spitzmaus und lebte an den Eschbacher Felsen bei Usingen im Hochtaunus. Hänschen lebte schlecht und ärmlich so wie früher die Bauern im Hohen Taunus, bei denen es außer Brotsuppe kaum was zu essen gab. Wegen des ärmlichen Lebens war aus Hänschen nie ein Hans geworden. Er war wie alle in seiner Spitzmausfamilie ein armer dürrer Hungerleider geblieben.

An einem sonnigen Spätsommertag suchte Hänschen am Rande der Eschbacher Felsen nach irgendetwas Fressbarem. Der Hunger ließ seinen Magen knurren. So merkte er nicht, daß er von Max beobachtet wurde, dem Rauhhaardackel der Beckers auf der Ladefläche des offenen Beckerschen Kombis. Max war noch kein Jahr alt und ein lieber verspielter Junghund, von dem die Beckers meinten: „Der fängt nie was. Da ist der viel zu langsam. Wenn der von uns kein Hundefutter bekäme, würde der glatt verhungern“. Alles Unsinn. Das bewies Max, als er von der Ladefläche sprang, wie ein schwarzer Blitz losschoss und das arme Hänschen packte. Wäre Hänschen eine Schlange oder eine Kröte gewesen, wäre ihm das erspart geblieben; denn vor allem, was irgendwie schlängelte, hatte Max eine angeborene Angst, und Kröten sollte man höchstens verbellen. Das hatte Max in seinem kurzen Dackelleben schon gelernt. Er hatte nämlich einmal in eine Kröte gebissen und die hatte dann Giftstoffe abgesondert, die Max gar nicht gut bekommen waren. Das half Hänschen aber wenig. Er war keine Schlange und keine Kröte. Er war eine Spitzmaus und zappelte im Maul von Max. Der ließ seine Beute noch mal fallen. Schließlich war er noch unerfahren als Jäger. Aber er setzte gleich nach und biß fest zu, bevor Hänschen ein Mäuseloch oder eine enge Felsspalte erreichen konnte.

Hänschen war wie starr und spürte kaum etwas. Dafür lief sein Mäuseleben wie im Zeitraffer durch seinen Kopf. Schöne Bilder von seiner Mäusemama, seinen sieben Mäusegeschwistern, vom Spielen,vom Raufen, von einer Eule, der er knapp hatte entwischen können, von einem Mäusemädchen aus den Büschen nahe den Felsen. Und dann tat sich ihm ein heller Tunnel auf, an dessen Ende ein gleißendes ganz helles Licht strahlte. Oder war es sogar ein goldgelbes Stück Käse? Fast schöner als sein Leben an den Eschbacher Felsen.

Papa Becker konnte Max erst greifen, als nur noch ein Mäuseschwänzchen aus dem Dackelmaul guckte und alles schon zu spät war. Gefressen. Aus die Maus. Damit wäre unsere Geschichte schon fertig, hätte Mäusebruder Emil nicht alles voller Schrecken beobachtet. Emil träumte in der folgenden dunklen Nacht, daß Max von der Mäusepolizei festgenommen und vor ein Mäusegericht gestellt worden wäre. Die Anklage lautete: „Mord aus niederen Motiven“. Straferschwerend sei, daß Max zu Hause bestens gefüttert werde, nicht nur mit Cesar und Frolic, sondern auch mit Leberwurst, Rippchen und verschiedenen Leckerli. Vom Verteidiger erwartete man, daß er nur auf „Totschlag“ plädieren würde. Und im Ersten Mäusefernsehen meinten Rechtsexperten, daß der Hund möglicherweise freikäme, weil Mäusejagen nun einmal in seiner Natur läge und er deshalb schon nicht mehr zurechnungsfähig war, als er von der Ladefläche sprang. Dann wurde Dr. Ratte zum Verteidiger bestellt und er sagte einfach „Ohne Leiche kein Mord und schon gar kein Mörder“. Im Prozess vor dem Mäusegericht zweifelte Dr. Ratte dann die Glaubwürdigkeit von Mäusebruder Emil an. Der sei als Aufschneider und Erfinder von unwahren Geschichten im ganzen Usinger Gebiet bekannt. Das sagte auch Reinicke Fuchs, der Emil schon mal gejagt hatte, als Zeuge. Max sagte als Angeklagter nur „Wöff“ und verweigerte dann die Aussage. Und so kam es, wie es kommen mußte: Max wurde freigesprochen. Dr. Ratte sprach von einem mutigen Urteil, der Mäusestaatsanwalt sagte, daß er in die Revision gehen wolle, Mäuse-BILD schrieb von einem Skandalurteil und die anderen Mäusemedien empörten sich ebenso: „Mörder geht straffrei aus“ und „Urteil ist Freibrief für alle Katzen“ und „Großes Unrecht“. Aber da wachte Emil auf und merkte, daß er nur geträumt hatte.