Die Nilbraut (Zusammengefasste Ausgabe) - Georg Ebers - E-Book

Die Nilbraut (Zusammengefasste Ausgabe) E-Book

Georg Ebers

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Beschreibung

Die Nilbraut entwirft ein historisches Panorama Ägyptens an der Schwelle vom byzantinischen zum arabischen Zeitalter. Um die legendäre "Braut des Nils" gruppiert Ebers einen Roman über Ritual, Macht und Glaubenskonflikte: koptische Gemeinden, byzantinische Eliten und neue arabische Machthaber ringen um Deutungshoheit, während der Strom mit seinem Hochwasser über Leben und Tod entscheidet. Stilistisch verbindet der Text genaue Topographie, sinnliche Naturschilderung und dialogische Szenen; die Liebesintrige wird zum Prisma, durch das religiöse und politische Spannungen sichtbar werden. Im Kontext des historischen Romans des 19. Jahrhunderts bietet das Werk eine wissensgesättigte, doch bewegliche Annäherung an Spätantike und Frühislam. Georg Ebers, Ägyptologe und Romancier, verband Forschung und Fiktion. Als Herausgeber des nach ihm benannten medizinischen Papyrus und Leipziger Professor kannte er Sprache, Bräuche und Quellen Ägyptens aus eigener Anschauung. Für Die Nilbraut stützte er sich auf spätantike Chroniken und arabische Überlieferungen ebenso wie auf Eindrücke seiner Nilreisen; sein Ziel, Altertumskunde populär und ohne billige Exotik zu vermitteln, formt die Komposition. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die historische Genauigkeit und erzählerische Spannung gleichermaßen schätzen: Wer die kulturellen Aushandlungen am Nil verstehen will—jenseits touristischer Kulissen—findet hier einen kenntnisreichen, atmosphärisch dichten Zugang, der Ebers' Rang als Mittler zwischen Wissenschaft und Literatur eindrucksvoll bestätigt. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Georg Ebers

Die Nilbraut (Zusammengefasste Ausgabe)

Bereicherte Ausgabe. Ritual, Macht und Glaube im spätantiken Ägypten: von Alexandria bis Fustat, zwischen Nilflut, politischen Intrigen und interreligiösen Konflikten
Einführung, Studien, Kommentare und Zusammenfassung von Emil Jäger
Bearbeitet und veröffentlicht von Quickie Classics, 2026
EAN 8596547885481
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Die Nilbraut
Analyse
Reflexion
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen dem geheimnisvollen Gesetz des Flusses und den widersprüchlichen Ansprüchen einer Gesellschaft im Wandel spannt sich in Die Nilbraut jene leise, doch unablässige Spannung auf, die aus Liebe und Pflicht, aus Legende und Erfahrung, aus persönlicher Sehnsucht und öffentlicher Ordnung ein Geflecht menschlicher Entscheidungen webt, in dem jede Bewegung Widerhall findet: Der Nil als Lebensader und Prüfstein, das Individuum als Träger und Infragesteller von Tradition, und die Frage, ob Heil und Zukunft in der Bewahrung des Überlieferten oder im mutigen Schritt in eine neue Zeit zu finden sind. Und was dies für Liebe, Glauben und Macht bedeutet.

Georg Ebers, Ägyptologe und Schriftsteller, verfasst mit Die Nilbraut einen historischen Roman, der Ägypten als konkreten Schauplatz und als geistigen Resonanzraum nutzt. Das Werk erschien im 19. Jahrhundert, als das deutschsprachige Lesepublikum eine besondere Vorliebe für gelehrt untermauerte Geschichtserzählungen zeigte. Ebers verbindet sein Wissen über Kulturen am Nil mit einer erzählerischen Dramaturgie, die Ereignisse und Milieus plastisch entfaltet, ohne den Anschein des Dokumentarischen zu verlieren. So entsteht ein Genre-Mosaik: weit ausgreifende Historie, soziale Beobachtung und Liebesgeschichte greifen ineinander, während die Landschaft des Flusses, seine Städte und die Rhythmen des Jahres unaufdringlich den Takt der Handlung vorgeben.

Zu Beginn führt der Roman in ein vielstimmiges Umfeld am Ufer des Nils, wo Handel, Religion und Alltag einander berühren und Reibung erzeugen. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung leben dicht beisammen; Verpflichtungen gegenüber Familie, Gemeinde und Autoritäten definieren, was möglich scheint. Ein bevorstehendes, symbolisch aufgeladenes Ereignis am Fluss bündelt Erwartungen und Ängste, ohne sie vollständig zu benennen. Daraus erwächst die erste Bewegung der Geschichte: Begegnungen, die zunächst zufällig anmuten, werden zu Prüfsteinen von Loyalität; Zuneigung und Vorsicht ringen um Vorrang; und die Topografie des Ortes wird zum Spiegel innerer Wege, die Figuren erst tastend erkennen.

Ebers erzählt in einer behutsam auktorialen Stimme, die Überblick bietet und doch Raum für Zwischentöne lässt. Sein Stil kombiniert anschauliche Detailfülle mit klar geführten Szenen: Architektur, Gewänder, Gerüche, Flussläufe und Lichter werden präzise gesetzt, während Dialoge den sozialen Ton und die verborgenen Spannungen hörbar machen. Der Roman bevorzugt eine ruhige, stetige Dramaturgie, die in entscheidenden Momenten zu konzentrierter Intensität verdichtet. Leserinnen und Leser erleben eine Klangfarbe, in der Wissen und Imagination kooperieren: nie trocken-dozierend, eher einladend, gelegentlich kontemplativ, dann wieder von der Dringlichkeit praktischer Entscheidungen getrieben, die das Private und das Politische untrennbar verknüpfen.

Im Zentrum stehen die großen Themen eines Landes am Strom: Tradition und Erneuerung, die Macht von Ritualen, der Einfluss religiöser Autorität und die Frage, wie weit persönliche Freiheit in fest gefügten Ordnungen reicht. Der Nil erscheint dabei als Bild für Schicksal und Möglichkeit zugleich: eine Naturkraft, die Leben spendet, Grenzen setzt und menschliche Pläne relativiert. Ebenso wichtig sind Zugehörigkeit und Identität, die sich an Sprachgrenzen, Herkunft, Glaubenspraxis und sozialem Status entscheiden – und an Begegnungen, in denen das Fremde vertraut und das Vertraute fremd wird. Liebe stiftet Hoffnung, doch sie verweist auf Verantwortung und Preis.

Gerade deshalb wirkt Die Nilbraut heute weiter: Der Roman verhandelt, wie Gesellschaften mit Differenz umgehen, wie Mythen Orientierung geben und zugleich korrigiert werden können, wie Ressourcenabhängigkeit – hier verkörpert durch Wasser – politische und moralische Entscheidungen verschärft. Themen wie religiöse Koexistenz, Migrationserfahrungen, die Spannung von Gemeinsinn und individueller Selbstentfaltung oder der Umgang mit historischen Narrativen gewinnen im Spiegel dieser Geschichte Kontur. Lesende finden keine einfachen Antworten, wohl aber Werkzeuge des Nachdenkens: das genaue Hinschauen auf Struktur und Gefühl, das Abwägen zwischen Treue und Veränderung, und das Bewusstsein, dass Menschlichkeit sich im Handeln bewährt.

Wer Die Nilbraut aufschlägt, erhält keine museale Vitrine, sondern eine sorgfältig komponierte Erzählung, die Vergangenheit als lebendige Gegenwart erfahrbar macht. Ebers’ Verbindung von Forschung und Fiktion ermöglicht, sich an Figuren zu binden, ohne den Blick für die größeren Kräfte zu verlieren, die ihr Handeln rahmen. Die Lektüre belohnt mit sinnlicher Anschaulichkeit, leiser Spannung und einer Ethik der Aufmerksamkeit, die kleine Gesten ernst nimmt. Zugleich bereitet die Einleitung den Weg für eine Geschichte, deren Konflikte nachvollziehbar bleiben, selbst wenn die Weltbilder wechseln. So lädt der Roman ein, Geschichte als Beziehungskunst zu verstehen – und als Prüfung des Gewissens.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Georg Ebers entfaltet in Die Nilbraut einen historischen Roman, der am Nil spielt und eine Zeit tiefgreifender Umbrüche in Ägypten zeichnet. In städtischen und ländlichen Schauplätzen verfolgt der Text, wie Alltagsleben, Glauben und politische Interessen einander durchdringen. Die Eröffnung führt behutsam Figuren aus unterschiedlichen sozialen Schichten ein, deren Wege sich am Strom kreuzen: Angehörige alteingesessener Familien, Geistliche, Beamte, Kaufleute und Soldaten. Früh deutet sich als leitendes Motiv der Fluss selbst an, dessen jährliches Anschwellen Segen und Gefahr bedeutet. Aus Überlieferungen um eine sogenannte Braut des Nils bezieht die Handlung ihre erste Spannung und moralische Fragestellung.

Im Mittelpunkt formiert sich ein Geflecht persönlicher Bindungen und Rivalitäten, das soziale Grenzen überschreitet. Eine junge Frau rückt dabei zunehmend in den Fokus, deren Herkunft und Stellung sie zugleich gefährdet und schützt. Gerüchte, ein altes Ritual könne zurückkehren, schüren Ängste, Hoffnungen und Machtkalküle. Geistliche und weltliche Autoritäten ringen um Deutungshoheit über den Strom, während Händler und Beamte praktische Folgen für Ernte, Transport und Abgaben bedenken. Ebers nutzt die Annäherung an diese Konflikte, um religiöse Vorstellungen, Rechtsgewohnheiten und familiäre Loyalitäten zu kontrastieren. Der Ton bleibt erzählerisch, doch die gesellschaftliche Fragwürdigkeit eines Menschenopfers wird deutlich umrissen.

Ein frühes Wendemoment entsteht, als ein lokales Unglück am Fluss die Debatte verschärft und den Glauben an Schutzrituale neu belebt. In dessen Nachhall werden private Pläne durchkreuzt: Beziehungen, die über Stand und Konfession hinweg reichen, geraten unter Druck. Einige Figuren suchen Sicherheit in der Rückkehr zu überlieferten Regeln, andere setzen auf Vernunft, schriftliche Erlasse und die Autorität neuer Machthaber. Das Ringen um die junge Frau intensiviert sich, weil ihr Schicksal von Interessierten für religiöse und politische Zwecke instrumentalisiert wird. Die erzählte Bewegung folgt dabei den Strömungen des Nils: Wechsel von Ruhe, Anstieg und abrupten Verwirbelungen.

Mit der Zuspitzung der Überschwemmungszeit rückt die Frage nach der sogenannten Nilbraut ins Zentrum. Öffentliche Versammlungen, Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und religiöse Prozessionen strukturieren das Geschehen. Ein Kreis um die Protagonistin versucht, ihren Handlungsspielraum zu bewahren, während Gegner mit dem Druck der Menge und dem Pathos der Tradition operieren. Eine Reise auf dem Fluss erweitert das Panorama um Dörfer, Tempelreste und Verwaltungsstationen, und lässt Ebers die materiellen Bedingungen des Lebens am Wasser ausmalen. Ein symbolträchtiger Zwischenfall am Ufer markiert den zweiten großen Wendepunkt und zwingt Verbündete wie Widersacher, ihre Strategien sichtbar zu ändern.

Die Handlung wechselt zwischen persönlichen Entscheidungen und übergeordneten Entscheidungen der Obrigkeit. Schriftstücke, Gesandtschaften und Rechtsauslegungen erhalten Gewicht, weil sie den Rahmen setzen, innerhalb dessen die strittige Praxis bestätigt oder beendet werden könnte. Zugleich verdichtet Ebers die inneren Konflikte: Schuld, Pflichtgefühl und die Frage, ob fromme Absichten grausame Mittel legitimieren dürfen. Nebenfiguren – Gelehrte, Ärzte, Schreiber, Offiziere – bringen Argumente der Vernunft und des Nutzens ein, die mit Visionen, Omina und Predigten konkurrieren. So entsteht eine vielstimmige Debatte, in der private Zuneigung und Gemeinwohl aufeinanderprallen, ohne dass eine einfache Lösung erreichbar scheint.

Der dramatische Höhepunkt bereitet sich in Szenen am Wasser vor: Menschenmenge, religiöse Zeichen und militärische Präsenz verdichten die Atmosphäre. Eine riskante Gegenmaßnahme aus dem Umfeld der Protagonistin nimmt Gestalt an, die sowohl den Ruf der Tradition wahrt als auch das drohende Opfer abwenden könnte. Verhandlungen gewinnen plötzlich an Tempo, der Flusspegel liefert unberechenbare Argumente, und alte Bündnisse geraten ins Wanken. Ebers hält die Spannung, indem er Aussicht auf Rettung und Gefahr engführt, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen. Das Persönliche und das Politische sind nun untrennbar verknüpft, und jede Entscheidung scheint unumkehrbare Folgen zu haben.

Am Ende bleibt Die Nilbraut weniger als Sensationsgeschichte denn als Studie über Wandel, Glaube und Gemeinsinn in Erinnerung. Der Roman erkundet, wie Mythen die Wirklichkeit formen, wie Autorität Legitimität gewinnt und wie das Gewissen Einzelner kollektive Entscheidungen beeinflussen kann. Der Nil fungiert als poetisches und politisches Prinzip, das Leben spendet und Ordnungen prüft. Ebers verbindet anschauliche Milieuscheilderung mit einer kritischen Reflexion über die Gewalt von Ritualen. Die nachhaltige Wirkung des Werks liegt in seiner Einladung, historische Konflikte auf Gegenwartserfahrungen zu beziehen, und darin, Menschlichkeit als Maßstab überlieferten Zwängen entgegenzustellen, ohne einfache Antworten zu versprechen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

„Die Nilbraut“ spielt im Ägypten des 7. Jahrhunderts n. Chr., zur Zeit des Übergangs von byzantinischer zu arabischer Herrschaft. Hauptschauplätze sind das Niltal mit Alexandria, die Festung Babylon bei Kairo und die entstehende Garnisonsstadt Fustat. Prägende Institutionen dieser Phase waren die byzantinische Provinzverwaltung, die koptische Kirche mit ihren Klöstern, sowie das frühislamische Heer unter Amr ibn al-As im Auftrag des Kalifats. Landwirtschaft, Nilkontrolle und Getreidetransporte nach mediterranen Märkten strukturierten das Wirtschaftsleben. Schriftsprachen und Bildungsträger blieben griechisch und koptisch; arabische Verwaltungspraxis setzte sich schrittweise durch, als militärische und fiskalische Strukturen sich neu ordneten.

Vor der Eroberung war Ägypten Teil des Oströmischen Reiches. Verwaltung und Militär stützten sich auf die Festung Babylon und das spätantike Verwaltungsnetz; Alexandria war Metropole und Bischofssitz. Religiös prägte der Konflikt um das Konzil von Chalcedon das Land: Die mehrheitlich miaphysitischen Kopten standen oft im Gegensatz zu chalcedonischen Beamten und Bischöfen. Eine dichte Mönchskultur – etwa in Nitria und Sketis (Wadi an-Natrun) – prägte Bildung, Frömmigkeit und soziale Versorgung. Diese Spannungen, verbunden mit Steuerlast und Militärpflicht, bilden den Hintergrund des gesellschaftlichen Gefüges, in das der Roman seine Figuren stellt. Städtische Eliten vermittelten zwischen Hof und Landbevölkerung.

Zwischen 639 und 642 führte Amr ibn al-As die arabische Eroberung Ägyptens an. Nach Gefechten in der östlichen Wüste und am Sinai fiel die strategische Festung Babylon; Fustat entstand als Militärlager und Verwaltungssitz. 641/642 kapitulierte Alexandria, wurde 645/646 kurzzeitig byzantinisch zurückerobert und schließlich endgültig arabisch. Verträge sicherten städtische Einrichtungen und religiöse Gebäude, während Garnisonen Abgaben eintrieben und Ordnung hielten. Diese Übergangsjahre formten einen Raum, in dem koptische, griechische und arabische Akteure miteinander verhandelten; der Roman spiegelt diese Verflechtungen, indem er militärische Präsenz, kirchliche Autorität und städtisches Alltagsleben nebeneinander sichtbar werden lässt.

Mit dem Herrschaftswechsel gingen fiskalische Veränderungen einher. Frühislamische Verwaltung unterschied zwischen Personenabgabe (jizya) für nichtmuslimische Bevölkerungsteile und Landsteuer (kharaj); lokale Schreiber und Notabeln blieben vielerorts im Amt und gewährleisteten Kontinuität. Rechtliche Garantien für Kirchen und Klerus sind in Eroberungsverträgen überliefert; zugleich etablierten neue Machthaber Garnisonsquartiere und Kommunikationswege entlang des Nils. Für die Mehrheit blieb die Landwirtschaft am jährlichen Nilhochwasser orientiert, mit Speichern, Kanälen und Deichen als entscheidender Infrastruktur. Die Kombination von Bewahrung und Wandel, die die Quellen für das 7. Jahrhundert zeigen, spiegelt den Spannungsbogen der Romanhandlung. Steuern wurden schriftlich erfasst und in festgelegten Raten erhoben.

Der Titel knüpft an eine im mittelalterlichen Schrifttum überlieferte Erzählung an: die „Braut des Nil“. Nach arabischen Chronisten habe ein vorislamischer Brauch eine Jungfrau dem Fluss geweiht, bis der Kalif Umar ibn al-Chattab durch ein Schreiben den Aberglauben beendete. Historiker werten dies als Legende, die Vorstellungen über Nilhochwasser und Herrschaft legitimierte. Ebers greift das Motiv als kulturelles Zeichen auf, das Konfliktfelder von Glaube, Naturbeherrschung und politischer Autorität bündelt, ohne dass für das Verständnis der Handlung einzelne Wendungen vorweggenommen werden müssen. Der Stoff kursiert bei ägyptischen und späteren islamischen Chronisten in variierenden Fassungen.

Die koptische Kirche spielte im 7. Jahrhundert eine zentrale Rolle. Patriarch Benjamin I. (623–662) musste unter byzantinischem Druck zeitweise im Verborgenen leben und konnte nach der Eroberung nach Alexandria zurückkehren; Quellen berichten von Gesprächen mit Amr ibn al-As. Klöster im Wadi an-Natrun blieben geistige Zentren; Liturgie und Heiligenverehrung stärkten Gemeinschaften in Zeiten des Umbruchs. Sprachen und Schrifttraditionen – koptisch, griechisch, später arabisch – überlagerten sich in Verwaltung, Recht und Alltagskultur. Diese dicht verwobene religiöse Topographie liefert dem Roman die Matrix, vor der Loyalitäten, Rivalitäten und Verständigungssituationen verortet werden. Auch Pilger- und Reliquienkulte verbanden Stadt und Land.

Georg Ebers (1837–1898) war Ägyptologe und Romanautor, Professor in Leipzig, und veröffentlichte 1875 das Faksimile des später nach ihm benannten Ebers-Papyrus. „Die Nilbraut“ erschien 1879 und verband populäre Erzählform mit gelehrter Quellenkenntnis. Die Entdeckungslust der Gründerzeit, die Eröffnung des Sueskanals 1869 und die Arbeit von Archäologen wie Auguste Mariette verstärkten Europas Aufmerksamkeit für Ägypten. Deutsche Leserinnen und Leser erwarteten detailreiche Rekonstruktionen des Alltags; historische Romane boten sie, gestützt auf Philologie, Inschriften und Reiseberichte. Ebers' Werk steht genau in dieser Schnittmenge von Wissenschaftsvermittlung und Unterhaltungsliteratur. Zugleich blieb seine Darstellung an den damaligen Forschungsstand gebunden.

Als Kommentar zu seiner Entstehungszeit verhandelt das Buch Themen, die im 19. Jahrhundert breit diskutiert wurden: religiöse Toleranz und Autorität, der Umgang mit Imperien am Ende ihrer Kraft, sowie die Bedeutung technischer und administrativer Ordnung für Gemeinwohl und Naturbeherrschung. Indem Ebers Herrschaftswechsel, Steuerpolitik und kirchliche Institutionen historisch anschaulich macht, öffnet er einen Reflexionsraum über Vielfalt und Zusammenleben. Zugleich trägt der Roman zur Popularisierung ägyptologischen Wissens bei und erfüllt das Bedürfnis nach „Orient“-Bildern, das Europas Lesekultur jener Jahrzehnte prägte, kurz vor der britischen Besetzung Ägyptens von 1882. So verbindet das Werk historische Aufklärung mit zeitgenössischem Lesevergnügen.

Die Nilbraut (Zusammengefasste Ausgabe)

Hauptinhaltsverzeichnis
Vorwort.
Erstes Kapitel.
Zweites Kapitel.
Drittes Kapitel.
Viertes Kapitel.
Fünftes Kapitel.
Sechstes Kapitel.
Siebentes Kapitel.
Achtes Kapitel.
Neuntes Kapitel.
Zehntes Kapitel.
Elftes Kapitel.
Zwölftes Kapitel.
Dreizehntes Kapitel.
Vierzehntes Kapitel.
Fünfzehntes Kapitel.
Sechzehntes Kapitel.
Siebenzehntes Kapitel.
Achtzehntes Kapitel.
Neunzehntes Kapitel.
Zwanzigstes Kapitel.
Einundzwanzigstes Kapitel.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Vierundzwanzigstes Kapitel.
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Siebenundzwanzigstes Kapitel.
Achtundzwanzigstes Kapitel.
Neunundzwanzigstes Kapitel.
Dreißigstes Kapitel.
Einunddreißigstes Kapitel.
Zweiunddreißigstes Kapitel.
Dreiunddreißigstes Kapitel.
Vierunddreißigstes Kapitel.
Fünfunddreißigstes Kapitel.
Sechsunddreißigstes Kapitel.
Siebenunddreißigstes Kapitel.
Achtunddreißigstes Kapitel.
Neununddreißigstes Kapitel.
Vierzigstes Kapitel.
Einundvierzigstes Kapitel.
Zweiundvierzigstes Kapitel.
Dreiundvierzigstes Kapitel.
Vierundvierzigstes Kapitel.
Fünfundvierzigstes Kapitel.
Sechsundvierzigstes Kapitel.
Siebenundvierzigstes Kapitel.
Achtundvierzigstes Kapitel.
Neunundvierzigstes Kapitel.
Fünfzigstes Kapitel.

Vorwort.

Inhaltsverzeichnis

"Die Nilbraut" braucht kein Vorwort; ich bemerke nur Kollegen halber, daß de Goeje mich bestärkte, Mukaukas als Amtstitel des byzantinischen Statthalters zu deuten, der Ägypten den Muslimen übergab, obwohl mir Karabaceks Studien dazu verwehrt blieben. Man tadelt, daß ich Horus Apollon ins siebente Jahrhundert rücke; doch Suidas unterscheidet die Werke des Grammatikers, ohne die Hieroglyphica zu nennen, weshalb zwei Horapollons denkbar sind, von denen der spätere erst nach dem Verfall der Schrift lebte. Der Übersetzer Philippus bestätigt dies, und Philae, letzte Bastion der Isis, bewahrte noch Restwissen, das meiner Darstellung entspricht. Tutzing, 1. Oktober 1886, Georg Ebers.

Erstes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

Fünf Jahre nach Ägyptens Unterwerfung unter Omar lastet eine sengende Juliofenhit auf dem Land, der Nil verkümmert statt zu steigen. Am 10. zieht eine kleine Karawane aus dem Norden in Memphis ein. Die ehemalig glanzvolle Pyramidenstadt ist ausgehöhlt, streckt sich nur noch schilfblattlang zwischen Strom und Gebirge. Früher würdigte niemand einen Blick, wenn endlose Händlerzüge, kaiserliche Reiter oder Prozessionen die Hauptstraße wogten; jetzt verfolgen verwahrloste Einwohner jedes Geräusch. Schon dieses dürre Aufgebot unter seidenen Zelten, Packkamelen und bewaffneten Reitern genügt, die verfallenen Fassaden zu beleben. Erwartung und Furcht mischen sich, denn das ausbleibende Hochwasser droht mit Hunger.

Voran reitet Haschim, ein sehniger Muslim in weicher Seide; ein breiter Turban schattet sein feines, gefurchtes Gesicht. Neben seinem edlen Dromedar trabt auf einem störrischen Eselein der Führer, Zunftmeister der Hermeneuten, braun, missmutig, doch redselig. Wagt er sich zu nahe an die widerborstigen, bis an die Zähne bewaffneten Wächter hinter Haschim, krümmt er den Rücken wie vor einem Schlag; dem Kaufherrn aber beantwortet er jegliche Frage mit unerschöpflicher Zunge. „Wie gut du hier in Memphis Bescheid weißt!“, staunt Haschim. Der Memphite lenkt ein und führt ihn weiter zwischen eingefallenen Häusern, Trümmern und verwüsteten Kirchen. Staub wirbelt unter den Hufen auf.

Haschim zeigt auf eine verstümmelte Basilika: „Wer hat dieses Gotteshaus so jämmerlich verwundet? Von den Meinen, sagt Amr, wurde keine Kirche angetastet.“ Der Führer zischt: „Es war ja die Hauptkirche der Melchiten, der Kaiserknechte.“ Haschim fragt ruhig: „Nun, und was liegt denn so Schlimmes in ihrer Lehre?“ – „Was?“ Die Augen des Ägypters lodern. „Sie zerstückeln die göttliche Person des Heilands, nennen zwei Naturen! Sie trieben uns Einheimische in ihre Tempel und behandelten uns wie Aussätzige. Jetzt ernten sie, was sie säten. Wir Jakobiten geben von der einen göttlichen Natur kein Titelchen preis.“ Lieber werde ich Muslim als Melchit. Ketzerei

„Ihr habt die Macht, also zahle ich lieber die kleine Steuer nach Medina als die große nach Konstantinopel“, fährt er fort. Haschim nickt und erinnert sich: „Ich kannte den Vater des Mukaukas Georg; ein wohlgesinnter Herr. Darf der Sohn noch den Titel Mukaukas führen?“ – „Gewiss, Meister! Reich durch Erbschaft und das Heiratsgut seiner Frau, ein gerechter Statthalter, aber krank; man sieht ihn kaum noch. Die Melchitenhunde brachen ihm das Herz: Bei ihrem Aufstand in Alexandria erschlugen sie zwei seiner Söhne.“ – „Armer Mann!“, seufzt Haschim. „Blieb kein anderes Kind?“ – „Doch, Orion und die kleine Maria.“ zehn Jahre alt.

Der Führer plaudert weiter: „Orion kehrte vorgestern aus Konstantinopel zurück. Die halbe Stadt lief hinaus, baute Ehrenpforten, die Frauen vorneweg.“ Haschim lacht: „Das klingt, als verdiente er’s kaum.“ – „Er ist der einzige Sohn des ersten Mannes im Land“, erwidert der Ägypter, doch zuckt die Achseln. „Mein Bruder, Leiter unserer Schule, rühmt seinen Verstand, aber die Weiber verdrehen ihm den Kopf. Wo ihm etwas Anmutiges begegnet, da greift der junge Taugenichts zu.“ – „Wenn es weiter nichts ist,“ meint Haschim, „die Jugend gibt das.“ – „Gefahr brüllt wie Löwen um ihn“, warnt der Memphit. Schöne Gabe führt ins Verderben. Vielleicht.

Sie biegen in eine Gartenstraße. Hinter einer Mauer hält ein prächtiges Viergespann; Orion steht dort mit Susannes Tochter. Haschim späht von seinem hohen Sattel. Orion legt dem zierlichen weißen Seidenspitz das Mädchen in die Arme, sie bindet einen langen Grashalm um den Hals des Hundes, beide lachen. Dann reckt sie sich, pflückt zwei purpurne Glocken von einem Strauch, errötet und reicht sie dem Jüngling. Er küsst erst ihre Finger, dann die Blumen. Ihr Schlag verscheucht seine Hand, sie hüpft davon; er ruft neckend: „Katharina, allerliebste, große Jungfrau Katharina!“ Doch das „Bachstelzchen“ flattert bereits palastwärts. Haschim lächelt über das zarte Spiel.

Kurz darauf schießt der Wagen mit seinen pannonischen Rennern heran; Silberreliefs funkeln, Staub wirbelt. Haschim verfolgt das Schauspiel, bis Orion vorbeizieht. Plötzlich streift der junge Herr die eben eroberten Glockenblick aufs Pflaster und schleudert die Blumen verächtlich in den heißen Sand. Der alte Kaufmann seufzt, befiehlt einem Burschen: „Heb sie auf.“ Im Sattel murmelt er: „Dein Bruder hat Recht. Für diesen jungen Mann sind die Frauen eine gefährliche Klippe, und er für sie. Die arme Kleine da drüben!“ – „Das Bachstelzchen meinst du?“ fragt der Führer. „Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu“, antwortet Haschim gedankenverloren. Er blickt den Staubwolken nach.

Die Sonne steht nun über den Pyramiden. „Lass deine Leute in der großen Herberge rasten“, rät der Ägypter. „Der Wirt ist redlich, es gibt Schatten.“ – „Für Tiere und Knechte genügt das“, entscheidet Haschim, „ich will mich stärken und dann zum Statthalter; ich habe mit ihm zu reden.“ – „Unbesorgt!“ sagt der Führer. „Der Mukaukas empfängt an solch glühenden Tagen nach Sonnenuntergang. Lass ein paar Goldstücke springen, und durch meinen Vetter Sebek, den Hausmeister, verschaffe ich dir noch heute Gehör.“ Er gibt die Sporen, reitet voraus, während Karawanenführer und Kaufherr bereits von kühlem Wasser träumen und nachlassendem Staub vor Abend.

Zweites Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

Die Herberge des Kaufmanns Haschim stand erhöht im Palmenring. Einst war sie ein Tempel Imhoteps, nun mischten sich bemalte Säulen, ein angebautes Holzhaus und Viehställe zu einem lärmenden Markt. Bürger von Memphis suchten hier Schatten, Händler kauften Tiere, Ausflügler mieteten Boote. Nur zweihundert Schritte entfernt rangen Hunderte von Arbeitern unter arabischer Aufsicht mit einer ptolemäischen Ruine. Sie luden Kalkquader und marmorne Säulen auf Ochsenkarren, schafften sie zum Nil und über das Wasser, wo Amr seine neue Residenz errichtete. Der Tempel war Steinbruch; die Araber verschmähten kein Material, heidnisch oder christlich, für ihre Moscheen und neuen Paläste.

Unter dem geschwärzten Tempeldach aßen die Reisenden; keiner berührte Wein, nur der karawanenkundige Perser Rustem. Nachdem Haschim das Mahl beendet hatte, rief er: “Ist schon geschehen,” entgegnete Rustem lachend, doch der Alte wies ihn an: “Desto besser, komm mit mir ins Freie!” Draußen glomm der Abend über Pyramiden und Libyerbergen, der Westhimmel schillerte in Rosen-, Violett- und Goldtönen, wie edle Steine über die Kalkflanken gegossen. Haschim trank den Anblick tief ein, während er Rustems Arm fasste und den Teppich, auf dem sein Reichtum ruhte, für die Weiterreise in Sicherheit wissen wollte, noch vor aller Gefahr geschützt.

Er fasste Rustems Arm und sprach: “Euer Meister Masdak lehrt, es sei Gottes Wille, daß der eine nicht mehr und nicht weniger sein eigen nenne als der andere und daß es weder Arme noch Reiche gebe auf Erden; denn jeder Besitz gehöre allen gemeinsam. Nun schau mit mir hieher! Wem gehört diese Schönheit? Dem Bettler Salech so gut wie dir und mir. Seien wir dankbar dafür, Rustem; denn wahrlich, es ist nicht wenig.” Perser lachte: “Ja, Meister, wer Deine Augen hätte! Doch was uns Masdakiten betrifft, so ist die Zeit noch nicht gekommen!” Haschim fragte: “Und wenn sie da wäre, und Du bekämst den Teppich

Rustem antwortete munter: “Dann verkaufte ich ihn und legte den Erlös zu meinem Ersparten und ginge nach Hause und kaufte mir Land, und nähm’ mir ein hübsches Weib und züchtete Kamele und Rosse.” Der Alte entgegnete warnend: “Aber übermorgen kämen die Armen … Lassen wir’s nur beim alten, mein Rustem, und der Höchste bewahre Dir Dein braves Herz, Du närrischer Querkopf.” Gerade da kehrte der Führer zurück, beklommen: der Mukaukas könne Haschim erst morgen empfangen, er rate zur Stadt-herberge. Der Kaufherr blieb dennoch, wollte einen berühmten Arzt holen, den Kometen beobachten und die milde Flussluft genießen.

Als Nacht fiel, saßen die beiden unter den Palmen. Vor ihnen glitzerte das schwarze Silber des Nil, der Mond säumte jede Kräuselung. Fledermäuse huschten, nur wenige Segel wiesen über den Strom, doch jetzt kam ein breites Fahrzeug mit funkelnden Laternen näher. “Ein stattliches Boot, gewiß das des Mukaukas Georg!” sagte Haschim. Im selben Moment hörte man Hufschlag; “Bis hieher,” meinte er, indem er den Fackelschein hinter der Herberge sah. Die vergoldete Gondel, geschmückt mit dem Bild des heiligen Johannes, glitt in den kleinen Hafen und brachte die vornehme Familie ans Ufer unter Musik und leisen Wellen.

Unter dem Baldachin saß der sieche Mukaukas neben seiner Frau, ihm gegenüber Orion, eine große Jungfrau und die kleine Maria. Der Arzt Philippus und die Erzieherin hockten seitwärts. Orion legte die Laute beiseite, hob den Tragstuhl selbst, trug den Vater behände über die Brücke, während Fackeln flackerten. Haschim dachte mitleidig: Der Schwächste wird leicht, wenn ein Sohn ihn so freundlich trägt. Die schöne Unbekannte wies das Kind lächelnd auf Sterne und Komet; ihr Adel, die reine Stimme und das weiche Licht der Lampen berauschten den alten Zuschauer im Dunkel. Er ahnte künftige Geschichten in diesem Kreis.

Nachdem der Wagen davongefahren war, plauderte Orion lebhaft mit der hohen Jungfrau; Haschim erkannte, wie sehr seine Worte nur für sie bestimmt waren. Da kam Frau Taus mit Spritzkuchen und prahlte, ihr erstes Enkelkind heiße “Orion”. Neugierig wies sie auf die Dame und fragte, ob der flüchtige Vogel festsitze; der junge Mann lachte: er spüre bereits “die Schlinge am Halse”. Paula errötete, die Bäckerin strahlte, und Haschim verstand, dass die kleine Susanna gegen diese Gestalt kaum bestehen konnte. Musik erklang, Gelächter mischte sich in die milde Nachtluft, während der Nil leise an die Böschung schlug und Datteln herabfielen.

Auf ihr Bitten sang Orion das Lied des Alkaios, seine gedämpfte Stimme verschmolz mit der Laute. Beim Aufbruch beglich er die Zeche, hob ein vergessenes Tüchlein, küsste es rasch und folgte dem Boot. Die roten Blumen vom Morgen waren vergessen, dem Mädchen auf dem Wasser gehörte sein Herz. Haschim grübelte, bis der Fremdenführer zurückkam: Es war Paula, Tochter des unauffindbaren Feldherrn Thomas, nur mäßig begütert und als melchitische Nichte im Haus des Mukaukas geduldet. Der Hermeneut rümpfte die Nase, nannte sie stolz, doch der alte Araber blieb unbeeindruckt. Er bewahrte sein eigenes mildes Urteil über die Hohe.

Bald traf Philippus ein, der gelehrte Arzt. Er bewunderte Paula: ein “so herrliches Geschöpf, wie es der Himmel in seinen besten Stunden nur selten schaffe”, doch er beklagte die Schatten, die ihr Leben seit Jahren trübten. Er untersuchte Haschim, versprach wirksame Linderung und sprach lange mit ihm über Krankheiten, Sterne und Menschen. Die beiden fanden Gefallen aneinander, bis spät in der Nacht löste sich ihr Gespräch; Alter und Jugend trennten sich als neue Freunde, jeder erfrischt von der ungewöhnlichen Begegnung unter Palmen, Mondlicht und dem bös verhießen Kometen, dessen Schweif über Memphis schaudern machte heftig.