Rigolettos Rache - Dominik Landolt - E-Book

Rigolettos Rache E-Book

Dominik Landolt

0,0
3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Zuhause angekommen inspizierte Rigoletto seine Messersammlung, um zu entscheiden, ob eines dieser Messer den Zweck einer Schlachtung erfüllen würde. Bei einem langen Küchenmesser machte er halt. Ja, das sollte reichen, allerdings müsste man es noch gehörig schleifen, bevor er es für seine Pläne verwenden könne. Er ging zur Lade, in welcher sich der Schleifstein befand, setzte sich mit Messer und Stein in den Garten und schliff die Klinge so lange, bis er sich sicher war, dass sie alles durchtrennen würde, was er durchtrennen wollen würde.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Rigolettos Rache

Vorgeschichte

Es war ein regnerischer Tag in Mantua. Nebel lag über der Stadt und verschlang die Gebäude und Häuser dieser sonst so schönen Gegend. Vor dem Palazzo Ducale spiegelte sich das Licht der Straßenlaternen entlang der Ponte di San Giorgio und der Mond strahlte ihm direkt ins Gesicht. Noch nie hatte er so einen Schmerz empfunden und noch nie war er so verloren wie in diesem Moment. Vor ihm lag ein Leichensack, doch nicht wie von ihm beauftragt, gefüllt mit den Überresten des Herzogs von Mantua, sondern mit dem kalten Körper seiner Tochter.

Wie konnte das nur passieren. Jahrelang versteckte er seine Tochter vor dem Herzog und verschwieg ihre Existenz, um sie zu schützen. Doch nun ist sein schlimmster Alptraum wahr geworden.

Gilda, sein ein und alles, tot und verhöhnt in den nassen Straßen Mantuas. Die Kleidung getränkt in Regenwasser und Tränen, erstochen von Sparafucile, dem Besitzer dieser schäbigen Spelunke. Gestank nach Alkohol und Bier kroch Rigoletto in diesem Moment die Nase hoch. Lautes Gelächter drang aus dem Lokal, nur wenige Minuten nachdem seine Tochter in seinen Armen starb. Dieses Pack, keine Empathie und keine Spur von Reue.

Rigoletto selbst war es, der Sparafucile beauftragte, allerdings um den Herzog zu töten, nicht seine Tochter. Hätte er gewusst, wie die Geschichte ausgehen würde, hätte er den Herzog mit seinen eigenen Händen getötet. Aber wie tötet man einen Menschen? Es ist eine Sache darüber nachzudenken und es sich vorzustellen, aber es dann tatsächlich zu tun, dafür braucht es viel Hass und Überwindung. Zumindest dachte das Rigoletto als er den Mörder beauftragte. Besser einen Profi machen lassen, als die Chance vergeben diesen Frauenhelden ein für alle Mal zu beseitigen, damit seine Tochter und all die anderen Frauen dieser Stadt nicht mehr auf ihn hereinfallen würden.

Er packte den Leichnam auf seine Schulter und ging die lange, dunkle Straße entlang. Das Ziel war klar, ab nach Hause, um seine Tochter würdevoll zu begraben. Die Polizei zu beauftragen, kam ihm nicht in den Sinn. Sein Herz verlangte nach Rache und die würde es nur geben, wenn er die Mörder seiner Tochter selbst auch ermorden würde. Sobald sich die Polizei einschalten würde, wäre seine Chance vertan. Und außerdem, wer würde ihm schon glauben. Der Herzog war ein mächtiger, angesehener Mann und er selbst war der Hofnarr, der Pausenclown, den keiner ernst nahm. Würde er nun erzählen, dass der Herzog seine Tochter verführte und dann noch dazu der Grund war, dass sie ermordet wurde, stünde es Wort gegen Wort und obendrauf müsste Rigoletto begründen, warum er überhaupt einen Auftragsmörder engagierte. Nein, diese Genugtuung selbst auch noch bestraft zu werden, dafür, dass man ihm seine Tochter nahm, würde er niemandem geben.

Es lag nun an ihm, seine Tochter zu rächen und all jene zur Rechenschaft zu ziehen, die diese Situation herbeigeführt hatten.

Den Herzog, den Frauenheld, den Mörder Sparafucile und natürlich auch die Schwester des Mörders: Maddalena. Ohne ihre Dummheit würde seine Gilda noch leben. Blind vor Liebe zum Herzog ließ sie sich zuerst von ihm verführen und überredete dann ihren Bruder den nächsten Mann umzubringen, der durch die Türe kam an Stelle des Liebhabers. Ausdrücklich hatte Rigoletto in Auftrag gegeben, Sparafucile möge den Herzog von Mantua erstechen und ihm die Leiche bringen, doch sie haben ihn alle betrogen und wollten ihm den Mord an einem anderen Mann als Auftragserfüllung verkaufen. Dass Gilda in Männerkleidern zurückschlich, um sich erdolchen zu lassen und dem Herzog so das Leben zu retten, konnte ja niemand ahnen. Hätte Sparafucile einfach gemacht, was er aufgetragen bekam, wäre das alles nicht passiert.

1. Akt

Die Schaufel in seinen Händen, von Schlamm überzogen von den Füßen bis zum Kopf stand er in seinem Garten. Da wo davor ein englischer Rasen war, ist nun ein Erdhügel zu sehen. Das Grab seiner Tochter. Ein selbst geschnitztes Kreuz mit der Aufschrift „Gilda“ erinnert an sie. Viel zu jung musste sie sterben, viel zu naiv war sie für diese Welt.

Gedanken schossen ihm durch den Kopf, Gedanken an den Tod der Verbrecher. Zuerst würde er sich an Maddalena rächen, das Miststück, dass den Auftrag zum Mord erteilte. Sie würde er schnell und schmerzlos umbringen, schließlich konnte sie nicht wissen, wen ihr Bruder ermorden würde. Doch dass sie bestraft werden muss, steht außer Frage. Wenn er mit ihr fertig ist, würde er den Mörder selbst aufsuchen und ihn zur Rechenschaft ziehen. Sparafucile würde leiden müssen. Er hatte sein Geld genommen, um einen Auftrag zu erfüllen, hatte ihn zuerst betrogen und dann noch dazu seine Tochter genommen. Für ihn würde er sich noch was überlegen, um ihm die Stunden vor seinem Tod zu den schlimmsten Stunden seines Lebens zu machen.

Und dann das große Finale. Der Herzog von Mantua. Noch wusste er nicht, was er tun würde, aber eines war klar: Der Herzog muss gedemütigt werden. Öffentlich zur Schau gestellt, für all die Frauen, die er verletzt hatte und natürlich für seine Gilda.

Zuerst würde er ihn quälen, dann irgendwo so aufhängen, dass die ganze Stadt sehen kann, dass seine letzte Stunde geschlagen hat und dann…

Die Vorstellung an die Morde fühlten sich sehr real an. Schnell waren sie geplant und die leidenden Gesichter in seiner Fantasie. Nun ging es darum, diese Vorstellungen in die Realität umzusetzen und da lag das Problem. Wie plant man einen Mord?

Er ging zum Eingang seines Hauses, zog die schlammigen Stiefel aus, streifte seine Kleider im Vorzimmer ab und wankte in sein Wohnzimmer. Mit den letzten Holzresten heizte er den Kamin an und öffnete eine Flasche Wein. Den Kork schoss er in die glühenden Flammen, setzte sich auf seinen Stuhl und trank direkt aus der Flasche. Er fühlte den herben Traubengeschmack seinen Mund füllen, seine Kehle entlang fließen und schließlich in seinem Magen. Immer und immer wieder setzte er die Flasche an, um seinen Schmerz zu ertränken. Tränen rannen ihm über sein Gesicht, als er an seine tote Tochter dachte. Egal wie viel Wein er trank, der Schmerz hörte und hörte nicht auf. Die erste Flasche war geleert. Rigoletto schleppte sich in die Küche, um eine weitere Flasche zu holen. Als diese geöffnet war, setzte er sofort zu einem weiteren Schluck an und bemühte sich, zurück ins Wohnzimmer zu gelangen. Schon leicht betrunken stolperte er und flog hin. Er brach die Flasche und schnitt sich in die Hand. Der Teppichboden färbte sich rot, einerseits vom Wein, andererseits von der blutigen Wunde an seiner Hand. Er kauerte vor dem Kamin und beobachtete die verschiedenen Rottöne am Boden. Seine Hand pochte, doch er nahm alles nicht wirklich wahr. Wie in einem Film stand er auf, um erneut in die Küche zu gehen, auf der Suche nach Alkohol. Abermals öffnete Rigoletto eine Weinflasche und trank die Hälfte des Inhalts auf einem Zug aus. Er beschloss sich in sein Bett zu legen. Unter der Decke spürte er zum ersten Mal, dass er sich wohl stärker verletzt haben musste, da seine Wunde immer mehr pochte. Er griff nach dem Überzug seines Polsters und verband sich damit die Wunde. Immer wieder trank er vom Wein, bis er schließlich durch den Alkohol in ein tiefes Schlafkoma fiel.

Als er am nächsten Tag aufwachte, war der Rest des Rotweins in seinem Bett verteilt. Der Polsterüberzug hat seine Arbeit getan und dafür gesorgt, dass die Wunde über Nacht ein wenig zuheilte, allerdings war auch er von Blut getränkt. Vielleicht müsste das so sein, dachte Rigoletto. Vielleicht müsste sich zuerst seine Wohnung rot färben, bevor er das rote Blut seiner Feinde sehen würde. Doch das bisschen Blut in seinem Bett und auf seinem Teppich würde lange nicht reichen, um seine Tochter zu rächen. Wenn er einmal mit diesem Pack fertig sein würde, würden die Zimmer getränkt sein in Blutströmen. Jeder Tropfen mehr, wäre ein bisschen mehr Genugtuung für ihn.

Rigoletto stand auf und ging in die Küche, um Kaffee zu kochen. Er setzte den Kaffee auf und goss ihn in seine Tasse. Heute würde er planen, wie er die Morde gestalten würde. Eines war ihm klar, er musste lernen, wie man einen Menschen so verletzt, dass er auch tatsächlich sterben würde. Für Maddalena hatte er geplant es schnell und schmerzlos zu machen, daher musste er lernen, wo er den menschlichen Körper verletzen müsse, um das zu gewährleisten. Er überlegte, wie er am besten zu diesen Informationen kommen würde. Zuerst dürfte niemand wissen, dass Gilda ermordet wurde. Denn wenn ein Vater mit einer ermordeten Tochter plötzlich Interesse daran hat zu lernen, wie man jemanden schnell tötet, würde das verdächtig wirken und seine Pläne eventuell vereiteln. Es war nicht schwer Gildas Verschwinden zu verstecken, schließlich hielt er ihre Existenz schon viele Jahre geheim. Sie hatte so gut wie keine Freundinnen und auch andere soziale Kontakte waren auf ein absolutes Minimum reduziert. Den Nachbarn würde er erzählen, dass sie verreist sei, und das Grab hatte er an einer Stelle gegraben, die von anderen Grundstücken und der Straße aus nicht einsichtig ist. Doch wie könnte er jetzt lernen einen Menschen zu töten?

Plötzlich fiel ihm ein, dass er einen Freund hatte, der am Wochenende gerne auf die Jagd ging. Er war bekannt dafür, die besten Wildsteaks des Landes zu machen, da er die komplette Produktion selbst machte. Sein Name war Guiseppe. Guiseppe war ein dicker Mann mit einem gezwirbelten Schnauzbart. Die meiste Zeit seines Lebens kochte er, und wenn er nicht kochte, sah man ihn essen, oder musizieren. Natürlich legte er Wert auf die Qualität seiner Nahrungsmittel, denn mehr im Leben hatte er nicht, um sich zu erfreuen. Musik und Kulinarik, alles, was das Herz begehrt.

Er erarbeitete sich eine komplette Expertise auf dem Gebiet der Kochkünste und der Beschaffung der Zutaten. Guiseppe hatte sogar einen Schlacht- und Fleischerkurs besucht. Rigoletto war sicher, dass er dort auch gelernt hat, ein Lebewesen so zu schlachten, dass es schnell und schmerzlos sterben würde. Er beschloss, sich bei Guiseppe zu melden und sein Interesse an der Jagd kundzutun. Zuerst wird er ihm zeigen, wie man mit einer Pistole umgeht und danach, wie man etwas schlachtet. Wenn er das gelernt hat, ist er bereit für seine Rache und das Schönste daran ist, dass Guiseppe nicht einmal ahnen wird, dass er sein Lehrmeister sein wird. Guiseppe war leicht zu finden, denn schließlich war er immer dort, wo es gutes Essen gab. Eines seiner liebsten Lokale war nicht weit vom Palazzo Ducale entfernt und Rigoletto wusste, dass er jeden Tag dort zu Mittag aß. Er schnappte sich seinen Mantel und spazierte Richtung Stadt. Voll Tatendrang vergaß er sogar, dass er seine Hand noch mit dem Polsterlaken verbunden hatte. Im Restaurant angekommen, sah er Guiseppe schon vor seinem Festmahl sitzen. Er hatte gerade die Keule einer Gans in der Hand und nahm einen riesigen Biss, als Rigoletto ihn begrüßte.

„Guiseppe, mein alter Freund, was für eine Überraschung dich hier zu treffen! Wie ich sehe, lässt du es dir mal wieder gut gehen!“

„Rigoletto, was für eine Freude dich zu treffen! Mit dir habe ich nicht gerechnet. Nimm doch bitte Platz.“

Rigoletto griff nach dem Stuhl und zog ihn zurück, da sah Guiseppe den blutigen Fetzen um seine Hand.

„Oh nein, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Guiseppe und deutete auf Rigolettos Hand.

„Ich habe mich beim Jagen versucht, aber leider ist es mir nicht geglückt. Ich bin halt nicht so ein talentierter Jäger wie du und genau deshalb freue ich mich umso mehr, dich hier zu treffen, denn wie es der Zufall will, habe ich mir just heute morgen gedacht, wie praktisch es wäre, wenn du mir den einen oder anderen Tipp und Trick für die Jagd zeigen könntest. Weißt du, ich kann weder besonders gut mit Pistolen umgehen, noch weiß ich viel über die Schlachtung und Zubereitung von Fleisch. Meine Versuche waren nicht wirklich von Erfolg belohnt und das Einzige, was ich bisher geschlachtet habe, war meine eigene Hand!“