Egon Schiele und Kunstwerke - Jeanette Zwingenberger - E-Book

Egon Schiele und Kunstwerke E-Book

Jeanette Zwingenberger

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Beschreibung

Pornografisch, unsittlich, amoralisch und letztendlich sogar „entartet“ wurde die Kunst des Egon Schiele genannt. Lange Zeit verkannt und verunglimpft, hat der geniale, von Selbstobsession getriebene Künstler dennoch unbeirrt seine künstlerische Suche nach der Essenz der weiblichen Sexualität und nach einer neuen, ausgeglichenen Selbstwahrnehmung fortgesetzt; eine Suche, die in einer Vielzahl von Selbstporträts und Aktzeichnungen zum Ausdruck gebracht wurde. Dieser Band bemüht sich darum, die volle künstlerische Bandbreite des Künstlers zu erfassen, seine bekannten Porträts, Akte und Selbstporträts mit seinen weniger bekannten Landschafts –und Städtebildern zu kontrastieren und einen Einblick in die Seele des umstrittenen Österreichers zu bieten.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Esther Selsdon, Jeanette Zwingerberger und Ashley Bassie

Direktor der deutschen Veröffentlichung: Klaus Carl

© 2023, Parkstone Press International, New York, USA

© 2023, Confidential Concepts, worldwide, USA

© Image-Barwww.image-bar.com

Alle Rechte vorbehalten.

Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen, den betreffenden Künstlern selbst oder ihren Rechtsnachfolgern. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

ISBN: 978-1-78160-920-0

Inhalt

Biographie

Vorwort

Schieles Kindheit

Die Vaterfigur Klimt

Die expressionistische Emanzipation

Erste Ausstellungen in Wien und der Schiele’sche Radikalismus

Das Selbstportrait: nackt im Angesicht des Todes

Ekel und Anziehung

Aus dem Gefängnis zu internationalem Ruhm

Abbildungsverzeichnis

Schiele auf seinem Totenbett, 1918

Biographie

1890:

Egon Schiele wird im österreichischen Tulln geboren.

1890-1900:

Von Kindesbeinen an ist Egon passionierter Zeichner, seine ersten Motive findet er in seiner Heimatstadt und deren Umgebung.

1906:

Schiele wird in die Akademie der Bildenden Künste in Wien aufgenommen.

1907:

Schiele lernt Gustav Klimt (1862 bis 1918) kennen, der ihn von Anfang an stark beeinflusst und ihn immer wieder ermuntert.

1908:

Ausstellung in Klosterneuburg.

1909:

Schiele rebelliert gegen die überholten Unterrichtsmethoden seines Akademieprofessors und verfasst mit einigen Kollegen eine Liste mit Forderungen nach größerer Ausdrucksfreiheit für die Künstler. Daraufhin wird er von der Akademie verwiesen. Schiele gründet zusammen mit anderen Künstlern, wie Anton Peschka (1885 bis 1940) oder Hans Massmann (1887 bis 1973), die Neukunstgruppe. Die Gruppe hat ihre erste Ausstellung im Salon Pisko in Wien. Dank Klimt wird die Gruppe auch zur angesehenen Internationalen Ausstellung Wiens eingeladen.

1910:

Schiele trifft Arthur Roessler (1877 bis 1955), einen Kunstkritiker, der ihn vielen Sammlern vorstellt.

1911:

Schiele arbeitet in Krumau in Bayern. Er lebt mit einem seiner Modelle, Wally Neuzil, zusammen. Das ist gegen die Moralvorstellungen der Einwohner der Kleinstadt. Deshalb zieht Schiele zunächst nach Neulengbach, um sich dann 1912 in Wien niederzulassen.

1912:

Mit der Neukunstgruppe stellt er in Budapest und München aus. Seine erste Lithografie erscheint. Angeklagt wegen Verführung Minderjähriger, wird er zu drei Wochen Haft zwischen März und April verurteilt, dies trifft ihn sehr hart. Er bringt seine Verbitterung und seinen Widerstand in seinem 1922 von Arthur Roessler veröffentlichten Gefängnistagebuch zum Ausdruck. Im Juli wohnt Schiele der Ausstellung Sonderbund in Köln bei, ein bedeutendes Ereignis für den österreichischen Expressionismus.

1913:

Er wird in den Bund Österreichischer Künstler aufgenommen, dessen Präsident Gustav Klimt ist, und stellt im März mit anderen Künstlern in Budapest aus. Anschließend nimmt er an der Frühlingsausstellung der Secession in München, der Großen Kunstausstellung in Berlin und der 43. Ausstellung der Wiener Secession teil. Schiele trägt zusätzlich mit Berichten und Zeichnungen in der Berliner Zeitschrift Die Aktion bei.

1915:

Egon Schiele heiratet Edith Harms. Diese Veränderung in seinem Privatleben wirkt sich auch auf seine Arbeit aus, die Erotik in seinen Bildern wird weniger gewalttätig dargestellt. Hatte er anfangs einer Rekrutierung noch entkommen können, so wurde er jetzt von der Medizinischen Kommission nachträglich doch noch als heerestauglich eingestuft.

1916:

Schiele stellt erst bei der Berliner Sezession aus, dann bei der Münchner Secession. Die Aktion widmet ihm eine Sonderausgabe.

1917:

Nach Wien zurückgekehrt, widmet sich Schiele ganz der Malerei. Er gründet die Kunsthalle, ein freier Zusammenschluss von Künstlern. Er nimmt an der Ausstellung im Kaisergarten in Wien, später an zahlreichen weiteren Ausstellungen in Stockholm, Amsterdam und Kopenhagen teil. Schiele trägt maßgeblich zur Herausbildung einer neuen Wiener Periode bei: Der Anbruch.

1918:

Am 6. Februar stirbt Gustav Klimt. Die Teilnahme Schieles an der WienerSecession ist sowohl in finanzieller als auch in künstlerischer Hinsicht ein Erfolg, und das Interesse zahlreicher Wiener Persönlichkeiten für sein Werk steigt. Im Herbst erkrankt seine Frau an der Spanischen Grippe und stirbt am 28. Oktober. Auch Egon Schiele steckt sich an und verstirbt am 31. Oktober.

Selbstbildnis, 1907

Öl auf Karton, 32,4 x 31,2 cm. Privatsammlung, New York

Vorwort

Egon Schieles Werk ist so einzigartig, dass es sich jeglicher Kategorisierung widersetzt. Schiele war ein besonders frühreifer Künstler, der bereits im Alter von 16 Jahren von der Wiener Akademie der Künste aufgenommen wurde. Vor allem seine herausragende Fähigkeit der Manipulation der Linien verlieh all seinen Werken eine straffe Ausdruckskraft. Schiele war zutiefst von seiner eigenen künstlerischen Bedeutung überzeugt und erreichte in seiner kurzen Lebensspanne mehr als viele andere Künstler in ihrem ganzen Leben.

Das 1918 aufgenommene Foto Schiele auf seinem Totenbett zeigt den achtundzwanzigjährigen, fast schlafend, der hagere Körper ist völlig abgemagert, der Kopf liegt auf seinem angewinkelten Arm; die Ähnlichkeit mit seinen Zeichnungen ist verblüffend. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr konnten die letzten Besucher mit dem an der Spanischen Grippe erkrankten Schiele nur noch über einen auf der Schwelle zwischen seinem Zimmer und dem Salon aufgestellten Spiegel – in dem er sich und seine Modelle betrachtete – kommunizieren.

Noch im selben Jahr 1918 hatte Schiele ein Mausoleum für sich und seine Frau entworfen. Wusste er, der sich so oft als Sehender ausgezeichnet hatte, von seinem plötzlichen Ende? Fusioniert hier das individuelle Schicksal im Kollektiven mit dem Untergang einer alten Weltordnung, der des Habsburger Reiches? Schieles Schaffenszeit erstreckt sich über kaum mehr als zehn Jahre, in dieser kurzen Zeitspanne schuf er ungefähr 334 Ölgemälde und 2503 Zeichnungen.

Er malte Portraits und stilllebenartige Landschafts- und Städtebilder, berühmt wurde er jedoch als Zeichner. Selbst seine knappsten Entwürfe sind das Ergebnis einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe: Schiele dringt, so wie die anderen Expressionisten seiner Zeit, unglaublich tief in das eigene Seelenleben und das seiner Stoffe ein. Nach expressionistischer Auffassung ist es gar dieser introspektive Schritt, der den künstlerischen Schaffensprozess definiert.

Ein treibender Aspekt des Expressionismus lag in der Überzeugung der Schaffenden, mit ihrer Kunst in vollkommen neue Erfahrenswelten vorzudringen. Die expressionistische Kunst hatte zwar außergewöhnliche technische Innovationen vorzuweisen, doch waren die formalen Möglichkeiten der Oberfläche für sie lediglich ein Mittel, kein Selbstzweck. Vielmehr strebten die Expressionisten kein geringeres Ziel an als einem neuen, nach innen gerichteten Blick Ausdruck zu verleihen.

Dies setzte eine geschärfte Wahrnehmung voraus, die für manche Betrachter an Hellseherei grenzte. Die Expressionisten suchten eine intime, subjektive und einen starken Nachhall erzeugende Kommunikation zwischen Künstler und Betrachter. Der Maler, Grafiker und Schriftsteller Oskar Kokoschka (1886 bis 1980) beschrieb sie als den Versuch, der Erfahrung Form zu verleihen, als Mittler und Botschaft zwischen dem Selbst und dem Mitmenschen. Wie in der Liebe brauche es dazu zwei Individuen.

Bildnis Leopold Czihaczek stehend, 1907

Öl auf Leinwand, 149,8 x 49,7 cm. Privatsammlung

Dorf mit Bergen, 1907

Öl auf Papier, 21,7 x 28 cm. Privatsammlung

Landschaft in Niederösterreich, 1907

Öl auf Karton, 17,5 x 22,5 cm. Privatsammlung

Sonnenblume I, 1908

Öl auf Karton, 44 x 33 cm. Niederösterreichisches Landesmuseum, Wien

Porträt des Malers Anton Peschka, 1909

Öl und metallische Farbe, 110,2 x 100 cm. Privatsammlung

Der Expressionismus lebe nicht im Elfenbeinturm, sondern richte quasi einen Weckruf an seine Mitmenschen. Die moralischen Fesseln sprengend, die das neunzehnte Jahrhundert der Sprache, den Gedanken und dem Verhalten angelegt hatte, bot der Expressionismus vielen Künstlern und Schriftstellern ein Mittel, mit dem sie versuchten, der instinktiven, wahrhaftig unberechenbaren Psyche freien Ausdruck zu verleihen und sozusagen aus der Zwangsjacke auszubrechen.

Sigmund Freuds (1856 bis 1939) Erkundungen des Unbewussten und der Verdrängungsmechanismen – mit deren Hilfe schmerzhafte Erinnerungen und „unangemessene“ Impulse ins Unterbewusstsein verbannt werden – schienen die Existenz eines mächtigen und konfliktträchtigen „Innenlebens“ nur zu bestätigen. Bei dem Versuch, unterdrückten Aspekten der Psyche Ausdruck zu verleihen, neigten die expressionistischen Ausdrucksformen – Kunst, Tanz, Musik, Theater und Literatur – daher dazu, das Chaotische, Ekstatische, Gewaltsame, Unstatthafte oder sogar Dämonische hervorzuheben. Eros und Thanatos