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In seinem Werk "Die Sachsen in Siebenbürgen" untersucht Friedrich Hofmann die Geschichte und Kultur der sächsischen Gemeinschaft in der Region Siebenbürgen. Mit einem klaren, analytischen Stil gewährt der Autor Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen, Traditionen und das alltägliche Leben der Sachsen, die von den mittelalterlichen Anfängen bis zur Gegenwart reichen. Die Erzählung ist nicht nur eine historisch fundierte Chronik, sondern auch ein Essay über Identität und Zugehörigkeit in einem multikulturellen Kontext, der das Verständnis der regionalen Dynamiken fördert. Friedrich Hofmann, ein Historiker mit umfassender Ausbildung und Erfahrung in der Erforschung der sächsischen und rumänischen Geschichte, bringt wertvolle Perspektiven und authentische Stimmen in dieses Werk ein. Sein tiefes Verständnis für die Ethnogenese und die sozio-kulturellen Aspekte der Sächsischen Gemeinschaft in Siebenbürgen speist sich aus jahrelanger Forschung und persönlichen Bindungen zu der Region. Hofmann hat sich intensiv mit den Herausforderungen auseinandergesetzt, denen die Sachsen angesichts der politischen und sozialen Veränderungen gegenüberstanden. Dieses Buch empfiehlt sich für alle, die ein tieferes Verständnis für die komplexe Geschichte der sächsischen Bevölkerung in Siebenbürgen erlangen möchten. Es ist ein unverzichtbares Werk für Historiker, Studierende und Kulturinteressierte, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur Reflexion über kulturelle Identität und Migration einlädt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Oesterreich hieß noch nicht „die österreichisch-ungarische Monarchie“, sondern es stand als „Kaiserthum Oesterreich“ noch an der Spitze des „Deutschen Bundes“, als sein Ministerpräsident, der clerical-feudale Graf Beleredi[1], gegen die national- und freigesinnten Männer des durch ihn sistirten Wiener Reichstages die Drohung ausstieß: „Man muß diesen Deutschen zeigen,daß man Oesterreich ganz gut ohne sie regieren kann.“
Diesen Gedanken hatte wohl jede der anspruchsvolleren nichtdeutschen Nationalitäten des völkerreichen Staates oft genug gehegt; er war nicht neu – aber an dieser Stelle, der nächsten neben dem Throne, hatte ihn noch Niemand so scharf und so laut auszusprechen gewagt, und eben darum mußte seine Wirkung so sein, wie sie es wurde: aufregend und ermuthigend für die herrschsüchtigen Theile und unheilvoll für das Ganze des Staates, dem nur ein Wille und ein Gesetz eine geschlossene Kraft, aber in dieser mit dem Gefühl der Sicherheit gegen außen den Segen der Ordnung und Freiheit im Inneren verleihen konnte.
Stellen wir uns das Völkerbild Oesterreichs einmal vor Augen![1q][1] Es scheidet sich von selbst in drei Theile:[2q] in einen nördlichen, einen mittleren und einen südlichen, in deren jedem sich compacte Massen von besonderen Nationalitäten an einander reihen. Im Norden sehen wir die Czechen, von allen Grenzgebirgen her von einem starken Rahmen Deutscher eingeengt, im Innern Böhmens sich ausbreiten; an diese schließen im Osten sich die Mähren, die Slovaken, die Polen und die Ruthenen an, sodaß wir vom Herzen Böhmens bis an die russische Grenze nur eine slavische Völkerreihe vor uns haben.
Den mittleren Theil bilden im Westen die Deutsch-Oesterreicher;[3q] östlich von ihnen breitet sich das Gebiet der Magyaren und neben diesen das der Rumänen (Walachen) aus, die, wiederum in starker und compacter Masse, die siebenbürger Szekler und Sachsen völlig vom magyarischen Gebiete trennen.
Die südlichsten Volkstheile Oesterreichs sind die Italiener Tirols, die Slovenen in Untersteiermark und Krain[4q], und mit diesen hängen, die Magyaren von dem jetzt selbstständigen serbischen Füstenthum trennend, die südslavischen Völker der Slavonier und der Serbo-Kroaten zusammen, ferner die diesen stammverwandten Morlakken Dalmatiens, die nun mit Bosnien und der Herzegowina ein slavisches Gebiet beherrschen, das weit in den Süden reicht, wo Oesterreich die Faust von Novibazar zwischen Serbien und Montenegro hineingeschoben, und das an Ausdehnung dem der Nordslaven gleich kommt.
Ist dieses Völkerbild an sich schon farbenreich genug[5q], so gewinnt es doch noch einen besondern bunten Schmuck durch die vielen Sprachinseln, durch welche von den Grenzen des Deutschthums an der Gang des deutschen Culturfortschritts durch alle drei eben genannten Abtheilungen bis zum äußersten Osten wie durch ehrende Marksteine bezeichnet wird. – Diese deutschen Sprachinseln beginnen in unserer nördlichen Abtheilung schon in Böhmen[6q], wo Prag selbst als eine Hochburg deutscher Wissenschaft mitten im Czechenlande prangt. Die Sprachinsel Iglau steht wie ein mächtiger Brückenpfeiler zwischen dem deutsch-böhmischen Vorgebirge Neuhaus im Süden und der Südspitze des deutschen Schlesierlandes, das den Deutsch-Böhmen der Nordgrenze die Hand reicht. In Mähren und der Slovakei, sowie im Polen- und Ruthenengebiete finden wir bald größere Niederlassungen, bald einzelne Gemeinden Deutscher, hauptsächlich behaupten sie sich aber in den Hauptsitzen der Industrie, der Regierung und der Wissenschaft. Im Ganzen zählen wir in dem bezeichneten Gebiete vierundfünfzig größere und Keine Sprachinseln, darunter: Olmütz, Brünn und Austerlitz, Krakau und Wieliczka, Lemberg, Brody und Czernowitz.
Noch bedeutender tritt diese Erscheinung in Ungarn und Siebenbürgen auf[7q]. Die vielgestaltigen, volkreichen deutschen Sprachinseln folgen hauptsächlich dem Donaustrom, aber auch abseits davon, doch einzelner, schwimmen sie im Magyarengebiete, in welchem allein man deren etwa fünfundvierzig zählt. Eine starke Gruppe, welche von Arad über Temesvar bis Werschetz hinabreicht, bildet die Grenze zwischen dem magyarischen und dem rumänischen Sprachgebiet, welch letzteres etwa zwanzig deutsche Sprachinseln umfaßt, darunter als die größten die Lande der Sachsen, aber auch viele (wohl nahe an dreißig) kleine magyarische Sprachinseln, hauptsächlich in der Richtung nach dem Szeklerlande, welches die Hauptmasse des Landes der Sachsen vom Königreich Rumänien trennt. Die deutschen Sprachinseln in Ungarn sind für den uns vorliegenden Fall vom schwersten Gewicht, doch verdienen auch die der südlichen Abtheilung Beachtung, indem auch sie vorzüglich die Haupt-, Industrie- und Verkehrsorte andeuten, wie im Gebiete der Slovenen: Marburg, Pettau, Cilli, Laibach, Görz und Triest. In Gottschee haben etwa 28,000 fränkisch-thüringische Einwanderer seit Jahrhunderten heimathliche Sprache und Sitte bewahrt. Dünner gesäet (etwa fünfzehn) sind diese Sprachinseln in dem weiten Landstriche zwischen der Drau und der Sau in Slavonien und Syrmien, bis sie, bei Semlin die Donau überspringend, in Weißkirchen enden.
Ueber den innigen Zusammenhang dieser deutschen Sprachinseln mit dem gesammten Culturleben namentlich in Ungarn hat unser Artikel „Die Deutschen in Ungarn“ (1880, Nr. 25) eine ausführliche Darlegung gegeben. Wir können Diesem aus eigener Erinnerung noch Folgendes beifügen. In der Mitte der dreißiger Jahre muß eine Zeit des friedlichsten Verhältnisses zwischen Deutschen und Magyaren gewesen sein: davon war sogar im Herzen Deutschlands eine Spur zu erkennen, nämlich in den vielen Ungarn, welche damals auf deutschen und namentlich auf den sächsischen Hochschulen von Halle, Leipzig und Jena studirten. In Jena hatten sich ein Paar Dutzend dieser Ungarn mit Siebenbürger Sachsen der Burschenschaft angeschlossen. Wir lebten im innigsten Verkehr mit ihnen[8q], und sie belehrten uns über manche Eigenthümlichkeit ihrer heimischen Zustände. Alle aber versicherten, daß das Wagniß, das sie trotz des strengen österreichischen Verbots mit dem Besuch unserer Universitäten unternommen, ihnen daheim reichlich gelohnt werde; denn es gehöre zum Stolz vieler ihrer Magnaten, zu Hauslehrern und Geistlichen solche zu wählen, welche in Sachsen studirt hätten. Daß bei solcher Achtung vor deutscher Wissenschaft auch die deutsche Sprache nicht verachtet wurde, ist selbstverständlich; sie war die Sprache der Gebildeten im ganzen Lande, und selbst in den slavischen Reichstheilen das allgemeine Verständigungsmittel[9q].[2] Nicht übersehen dürfen wir allerdings, daß Deutsche und Ungarn damals unter einem gemeinsamen Drucke litten und einen gemeinsamen Feind hatten: das Metternich’sche System.
Dieses freundliche Verhältniß war allerdings nur in den Kreisen der Höchstgebildeten möglich[10q]. In den Massen saß, wie bei allen nichtdeutschen Völkern des Reiches, der Ingrimm gegen die fremde Sprache der Herrschenden[11q], der Beamten, der Militärfuchtelei und aufgezwungenen Schulmeisterei fest. Dazu gesellte sich frühzeitig das Mißgefühl über das Emporkommen der Deutschen, ob sie als Landbauer, Handwerker oder Handelsleute, ob als Künstler oder Gelehrte irgendwo festen Boden gewonnen. Wenn der ärmere Theil des ungarischen Adels solches betriebsame Bürgerpack mit der Verachtung strafte, wie ungefähr der leichtfertige Student den „Philister“, so fraß in anderen Volksschichten, und namentlich bei Slaven und Walachen, der Neid tiefer und streute überall mit dem Samen der Cultur auch gleich den jener Feindschaft aus, die seit Belcredi’s verhängnißvollem Worte in so üppige Blüthe geschossen ist. Es war ein Unglück für den deutschen Culturgang zwischen Alpen und Karpathen nach dem Orient[14q], daß seine Führung in die Hand der Regierung Oesterreichs fallen mußte, das bei seiner politischen und kirchlichen Starrheit sich nirgends Freunde zu erwerben verstand. Während die deutschen Künstler die Lieblinge der römischen Bevölkerung waren, konnte man im österreichischen Oberitalien an jeder Straßenecke das „Morte ai Tedeschi!“ lesen, und während auf dem Burgkeller in Jena deutsche und ungarische Jugend innige Freundschaft schloß und sich schwärmerisch am Herzen lag, kochte jenseits der hohen Tatra das Gift der alten Zwietracht in den Massen fort.
Wie aber war es möglich, in wenigen Jahrzehnten Zustände zu schaffen, wie sie in diesem Augenblicke herrschen, Zustände, durch welche Deutsche und Magyaren der „österreichisch-ungarischen Monarchie“ durch alle Stände auf das Feindseligste aus einander gerissen worden? Auch diese Frage müssen wir noch erledigen, ehe wir zu unserm Gegenstände kommen können.
