Dunkles Netz - Hubert Bär - E-Book

Dunkles Netz E-Book

Hubert Bär

4,9

Beschreibung

"Dahinter steht ein Netzwerk das über ganz Deutschland verbreitet ist." Mannheim: Zwei Georgier werden Opfer eines Raubmords, ihre Leichen in einem Altrheinarm versenkt. Der Täter: V-Mann eines deutschen Geheimdienstes, spielsüchtig und chronisch in Geldnot, wird trotz zahlreicher Hinweise nicht entlarvt. Wird er womöglich von seinem Arbeitgeber gedeckt? Und warum werden seine Spuren mit anderen brutalen Kriminalfällen in Verbindung gebracht, mit denen er nichts zu tun hat? Unaufhaltsam verstrickt sich der V-Mann in einem dunklen Netz, das sich immer enger um ihn zusammenzieht …

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HUBERT BÄR

DUNKLES NETZ

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Über den Autor

Hubert Bär, Jahrgang 1942, studierte Germanistik und Romanistik und promovierte mit einer Arbeit über den Dichter Paul Scheerbart. Neben literaturwissenschaftlichen und deutschdidaktischen Überlegungen veröffentlichte er Lyrik und Prosa im Hörfunk, in literarischen Zeitschriften, in Zeitungen und Magazinen – auch mehrere Bücher, darunter drei Kriminalromane. Hubert Bär ist Mitglied des Syndikat und des Verbandes deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, dessen Beirat er von 2002 bis 2006 angehörte.

Impressum

G. BRAUN

© 2014 G. Braun Telefonbuchverlage GmbH & Co. KG, Karlsruhe

Umschlaggestaltung: Röger & Röttenbacher GbR,r2 Büro für Gestaltung, www.roeger-roettenbacher.de

Umschlagbild: Millennium Images/LOOK-foto

eISBN: 978-3-7650-2112-1

Dieser Titel ist auch als gedrucktes Buch erschienen: ISBN: 978-3-7650-8813-1

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes (auch Fotokopien, Mikroverfilmung und Übersetzung) ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt auch ausdrücklich für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen jeder Art und von jedem Betreiber.

Besuchen Sie uns im Internet www.gbraun-buchverlag.deund auf www.facebook.com/G.BraunBuchverlag.

Alexander beobachtete eine Flamme,die sich züngelnd durch die Wanddes Wohnmobils fraß. Die Hitze fing an,unerträglich zu werden. „Es wird Zeit“,dachte er.

Inhalt

eins

zwei

drei

vier

fünf

eins

Der Mann ahnte nicht, was auf ihn zukommen würde. Er ging sogar zweimal und wäre auch ein drittes Mal gegangen, um alle Geräte, die er fürs Angeln benötigte, von seinem klapprigen Toyota Land Cruiser hinunter zum Ufer zu tragen: die Ruten und -halter, den Gerätekoffer mit den verschiedenen Ködern, den Käscher, den Karpfensack, das Landewerkzeug, den Hakenlöser, den Fischtöter, die Waage, aber auch den Rucksack mit seinem Leberwurstbrot, der mit kaltem Kaffee gefüllten Thermosflasche und den kleinen Klappstuhl, auf dem er sich niederlassen konnte, wenn die Beine anfingen, müde zu werden.

Der Pfad, der von dem Feldweg ab und durch das Gebüsch zum Altrheinarm hinabführte, war fast zugewachsen. Man musste die Stelle kennen, wo der dschungelartige Wald überraschenderweise ein paar Schritte vom Wasser zurückwich und einem Angler gerade so viel Platz bot, dass er sich auf dem versumpften Rasen mit all seiner Ausrüstung ausbreiten konnte.

Bevor er die Ruten mit verschiedenen Ködern bestückte und sie in Stellung brachte, bestrich der Mann das Gesicht, den Nacken und alle freien Hautstellen mit Autan, um die lästigen Stechmücken abzuwehren, die um diese Tageszeit in Scharen Opfer suchten. Er setzte sich auf den behelfsmäßigen Hocker, schraubte den Verschluss der Thermosflasche ab und nahm einen Schluck von dem kalten, schwarzen und stark gesüßten Kaffee. Dann schaute er auf das Wasser, in dem sich der noch blasse Himmel spiegelte.

Vereinzelt schwammen dort bereits gelbe Blätter, manche getrocknet und gebogen, sodass eine gelegentlich leichte Brise sie wie kleine Segelboote vorantrieb. Sie lösten in ihm eine wehmütige Stimmung aus.

All die Stunden, die er hier verbracht hatte, wo er sich von dem Stress im Geschäft und den häuslichen Streitereien zu erholen pflegte. Obwohl er auch heute mit einem wunderschönen Tag rechnete, kündigten der verräterisch gelbe Hauch in den Bäumen das diesjährige Ende der warmen Jahreszeit an.

Vorbei die frühen Stunden, in denen er auf den Lärm der Vögel lauschte, die um die Wette zwitscherten, flöteten, pfiffen und trällerten, in denen Altvögel ihre flügge Brut über die Äste lockten und ihre mit vibrierendem Flügelschlag bettelnden Kleinen mit Leckerbissen verwöhnten, mit Schnaken, kleinen Käfern, Würmern und Larven. Bald würde sich vielleicht auf dem kaum strömenden Fluss eine Eisschicht bilden und die Wasservögel würden gezwungen sein, ihre Rivalität aufzugeben und in einer erstaunlichen Kooperation eine eisfreie Stelle zu schaffen, indem sie, sich gegenseitig ablösend, im Kreis schwammen, das Wasser mit ihren Füßen bearbeiteten und dabei die Fluten in Bewegung hielten.

Der Mann atmete tief die mit sanfter Melancholie parfümierte Morgenluft. Er wunderte sich, dass etwas weiter draußen vom Grund her so viele Blasen aufstiegen.

›Es könnte sich um Brassen handeln, die den Grundschlamm auf der Suche nach Nahrung durchwühlen‹, ging es ihm durch den Kopf, als plötzlich ein ganzes, mit einer grauen Kunststofffolie umwickeltes und mit Klebstreifen kreuz und quer umschlungenes Paket emporschoss. Es schaukelte eine Weile auf der Wasseroberfläche und sendete einen Kreis von Wellen aus, die sanft vor seinen Füßen verebbten. Dann lag es wie eine kleine felsige Insel in dem seeartigen Rheinausläufer.

Was mochte das Bündel beinhalten?

Jetzt erst beschlich den Mann eine dumpfe Ahnung. Dennoch griff er nach einer der ausgelegten Ruten, trennte den Köder vom Haken und warf die Schnur weit hinaus. Er spürte, wie sein Herz klopfte, als sich das kleine, gebogene Stahlteil an dem Packen verfing und er diesen ins seichtere Wasser zog.

Sollte er nun wirklich die Schuhe ausziehen, die Hosenbeine hochkrempeln und hineinwaten? Er würde das Kunststoffbündel mit beiden Händen anfassen müssen, wollte er es endgültig an Land zerren. Ihn schauderte bei dem Gedanken. Ein Erlebnis war zu befürchten, das ihm nicht nur diesen Tag verderben, sondern das ihn in der Erinnerung ein ganzes Leben lang belasten würde.

Diese, seine einstmals paradiesische, einzigartige Zufluchtsstätte würde sich möglicherweise in eine Stätte des Horrors verwandeln. Er überlegte, ob er seine Aktion nicht einfach abbrechen, seine Utensilien zusammensuchen und den Ort verlassen sollte.

Irgendwann aber würde das ominöse Paket gefunden werden, und wenn es wirklich das beinhaltete, was er befürchtete, würde man nach Spuren suchen und auf ihn stoßen. Möglicherweise würde er als Verdächtiger in eine Geschichte hineingezogen werden, deren Ausmaß sich nicht abschätzen ließ. Ratsamer blieb es, sich jetzt korrekt zu verhalten.

Er schleifte seine zweifelhafte Beute aufs Ufer. Widerlich, wie sie sich anfühlte, weich und an der glatten Folie kaum zu fassen. Der Mann musste mit Übelkeit kämpfen, als er das Bündel betrachtete. Ein Teil der Klebefolie hatte sich gelöst und hing nun schlaff herab. Möglicherweise hatte sie einen Gegenstand gehalten, durch dessen Gewicht das Paket auf den Grund des Flusses gedrückt worden war. Durch die Einwirkung des Wassers hatte sich die Fixierung gelöst und die Beschwerung war herausgerutscht.

Der Mann holte sein Anglermesser, setzte es an, besann sich und verzichtete darauf, die Verpackung aufzuschlitzen. Mit der zitternden Hand fingerte er sein Handy aus der Hosentasche, überlegte kurz und wählte 110.

zwei

Lado hatte sich extra einen neuen Koffer gekauft, einen Hartschalenkoffer, wie ihm Wassili geraten hatte. Der komme beim Verladen und beim Transport auf den Förderbändern am wenigsten zu Schaden, hatte er zwischen den Zähnen hervorgequetscht. Das Gepäckstück lag nun wie ein gefräßiges, nur aus Maul bestehendes Tier aufgeklappt auf dem Boden. Es wartete darauf, endlich mit Reiseutensilien gefüttert zu werden.

Oft war Lado nicht verreist und schon gar nicht so weit. Deshalb wusste er nicht recht, was er mitnehmen sollte. Vielleicht half es, sich vorzustellen, wie er sich von Kopf bis Fuß ein- und umkleidete, welche wechselnden Situationen eine entsprechende Garderobe oder ein passendes Outfit verlangten.

Sowohl in Deutschland als auch auf der Reise durch Italien, Griechenland und die Türkei würde ein sommerliches Klima herrschen, sodass sich wirklich warme Kleidung erübrigte. Es blieb nur die Frage, welche Garderobe seinen verschiedenen Auftritten angemessen war. Für alle Fälle benötigte er einen dunklen Sommeranzug, eine Kombination, einen leichten Mantel und einen Schirm (Letzteren besonders für Deutschland, dort soll es viel regnen), aber auch bequeme Hosen für die Reise und T-Shirts. Die Anstrengung, sich den Verlauf seines geplanten Unternehmens im Einzelnen vor Augen zu führen, ließ ihn in Abständen erschöpft in einen kleinen Sessel sinken. Dort ertappte er sich immer wieder dabei, wie seine Gedanken abschweiften.

Jetzt dachte er an seine Eltern und daran, dass sie recht hatten, als sie ihn auf eine Privatschule schickten und ihm rieten, als erste Fremdsprache Deutsch zu lernen. Er hätte lieber mit seinen Freunden Fußball gespielt, wie das so ist bei Kindern. Auch wenn es oft Schwierigkeiten gab, wenn es darum ging, die Kicker in zwei Mannschaften aufzuteilen. Keiner wollte ihn haben. Er sei zu langsam und würde das Leder nicht treffen, wurde behauptet. Manchmal wurde gelästert, mit seiner Figur tauge er eher zum Ball als zum Spieler. Er selbst aber war überzeugt, dass er ein Star würde wie Schweinsteiger, Ribéry, Robben, Messi, Ronaldo oder Ronaldinho. Dafür musste er nicht Deutsch können, auch wenn er in Deutschland spielen würde. Höchstens ein paar Brocken. So hatte er damals gedacht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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