Durchs wilde Kurdistan - Karl May - E-Book

Durchs wilde Kurdistan E-Book

Karl May

4,5

Beschreibung

Durchs wilde Kurdistan setzt Kara Ben Nemsi zusammen mit Halef und dem spleenigen Sir David Lindsay seine Orientreise fort. Bei den allseits verachteten "Teufelsanbetern" gibt es weitere Abenteuer: Amad el Ghandur, der Sohn von Scheik Mohammed Emin, ihrem Gastfreund, soll aus der Festung in Amadije befreit werden... Die vorliegende Erzählung spielt in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts. "Durchs wilde Kurdistan" ist Band 2 des sechsteiligen "Orientzyklus". Band 1 Durch die Wüste Band 3 Von Bagdad nach Stambul Band 4 In den Schluchten des Balkan Band 5 Durch das Land der Skipetaren Band 6 Der Schut

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KARL MAY’s

GESAMMELTE WERKE

BAND 2

DURCHS WILDE

KURDISTAN

REISEERZÄHLUNG

VON

KARL MAY

Nach der Fassung von 1962 neu herausgegeben

von Lothar und Bernhard Schmid

© 2001 Karl-May-Verlag

ISBN 978-3-7802-1502-4

KARL-MAY-VERLAG

BAMBERG • RADEBEUL

1. Eine nächtliche Feier

Wir kehrten vom Besuch des Anführers der Badinan-Kurden zurück. Als wir auf der letzten Höhe ankamen und das Tal der Teufelsanbeter überblicken konnten, bemerkten wir ganz in der Nähe des Hauses, das dem Bej gehörte, einen ungeheuren Haufen von Reisholz, der von einigen Jesidi noch vergrößert wurde. Pir Kamek stand dabei und warf von Zeit zu Zeit ein Stück Erdharz hinein.

„Das ist ein Opferhaufen“, meinte Ali Bej.

„Was wird geopfert?“

„Ich weiß es nicht.“

„Vielleicht ein Tier?“

„Nur bei den Heiden werden Tiere verbrannt.“

„Dann vielleicht Früchte?“

„Die Jesidi verbrennen weder Tiere noch Früchte. Der Pir hat mir nicht gesagt, was er verbrennen wird, aber er ist ein großer Heiliger und was er tut, wird keine Sünde sein.“

Noch immer ertönten von der gegenüberliegenden Höhe die Salven der ankommenden Pilger und noch immer wurde ihnen im Tal geantwortet; und doch bemerkte ich, als wir unten ankamen, dass dieses Tal kaum noch mehr Menschen zu fassen vermochte. Wir übergaben unsere Tiere und gingen nach dem Grabmal. An dem Weg, der zu ihm führte, lag ein Springbrunnen, der von Platten eingefasst war. Auf einer davon saß der Mir Scheik Khan und sprach mit einer Anzahl von Pilgern, die in ehrerbietiger Haltung und Entfernung vor ihm standen.

„Dieser Brunnen ist heilig und nur der Mir, ich und die Priester dürfen auf diesen Steinen sitzen. Zürne also nicht, wenn du stehen musst!“, sagte Ali zu mir.

„Eure Gebräuche werde ich achten.“

Als wir uns nahten, gab der Mir den Umstehenden ein Zeichen, worauf sie Platz machten, sodass wir zu ihm kommen konnten. Er erhob sich, kam uns einige Schritte entgegen und reichte uns die Hände.

„Willkommen bei eurer Rückkehr! Nehmt Platz zu meiner Rechten und Linken!“

Er deutete den Bej zur Linken, sodass mir die rechte Seite übrig blieb. Ich setzte mich auf die geheiligten Steine, ohne dass ich bei einem der Anwesenden den geringsten Verdruss darüber bemerkt hätte. Wie sehr stach ein solches Verhalten gegen das ab, das man bei den Mohammedanern beobachten muss!

„Hast du mit Hussejn Agha gesprochen?“, fragte der Mir.

„Ja. Es ist alles in der besten Ordnung. Hast du den Pilgern bereits eine Mitteilung gemacht?“

„Nein.“

„So wird es Zeit sein, dass die Leute sich versammeln. Gib den Befehl dazu!“

„Ich bin der Regent des Glaubens und alles andere ist deine Sache. Ich werde dir den Ruhm, die Gläubigen beschützt und die Feinde besiegt zu haben, niemals verkürzen.“

Auch dies war eine Bescheidenheit, die bei einem mohammedanischen Imam kaum zu finden ist. Ali Bej erhob sich und schritt von dannen. Während ich mich mit dem Mir unterhielt, bemerkte ich eine Bewegung unter den Pilgern, die mit jeder Minute größer wurde. Die Frauen blieben an ihren Plätzen stehen, die Kinder ebenso; die Männer aber stellten sich am Bach entlang auf und die Anführer der einzelnen Stämme, Zweige und Ortschaften bildeten einen Kreis um Ali Bej, der ihnen die Absichten des Mutaßarryf von Mossul bekannt gab. Dabei herrschte Ruhe und Ordnung wie bei der Parade einer europäischen Truppe, ganz verschieden von dem lärmenden Durcheinander, das man sonst bei orientalischen Kriegern zu sehen und zu hören gewohnt ist. Nach einiger Zeit, in der die Anführer den Ihrigen die Mitteilung und die Befehle des Bej überbracht hatten, ging die Versammlung ohne Unordnung wieder auseinander und ein jeder begab sich an den Platz, den er vorher innegehabt hatte.

Ali Bej kam zu uns zurück.

„Was hast du befohlen?“, fragte der Mir.

Der Gefragte streckte den Arm aus und deutete auf einen Trupp von vielleicht zwanzig Männern, die den Pfad emporstiegen, auf dem wir vorhin herabgekommen waren.

„Sieh, das sind Krieger aus Aïran, Hadschi Dsho und Schura Khan, die diese Gegend sehr gut kennen. Sie gehen den Türken entgegen und werden uns von deren Kommen rechtzeitig benachrichtigen. Auch gegen Baadri hin habe ich Wachen stehen, sodass es ganz unmöglich ist, uns zu überraschen. Bis es Nacht wird, haben wir noch drei Stunden Zeit, und das genügt, um alles Überflüssige nach dem Tal Idis zu bringen. Die Männer werden aufbrechen und Selek wird Ihnen den Weg zeigen.“

„Werden sie bei Beginn der heiligen Handlungen zurückgekehrt sein?“

„Ja, das ist sicher.“

„So mögen sie gehen!“

Nach einiger Zeit schritt ein sehr, sehr langer Zug von Männern, die Tiere mit sich führten oder verschiedene Habseligkeiten trugen, an uns vorüber und verschwand, immer einer nach dem andern, hinter dem Grabmal. Dann kamen sie über diesem auf einem Felsenpfad wieder zum Vorschein und man konnte von unserm Sitz aus ihren Weg verfolgen, bis er oben im hohen, dichten Wald verlief.

Jetzt musste ich mit Ali Bej gehen, um das Mahl einzunehmen. Nachher trat der Baschybosuk zu mir.

„Herr, ich muss dir etwas sagen!“

„Was?“

„Uns droht eine große Gefahr!“

„Ah! Welche?“

„Ich weiß es nicht; aber diese Teufelsmänner haben mich seit einer halben Stunde mit Augen angesehen, die ganz fürchterlich sind. Es sieht geradeso aus, als ob sie mich töten wollten!“

Da der Bölük Emini seine Uniform trug, so konnte ich mir das Verhalten der von den Türken bedrohten Jesidi sehr leicht erklären; doch war ich überzeugt, dass ihm nichts geschehen werde.

„Das ist schlimm!“, meinte ich. „Wenn sie dich töten, wer wird dann den Schwanz deines Esels bedienen?“

„Herr, sie werden den Esel auch mit erstechen! Hast du nicht gesehen, dass sie die meisten Büffel und Schafe, die vorhanden sind, bereits getötet haben?“

„Dein Esel ist sicher und du bist es auch. Ihr gehört zusammen und man wird euch nicht auseinander reißen.“

„Versprichst du mir das?“

„Ich verspreche es dir!“

„Aber ich hatte Angst, als du vorhin abwesend warst. Gehst du wieder fort von hier?“

„Ich werde bleiben; aber ich befehle dir, stets hier im Haus zu sein und dich nicht unter die Jesidi zu mischen, sonst ist es mir unmöglich, dich zu beschützen!“

Er ging halb und halb getröstet, der Held, den der Mutaßarryf mir zu meinem Schutz mitgegeben hatte. Aber es kam auch noch von einer anderen Seite eine Warnung: Halef suchte mich auf.

„Sihdi, weißt du, dass es Krieg geben wird?“

„Krieg? Zwischen wem?“

„Zwischen den Osmanlylar und den Teufelsleuten.“

„Wer sagt es?“

„Niemand.“

„Niemand? Du hast doch wohl gehört, was wir heute früh in Baadri davon gesprochen haben?“

„Nichts habe ich gehört, denn ihr spracht türkisch, und diese Leute sprechen die Sprache so aus, dass ich sie nicht verstehen kann. Aber ich sah, dass es eine große Versammlung gab und dass danach alle Männer ihre Waffen untersuchten. Nachher haben sie ihre Tiere und Güter fortgeschafft, und als ich zu Scheik Mohammed hinauf auf die Plattform kam, war er beschäftigt, die alte Ladung aus seinen Pistolen zu nehmen, um sie gegen eine neue zu vertauschen. Sind dies nicht genug Zeichen, dass man eine Gefahr erwartet?“

„Du hast Recht, Halef. Morgen früh bei Anbruch des Tages werden die Türken von Baadri und auch von Kaloni aus über die Jesidi herfallen.“

„Wie hoch zählen die Türken?“

„Fünfzehnhundert Mann.“

„Es werden viele von ihnen fallen, da ihr Plan verraten ist. Wem wirst du helfen, Sihdi, den Türken oder den Jesidi?“

„Ich werde gar nicht kämpfen.“

„Nicht?“, erwiderte er enttäuscht. „Darf ich nicht?“

„Wem willst du helfen?“

„Den Jesidi.“

„Ihnen, Halef? Ihnen, von denen du glaubtest, dass sie dich um das Paradies bringen würden?“

„O Sihdi, ich kannte sie nicht; jetzt aber liebe ich sie.“

„Aber sie sind Ungläubige!“

„Hast du selbst nicht stets denen geholfen, die gut waren, ohne sie zu fragen, ob sie an Allah oder an einen andern Gott glauben?“

Mein wackerer Halef hatte mich zum Moslem machen wollen und jetzt sah ich zu meiner großen Freude, dass er sein Herz für ein ganz und gar christliches Gefühl geöffnet hatte. Ich antwortete ihm:

„Du wirst bei mir bleiben.“

„Während die andern kämpfen und tapfer sind?“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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