Dreimal kleine Weihnacht - J. M. Pade - E-Book

Dreimal kleine Weihnacht E-Book

J. M. Pade

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Beschreibung

Eine Zusammenstellung von drei kleinen Geschichten in der (Vor-)Weihnachtszeit. Liebevoll geschrieben wird aufgezeigt, wie unterschiedlich eine traditionelle Weihnacht aussehen kann.

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Eiskalt

Weihnachten bei den Cucazwergen

Nummer 17

Eiskalt

Solange man selbst nicht gerade in dieser kleinen Holzhütte stehen und Gestecke verkaufen musste, bot der Weihnachtsmarkt mit seinen vielen Fahrgeschäften, Fressbuden und allerlei anderen Ständen bestimmt jede Menge Spaß. Wenn... Aber ich hatte keinen Spaß auf dem Markt, sondern Verkaufsschicht. Den Tipp, sich hier an Heiligabend hinzustellen und hübsche Gestecke zu verkaufen, hatte meine Oma ihr gegeben. Diejenige, die meiner Mutter immer sagte, ein eigener Blumenladen wäre der Weg in den Ruin.

„Du stürzt dich ins Unglück, Annelie. Als Chefin muss man kaufmännisch denken und ein dickes Fell haben.“ Mama hatte damals nur lapidar mit „Das dicke Fell hast du mir bereits mit acht Jahren angepasst.“ geantwortet, anschließend ihr ein kaltes Lächeln geschenkt, war ins Auto gestiegen und gefahren.

Mama hatte was drauf, das wusste ich. Im Gegensatz zu anderen war mir noch nie der Arsch versohlt worden. Sie hatte nicht mal ein böses Wort verloren, als ich ungewollt mit frischen 18 Jahren schwanger wurde und mitten in der 11. Klasse abgehen musste. Nach der Geburt meiner Tochter Alena, begann ich kurz darauf eine Ausbildung im Betrieb meiner Mutter. Das war damals. Und heute? Heute stand ich mir die Beine in den Bauch, fror wie ein Schneider und gähnte, während ich einen Kaffee nach dem Nächsten schlürfte. Barks, war das kalt! Bestimmt –10°C oder so was in der Größenordnung. Heimlich schielte ich aufs Handy. Erst halb vier und die Laune sank von Minute zu Minute...

Ich stellte mir vor, wie bei uns zuhause im Kamin das Feuer knisterte. Die Wärme krabbelte in meine Füße und plötzlich schien meine Situation nicht mehr ganz so schrecklich. Seufz. Heute Abend würden Mama, mein Freund Constantin und ich mit Alena am Tisch sitzen und Abendessen, während in der Stube das Kaminfeuer munter prasselte und zum Schluss klingelte das Glöckchen, mit dem das Christkind Bescheid gab, dass die Geschenke termingerecht abgeliefert hatte. Ja so würde es sein und darauf freute ich mich. Schiefgehen konnte ja im Prinzip nichts mehr und deshalb beschloss ich, von diesem Moment an bessere Laune zu haben.

Eine ältere Dame beschaute sich ein kleines Gesteck mit einem Weihnachtsstern. „Hallo.“ begrüßte ich sie freundlich.

„Schönen Tag.“ antwortete sie im selben Ton und fragte gleich darauf „Wie viel wollen Sie für dieses hübsche Gesteck?“ Einen Augenblick musste ich überlegen, dann sagte ich „Weil Weihnachten ist geben Sie mir 10 Euro.“ Eigentlich kostete er mehr, aber da die Sträuße und Gestecke nicht ausgezeichnet waren, konnte ich auch frei nach Laune kassieren.

„Na, dann nehme ich ihn. Wissen Sie, die Gestecke am anderen Ende der Straße kosten alle wesentlich mehr und sehen nicht annähernd so hübsch aus.“ Sie durchwühlte ihr kleines Portemonnaie.

„Ach herrje.“ stöhnte sie auf. „Ich krieg bei diesem Münzchaos keine zehn mehr zusammen.

Das tut mir leid, Fräulein.“ - „Ach Quatsch.“ winkte ich ab. „Schütten Sie Ihre Börse mal hier auf dem Tresen aus, dann zählen wir gemeinsam nach.“ Insgesamt bekamen wir acht Euro und 59 Cent zusammen.

„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, geben Sie mir einfach das gesamte Klimpergeld und ich bin zufrieden. Einverstanden?“ Ein breites Lächeln entstand auf dem Gesicht der Dame. „Das finde ich sehr liebenswert von Ihnen. Ich bin gerade auf dem Weg nach Hause, da brauche ich das Kleingeld nicht mehr. Eingekauft habe ich ja bereits.“ – „Na sehen Sie, dann passt doch alles ineinander.“ Sie kratzte das Geld vom Tresen und reichte es mir.

„Ich bedanke mich viele Male, junges Fräulein.“ – „Es ist Weihnachten.“ lächelte ich. „Dann hoffe ich für Sie, dass Sie nicht mehr allzu lange hier stehen und frieren müssen und wünsche Ihnen ein wundervolles Weihnachtsfest, meine Liebe. Und noch einmal vielen Dank.“ Damit drückte sie meine linke Hand einmal fest in ihrer, nahm dann das Gesteck an sich und ging.

Nachdem die Dame verschwunden war, holte ich mein Portemonnaie hervor und zahlte den Rest aus eigener Tasche drauf, damit die Verkaufskasse stimmte. Auf Ärger bezüglich einer unstimmigen Kasse konnte ich wirklich verzichten heute! Das Thema „Geld“ begleitete uns ohnehin das ganze Jahr über, sodass ich mir einbildete mir heute eine Auszeit davon gönnen zu dürfen. Natürlich beschäftigte Mama das noch mehr als mich, denn sie war schließlich die Chefin.

Die Menschen gingen am Stand vorbei, quatschten und lachten. Manche hatten einen Glühwein, andere einen Kaffee oder schlichtweg das Kind oder die Griffe des Kinderwagens in der Hand. Hier und da lief auch mal ein Pärchen vorbei oder Freundinnen rannten lachend von A nach B... jedenfalls glaubte ich das.

Ein älteres Ehepaar spazierte Arm in Arm vorbei. Sie trug einen langen roten Mantel und in der Hand eine Plastiktüte. Bestimmt hatte sie darin die Geschenke für die Enkel. Was sie wohl verschenken wollten? Just in diesem Moment drehte die Dame ihren Kopf meinem Stand zu und sagte „Harald...“

Interessiert beschaute sie sich alles, blickte dann zu mir hoch und lächelte mich ganz aufrichtig an. Kurz darauf bemerkte sie zu ihrem Mann „Die sind alle ohne Preisschilder...“ - „Clevere Verkaufsstrategie.“ lachte dieser und hob einen der kleinen Kränze hoch, um ihn näher betrachten zu können.

„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte ich vorsichtig. „Ich suche ein kleines Gesteck mit einem Weihnachtsstern darin für meine Enkelin. Vor lauter Terminen und Ärger habe ich es dieses Jahr vergessen, ihr selbst einen zu stecken und nun bin ich auf der Suche nach einem Ersatz.“

- „Ja...“ grübelte ich, dann hob ich den Zeigefinger, um ihr zu zeigen, dass sie kurz warten solle und verschwand aus der Hütte hinaus nach hinten, wo ich eine Art Lager im Anhänger eingerichtet hatte. Alle Gestecke, Kränze und Sträuße passten nämlich nicht in und vor die Hütte.

„Was sagen Sie denn zu diesem kleinen Schmuckstück?“ fragte ich neugierig und hielt dem Ehepaar ein Gesteck hin, das ich selbst mit viel Hingabe gestern Abend noch gesteckt hatte. Im Gegensatz zu manch anderen Floristinnen war ich schon immer der Auffassung, dass weniger mehr war.

Das Gesteck mit dunkelgrüner Tanne hatte ich mit einer Elchfamilie aus Stroh verziert, dazu eine dunkelrote Blockkerze, einer Sternengirlande aus Filz in dunkelrot um die anderen Dekorationen herumdrapiert und einer cremefarbenen Band mit kleinen goldenen Engelsilhouetten als Bordüre um den Topf selbst gewickelt. Sie tauschten Blicke aus.

„Also mir gefällt er, was sagst du? Wissen Sie, junge Frau, sie ist auch von Fach und wenn das fachmännische Auge Ja sagt...“ Seine Gattin unterbrach ihn. „Darf ich?“ Ich reichte ihr das Gesteck und das geschulte Auge begutachtete mein Werk.

„Wie alt ist der?“ – „Ich habe ihn gestern Abend erst gemacht.“ informierte ich sie wahrheitsgemäß. „Das Moos habe ich eine Stunde lang getränkt vorher, also dürfte der sich recht lange halten.“ „Den find ich ja hübsch.“ Ihre Augen wanderten nun auch über die Hütte und die Kränze hinter mir an der Wand und dann fiel ihr Blick auf das Schild über meinem Verkaufsfenster.

„Sie gehören zu dem kleinen Blumenladen am Rande der Innenstadt.