Die Sekte & Der stumme Schrei - Carma Conrad - E-Book

Die Sekte & Der stumme Schrei E-Book

Carma Conrad

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Beschreibung

Eine kleine Stadt, ein Dorf, was ist es genau? Die Leute reden von eine Sekte, aber stimmt es denn überhaupt? Wird dieser Ort zum Alptraum? Es werden Vermutungen angestellt. Was ist "die Sekte?" Da gibt es nur eins, man müsste dort hin, um es herauszubekommen. Die junge Journalistin Hanna riecht eine neue Sensation, ohne zu wissen, in welche Gefahr sie sich begibt. Ein kleines Mädchen bekommt ihre ganze Aufmerksamkeit, als sie vor ihr steht und schreit, ohne, dass ein Ton herauskommt. Hanna nannte es: "Der stumme Schrei!"

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Seitenzahl: 324

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kleine Anmerkung:

Lara

Sasa & Meelad

Brünow

Glückseligkeit

Freunde

Interview

Viktor

Marie

Endlich

Zeitungsartikel

BO

JVA

Panik

Besuch

Der Kerker

Ärger

Der stumme Schrei

Lasse

Jo Jo

Rückfall

Informationen

Rettung

Nachricht

Erna

Hoher Besuch

Flucht

Ausgetrickst

Neuzugang

Gedanken

Sasa

Telefon

Geschenk

Kuba

Lee & Zoey

Begegnung

Seidentuch

Geheimnis

Hanna

Meelad

Träume

Wurfmesser

Panik

Das große Kinderfest

Ausgetrickst

Liebe

Zoo

Krank

Lara & Marie

Sorgen

Geständnis

Freundinnen

Meelad

Spionage

Verdacht

Briefe

Polizei

Bruder

Chef

Sieg

Planen

Bleistift

Überraschung

Homosexuell

Urlaub

Organisation

Sex

Nein

Kinder

Idee

Verrat

Liebe?

07.07.

Geschafft

Kuba…. sechs Monate später

Torsten. (Berlin)

Sarg

Drei Freunde (Berlin)

Träume

Geheimnis 2.0

Der Plan

Risiko

Tauchen

Gefahr

Die Jungs

Luft

EPILOG

Nachwort

Prolog

Eine kleine Stadt, ein Dorf, was ist es genau? Die Leute reden von einer Sekte, aber stimmt es denn überhaupt?

Wird dieser Ort zum Alptraum?

Es werden Vermutungen angestellt.

Was ist „Die Sekte?“

Da gibt es nur eins, man müsste dorthin, um es herauszubekommen.

___________

Die junge Journalistin Hanna riecht eine neue Sensation, ohne zu wissen, in welche Gefahr sie sich begibt.

Ein kleines Mädchen bekommt ihre ganze Aufmerksamkeit, als sie vor ihr steht und schreit, ohne, dass ein Ton herauskommt.

Hanna nannte es:

„Der stumme Schrei!“

Kleine Anmerkung:

Es gibt schon:

Das Quartett & Das Tor des Todes

Der Graf & Der Kreis der Vergeltung

Es wäre sinnvoll, die Bücher zuerst zu lesen, um die Charaktere besser kennenzulernen, ist aber kein Muss, vielen Dank.

Lara

Unter dem Gejohle von betrunkenen Menschen musste ein kleines vierjähriges Mädchen auf einem Balkonsims balancieren. Man konnte nur erahnen, wieviel Angst dieses Mädchen hatte. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie zitterte und schrie:

„Mama, ich habe Angst!“

Diese Angst war berechtigt, denn der Balkon befand sich im neunten Stock eines Hochhauses.

Lara war ein zierliches Mädchen, hatte lange blonde Haare und blaue Augen. Diese Schönheit hatte sie von ihrem Vater. Auch er war blond und hatte blaue Augen. Ihre Mutter hatte die Haarfarbe von Kastanienbraun und ihre Augen waren braun.

Während ihre Eltern und ein befreundetes Ehepaar mit Drogen vollgepumpt waren, balancierte das kleine Mädchen unter Panik auf dem dünnen Streifen des Balkongeländer.

Sie hatten kein Gefühl mehr dafür, wie gefährlich es war. Es gab kein Netz, nur den harten Steinboden auf der Erde.

Laras Mutter lachte ihre kleine Tochter aus, weil sie solche Angst hatte.

Sie lief nach drinnen und holte einen Regenschirm. Es war ein Schirm, der sich durch Knopfdruck automatisch öffnen ließ. Sie nahm ihn und ging wieder nach draußen.

Mit einem Ruck zog sie ihr Kind von der Brüstung. Sie fiel hin und weinte.

„Hey, du Heulsuse, sieh her. Ich zeige dir, wie man das macht.“

Sie stieg auf das Geländer und balancierte auf dem schmalen Sims.

Ihre Freunde und ihr Mann waren begeistert. Ihr Mann rief: „Du siehst aus wie Mary Poppins, los mach den Regenschirm auf.“

Während alle riefen: „Schirm auf, Schirm auf,“ rief Lara: „Mama, bitte nicht, bitte komm da runter.“

Aber ihre Mutter war wie im Rausch. Sie drückte auf den Knopf, und mit einem Ruck öffnete sich der Regenschirm.

Dadurch verlor sie die Kontrolle über ihr Gleichgewicht. Sie stürzte die ganzen neun Stockwerke hinunter.

Sie hielt zwar den Schirm, aber durch den Luftdruck des freien Falls funktionierte der Schirm nicht so wie er sollte, er klappte nach oben weg.

Sie knallte ungebremst auf dem harten Steinboden auf. Sechs Augen starrten über die Brüstung.

Ihr Mann schrie von oben: „Na los Marie, steh schon auf, das Spiel ist vorbei,“ aber sie rührte sich nicht mehr.

Marie war tot.

Mit Panik in den Augen liefen die Drei nach unten, während oben von der Brüstung zwei kleine Augen weinten.

Lara schrie:

„Maaaaammmmaaaaaa!“

*

Eine ältere Dame hatte von ihrem Balkon alles gesehen. Sie rief auch die Polizei und erzählte, dass es solche Abende immer wieder gegeben hätte.

Sie erzählte auch, dass die Eltern vorher das Kind auf die Brüstung gestellt hatten.

Das Jugendamt wurde eingeschaltet und Lara kam in ein Heim.

Von da an sprach Lara kein Wort mehr.

*

Johannes, kurz Jo-Jo genannt, war der leibliche Vater von Lara. Nach dem Unfall seiner Frau, hatte er zwei Jahre auf Bewährung bekommen, da er keine Vorstrafen hatte. Seine Freunde haben das Gleiche bekommen, aber der Kontakt war danach vorbei. Die Zwei machten eine Entziehungskur. Jo-Jo leider nicht.

Er kam von der Partydroge Crystal Meth nicht los. Er war gefangen im eigenen Körper.

Das Sorgerecht wurde ihm entzogen und er war damit einverstanden, sein Kind zur Adoption freizugeben. Er weinte zwar darüber und es tat ihm alles so leid, aber nach zwei Tagen war er schon wieder stoned. Er war ein schlechter Vater, und das wusste er.

*

(zwei Jahre später)

Sasa & Meelad

Sasa mochte Kinder nicht besonders, sie waren ihm zu laut. Aber seine Frau aus Kasachstan, Meelad, wünschte sich ein Kind, mehr als alles andere.

Er hatte seine Frau im Urlaub kennengelernt. Sasa hatte Urlaub in Zentralasien gemacht, weil ihn die Kultur interessiert, und sie war Fremdenführerin. Es hatte direkt zwischen den beiden gefunkt.

Ein halbes Jahr später zog sie zu ihm nach Deutschland. Er heiratete sie, damit sie ihm allein gehörte. Sie war wunderschön.

Sasa war kein armer Mann, aber wie heißt es so schön: Nobody ist perfekt.

Sie heirateten, konnten allerdings keine Kinder bekommen. Da sie aber unbedingt ein Kind haben wollten, also mehr Meelad, wollten sie eins adoptieren. Ihre Wahl fiel auf Lara.

Sasa fand das Mädchen gut, weil sie nichts sagte, kein Wort. Meelad tat das Mädchen nur leid und hatte sich deshalb für sie entschieden.

Man sagte ihr, dass sie viel Zeit und Geduld aufbringen müssten, damit Lara irgendwann wieder sprechen würde.

Bisher hatte Lara nicht mal gelächelt.

Meelad aber war überglücklich, sich endlich um ein Kind kümmern zu können.

Lara war jetzt sechs Jahre alt.

Sie war insgesamt zwei Jahre im Heim, bevor sich jemand für sie entschied. Ihr war das alles egal.

Sie dachte fast täglich an ihren Vater, der sie nicht einmal besuchte und ihr erklärte, warum ihre Mutter jetzt tot war.

Sie musste es einfach akzeptieren. Ob sie nun wollte oder nicht.

*

Brünow

Brünow war der Leiter des unscheinbaren Dorfes. Hierher kamen Leute, die nichts mehr mit sich anzufangen wussten.

Sie verkauften ihr Hab und Gut und lebten hier im Dorf ein bescheidenes Leben.

Brünow war ein Franzose.

Er sprach aber perfekt Deutsch und hatte einen Charme, bei dem alle Frauen schwach wurden.

Schwarze kurze Haare, ein drei Tage Bart. Schlank, muskulös und marklose weiße Zähne. Seine blauen Augen hatte er nur durch seine Kontaktlinsen.

Er war sehr eitel, und war reich, sehr reich.

Wie kam er darauf, so etwas zu errichten? Die Geschichte war ganz einfach zu erklären.

Brünow war im Gefängnis. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er Leuten das Geld aus den Taschen gezogen hatte.

Er verkaufte ihnen Luxusimmobilien, machte Besichtigungen auf Mallorca, Ibiza,

Italien, Monaco, Frankreich, und noch so einige mehr.

Wenn alles unter Dach und Fach war, und er sein Geld hatte, war er verschwunden.

Jemand hatte ihn dann verpfiffen, deshalb saß er im Gefängnis, leider.

Aber er sieht immer alles positiv.

Im Gefängnis lernte er einen großartigen Mann kennen. Sie freundeten sich an und beschlossen, das Brünow zur Tarnung so einen Ort erschaffen sollte.

Wenn alles so weit steht, würde der Mann nachkommen und mit ihm zusammen das Dorf leiten.

Brünow lächelte immer, wenn er an den außergewöhnlichen Viktor im Gefängnis dachte.

*

Viktor hingegen hatte nur einen Gedanken:

‚Wie mache ich weiter, ich muss hier raus. Samira und John warten auf mich, meine Familie‘.

Er wird sie dann in dem Dorf unterbringen und dort glücklich mit ihnen leben. Das hatte er sich geschworen.

Gut, dass er Brünow kennengelernt hatte, er war ihm ein guter Freund geworden, der sich um alles kümmern würde.

In der JVA war Viktor die ersten zwei Jahre in einer Einzelzelle. Da hatte er genug Zeit nachzudenken.

Er wusste, auf Samira war Verlass, die hatte ihn nicht verraten, als er damals von der Polizei überführt worden war.

Er musste es auch hinnehmen, dass er lebenslänglich in sechsunddreißig Fällen bekommen hatte.

Jetzt musste er erst einmal veranlassen, aus dieser blöden Einzelzelle rauszukommen. Nach zwei Jahren hatte er es geschafft. Wegen guter Führung durfte er jetzt mit anderen Häftlingen reden. Viktor fand schnell seine Leute, die für ihn alles machen würden. Jeder kannte ihn und alle hatten Respekt vor ihm.

Außer Brünow, mit ihm geriet er erst einmal aneinander. Aber nach ein paar Monaten waren sie unzertrennlich und hatten eine gute Basis für eine Freundschaft aufgebaut.

Nur Brünow ist jetzt vor zwei Monaten entlassen worden.

Jetzt ist Viktor wieder allein, ohne Freund, aber er wusste, dass dieser Zustand nicht lange andauern würde.

*

Glückseligkeit

Glückseligkeit heißt das Dorf. Das war der Wunsch von Viktor, weil er dort glücklich mit seiner Familie leben wollte.

Brünow hatte das nötige Kleingeld, um in kurzer Zeit das Dorf zu errichten. Das sah er auch nicht als Problem.

Er machte sich mehr Gedanken darüber, wie er Viktor aus dem Gefängnis holen könnte, aber da würde ihm schon noch etwas einfallen.

Durch seine Art hatte Brünow ein leichtes Spiel, die Leute dafür zu begeistern, in ein ruhiges Leben zu starten.

Er versprach ihnen, dass sie dort so leben würden, dass sie mindestens hundert Jahre alt werden würden.

Als Vorbild nahm er zum einen die Insel Okinawa in Japan und zum anderen die süditalienische Region Cilento. Er erzählte den Leuten, dass dort ausgewählte Ärzte und Ernährungsspezialisten tätig seien, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen würden.

Viele Leute verkauften ihre Häuser und steckten das Geld in die Investition des Dorfes. Jeder wollte dabei sein.

Es sollte nur eine begrenzte Zahl an Leuten im Dorf leben dürfen.

Jeder ging seiner Arbeit nach mit dem, was er gut konnte, dafür hatte er Essen, Trinken und Wohnen frei. Aber sie waren abgeschnitten von der Außenwelt. Also keine Zeitung, Handy, Fernsehen oder Radios. Einfach frei von allen Lasten sein. So leben, wie in der Steinzeit, danach sehnten sich sehr viele. Aussteiger nannte man diese Leute.

Ob Manager nach einem Burnout, oder aber alleinlebende Menschen, die ihre Liebsten verloren haben.

Aber auch ganze Familien.

Es gab auch eine Schule und einen Kindergarten. Eine Kirche, sogar ein kleines Rathaus.

Es durfte nicht geraucht oder Alkohol getrunken werden.

Nur gesundes Essen kam auf den Tisch. Das Leben war bescheiden, aber es gab die Garantie, sehr alt zu werden.

Zumindest sollte es so den Anschein nach außen machen. Der Glaube war wichtig……

*

Freunde

„Oh, ist das schön, das haben wir lange nicht mehr gemacht, zusammen zu essen.“

Hanna freute sich, auch Lasse hatte frei bekommen. Lee und Zoey waren da und hatten ihren mittlerweile siebenjährigen Sohn Jin dabei.

Auch Samira war mit ihrem Mann Torsten und den adoptierten Kindern Jonas und Laura gekommen.

Samira war viel entspannter, seitdem sie wusste, dass Viktor im Gefängnis sitzt.

Der wird da nie wieder rauskommen, davon ging sie fest aus.

Sie blühte regelrecht auf, auch wegen den Kindern. Alle hatten richtig Spaß am Leben.

Viktor war seit zwei Jahren kein Thema mehr. Seit er sitzt, werden auch weniger Menschen vermisst und es gab weniger Leichen. Jetzt hatten sie andere Themen, wie zum Beispiel: „Habt ihr schon gehört, es soll am Rande von Berlin ein Dorf errichtet werden, in dem die Menschen alle an die hundert Jahre werden sollen?“

Hanna berichtete.

Samira fragte nach: „Wow, einhundert Jahre ist nicht schlecht, was denkst du? Ist es ein Trick, oder stimmt das?“

Hanna wiederum: „Ich soll einen Artikel schreiben und mir die Sache mal näher ansehen. Noch ist die Stadt nicht offiziell eröffnet worden.“

„Dorf, mein Liebling,“ Lasse unterbrach sie.

„Es wird von einem Dorf geredet, nicht von einer Stadt.“

„Na ja, ich soll übermorgen ein Interview mit einem gewissen Brünow machen. Mädels, kommt doch einfach mit!“ Zoey konnte nicht, aber Samira schaute ihren Mann an, wegen den Kindern. Als der nickte, sagte sie: „Ich bin dabei, freue mich.“

Lee mischte sich ein: „Seit Viktor nicht mehr auf der Straße ist, bin auch ich beruhigter.“

Hanna warf Lee einen Blick zu, der sagen sollte: ‚Musst du immer wieder von diesem Mann anfangen.‘

Schon war er still.

Samira und Torsten wohnten zeitweise in Kanada und zeitweise in Deutschland. Da die Kinder aber in diesem Jahr in die Schule kommen würden, müssen sie sich entscheiden. Jonas würde gerne in Kanada auf die Schule gehen, das ist entspannter und Laura in Berlin. Sie liebte den Lärm und die vielen Menschen.

Sie hatten sich noch nicht entschieden.

Das Institut erschien nach der Explosion in neuen Farben und auch die Wohnungen wurden von den Freunden neu errichtet.

Es waren so viele Menschen, die ihnen geholfen hatten.

Das Institut hatte es keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, jetzt kannte jeder das Institut „Torben von Antorf.“

*

Interview

Zwei Tage später fuhren Hanna und Samira zu dem vereinbarten Treffpunkt.

Sie hatte ihr Aufnahmegerät und ihre Kamera dabei.

Samira freute sich, mal wieder etwas anderes zu machen als Haushalt, Kinder beschäftigen oder zu kochen.

Sie waren pünktlich am Treffpunkt Kaffee König angekommen. Sie setzen sich nach draußen und bestellten einen Latte Macchiato.

Als die Getränke kamen, kam auch Brünow. Er sagte: „Für mich bitte auch einen Latte, vielen Dank.

Hallo meine Damen, ich glaube, wir sind verabredet, mein Name ist Brünow.“

Die Mädels blieben sitzen und gaben ihm nacheinander die Hand, wobei er einen Handkuss andeutete.

Samira war ganz hin und weg von diesem Mann. Seine schwarzen Haare glänzten in der Sonne und sie erkannte graue Strähnen und graue Koteletten, die ein bisschen ins Haar reinwuchsen.

Er strahlte so, dass nicht nur seine Zähne leuchteten, sondern auch seine blauen Augen.

Hanna übernahm das Wort: „Brünow, Sie wollen ein Dorf errichten, in dem man keine Sorgen mehr hat, hundert Jahre alt werden kann und bis ins hohe Alter kerngesund bleibt?“

„Na ja, wenn man mal den ganzen Alltagsstress vergisst, ohne Außenwelt ins Grüne steigt und diese Stille genießt, wird man schon automatisch älter.“ Er sprach mit einer Gelassenheit.

Samira: „Meditieren Sie regelmäßig?“

Brünow drehte seinen Kopf zu Samira:

„Sie haben ein gutes Aufnahmevermögen, ja, ich meditiere und mache Yoga. Täglich.

Ich esse bewusst und gesund und ich rauche nicht, trinke nicht und verheiratet bin ich auch nicht.“

Samira wurde knallrot.

Hanna merkte das und sagte: „Kann man denn mal einen Blick auf den Ort werfen?“

„Ja klar, gerne. Sie sind jederzeit eingeladen auch dort zu leben. Es ist zwar ein bescheidenes Leben, aber ein einzigartiges.“

Dabei lächelte er Samira an.

„Wie war doch gleich ihr Name?“

„Samira.“ Dabei schmachtete sie ihn an.

„Und ich bin Hanna, hatte ich es noch nicht erwähnt?“

Brünow überlegte krampfhaft, wo er diese Samira schon mal gesehen hatte. ‚Die Reporterin Hanna kannte jeder aus der Zeitung, aber diese schöne Frau Samira?

Verdammt, jetzt fällt es mir ein.

Das ist die Frau auf dem Bild, das Viktor in seiner Zelle hatte. Wegen dieser Frau macht er das doch überhaupt.“

„Sagen Sie Samira, sind Sie schon vergeben?“

„Ja, ich bin vergeben und sehr glücklich……meistens…….äh…….jedenfall s…“

Sie kam ins Stocken und verschluckte sich an ihrer eigenen Spucke.

Hanne klopfte ihr auf den Rücken. Dann meinte sie: „Geht’s wieder?“

Samira nickte.

Brünow bezahlte und meinte:

„Wir sollten uns das Gelände ansehen, dann können Sie auch gleich ein paar Bilder machen, wenn Sie möchten.“

Die Mädels waren einverstanden und fuhren in einem Geländewagen mit Brünow zum Dorf. Er hatte extra so einen Wagen ausgesucht, weil das Dorf noch einer Baustelle glich. Er fuhr umher und erzählte, was wo hinkam und wie er sich das vorstellte.

Hanna schoss Bilder und Samira saß still auf dem Rücksitz und träumte von diesem Leben.

*

Viktor

Nach dem Interview erschien ein positiver Artikel in der Zeitung. Diesen nahm Brünow mit und besuchte Viktor im Gefängnis.

Eigentlich darf Viktor keinen Besuch empfangen, aber da er selbst ein Insasse der JVA war und er immer einen großen Schein bereithielt, machten sie eine Ausnahme.

Als Viktor Brünow sah, nahm er ihn sogar in die Arme, so sehr freute er sich. Aber der Wächter ermahnte: „Keine Berührungen.“

„Hey, wie ist es denn so als freier Mann?“

Brünow lächelte und meinte: „Ich habe eine gute und eine sehr gute Nachricht. Welche möchtest du zuerst?“

„Die Gute.“

„Okay, hier,“ er legte Viktor den Zeitungsausschnitt hin. Er las den Artikel und meinte: „Nicht schlecht, hast du gut gemacht und was sind jetzt die sehr guten Nachrichten?“

„Ich habe deine Samira getroffen, sie war zufällig beim Interview dabei. Ich habe sie gefragt, ob sie vergeben ist und sie antwortete, dass sie vergeben sei und glücklich, na ja, fast …..oder so ähnlich.

Sie wäre glücklich, wenn sie mit dir zusammen wäre, verstehst du das?“

Viktor war völlig aus dem Häuschen.

„Das ist nicht wahr, oder?“

„Doch, wenn ich es dir doch sage, und sie war von dem Projekt, an dem ich, arbeite ganz angetan. Sie könnte sich vorstellen dort zu leben! Weiß du, was das heißt?“

Viktor nickte und antwortete: „Wir machen alles richtig.“

Sie klatschten ihre Hände ab. Wieder kam der mahnende Blick vom Wärter.

„Hat sie was von mir erzählt,“ fragte Viktor nach.

„Nein, das war zu früh, aber der erste Kontakt ist hergestellt.“

„Ja, die Zeit heilt alle Wunden, sie hatte damals zwei Jahre auf Bewährung bekommen, weil wir einen Sohn zusammen haben.

Sie hat mich definitiv nicht verraten und ich glaube, diese Reporterin auch nicht. Das war mit Sicherheit dieser Ferdi. Der hat nämlich eine Millionen für die Festnahme bekommen und ich war noch so blöd und habe ihm die vereinbarten hunderttausend gegeben.“

Der Wachmann gab ein Zeichen, dass die Besuchszeit um sei.

Viktor: „Meldest du dich wieder?“

Brünow: „Darauf kannst du Gift nehmen.“

Brünow ging wieder in die Freiheit und Viktor zurück in seine Zelle. Aber er war mehr als zufrieden. Er nahm das Bild in seiner Zelle in die Hand und gab ihr und seinem Sohn einen Kuss, dann hängte er es wieder hin.

*

Marie

Marie war ein kleines aufgewecktes Mädchen. Sie hatte braunes Haar, das sie gerne offen trug. Ihren rehbraunen Augen konnte man nichts abschlagen.

Sie feierte mit ihren Freunden ihren sechsten Geburtstag.

Alle sangen: „Happy Birthday to you, happy Birthday to you, Happy Birthday liebe Marie, happy Birthday to you.”

Ihre ganzen Freunde waren gekommen.

Sie lachte und meinte: „Jetzt die Geschenke!“ Dabei klatschte sie in die Hände. Alle hatten etwas von ihrem Wunschtisch, den sie hat

zusammenstellen lassen, ausgesucht.

Ein Puzzle, Pokémon Karten, eine Puppe und einiges für ihren Krämerladen. Alle Spielsachen hatte sie von ihren Freunden bekommen. Von ihren Eltern gab es neue Kleidung und Schuhe.

Die Eltern waren wohlhabend. Sie hätten ihrem Kind alles kaufen können, aber der strenge Vater meinte, dass man sich so etwas verdienen müsste.

Er fühlte sich in dem Haus, in dem sie seit zehn Jahren wohnten, nicht mehr wohl.

Der Vater, David, hasste seine Arbeit. Er war mehr so ein Aussteigertyp.

Er hatte das Haus nur für seine Frau Lilly gekauft, weil sie, bevor Marie auf die Welt kam, gerne einen Garten haben wollte, in dem das Kind auch mal ohne Beaufsichtigung spielen konnte. Sie hatte auch einen Kräutergarten angelegt, Tomaten, Mohrrüben, Radieschen, Kartoffeln, Salat und, und und…….

Sie liebte es im Garten zu arbeiten. Ihr ganzer Stolz waren ihre Rosen, die sie mit viel Liebe züchtete.

Während Lilly Mutter und Hausfrau war, ging David in einer Computerfirma arbeiten. Er war IT- Manager. Es wurde gut bezahlt und sie konnten sich zwei Urlaube im Jahr leisten. Als David von seinem Arbeitskollegen hörte, dass ein Dorf geplant sei, in dem man unbekümmert leben könnte, wurde er hellhörig.

Alles ohne Auto, ohne Handy, keinen Fernseher, oder schlechte Nachrichten aus der Zeitung.

Er war sofort angetan und sprach mit seiner Frau darüber. Die fand es gar nicht gut, so leben zu müssen, wie früher. Sie hatte sich den Luxus verdient.

Schließlich hatte sie auch eine abgeschlossene Ausbildung als Schneiderin.

Sie fragte: „Und was wird aus Marie? Sie kommt dieses Jahr in die Schule. Es ist doch alles schön, so wie es ist.“

„Ja, für dich ist alles schön, wie es mir geht, danach fragt doch keiner.

Außerdem ist da auch eine Schule.“

„Und was machen wir mit unserem Haus?“

„Da habe ich auch schon dran gedacht, aber wir können es verkaufen. Das Geld wird sehr gut angelegt und wenn wir in fünf Jahren keine Lust mehr auf das normale Leben haben, kaufen wir uns ein neues Haus. Bitte, lass uns das doch probieren, bitte sage ja.“

„Aber wir haben Marie doch schon in der Schule angemeldet, in die auch ihre Freundinnen gehen.“

„Immer geht es nur um Marie! Marie hier, Marie da, und wenn du damit durch bist, kommst du. Was aus mir wird, ist dir doch völlig schnuppe. Mir reicht es!“

Er sagte das nicht, er schrie es. Dann nahm er seine Jacke, sein Handy und ging zur Tür raus, die er geräuschvoll zuknallte. Es war still.

Lilly weinte, als Marie reinkam.

Sie ging zu ihrer Mutter: „Mama, was ist los, warum weinst du?“

„Ach, ich weine doch nicht, mir ist nur etwas ins Auge geflogen.“ Sie drehte sich weg, damit Marie nicht sieht, dass ihr die Tränen aus beiden Augen flossen.

Lilly versuchte Marie zu erklären, dass es da eine ganz neue Siedlung gibt und das Papa gerne dorthin wolle. Aber Marie wollte auf gar keinen Fall ausziehen, hier habe sie doch ihre Freunde und alles ist so schön, sie verstand es einfach nicht.

*

(sechs Monate später)

Endlich

Das neue Dorf soll endlich offiziell eröffnet werden. Alle Gäste waren neugierig, wie es aussieht.

Hanna und Samira waren auch eingeladen, um Bilder zu machen und einen positiven Artikel in der Zeitung zu schreiben.

Samira war tatsächlich ein klein wenig aufgeregt,

den Franzosen Brünow wiederzusehen, verschwieg es aber Hanna gegenüber.

Natürlich war auch andere Presse vor Ort, aber Brünow hatte ausdrücklich auf Hanna bestanden.

Ein großes Schild, schlicht gehalten aus Holz, prangte mit dem Namen:

„Glückseligkeit“ am Eingang. Hanna machte Fotos vom Schild, unter dem Samira freudestrahlend stand.

Brünow begrüßte die beiden herzlich, zu herzlich fand Hanna, Samira freute sich und schaute in seine blauen Augen.

„Ich bekomme aber Abzüge von den Fotos, oder ist das geheim?“

„Nein, natürlich bekommen Sie Abzüge,“ antwortete Hanna.

Für die Kinder wurde eine große Hüpfburg aufgebaut, ein Clown ging umher und bastelte Tiere aus Luftballons, zwei Frauen malten die Gesichter der Kinder an.

Dabei beobachtete sie ein Mädchen, das nicht angemalt werden wollte. Sie verschränkte ihre Arme und drehte sich weg.

Hanna ging auf das Kind zu, sie sah ein Namenschild auf ihrem T-Shirt, darauf stand: „Lara“.

Da Lara nicht wollte, drängelte sich Marie vor, aber vorher fragte sie höflich:

„Hallo Lara, möchtest du nicht angemalt werden?“

Lara schüttelte nur den Kopf, dann lief sie weg. Marie: „Okay, dann können Sie mich anmalen, ich möchte ein Einhorn sein, bitte.“

Hanna sah Lara weglaufen, sie lief zu ihrer Mutter und versteckte sich hinter ihr.

Ein Mikrofon knackte und man hörte eine Stimme, die Stimme von Brünow:

„Hallo, darf ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten?“ Es wurde ruhiger.

„Ich freue mich, dass es jetzt endlich soweit ist, um dieses Dorf Glückseligkeit öffentlich zu machen. Glauben Sie mir, soviel Luxus, wie sie jetzt sehen, wird es nur einmal im Jahr geben, ansonsten wollen wir erreichen, ein Dorf der Hundertjährigen zu erschaffen. Wir haben Top Ärzte/innen, Ernährungsberater/innen, eine große Schule mit Top Lehrer/innen, einen Kindergarten mit Kindergärtnerinnen.

Sie können es einfach so nennen, abschalten vom ganzem Stress, einfach mal die Seele baumeln lassen.

Wir werden hier ganz einfach leben, keine Autos, kein Lärm, keine Handys, oder PC.

Wir haben allerdings eine große Bibliothek, um sich Bücher auszuleihen. Wir werden regelmäßig meditieren, Yoga und Sport wird soundso angeboten. Versuchen Sie es, der Körper und der Geist müssen fit und gesund bleiben.

Wie oft habe ich schon gehört, wenn ich gefragt habe, was wäre ihr größter Wunsch? Die Gesundheit kam immer als erstes!“

Die Leute nickten ihm erleichtert zu. Einige applaudierten.

„Sie haben noch die Möglichkeit, sich bei meiner netten Kollegin hier,“ er zeigte auf eine Dame mittleren Alters, „anzumelden.

Wir prüfen dann, ob Sie dafür geeignet sind und Sie das auch wirklich wollen, oder es nur aus einer Laune heraus machen, um etwas Neues auszuprobieren. Sie können sicherlich verstehen, dass wir lieber Leute haben wollen, die es ernst meinen.

Und jetzt genießen Sie noch den Tag und ich bin mir sicher, einige werden wir wiedersehen.“

Damit verabschiedete sich Brünow und ging von der provisorischen Bühne, begleitet von großem Applaus.

*

Zeitungsartikel

Brünow freute sich über so viel Positives und genau dem Bild, auf dem Samira unter dem Holzschild stand. Er nahm es mit und besuchte Viktor.

Der freute sich riesig, mal wieder Besuch zu bekommen. Er nahm ihn wieder in die Arme und begrüßte ihn mit: „Hallo mein Freund!“

Dieses Mal sagte der Wächter nichts, sondern gab nur ein kleines Zeichen, mit dem er zu verstehen gab, wenn es geht, keinen Kontakt bitte.

‚Na bitte, dachte Viktor, was so ein bisschen Geld ausmacht. Jeder ist bestechlich.‘

Als er das Bild in der Zeitung sah, auf dem Samira unter dem Schild steht, hätte er am liebsten losgeheut, was er natürlich nicht tat. Er war schließlich ein ganzer Mann.

Viktor beugte sich nach vorn und fragte:

„Wann kann ich mir das Dorf ansehen?“

Brünow wusste sofort, was Viktor meinte.

„Du musst dich noch ein bisschen gedulden.

Ich denke, in sechs Monaten sind genug Menschen im Dorf, sodass einer mehr oder weniger nicht auffällt.“

Außerdem wurde gerade erst die Geheimwohnung gebaut, in der Viktor eventuell unterkommen könnte, wenn man auf die Idee kommen würde, Viktor in diesem Dorf zu suchen. Aber geplant ist, dass er nach Kuba ausgewandert sei.

Um weitere Untersuchungen zu vermeiden. Das braucht schon mal ein paar Vorbereitungen.

Bei der Verabschiedung nahmen sie sich wieder in die Arme. Diesmal schaute der Wächter sogar weg.

Viktor war mit der Arbeit von Brünow zufrieden.

Es war ein Glück, ihn hier drin getroffen zu haben.

Er riss sich den Artikel aus der Zeitung, faltete das Bild von Samira und steckte es in seine Tasche. Diese Verbindung gab ihm Kraft durchzuhalten.

*

Brünow fuhr zurück und machte mit den Einquartierungen der Familien weiter.

Eine sehr große Summe hatte er von der Familie David und Lilly und ihrem Kind Marie bekommen. Das Geld wurde sicher angelegt. So, dass nur er an das Geld kam, wovon die Familie aber nichts ahnte.

David freute sich, sich durchgesetzt zu haben, obwohl Marie nur rumgemault hatte. Aber er glaubte, dass das Geld gut für die neue Erziehung der Tochter und auch für seine Frau angelegt wäre. Der Mann ist das Oberhaupt, das war schon früher so.

Die andere Familie mit ihrer taubstummen Tochter Lara, waren auch recht wohlhabend, bis sie alles aufgegeben hatten und hier einzogen.

So gab es noch eine ganze Menge anderer Familien, die es ihnen gleichtaten. Alle wollten hundert Jahre alt werden, oder sogar noch älter.

Alles funktionierte wie am Schnürchen.

Brünow war mehr als zufrieden.

*

BO

Bo war ein Guru, der aus einer anderen Sekte für viel Geld abgeworben werden konnte. Allerdings nur für drei Monate. Bo brachte Brünow alles bei, was ein Sektenführer wissen muss.

„Das Wichtigste ist erst einmal, dass die Bundesregierung im Abschlussgericht von 1998 einen Bericht über 602 Seiten, keine Gefahr für den Staat und der Gesellschaft darstellt.

Anhänger der Sekte sind keine passiven Opfer, sondern bringen eine Reihe von Bedürfnissen, Wünschen oder Lebensproblemen mit und hoffen auf Erfüllung und Befriedigung in der Gesellschaft.“

„Das hört sich ja schon gut an,“ meinte Brünow.

„Denke immer daran, es nicht als Sekte zu bezeichnen, sondern als eine Glaubensgemeinschaft, das hört sich besser an. Oder du sagst Mutterreligion, würde auch gehen.“

Brünow machte sich Notizen. Bo sprach weiter.

Die Neuankömmlinge musst du mit Lovebombing überschütten.“

Brünow fragte: „Was meinst du damit?“

„Ganz einfach, du schenkst ihnen Aufmerksamkeit, Nähe und Zuneigung.

Du musst sie regelrecht überschütten damit.

Hab für alles Verständnis und sage ihnen, dass sie hier ihre Erlösung für alle ihre Probleme finden werden.“

Du gibst ihnen die Liebe und die Hoffnung, dafür geben sie Dir zum Beispiel Geld oder ihre Frauen Sex.“

„Was, wieso das denn?“

„Sie wollen sich bedanken, mehr nicht.

Leute können so dankbar sein und stellen keine Forderungen, einfacher geht’s nicht.

Versuche aber von Anfang an, Zucht und Ordnung in deinem Dorf einzubringen, sonst tanzen sie dir alle auf der Nase rum.

Ich habe zum Beispiel einen dunklen Keller, in dem Leute bestraft werden.“

„Und wie soll so eine Strafe aussehen?“

„Kinder zum Beispiel, wenn sie nicht essen wollen oder sich weigern ins Bett zu gehen, weil sie nicht schlafen wollen, gehen durch das dunkle Verließ. Dann kommen sie in einen Raum, in dem so ein Springbock steht.

Sie ziehen sich die Hose runter und legen sich darauf. Dann bekommen sie mit der Lederklatsche soundso viele Schläge auf den nackten Hintern. Kommt darauf an, wie sehr das Kind bockte.“

„Und wer soll das machen?“

„Das kann der Vater machen, die Mutter oder wenn du willst, auch du.“

„Also, ich könnte kein Kind schlagen, muss denn sowas sein?“

„Ja, auf alle Fälle. Manchmal musst du auch ran, wenn es um eine Bestrafung für Frauen geht oder andere Männer. Du kannst dir auch jemanden einstellen, der sollte aber nicht so gut aussehen, wie du, nicht dass die Frauen nachher Schlange stehen.“

Bo lachte dabei ausgiebig.

Brünow passte es nicht, jemanden einstellen, der Scheiße aussieht.

Dann schaute er wieder zu Bo.

„Du darfst nie vergessen, dass Du ihr Anführer, oder Häuptling, Boss, Führer, oder Oberhaupt bist. Nenne es wie du willst, aber vergiss das nie. Auch wenn du meinst, mal ein Auge zudrücken zu wollen, hast du schon verloren. Die machen nachher alles, was du nicht durchgehen lassen kannst.“

„Das hört sich alles wie eine neue Weltanschauung an. Außerdem bin ich ja nicht Gott, oder so.“

„Doch, genau das bist Du in den Augen deiner Mitglieder. Wer hier wohnen will, muss sich an deine Anweisungen halten, damit sie gerettet werden, sonst sind sie verdammt.“

Brünow war schon ein wenig überfordert mit der ganzen Situation, deshalb fragte er:

„Möchtest du nicht noch eine Weile hierbleiben, dann lerne ich von dem Größten?“

Bo war geschmeichelt und antwortete:

„Ich bleibe drei Monate, wie vereinbart, dann bin ich wieder weg, sonst wird es zu teuer.“

Dabei grinste er über das ganze Gesicht.

*

JVA

Viktor hatte endgültig genug. ‚Was wollen die denn alle von mir, dachte er.

Ich will keine Geschäfte mehr machen.

Ich will nur noch mit Samira eine Familie gründen und in Ruhe leben. Natürlich haben wir eine große Wohnung in dem Dorf, wo uns keiner findet. Nach außen hin weiß keiner, dass wir da sind.

Ich werde mir einen neuen Namen zulegen und wenn uns das triste Leben zu langweilig wird, fliegen wir irgendwo hin. Am Geld soll es nicht liegen.‘

Viktor wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er etwas stumpfes in seinem Bauch spürte. Es ging so schnell, er hatte gar nicht mitbekommen, wer das war. Sie hatten Ausgang. Viele spielten Basketball, dem konnte Viktor aber nichts abgewinnen. Deshalb schaute er zu, zumindest sah es so aus.

Er träumte von der Zukunft mit seiner Samira und seinem Sohn John.

Er sah auf das Messer, das in seinem Bauch steckte. Er wollte aufstehen, aber er sackte kopfüber nach vorne zusammen.

Sofort wurde der Alarm ausgelöst. Alle Insassen mussten auf dem schnellsten Weg zurück in die Zelle.

Es wurde ein Notarzt gerufen.

Der stellte fest, dass Viktor schon ohne Bewusstsein war. Schnell wurde der Krankenwagen gerufen.

*

Tarkan wollte nur Rache. Tarkan war ein Türke, der aber schon lange in Deutschland lebt.

Als er gehört hatte, dass der Graf Viktor in diesem Gefängnis saß, wollte auch er unbedingt dort rein, also überfiel er eine Tankstelle und stellte sich so blöd an, dass man ihn schnappte. Endlich war es soweit, dass er seinen Sohn rächen konnte. Denn genau dieser Mann hatte ihn auf dem Gewissen. Er sollte eine neue Niere bekommen, aber sie kam nicht mehr zeitig an. So verstarb sein einziger Sohn mit nur dreiundzwanzig Jahren.

Das Messer hatte er teuer bezahlt. Als er das hatte, brauchte er nur den richtigen Zeitpunkt abwarten. Er hatte vorgehabt, Viktor das Messer mitten ins Herz zu rammen, wusste aber nicht, wo genau er getroffen hatte.

Zumindest hatte keiner etwas mitbekommen, als er auf der Bank rechts neben Viktor saß, das Messer aus seinem Ärmel gleiten ließ und seitlich zustieß.

Es dauerte nicht lange, eigentlich noch am selben Tag, als Tarkan aus der Zelle geholt und befragt wurde. Er stritt alles ab, aber nur bis zu dem Zeitpunkt, als er mit der Aufnahme der Videoüberwachung konfrontiert wurde.

Da war alles ganz genau zu sehen.

Er hatte nicht bedacht, dass die Kamera es so genau aufgezeichnet hatte.

Jetzt ging ihm schon die Muffe, dass er wegen Mordes lebenslänglich bekommt.

*

Von den ganzen Sachen bekam Viktor nichts mit. Er lag auf dem OP-Tisch und wurde operiert. Wenn das ein normaler Stich gewesen wäre, wäre die Fleischwunde wieder zugewachsen, aber Tarkan hatte an der Messerspitze einen Widerhaken befestigt, der nicht so ohne weiteres zu entfernen war.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Wenn er das Herz getroffen hätte, wäre er schon tot, aber so hat er noch eine kleine Chance zu überleben.

*

Panik

Das Telefon klingelte und Samira nahm den Hörer ab.

„Institut Torben Antorf, Sie sprechen mit Samira, was kann ich für Sie tun?“

„Hallo Samira, hier ist Lasse, sag mal, ist Hanna in der Nähe?“

„Nö, sie ist eben was einkaufen gefahren, kann ich was für Dich tun?“

Lasse zögerte. „Ja, nein, äh, Viktor ist im Krankenhaus und somit aus dem Gefängnis.

Es ist besser, wenn du das weißt, damit du vorsichtiger bist. Er ist mit einem Messer abgestochen worden. Er wird gerade operiert.

Informiere bitte Hanna und die anderen. Wir wissen nicht, ob er was geplant hat.“

Auf der anderen Seite der Leitung war es still.

Samira spürte Panik aufkommen, aber auch etwas Sorge. ‚Was ist genau

passiert, warum ersticht ihn jemand. War es ein Plan, oder war er unvorsichtig?‘

„Hallo Samira, bist du noch dran?“

„Ja natürlich, ich werde den anderen Bescheid geben und vorsichtig sein.“

„Okay, ich muss dann auch wieder, Tschüss.“

„Ja, tschüss Lasse.“

Sie legte auf, ging nach draußen und rief ihre beiden Kinder Jonas und Laura, dass sie sofort reinkommen sollen.

Die Kinder maulten rum, aber Samira war es sicherer. Sie erlaubte den Kinder ein bisschen Fernsehen zu gucken.

Damit waren sie zufrieden. Dann rief sie Torsten an, der zurzeit gerade in Kanada war, um wichtige Unterlagen zu holen.

Er sollte schnell wieder zurück sein.

Er nahm ab: „Hallo mein Liebling, schön, dass du dich meldest, ich hatte das auch vor, das war wohl Telepathie.“

Samira erzählte Torsten die Geschichte von Viktor. Der war völlig genervt und meinte:

„Das der Name immer wieder auftaucht, das nervt allmählich. Ich kann es nicht mehr hören. Hoffentlich überlebt er das nicht.“

„Torsten, so etwas sagt man nicht, schon gar nicht als Arzt!“ Sie schimpfte mit ihrem Mann.

„Ja, du hast ja recht, aber manchmal frage ich mich, wie oft der Name noch zu hören ist. Viktor hat dies, Viktor hat das. Jetzt sollen wir mal wieder alle aufpassen, damit der böse Viktor nichts anstellt.“

„Du Torsten, ich muss jetzt Schluss machen, wir können ja später nochmal telefonieren.“ Damit beendete sie das Gespräch und legte auf. Samira war ein bisschen sauer. Was kann sie denn dafür, dass Viktor nieder- gestochen wird. Sie fragte sich, wie es ihm wohl geht.

Hanna, Zoey und Lee waren sofort in Alarmbereitschaft, als sie die Nachricht von Samira hörten.

Hanna meinte, man müsste herausfinden, wie schwer Viktor verletzt wäre. Aber das war kein Thema, das Samira jetzt mit allen besprechen würde, sondern nur mit Hanna.

Als sich Lee und Zoey zurückgezogen hatten und Lasse noch nicht von der Arbeit zurück war, fragte Samira: „Sag mal Hanna, wenn du Journalistin bist, hast du doch die Möglichkeit, Viktor zu besuchen.

Ich meine, nur um zu sehen, ob Gefahr besteht, oder nicht, verstehst du?“

„Ja klar, ist gar keine so schlechte Idee. Dann wissen wir zumindest Bescheid, ob wir uns in Acht nehmen müssen und ich könnte einen kurzen Artikel darüberschreiben.“

„Soll ich dich begleiten?“

Hanna schaute Samira überrascht an.

„Ich will das erst einmal mit Lasse besprechen, mal sehen, was er so erzählt.

Aber die Idee ist gar nicht mal so schlecht, ich denke darüber nach.“

Samira wollte jetzt auch nicht weiterbohren und beließ es dabei.

Als Lasse spät nach Hause kam, lagen alle schon im Bett und schliefen, außer Hanna, die hatte noch recherchiert, ob schon etwas über Viktor nach draußen gedrungen war. Aber anscheinend wusste es noch keiner.

Lasse schlich ins Schlafzimmer, aber als er merkte, dass seine Frau noch las, fragte er verwundert: „Oh, noch wach?“

„Ja, ich konnte nicht schlafen. Hast du nähere Informationen über Viktor?“

„Ja, irgend so ein türkischer Insasse hat ihn umbringen wollen. Er hatte ihm ein Messer in den Bauch gerammt.

Außerdem war die Messerspitzte mit einem Widerhaken ausgestattet, sodass es unmöglich ist, das Messer nach dem Eindringen wieder rauszuziehen.

Wenn der Stich ins Herz gegangen wäre, wäre Viktor schon tot. So muss man die Nacht abwarten, ob er die gut übersteht.“

„Wie lange wird er denn im Krankenhaus bleiben?“

„Das hängt von seinem Zustand ab und was der Arzt sagt. So wie er wieder transport- fähig ist, geht er zurück ins Gefängniskrankenhaus, gähn. Ich bin todmüde und völlig geschafft von dem Tag, lass uns bitte schlafen, ja?“ Dann gab er ihr einen Gutenachtkuss, drehte sich um und schlief augenblicklich ein. Hanna dachte: ‚Dann brauche ich dich auch nicht zu fragen, ob ich mal im Krankenhaus vorbeischauen soll, um mir selbst ein Bild zu machen.‘ Dann löschte sie das Licht und schlief unruhig ein.

*

Besuch

Am nächsten Morgen war Lasse schon weg. Also konnte Hanna ihn nicht fragen. Als sie sich noch mit der Frage beschäftigte, kam Samira: „Und, wie sieht es aus, fahren wir ins Krankenhaus?“

„Äh, ja können wir machen, aber Lasse war so früh weg, dass ich ihn nicht fragen konnte. Wir können es aber versuchen, mehr als nicht zu Viktor zu kommen, geht ja nicht.“

Sie machten sich frisch, frühstückten und fuhren in Krankenhaus. Hanna hatte ihren Ausweis, dass sie als freie Journalistin arbeitet, um den Hals gehängt. Samira hatte eine Kamera um den Hals. So betraten sie das Krankenhaus.

Alles sah so aus wie immer.