Die unglaublichen Abenteuer der Kai Antonia Mayers - Wolly W. Watson - E-Book

Die unglaublichen Abenteuer der Kai Antonia Mayers E-Book

Wolly W. Watson

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Beschreibung

Die fünfzehnjährige Kai Antonia Mayers kann es gar nicht glauben, was sich für eine Möglichkeit für sie auftut: Sie könnte auf ein intergalaktisches Internat aufgenommen werden. »Ohne mich! - Ein bisschen zu viel Science-Fiction!«, ist ihr erster Gedanke. Aber ihre Neugierde ist viel zu groß, um wirklich nein zu sagen. Doch zunächst bleibt es für Kai Antonia irdisch. Denn um die notwendige Aufnahmeprüfung bestehen zu können, besucht sie ein Trainingscamp. Aus unerklärlichen Gründen kommt dort ihre neue Freundin Xara in immer gefährlichere Situationen. Es sieht eindeutig nach Sabotage aus. Doch wer sollte etwas gegen Xara haben? Und warum? Kai und ihre Freunde versuchen herauszubekommen, wer und was dahintersteckt. Denn bei einem sind sie sich absolut sicher: Es muss gestoppt werden, ansonsten wird es für Xara tödlich enden. Dieses ist der erste Band von Kais unglaublichen, abenteuerlichen Reisen.

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Für alle,

die immer an mich geglaubt haben!

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 1

Außerirdische? Gibt es nicht! So sehe ich das jedenfalls. Aber die drei Typen vor mir behaupten das Gegenteil. Schon komisch, mit was für einer Geschichte sie zu uns gekommen sind.

Dabei hat der Tag ganz gewöhnlich angefangen. Heute ist Samstag und ich konnte endlich ausschlafen. Nach der letzten Woche mit der Mathe- und Deutscharbeit hatte ich es wirklich nötig. Diese ganze Lernerei. Wird das denn nie enden? Naja, noch acht Wochen, dann sind endlich Sommerferien und ich habe die 9. Klasse auch einigermaßen erfolgreich beendet. Meine ich zumindest. Meine Eltern sehen das natürlich ganz anders. »Du musst mehr üben! Denk an Deine Zukunft! Blah, blah, blah ... und so weiter und so weiter«. Ich bin erst froh, wenn ich die Schule endlich hinter mir habe!

Noch ein Jahr, dann ist Schluss! Von wegen Abitur! Was soll ich denn damit.

Aber warum erzähle ich das eigentlich? Ich wollte doch was ganz anderes. Ach ja. Die drei Typen und die ›Außerirdischen‹.

Jedenfalls hat es heute Vormittag geklingelt und zwei Frauen und ein Mann standen vor unserer Tür.

»Hallo! Du bist doch Kai Antonia«, stellte der Mann fest.

»Em ..., ja ...?« antwortete Kai schüchtern.

Vor ihr stand ein älterer Herr von ungefähr 60 Jahren, der recht eigenwillig gekleidet war: Hemd mit einer gepunkteten Fliege, karierte Weste, Tweed Anzug und, was am komischsten war, einer Melone, die er in der Hand trug.

»Dürfen wir reinkommen? Wir würden gerne mit dir und deinen Eltern sprechen«, fragte er, als Kai nicht reagierte.

›Komisch, bei dem Akzent kann das nur ein Brite sein. Was will der denn von uns?‹, dachte Kai verwundert.

»Mama, kommst du mal?«, brüllte sie ins Treppenhaus und betrachtete nun auch die beiden Frauen. Die jüngere musste ungefähr dreißig Jahre alt sein und war für Kais Geschmack ganz normal gekleidet. Die ältere hingegen erinnerte sie an ihre Oma, wobei die Frau vielleicht gerade mal Mitte fünfzig sein müsste. Kai fand, dass ihre Oma immer etwas zu fein angezogen war und so sah auch die Frau aus.

»Mein Gott, was ist denn nun wieder?«, hörte man Kais Mutter aus dem Keller antworten.

»Komm mal, da sind ein paar komische Leute. Die wollen mit dir sprechen«, rief Kai mit voller Lautstärke.

»Sag deinem Vater Bescheid. Ich kann gerade nicht! Und brüll hier nicht so rum!«, antwortete ihre Mutter.

»Wir kommen scheinbar etwas ungelegen«, meinte die jüngere Frau ebenfalls mit einem Akzent.

»Ach was, ich hole meinen Vater. Warten Sie kurz.« Kai ließ die drei vor der Tür stehen und stürmte die Treppe hinauf.

»Wollen wir später noch einmal wiederkommen?«, fragte der Mann. Die drei schauten sich fragend an. »Wir versuchen es jetzt. Soviel Zeit haben wir auch nicht«, meinte die ältere Frau.

»Genau, wir sollten heute unbedingt weiterreisen«, gab die Jüngere recht.

Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, da hörte man Kai wieder die Treppe runterkommen. Hinter ihr tauchte ihr Vater auf.

»Sie sind Herr Mayers?«, fragte der Mann.

»Ja. Aber wir kaufen grundsätzlich nichts an der Tür«, erwiderte Kais Vater kurz angebunden.

»Nein, nein. Wir wollen nichts verkaufen«, sagte der Mann.

»Wir müssen unbedingt mit Ihnen und Kai sprechen«, ergänzte die jüngere Frau schnell.

»Wer sind Sie überhaupt?«, fragte Kais Vater irritiert und schaute sich nun alle drei etwas genauer an.

Nun meldete sich die ältere Frau zu Worte. »Oh, bitte entschuldigen Sie unsere Unhöflichkeit. Meine Kollegen sind mal wieder etwas unbeholfen.« Die ältere Frau hatte zwar keinen Akzent, doch ihre Stimme war ein wenig piepsig und passte irgendwie gar nicht zu ihrer vornehmen Erscheinung.

Die jüngere Frau und der Mann sahen sich beschämt an.

»Das sind Mrs. Bowlin und Mr. Antus. Und ich bin Frau Schwartz, ...mit tz.«

»Aha. Und was wollen Sie von uns?« Kais Vater wurde langsam ungeduldig.

»Wir sind von der FoP«, sagte Mrs. Bowlin.

»Der Federation of Planets«, ergänzte Frau Schwartz.

»Sagt mir nichts, dir etwa?« Fragend sah er Kai an.

»Nö! Die Firma kenn' ich nicht«, meinte Kai belustigt.

»Dürfen wir bitte reinkommen. Was wir zu besprechen haben, sollte nicht jeder mitbekommen«, sagte Mr. Antus geheimnisvoll.

»Okay. Aber viel Zeit habe ich nicht. Und egal was Sie uns anbieten: wir kaufen nichts!«, betonte er noch einmal. Er trat beiseite, ließen die Besucher eintreten und führte die Gäste ins Wohnzimmer. Kai wollte unbedingt wissen, worum es ging, und folgte ihnen gespannt.

Das Wohnzimmer war recht modern eingerichtet. Alles war ordentlich und nüchtern gehalten und es gab wenig Farbiges im Raum. Einige Bekannte der Mayers fanden, dass es zu kühl und ungemütlich sei. Nur ein großes, modernes Ölgemälde über dem Sofa verlieh dem Raum einen Farbtupfer. Kais Mutter liebte es - für Kais Vater war es nur ein wildes Geschmiere. Durch einen Rundbogen konnte man in einen Nachbarraum schauen. Dieser war das komplette Gegenteil des Wohnzimmers. Vor einem Kamin, auf dem viele gerahmte Fotos aufgestellt waren, standen zwei Ohrensesseln. Mit den restlichen Möbeln und der leichten Unordnung wirkte es dort sehr gemütlich.

Mr. Antus betrachtete gerade sehr interessiert den riesigen Flachbildschirm, als Kais Vater alle bat, sich doch zu setzen. Die beiden Frauen nahmen auf dem großen Sofa direkt unter dem Gemälde Platz. Mr. Antus wählte das kleine Sofa und Kai entschloss sich, sich zu ihm zu setzen. Sie wusste, dass ihr Vater auf seinen Lieblingsplatz wollte - ein Sessel, der zu einem Fernsehsessel wurde, wenn man ein paar Knöpfe drückte. Frau Schwartz fragte gerade, ob denn auch Frau Mayers dazu kommen könnte, als Kais Mutter in das Wohnzimmer platzte.

»Wer war das denn? Schon wieder welche vom Zirkus?« Kais Mutter erschrak, als sie die Gäste bemerkte. Alle drei Gäste sprangen wie auf ein Stichwort gleichzeitig auf. Das sah so witzig aus, dass Kais Vater lächeln musste. Frau Schwartz ergriff sofort das Wort und stellte ihre Kollegen und sich selber vor. Als sie abschließend erwähnte, dass es um Kais Zukunft geht, wurden allen hellhörig und Kais Mutter bat, wieder Platz zu nehmen. Sie zog sich einen Hocker heran und setzte sich gespannt den Frauen gegenüber.

»Also, wie ich in Ihren fragenden Gesichtern erkenne kann, sollte ich gleich zur Sache kommen. Trotzdem muss ich eines vorausschicken: was wir Ihnen nun erzählen, ist streng geheim. Und wenn es auch nur schwer zu glauben ist, alles entspricht der Realität.«

»Wir sind keine Spinner!«, fügte Mrs. Bowlin lächelnd hinzu, »diesen Eindruck machen wir leider zunächst immer.«

Kai und ihre Eltern sahen sich ratlos an.

›Was soll das Ganze?‹, dachte Kai, ›Dafür habe ich keine Zeit. Ich will doch heute Vormittag mit Sophie shoppen gehen.‹

»Es ist Ihnen strengstens untersagt, über irgendetwas aus diesem Gespräch mit irgendjemanden zu sprechen«, setzte Frau Schwartz ihre Ansprache fort. »Ein Zuwiderhandeln hätte ernste Konsequenzen - für Sie alle! - Ist Ihnen das soweit klar?«

Nein, natürlich war gar nichts klar! Aber Kai und ihre Eltern waren so verblüfft, dass sie darauf gar nichts zu antworten wussten, sondern sie nickten nur vorsichtig.

»Okay, dann lege ich mal los.« Frau Schwartz holte kurz Luft und begann zu erzählen.

»Um gleich auf den Punkt zu kommen: wir stehen in Verbindung zu anderen Kulturen auf fremden Planeten. Oder wie Sie es nenne würden: zu Außerirdischen. Diese haben sich vor langer Zeit zu einem Planetenverbund zusammengeschlossen, nämlich der FoP. Die Erde ist bisher noch kein vollwertiges Mitglied, da die diese noch nicht die Auflagen der FoP erfüllt. Hierfür müsste unser Planet in Frieden leben und wir müssten einen umfassenden Schutz von Flora und Fauna gewährleisten. Und wie Sie sich sicherlich denken können, sind wir davon leider noch weit entfernt. Und solange die Erdbevölkerung in den Augen der FoP noch nicht reif genug ist, werden wir kein vollwertiges Mitglied und diese Verbindung muss geheim bleiben.«

Hier machte Frau Schwartz eine Pause und schaute Kai und ihre Eltern streng an. Es herrschte absolute Stille im Wohnzimmer. Es schien, als traute sich niemand etwas zu sagen, aber in Wirklichkeit war völlige Ratlosigkeit die Ursache des Schweigens. Daher konnte Frau Schwartz ungestört fortfahren.

»Die FoP möchte aber nicht auf die Fähigkeiten der Erdbevölkerung verzichten. Aus diesem Grund werden jedes Jahr Jugendliche von der Erde eingeladen, um dem Ausbildungszentrum der FoP beizutreten. Hier findet auf einem extra hierfür geschaffenen Planeten die Ausbildung aller Kandidaten statt.«

Endlich gab es eine Regung. Kais Mutter erwacht zuerst aus der Starre. »Bitte, was? Wollen Sie uns veräppeln?«, fragte sie ungläubig.

Auf einmal reden alle durcheinander.

»So 'n Blödsinn habe ich ja noch nie gehört!«, schimpfte Kais Vater.

»Was wollen Sie eigentlich von uns?«, warf Kais Mutter ein.

»Und was habe ICH denn damit zu tun?«, fragte Kai entrüstet.

Mrs. Bowlin holte etwas aus ihrer Tasche und drückte auf einen kleinen Stift. Schlagartig wurde das Wohnzimmer verdunkelt und es erschien mitten im Zimmer ein Hologramm eines Planeten. Erschrocken war sofort wieder Stille im Raum.

»Fangen wir mal hiermit an: Dieses ist zum Beispiel unsere Ausbildungsbasis. Hierauf befindet sich unter anderem das Internat.« Mrs. Bowlin vergrößerte das Hologramm so sehr, dass man das Gefühl hatte, auf der Oberfläche des Planeten zu stehen. Man konnte nun viele Gebäude, sowie einen riesigen Platz sehen. »Hier werden unsere zukünftigen Wissenschaftler, Physikuse und Forscher, sowie die Offiziere unserer Verteidigungsarmee ausgebildet«, erzählte Mrs. Bowlin weiter. Das Hologramm änderte sich so, als würde man sich durch die verschiedenen Gebäude bewegen.

»Es werden jedes Jahr Kandidaten von der Erde auf die Akademie berufen. Immer von einem anderen Kontinent. Um zu entscheiden, wer die Erde vertreten soll, gibt es eine Aufnahmeprüfung.« Nun kam auch Mr. Antus zu Wort. »Um an dieser Abschlussprüfung teilnehmen zu dürfen, findet eine Trainingswoche statt...« - »...und hierzu möchten wir Kai einladen«, vollendete Frau Schwartz den Satz.

Tja so war das. Kaum zu glauben, nicht wahr? Da kommen drei Typen, erzählen was von fremden Planeten, einer interstellaren Gemeinschaft und einem Internat. Und auf das soll ich gehen. Ohne mich, sag ich nur!

Jedenfalls war noch richtig was los bei uns. Mama und Papa waren völlig aus dem Häuschen. Hatten tausend Fragen. Es wurde erklärt und erklärt. Mr. Antus hatte es nicht leicht und kam ziemlich ins Schwitzen. Frau Schwartz hingegen hatte irgendwie immer eine passende Antwort.

Papa wollte erst gar nichts glauben. Als die drei ihn dann doch von der Existenz der FoP überzeugten hatten, war er trotzdem total dagegen, dass ich da mitmache. Zum Glück! Mama war da ganz anders. Sie hatten die drei ziemlich schnell auf ihrer Seite. Mama meinte, dass es ja eine tolle Chance für mich sei. Dann könnte ich ja Medizinerin, oder, wie die es nennen, Physikus werden. Obwohl sie ganz genau weiß, dass ich nicht, wie sie, Ärztin werden will. Irgendwann hat es mir gereicht und ich habe mich davongeschlichen. Das war mir dann doch ein wenig zu viel Science-Fiction.

Und dann diese Geheimniskrämerei. Wir dürfen niemanden was sagen, ansonsten werden sie die Erinnerungen löschen. Also scheinbar so, wie in dem alten Film: dann werden wir alle geblitzdingst oder so, und schwups, alle Erinnerungen sind weg. Na toll!

Möchte gerne wissen, wie sie überprüfen wollen, ob ich etwas verraten habe.

Jedenfalls haben sie uns vier Wochen Zeit gegeben, um uns zu entscheiden. Meine Antwort können die auch gleich haben: ein klares und kräftiges NEIN. Ich brauche keine Trainingswoche und schon gar nicht eine Prüfung!

So, ich gehe nun zu Sophie und erzähle ihr erst einmal von dem ganzen Blödsinn.

Kapitel 2

Sophie war vier Wochen älter als Kai und wohnte nur ein paar Straßen weiter. Vor zwölf Jahren sind sie zusammen in den Kindergarten gekommen und seit dieser Zeit waren sie miteinander befreundet. Dieses blieb auch so, als sie zusammen die Grundschule und seit fünf Jahren gemeinsam die Gesamtschule besuchten. Inzwischen waren sie die aller besten Freundinnen und vertrauten sich alles an. Egal ob es um Jungs ging, Ärger mit den Eltern oder was auch immer.

Als Kai die Gartenpforte hinter sich schloss und sich auf den Weg machte, ging ihr der Besuch immer noch durch den Kopf. ›War das komisch‹, dachte sie. ›Ich weiß immer noch nicht, ob dass alles nicht nur gesponnen ist‹.

Sie war so sehr in ihren Gedanken versunken, dass nicht merkte, dass ihr ein Junge mit seinem Dackel entgegenkam. Es war ihr Nachbar Justus, der seit ein paar Jahren heimlich in Kai verliebt war. Für Kai war er mit seinen 13 Jahren jedoch nur ein kleiner, pickliger Junge und sie ließ ihn immer links liegen. Außerdem mochte sie seinen Hund nicht. Sie fand, dass Snoopy für einen braunen Rauhaardackel nun wirklich ein bescheuerter Name war. Auch wenn Kai Justus in dem letzten Jahr gar nicht mehr beachtete, freute er sich immer, wenn er Kai sah. »Hallo Kai!«, rief er daher schon von weitem. Kai antwortete nicht, sondern ging einfach weiter. Scheinbar hatte sie ihn nicht gehört.

»Kai! Was ist? Träumst du?«, fragte Justus, als Kai ihn fast erreicht hatte.

Als Snoopy an Kais Bein hochsprang, erschrak sie und nahm jetzt auch Justus wahr.

»Nimm deinen blöden Hund weg!«, rief Kai böse.

»Mein Hund ist nicht blöde! - Er mag dich halt«, antwortete Justus und fügte in Gedanken hinzu ›...so wie ich.‹ Dabei wurde er rot. Zu seinem Glück achtete Kai wieder einmal nicht auf ihn, sondern ging einen Schritt beiseite, um von Snoopy wegzukommen.

»Ich habe keine Zeit! Lass mich zufrieden!« Kai wollte Justus schnell abwimmeln. Sie fragte sich schon länger, warum er sie bei jeder Gelegenheit vollquatschen musste. ›Kann der mich nicht endlich in Ruhe lassen?‹, dachte Kai.

Justus schaute enttäuscht und zog seinen Hund zu sich heran. »Ist ja schon gut! Sei doch nicht so zickig«, antwortete er. Kai schüttelte nur den Kopf und ging wortlos an ihm vorbei. Justus schaute hinter ihr her, bis sie in der Seitenstraße verschwunden war, zuckte noch kurz mit den Schultern und schlenderte nach Hause.

Ein paar Straßen weiter, stand Kai schon vor Sophies Haus. Nachdem Sophies ältere Schwester zum Studieren ausgezogen war, hätten sie eigentlich richtig ungestört sein können. Doch seit ein paar Wochen nervte Sophies Mutter die beiden immer wieder. So störte sie jedes Mal, nur um ihnen Tee, Saft oder Kekse anzubieten. Eigentlich ganz nett, fand Kai, aber jedoch nicht alle halbe Stunde. Immer wieder gab Sophie ihrer Mutter zu verstehen, dass sie ungestört sein wollen. Half aber nichts.

Kai hoffte, dass sie heute in Ruhe reden könnten, war sich aber nicht sicher, ob sie Sophie überhaupt ihr Geheimnis anvertrauen sollte. ›Vielleicht meinen die das ja mit dem Geheimhalten wirklich ernst‹, dachte Kai noch kurz, bevor sie klingelte.

Sophie war sofort an der Tür. »Hallo Kai! Da bist du ja endlich. Mensch, es ist gleich Mittag. Wir wollten doch schon längst los sein.«

»Ja, ja. Es hat zu Hause noch etwas gedauert«, meinte Kai knapp und schloss die Tür hinter sich. Kai zog wie gewohnt ihre Schuhe aus und beide gingen in Sophies Zimmer. Es war wie immer ordentlich und aufgeräumt. Kai wunderte sich eigentlich jedes Mal darüber. Bei Kai sah es immer chaotisch aus. Überall Klamotten, Bücher, Zettel und Zeitschriften. Und ihr Schreibtisch war eine einzige Katastrophe - wie ihr Vater immer wieder feststellen musste. Und hier: alles super. Keine Klamotten waren zu sehen, Bücher sorgfältig im Regal einsortiert, und ein Schreibtisch, an dem man wirklich arbeiten konnte. ›Naja, so ist Sophie halt. Vielleicht ergänzen wir uns ja deshalb so gut‹, dachte Kai und setzte sich neben Sophie aufs Bett.

»Ist was?«, wollte Sophie wissen, »Ärger zu Hause?«

»Nee, nee. Alles okay«, antwortete Kai schnell.

Sophie schaute Kai skeptisch an, fragte aber nicht weiter nach. »Dann lass uns aufbrechen!«, meinte Sophie und sprang auf. Als Kai sich nicht rührte und gedankenverloren in den Raum starrte, setzte sich Sophie wieder hin.

»Sag mal, da stimmt doch was nicht.«

»Ach lass nur«, meinte Kai.

»Was soll das heißen: lass nur«, erwiderte Sophie. »Dich bedrückt doch was. - Komm raus mit der Sprache.«

Als Kai immer noch nichts sagte, bohrte Sophie weiter nach. »Ist es sooo schlimm, dass du es nicht einmal mir sagen darfst?« meinte Sophie spaßig.

»Das ist es ja. Ich darf es dir wirklich nicht erzählen.« Kai war gar nicht zu Späßen zumute.

»Hä? Was darfst du mir nicht erzählen? Was soll der Blödsinn?« Sophie war überrascht.

»Das ist genau der richtige Ausdruck: Blödsinn!« Kai legt sich hin und starrte die Decke an. Sophie war nun völlig ratlos.

»Jetzt ist aber Schluss! Du erzählst mir sofort, was los ist! Verstanden?« Sophie wurde langsam sauer, dass Kai nicht mit der Sprache rausrückte.

»Okay«, sagte Kai zögerlich. »Eigentlich darf ich es dir nicht erzählen. Und ich weiß nicht, was passiert, wenn ich es doch mache«.

»Mann, ich verstehe nur Bahnhof«, sagte Sophie. »Nun erzähl schon. Was soll denn schon großartig passieren?«

Nach kurzem Zögern sagte Kai: »Aber du darfst nichts weitererzählen, auch nicht deinen Eltern.«

»Nein, ist schon klar.«

»Wirklich nicht! Es ist mir ernst! Versprochen?«, fragte Kai eindringlich.

»Jaaha, ich verspreche es!« antwortete Sophie und fragte sich, was Kai bloß angestellt hatte. Kai richtete sich wieder auf und begann endlich vom geheimnisvollen Besuch zu erzählen. Sophie hörte erst ungläubig und dann immer interessierter zu. Sie war schon immer eine gute Zuhörerin und wusste, dass sie Kai nicht unterbrechen durfte, wenn sie alles erfahren wollte.

Als Kai fertig war, saßen beide schweigend nebeneinander. Endlich brach Sophie das Schweigen.

»Wirklich nicht zu glauben! Außerirdische? Gemeinsame Schule? Und du darfst da hingehen?«

»Nein, nein. Ich darf bei den Ausscheidungen mitmachen, mehr nicht«, antwortete Kai. »Aber ich will eigentlich sowieso nicht«, fügte sie schnell hinzu.

»Was?« Sophie war entsetzt. »Bist du meschugge? So eine Chance willst du dir entgehen lassen?«

»Jetzt fang du nicht auch noch an. Da reicht schon meine Mutter«, entgegnete Kai schroff. Doch kurz darauf fügte sie leise zu, »aber dann können wir ja nicht mehr zusammen sein.«

»Du willst doch sowieso nach der Zehnten abgehen und ich werde das Abi machen. Dann sind wir auch nicht mehr zusammen auf der Schule«, entgegnete Sophie. Kai schwieg.

»Außerdem, beste Freundinnen bleiben beste Freundinnen, egal was passiert«, fügte Sophie hinzu.

»Jaja, du hast ja Recht. Aber etwas unwohl ist mir schon bei dem Gedanken«, meinte Kai. »Am besten wäre es natürlich, wir könnten beide auf diese Schule.«

Sophie war von dem Gedanken begeistert.

»Genau! Sprich doch mal mit dieser Frau Schwanz...«

»Schwartz, mit tz«, unterbrach sie Kai.

»...meinetwegen auch das. Vielleicht kann ich ja mitmachen.«

Kai schaute zunächst hoffnungsvoll, aber plötzlich verfinsterte sich ihr Blick. »Das geht nicht. Ich darf dir doch gar nichts erzählen.«

»Siehst du, noch besser. Jetzt wo ich sowieso schon Bescheid weiß, kann ich auch gleich mitmachen«, sagte Sophie.

»Naja, ich weiß nicht. Aber fragen kostet ja nichts.« Kai sah nun wieder etwas fröhlicher aus.

Den restlichen Nachmittag schmiedeten beide einen Plan nach dem anderen, um die FoP zu überzeugen, dass Sophie mitmachten konnte. Dass sie eigentlich shoppen gehen wollten, haben beide dabei vergessen. Scheinbar hatte auch Sophies Mutter nicht mitbekommen, dass sie noch da waren, denn wie durch ein Wunder, wurden sie die ganze Zeit nicht gestört.

»Oh, es ist ja schon gleich vier. Ich muss nach Hause. Wir wollen noch zu meinen Großeltern«, rief Kai plötzlich.

»Ja, schon gut. Ich muss auch noch meinem Vater helfen. Er will den Pool aufbauen. Ein bisschen kalt dafür, find' ich«, antwortete Sophie.

»Aber es soll ja bald warm werden. Oh, jetzt waren wir ja doch nicht shoppen«, fiel Kai ein, »nächste Woche, okay?«

»Okay«, antwortete Sophie.

Kai und Sophie gingen in den Flur. Als Kai sich gerade ihre Schuhe anzog, wurde die Haustür geöffnet. Sophies Mutter kam nach Hause und war mit Tüten vollbepackt.

»Hallo ihr beiden. Ich habe mich leider verspätet und mich gar nicht bei dir gemeldet«, sagte sie und schaute dabei Sophie entschuldigend an.

›Wir haben gar nicht gemerkt, dass du weg warst‹, dachte Sophie und sagte: »Macht gar nichts. Kai will gerade nach Hause.«

»Okay. Dann mach‘s gut Kai. Ich bringe mal die Einkäufe in die Küche.« Sophies Mutter verschwand in die Küche und man hörte sie rufen: »...und grüß deine Eltern!«

»Mach' ich«, antwortete Kai. Sophie verdrehte die Augen und Kai versuchte ein Lachen zu unterdrücken.

»Tschau, und sieh mal zu, dass du die Typen der FoP erwischt«, meinte Sophie und hielt die Tür auf.

»Ich versuch' mein bestes. Tschüss, bis Montag«, antwortete Kai beim Gehen.

»Und sei überzeugend!« rief Sophie ihr hinterher.

»Jaja«, rief Kai zurück.

In Gedanken schlenderte sie die Straße entlang, als sie plötzlich eine Stimme hinter sich hörte.

»Na Kai. Ein bisschen geplaudert?«

Erschrocken drehte sich Kai um. Direkt vor ihr stand Frau Schwartz.

Kapitel 3

Eric Nyström war seit vielen Jahren Wirtschaftsminister der FoP. Und das, obwohl er von der Erde kam. Schon als junger Wissenschaftler war er auf der Erde einer der Besten. Daher wurde die FoP vor langer Zeit auf ihn aufmerksam und sie konnten ihn nach einigem hin und her für eine Mitarbeit im Ministerium bewegen. Damals gab es nicht wenige, die aufgrund seiner Herkunft skeptisch waren. Doch mit den Jahren schaffte er es, sie alle von sich zu überzeugen. Und als der alte Minister in den Ruhestand ging, war es für alle nur selbstverständlich, dass er den Posten übernahm.

Wie fast jeden Tag, verbrachte Nyström die meiste Zeit in seinem Büro. Für die FoP war sein Büro recht ungewöhnlich eingerichtet, da er es verstand, alte Dinge mit neuen zu kombinieren. Nyström residierte hinter einem riesigen Schreibtisch. Dieser war aus schwerem, dunklem Holz und mit allem bestückt, was die Technologie derzeit hergab. Die Bilder an der Wand waren so angebracht, dass Nyström sie gut im Blick hatte. Statt der üblichen digitalen Bilder, erfreute er sich an echten Ölgemälden, die erstklassige Reproduktionen von berühmten Kunstwerken waren. Es wurde gemunkelt, dass das eine oder andere sogar ein Original sein sollte. Durch die vielen Pflanzen, die seinen Schreibtisch und die Besprechungsecke einrahmten, wirkte sein Büro irgendwie gemütlich. Nyström war stolz auf seine verschiedenen Sträucher und Blumen und pflegte sie mit viel Hingabe.

Über diese ganzen Absonderlichkeiten wunderten sich seine Kollegen inzwischen schon lange nicht mehr.

»Herr Minister? Mr. Prumtus möchte Sie sprechen.« Seine Sekretärin erschien auf einem der vielen Bildschirme vor ihm. Nyström schaute auf.

»Dann schieben Sie ihn auf Nummer 3«, sagte er kurz angebunden und schaute wieder auf einen Bildschirm in seiner Schreibtischplatte.

»Nein, nein! Er ist hier und möchte Sie persönlich sprechen.«

Nyström schaute verwundert auf. Wieso will ihn jemand persönlich sprechen, fragte er sich. Normalerweise kommunizierte man in der Geschäftswelt ausschließlich digital. Persönliche Gespräche waren ungewöhnlich, denn schon wegen der großen Entfernungen der Planeten war ein persönliches Treffen nur mit erheblichem Aufwand möglich. Eigentlich traf man sich nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und man ungestört unter vier Augen sprechen musste. Oder man traf sich zum Essen; das funktionierte auch hier, wie es Nyström von der Erde gewohnt war.

»Das heißt, er ist hier?«, fragte er irritiert.

»Ja, Herr Minister. Er will Sie persönlich sprechen«, antwortete seine Sekretärin etwas verlegen, »er meint, es sei wichtig.«

Nyström zögerte kurz. »Sagen Sie ihm, es dauert noch einen Moment!«

Prumtus war einer der Vizepräsidenten von WRC, der World Recover Company, einem gigantischen Unternehmen, das auf fast allen Planeten der FoP tätig war. Die WRC war eines der wenigen Unternehmen, dem es genehmigt wurde, notwendige Bodenschätze zu gewinnen. Eine ihrer Spezialität war es, auf unbewohnten Planeten Gase in Energiestoffe umzuwandeln. Alle diese Tätigkeiten mussten vom Wirtschaftsministerium genehmigt und anschließend überwacht werden.

Minister Nyström konnte Prumtus nicht leiden. Für ihn war er einer, dem es ausschließlich auf den Profit ankam und dafür über Leichen gehen würde. Ein Verhalten, dass Nyström noch allzu gut von der Erde kannte. Er nervte Nyström seit geraumer Zeit mit einer Liste an Planeten, die man ausbeuten sollte. Zwar wären die Erträge enorm, doch es hätte einen erheblichen Einfluss auf das Leben auf diesen Planeten. Daher kam dieser Plan für den Minister nicht in Frage. Nyström fragte sich, ob das der Grund von Prumtus Besuch sein konnte. Bei dem Gedanken verfinsterte sich sein Gesicht und er überlegte, Sallak, den Präsidenten der WRC, anzurufen. Nyström und Kalim Sallak waren schon seit Jahren gute Bekannte, vielleicht könnte man sogar sagen, dass sie Freunde waren. Umso mehr wunderte sich Nyström, dass Sallak den Besuch nicht erwähnt hatte. Er wollte gerade seine Sekretärin bitten, eine Verbindung herzustellen, als ihm einfiel, dass Sallak derzeit nicht zu erreichen war. Daher verwarf er die Idee und sagte stattdessen: »Prumtus kann reinkommen!«

Langsam öffnete sich die riesige Tür und Prumtus kam in seiner gewohnt arroganten Art in den Raum. Ohne zu zögern durchschritt er den Raum und stellte sich direkt vor Nyströms Schreibtisch.

»Guten Tag, Herr Minister«, sagte Prumtus in einer gespielt freundlichen Art.

»Guten Tag, Prumtus«, antwortete Nyström ohne aufzuschauen.

»Ich möchte ...«, begann Prumtus, doch Nyström hob die Hand, um ihn zu stoppen. Prumtus grinste und schwieg. Nyström ließ ihn noch einen Augenblick warten, bis er aufschaute.

»Ich habe wenig Zeit. Was führt Sie zu mir?«

»Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir uns persönlich sprechen«, antwortete Prumtus. Nyström machte keine Anstalten, ihm einen Platz anzubieten.

»Die WRC hat Ihnen nun des Öfteren eine Liste zur Freigabe vorgelegt«, begann Prumtus. Als Nyström nicht reagierte, sprach er weiter. »Wir sind der Überzeugung, dass diese Projekte gestartet werden müssen. Es geht um die Energieversorgung des nächsten Jahrhunderts für uns alle.«

»Nein!«, widersprach Nyström, »es geht um den hohen Profit, den Sie daraus schlagen wollen!«

»Herr Minister, was soll denn das? Natürlich wollen wir auch etwas verdienen. Aber es geht um unsere gemeinsame Zukunft«, antwortete Prumtus.

»Das ist doch Humbug! Das wird nicht geschehen, dass wissen Sie genau. Das Ministerium wird hierfür keine Erlaubnis erteilen«, widersprach Nyström erneut. »Weiß eigentlich Sallak von Ihrem Plan?«

»Vergessen Sie Sallak! Der alte Mann weiß doch gar nicht mehr, wo es lang geht. Der ist Geschichte!«, antwortete Prumtus. »Wir sind es, mit denen Sie sprechen müssen.«

»Was bilden Sie sich ein? Und wen meinen Sie mit ›wir‹?«, fragte Nyström. Er wurde langsam ungeduldig.

»Eine Gruppe mächtiger Männer. Männer, die Sie nicht zum Feind haben möchten!«, antwortete Prumtus.

»Wollen Sie mir etwa drohen?«, fragte Nyström.

»Wir drohen nicht. Wir finden immer Mittel und Wege unsere Interessen durchzusetzen.« Plötzlich nahm Prumtus ein Bilderrahmen vom Schreibtisch und betrachtete kurz das Bild.

»Ach, ist das nicht Ihre Nichte? Wie ich gehört habe, will sie die Aufnahmeprüfung zum Internat ablegen«, wechselte Prumtus das Thema.

»Was soll das denn jetzt? Stellen Sie gefälligst das Bild wieder hin!« Nyström war rot geworden.

»Immer mit der Ruhe Nyström! Sonst platzen Ihnen noch ein paar Adern. Und das wollen wir ja nicht! Wir brauchen Sie noch.«

Nyström sprang auf. Doch bevor er etwas sagen konnte, sprach Prumtus weiter: »Ich meine ja nur, dass die Prüfungen ziemlich gefährlich sind und schon mal ein Unfall passieren kann.«

Nyström brauchte einen Augenblick, bis er verstand, was Prumtus meinte.

»Raus hier! Aber sofort!«, brüllte er wild gestikulierend. »Sie Lackaffe kommen hier in mein Büro und drohen mir? Das wird Konsequenzen haben!«

Prumtus fing wieder an zu grinsen, drehte sich um und ging. Kurz bevor er die Tür erreichte, drehte er sich noch einmal zu Nyström.

»Überlegen Sie es sich gut. Ein paar Wochen Bedenkzeit gebe ich Ihnen noch. Und passen Sie schön auf sich auf!«

Bevor Nystöm noch etwas entgegnen konnte, hatte Prumtus den Raum schon verlassen. Nyström ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Für einen Moment war er sprachlos. Er wollte gerade seine Sekretärin rufen, als sein Blick auf den Nachrichtenbildschirm fiel. Er verharrte in seiner Bewegung und wurde blass. Entsetzt schaute er auf die Topmeldung, die permanent über den Bildschirm lief:

»Präsident der WRC vermisst - Ein Absturz wird vermutet - Ist Kalim Sallak tot?«

Kapitel 4

›Oh Mann, was macht die denn hier?‹ dachte Kai.

Frau Schwartz schaute sie streng an.

»Hatten wir dir nicht gesagt, dass du über die Angelegenheit schweigen sollst!« Frau Schwartz Stimme war nun gar nicht mehr piepsig, sondern hatte einen gefährlichen Unterton.

›Die kann gar nichts wissen. Das geht doch gar nicht!‹, dachte Kai. Sie traute sich aber nicht, zu antworten.

»Hast wohl geglaubt, wir würden es nicht merken, wenn du deiner Freundin alles erzählst.« Kai fiel nichts Sinnvolles ein, was sie Frau Schwartz entgegnen sollte.

»Komm, ich begleite dich nach Haus«, sagte Frau Schwartz nun etwas freundlicher. »Wir müssen scheinbar noch einmal miteinander reden.«

Schweigend gingen sie die kurze Strecke neben einander. Kai grübelte, wie sie sich rechtfertigen könnte.

Vor ihrer Haustür meinte Frau Schwartz, »So, lass uns reingehen, damit wir ungestört reden können.«

So langsam fand Kai ihre Sprache wieder. »Das wird meinen Eltern aber gar nicht gefallen. Wir wollen nämlich gleich los «.

»Ja, zu deinen Großeltern, ich weiß«, sagte Frau Schwartz. Nun war Kai völlig verwirrt.

›Die haben mich abgehört‹, dachte sie, ›die spinnen wohl!‹

Langsam holte Kai ihren Schlüssel aus der Tasche. »Sagen Sie mal, Sie können mich doch nicht einfach so abhören!«, meinte Kai entrüstet.

Frau Schwartz fing an zu lächeln. »Ach Kai, wenn du wüsstest, was wir alles können«, meinte sie geheimnisvoll, »nun los, schließ auf!« Inzwischen war es wieder die alte piepsige Stimme.

Kai schloss auf und beide betraten gerade den Flur, als Kais Vater aus der Küche kam. »Hallo Kai, da bist ...«, Kais Vater stockte, als er Frau Schwartz sah.

»Was wollen Sie denn schon wieder?«, fragte er überrascht.

»Leider gab es durch Kai eine ernste Verfehlung«, antwortete Frau Schwartz. Kais Vater sah sie irritiert an.

»Sie konnte nicht schweigen«, ergänzte Frau Schwartz.

»Mensch, Kai! Was soll denn das? Spinnst du? Du hast doch gehört, wie ernst die es meinen!«, schimpfte Kais Vater los.

Frau Schwartz hob beschwichtigend die Hand, um Kais Vater zu stoppen. Dieser schaute nun Frau Schwartz an. »Und was passiert nun?«, fragte er.

»Das werde ich gleich mit Kai unter vier Augen klären.« Als Kais Vater besorgt schaute, fügte sie hinzu, »Keine Sorge, ich werde ihr schon nicht den Kopf abreißen. Kai muss aber verstehen, dass das alles kein Spiel ist«. Zu Kai gewandt sagte sie, »So, nun lass uns endlich in dein Zimmer gehen.«

Kais Vater ließ beide in Kais Zimmer verschwinden, ohne noch ein Wort zu sagen.

»Wir möchten nicht gestört werden!«, sagte Frau Schwartz sehr bestimmend und schloss die Zimmertür hinter sich.

Frau Schwartz schaute sich im Zimmer um. Neben einem Bett, das voller Kuscheltiere war, gab es ein Sofa und einen Sessel, die einen Tisch einrahmten. Frau Schwartz konnte sich aber nirgends setzen, da auf beiden Klamotten verteilt waren.

»Na, die Ordentlichste bist du ja nicht gerade«, sagte Frau Schwartz etwas spöttisch.

»Oh ja, entschuldigen Sie«. Kai räumte schnell ein paar Sachen vom Sessel und vom Sofa. Nachdem sich Frau Schwartz auf das Sofa gesetzt hatte, nahm Kai auf dem Sessel Platz. Interessiert schaute Frau Schwartz auf Kais Schreibtisch.

›Mist, den hätte ich mal aufräumen sollen‹, dachte Kai, als sie merkte, was Frau Schwartz betrachtete. Aber Frau Schwartz schaute sich weiter um, ohne was zu sagen. Sie betrachtete nun die Poster an der Wand: ein riesiges mit einem Pferd und eines von der Fußballnationalmannschaft.

»Du interessiert dich für Fußball?«, fragte Frau Schwartz.

»Ja, ein wenig. Ab und zu schaue ich mir mit Papa ein Spiel an«, antwortete Kai. »So, so«, meinte Frau Schwartz und schwieg wieder. So langsam wurde es Kai unheimlich und sie rutschte unruhig auf ihrem Sessel hin und her.

Frau Schwartz' Blick blieb nun an einem im Regal aufgestellte Bild hängen. Es zeigte zwei Mädchen im Alter von ungefähr 10 Jahren, die von Herzen in die Kamera lachten.

»Das bist du mit Sophie, nicht wahr? Sophie hatte damals genauso lange blonde Haare wie du«, stellte Frau Schwartz fest. »Sind sie inzwischen nicht braun?«, fragte sie Kai.

»Eher so 'n rotbraun. Und sie trägt sie nun kurz«, antwortete Kai.

»Ach ja, stimmt«, meinte Frau Schwartz und verfiel erneut in ein Schweigen.

Kai hielt es nicht mehr aus: »Bitte, können sie nun endlich anfangen?«

»Womit?«, fragte Frau Schwartz während ihr Blick immer noch durch das Zimmer schweifte.

»Na, mit dem blitzdingsen, meckern oder was auch immer«, antwortete Kai.

»Meckern? Ich will nicht meckern.« Frau Schwartz sah nun Kai streng an. »Ich will dir nur noch einmal klar machen, dass du wirklich schweigen musst. Niemand, ich wiederhole, niemand darf etwas davon erfahren!« Kai schaute verschämt auf den Boden.

»Ja, aber Sophie ist doch meine beste Freundin«, antwortete sie kleinlaut.

»Ist mir schon klar. Und du bist ja auch nicht der erste Fall, bei dem das passiert ist.« Kai schaute etwas erleichtert auf.

»Und kann nun Sophie vielleicht auch mit machen? Sie weiß ja nun alles«, meinte Kai. Frau Schwartz fing an zu lächeln.

»Dazu kann ich dir nur zwei Dinge sagen. Ersten: Nein, kann sie nicht! Du bist ausgewählt worden. Und zwar ohne eine Freundin. Und zweitens: Deine Freundin weiß nichts mehr von dem Gespräch.« Kai schaute Frau Schwartz fragend an.

»Wie wir vorhin ja gesagt haben, löschen wir die Erinnerung, wenn doch mal was durchgedrungen ist. Mrs. Bowlin hat sich in der Zwischenzeit darum gekümmert«, klärte Frau Schwartz auf. Als Kai nun besorgt schaute, fügte sie schnell hinzu, »keine Angst, dabei passiert nichts. Sophie denkt nun, dass ihr euch über die Schule oder sonst irgendetwas unterhalten habt. Mehr passiert nicht.« Kai sagte immer noch nichts, so dass Frau Schwartz weitersprach. »Aber Kai, das ist die letzte Verwarnung. Solltest du noch einmal etwas ausplaudern, dann bist du raus und wir löschen bei dir und deinen Eltern die Erinnerungen. Wir waren dann halt niemals da.« Nachdem Kai nichts sagte, fragte Frau Schwartz, »oder willst du gar nicht mitmachen? Dann können wir auch gleich loslegen mit dem Löschen.« Kai dachte einen Augenblick nach.

»Ja, äh, nein, äh, ich weiß es noch nicht«, sagte sie schließlich. Erneut musste Frau Schwartz lächeln. »Keine Bange. Du hast genug Zeit, um dir zu überlegen, ob es überhaupt für dich in Frage kommt«, sagte sie zu Kai. »So, ich glaube, wir haben alles besprochen, oder?« fragte Frau Schwartz Kai.

›Naja, alles besprochen kann man nicht gerade sagen‹, dachte Kai, doch sie sagte, »ich glaube schon.«

»Schön, dann will ich mal wieder«, sagte Frau Schwartz und stand auf. Kai folgte ihr und gemeinsam gingen sie zur Haustür. Von Kais Vater war dieses Mal nichts zu sehen.

»Und Kai, ab jetzt bitte Schweigen. Versprochen?«

»Ja, ich werde mich daran halten«, antwortete Kai.

»Gut! Dann bis in vier Wochen. Mach's gut und grüß deine Eltern.«

»Werd' ich machen. Tschüss.«

Als Frau Schwartz die Gartenpforte öffnete, schloss Kai erleichtert die Tür.

Kapitel 5

Tja, da hab‘ ich wohl noch mal Glück gehabt. Gab ja nicht wirklich Ärger. Scheint ja des Öfteren zu passieren, dass jemand quatscht.

Aber das mit Sophie ist natürlich echt blöd. Mann, da haben die ihr das Gedächtnis gelöscht. Ich habe sie gleich, nachdem die Schwartz weg war, angerufen. Sophie war schon verwundert, dass ich gefragt habe, worüber wir eigentlich gesprochen hatten. Naja, jedenfalls weiß sie nun nichts mehr. Echt Mist!

Was soll ich nur jetzt machen? Alleine zu dem Training gehen? Oder gleich absagen?

Sophie hat ja schon Recht, dass das eine tolle Möglichkeit wäre. Aber auf einem fremden Planeten? Ganz alleine? Ach nee. Und wie kommt man da überhaupt hin? Ich denke, das geht gar nicht.

Ich weiß nicht. Aber ich habe ja jede Menge Zeit, mich zu entscheiden.

Die Zeit verging aber schneller, als es Kai für möglich gehalten hatte. Denn so kurz vor den Ferien standen einige Klassenarbeiten an, so dass bei Kai ganz andere Dinge im Kopf herumschwirrten.