Die Sonnenstrahlenkinder - Enre Wielem - E-Book

Die Sonnenstrahlenkinder E-Book

Enre Wielem

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Beschreibung

Zwei Sonnenstrahlenkinder machen sich auf den Weg zur Erde. Doch kaum haben sie ihr Ziel erreicht, geraten sie in den bösen Plan eines Menschen, der die Erde verdunkeln will. Zusammen mit ihren Freunden machen sich die Sonnenstrahlenkinder daran, das Unheil aufzuhalten. Das lustigste und spannendste Kinderbuch für kleine und große Leseratten.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Enre Wielem

Die Sonnenstrahlenkinder

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Über den Autor

Impressum neobooks

Kapitel 1

Wie immer war auf der Sonne einiges Gedränge.

Unzählige Sonnenstrahlen versammelten sich. Zu einer Zeit, da es auf der Erde noch dunkle Nacht war und der Mond am Himmel seine Bahn zog.

Es waren so viele Sonnenstrahlen, dass niemand sie jemals hätte zählen können. Selbst wenn er tausend Jahre alt würde - er könnte es unmöglich herausfinden. Es wäre auch ein mühseliges Vorhaben, denn ein Sonnenstrahl ist nicht einmal so groß wie das winzigste Stäubchen.

Und jene waren noch Sonnenstrahlenkinder. Die klitzekleinsten aller Sonnenstrahlen, noch keinen Tag alt.

Dem bloßen Auge gibt sich ein Sonnenstrahlenkind nicht zu erkennen. Aber für die menschliche Vorstellungskraft ist es ein Leichtes, sich ein Sonnenstrahlenkind auszumalen.

Es gibt selbstverständlich Jungs unter den Sonnenstrahlenkindern und auch Mädchen.

Die Jungs tragen eine Hose mit weiten Taschen und einem Gürtel, ein Hemd. Und eine Mütze, die meist schräg über der Stelle sitzt, wo beim Menschen das rechte Ohr ist. Und sie tragen Latschen, in die sie flink hinein schlüpfen können.

Die Mädchen tragen ein ärmelloses Kleid, dass ihnen kurz über die Knie reicht und auf dem Kopf ein pfiffiges Käppi, unter dem sie ihre zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haare verstecken. Dazu ein Paar Sandalen, die bis zu den Waden hinauf geschnürt werden und ganz flache Sohlen haben. Nicht zu vergessen die schicke Halskette, ohne die sich kein Sonnenstrahlenmädchen in der Öffentlichkeit blicken lässt.

Ob Hose, ob Kleid, ob Gürtel oder Käppi, alles fließt in goldenem Licht. Gold ist die Lieblingsfarbe der Sonnenstrahlenkinder.

Die Sonnenstrahlenkinder schauten sich verlegen um. Alles war ihnen fremd, kein vertrautes Plätzchen weit und breit und untereinander kannten sie sich auch nur vom Sehen.

So schielten die Schüchternen mit gesenktem Kopf aus den Augenwinkeln nach links und rechts. Die Mutigeren schlenderten mal hier hin, mal dahin. Die ganz Mutigen übernahmen schließlich die Initiative und machten miteinander Bekanntschaft. Sie standen anfangs nur in kleinen Gruppen zu zweit oder zu dritt, aber bald näherten sich andere Sonnenstrahlen und stimmten in die Unterhaltung ein. Die Sonnenstrahlenkinder fanden Gefallen aneinander. Die Jungs machten den Mädchen freundliche Komplimente wegen der schicken Halsketten. Die Mädchen sammelten sich in kleinen Kreisen, kicherten kurz und stoben wieder auseinander, um sich bald darauf erneut zusammen zu finden. Freundschaften waren schnell geschlossen, die Sonnenstrahlenkinder verloren rasch ihre Scheu. Mit glühenden Wangen und huschenden Augen trippelten sie hin und her. Haschten einander, rissen Witze, lachten. Einige tanzten sogar miteinander. Sie wurden immer ausgelassener und bis in den entferntesten Winkel herrschte bald heitere Unruhe.

An einigen Orten waren kleine Stände aufgebaut. Dahinter standen ältere Sonnenstrahlen. Drohnen. Sie erledigten einige Arbeiten für Mutter Sonne.

Von den Ständen herab reichten sie den Sonnenstrahlenkindern die Reisekataloge.

Diese Kataloge sind im Grunde nichts anderes als die bunten Prospekte, die in den Reisebüros auf der Erde ausliegen. Allerdings stehen keine Zimmerpreise für Pauschaltouristen darin.

Jedes Sonnenstrahlenkind kann damit seine große Reise planen. Es wählt sein Ziel aus, bevor es die Sonne verlässt. Diese Reise ist der Sinn eines Sonnenstrahls. Licht an die dunklen Orte des Weltalls zu bringen. Ob auf der Erde ein Licht aufgeht oder ein Stern am Firmament silbern glitzert, stets sind Sonnenstrahlenkinder mit von der Partie, die im Katalog genau dieses Ziel nachgeschlagen hatten.

In so einem Katalog steht allerhand. Die Reiserouten einmal von einem Ende des unendlichen Universums zum anderen Ende sind aufgelistet. Ziele, da weiß kein Mensch, wo die sich eigentlich befinden und was genau dort passiert. Jeder kleine Fleck in den unzähligen Galaxien ist aufgeführt. Jedes Pünktchen, jeder Hauch, jede kleine Bewegung. Und nicht nur das - alles ist beschrieben in jeder beliebigen Zeit. Ob zu Beginn des Universums vor unfassbaren Ewigkeiten oder an dessen Ende in unmessbarer Ferne - es gibt nichts, worüber der Katalog nicht Auskunft geben kann. Und weil das natürlich eine ordentliche Menge an Informationen ist, gerät so ein Katalog auch ziemlich umfangreich.

Die Sonnenstrahlenkinder tippelten um die Stände der Drohnen und griffen zu. Hatten sie endlich ihren Katalog erwischt, suchten sie schnell ein ruhiges Plätzchen, um ungestört zu lesen.

Bald waren alle Kataloge verteilt und die Sonnenstrahlen hockten hier und da und überall und waren ganz in die Lektüre versunken. Bis auf das Ächzen der Drohnen, die ihre Stände abbauten und die raschelnden Seiten der Kataloge war kaum noch ein Laut zu hören.

Am abenteuerlustigsten unter den Sonnenstrahlenkindern waren die Jungs.

Sie stöberten durch die Seiten, in denen von mächtigen Magnetstrudeln, gewaltigen Galaxien, unbekannten Planeten und dichten, tiefen Nebeln die Rede war. Dort, ja, dort warteten die Abenteuer.

Dort waren sie zu finden, die tiefen Schluchten, die reißenden Flüsse, die brüllenden Gewitterstürme, die Urgewalten des Universums.

Die Augen der Sonnenstrahlenjungs flogen nur so über die Abbildungen von wilden, fauchenden Tieren und besonders gefährlichen Giftschlangen, von geheimnisvollen Tiefseefischen oder verderblichen Rieseninsekten.

In jedem Teil des Universums, egal wohin die Reise ging, schien das Abenteuer zu liegen.

Schon bald bildeten sich unter den Jungs Grüppchen. Da standen sie, in der einen Hand den Katalog, die andere Hand in der Hosentasche und tauschten sich aus.

"Schätze, ich nehme den direkten Weg", fachsimpelte einer. "Geradewegs in den Wasserfall - das wird ein Spaß."

Und der Nächste blickte ihn an und meinte gleich: "Ich bin dabei! Mal sehen, was mit dem Wasserfall los ist!”

Manch anderes Sonnenstrahlenkind machte sich nicht so schnell reisefertig. Denen stand nach anderem der Sinn. Nach einem romantischen Sonnenuntergang, einer verträumten Galaxie in einem der näheren Winkel des Universums, nicht gar so weit von der Sonne entfernt. Nach Meeresrauschen. Nach wogenden Feldern, die sie mit ihrem Licht überfluten konnten. Nach Blumen, die ihnen ihre Blütenkelche entgegenreckten. Nach freundlichen Lebewesen, die sich an ihnen wärmten.

Auch solche Ziele gab der Katalog gerne preis. So war für jedes Sonnenstrahlenmädchen und jeden Sonnenstrahlenjungen etwas Passendes dabei.

Ein Problem waren die kniffligen Texte neben den vielen bunten Bildern. Die erklärten ganz genau, was es mit den Abbildungen auf sich hatte. Einige Texte waren gerade zwei Zeilen kurz. Aber viele waren auch sehr lang und zogen sich über viele Seiten im Katalog. Manch ein Sonnenstrahlenkind versuchte solch einen Text zu entziffern. Aber das fiel keinem von ihnen leicht. Sie waren ja noch klein und kannten noch längst nicht alle Buchstaben.

"Lichtdieb", buchstabierte ein Sonnenstrahlenmädchen gerade und wusste nun, dass es im Universums etwas gab, das genau so hieß. Auf der Abbildung über dem Text war zu erkennen, wie ein Lichtdieb aussah. Nämlich rund und an den Seiten etwas eckig und vor allem düster. Eine merkwürdige, klobige Apparatur.

Der Lichtdieb erschien dem Sonnenstrahlenmädchen nicht sehr sympathisch und so schlug es schnell einige Seiten im Katalog zurück, wo sie ein Lesezeichen eingelegt hatte.

Das Mädchen las einige Zeilen, dann nickte sie zufrieden und legte den Katalog beiseite. Es wusste nun ganz sicher, wohin die erste Reise sie führen würde.

"Zur Erde", flüsterte sie schüchtern einem Jungen ins Ohr, der noch unschlüssig war und sich deshalb bei den anderen nach deren Zielen umhörte.

"Zur Erde?", wiederholte der Junge und fragte neugierig: "Was ist denn das?"

"Ein Planet", antwortete das Mädchen. "Dort leben Menschen. Ich hab’s im Katalog gelesen."

"Hmmm", machte der Sonnenstrahlenjunge. Menschen? Da hatte er doch im Katalog schnell weitergeblättert.

Er kniff die Augen zusammen.

"Sind Menschen etwa Blumen?", fragte er.

"Nein, nein", antwortete das Sonnenstrahlenmädchen schnell. "Die Menschen im Katalog sehen überhaupt nicht aus wie Blumen."

Der Sonnenstrahlenjunge blieb skeptisch.

"Du musst wissen: Ich bin ein Junge und liebe das Abenteuer. Da kann ich Blumen nicht gebrauchen."

Er reckte sich stolz.

Das Mädchen zuckte mit den Schultern und schaute ihn ratlos an.

Es verstrich eine kleine Pause.

"Was stand denn noch im Katalog über diese Erde", fragte der Junge schließlich weiter.

Das Mädchen senkte verlegen den Blick.

"Ich weiß es nicht", sagte sie und fügte entschuldigend hinzu: "Ich kann doch noch nicht richtig lesen. Aber auf einer Fotografie in dem dicken Katalog waren Wesen abgebildet, zu denen es hieß: "Das sind Menschen. Sie leben auf der Erde."

Sie machte eine Pause und überlegte.

"Und, dass die Erde ein Planet ist. Genau das stand da. Den Rest habe ich vergessen. Der Text war doch so lang und voller schwieriger Wörter."

Der Sonnenstrahlenjunge blies die Backen auf, verschränkte die Arme vor der Brust und wippte auf den Zehenspitzen. Er war nicht recht überzeugt von der Erde.

Dem Sonnenstrahlenmädchen fiel noch etwas ein. Sie bückte sich, hob den Katalog auf und schlug nach der Seite mit dem Lesezeichen.

"Hier, schau es dir selbst an", sagte sie und hielt dem Jungen den Katalog unter die Nase.

Der Sonnenstrahlenjunge betrachtete die Abbildungen. Zunächst entdeckte er eine Fotografie, auf der eine blaue Kugel zu sehen war.

Das Sonnenstrahlenmädchen hatte sich neben ihn gestellt und blickte ihm von der Seite über die Schulter.

"Da, das ist die Erde, ein Planet", sagte sie und tippte mit dem Finger auf die Kugel. "Und das sind die Menschen."

Der Junge folgte mit den Augen dem Finger.

Er sah einen Mann, der eine Frau im Arm hielt. Die Frau trug in einem Wickeltuch ein süßes Baby.

Er zeigte auf ein anderes Bild.

"Dachte ich es mir doch: Blumen!", tadelte er.

Das Mädchen schaute angestrengt.

Auf dem Bild waren Sonnenblumen in einer Vase.

Bevor das Mädchen etwas dazu sagen konnte, hatte der Junge schon wieder etwas entdeckt. Diesmal war es ein kleiner Hamster, der ein Stück Mohrrübe in den Pfoten hielt und daran knabberte.

"Also, für meinen Geschmack sind das zu viele Blumen und dieses Tier ist mir auch zu niedlich", sagte der Sonnenstrahlenjunge knapp. Tatsächlich, er suchte das Abenteuer.

Das Mädchen gab noch lange nicht auf. Sie kicherte nur und schlug schnell eine Seite um.

"Und was sagst du jetzt, Sonnenstrahlenjunge? So kann die Erde auch aussehen", rief sie fröhlich.

Der Junge warf einen kurzen Blick auf die Seite. Dann gingen ihm die Augen über. Das war nach seinem Geschmack, er sah das ewige Eis der Arktis, die tödlichen Wüsten Afrikas, die Lava spuckenden Vulkane Feuerlands, die vernichtenden Tsunami der Ozeane. Beeindruckt pfiff er durch die Zähne.

Von hinten näherten sich plötzlich zwei Drohnen. Die eine hantierte mit einer Schubkarre, in der sich lauter dicke Kataloge häuften.

"He, ihr zwei", rief die Drohne, die ohne Schubkarre unterwegs war.

"Braucht ihr das da noch?", wollte die Drohne mit einem kurzen Nicken auf den Katalog in den Händen des Mädchens wissen.

"Äh, eigentlich ... Ich weiß nicht", stotterte das Mädchen erschrocken.

"Dann gib das mal her", befahl die Drohne streng, griff nach dem Katalog und warf ihn zu den anderen in der Schubkarre.

"Ich dachte, die können wir behalten", warf der Sonnenstrahlenjunge beherzt dazwischen.

Die Drohne lachte.

"Behalten?", die Drohne schüttelte den Kopf.

"Nein, nein, mein Junge! Die brauchen wir für die nächsten Sonnenstrahlenkinder doch wieder."

Der Sonnenstrahlenjunge nickte langsam. Offenbar wurden die Kataloge mehrfach verwendet. Vermutlich war die Herstellung sehr aufwendig.

“Die Kataloge bleiben auf Mutter Sonne! So war es und so wird es immer bleiben”, rief die Drohne mit der Schubkarre belehrend dazwischen.

Die andere Drohne musterte den Sonnenstrahlenjungen und fragte: "Du hast deinen Katalog wohl schon abgegeben, was!"

Der Junge nickte langsam.

Die Drohne brummte etwas Unverständliches und verschwand im Gedränge, um weiter Kataloge einzusammeln. Die Drohne mit der Schubkarre stolperte ihr hinterher.

Das Sonnenstrahlenmädchen seufzte.

"Die sind aber streng mit uns!", sagte sie.

Sie hätte dem Jungen gern noch mehr Bilder gezeigt und vielleicht sogar etwas vorgelesen.

Der blickte stattdessen einmal kurz nach rechts und einmal kurz nach links. Dann kicherte er fröhlich und lüpfte sein Hemd am Gürtelbund.

"Schau, was ich habe", gluckste er leise.

Das Mädchen guckte mit schrägem Hals nach seinem Gürtelbund. Da steckte unter dem Hemd versteckt der Katalog des Sonnenstrahlenjungen. Er hatte ihn einfach behalten.

Das Sonnenstrahlenmädchen machte große Augen und hielt sich die Hand vor den Mund.

"Auweia", entfuhr es ihr. "Wenn das die Drohne erfährt, kriegst du Ärger!"

Der Sonnenstrahlenjunge grinste breit, steckte das Hemd wieder in den Bund zurück und klopfte auf die Stelle, wo der Katalog steckte.

"Pah, woher soll die Drohne das denn erfahren. Ich mache mich einfach auf die Reise und schon bin ich weg."

“Oh”, machte das Sonnenstrahlenmädchen verzagt. "Und was ist nun mit der Erde und den Menschen? Vielleicht willst du ja mitkommen?"

Der Sonnenstrahlenjunge zögerte nicht lange mit der Antwort. Er tänzelte einmal um sie herum und sagte fröhlich: "Du bist in Ordnung! Wenn dich die Erde so sehr interessiert, ist es sicher eine gute Idee.“

Sie fassten einander an den Händen. Dann atmeten sie noch einmal kurz durch und mit einem leichten Ruck aus ihrem Herzen schwangen sie sich langsam in die Höhe. Entfernten sich immer mehr von den Drohnen, in deren Schubkarren sich die Kataloge häuften. Immer höher schwebten sie. Immer weiter weg von ihrer Mutter Sonne mit all ihren Sonnenstrahlenkindern. Und schon bald waren sie auf dem Weg zur Erde.

Kapitel 2

Für einen Menschen ist die Entfernung zwischen Sonne und Erde gewaltig. Für einen Sonnenstrahl ist sie ein Witz. Würde ein Mensch zur Sonne laufen wollen, bräuchte er dafür viele Millionen Jahre. Ein Sonnenstrahl noch nicht mal zehn Minuten. Es dauerte also gar nicht lange, da hatten die beiden Sonnenstrahlenkinder den Erdenhimmel erreicht.

Sie waren nicht allein. Es herrschte ein Gewühl, wie in einer Wechselstube, wenn der Dollar fällt. Viele Sonnenstrahlenkinder hatten den gleichen Weg gewählt. Und noch mehr Sonnenstrahlen waren aus allen nur erdenklichen, anderen Richtungen aus den Tiefen des Weltalls zur Erde gelangt. Es waren ganz junge Sonnenstrahlen dabei, es waren Sonnenstrahlen in jugendlichem Alter dabei, es waren ernst dreinblickende Erwachsene dabei, die Höflichkeiten austauschten und sich gegenseitig zum Kaffee einluden. Und hier und da tauchte auch einer von jenen Sonnenstrahlen auf, die die Last des Alters auf ihren Schultern trugen.

Diese Sonnenstrahlenopas waren im halben Universum herumgekommen und einige von ihnen waren tatsächlich so alt wie das Universum selbst. Auch sie hatten einst auf der Sonne in Katalogen geblättert. Hatten den Kopf voller Flausen und Träume und waren schließlich aufgebrochen zu ihrer großen, weiten Reise. Sie hatten das Universum in ihr goldenes Licht getaucht und dabei die fantastischsten Entfernungen zurückgelegt. Tag um Tag, Jahr um Jahr - doch nie hatten sie sich länger als auch nur einen Augenschlag an einem Ort aufgehalten. Kaum angelangt waren sie schon wieder auf und davon, nur noch einen Gedanken entfernt von ihrem nächsten Ziel. In die Jahre gekommen waren sie über die Zeit. Ihr Licht strahlte nicht mehr golden, sondern rot. Ihr Haar glänzte in silbrigem Grau über die vielen Reisen, die sie unternommen hatten. So viel Wissen hatten sie sich angeeignet, dass sie gelegentlich ihr Gedächtnis im Stich ließ. Dann standen sie unschlüssig in den Ecken und überlegten, was sie nun schon wieder nicht wussten. Aber trotz allem hatten ihre Augen nichts von ihrem Glanz verloren. Sie waren hellwach und sprühten vor Tatendrang und Energie. Ganz wie bei den Jüngeren, die diesen alten Veteranen ehrfürchtig Platz machten und sie mit großem Respekt behandelten.

Die Sonnenstrahlenkinder starrten mit offenen Mündern auf all die vielen Sonnenstrahlen und waren sprachlos. So ein Durcheinander hatten sie auf der Sonne selbst noch nicht einmal gesehen.

Zwei greise Sonnenstrahlenopas schoben sich ein Stück von ihnen entfernt durch die Menge. Mit Händen und Armen gestikulierend gaben sie einander Zeichen, um sich nicht aus den Augen zu verlieren.

Einer ging festen Schrittes. Der andere versuchte an Krücken humpelnd mitzuhalten. Der Erste blieb hin und wieder kurz vor einem der vielen Sonnenstrahlenkinder stehen.

“Mein Name ist Jack”, sagte er dann. “Wer bist du?”

Dann schaute er dem anderen Sonnenstrahl forschend in die Augen, wechselte kurz ein paar Worte, schob ihn dann aber doch beiseite und stapfte weiter.

Schließlich entdeckte er das Sonnenstrahlenmädchen und ihren Begleiter.

“Hey, ihr zwei”, machte sich der Sonnenstrahlenopa an die beiden heran. “Hey, mein Name ist Jack! Ihr seid noch Kinder, was?”

Das Mädchen und der Junge nickten schüchtern.

“Hahaha”, lachte der Sonnenstrahlenopa. “Das habe ich mir doch gleich gedacht. Ist eure erste Reise, was?”

Die beiden Sonnenstrahlenkinder nickten wieder und warfen verstohlene Blicke auf den lachenden Sonnenstrahlenopa.

Der war aber auch ein Haudegen. Die Füße steckten in schweren Stiefeln, die ausgefransten Hosen wurden von einem breiten Gürtel mit einer glühenden Schnalle gehalten. Das Hemd war bis zur Brust geöffnet. In den Ausschnitt hinein fiel ein feuriges Halstuch, das der Sonnenstrahlenopa im Nacken verknotet hatte. Ein dunkelrotes Stirnband trug der Sonnenstrahlenopa und einen Hut, dessen Krempe er tief ins Gesicht gezogen hatte.

Die Sonnenstrahlenkinder waren fasziniert von seinem Aussehen, seinen Bewegungen, von seiner rauen Stimme.

Nur, was wollte dieser Sonnenstrahlenopa von zwei Sonnenstrahlenkindern wie ihnen?