Die revolutionäre Snips-Methode - Johannes Huber - E-Book

Die revolutionäre Snips-Methode E-Book

Johannes Huber

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  • Herausgeber: Südwest
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2009
Beschreibung

Das Beste aus den Genen machen

Snips – das sind winzige Gen-Mutationen, die jeder von uns hat. Und sie bestimmen unsere Veranlagung zu Krankheiten oder Stoffwechselstörungen. Die 10 wichtigsten Snips, verantwortlich für Fetteinlagerung, Muskel- und Knochenaufbau, Insulinproduktion u. v. m., haben Prof. Huber und Dr. Klentze analysiert und dabei ein individuelles Snip-Programm entwickelt. Endlich hat jeder die Chance, gezielt auf seine persönlich vorhandenen Snips einzuwirken – und so das Beste aus den genetischen Veranlagungen zu machen: Krankheiten lassen sich vermeiden, Stoffwechselvorgänge beschleunigen oder verlangsamen, ausgleichende Prozesse anregen – und so kann man dem Verschleiß des Organismus aktiv gegensteuern.

• Die drei Säulen der Gesundheit festigen und individuell stärken: Bewegungs-, Ernährungs- und Entspannungsprogramme für jeden Snips-Typ.
• Risikofaktoren erkennen und rechtzeitig gegensteuern: Die Snips-Methode zeigt, wie man schon jetzt vielen Krankheiten ein Schnippchen schlagen kann.
• Du bist, was du isst: Mit der richtigen Ernährung das beste aus den Genen herausholen.

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Seitenzahl: 283

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Inhaltsverzeichnis
 
Vorwort
 
Viel Neues aus der Welt der Gene
Neue Waffen gegen das Alter
Lange und gut leben
Von den Genen zum langen Leben
Polymorphismen - unsere »Snips«
Das Geheimnis der über 100-Jährigen
Die genetischen Ursachen des Alterns
Drei wichtige Gene
Kenntnis der Snips kann Risiken vorbeugen
Strategien zur Altersprävention
Biologische Rhythmen nicht missachten
 
Copyright
Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich vor etwa zehn Jahren den ersten Kontakt mit den genetischen Varianten, auch snps oder einfacher Snips genannt, hatte, begriff ich nur sehr langsam, was in dieser Untersuchung für eine hohe Aussagekraft und wissenschaftliche Explosivität steckte. Ich beschäftigte mich damals intensiv mit der Catechol-Ortho-Methyltransferase (COMT, siehe auch Seite 102ff.), weil mich die psychische Komponente des Abbaus der Nervenüberträgerstoffe (Neurotransmitter), in welchen die COMT involviert ist, besonders interessierte. Hinzu kam, dass dieses Enzym meine beiden Fachspezialitäten Frauenheilkunde und psychotherapeutische Medizin umfasste.
Erst mit der Aufklärung des menschlichen Genoms und dessen Vorstellung in Keystone, Colorado, verstand ich, welche revolutionäre Kraft in dieser neuen Methode steckte. Bei meinen vielen Besuchen auf amerikanischen Anti-Aging-Medizin-Kongressen begegnete ich den ersten Labors, die eine genetische Analyse der Snips anboten.
Ein Snip, das ist eigentlich ein »single-nucleotide polymorphism«, abgekürzt snp. Um bei wissenschaftlichen Konferenzen und Vorträgen nun nicht ständig über die unaussprechliche Abkürzung zu stolpern, redet man kurz und bündig von »Snips«.

Snips - revolutionäre Kraft

Der Kontakt zu meinem Mitautor, Herrn Professor Johannes Huber, der als Erster in Europa die gynäkologisch bedeutsamen snps beschrieb und diese in klinische Anwendung brachte, vertiefte mein Verständnis davon in ungeahnter Weise. Mir wurde klar, dass in Zukunft diese Untersuchungsmethode die wissenschaftliche Welt, die klinische Medizin so revolutionieren würde, dass - wie Johannes Huber sich auszudrücken pflegt - kein Stein des medizinischen Wissenschaftsgebäudes auf dem anderen bleiben würde.
Im Grunde genommen war dies die Geburtsstunde der personalisierten Medizin, einer völlig neuen Medizin, die keine Stereotypien und Pauschalbehandlungen mehr zulässt, sondern den ganzen Menschen individuell betreut. Denn nichts ist individueller als der eigene Genotyp, sozusagen die Datei, in welcher unser Lebenscode aufgeschrieben ist.

Individuell maßgeschneidert

Nun konnte man bald mittels einer Chiptechnik viele Snips auf einmal kombiniert untersuchen und die Kombination der Varianten beurteilen, den Patienten individuell therapeutisch beraten und seinen Lebensstil nach dem genetischen Code einstellen. Die Behandlung und Beobachtung der Wirkung von Medikamenten im Menschen bedurfte keiner Versuchspersonen oder »trial and error«-Methode mehr. Denn das Fach der Pharmakogenetik kann voraussagen, ob das einzunehmende Medikament schnell, langsam oder fast gar nicht abgebaut wird. Riskante Nebenwirkungen, die auch tödlich enden können, müssen nicht mehr in Kauf genommen werden, wenn alle Menschen ihre genetisch bedingten Abbaurisiken von Medikamenten kennen. Inzwischen ist eine große Datenbasis für alle gängigen Snips zugänglich, die mit den beschriebenen phänotypischen Veränderungen oder Risiken korrelieren.
Weit verbreitete Krankheiten des Menschen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychiatrische Erkrankungen, Hormonstoffwechselstörungen, Krebssuszeptibilität und vieles andere werden durch das Zusammenspiel multipler genetischer Faktoren und den jeweiligen Lebensstil bzw. verschiedene Umweltfaktoren verursacht.
Die gebündelte Natur des menschlichen Genoms und die Zugänglichkeit zur kompletten menschlichen Genomsequenz haben bis heute enorme Erfolge in der Definition der einzelnen Genpolymorphismen, deren Lage und Bedeutung in Bezug auf den Phänotyp gebracht.
Historisch ist es interessant, dass einer der ersten Genphänotypen, die entdeckt wurden, der Blutgruppenphänotyp (Karl Landsteiner, 1901) war. Die hieraus entwickelte Blutgruppendiät ist ein Beispiel für Nutrigenomics, das bedeutet die Ernährung nach den Genen, in diesem Fall nach einem Genpolymorphismus. Die dahinter stehende Idee war klug, denn sie postulierte die Möglichkeit der Anpassung von Stoffwechselprozessen nach den evolutionären Zeitaltern, in welchen die jeweiligen Blutgruppengene entstanden sind. Ergo war es logisch, wenn auch sehr einfach und die Komplexität der Snips nicht beachtend, die Ernährung nach der Lebensform der jeweiligen Zeitalter zu empfehlen. Heute wissen wir, dass Ernährung die genetische Expression beeinflusst und damit erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit hat.

Kampf dem Altern!

Durch eine enorme klinische Erfahrung, welche Johannes Huber und ich inzwischen gewonnen haben, ist es uns schließlich ein dringendes Anliegen geworden, diese wunderbare neue und revolutionäre Methode der Snips der breiten Öffentlichkeit vorzustellen, damit unser gemeinsames Ziel, nämlich die Prävention von altersbedingten Erkrankungen, zum Zentrum der neuen Medizin wird.
Dr. Michael Klentze
 
Von einem berühmten griechischen Arzt stammt der Ausspruch, dass Menschen dreimal am Tag essen und dreimal am Tag die Möglichkeit haben, ihren Körper zu heilen oder ihm vorbeugend wertvolle Wirkstoffe zuzuführen. In unterschiedlicher Weise berichten Menschen, dass ihnen manche Nährstoffe besonders gut täten, die von anderen wiederum gemieden werden. Diese alte Erfahrung wird nun durch die molekularbiologische Forschung erhellt: Kein Mensch gleicht in seiner genetischen Disposition dem anderen - mitunter haben die Unterschiede im Erbmaterial auch zur Folge, dass manche Nahrungsmittel für einige von besonderer Bedeutung sind.
Ein ganz besonderer Dank gilt meinen Freunden, Herrn Professor Christian Schneeberger und Herrn Professor Manfred Müller, beide Basisforscher der Snips und Molekularbiologen, für die Unterstützung beim Entstehen dieses Buches.
Dr. Michael Klentze

Gesundheit in neuem Licht

Dieser Wissenschaftszweig heißt »intrigenomic« und versucht, jene Inhaltsstoffe von Lebensmitteln denjenigen Menschen anzubieten, die sie aufgrund ihrer genetischen Disposition besonders benötigen. Der Wissenschaftszweig ist völlig neu, und dieses Buch ist das erste dieser Art, welches die neue Wissenschaft in allgemein verständlicher Form erklärt. Das Buch ist aber gleichzeitig ein Beginn: Es soll nicht nur dem einzelnen Menschen helfen, sondern darüber hinaus auch eine neue Sicht auf unsere Gesundheit und unsere Ernährung eröffnen. Viele Untersuchungen sind deswegen besonders auf diesem Gebiet noch notwendig.
Prof. Dr. Johannes Huber
Viel Neues aus der Welt der Gene
Genforschung- dabei denken viele erst einmal an gektonte Schafe, Stammzellenforschung oder neue Therapien für bisher unheilbare Krankheiten. Oder, wenn Ernährung ins Spiel kommt, an genmanipulierten Mais und Tomaten. Das umstrittene Forschungsgebiet hat aber gerade in Hinblick auf unsere Ernährung zu Erkenntnissen geführt, von denen Sie schon heute profitieren können-ganz ohne Risiken oder moralische Bedenken.
Neue Waffen gegen das Alter
 
Alt - das sind immer die anderen, doch nicht etwa wir selbst! Zwar möchten die meisten Menschen noch viele Jahre erleben, aber bitte.ohne gesundheitliche Einschränkungen, nachlassende Geisteskräfte und schwindende körperliche Attraktivität.
Young forever?
Von den drei großen Träumen der Menschheit sind zwei in Erfüllung gegangen: die Umwandlung der Metalle und die Überwindung der Schwerkraft. Die Verwirklichung des dritten Traums hingegen, den Sieg im Kampf gegen das Altern - den haben sich die Götter noch vorbehalten. Allerdings scheint bei diesem dritten Traum nun etwas in Bewegung zu kommen. Der Grund ist eine Koalition, welche die Datenverarbeitung mit der biomedizinischen Forschung eingegangen ist, die dadurch vielem, was ihr bis dato verborgen blieb, nun mit Hilfe moderner Computertechnologie und der Auswertung riesiger Datenmengen auf die Spur kommt. Der Alterungsprozess als jeden Menschen betreffende kritische Lebenssituation hat dabei erste Priorität.
Das Alter wird zwar gelegentlich als Phase gerühmt, in der man die Früchte seiner Lebenserfahrung erntet, Reife und Gelassenheit gewinnt - aber das tägliche Erleben demonstriert uns, dass es damit meist nicht weit her ist. Krankheiten, wachsende Unselbstständigkeit durch nachlassende körperliche und geistige Kräfte, das deprimierende Gefühl, von anderen Menschen immer weniger geliebt und gebraucht zu werden, schaffen so viel körperliches und seelisches Leiden, dass nur wenige dazu kommen, die positiven Aspekte des Altwerdens so richtig zu genießen. Kein Wunder, dass sich die Anti-Aging-Medizin so rasch zu einem der wichtigsten Zweige für eine umfassende Gesundheitsvorsorge entwickeln konnte.

Lange und gut leben

Dabei geht es bei Anti-Aging nicht so sehr darum, das Leben mit allen Mitteln zu verlängern, sondern die immer länger dauernde Lebensphase jenseits des 50. Lebensjahres ähnlich fit und gut zu gestalten wie die Zeit davor: ohne Bypass-Operationen, ohne z. B. durch eine fortschreitende Osteoporose an den Rollstuhl gefesselt zu sein, und mit der Möglichkeit, auch noch jenseits des 80. Lebensjahres Kreuzworträtsel lösen zu können - sofern man sich das wünscht. Wenn mit dieser Optimierung der Lebensqualität gleichzeitig auch die Lebensdauer verlängert wird, so ist das ein weiterer Vorteil.

Dem Alterungsprozess auf der Spur

Die zentrale Frage, warum der Mensch überhaupt altert, wird Stück für Stück von der Medizin zu beantworten versucht. Langsam kommen immer mehr Details wie Mosaiksteine eines großen Bildes ans Tageslicht, und obwohl eine letztlich gültige Antwort immer noch fehlt, beginnt sie sich doch schon am Horizont abzuzeichnen. Die Erfolge sind dabei sicher dieser »Koalition« zwischen der Datenverarbeitung und der Medizin mitzuverdanken. Denn sie begann alle jene Gene, die wir in uns tragen, nach ihrer individuellen Ausformung zu untersuchen. Dass in den Genen, unseren Erbanlagen, der Schlüssel für das Geheimnis vieler mit dem Altern verbundener organischer Prozesse liegt, ist heute unumstritten. Also ist es Schicksal, oder wie man scherzhaft sagen könnte, die Geschicklichkeit bei der Auswahl der Eltern und weiterer Vorfahren, die bestimmen, wie alt und in welchem Gesundheitszustand wir alt werden? Weit gefehlt. Unsere individuelle genetische Ausstattung kann es uns zwar leichter oder schwerer machen, gesund und aktiv alt zu werden, indem sie uns z. B. vor bestimmten Krankheitsrisiken schützt oder eben andere erhöht - unser Schicksal haben wir in dieser Hinsicht dennoch weitgehend selbst in der Hand.
Wir stellen Ihnen die wichtigsten für den Alterungsprozess relevanten Genstrukturen vor und geben Rat, wie Sie bei Krankheitsrisiken über die Ernährung und Ihren Lebensstil vorbeugenden Einfluss nehmen können bzw. ein Fortschreiten von Beschwerden möglichst stoppen.

Was gesund ist, bestimmen die Gene

Vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse, mit der die moderne Anti-Aging-Medizin aufwartet, ist die Notwendigkeit einer absolut individuellen Prophylaxe und zum Teil auch Behandlung typischer Alterserscheinungen. Dies betrifft besonders den Bereich der Ernährung, aber auch ganz allgemein den Lebensstil. Weder eine Diät noch eine Sportart kann man z. B. ohne weiteres als »gesund« bezeichnen: Es kommt immer darauf an, ob sie zu einem passen. Und dies hängt nicht zuletzt davon ab, wie unsere ganz persönliche genetische Struktur beschaffen ist. Warum dies so ist, werden die nächsten Kapitel weiter erklären.
Wissen ist Macht
»Ja, und woher soll ich wissen, wie meine Gene beschaffen sind?« ist natürlich die entscheidende Frage. Manche äußerlichen Merkmale oder bestimmte Krankheiten lassen zwar Rückschlüsse auf Ihre Veranlagungzu; dies bleibt aber doch im Bereich ziemlich gewagter Vermutung. Aufschluss kann nur eine genetische Untersuchung geben -dabei erfahren Sie aber āuch »Lebenswichtiges« für ein gesundes Alter.
Von den Genen zum langen Leben
 
»Vom Vater hab ich die Statur, vom Mütterchen die Frohnatur« - ein altes Sprichwort mit nach wie vor sehr wahrem Kern. Seit langem ist uns bekannt, dass wir äußerliche Merkmale und Charaktereigenschaften von Eltern und weiteren Vorfahren »erben«.
Wehret den Anfängen!
Leider gehören zum Erbe unserer Vorfahren nicht immer nur ein sonniges Gemüt, sondern unter Umständen auch Krankheitsrisiken, von denen sich viele erst in fortgeschrittenem Alter zeigen - wenn erste Symptome auftreten. Nun kann man diese Risiken einschätzen, längst bevor es zu einer Erkrankung kommt, und entsprechend vorbeugen. In dieser Form ist dies erstmals in der Medizingeschichte möglich und wurde nur realisierbar, weil sich Datenverarbeitung, Computertechnologie und Molekularmedizin zusammengetan haben, um das »Geheimnis Leben« und auch das »Geheimnis Altern« zu dechiffrieren - mit dem Vorsatz, gezieltere individuelle Therapien zu entwickeln und vor allem eine intensivere Vorsorgemedizin zu betreiben.
Wir besitzen ungefähr 38 000 Gene, die von Mensch zu Mensch gleich sind und trotzdem zwischen den einzelnen Individuen einen ganz kleinen Unterschied aufweisen.
Vergleichen könnte man dies mit einer Nase bzw. mit den Augen: Das Organ Auge ist bei jedem der Gattung Mensch gleich; trotzdem gibt es bei jedem von uns kleine, aber durchaus bedeutsame Unterschiede, die eben die Individualität des Einzelnen ausmachen.

Polymorphismen - unsere »Snips«

Ähnlich ist es auch bei den Genen. Auch diese können in individuellen Normvarianten vorkommen, was man als »Polymorphismus« (oder amerikanisch kurz und prägnant als »Snip«) bezeichnet, was eigentlich »Vielgestaltigkeit« heißt: ein und dieselbe Sache - in dem Fall das Gen - in unterschiedlicher Gestalt.
Die Vielgestaltigkeit erklärt nicht nur die Individualität unter den Menschen und stellt nicht nur ein kosmetisches Problem dar, sondern ist manchmal mit Vorteilen, manchmal mit Nachteilen für den Status der persönlichen Gesundheit verbunden. So existieren Normvarianten von einem bestimmten Gen, das eine Frau vor der Osteoporose (Knochenschwund) schützt oder bei einem Mann das Risiko für das Prostatakarzinom (Krebserkrankung der Vorsteherdrüse) mindert.
Natürlich gibt es auch die umgekehrte Konstellation, die uns beispielsweise anzeigt, ob Frauen vermehrt zur Thrombose neigen, ob sich das in der weiblichen Brust ansammelnde Östrogen nur langsam abbauen lässt bzw. ob durch eine derartige Genvariante die Gefahr zum Herzinfarkt größer wäre oder nicht.

Keine Mutationen

Bei diesen Polymorphismen handelt es sich nicht um Mutationen im eigentlichen Sinn, sondern um Normvarianten, die sich während der Evolution auf normalem Weg entwickelten und die keine Krankheiten vorhersagen, wohl aber mitunter eine Risikokonstellation definieren, gegen die man etwas machen kann. Insofern unterscheidet sich die Polymorphismusuntersuchung deutlich von den Mutationsdiagnosen, wo es bekanntlich darum geht, eine Krankheit schon im Vorhinein zu erkennen. Polymorphismen verkünden keine Krankheit, sondern nur eine Neigung dazu bzw. auch einen besonderen Schutz, den man von der Natur gegen manche Probleme in sich trägt. Insofern gestattet es die Kenntnis dieser Genvarianten leicht, eine maßgeschneiderte Vorbeugemedizin zu konzipieren. Bei jeder Art von Krankheitsprävention ist der Zeitpunkt ein entscheidendes Kriterium: Je früher man vorbeugt, desto wirkungsvoller. Polymorphismen trägt man zwar von Geburt an in sich, aber die eventuell damit verbundenen Risiken kommen oft erst in fortgeschrittenem Alter zum Tragen; die Genvariante »ruht« lange Zeit und wird erst später aktiviert. Ist sie aber frühzeitig bekannt, ist es viel eher möglich, mit Erfolg auszugleichen und gegenzusteuern.
Besondere genetische Konstellationen finden sich typischerweise in geografisch oder kulturell eng begrenzten Regionen, wo eine traditionsbewusste Bevölkerung über lange Zeit »unter sich« geblieben ist.

Das Geheimnis der über 100-Jährigen

Bei einer groß angelegten Datenauswertung bemerkte die »Koalition« der Computerfachleute und der Molekularbiologen - was das Altern betrifft - ein interessantes Phänomen: In Hamburg waren im Jahr 2002 145 über 100-Jährige registriert, von diesen waren 130 Personen Frauen und nur 15 Männer.
Die Zellregeneration
Jede Zelle verfügt über ein enormes Reparaturarsenal, das es gestattet, alle auftretenden Genveränderungen entweder sofort zu reparieren oder die Zelle, sofern dies möglich ist, zu zerstören, in die so genannte Apoptose zu schicken. Die Hypothese, dass Altern eine Ansammlung von genetischen Schäden wäre - ähnlich wie bei einem Auto mit hohem Kilometerstand -, dieses Alterungskonzept wurde ad acta gelegt.
Frauen werden generell älter als Männer.Nur auf Sardinien stehen die Herren den Damen in nichts nach, was die Lebenserwartung betrifft: Bei beiden Geschlechtern ist der Anteil an über 100-Jährigen gleich hoch.
Verständlicherweise haben hier die Forscher aufgehorcht und am Phänomen der Geschlechtsspezifität des Alterns Hinweise vermutet, die es auszuloten lohnen würde, um ein weiteres hochinteressantes Detailwissen über den Alterungsprozess zu bekommen.

Das Nord-Süd-Gefälle

Um diese Zahlen in einem anderen Teil Europas nachprüfen zu lassen, ging man nach Italien und suchte die dort wohnenden über 100-Jährigen auf. Dabei zeigte sich ein interessantes Nord-Süd-Gefälle: Während in Norditalien auf einen über 100-jährigen Mann sieben über 100-jährige Frauen kommen - ähnlich ist die Situation in Mitteleuropa -, stellte sich in Süditalien die Lage anders dar. Hier standen drei über 100-jährige Frauen einem über 100-jährigen Mann gegenüber, die Männer hatten offenbar aufgeholt.
Noch dramatischer hingegen war es in Sardinien. Hier holten die Männer rasant auf, sodass auf eine über 100-jährige Frau ein über 100-jähriger Mann kam. Dieser Gleichstand der Lebenserwartung war nicht nur mit Faktoren wie dem Lebensstil oder Ernährungsgewohnheiten erklärbar.

Der »Heimvorteil« - entzündungshemmende Genvarianten

Mit großer Begeisterung stürzte sich die Medizin auf dieses Phänomen und ließ ihre genanalytischen Sonden ausfahren, um die ganz alten Männer der Region - die in der Zwischenzeit zum Lieblingsobjekt der genetischen Forschung wurden - zu untersuchen. Tatsächlich wurden die Wissenschaftler fündig. Männer, die sehr alt werden, besitzen offensichtlich besondere Genvarianten, welche Prozesse, die mit dem Altern assoziiert sind, hemmen, verlangsamen oder unterdrücken.
In erster Linie sind dies jene Gene, welche für Entzündungen verantwortlich sind. Diese liegen bei den ganz alten Männern in einer langsam arbeitenden Genvariante vor und verhindern damit, dass sich im Muskelgewebe, im Gehirn, vor allem aber im Blutgefäßsystem entzündungsähnliche Vorgänge überschießend entwickeln, welche einen Alterungsschub hervorrufen. Damit ist man der Frage, warum der Homo sapiens altert, einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

Die genetischen Ursachen des Alterns

Lange Zeit hatte man die Meinung vertreten, der Mensch altert ähnlich wie ein Auto, das lange fährt und bei einem hohen Kilometerstand Schäden an der Karosserie, im Motor und im Getriebe aufweist, welche durch die Belastung des Fahrens entstanden sind.
Dieses mechanistische Bild des Automobils wurde auf den Menschen übertragen und diente über viele Jahrzehnte hinweg als gängiges Alterungsmodell. Dies wurde durch die Wissenschaft mittlerweile jedoch korrigiert.

Genfunktionen wandeln sich

Natürlich spielen die Gene eine nicht zu unterschätzende Rolle. Im Alter ändern Gene ihre Funktion. Allerdings nicht durch deren Zerstörung oder deren Schädigung - diese werden, wie erwähnt, sofort repariert -, sondern durch die von Haus aus vorhandenen Genvarianten, die mitunter - unter bestimmten Lebensbedingungen - auch Nachteile in sich tragen und mit einem schnelleren Alterungsprozess verbunden sind.
Dieses Buch wird in den späteren Kapiteln zahlreiche Genvarianten vorstellen, die in manchen Organen - dem Gehirn, dem Herz, der Prostata und der Brust - einen Vorteil, mitunter aber auch einen Nachteil, den es auszugleichen gilt, bieten. Insofern ist die Kenntnis der polymorphen Genstrukturen ein erfolgreicher Weg, gegen »Schwachstellen« anzukämpfen, die sich in unseren Genen mitunter finden.

Drei wichtige Gene

Drei Gene sollen allerdings hervorgehoben werden, von denen man weiß, dass sie unabhängig von einem einzelnen Organ für das generalisierte Altern mitverantwortlich sind. Es handelt sich dabei um jene genetische Normvarianten, die man bei den ganz alten Männern entdeckt hat.
Die Körperzellen verfügen unabhängig vom Alter über die Möglichkeit, sich zu regenerieren. Aber die genetische Steuerung dieser Funktionen kann »aus dem Tritt« geraten.

Interleukin 6 und 10

Dort sah man, dass das so genannte Interleukin- 6-Gen in einer schnellen und in einer langsam arbeitenden Variante vorliegen kann - bei den lang lebenden Männern fand sich vor allem das langsam arbeitende Gen. Umgekehrt war bei diesen »Centenarians« das Interleukin-10-Gen besonders aktiv. Die Aktivität dieses Genabschnittes ist dafür verantwortlich, dass die entzündungsstimulierende Genaktivität (vor allem die des Interleukin 6) deutlich in die Schranken gewiesen wird. Dadurch waren diese Menschen besser geschützt vor überschießenden Reaktionen des Immunsystems, die mehr Schaden als Nutzen bringen.

Mehr oder weniger ausgeprägt - die Entzündungsbereitschaft

Nach Vorliegen dieser Erkenntnisse kam die »Koalition« zu der Erkenntnis, der sich in der Zwischenzeit viele Wissenschaftler angeschlossen haben: dass das Altern etwas mit einer Art von Entzündung zu tun haben muss, jenem Prozess, der durch das Interleukin 6 angeregt und durch das Interleukin 10 unterdrückt wird.
Ist die Entzündungsbereitschaft - und das wäre die Botschaft der Gene - gering, so stellt dies einen Schutz gegen den Alterungsprozess dar. Tatsächlich muss man unter dem Wort »Entzündung« mehr verstehen als einen geröteten Hautfleck, der sich z. B. um einen Wespenstich bildet.
Entzündungen sind gewebsverbrauchende Reaktionen, die jenem Organ, wo sie stattfinden, schaden und die durch Viren, Bakterien, durch eine besondere Belastung (durch Stress oder Ernährung), aber auch durch fehlgeleitete Immunreaktionen entstehen können.

Blutgefäße sind besonders betroffen

Besonders betroffen von überschießenden Reaktionen sind das Blutgefäßsystem, die Venen und die Arterien, also unsere Adern, sowie das Gehirn.
Entzündungen im Endothel, der inneren Auskleidung der Blutgefäße, sind oft mit einer Zerstörung des Blutgefäßabschnitts und mit der gefürchteten Arteriosklerose (Verkalkung) verbunden.
Train your brain
Ein großes Problem der älter werdenden Menschen stellt das Gehirn dar. Atrophie, Degeneration und Beeinträchtigung der Gehirnleistung sind einerseits für den, den es betrifft, eine Katastrophe, andererseits aber auch eine ökonomische Belastung für die Gemeinschaft, welche sich um eine humane Kranken- und Altersversorgung kümmert. Deswegen sollte alles unternommen werden, um die altersbedingte Demenz hintanzuhalten.

Wichtiger Faktor des Alterns

Die Integrität der Blutgefäße ist für die Gesundheit von größter Bedeutung. Finden dort verstärkt entzündungsähnliche Prozesse statt, so beschleunigt dies zweifellos den Alterungsprozess.
Menschen mit einer geringeren Entzündungsbereitschaft - so wie man dies an den Genvarianten des Interleukin 6 und des Interleukin 10 demonstrierte - sind gegen diesen den Alterungsprozess vorantreibenden allgemeinen Entzündungsprozess geschützter. Menschen, die diesen genetischen Schutz aufgrund eines anderen Normwerts nicht besitzen, können aber diesen Alterungsschutz vorbeugend imitieren.

Entzündungsähnliche Prozesse

Im Rahmen ihrer Forschungen erkannte die »Koalition«, dass entzündungsähnliche Prozesse auch im Gehirn ablaufen können, die wie im Blutgefäßsystem für ein rasches Altern, für eine reduzierte Merkfähigkeit, für eine nachlassende Reaktions- und eingeschränkte Assoziationsfähigkeit mitverantwortlich ist. Sind Menschen durch Genvarianten gegen Entzündungen - auch im Gehirn - geschützter, so tragen sie ein geringeres Risiko in sich, an eklatanten Problemen der Gehirnalterung zu erkranken. Ist dieser genetische Schutzmechanismus nicht vorhanden, so stehen besondere Interventionen und Medikamente zur Verfügung, um den gleichen Schutz sicherzustellen - auch, wenn man die entsprechende protektive Genvariante nicht in sich trägt.

Das APO-E-Gen

Das APO-E-Gen - um ein weiteres Beispiel zu nennen - liegt in verschiedenen Normvarianten vor, von denen manche ebenfalls mit einer schnelleren Gehirnalterung verbunden sind. Auch dagegen kann man etwas tun, wie im Weiteren gezeigt wird.

Kenntnis der Snips kann Risiken vorbeugen

Gene sind also zweifellos in den Alterungsprozess involviert, allerdings nicht durch ihre Beschädigung, die sie im Lauf der Lebensjahre erleiden, sondern wegen Normvarianten, die man von Haus aus in sich trägt und die möglicherweise einen besonderen Schutz gegen den Alterungsprozess besitzen oder die dazu einladen, Interventionen vorzunehmen, um sich diesen Schutz, selbst wenn die Genvariante nicht vorhanden ist, zu erwerben. Auch Medikamente wirken individuell.
Die von Tag zu Tag bessere Kenntnis des Genoms erlaubt es, den Zufall in der Medizin immer mehr auszuschalten und viele Fragen zu beantworten, die in befriedigender Weise bis jetzt nicht zu klären waren: so beispielsweise, warum Medikamente von manchen Menschen hervorragend vertragen werden, bei anderen jedoch schwere Nebenwirkungen hervorrufen, warum eine Krebstherapie einmal wirkt und einmal ihre Wirkung völlig versagt oder warum Empfängnisverhütungspillen - um auch ein gynäkologisches Beispiel zu bringen - von manchen Frauen ausgezeichnet vertragen werden und bei anderen wiederum heftige Nebenwirkungen und Zwischenblutungen hervorrufen.
Jugendfrische Ausstrahlung und Gesundheithängen nicht unbedingt von den Lebensjahren ab - aber vom genetischenErbe.
Die Antworten auf diese Fragen liegen in den Normvarianten, die die »Koalition« von Datenverarbeitern und Molekularbiologen nun zu erhellen beginnt.

Heilung für den Lungenkrebs - doch nur für manche

Vor kurzem sorgte ein Fortschritt auf diesem Gebiet für Schlagzeilen: Gegen den Lungenkrebs gibt es ein neues Präparat, das gentechnologisch hergestellt wird und das tatsächlich auch wirkt, allerdings nicht immer, sondern eigentlich nur bei jedem achten bzw. jedem zehnten Patienten - dann aber mit größtem Erfolg.
Die Genforschung lieferte neue Anhaltspunkte, warum manche Raucher »ungerechterweise« gesund altern, dagegen auch viele Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken.
Die Antwort auf die Frage, warum dies so ist, liegt auch in den Genvarianten. Rezeptoren für Wachstumsfaktoren müssen in einer bestimmten genetischen Variation in individueller Weise vorhanden sein, um die Krebs tötende Wirksamkeit vermitteln zu können. Gerade darauf zielt die Meldung einer Wochenzeitung, dass »das Ende des Zufalls« gekommen sei. Durch die Hilfe der »Koalition« - und das betrifft natürlich auch die noch zu erwartenden Erkenntnisse im Kampf gegen das Altern.

Die Genverpackung oder der epigenetische Code

Zweifellos liegt in der Vielgestaltigkeit der Gene (Polymorphismus) ein Schlüssel zum Verständnis des Alterns und auch der Altersvorsorge verborgen. Ein zweiter Schlüssel findet sich auf einem Gebiet, das vor Jahren noch völlig unbekannt war und das letzten Endes auch eine Folge der intensiven Arbeit der »Koalition« war, nämlich in der Genverpackung.

Verknäuelter Lebensfaden

Die 38 000 Gene mit vielen Genabschnitten, die offenbar für den Körper nicht unmittelbar gebraucht werden, liegen um kleine Kugeln, die Nukleosomen, gewunden. Jede Zelle trägt einen derartigen rund zwei Meter langen Lebensfaden in sich, der allerdings so verknäuelt ist, dass er in dem kleinen Zellkern - aufgerollt über die kugeligen Nukleosomen - Platz findet. Die »Verknäuelung« des Lebensfadens ist allerdings nicht zufällig, sondern folgt einem genauen Muster, das nun ebenfalls von der Wissenschaft langsam erhellt wird.

Bestimmend für die Genaktivität

Dieses Verknäuelungsmuster ist dafür verantwortlich, ob Gene in einer Zelle aktiv sind oder nicht. Denn schließlich tragen wir in jeder Zelle das gleiche Gen, und trotzdem werden auf der Haut nur die hautspezifischen Gene aktiv und in der Leber nur jene, aus denen Leberfunktionen entstehen. Die Aktivierung bzw. die Unterdrückung der Gene erfolgt höchstwahrscheinlich mechanisch, indem die aktiv werdenden Gene des »Knäuels« an die Oberfläche gebracht werden, um dort von der so genannten Transkriptionsmaschinerie abgelesen zu werden.
Muss ein bestimmtes Gen in einem Organ inaktiv bleiben, beispielsweise die Knochengene, die in der Leber keine Aufgabe erfüllen, so werden sie tief in das Innere des Chromosomenknäuels gesteckt, um dort zu ruhen und um keinen unnötigen Schaden (falls am falschen Ort das falsche Gen aktiviert wird) anzurichten.

Der epigenetische Code

Dieses Verpackungsmuster wird epigenetischer Code genannt. Die Verpackungsordnung wird durch kleine Moleküle (Azetylreste, Methylreste) geordnet; dies stellt auch die Garantie für eine normale Genaktivität dar. Nicht die vorhin erwähnte Genstruktur selbst, sondern diese Genverpackung ist anfällig gegen Alterungsschäden und ändert sich tatsächlich sowohl bei der Entstehung von Krebs als auch bei vielen Problemen, die mit dem Alterungsprozess assoziiert sind. Um es noch einmal zu wiederholen: Nicht die Gene verändern sich im Alter, sondern jene Verpackungsschachteln, in denen diese Gene enthalten sind. Gelingt es, die Verpackungsschachtel der DNS jung zu erhalten bzw. aus einer alten Schachtel wieder eine neue zu machen, dann hat man zweifellos einen Sieg im Kampf gegen das Altern errungen.
Die Azetylreste sorgen dafür, dass das »Knäuel« der Chromosomen mit den darumgewundenen Genen nicht in Unordnunggerät.

Die »Verpackung« altert

Denn die Schachtel wird während des Alterns tatsächlich lädiert. Sie zeigt die Zeichen der Zeit; dadurch werden die Gene der Jugend verschüttet, und obwohl sie aktiv sein müssten, gelangen sie durch den Alterungsprozess in das Innere des Genknäuels und haben keine Chance mehr, das notwendige Protein zu bilden. Umgekehrt drängen mitunter Gene, die ruhig und inaktiviert bleiben sollen, vom Inneren der Chromosomenverpackung nach oben und beginnen sich dort zu Wort zu melden, Proteine herzustellen, die eigentlich nicht hergestellt werden dürften. Ein weiterer Aspekt, der Altersstörungen erklärt und der auch hinter der Entstehung des Karzinoms steht.
Schwangerschaft als Modell für die Altersforschung
Was heute noch der Allgemeinheit wenig bekannt ist: Die »Koalition« hat ihre Forschungsanstrengungen nicht nur auf die Gene, sondern auch auf die Schwangerschaft ausgedehnt. Denn auch hier gab es interessante Beobachtungen, die für das Verständnis des Alterns von Wichtigkeit sein könnten.
 
Alles riecht intensiver
Angefangen hat das Interesse der Genforscher mit einem kleinen Detail, zufällig aufgegriffen von der Wissenschaft. Und zwar mit der vielen schwangeren Frauen bekannten Tatsache, dass sie ab der achten, neunten oder zehnten Schwangerschaftswoche beginnen, Dinge zu riechen, die Männer, aber auch nichtschwangere Frauen nicht wahrnehmen können. In der Vergangenheit wurde dies als eine Folge der Hormonumstellung, wie sie während der Schwangerschaft auftritt, interpretiert und mitunter gar nicht ernst genommen. In Wahrheit - und das hat die »Koalition« nun gezeigt - liegt dahinter ein Regenerationsprogramm, das auch für den alten Menschen interessant werden kann und in klinischen Studien bereits umgesetzt wird.
 
Prolaktin stimuliert das Gehirn
Es ist vor allem das in der Schwangerschaft ansteigende Hormon Prolaktin, das normalerweise in der Hirnanhangsdrüse gebildet und für das Stillen nach der Geburt verantwortlich ist, welches offensichtlich auch noch andere regenerative Aufgaben erfüllt: nämlich in der ersten Schwangerschaftsphase die im Gehirn lokalisierten Stammzellen so anzuregen, dass sie beginnen, neue Neuronen zu bilden, was letztlich zu einer verbesserten Riechkapazität der schwangeren Frau führt. Dies ist damit Folge eines Stammzellerneuerungsprogramms, das im Gehirn der schwangeren Frau abläuft.
 
Stammzellen werden aktiv
Ähnliches weiß man auch von der Bauchspeicheldrüse: Die Schwangerschaftshormone Progesteron, Prolaktin und Somatotropin können während der Schwangerschaft die Bauchspeicheldrüse in ihrer Funktion, aber auch ihre Größe optimieren, um sie den höheren Bedürfnissen von zwei Menschen, die nun stoffwechselmäßig zu versorgen sind, nämlich Mutter und Kind, anzupassen.
Auch diese Geweberegeneration geht von Stammzellen aus, geleitet über die schwangerschaftsspezifischen Hormone. Gelingt dies mitunter dem Organismus einer schwangeren Frau nicht, so beginnt sie an einem Schwangerschaftsdiabetes zu leiden und trägt die hohe Wahrscheinlichkeit in sich, später auch einen Altersdiabetes zu entwickeln. Es bedarf nicht viel Phantasie, um diesen Gedanken weiterzuentwickeln und zu verstehen, dass die alterspräventive Medizin alles daran setzt, um auch im Alter bei diabetischen Menschen mit dem gleichen Schwangerschaftscocktail jene Stammzellen zu stimulieren, die offensichtlich in der Lage sind, ein neues funktionstüchtiges Bauchspeicheldrüsengewebe zu bilden.
 
Die Fortpflanzung liefert Waffen gegen das Altern
Diese zwei Beispiele führen uns zu einer weiteren Erhellung des Alterungsprozesses und helfen uns in unserem Bemühen, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum der Mensch altert. Zweifellos hat die Fortpflanzung einen hohen alterspräventiven Effekt, weil in der Erhaltung der Art die Evolution naturgemäß Privilegien zur Verfügung stellt, um den Eltern jene Fitness zu geben, die eben für die alternde Art notwendig ist. Das ist höchstwahrscheinlich auch eine Erklärung, warum die Reproduktion Strategien in sich birgt, welche alterspräventiv eingesetzt werden können.
Wird die Fortpflanzungsfähigkeit reduziert oder beendet, so kann das mitunter auch mit einem beschleunigten Alterungsprozess einhergehen.
Die Geschlechtshormone gehören zweifellos zu jenen Faktoren, die die Stammzellen zur Reparatur und zur Regeneration anregen. Allerdings gibt es noch weitere Faktoren, welche über die Stammzellen den Alterungsprozess steuern und altersbedingte Beschwerden verzögern.

Verjüngung vielleicht möglich

Naturgemäß ist die Medizin heftig bemüht, Mittel und Wege zu finden, um die »Genschachteln« in ihrem Jugendzustand zu erhalten, wobei es hier hochinteressante erste Erkenntnisse gibt. Es existieren Medikamente, die einen Teil der alterungsbedingten »Schachtelveränderung« korrigieren können. Auch kurzfristige UV-Bestrahlung - ohne dass es zu einem dermatologischen Schaden käme - scheint die Epigenetik (der Fachausdruck für unsere »Schachtel«) günstig zu beeinflussen.

Insulin- und Glukoseabsenkung

In besonderer Weise trifft dies allerdings für das Absenken des Insulin- und des Glukosespiegels zu. Dabei ist nicht etwa vom Fasten die Rede, sondern von einer Reduktion des Hormons Insulin für 12 bis 14 Stunden pro Tag (ab und zu in der Woche), was natürlich die Glukoseverminderung als Voraussetzung hat. Von den vielen Wegen, welche die Medizin beschreitet, um das menschliche Leben zu verlängern, scheint die Glukose- und Insulinabsenkung und die damit verbundene Korrektur des epigenetischen Codes der erfolgreichste und effektivste zu sein.
Strategien zurAltersprävention
 
Voraussetzung für die Altersprävention - wie überhaupt für die präventive Medizin - ist maßvolles Leben, das einem oft der praktische Verstand vorgibt (unser »common sense«): den eigenen Körper nicht.über Gebühr belasten, nicht gegen ihn sündigen.
 
 
Voraussetzung für jede Altersprävention sind ein gesundes Leben, ein Maßhalten und vor allem ein Fernhalten von Feinden, die als solche feststehen. Nikotinmissbrauch, übermäßiger Alkoholkonsum und kalorienreiches Essen sind einige Beispiele, die ausreichend bekannt sind und die natürlich auch ernst genommen werden müssen.
Wunderpillen gibt es nicht
Die moderne Wissenschaft hat mit einem weit verbreiteten Irrtum aufgeräumt: nämlich dass es eine Pille, eine Tablette, einen Cocktail oder ein Hormon gäbe, die ein langes, unter Umständen sogar das ewige Leben gewährleisten würden. Dieser mitunter immer noch hörbare Irrtum ist nicht nur falsch, sondern schadet all jenen ernsthaften Strategien, welche sich bemühen, die altersassoziierten Erkrankungen zu verhindern bzw. ihren Verlauf zu mildern. Immer noch müssen hauptsächlich wir selbst aktiv werden, unseren Lebensstil und unsere Ernährung den Bedürfnissen von Körper und Geist anpassen, um gesund zu bleiben. Aber durch neue Erkenntnisse und vermehrtes Wissen können wir das heute leichter und gezielter tun.

Biologische Rhythmen nicht missachten

Eine einfache Regel, die man aus den Geheimnissen der Klostermedizin kennt, hat zweifellos auch für die Lebensverlängerung eine hohe Bedeutung, nämlich die Kenntnis und die Akzeptanz jenes biologischen Rhythmus, dem der Körper unterworfen ist. Unabhängig von unserem Großhirn besitzt der Körper in seinen Organen eine spezifische Intelligenz, die einen Lebensrhythmus vorgibt, dem unser Körper folgen muss. In diesem Rhythmus
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