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Es war so weit, heute Nacht fiel der Vorhang zum letzten Akt und der große Held der Geschichte würde endlich dazu gemacht werden. Vom Betrogenen zum Erlöser seiner selbst. Ja das war er. Er würde sich erlösen von dem, was ihm der Mensch angetan hatte, den er am Meisten vertraute auf der Welt. Und damit würde er auch sie erlösen. Denn wenn es ihr einziger Ausweg war ihn zu betrügen um glücklich zu sein, dann war es wohl auch für sie eine Befreiung erlöst zu werden.
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2022
Dominik Landolt
Doch dann kam alles anders
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Einleitung
Heute
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Heute
Über den Autor
Impressum neobooks
Dominik Landolt - Doch dann kam alles anders
Psychothriller
Ich danke Victoria Lauda für die Gestaltung des e-Books und dafür, dass sie mich motiviert hat, dieses e-Books neu zu veröffentlichen.
Weiters möchte ich mich bei Multimedia-Lauda bedanken. Sie haben sich Zeit genommen das e-Buch vor Veröffentlichung durchzulesen und zu korrigieren.
Er saß ganz allein in diesem Raum, vielleicht schon seit Stunden. Wo er genau war, wusste er nicht, das Letzte was in seinen Erinnerungen gespeichert war, lag schon Ewigkeiten zurück, so kam es ihm zumindest vor. Stefano war ein durchschnittlicher Mann in der Blütezeit seines Lebens, sportlich, allerdings nicht zu muskulös, denn er wollte nie so ein aufgeblasener, mit Öl eingecremter Muskelprotz sein, wie es viele seiner Generation wohl gerne wären.
Der einzige Gedanke, der ihn permanent zu begleiten schien, war, was er wohl hier ganz allein tat und, vor allem, wo seine Frau sich wohl befinden würde. Auch über ihren Aufenthaltsort oder Verbleib hatte er keinerlei Informationen und seit er aus seiner Trance aufgewacht war, war noch niemand gekommen um ihm all die Fragen, die durch seinen Kopf schossen, zu beantworten.
Das Letzte, woran er sich noch erinnern konnte, war ein netter Abend mit seiner Liebsten. Katharina war eine bildhübsche Frau, intelligent und zielstrebig. Als sie sich kennenlernten dachte Stefano nicht im Traum daran, dass dieser Flirt später zu der glücklichsten Beziehung seines Lebens führen würde. Er erinnerte sich an ihre blonden, gelockten Haare und die so vertrauten blauen Augen, die ihn in täglicher Routine morgens aus seinen Träumen erweckten und ihn liebevoll in der Realität wieder empfingen.
Wo sie wohl jetzt war und ob es ihr gut ging?
Er spürte eine unendliche, seinen ganzen Körper beherrschende Müdigkeit und gab der Versuchung nach, sich abermals dem Drang nach Schlaf zu ergeben.
10 Jahre zuvor
Es war ein kalter, grauer Novembertag, an welchem Stefano durch die Straßen dieser Stadt zog. Eine Stadt, die ihm nicht vorkam, wie sein zu Hause, trotz der Tatsache, dass er schon jahrelang hier lebte und arbeitete. Es lag auch gar nicht an der Stadt selbst. Als er das erste Mal hier gewesen war, verliebte er sich sofort in die geschichtenerzählenden Bauten vergangener Epochen, die sauberen Straßen, die trotz einer Millionenzahl von Einwohnern stets strahlten, das Wasser, welches direkt aus der Wasserleitung sprudelnd genießbar war und noch dazu besser schmeckte, als so manches, was er in seiner eigentlichen Heimat im Supermarkt kaufen hätte müssen und eine Vielzahl anderer Kleinigkeiten, worüber die lokale Bevölkerung wohl keine Sekunde ihrer Gedanken verschwendete, da es hier so selbstverständlich war.
Trotz all dem gab es irgendetwas, das in ihm das Heimatgefühl nicht aufkommen lassen wollte. Anfangs redete er sich ein, es läge daran, dass er noch keinen Anschluss gefunden hatte. Sobald er erst Freunde gefunden hätte, würden sich auch die letzten unharmonischen Gefühle seines neuen Wohnorts einstellen. Doch auch Jahre nach seinem Umzug wollte alles in ihm anscheinend nicht wahrhaben, dass er hier den Rest seines Lebens verbringen würde.
Er spazierte, wie so oft, wahllos Straßen entlang. Anfangs tat er das, um sich einen Eindruck seiner Umgebung zu machen und eventuell einige Freunde zu finden. Dies gelang ihm auch beides. Er hatte hier zwar nicht viele Freunde, allerdings dachte er von ihnen, dass sie die Richtigen sind, und das war ihm, wie wahrscheinlich jedem Menschen dieser Welt, um einiges wichtiger. Quantität vor Qualität, diesen Spruch hatte er auch in der Schule immer gehört. Er wusste zwar heute nicht mehr bei welcher Gelegenheit ihm diese Weisheit gelehrt wurde, nicht einmal mehr in welchem Unterrichtsgegenstand, doch trotzdem hatten es diese drei Worte geschafft, sich auf ewig in sein Hirn einzubrennen. Kurz dachte er darüber nach, dass es spannend ist, wie manche Gedanken es schaffen sich ungeniert in unsere Gehirne einzupflanzen und wir sie einfach nicht mehr loswerden wollen und andere genau so schnell wieder weg waren, wie sie gekommen sind. Er dachte darüber nach, dass bei diesen Gedanken allerdings auch auffallend war, dass bei vielen verschiedenen Menschen auf vielen unterschiedlichen Teilen der Welt ein überragend auffallender Querschnitt von Gedanken in unseren Hirnen blieb, der quasi deckungsgleich war. Quantität vor Qualität würde wohl fast jeder Mensch dieser Welt verstehen und sogar bei Musik war es so, dachte er. Es gab Melodien, die schafften es irgendwie, sich in uns festzusetzen und nicht mehr zu verschwinden. Wie sonst ist es erklärbar, dass Jahrzehnte nach Erscheinung der Beatles noch immer viele ihrer Melodien in unseren Köpfen waren, ganz zu schweigen von den großen Komponisten dieses Kontinents. Natürlich könnte man für die Musik jetzt die Radiostationen und MusiklehrerInnen unserer Gesellschaft als Gegenargument heranziehen und behaupten, dass dies ja nur so sei, weil immer dieselben Songs in regelmäßigen Abständen gespielt werden, allerdings war ihm diese Antwort zu einfach.
Verträumt schlenderte er von Straße zu Straße ohne wirkliches Ziel seines frühabendlichen Spaziergangs. Wie an so vielen Novembertagen war es auch heute etwas neblig, doch das störte ihn nicht. Ganz im Gegenteil, er mochte diese trüben Novembertage irgendwie. Die Feuchtigkeit in der Luft füllte seine Lungen und brachten in ihm Erinnerungen an schneereiche Wintertage, die er seinerzeit mit seiner Familie in den Bergen verbrachte, zurück. Sie waren damals dort Skifahren, Iglus bauen und sich anschließend ausgiebige Schneeballschlachten liefern, bis sie schlussendlich erschöpft, aber glücklich, in ihre Betten in dem alten Bauernhäuschen fielen, dort wo sie jeden Winter waren, da Stefanos Vater früher an der Planung und Finanzierung dieses Häuschens beteiligt war.
Nun stand Stefano vor einer Kreuzung und blickte auf ein Café, welches ihm noch nie zuvor aufgefallen war. Ein altes, uriges, kleines Lokal, allerdings auch sehr einladend. Er wusste im Nachhinein nicht, warum er sich dazu hinreißen ließ dieses Restaurant wirklich zu betreten. Vielleicht waren es seine gedanklichen Abschweifungen von rustikalen Bergbehausungen, die ihm dieses Café plötzlich so familiär wirken ließen, vielleicht seine immerwährende Lust auf einen kleinen Espresso, die in ihm entfachte als er das Schild mit der Aufschrift „Café“ vor sich sah, oder, und das war das, worauf seine zukünftige Frau später gerne plädierte, ein Zeichen des Schicksals, welches ihn an diesem Abend zu ihr geführt hätte.
Er trat ein und setzte sich an den ersten freien Tisch, den er sah. Als hätte er es notwendig, studierte er die vor ihm liegende Karte, um sich schlussendlich zu seiner gewohnten Bestellung hinreißen zu lassen. Nachdem er seine Karteninspektion abgeschlossen hatte, nahm er sich einige Minuten, um sich in seiner kurzfristigen Bleibe umzusehen. Eine lange Holzbar erstreckte sich über den gesamten Lokalraum, darum standen dunkelrot lackierte Tische. Der gesamte Gastbereich hatte eine lange, sehr bequeme Sitzbank entlang der Wand, um welche die Tische platziert waren.
Der rote Überzug mit dem goldenen Muster ließ die Bänke eleganter erscheinen, als sie eigentlich waren. Aber eines waren sie, sehr bequem, das musste Stefano ihnen zugestehen.
Er musterte das Café nun etwas genauer und erkannte, dass er der einzige Gast war. Er überlegte kurz, ob vielleicht schon geschlossen war. Heute war ein Montag und Cafés können sich durchaus vorbehalten zu dieser Zeit schon zu schließen. Wenn man nicht gerade ein Espresso-Junkie, wie Stefano einer war, ist, war es gerade durchaus keine Zeit für koffeinhaltige Heißgetränke.
Als er gerade aufstehen und gehen wollte, hörte er ein Geräusch aus dem hinteren Bereich des Lokals. Er vermutete, dass sich dort wohl die Küche befinden müsste. Ein blondgelockter Haaransatz bog um die Ecke und das Fräulein, das zum Haaransatz gehörte, schrak kurz zusammen, als sie Stefano erblickte.
„Jetzt haben Sie mich aber erschreckt! Entschuldigung, aber ich bin nicht gewöhnt, zu so einer Uhrzeit noch Gäste zu haben, schon gar nicht an einem Montag!“
Ihre Stimme hatte etwas packendes, angenehm und sanft und auch die Hülle, in der diese Stimme steckte, war durchaus nicht zu verachten. Einer der schönsten Menschen, die Stefano je gesehen hatte, dachte er sich und erwischte sich dabei, wie er sie wohl schon seit einigen Sekunden sprachlos anstarrte.
„Darf ich Ihnen jetzt was bringen oder sind Sie mit der Aussicht zufrieden?“ scherzte die junge Dame und machte Stefano mit der kleinen, zynischen Bemerkung deutlich, dass sie erkannt hatte, dass sie ihm wohl gefällt.
„Ahm, ein kleiner Espresso mit einem großen Glas Leitungswasser wäre sehr freundlich“ brachte er gerade noch heraus, bevor er merkte, dass er ein wenig errötete.
Nach wenigen Minuten stand sein Kaffee dann vor ihm und was ihm noch viel lieber war, auch die nette Servicekraft, die diesen vorsichtig auf den Tisch stellte.
Wieder ein wenig gefangen, bat Stefano die junge Dame, sich doch zu ihm zu gesellen. Er war normalerweise nicht schlecht darin, Unterhaltungen zu beginnen und auch mit Frauen hatte er durchaus Erfolg, obwohl ihm dieser Ausdruck eigentlich ein wenig ärgerte. Erfolg hat man mit Geschäften, aber nicht mit Lebewesen, dachte er, doch im Moment war es ihm egal, was die schönste, beziehungsweise politisch korrekteste Phrase dafür war, was gerade geschah, er wusste nur eins, diese Gelegenheit der trauten Zweisamkeit mit so einer ansprechenden Person wollte er sich nicht entgehen lassen.
Seit seiner Begegnung mit Katharina konnte er an nichts anderes mehr denken. Dabei waren es doch nur ein paar Stunden angeregter Gespräche und keine wilden Liebesnächte. Er versuchte sich einzureden, dass genau das der Grund für seine dummen Gedanken war. Was man nicht haben kann, will man umso mehr. Noch so ein blöder Spruch aus seiner Jugend und wieder war er nicht so falsch. Wobei, wer behauptete, dass er keine Chancen bei Katharina hatte? Er hat es ja noch nicht einmal versucht. Er überlegte hin und her, ob er sich abermals auf den Weg zu dem kleinen Café machen sollte oder ob er jetzt ganz den Verstand verlor. Er hatte schon viele Frauen in seinem bisherigen Leben, aber noch nie hatte er das Gefühl, so ein ungestilltes Bedürfnis zu haben, eine dieser Frauen zu sehen. Katharina hatte etwas mit ihm gemacht und er war sich noch nicht sicher, ob er es mochte oder nicht. Ganz egal, was es war, er musste es entweder wieder loswerden oder auf den Grund gehen.
Er beschloss, das Café abermals aufzusuchen, zog sich seine Jacke an, richtete sich seinen Haaransatz und marschierte zielstrebig aus der Wohnung. Im schlimmsten Fall würde er wenigstens einen guten Espresso vor sich finden und von seiner utopischen Vorstellung, die Liebe auf den ersten Blick gefunden zu haben, wieder geheilt sein. Bis vor wenigen Tagen fand er dieses Thema eine Lächerlichkeit für sich. Wie kann jemand von sich behaupten, sich nach einmaligem Treffen verliebt zu haben, dachte er, und vor allem, wie kann dieser jemand dann ernsthaft teilweise alles Bisherige hinter sich lassen, um dieser einen Begegnung nachzugehen?
Diese ganzen Liebesromane oder Kinoschnulzen der ewigen Zusammengehörigkeit nach der Liebe auf den ersten Blick mit abschließendem Happy End war etwas, was Stefano nie besonders leiden konnte. Ihm kamen diese Geschichten so vor, als wären sie zu gut, um wahr zu sein. So etwas passiert im richtigen Leben nicht! Und doch musste er sich eingestehen, dass er mitten in seiner ersten persönlichen Erfahrung mit der Liebe auf den ersten Blick steckte.
Je näher er dem Café kam, desto größer wurden seine Schritte und die Frequenz des Aufkommens seiner Schuhsohlen auf dem nassen Asphalt erhöhte sich auch. Er kam sich lächerlich vor. Wie ein Teenager, der das erste Mal eine hübsche Frau sieht, dachte er sich und trotzdem versuchte er nicht gegen sein Vorhaben anzukämpfen. Angekommen setzte er sich auf den gleichen Platz wie bei seinem letzten Besuch und vollzog das gleiche menükartenblätternde, allerdings sinnfreie, Ritual, um abermals zu bemerken, dass er schon vor dem Aufschlagen der Getränkekarte nur zu gut wusste, was er bestellen werde.
Diesmal war er nicht allein hier. Die Tische waren gut gefüllt und die Gäste machten einen zufriedenen Eindruck. Abermals kam er sich blöd vor. Was hat er sich dabei nur gedacht, natürlich gibt es auch andere Menschen hier, die wirklich wegen des Gastronomiebetriebs kamen und nicht wegen ihren inneren Balzrufen, die normale Menschen wohl einfach unterdrückten und darüber lachten. Ein Kellner bog um die gleiche Ecke, an welcher er Katharina das letzte Mal gesehen hatte, und Stefano merkte, wie in ihm die Wut über sich selbst noch größer wurde. Kurz bevor er sich aufmachte, um den Heimweg anzutreten, hörte er aber eine sehr vertraute Stimme. Die gleiche sanfte und warme Stimme, die er seit Montag nicht aus seinem Kopf bekam. Er setzte sich wieder und hoffte insgeheim, dass keiner ihn bei seiner Aufspringaktion beobachtet hatte.
Er hasste es, wenn fremde Menschen seine Gemütszustände kannten oder Streitgespräche vom Nebentisch aus belauschten. Er hasste öffentliches Diskutieren, Gefühlsausbrüche oder andere Dinge, die man seiner Meinung nach unter vier Augen und am Besten zu Hause bespricht.
