Die Stimmen aus dem Turm - Gudrun Visintainer - E-Book

Die Stimmen aus dem Turm E-Book

Gudrun Visintainer

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Beschreibung

Als Carina und ihre Freunde zu Tante Helen nach Schottland eingeladen werden, gehen sie zunächst von ganz normalen Sommerferien aus. Doch schon bald stellt sich heraus, dass auf der alten Burg Satterbay so einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Tante Helen erleidet einen Schwächeanfall nach dem anderen und nachts sind in ihrem Zimmer unheimliche Stimmen zu hören. Der Detektivgeist der Kinder ist gefragt und schon bald stecken sie mitten in einem spannenden Abenteuer.

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Seitenzahl: 99

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Die Stimmen aus dem Turm

Abenteuer auf Burg Satterbay

Gudrun Visintainer

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Impressum

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet - papierfresserchen.de

© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR

Mühlstr. 10, 88085 Langenargen

Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2021.

Herstellung und Lektorat: CAT creativ - cat-creativ.at

Illustration: © Gudrun Visintainer

Titelbild: © diversepixel – Adobe Stock lizenziert

ISBN: 978-3-96074-496-2 - Taschenbuch

ISBN: 978-3-96074-497-9 - E-Book

*

Inhalt

Endlich Ferien

Tante Helen

Reiseplanung

Schottland

Recherchen

Schwächeanfall

Ein Ausflug

Wer ist der Täter?

Stimmen

Gift im Tee?

Besuch bei Freunden

Dr. Green

Ein Geheimgang

Das Testament

Leugnen zwecklos

Die Ferien sind zu Ende

*

Endlich Ferien

Eva war so glücklich – endlich Ferien! Das Jahr war wirklich hart. In Mathe musste sie ganz schön büffeln, um wenigstens auf einen Vierer zu kommen. Eva war ein 14-jähriges Mädchen mit einem kurzen frechen Haarschnitt. Neuerdings zierte eine schwarze Strähne das blonde Haar. Zahlreiche Verhandlungen wurden wegen dieser Haarsträhne mit der Mutter geführt. Ihr Wunschtraum, sich alle Haare färben zu lassen, ging leider nicht in Erfüllung. Sie war auffallend schlank und ziemlich groß für ihr Alter. Aber das brachte ihr eigentlich nur Vorteile. Wenn sie am Wochenende mit ihrer älteren Freundin in die Disco wollte, verlangte kein Türsteher einen Ausweis. Ihre Freundin Carina war auch sehr hübsch und hatte braunes, langes Haar.

Als Eva über die Treppe in die Küche ging, hörte sie schon Vera mit dem Frühstücksgeschirr klappern. „Hallo, Mutti, guten Morgen“, rief Eva ihrer Mutter zu, „kann ich dir helfen?“

„Was machst du denn schon so früh hier unten?“, fragte Evas Mutter ganz erstaunt.

„Na, es sind doch Ferien, davon möchte ich keine Minute versäumen“, lachte Eva, „und außerdem, du kannst doch sicher etwas Hilfe gebrauchen?“

„Ja, das kann sie bestimmt!“ Herr Färber, Evas Vater, hatte sich in das Gespräch eingemischt.

Eva umarmte ihn kurz und murmelte dabei: „Guten Morgen, Brummbär.“ Schon war sie wieder in der Küche verschwunden. Eva nannte ihren Vater oft Brummbär, denn an manchen Tagen konnte sie ihn nur schlecht verstehen, weil er eine so tiefe Stimme hatte.

Vera saß bereits am fertig gedeckten Tisch. „Na, Eva, so fröhlich heute? Ach so, du hast ja Ferien. Da wäre ich auch gut aufgelegt. Aber ich habe noch eine harte Arbeitswoche vor mir!“, murmelte der Vater vor sich hin, stand auf und ging ins Bad.

„Das kann doch nicht sein!“ Eva war ganz enttäuscht und sah ihre Mutter erstaunt an. „Ich dachte, wir fahren schon morgen nach Griechenland.“

„Aber Kind, es geht nun mal nicht immer so, wie du dir das gerade wünschst“, beruhigte Frau Färber.

„Das muss ich Carina erzählen“, schmollte Eva und ging mit gesenktem Kopf zur Tür.

„Und was ist mit dem Abwasch?“, rief Vera ihr nach.

„Den mache ich gleich, wenn ich zurück bin“, versicherte sie ihrer Mutter.

„Was hat sie denn?“, wollte der Vater wissen.

„Sie ist enttäuscht, weil wir nicht nach Griechenland fahren, aber sie wird es verstehen“, meinte die Mutter.

Eva war inzwischen bei Carina angekommen. Sie läutete bei den Wechtners Sturm. „Was um Himmels willen ist denn passiert?“, fragte Frau Wechtner.

„Ach, nicht so wichtig“, winkte Eva ab, „aber der Carina muss ich es erzählen! Ist sie denn schon wach?“

„Das würde mich wundern, ich habe sie noch nicht gesehen“, gab Frau Wechtner bereitwillig Auskunft. „Schließlich sind Ferien, da wird sie sich ausschlafen wollen!“

Eva versprach: „Ich gehe ganz leise ins Zimmer und wenn sie schläft, wecke ich sie ganz bestimmt nicht auf.“ Leise schlich das Mädchen die Treppe hoch. Kaum war sie oben angekommen, stand Carina im Nachthemd vor der Tür und beschwerte sich: „Was macht denn ihr für einen Lärm? Ich hatte eben einen wunderschönen Traum.“

„Ich habe einen guten Grund, warum ich so daher gestürmt komme“, sagte Eva ganz traurig, „stell dir vor, mein Papa muss arbeiten und deshalb fahren wir nicht nach Griechenland.“

Liebevoll führte Carina ihre Freundin an der Hand in ihr Zimmer. Und die zwei Freundinnen redeten und redeten und vergaßen darüber fast die Zeit. Ganz unerwartet rief Carinas Mutter die Treppe herauf: „He, ihr zwei da oben, kommt runter. Evas Mutter hat angerufen, Eva soll nach Hause kommen!“

Da fiel Eva wieder das Frühstücksgeschirr ein. „Ups, jetzt muss ich aber rasch nach Hause“, sagte sie, „ich habe meiner Mutter versprochen, zu helfen. Tschüss, Carina, wir sprechen uns noch. Auf Wiedersehen, Frau Wechtner.“ Und schon war sie zur Tür hinaus.

*

Tante Helen

Bereits am ersten Ferientag war viel passiert. Abends bekam die Familie Färber überraschend Besuch. Neugierig öffnete Eva die Tür, als es klingelte.

Frau Wechtner stand vor der Tür. „Hallo, Eva, ist deine Mutter zu Hause?“, wollte Silvia Wechtner wissen.

„Aber ja, natürlich, kommen Sie herein!“, lächelte Eva. Erst jetzt entdeckte sie Carina, welche sich hinter ihrer Mutter versteckt hatte. „Toll, dass du auch mitgekommen bist. Komm, wir gehen auf mein Zimmer.“

Doch die beiden Mädchen kamen nicht weit, da rief Carinas Vater: „Wartet noch, wir haben euch etwas zu sagen!“

Erstaunt sahen sich Eva und Carina an. Die Eltern saßen bereits am Wohnzimmertisch und die Männer beugten sich über eine Landkarte.

Carina war ganz überrascht, dass auch ihr Vater da war. „Hallo, Daddy“, strahlte sie, „ich weiß schon bald nicht mehr, wie du aussiehst!“ Ihren Vater hatte sie eine ganze Woche nicht mehr gesehen. Er arbeitete im Betrieb seines Vaters und war für eine große Tischlerei mitverantwortlich. Carinas Vater musste oft für ein, zwei Wochen verreisen, um ausländische Kunden zu beraten.

Ganz gerührt erwiderte er: „Ich habe euch beiden die Stirnbänder mitgebracht, welche ihr euch gewünscht habt. Sie liegen in meinem Koffer. Zuerst möchte ich euch jedoch zeigen, wo der kleine englische Ort Milport liegt.“

„Wozu denn das?“, fragten die Freundinnen ganz erstaunt.

„Soll ich es euch sagen? Oder wollt ihr raten? Also gut, wir haben uns überlegt, wer wohl Zeit und Lust hätte, unsere Tante Helen zurück nach Schottland zu begleiten, nachdem sie eine Woche bei uns zu Besuch war“, antwortete Fredi, Carinas Papa, augenzwinkernd.

„Und da seid ihr gleich auf uns gekommen, das ist ja super!“, sprudelten die Mädchen heraus.

Bert, Evas Vater, ergänzte: „Da ihr die Einzigen seid, welche nicht zur Arbeit müssen, lag es auf der Hand, wer in diesen Genuss kommen wird. Außerdem hat mir deine Mutter gesagt, wie traurig du bist, dass der Griechenlandurlaub ins Wasser fällt.“

Jetzt war es plötzlich ganz still im Zimmer. Vera brach das Schweigen: „Es liegt an euch Mädchen, ob ihr euch eine solch weite Reise zutraut. Überlegt euch den Vorschlag gut.“

„Da gibt es doch nichts zu überlegen. Wir sind dabei, auf jeden Fall!“, schrien die beiden wie aus einem Mund.

Silvia beruhigte die beiden: „Na, so rasch geht das nicht. Schlaft erst mal eine Nacht drüber und morgen reden wir weiter.“

Weder Eva noch Carina konnten richtig schlafen, die Nacht wurde dementsprechend lang. Erst als es draußen schon hell wurde, schliefen sie vor Erschöpfung ein, dafür etwas länger als am Vortag. Diesmal war es Carina, welche ganz aufgeregt vor der Tür stand und es kaum erwarten konnte, bis Eva sich einen elend langen Pulli übergezogen hatte. Zu zweit bearbeiteten sie Vera in der Waschküche. „Ich kann euch auch nicht viel darüber erzählen, es ist doch nicht unsere Tante, Eva“, wehrte sie ab, „ihr werdet euch bis zum Abend gedulden müssen. Helft mir doch bei der Wäsche, dann vergeht die Zeit schneller.“

„Mama hat recht“, stimmte Eva zu, „Carina und ich kümmern uns um die Wäsche und du machst uns bitte ein gutes Essen. Gestern Abend konnte ich vor lauter Aufregung nichts essen.“

Evas Mutter meinte lachend: „Ich bin schon unterwegs. Carina, möchtest du bei uns essen?“

„Oh ja, vielen Dank. Ich sage noch meiner Mutter Bescheid.“ Sie stürmte förmlich durch den Garten nach Hause.

Nach dem Essen halfen die Mädchen beim Abwasch und schlenderten anschließend durch die Stadt. Es war eine kleine hübsche Stadt.

Die beiden Freundinnen machten oft in ihrer Freizeit einen Einkaufsbummel und gingen danach ein Eis essen in Alfredos Eisdiele, so auch heute.

„Wir treffen sicher ein paar Mitschüler. Die werden staunen, wenn sie hören, dass wir für zwei Wochen oder länger nach Schottland dürfen. Am meisten freue ich mich auf das Gesicht von Victoria“, kicherte Eva vor lauter Schadenfreude, „sie glaubt uns das sicher nicht. Victoria sieht uns in den Ferien Däumchen drehen!“

„Schmeckt dir das Eis heute auch so besonders gut?“

„Aber ja, das kannst du mir glauben“, bestätigte Carina ihrer Freundin.

„Ich danke euch, Ladys, das höre ich natürlich gern“, meinte Alfred mit einem Grinsen. Alfredo hieß mit bürgerlichem Namen nämlich Alfred und war ein netter Kerl, ein einheimischer Städter. Er glaubte, zu wissen, dass für viele Urlauber ein fremdländischer Name aufregender klang – und er lag damit durchaus richtig. Selbstverständlich nannten ihn auch die Einheimischen so. Der Sohn von Alfredo ging mit Eva und Carina in dieselbe Klasse. Bruno rief seinem Vater ausnahmslos Aifredo, wenn er in der Eisdiele aushalf, er fand es ganz lustig.

„Ist ja irre!“, entfuhr es Bruno, als ihm die Mädchen von ihrem bevorstehenden Abenteuer erzählten. Denn dass es ein solches werden würde, daran zweifelten sie nicht.

„Seid ihr endlich da? Es ist schon fast 20 Uhr, wir haben bereits gegessen.“ Ein bisschen vorwurfsvoll empfing Silvia die Mädchen. „Wir zeigen euch, wo genau das kleine Dorf liegt, aus dem Tante Helen kommt!“ Eva und Carina hätten noch länger den Erwachsenen zugehört, aber gegen 23 Uhr wurden sie so müde, dass sie freiwillig schlafen gingen.

Bald war die erste Ferienwoche vorüber. Carinas Mama holte Tante Helen vom Bahnhof ab. Eva und Carina befreiten derweil im Garten die Rosen vom Unkraut. Vera hatte gemeint: „Damit die Zeit schneller vergeht.“ Die beiden Mädchen konnten nämlich ganz schön nerven.

„Hallo, was macht ihr denn da?“, rief Karl neugierig vom Nachbargrundstück rüber. Er war der Nachbarsjunge. Er ging in die höhere Klasse, weil er ein Jahr älter war als die Freundinnen.

„Wir schlagen die Zeit tot, bis die Tante Helen kommt“, erklärte Eva.

„Alles klar, ich habe davon gehört. Mensch, habt ihr ein Glück. Wenn nur mir mal so etwas passieren würde. Ihr reist nach Schottland und ich sitze hier ganz allein zu Hause rum“, maulte Karl.

„Hör auf zu motzen“, mahnte Bruno, der sich fast unbemerkt an die drei herangeschlichen hatte, „mein Vater hat mir da was angedeutet, du wirst staunen!“

„Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen, ich platze vor Neugier“, bettelte Karl.

„Oh, seht nur, da fährt der kleine Flitzer von Frau Nachbarin die Straße hinauf, gleich wird sich das Rätsel lösen“, versprach Bruno.

Alle sahen wie auf Kommando die Straße hinunter und flitzten dann hurtig ins Haus. Als die Frauen ankamen, saßen die Kinder erwartungsvoll im Wohnzimmer.

„Hello, girls and boys“, rief Tante Helen erfreut, „na, wen haben wir denn da?“ Ihr Akzent war wirklich sehr süß.

„Eigentlich ist die ganze Tante recht süß“, dachte Carina bei sich und ging auf die kleine Frau zu. Sie umarmte sie und küsste sie auf die Wange. „Wie war die lange Reise für dich, liebe Tante?“

„Oh, die Reise war sehr schön. Ich sah so viele schöne Städte und Dörfer. Einige davon haben mich sogar an meine Heimat erinnert“, erklärte Tante Helen.

„Lasst doch Helen erst einmal Platz nehmen. Du bist doch sicher furchtbar müde von der anstrengenden Zugfahrt“, mischte sich Silvia ein. „Ich schlage vor, wir gönnen uns Tee und Kuchen!“

„Ja, Kuchen und Tee sind eine gute Idee und es reimt sich auch noch“, scherzte Clemens. Clemens war der jüngere Bruder von Karl und seine Lieblingsbeschäftigung war das Essen.

Karl sagte: „Wenn ihr Clemens sucht, findet ihr ihn entweder über den Büchern oder in der Küche.“

Clemens besuchte ein Internat in der Schweiz. Er wollte Ingenieur werden, der Bauingenieur in spe kannte sich mit Bauwerken aus. Man konnte ihn fragen, was man wollte, er wusste über alte Gebäude genauso gut Bescheid wie über neue.