Die Stafette - Franz Omlek - E-Book

Die Stafette E-Book

Franz Omlek

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Beschreibung

In den letzten Jänner-Tagen des Jahres 1925 hielt die Welt den Atem an. Sie verfolgte voll Mitgefühl das Wettrennen von fünf Männern mit dem Tod. Der Tod drohte Hunderten von Kindern in der Stadt Nome im Norden Alaskas. Sie waren an Diphtherie erkrankt. Diese fünf Männer sollen mit Hundeschlitten in einem Stafettenlauf ein kleines Päckchen mit heilkräftigem Serum durch die unwirtliche Winterlandschaft Alaskas in das von der Außenwelt abgeschnittene Nome bringen. Wird die Stafette ihr Ziel erreichen? Auch heute noch findet in Alaska jedes Jahr ein Stafettenlauf zur Erinnerung an dieses Ereignis statt.

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Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Die österreichische Kinderbibliothek

Pädagogische Arbeitsblätter zu diesem Titel downloadbar auf

www.obelisk-verlag.at

Franz Omelka

Die Stafette

Farbbilder vonChristina Oppermann

Redaktion der ClubTaschenbuchreihe: Kai Aline Hula

Umschlaggestaltung: Carola Holland

Übersetzt aus dem Slowakischen von Arthur Werner

Neubearbeitung: Inge Auböck

Neue Rechtschreibung

© 2022 Taschenbuchausgabe by Obelisk Verlag, Innsbruck – Wien

© 2015 neu bearbeitete Taschenbuchausgabe by Obelisk-Verlag, Innsbruck – Wien

© 2003, 1997, 1992 Taschenbuchausgabe by Obelisk-Verlag, Innsbruck – Wien

Übersetzt aus dem Slowakischen

© 1969 Hardcover by Obelisk-Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten.

Druck und Bindung: Druckerei Theiss GmbH, A-9431 St. Stefan

ISBN 978-3-99128-083-5

eISBN 978-3-99128-088-0

Inhalt

Alaska

Die Epidemie

Die Drähte schwingen

Der Vorschlag

Die Freiwilligen

Die Stafette

Leonard Seppala

Zwischen Leben und Tod

Gunnard Kasson

Im letzten Augenblick

Am Ziel

Ausklang

Wie dieses Buch entstand

Nachtrag

Alaska

Eine endlose Weite hoch oben im Norden Amerikas!

Land des strengen Frostes und der brausenden Schneestürme.

Land der langen Winter und kurzen Sommer.

Land der weiten Ebenen, der hohen Berge, der reißenden Wildbäche und der breiten Ströme.

Ein Land an der äußersten Grenze unserer Erde.

Auf dieses Land blickten vor bald hundert Jahren Millionen Menschen in allen Ländern der Erde. Sie alle fürchteten um das Leben der Kinder in einer Stadt im Norden Alaskas.

Diese Stadt hieß Nome.

Die ganze Welt verfolgte das Schicksal der Männer, die ihr Leben einsetzten zur Rettung von Hunderten Kindern.

Wird es gelingen?

Ist sie stärker und rascher als der Tod –

die Stafette von Alaska?

Die Epidemie

Es war ein Abend im Jänner des Jahres 1925.

Ein eisiger Wind wehte durch die Straßen von Nome. Er rüttelte an den Fenstern und drängte sich in die Häuser.

Aus der Ferne hörte man das dumpfe Krachen der Eisschollen, die aufeinander prallten.

Auf den Straßen liefen gebückt viele Leute: Eltern mit ihren Kindern. Sie stemmten sich mit aller Kraft gegen den Sturm.

Der peitschte ihnen den Schnee ins Gesicht. Er raubte den Atem und trieb Tränen in die Augen.

„Ein furchtbares Wetter!“, stöhnten die Großen.

Manche Kinder weinten.

Doch niemand kehrte um. Alle liefen in das Hotel der Stadt, dessen Fenster hell erleuchtet waren.

Im großen Saal ging es lebhaft zu.

Vorne, bei der Bühne, drängten sich aufgeregt die Kinder. Hinten im Saal saßen die Eltern und beobachteten das laute Treiben.

„Frau Elias muss wirklich Nerven wie Seile haben, wenn sie das den ganzen Tag aushält“, sagte der alte Herr Davison zu Frau Hastings, seiner Nachbarin.

„In der Schule sind sie sicher nicht so ausgelassen“, nahm die die Kinder in Schutz. „Aber heute – wer darf sich darüber wundern? Schultheater! Unser Tommy spricht schon eine Woche lang von nichts anderem.“

„Da haben Sie recht“, stimmte ihr Nachbar zu. „Unser Charly sagt seine Rolle in jeder freien Minute auf. Ich kann sie schon auswendig.“

„Nachdem, was unsere Mary erzählt, wird es sehr schön. Das Stück handelt vom Leben in unserer Stadt als die ersten Leute hierherkamen“, ergriff eine andere Frau das Wort.

„Am besten gefällt mir die Szene mit dem Goldgräber“, sagte Davison.

„Welche? Von der weiß ich ja gar nichts“, fragte neugierig ein jüngerer Mann, der bisher nur zugehört hatte.

„Das war so“, begann Frau Hastings zu erzählen, „Ende des vorigen Jahrhunderts zogen Scharen von Abenteurern nach Alaska. Sie suchten nach Gold. Die Zeitungen hatten von Flüssen geschrieben, in denen das Gold im Sand leuchtete, von Goldklumpen, die man nur aufzuheben brauchte. Wen wundert es, dass die Menschen nur so nach Alaska hereinströmten? Yukon, Klondike, Dawson City – diese Namen kannte jeder. Denn diese Namen bedeuteten Gold und Reichtum. Und bald kam auch ein neuer Name dazu: Nome.“

„Wie ist man denn auf diesen Namen gekommen?“

„Das weiß ich aus Charlys Rolle“, meinte Davison. „Als sich die Kunde von den neuen Goldfeldern verbreitete, wusste jeder, dass es sich um einen Ort im äußersten Norden Alaskas handelte, nicht weit vom Polarkreis. Wenn aber jemand nach dem Namen des Ortes fragte, bekam er keine Auskunft. Niemand kannte ihn. Die Gegend habe keinen Namen, sagten die Leute – ‚no name‘. Allmählich aber wurde aus diesem ‚no name‘, das die Goldgräber zu ‚Nome‘ zusammenzogen, doch ein Name. Und so wurde unsere Stadt benannt.“

„Und was geschah weiter?“

„Bald kamen immer mehr Goldgräber nach Nome“, fuhr Davison fort. „Jeder suchte auf eigene Faust nach Gold, aber nach der Arbeit setzten sich die Männer zusammen. Nur einer war nicht dabei. Er wohnte in einem einsamen Blockhaus und schürfte allein. Niemand wusste, wie es ihm ging. Allmählich kümmerte sich auch niemand mehr um ihn. Als man ihn aber mehrere Tage lang nicht mehr auf seinem Schürfplatz gesehen hatte, fragte einer: ‚Wisst ihr, was mit Sam los ist?’ Niemand wusste es. Als man schließlich in seinem Blockhaus nachsah, bot sich ein trauriger Anblick.“

„Was war passiert?“

„Sam lag tot auf seinem Bett. Er war verhungert. Neben ihm aber lagen Säcke voll prächtiger Nuggets, von Goldklumpen, wie man sie selten in solcher Größe findet.“

„Sam war also Millionär?“

„Er hätte es sein können, wenn es ihm gelungen wäre, das Gold in zivilisierte Gegenden zu schaffen. Hier, im Norden von Alaska, nützte ihm der ganze Reichtum nichts. Er ist verhungert wie der ärmste Bettler.“

„Das ist wirklich tragisch“, meinte nachdenklich ein junger Reporter. Er war nach Nome gekommen, weil er den arktischen Winter erleben wollte. „So an der Schwelle seines Glücks umzukommen, das ist hart.“

„Das stimmt“, pflichtete Davison bei. „Und so etwas soll angeblich öfters passiert sein. Doch heute ist das ist längst vorbei. Heute …“

„Heute klingt das wie ein Märchen“, mischte sich Frau Hastings wieder ins Gespräch.

„Und die Kinder, die heute das Stück aufführen, glauben vielleicht, dass das alles vom Anfang bis zum Ende erfunden ist.“

„Frau Elias hat mit dem Theaterstück sicher viel Arbeit gehabt.“

„Ja, und sie kann mit den Kindern auch gut umgehen. Jedes von ihnen ist geradezu in seine Rolle verliebt.“

„Das Publikum wird schon ungeduldig, seht nur!“

Tatsächlich! Beifallklatschen erscholl im Saal, begleitet von lauten Zurufen der Kinder.

Ein schrilles Klingeln ertönte.

Die Kinder wurden sofort still und alle blickten gespannt zur Bühne.

Doch der Vorhang bewegte sich nicht. Man hörte nur hastige Schritte dahinter und gedämpfte Rufe.

Da betrat Doktor Welch mit seinem Sohn George den Saal.

„Wir haben schon gefürchtet zu spät zu kommen, dabei ist jetzt noch Zeit genug“, bemerkte der Arzt.

Als die Zuschauer wieder zu klatschen begannen, klingelte es noch einmal.

In die plötzlich eintretende Stille waren von der Bühne her Stimmen zu hören:

„Wo bleibt nur Bob? Hat ihn jemand gesehen?“

„Und wo ist Charly?“, fragte Frau Elias ärgerlich. „Die beiden lassen uns ganz schön im Stich! Das Publikum wird schon ungeduldig und die Herrn Schauspieler bleiben zu Hause.“

„Ich hole sie!“, rief ein Bub.

„Bleib hier, der Sturm ist zu stark – hörst du nicht, wie er tobt? Ich werde selbst nach Robert sehen. Wartet hier ruhig auf mich!“

Die Lehrerin ging rasch weg.

„Wenn es wenigstens jemand anderer wäre“, sagte ein Mädchen. „Aber gerade Bob, der die Hauptrolle spielt, muss uns aufhalten.“

„Und ohne Charly können wir auch nicht spielen“, sagte ein Bub.

Inzwischen wurden die Zuschauer immer ungeduldiger.

Die Kinder, die in der ersten Reihe saßen, hatten gehört, dass Bob und Charly nicht gekommen waren. Und diese Nachricht verbreitete sich rasch im Saal.

„Wisst ihr, warum sie nicht kommen? Sie werden doch nicht vergessen haben, dass heute Theatervorstellung ist?“

Da erschien Frau Elias vor der Rampe.

Stille trat ein.

Aller Augen waren auf die Lehrerin gerichtet. Sie schien sehr aufgeregt zu sein.

„Liebe Eltern und Kinder! Es tut mir unendlich leid bekannt geben zu müssen, dass die heutige Vorstellung, auf die wir uns alle so gefreut haben, nicht stattfinden kann.“

„Warum?“, fragten die Kinder enttäuscht.

„Weil Robert und Charly, die die Hauptrollen spielen, plötzlich erkrankt sind“, antwortete die Lehrerin rasch.

Sie wollte diese unangenehme Aufgabe schnell hinter sich bringen.

„Hebt die Eintrittskarten gut auf. Wir werden das Stück aufführen, sobald die beiden wieder gesund sind.“