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Lass Dich auf die spannenden, wundervollen chinesischen Märchen ein, dann wirst Du gut unterhalten sein. Sie handeln von: Einer Zauberflöte und einem Zauberboot, die helfen können aus der Not. Einem goldenen Huhn, das singt bei Nacht und einem Fährmann, der nachts nur seine Fahrten macht. Drei Wunderdingen, die aus Liebeswahn, ein Bursche nicht zusammenhalten kann. Einem greisen Mann, der alle Fragen beantworten kann. Berggeist, Drachen, Zauberschwert sind gewiss erwähnenswert. Und noch viel mehr und noch viel mehr ...! Eines steht schon am Anfang fest, dass sich das Kluge, Gute niemals von dem Dummen, Bösen besiegen lässt!
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Seitenzahl: 200
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Freut Euch auf…
Die vier Fragen
Die Zauberflöte
Das Zauberboot
Schi Yungs Heirat
Die Suche nach der Geliebten
Die drei goldenen Haare
Der Schmied Wang Schi
Die drei Wunderdinge
Zwei alte Freunde
Die Autoren
Bisher erschienen sind
Die vier Fragen
Einen jungen Bauern
treiben zwei Fragen um:
»Warum ist das Wasser im See
ständig in Bewegung und trotzdem trübe?
Warum arbeite ich ununterbrochen
und lebe trotzdem schlecht, bin immer müde?«
Dass er sie nicht beantworten kann,
das findet er dumm!
So macht er sich auf den Weg zu einem Weisen dann,
der, wie man sagt, alle Fragen beantworten kann.
Unterwegs trifft er eine alte Frau, einen alten Mann
und einen Drachen, auf seinem Wege an.
Als sie hören, dass er zu dem Weisen möchte gehn,
gaben sie ihm zu verstehn,
dass er bitte auch ihre Fragen stellen soll.
Er sagt zu, sie finden es toll!
Wollt ihr wissen, welche Fragen das sind
und welche Antworten der Weise find’t,
und was das mit dem Bauern macht?
Dann lest das Märchen und gebt acht ...!
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Die Zauberflöte
Ein armer Bursche, ledig und allein,
geht an jedem Tag in den Wald hinein,
um dort Holz zu schlagen.
Die schwere Arbeit bringt keine Klagen,
doch traurig fühlt er das Alleinesein.
Er findet eine Flöte im grünen Gras,
spielt darauf, das macht ihm Spaß.
Bald schon merkt er, dass sein Spiel nicht nur ihm gefällt,
nein, es bringt Glück und Frohsinn in die Welt.
Am Flusse trifft er einen bösen alten Mann,
den man als Geist und Zauberer benennen kann.
Leider merkt der Bursche nicht,
dass der Alte auf seine Liebste ist erpicht ...!
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Das Zauberboot
Ein alter Mann von einer Brücke fällt,
in eines reißenden Flusses Nass!
Ein junger Mann springt hinterher
und rettet ihn, weil jede Vorsicht er vergaß.
Aus Dankbarkeit schenkt der Alte ihm ein
Zauberboot aus Papier, ganz klein.
Dazu einfache Worte im Reim,
die sollen ihn aus des Flusses Fluten einst befrein ...!
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Schi Yungs Heirat
Ein Untier führt des Kaisers dritte Tochter fort,
zu einem unbekannten Höhlenort.
Schi Yung, ein Holzfäller, ist Zeuge dieser Tat,
weil er die Entführung beobachtet hat.
Noch am selben Tag der Kaiser
Plakate aushängen lassen mag.
Darauf stand geschrieben,
dass er seine Tochter vermisst,
die er so sehr tat lieben
und dass der, der sie zurück ihm bringt,
weil er das Untier wohl bezwingt,
ihm als Schwiegersohn willkommen ist!
Schi Yung meldet sich als Retter an,
weil nur er die Höhle finden kann ...!
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Die Suche nach der Geliebten
Zwei junge Menschen lieben sich
und sie wahrhaft schwören,
sich niemals zu lassen im Stich!
Sie wollen nur einander gehören.
Doch der Eltern Entscheid fällt anders aus:
Sie suchen der Tochter, aus finanziellen Gründen,
einen ganz anderen Bräutigam aus!
Als mit Gewalt sie zu ihm wird transportiert,
ein großes, ungeahntes Unglück passiert.
Sie wird von einem bösen Geist entführt ...!
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Die drei goldenen Haare
Der Bursche Ming wollte eine Braut sich frein.
Da fiel der geizigen Brautmutter
eine schier unlösbare Aufgabe für ihn ein.
Drei goldene Haare von Buddha
sollte er aus dem Paradiese holen,
entweder geschenkt oder gestohlen!
Schafft’ er es nicht fein,
wird von Hochzeit keine Rede mehr sein!
Meilenweit ist er gegangen,
so haben tolle Abenteuer angefangen.
Sie handeln von einem goldenen Huhn,
das singt in jeder Nacht,
von Reiskörnern, so groß wie Erdnusskerne,
durch die die Fresslust von zwei Phönixen erwacht.
Und von einem Fährmann
der nur des Nachts über das Meer fahren kann ...!
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Der Schmied Wang Schi
Wang Schi begegnet einem alten Schmied,
der mit seinem Werkzeug durch die Lande zieht,
mit Freundlichkeit und sehr bescheiden.
Drum mag der Alte, der auch zaubern kann,
den Burschen gerne leiden!
Er soll des Meisters Lehrling sein.
Weil er stets wissbegierig und fleißig,
stellt ihn der Meister ein.
Als sie sich trennen müssen irgendwann,
schenkt der Alte ihm ein Zaubersäckchen dann.
Nun fangt die Spannung erst richtig an ...!
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Die drei Wunderdinge
Ein Bauernbursche vollbringt eine gute Tat,
weil er einem Füchslein,
dessen Leben, gegen angriffslustige Hunde,
verteidigt und gerettet hat.
Dafür wird er mit drei Wunderdingen belohnt.
Es handelt sich um eine Hacke,
einen Fächer und eine Wattejacke,
deren Besitz sich ganz sicher lohnt!
Man könnte meinen, was soll daran ein Wunder sein?
Doch seid gewiss, die Wunder stellen sich sehr bald ein ...!
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Zwei alte Freunde
Einst gab es zwei Freunde auf dieser Welt.
Weil es dem Schicksal so gefällt,
war der eine besser als der andere gestellt.
Was den Neid des Bösen alsbald hat hervorgebracht
und darum hat er den Guten einfach umgebracht!
Doch die Tat war ihm missglückt,
weil der Freund war ganz geschickt!
Er überlebte, doch alles,
was er besaß, hat er verloren!
All das durchzustehen,
hatte er sich geschworen!
Auf seinem Irrweg kam er
bei einem Berggeist an.
Er klagte diesem sein Leid
und bat um dessen Hilfe dann.
Der Berggeist wies ihn an:
»Steige auf diesen Baum.
Verzichte auf Schlaf und Traum.
Erlausche, was man des Nachts
unter dir spricht.
Merke es dir und vergesse es nicht!
Das wird dir helfen, ganz gewiss!«
Der Berggeist sich ganz sicher ist ...
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Vor langer, langer Zeit ist es gewesen,
da lebte an einem Berge, an einem See,
eine Mutter mit ihrem Sohn,
geradezu viele Jahre schon.
In des Sommers Sonne und des Winters Schnee.
Die Mutter war alt, gebrechlich und
und sie konnte und konnte nicht genesen!
Ihr Sohn war fleißig, Gott sei Dank.
Von früh bis spät ist er stundenlang,
arbeitend auf ihrem kleinen Feld gewesen.
Der Acker war gepachtet, von einem reichen Mann,
der von der Pacht, die der Sohn bezahlen muss,
reicher und reicher werden kann!
Trotz der fleißigen Arbeit hatten sie selbst wenig zu essen,
durften den Hunger an keinem Tag vergessen!
Auch warm kleiden, konnten sie sich im Winter nicht,
darum litt die Mutter an Rheuma und an Gicht!
Der junge Mann fragte sich sehr oft,
die Frage kam meist unverhofft:
»Warum ist das Wasser im See
ständig in Bewegung und dennoch trübe?
Warum arbeite ich ununterbrochen
und lebe trotzdem schlecht, bin immer müde?
Ach könnte ich doch darauf eine Antwort erhalten.
Egal ob von einem Jungen oder einem Alten.«
Als die Mutter das vernahm,
sie auf eine Idee gleich kam.
Sie erinnerte sich an Großvaters Spruch, den er immer hat gesagt,
wenn jemand auf eine Frage keine passende Antwort hat:
»Wenn man Fragen nicht beantworten kann,
muss man in den Westen gehen,
zu einem weißbärtigen, steinalten Mann.
Weise ist er und belesen,
an hohen Schulen gar gewesen.
Wusste was die Welt, im Innersten zusammenhält,
und kann jede Frage beantworten,
die jeder, der zu ihm kommt, dann stellt!«
Der junge Mann war ein Freund von schnellen Entschlüssen.
Darum wird er den Alten wohl aufsuchen müssen.
Vorräte brachte er ins Haus,
die für das Überleben der Mutter reichen aus,
wenn er längere Zeit auf Reisen ist.
Daran dachte er, weil er seine Mutter nie vergisst!
Dann nahm er Abschied, um den alten Mann zu suchen.
Die Mutter packte ihm noch ein,
für seinen Weg, einen Rest vom Kuchen.
Sieben mal sieben Tage ist er gegangen.
Nach Westen, denn dorthin wollte er gelangen.
Am Hause einer alten Frau hielt er an,
weil er vor Durst und Hunger nicht mehr weiter gehen kann.
Die Alte führte ihn in ihr Haus,
holte die kargen Speisen, die sie besaß, heraus.
Und teilte das, was selbst für sie allein nicht hätte gereicht!
Sie tat es gern und nahm es leicht.
Sie fragte: »Was hast du vor, wo willst du hin?«
Er antwortete: »Hab nur den weisen alten Mann im Sinn,
der auf jede Frage eine Antwort weiß.«
Das sagte er sehr müde und leis’.
»Ich will ihn fragen, warum das Wasser im See
ist ständig in Bewegung und dennoch trübe
und warum ich ununterbrochen arbeite
und lebe trotzdem schlecht, bin immer müde?«
Als die Alte das hörte, sagte sie:
»Bitte stelle auch für mich bei dem Alten eine Frage«,
sie war verbunden mit einer Klage.
»Meine Tochter ist achtzehn Jahre jung und schön,
doch kein Wort sprach sie bisher, wie nur konnte das geschehn?«
»Es ist versprochen, ich frage den Alten danach!«
Dies der junge Bursche sprach.
Er blieb bei ihr nur eine Nacht,
dann hat er sich wieder auf den Weg gemacht.
Erneut lief er sieben mal sieben Tage.
Erschöpft war er, gar keine Frage.
Beim Hause eines alten Mannes hielt er an
und fragte nach Essen und Trinken
und danach, ob er eine Nacht wohl bleiben kann.
Der Alte bewirtete ihn sehr nett,
dann zeigte er ihm sein Ruhebett.
»Du bist verschwitzt und so in Eile.
Wo willst du hin? Ein paar Tage doch verweile!«
»Ich gehe zu dem alten Mann,
der, wie man sagt, eine jede Frage beantworten kann.
Ich will ihn fragen, warum das Wasser im See
ständig in Bewegung ist und dennoch trübe
und warum ich ununterbrochen arbeite
und lebe trotzdem schlecht, bin immer müde?«
Da sagte der Alte: »Du kommst mir gerade recht!
Eine Frage auch für mich zu stellen, fände ich nicht schlecht!
Üppig wächst mein Mandelbaum,
hat grüne Blätter, welch ein Traum.
Doch Früchte hat er nie getragen.
Warum das so ist, könntest du den klugen Alten fragen!«
»Es ist versprochen, ich frage den klugen Alten danach!«
Dies der junge Bursche versprach.
Am Morgen, als er aufgewacht,
hat er sich wieder auf den Weg gemacht.
Westwärts, immer westwärts schritt er aus,
dann kam er aus einem Wald heraus
und hörte ein fürchterlich’ Gebraus!
Er kam an einen reißenden, breiten Fluss,
was ja irgendwann einmal wohl geschehen muss!
Eine Brücke gab es nicht,
auch eine Fähre war nicht in Sicht!
So setzte er sich auf einen Stein
und Trübsal blasen fiel ihm ein!
Nach einer Weile kam ein Drache geschwommen an:
»He, Bursche, wohin willst du gehen?«
»Ich gehe nach Westen, zu dem alten Mann,
der, wie man sagt, eine jede Frage beantworten kann.
Ich will ihn fragen, warum das Wasser
in unserem See ständig in Bewegung ist und dennoch trübe
und warum ich ununterbrochen arbeite
und lebe trotzdem schlecht, bin immer müde!«
»Magst du auch für mich eine Frage stellen?
Schon tausend Jahre schwimme ich, in des Flusses Wellen.
Ich würde gerne dazu neigen,
fliegend zum Himmel emporzusteigen!
Ich habe niemand etwas getan.
Wer oder was hindert mich daran,
dass ich leider nicht fliegen kann?«
»Wenn ich ihn treffe, dann frage ich danach!«
Dies der Bursche freundlich dem großen Drachen versprach.
Da trug der Drache den jungen Mann
schwimmend über den Fluss,
weil er ihm behilflich ist
und weil er nach Westen weiter wandern muss!
Nur einen Tag ist er gegangen,
da konnte er schon in eine mächtige, alte Stadt gelangen.
Einen Torhüter fragte er,
ob er wohl so freundlich wär,
ihm zu sagen, wo der kluge alte Mann,
wohl im Westen wohnen kann?
So wurde er in eine prächtige Halle gebracht,
in deren Mitte saß der Alte auf einem Thron
und hat einen respektablen Eindruck gemacht.
Ein Lächeln stand ihm im Gesicht:
»Was hat dich hergeführt?«, diese Frage er ausspricht.
»Vier Fragen habe ich an dich!
Um deine Antworten bitte ich.
Denn ich bin sehr weit gegangen,
um Antworten von dir zu empfangen!
Man sagte mir, du sollst der Weise sein,
dem auf jede Frage eine Antwort fällt ein!«
»Gut, stell deine Fragen«,
sagte der Alte, »dann werde ich dir
meine Antworten sagen.
Aber meine Regeln musst auch du einhalten,
weil sie schon immer galten!
Du kannst eine Frage stellen mir,
aber niemals zwei, das sage ich dir.
Gerne auch drei, aber nicht vier!
Die Zahl der Fragen muss immer ungerade sein!
Halte diese Regel bitte ein!
Bist du wegen Antworten auf vier Fragen gekommen,
dann wird eine weggenommen!
Welche Frage am wenigsten wichtig ist, überlege dir genau,
das wäre wirklich schlau!«
Nun war der junge Mann in Verlegenheit.
Es blieb ihm auch nicht unendlich viel Zeit.
Er überlegte hin und überlegte her,
welche Frage nicht so wichtig wär?
Dürfen es nur drei Fragen sein?
Dann muss ich die der anderen stellen!
Meiner Frage den Vorzug zu geben,
wäre sicherlich sehr gemein!
An die, die auf meinem Weg mir Gutes taten,
mag zuerst ich denken,
damit ich sie auf dem Heimweg dann,
durch des Weisen Antworten, sicher auch gut beraten kann
und sie auf den richtigen Weg kann lenken!
Meine Frage stelle ich hinten an!
So wurden die Fragen der alten Frau,
des alten Mannes und des Drachens gestellt.
In allen Einzelheiten hat der weise Mann ihm nun
seine ausführlichen Antworten erzählt!
Als er an den Fluss dann kam,
sah ihn der Drache wartend an
und fragte: »Wie steht es mit meiner Sache?«
»Ich hab den alten Mann im Westen gefragt
und er hat als Antwort mir gesagt:
Zwei gute Taten musst du vollbringen!
Dann wird dir der Flug hoch zum Himmel gewiss gelingen!«
»So sag mir doch, welche Taten es sein sollen?
Ich würde sie gerne gleich verrichten wollen!«
Der junge Mann antwortete:
»Das Erste ist, dass du mich über den reißenden Fluss trägst
und das zweite, dass du die leuchtende Perle,
die deinen Kopf ziert, gleich sofort abschlägst!«
Natürlich trug der Drache
den Burschen eiligst über den Fluss.
Der half ihm dabei, als sie angekommen,
dass dem Drachen die Perle
wurde vom Kopf genommen!
Sofort danach wuchs dem Drachen ein Hörnerpaar
und als das geschehen war,
flog er in den Himmel empor.
Sein Jubelschrei erreichte jedes Ohr!
Noch einmal hat er den Kopf gewendet
und rief dem Burschen zu, behände.
»Die leuchtende Perle ist dein.
Sie soll mein Geschenk für deine Hilfe sein!«
Freudig steckte er die wertvolle Perle ein.
Dann ging er weiter, zu dem alten Mann,
bei dem er einst als Bittsteller kam an.
»Konntest du dem Weisen meine Frage stellen?
Ich bin gespannt, ob er meine Dummheit kann erhellen!«
»Der weise Alte sagte: Unter deinem Gartenteich
liegen neun Töpfe mit Gold und neun Töpfe mit Silber versteckt!
Grabe sie aus und hast du sie entdeckt,
so wirst du furchtbar reich!
Dann sollst du mit dem Wasser aus dem Teiche
dein Mandelbäumchen begießen,
sodass Blätter sprießen
und du alsbald die Früchte kannst genießen!«
Sogleich fingen der alte Mann
und sein Sohn zu graben an.
An der tiefsten Stelle im Teich
fanden sie, wie vorausgesagt,
die Töpfe mit dem Silber und dem Gold sogleich.
Darunter fing eine neue Quelle zu sprudeln an,
mit deren Wasser begossen sie das Bäumchen dann.
Es dauerte gar nicht lang,
da wirkte das Bäumchen nicht mehr krank!
Die Blätter waren blank und grün.
Die Blüten auch sofort erblühn.
Auch Früchte waren schon bald daran,
süß und knackig waren sie.
Der Alte war glücklich, wie noch nie!
Ein paar Tage musste der junge Mann
bei dem Alten und seinem Sohn bleiben,
um sich mit ihnen die Zeit zu vertreiben.
Als er fortging, teilten sie das Gold und das Silber auf.
Der Bursche bekam von beidem, seinen Anteil zu Hauf!
Mit der leuchtenden Perle,
dem Geschenk des Drachens
und dem Gold und Silber
von dem alten Mann,
machte der Bursche sich
auf den Weg zu der alten Frau sodann.
Sie empfing ihn neugierig gleich:
»Hast du ihn gefragt, warum sie nie spricht?
Zu wissen, was man dagegen tuen kann,
das machte mich unendlich reich!«
»Natürlich habe ich ihn gefragt
und er hat mir eine Antwort auch gesagt:
Das Mädchen fängt zu sprechen an,
trifft sie einstmals einen jungen Mann,
den sie innig lieben kann!«
In diesem Moment kam das Mädchen aus dem Haus.
Kaum sah sie den jungen Mann,
wurde sie verlegen und rot wie eine Rose dann.
In Liebe erblüht, so sah sie aus!
»Mutter, wer ist das?«, sie zu fragen begann!
Die vier Worte der Tochter
machten der Mutter das Herz so weit,
denn dass sie nun sprechen konnte,
war im doppelten Sinne keine Kleinigkeit.
Die Mutter hatte den Burschen kennengelernt
und wusste, wie ausdauernd,
mutig und kräftig er war
und dazu noch zuverlässig sogar!
So sagte sie zu der Tochter dann:
»Du kannst sprechen mein Kind!
Nun fängt dein Glückstag an.
Du und dieser Bursche, ihr werdet heute Frau und Mann!«
So wurden der junge Mann und das Mädchen ein glückliches Paar!
An diesem Tage noch, nicht erst in einem Jahr!
So ging er nun mit der leuchtenden Perle,
dem Silber und dem Gold
und seiner jungen Frau der Heimat zu.
All das war schöner als alles was er je gewollt!
Einmal drehte er sich dann noch um
und sah die Tränen in der Schwiegermutter Augen.
Vor lauter Glück konnte er
an deren Unglück gar nicht glauben!
So lief er zu der windschiefen Strohhütte zurück.
Nahm die Alte in den Arm und sprach:
»Natürlich nehmen wir dich mit,
sonst würdest du fehlen, zu unserem Glück!«
Derweil saß seine Mutter in ihrem Haus
und weinte sich vor Gram die Augen aus!
Sie machte sich schon lange Sorgen,
um seine Wiederkehr.
Nur darum war das Herz ihr schwer!
Als er dann endlich vor ihr stand
und sie spürte seine zärtliche Hand,
da war es nun ganz gewiss,
dass sie vom vielen Weinen blind geworden ist!
Er wollte doch, dass sie seine schöne Frau sollte sehn
und sich mit deren Mutter gut verstehn.
Auch das Gold und Silber wollte er ihr präsentieren!
Doch sie sah nichts, konnte es nicht kapieren.
Die leuchtende Perle schwenkte er vor ihrem Gesicht.
Sie sah den Glanz, den Reichtum nicht.
Wehmutsvoll sprach er diesen Wunsch nun aus:
»Ach könntest du doch alles sehen!
Wie schön wäre es, alles zu verstehen!
Dann würde unser großes Glück noch viel größer sein
und zöge mit uns in diesem Hause ein!«
In diesem Augenblick wurde sofort klar, der Mutter Blick!
Sie konnte wieder sehen.
Nur dadurch, dass die Perle Wünsche erfüllt,
konnte das geschehen!
Dem jungen Mann wurde es nun klar,
dass ihm mit der Perle eine Macht gegeben war,
mit der er seine Fragen, die er nicht stellen konnt’,
doch nun selbst beantworten und gestalten konnte prompt.
So wünschte er sich: »Wie wäre es doch schön,
könnten die Reichen und die Armen sich verstehn
und ein paar Schlitte nur aufeinander zu dann gehn!
So würde der Armen Leid vergehn
und mit den Reichen ein positiver Wandel geschehn!«
Ja, so ist es dann auch gekommen!
Die Perle hat den Armen die Bitternis ihres Lebens,
und den Reichen ihre Gier und ihre Selbstsucht genommen!
Es versteht sich von selbst und es ist wahr,
dass das Wasser im See,
nun nicht mehr trüb, sondern sehr klar gleich war!
Und die Moral von der Geschicht’:
Dränge dich nicht vor,
denn so wichtig bist du nicht!
Leiste zu Gunsten anderer,
lieber mal Verzicht!
Berge in der Ferne und Wasser in der Näh’.
Blickt man von Weitem auf die Berge
sieht man bizarre Formen,
die auf den Gipfeln bedeckt sind mit Schnee.
An solch einem Berge, der hoch zum Himmel ragt,
lag einst ein Dorf mit einem
zerfallenen Tempel darin.
Nach dessen Namen wurde nie gefragt.
In dem Tempel wohnte ein Bursche mit Namen Dascheng.
Das Quellwasser, das er trank, war süß,
aber sein Leben ist bitter gewesen,
denn er war einsam und allein.
Gar niemand jemals an ihn denkt.
Auch keinen Freund hat er besessen!
Und niemand wollte bei ihm sein!
Wenn er in die Berge ging, um Holz zu schlagen,
begleitete ihn nur sein Schatten,
sonst niemand, das war zu beklagen.
Auch auf dem Heimweg, wenn er trug des Holzes Last,
war sein Schatten bei ihm, als hätte er auf ihn aufgepasst.
Brannte er am Abend sein Öllämpchen an,
so sorgte der zugige Wind dafür,
dass sein Schatten zu schwanken begann!
Eines Tages, als Dascheng wie immer in die Berge wollte gehen,
kam er nach weitem Wege über Hänge und Kämme
schließlich auf einem Gipfel an.
Dort er das Plätschern einer kleinen Quelle vernahm.
Zu jener Stelle ging er hin, weil er sich nach schwerer Arbeit
seine Hände waschen wollt’.
Doch es kam anders, als es kommen sollt’!
Er ging ein paar Schritte
und sah in des Grases Mitte eine Flöte liegen.
Schon immer wollte er solch eine kriegen.
Er bückte sich und hob sie auf.
Die Flöte war leuchtend grün
und glänzte so wunderschön,
als wäre der beste Lack darauf.
Als er seine Lippen daran legte und einfach in sie blies,
was die Flöte auch zuließ,
da klangen die Töne schöner als der schönste Vogelgesang.
Nur darum blies er die Flöte stundenlang!
Der Wind trug die Flötentöne
mit ganzer Kraft weit in das Land hinaus.
In den Tälern, Wäldern und Hängen waren sie zu hören.
Niemand mochte sich an ihnen stören.
Nein, sie waren allen, die sie hören
ein köstlicher Ohrenschmaus.
Die Vögel kamen herbeigeflogen.
Sie sind von ihrem Wege abgebogen.
Die Blüten nickten im Takt der Melodie.
Solch schöne Musik hörten sie noch nie!
Selbst die Tiger und Leoparden standen still,
weil ein jeder ungestört diese schönen Töne hören will!
Dascheng blies und blies immerfort,
da kam ein großer, schneeweißer Schmetterling
sehnsuchtsvoll zu diesem Ort.
Auf einen Rhododendronbusch hatte er sich gesetzt.
Er klappte seine Flügel zusammen
und bewegte die langen Fühler jetzt.
Solch einen schönen Schmetterling
hatte Dascheng noch nie gesehn.
Er bewunderte ihn, blieb vor ihm stehn.
Als die Sonne hinter den Bergen versank,
beendete Dascheng den Flötenklang.
Er schleppte das geschlagene Holz
bergab in sein zugiges Heim.
Dort sollte er, wie an jedem Abend,
wieder voll Sehnsucht alleine sein!
Am nächsten Tag stieg Dascheng
wieder auf die Berge hinauf,
um sein tägliches Werk zu verrichten.
Darauf mochte er niemals verzichten.
Natürlich hatte er seine grüne Flöte wieder mitgenommen
und er hoffte, dass ihm eine neue,
und schönere Melodie würde in den Sinn dann kommen.
Zum Mittag hat er sein trockenes Brot gegessen.
Zu Trinken hatte er nichts, als das Wasser der Quelle besessen!
Er dachte bei sich: Viele Steine in den Bergen sehe ich,
aber leider einen Menschen nicht.
Die Einsamkeit holte ihn wieder ein,
da fiel ihm seine grüne Flöte ein.
Zu Spielen hat er angefangen.
Paarweise kamen die Vögel geflogen
und die kleinen Hirsche,
mit ihren Müttern, lauschend angegangen.
Alle Tiere trafen paarweise ein.
Warum nur muss ich einsam sein?
Meine Armut allein ist schuld daran,
dass ich kein Mädchen finden kann!
Drum bin ich schlechter als alle anderen Lebewesen dran!
Weil wir arm waren, sind Vater und Mutter viel zu früh gestorben.
Wir hatten kein Geld für die Medizin
und niemand wollte es uns borgen.
So gingen die Eltern dahin und mit ihnen der Wunsch
nach einem zufriedenen Leben.
So begleitet mich täglich die Trauer eben!
Drum ward auch die Melodie,
die er blies, ganz traurig sofort.
Die Vögel begannen zu weinen dort,
die Hirsche ließen die Köpfe hängen.
Von den großen, grünen Berghängen
war plötzlich ein herzergreifendes,
laut schluchzendes Weinen zu hören.
Drum wollte Dascheng seiner traurigen Melodie abschwören.
Dem Weinen ist er nachgegangen.
So konnte er zu einem tränenüberströmten,
unter einem Pfirsichbaum sitzenden,
jungen und wunderschönen Mädchen gelangen!
»Schwester«, fragte Dascheng,
»was ist das für ein Kummer, der dich so traurig macht?
Viel lieber sähe ich, dass dein roter Mund jetzt lacht!«
»Wenn du schon fragst, Bruder, dann will ich es dir sagen,
mein Unglück möchte ich beklagen!
Ohne Vater und Mutter bin ich allein!
So ist das Unglück über mich gekommen,
irgendwie sollte es so sein!
Zu alledem hat mich ein böser Kerl in sein Auge genommen.
Geworfen hat er seinen begehrlichen Blick auf mich!
Auch wenn es mein Leben kosten sollte,
diesen Kerl, den will ich nicht!«
»Weine nicht und sage mir, wer er ist!
Dann werde ich zu ihm gehen.
Meine Argumente soll er bald verstehen
und dann wirst du es gleich sehen,
dass er es nicht wagt, dich zu bedrängen
und er dich alsbald vergisst!«
Das Mädchen war, wie es aussah, von Daschengs Worten bewegt.
Sie schüttelte den Kopf und war ein wenig rot geworden:
»Wer weiß, wenn du dich einmischt,
wie dann die Geschichte ausgeht?
Darüber mache ich mir Sorgen!
Ich habe dich in den Dörfern hier noch niemals gesehen.
Aber ich würde gerne deine Frau werden!
