Verlag: Books on Demand Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9 E-Book

L. Frank Baum  

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E-Book-Beschreibung Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9 - L. Frank Baum

Im 9. Band der Oz-Reihe - Die Vogelscheuche von Oz - geraten Trot und Käpt'n Bill während einer Bootsfahrt in einen Strudel, der sie tief ins Meer hinabzieht. Mit knapper Not stranden sie in einer unterseeischen Höhle. Nachdem bald darauf ein seltsamer riesenhafter Vogel zu ihnen stößt, wagen sie sich schließlich durch einen schmalen dunklen Gang, um einen Weg hinaus zu finden. Doch dies ist nur der Beginn einer gefahrvollen Reise, die sie schließlich an der Seite der mutigen Vogelscheuche ins Land Oz führen wird ... Empfohlenes Alter: 5 bis 10 Jahre. Große Schrift, auch für Leseanfänger geeignet.

Meinungen über das E-Book Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9 - L. Frank Baum

E-Book-Leseprobe Die Vogelscheuche von Oz - Die Oz-Bücher Band 9 - L. Frank Baum

Gewidmet

„Den Erbauern“ aus Los Angeles, Kalifornien, in dankbarer Anerkennung

der Freude, die ich in ihrer Gesellschaft gewonnen habe und in

Anerkennung ihres aufrichtigen Bemühens, die Menschheit durch

Freundlichkeit, Rücksicht und gute Kameradschaft zu erbauen.

Sie sind große Männer – jeder von ihnen – und sie haben die großzügigen

Herzen kleiner Kinder.

Nach dem Text der amerikanischen Erstausgabe von „The Scarecrow of Oz” (1915) übersetzt von Maria Weber

Inhalt.

Vorwort des Verfassers.

Kapitel 1: Der große Strudel.

Kapitel 2: Die Höhle unter dem Meer.

Kapitel 3: Der Ork.

Kapitel 4: Endlich Tageslicht.

Kapitel 5: Der kleine alte Mann der Insel.

Kapitel 6: Der Flug der Zwerge.

Kapitel 7: Der Beulige Mann.

Kapitel 8: Helles Köpfchen verirrt sich und wird wiedergefunden.

Kapitel 9: Das Königreich Pechland.

Kapitel 10: Pon, der Gärtnerjunge.

Kapitel 11: Der Böse König und Schleimer.

Kapitel 12: Der holzbeinige Grashüpfer.

Kapitel 13: Glinda die Gute und die Vogelscheuche von Oz.

Kapitel 14: Das gefrorene Herz.

Kapitel 15: Trot trifft die Vogelscheuche.

Kapitel 16: Pon fordert den König zur Kapitulation auf.

Kapitel 17: Der Ork rettet Helles Köpfchen.

Kapitel 18: Die Vogelscheuche begegnet einem Feind.

Kapitel 19: Der Sieg über die Hexe.

Kapitel 20: Königin Gloria.

Kapitel 21: Dorothy, Betsy und Ozma.

Kapitel 22: Der Wasserfall.

Kapitel 23: Das Land von Oz.

Kapitel 24: Der königliche Empfang.

Für euch.

DIE Armee von Kindern, die das Postamt belagerte, die Postmänner unterjochte und mir ihre herrischen Befehle lieferte, bestand darauf, Trot und Käpt'n Bill in das Land Oz zu lassen, wo Trot die Gesellschaft von Dorothy, Betsy Bobbin und Ozma genießen, und der einbeinige Seemann ein Kamerad des Blechmanns, des Zottigen Manns, Tik-Taks und all der anderen außergewöhnlichen Personen, die dieses wunderbare Märchenland bewohnen, werden könnte.

Es war keine leichte Aufgabe, diesem Befehl Folge zu leisten und Trot und Käpt'n Bill sicher nach Oz zu bringen, wie ihr beim Lesen dieses Buches erfahren werdet. In der Tat erforderte es die äußersten Bemühungen unseres lieben alten Freundes, der Vogelscheuche, um sie vor einem schrecklichen Schicksal auf der Reise zu retten. Aber die Geschichte läßt sie glücklich in Ozmas prächtigem Palast landen und Dorothy hat mir versprochen, daß Helles Köpfchen und die drei Mädchen in naher Zukunft gewiß einige wunderbare Abenteuer im Land von Oz erleben werden, die ich euch, wie ich hoffe, im nächsten Oz-Buch erzählen kann.

Unterdessen bin ich meinen kleinen Lesern zutiefst dankbar für ihre anhaltende Begeisterung für die Oz-Geschichten, die sie in den vielen Briefen kundtun, die sie mir schicken, und die von mir sehr geschätzt werden. Es braucht jedes Jahr mehr und mehr Oz-Bücher, um den Ansprüchen alter und neuer Leser gerecht zu werden, und es wurden viele „Oz-Lesezirkel“ gegründet, in denen die Oz-Bücher, die verschiedenen Mitgliedern gehören, vorgelesen werden. All dies ist sehr erfreulich für mich und ermutigt mich, mehr Geschichten zu schreiben. Wenn die Kinder genug davon haben, hoffe ich, daß sie es mich wissen lassen, und dann werde ich versuchen, etwas anderes zu schreiben.

L. Frank Baum

„Königlicher Historiker von Oz.“

„Ozcot“

bei Hollywood

in Kalifornien, 1915.

Kapitel 1.

Der große Strudel.

SCHEINT mir“, sagte Käpt'n Bill, als er neben Trot unter dem großen Akazienbaum saß und auf den blauen Ozean hinausschaute, „scheint mir, Trot, daß, je mehr wir wissen, wir desto mehr finden, was wir nicht wissen.“

„Ich weiß nicht, Käpt'n Bill“, antwortete das kleine Mädchen mit ernster Stimme, nach einem kurzen Moment des Nachdenkens, während welchem ihre Augen denen des alten Seemanns über die spiegelglatte Oberfläche des Meeres folgten. „Es scheint mir, daß alles, was wir lernen, ein Gewinn ist.“

„Ich weiß, so sieht es auf den ersten Blick aus“, sagte der Seemann und nickte mit dem Kopf. „Aber diejenigen, die am wenigsten wissen, haben die Angewohnheit zu denken, daß sie alles wissen, was es zu wissen gibt, während der, der am meisten weiß, zugibt, was für eine schrecklich große Welt dies ist. Es sind die Wissenden, die erkennen, daß ein ganzes Leben nicht lange ist genug, um mehr als ein paar Krümel Wissen zu erlangen.“

Trot antwortete nicht. Sie war ein sehr kleines Mädchen, mit großen, ernsten Augen und einer ruhigen schlichten Art. Käpt'n Bill war jahrelang ihr treuer Begleiter gewesen und hatte ihr fast alles beigebracht, was sie wußte.

Er war ein wundervoller Mann, dieser Käpt'n Bill. Nicht sehr alt, obwohl seine Haare – oder was davon noch übrig war – ergraut waren. Der größte Teil seines Kopfes war kahl wie ein Ei und so glänzend wie ein Wachstuch, und das ließ seine großen Ohren auf eine lustige Art hervorstehen. Seine Augen hatten einen gutmütigen Ausdruck und waren blaßblau gefärbt, und sein rundes Gesicht war zerfurcht und gebräunt. Käpt'n Bills linkes Bein fehlte vom Knie abwärts, und deshalb segelte der Seemann nicht mehr über die Meere. Das Holzbein, das er trug, war gut genug, um an Land herumzustapfen oder sogar Trot zum Rudern oder Segeln auf den Ozean hinauszubringen, aber wenn es darum ging, „die Segel zu hissen“ oder aktive Aufgaben an Bord zu übernehmen, war der alte Seemann der Aufgabe nicht gewachsen. Der Verlust seines Beines hatte seine Laufbahn ruiniert, und der alte Seemann fand Trost darin, sich der Erziehung des kleinen Mädchens zu widmen und ihr ein Kamerad zu sein.

Der Unfall von Käpt'n Bills Bein geschah etwa um die Zeit, als Trot geboren wurde, und seitdem hatte er bei Trots Mutter als „Lieblingsmieter“ gelebt und genug Geld gespart, um für seine wöchentliche Miete zu bezahlen. Er liebte das Baby und hielt es oft auf seinem Schoß; seine erste Ausfahrt fand auf Käpt'n Bills Schultern statt, denn es hatte keinen Kinderwagen; und als es anfing herumzulaufen, wurden das Kind und der Seemann enge Kameraden und genossen viele außergewöhnliche Abenteuer zusammen. Es heißt, die Feen seien bei Trots Geburt anwesend gewesen und hätten ihre Stirn mit ihren unsichtbaren magischen Zeichen gezeichnet, so daß sie viele wunderbare Dinge sehen und tun könne.

Der Akazienbaum lag auf einer hohen Klippe, aber ein Pfad führte im Zickzack zum Ufer hinunter, wo Käpt'n Bills Boot mit einem dicken Seil an einem Felsen festgemacht war. Es war ein heißer, schwüler Nachmittag gewesen, und kaum ein Lufthauch hatte sich gerührt, und Käpt'n Bill und Trot saßen still im Schatten des Baumes und warteten darauf, daß die Sonne niedrig genug sank, damit sie ein wenig aufs Meer hinausrudern konnten.

Sie hatten beschlossen, eine der großen Höhlen zu besuchen, die die Wellen während vieler Jahre andauernder Arbeit aus der felsigen Küste gewaschen hatten. Die Höhlen waren eine Quelle der ständigen Freude sowohl für das Mädchen als auch für den Seemann, der es liebte, ihre beeindruckenden Tiefen zu erforschen.

„Ich glaube, Käpt'n“, bemerkte Trot schließlich, „daß wir bald losrudern können.“

Der alte Mann warf einen scharfen Blick auf den Himmel, das Meer und das bewegungslose Boot. Dann schüttelte er den Kopf.

„Vielleicht, Trot“, antwortete er, „aber ich mag nicht, wie die Dinge heute Nachmittag aussehen.“

„Was ist denn nicht in Ordnung?“, fragte sie verwundert.

„Ich weiß auch nicht. Es ist zu still, das ist alles. Keine Brise, nicht die kleinste Welle auf dem Wasser, keine Möwe weit und breit, und das Ende des heißesten Tages des Jahres. Ich bin kein Wetterprophet, Trot, aber jeder Seemann würde die Zeichen für bedenklich halten.“

„Ich kann nichts Bedenkliches sehen“, sagte Trot. „Wenn am Himmel eine Wolke wäre, und wenn sie nur so groß wie mein Daumen wäre, könnten wir uns darum sorgen; aber – sehen Sie, Käpt'n! – der Himmel ist so klar, wie er nur sein kann.“

Er schaute wieder und nickte.

„Nun gut, vielleicht können wir uns bis zur Höhle wagen“, stimmte er zu, da er sie nicht enttäuschen wollte. „Es ist nur ein kleiner Ausflug, und wir werden auf der Hut sein; also komm mit, Trot.“

Gemeinsam stiegen sie den gewundenen Pfad zum Strand hinunter. Das Mädchen hatte keine Schwierigkeiten, auf dem steilen Weg zu bleiben, aber Käpt'n Bill mußte sich wegen seines Holzbeins hin und wieder an Felsen und Wurzeln festhalten, um sich vor dem Abrutschen zu bewahren. Auf einem ebenen Weg war er so flink wie jeder andere, aber um den Hügel hinauf oder hinunter zu klettern, bedurfte es einiger Vorsicht.

Sie erreichten das Boot wohlbehalten, und während Trot das Seil löste, griff Käpt'n Bill in eine Felsspalte und zog mehrere Talgkerzen und eine Schachtel Wachszündhölzer hervor, die er in die geräumigen Taschen seines „Southwesters“ steckte. Dieser Southwester war ein kurzer Mantel aus Ölzeug, den der alte Seemann bei jeder Gelegenheit trug – wenn er denn einen Mantel trug – und die Taschen enthielten stets eine Vielzahl von nützlichen und dekorativen Gegenständen, die sogar Trot dazu brachten, sich zu fragen, woher sie alle kamen und warum Käpt'n Bill sie aufbewahrte. Die Klappmesser – ein großes und ein kleines – die Schnurstücke, die Angelhaken, die Nägel – diese waren bei bestimmten Gelegenheiten nützlich. Aber es schien ziemlich unnötig, Muschelstücke und Blechdosen mit unbekanntem Inhalt, Knöpfe, Zangen, Flaschen mit seltsamen Steinen und dergleichen mit sich herumzutragen. Dies war jedoch Käpt'n Bills Sache, und jetzt, wo er die Kerzen und die Streichhölzer zu seiner Sammlung hinzufügte, äußerte Trot sich nicht dazu, denn sie wußte, daß diese Letzteren ihren Weg durch die Höhlen erleuchten sollten. Der Seemann ruderte stets das Boot, denn er bediente die Ruder mit Kraft und Geschicklichkeit. Trot saß im Heck und steuerte. Der Ort, an dem sie an Bord gingen, war eine kleine kreisförmige Bucht, und das Boot durchquerte eine viel größere Bucht auf seinem Weg zu einer fernen Landzunge, wo die Höhlen direkt am Wasser lagen. Sie waren fast eine Meile von der Küste entfernt und etwa in der Mitte der Bucht, als Trot sich plötzlich aufsetzte und ausrief: „Was ist das, Käpt'n?“

Er hörte auf zu rudern und drehte sich halb um, um nachzusehen.

„Das, Trot“, antwortete er langsam, „sieht mir mächtig nach einem Strudel aus.“

„Was macht er, Käpt'n?“

„Ein Wirbel in der Luft läßt den Wirbel im Wasser entstehen. Ich hatte befürchtet, daß wir auf Schwierigkeiten stoßen würden, Trot. Es sah nicht richtig aus. Die Luft war zu still.“

„Er kommt näher“, sagte das Mädchen.

Der alte Mann packte die Ruder und begann mit aller Kraft zu rudern.

„Er kommt nicht näher zu uns, Trot“, keuchte er, „wir sind es, die näher zum Strudel kommen. Das Ding zieht uns wie ein Magnet an!“

Trots sonnengebräuntes Gesicht war etwas blasser, als sie die Ruderpinne fest umklammerte und versuchte, das Boot wegzulenken; aber sie verriet mit keinem Wort ihre Angst.

Der Wasserwirbel machte, als sie näher kamen, ein brüllendes Geräusch, das furchteinflößend anzuhören war. So wild und mächtig war der Strudel, daß er die Oberfläche des Meeres zu einem Becken formte, das nach unten zur Mitte hin abfiel, wo ein großes Loch im Ozean entstanden war – ein Loch mit Wasserwänden, die durch das schnelle Wirbeln der Luft aufrechterhalten wurden.

Das Boot, in dem Trot und Käpt'n Bill saßen, lag gerade am äußeren Rand dieser schüsselartigen Neigung, und der alte Seemann wußte nur zu gut, daß sie, wenn er das kleine Gefährt nicht schnell von der rauschenden Strömung fortbekommen könnte, in das große schwarze Loch gezogen würden, das in der Mitte gähnte. Also bot er seine ganze Kraft auf und ruderte, wie er noch nie zuvor gerudert hatte. Er ruderte so stark, daß das linke Ruder in zwei Teile sprang und der Ruck Käpt'n Bill auf den Boden des Bootes warf.

Er rappelte sich schnell wieder auf und warf einen Blick über die Bootsseite. Dann sah er Trot an, die ganz still dasaß und einen ernsten, in die Ferne gerichteten Blick in ihren lieblichen Augen hatte. Das Boot beschleunigte nun von selbst, folgte der Strömung des runden Beckens und kam allmählich dem großen Loch in der Mitte näher. Jede weitere Anstrengung, dem Strudel zu entkommen, war sinnlos, und als er diese Tatsache erkannte, wandte sich Käpt'n Bill Trot zu und legte einen Arm um sie, als ob er sie vor dem schrecklichen Schicksal, das ihnen bevorstand, beschützen wollte. Er versuchte nicht zu sprechen, denn das Rauschen der Wasser hätte den Klang seiner Stimme übertönt.

Diese beiden treuen Kameraden hatten schon zuvor Gefahren erlebt, jedoch keine, die der jetzigen gleichkam. Doch Käpt'n Bill, der den Blick in Trots Augen bemerkte und sich daran erinnerte, wie oft sie von unsichtbaren Kräften beschützt worden war, gab sich nicht ganz der Verzweiflung hin.

Das große Loch im dunklen Wasser – das jetzt näher und näher kam – sah sehr erschreckend aus; aber sie waren beide mutig genug, sich ihm zu stellen und auf den Ausgang des Abenteuers zu warten.

Kapitel 2.

Die Höhle unter dem Meer.

DIE Kreise waren am Boden des Beckens so viel kleiner, und das Boot bewegte sich so viel schneller, daß Trot von der Bewegung schwindelig zu werden begann, als plötzlich das Boot einen Satz machte und kopfüber in die düsteren Tiefen des Lochs tauchte. Wirbelnd wie Kreisel, aber immer noch Arm in Arm, wurden der Matrose und das Mädchen von ihrem Boot getrennt und stürzten hinunter – immer tiefer – in die tiefsten Tiefen des großen Ozeans.

Zuerst war ihr Fall pfeilschnell, aber dann schienen sie etwas langsamer zu fallen, und Trot war sich fast sicher, daß unsichtbare Arme sie umfingen, stützten und beschützten. Sie konnte nichts sehen, weil das Wasser ihre Augen füllte und ihre Sicht verschwamm, aber sie klammerte sich fest an Käpt'n Bills Southwester, während sich andere Arme an sie klammerten, und so sanken sie allmählich nach unten und immer tiefer, bis der Sturz zu Ende war und sie wieder aufzusteigen begannen.

Aber Trot schien es, als ob sie nicht direkt an der Stelle, von der sie gekommen waren, an die Oberfläche aufstiegen. Das Wasser wirbelte sie nicht mehr umher und sie schienen in schräger Richtung durch stille, kühle Meerestiefen gezogen zu werden. Und dann – in viel kürzerer Zeit als ich es erzählt habe – brachen sie an die Oberfläche und wurden in voller Länge auf einen sandigen Strand geworfen, wo sie keuchend und nach Luft schnappend liegenblieben und sich fragten, was ihnen widerfahren war.

Trot war die Erste, die sich erholte. Sie löste sich aus Käpt'n Bills nasser Umarmung und setzte sich auf, rieb sich das Wasser aus den Augen und sah sich dann um. Ein sanftes, bläulich-grünes Licht erhellte den Ort, der eine Art Höhle zu sein schien, denn über und auf jeder Seite von ihr waren zerklüftete Felsen. Sie waren auf einen Strand aus sauberem Sand geworfen worden, der aus dem Wasserbecken zu ihren Füßen emporstieg – ein Becken, das zweifellos in den großen Ozean führte, der es nährte. Außerhalb der Reichweite der Wellen des Beckens befanden sich mehr und immer mehr Felsen, in deren dunkle Windungen und Vertiefungen das schimmernde Licht des Wassers nicht vordrang.

Der Ort sah rauh und einsam aus, aber Trot war dankbar, daß sie noch am Leben war und bei ihrem gefährlichen Abenteuer unter Wasser keine schwere Verletzung erlitten hatte. An ihrer Seite spuckte und hustete Käpt'n Bill und versuchte, das Wasser, das er geschluckt hatte, loszuwerden. Beide waren durchnäßt, doch die Höhle war warm und behaglich, und naß zu werden erschreckte das kleine Mädchen nicht im Geringsten.

Sie kroch den Sandhügel hinauf und sammelte in ihrer Hand einen Haufen getrockneten Seetang, mit dem sie Käpt'n Bills Gesicht reinigte und das Wasser aus seinen Augen und Ohren wischte. Darauf setzte sich der alte Mann auf und starrte sie eindringlich an. Dann nickte er dreimal mit seinem kahlen Kopf und sagte mit gurgelnder Stimme:

„Sehr gut, Trot; sehr gut! Wir sind dem nassen Grab entgangen, nicht wahr? Obwohl ich nicht verstehe, warum wir es getan haben, und warum wir hier sind.“

„Immer mit der Ruhe, Käpt'n“, antwortete sie. „Ich schätze, wir sind hier in Sicherheit, zumindest vorläufig.“

Er drückte das Wasser aus den Beinen seiner weiten Hosen und befühlte sein hölzernes Bein, seine Arme und seinen Kopf. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß er noch an einem Stück war, faßte er Mut, ihre Umgebung genau zu untersuchen.

„Wo glaubst du, sind wir, Trot?“, fragte er nun.

„Kann ich nicht sagen, Käpt'n. Vielleicht sind wir in einer unserer Höhlen.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er, „das glaube ich nicht. Die Entfernung, die wir aufstiegen, schien nicht halb so weit zu sein wie die Entfernung, die wir hinuntergesunken sind. Und du wirst bemerken, daß es zu dieser Höhle keinen wie auch immer gearteten Außeneingang gibt. Es ist eine große Kuppel über diesem Wasserbecken, und wenn dort hinten nicht ein Gang ist, sind wir hier gefangen.“

Trot sah nachdenklich über ihre Schulter.

„Wenn wir ausgeruht sind“, sagte sie, „werden wir dort oben hinklettern und sehen, ob es einen Weg nach draußen gibt.“

Käpt'n Bill griff in die Tasche seines Ölzeugmantels und nahm seine Pfeife heraus. Sie war immer noch trocken, denn er bewahrte sie mitsamt dem Tabak in einem Öltuchsäckchen auf. Seine Streichhölzer befanden sich in einer festschließenden Blechdose, und nach wenigen Augenblicken paffte der alte Matrose zufrieden. Trot wußte, daß es ihm beim Nachdenken half, wenn er in irgendwelchen Schwierigkeiten war. Außerdem trug die Pfeife viel zur Wiederherstellung der Gelassenheit des alten Seemanns bei, nach seinem langen Untertauchen und seiner ausgestandenen schrecklichen Angst – einer Angst, die mehr Trot galt, als ihm selbst.

Der Sand war trocken, wo sie saßen, und saugte das Wasser auf, das aus ihrer Kleidung tropfte. Als Trot die Nässe aus ihrem Haar gewrungen hatte, fühlte sie sich wieder wohler. Nach einer Weile standen sie auf und kletterten den Hang zu den verstreuten Felsbrocken hinauf. Manche von ihnen waren von enormer Größe, aber indem sie einige überkletterten und um andere herumliefen, konnten sie das äußerste Ende der Höhle erreichen.

„Ja“, sagte Trot befriedigt, „hier ist ein Loch.“

„Und es ist schwarz wie die Nacht darin“, bemerkte Käpt'n Bill.

„Einerlei“, antwortete das Mädchen. „Wir sollten es erforschen und sehen, wo es hingeht, weil es der einzige Weg ist, wie wir aus diesem Ort herauskommen können.“

Käpt'n Bill beäugte das Loch zweifelnd

„Es könnte ein Ausweg von hier sein, Trot“, sagte er, „aber es könnte auch ein Weg zu einem viel schlimmeren Ort sein. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht besser wäre, hier zu bleiben.“

Trot war sich auch nicht sicher, wenn sie es in diesem Licht betrachtete. Nach einer Weile kehrte sie wieder zum Sandstreifen zurück, und Käpt'n Bill folgte ihr. Als sie sich setzten, schaute das Kind nachdenklich auf die ausgebeulten Taschen des Seemanns.

„Wie viel Essen haben wir, Käpt'n?“, fragte sie.

„Ein halbes Dutzend Schiffszwiebacke und ein großes Stück Käse“, antwortete er. „Willst du jetzt etwas, Trot?“

Sie schüttelte den Kopf und sagte:

„Das sollte uns drei Tage am Leben erhalten, wenn wir es uns einteilen.“

„Länger, Trot“, sagte Käpt'n Bill, aber seine Stimme klang ein wenig beunruhigt.

„Wenn wir hierbleiben, müssen wir irgendwann verhungern“, fuhr das Mädchen fort, „wenn wir aber in das dunkle Loch gehen –“

„Manche Dinge sind schlimmer als zu verhungern“, sagte der Seemann ernst. „Wir wissen weder, was in diesem dunklen Loch ist, Trot, noch wohin es uns führt.“

„Es gibt einen Weg, das herauszufinden“, beharrte sie.

Anstatt zu antworten, begann Käpt'n Bill in seinen Taschen zu kramen. Er zog bald ein kleines Päckchen Angelhaken und eine lange Schnur heraus. Trot beobachtete, wie er sie miteinander verband. Dann kroch er ein Stück den Hang hinauf und wendete einen großen Stein um. Zwei oder drei kleine Krabben huschten über den Sand, und der alte Seemann fing sie ein und legte eine an den Haken und steckte die anderen in seine Tasche. Er kehrte zum Wasser zurück, schwang den Haken über seine Schulter, ließ ihn um seinen Kopf kreisen und warf ihn fast in die Mitte des Wassers, wo er ihn allmählich sinken und die Angelschnur so weit wie möglich herab ließ. Als das Ende erreicht war, holte er sie wieder ein, bis der Krabbenköder auf der Oberfläche schwamm.

Trot beobachtete, wie er die Schnur ein zweites und ein drittes Mal warf. Sie entschied, daß entweder keine Fische im Wasser waren oder sie nicht an den Krabbenköder anbeißen wollten. Aber Käpt'n Bill war ein alter Fischer und nicht leicht zu entmutigen. Als der Krabbe entkam, legte er eine andere an den Haken. Als die Krabben alle weg waren, kletterte er auf die Felsen und suchte nach mehr.

Inzwischen war Trot es müde, ihn zu beobachten und legte sich auf den Sand, wo sie bald einschlief. Während der nächsten zwei Stunden trocknete ihre Kleidung vollständig, ebenso wie die des alten Seemanns. Sie waren beide an Salzwasser gewöhnt, so daß keine Gefahr bestand, sich zu erkälten.

Schließlich wurde das kleine Mädchen von einem Plätschern neben ihr und einem befriedigten Grunzen von Käpt'n Bill geweckt. Sie öffnete die Augen und stellte fest, daß der Käpt'n einen silbrig schimmernden Fisch von etwa zwei Pfund Gewicht geangelt hatte. Das munterte sie beträchtlich auf und sie beeilte sich, einen Haufen Seetang zusammenzuraffen, während Käpt'n Bill den Fisch mit seinem Klappmesser aufschnitt und ihn zum Kochen vorbereitete.

Sie hatten bereits zuvor Fisch mit Seetang gekocht. Käpt'n Bill wickelte seinen Fisch in etwas Tang und tauchte ihn ins Wasser, um ihn anzufeuchten. Dann steckte er ein Streichholz an und zündete Trots Haufen an, der rasch zu einem glühenden Aschebett niederbrannte. Dann legten sie den eingewickelten Fisch auf die Asche, bedeckten ihn mit noch mehr Seetang und ließen ihn Feuer fangen und zu Glut verbrennen. Nachdem er das Feuer einige Zeit mit Seetang gefüttert hatte, entschied der Seemann schließlich, daß das Abendessen fertig war, also stocherte er die Asche auf und zog die Fischstücke heraus, die immer noch in ihren rauchenden Hüllen eingeschlossen waren.

Als diese Umhüllungen entfernt waren, wurde der Fisch gründlich gekocht vorgefunden und sowohl Trot als auch Käpt'n Bill aßen davon. Es hatte einen leichten Geschmack von Seetang und wäre mit einer Prise Salz besser gewesen.

Das sanfte Glühen, das bis jetzt die Höhle erleuchtet hatte, wurde schwächer, aber es gab eine große Menge Seetang an diesem Ort. Nachdem sie ihren Fisch gegessen hatten, hielten sie das Feuer eine Zeitlang am Leben, indem sie dann und wann eine Handvoll Brennmaterial auflegten.

Aus einer Innentasche zog der Seemann eine kleine Flasche aus zerbeultem Metall, schraubte die Kappe ab und gab Trot die Flasche. Sie nahm nur einen Schluck Wasser, obwohl sie mehr wollte, und sie bemerkte, daß Käpt'n Bill nur seine Lippen damit befeuchtete.

„Ich vermute“, sagte sie langsam, indem sie auf das glühende Seetangfeuer starrte, „daß wir alle Fische fangen können, die wir brauchen; aber wie steht es mit dem Trinkwasser, Käpt'n?“

Er wand sich unbehaglich, antwortete aber nicht. Beide dachten an das dunkle Loch, aber während Trot wenig Angst davor hatte, konnte der alte Mann seine Abneigung gegen den Ort nicht überwinden. Er wußte jedoch, daß Trot Recht hatte. In der Höhle zu bleiben, wo sie jetzt waren, konnte nur im langsamen aber sicheren Tod enden.

Es war Nacht auf der Erdoberfläche, also wurde das kleine Mädchen schläfrig und schlief bald ein. Nach einiger Zeit schlummerte der alte Seemann neben ihr auf dem Sand. Es war sehr still und für einige Stunden wurden sie durch nichts gestört. Als sie endlich erwachten, war die Höhle wieder hell.

Sie hatten eben einen der Kekse geteilt und aßen ihn zum Frühstück, als sie durch ein plötzliches Plätschern im Wasser aufgeschreckt wurden. Als sie ihre Blicke dorthin lenkten, sahen sie, wie das seltsamste Geschöpf, das sie je erblickt hatten, aus dem Wasser auftauchte. Es war kein Fisch, entschied Trot, noch war es ein Säugetier. Es hatte jedoch Flügel, und was für seltsame Flügel das waren! Sie waren wie eine flache Schale geformt und mit zäher Haut anstatt mit Federn bedeckt. Es hatte vier Beine – ähnlich wie die Beine eines Storches, nur die doppelte Anzahl – und sein Kopf war ähnlich wie der eines Papageis, mit einem Schnabel, der nach vorne und an den Rändern aufwärts gebogen, und halb Schnabel und halb Mund war. Aber es einen Vogel zu nennen, kam nicht in Frage, denn es hatte keinerlei Federn außer einem Kamm wogender scharlachroter Federn auf dem Scheitel seines Kopfes. Die seltsame Kreatur muß so viel gewogen haben wie Käpt'n Bill, und als sie an Land stolperte und sich bemühte, aus dem Wasser an den Sandstrand zu kommen, war sie so groß und ungewöhnlich, daß sowohl Trot als ihr Begleiter sie voller Erstaunen anstarrten – einem Erstaunen, das nicht ganz frei von Furcht war.

Kapitel 3.

Der Ork.

DIE Augen, die sie betrachteten, während die Kreatur triefend vor ihnen stand, hatten einen klugen und sanften Ausdruck, und der seltsame Neuankömmling unternahm keinen Versuch, sie anzugreifen, und schien genauso überrascht von dem Treffen zu sein wie sie.

„Ich frage mich“, flüsterte Trot, „was es ist.“

„Wer, ich?“, rief die Kreatur mit einer schrillen, hohen Stimme aus. „Nun, ich bin ein Ork.“

„Oh!“, sagte das Mädchen. „Aber was ist ein Ork?“

„Ich bin einer“, wiederholte er stolz, als er das Wasser von seinen seltsamen Flügeln schüttelte. „Und wenn jemals ein Ork froh war, wieder aus dem Wasser heraus und auf trockenem Land zu sein, kannst du sicher sein, daß ich dieser Ork bin!“

„Waren Sie lange im Wasser?“, erkundigte sich Käpt'n Bill, der dachte, daß es nur höflich sei, Interesse an der seltsamen Kreatur zu bekunden.

„Nun, dieses letzte Untertauchen dauerte ungefähr zehn Minuten, glaube ich, und das ist ungefähr neun Minuten und sechzig Sekunden zu lang, um sich wohlzufühlen“, war die Antwort. „Aber letzte Nacht geriet ich in schreckliche Schwierigkeiten, versichere ich Ihnen. Ich wurde in einen Strudel gesogen, und –“

„Oh, waren Sie auch im Strudel?“, fragte Trot aufgeregt.

Er warf ihr einen etwas vorwurfsvollen Blick zu.

„Ich glaube, ich habe die Tatsache eben erwähnt, junge Dame, als dein Verlangen zu reden mich unterbrach“, sagte der Ork. „Ich bin in der Regel nicht unvorsichtig in meinen Handlungen, aber dieser Strudel war gestern so beschäftigt, daß ich dachte, ich könnte einmal nachsehen, was für ein Unheil er vorhätte. So flog ich ein wenig zu nah heran, und der Luftsog zog mich in die Tiefen des Ozeans. Das Wasser und ich sind natürliche Feinde, und es hätte mich diesmal besiegt, wäre mir nicht eine Schar hübscher Meerjungfrauen zu Hilfe gekommen, die mich aus dem wirbelnden Wasser und weit in eine Höhle schleppten, wo sie mich zurückließen.“

„Ach, das ist ungefähr dasselbe, was uns passiert ist“, rief Trot. „War Ihre Höhle wie diese?“

„Ich habe diese noch nicht untersucht“, antwortete der Ork; „Aber wenn sie einander ähnlich sind, schaudere ich vor unserem Schicksal, denn die andere war ein Gefängnis ohne Ausgang außer durch das Wasser. Ich blieb jedoch die ganze Nacht dort, und heute Morgen stürzte ich mich so tief ich konnte, ins Wasser, und schwamm dann so schnell und so weit ich konnte. Die Felsen zerkratzten mir den Rücken, und ich entkam nur knapp den Fängen eines häßlichen Seeungeheuers, aber irgendwann kam ich an die Oberfläche, um Luft zu schnappen, und fand mich hier wieder. Das ist die ganze Geschichte, und da ich sehe, daß ihr etwas zu essen habt, bitte ich euch, mir einen Teil davon abzugeben. Ich bin wirklich halb verhungert.“

Mit diesen Worten hockte sich der Ork neben ihnen nieder. Zögernd zog Käpt'n Bill einen weiteren Keks aus der Tasche und streckte ihn ihm entgegen. Der Ork packte ihn sofort mit einer seiner Vorderklauen und fing an, den Keks auf die gleiche Weise zu knabbern wie ein Papagei.