Ehe Er Sündigt (Ein Mackenzie White Krimi—Buch 7) - Blake Pierce - E-Book + Hörbuch

Ehe Er Sündigt (Ein Mackenzie White Krimi—Buch 7) E-Book und Hörbuch

Blake Pierce

4,3

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Beschreibung

Von Blake Pierce, Bestselling Auto von VERSCHWUNDEN (a#1 Bestseller mit über 900 Fünf Sterne Bewertungen) kommt Buch #7 der spannenden Mackenzie White Mysterie Reihen. In EHE ER SÜNDIGT (ein Mackenzie White Mystery – Buch 7) werden Pastoren getötet, ihre Leichen werden an Kirchentüren gekreuzigt, in ganz Washington DC gefunden. Kann dies eine Art Racheakt sein? Kann es ein Kirchenmitglied sein, das außer Kontrolle greaten ist? Oder ein Serienmörder, der mit einem weit aus teuflischeren Motiv Priester jagt? Das FBI wendet sich an Agentin Mackenzie White, da der Fall Ähnlichkeiten mit den religiösen Andeutungen ihres ersten Falles, dem Scarecrow Mörder hatte. Eingetaucht in die Subkultur des Priestertums, kämpft Mackenzie darum, mehr über die Rituale und die antiken Schriften zu lernen, um sich in den Kopf des Mörders zu versetzen. Aber Mackenzie ist auch damit beschäftigt, die Jagd nach dem Mörder ihres Vaters fortzusetzen, dieses Mal will sie ihn finden. Aber dieser neue Mörder ist teuflischer als die meisten und zieht sie in sein tötliches Katz-und Mausspiel, bis zum Rand ihres eigenen Verstands. Ein dunkler Psychothriller mit spannender Ungewissheit, EHE ER SÜNDIGT ist Buch #7 in einer fesselnden neuen Reihe – mit einem liebenswerten neuen Charakter – der Sie bis spät abends lesen lässt. Auch verfügbar von Blake Pierce ist VERSCHWUNDEN (ein Riley Paige Mystery – Buch #1), ein #1 Bestseller mit über 900 Fünf Sterne Bewertungen – und einem kostenlosen Download!

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Seitenzahl: 302

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Zeit:6 Std. 35 min

Veröffentlichungsjahr: 2017

Sprecher:Valentina Lee

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BEVOR ER SÜNDIGT

(EIN MACKENZIE WHITE MYSTERY—BUCH 7)

B L A K E   P I E R C E

Blake Pierce

Blake Pierce ist Autor der Bestseller RILEY PAGE Mysterie Reihen, die elf Bücher (aufwärts) enthält. Blake Pierce ist ebenfalls Autor der MACKENZIE WHITE Mysterie Reihen, die aus acht Büchern (aufwärts) besteht; der AVERY BLACK Mysterie Reihen, die aus fünf Büchern besteht; und der neuen KERI LOCKE Mysterie Reihen, die aus fünf Büchern (aufwärts besteht).

Als treuer Leser und lebenslanger Fan des Mysterie und Thriller Genres, hört Blake gerne von Ihnen, also besuchen Sie die Seite www.blakepierceauthor.com, um mehr zu lernen und in Kontakt zu bleiben.

Copyright © 2017 durch Blake Pierce. Alle Rechte vorbehalten. Außer wie im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz von 1976 erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verteilt oder übertragen werden oder in einer Datenbank oder einem Abfragesystem ohne die vorherige Genehmigung des Autors gespeichert werden. Dieses eBook ist nur für Ihren persönlichen Genuss lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch für eine andere Person freigeben möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger eine zusätzliche Kopie. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben oder es nicht für Ihre Verwendung erworben wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihre eigene Kopie. Danke, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dieses Buch ist reine Fiktion. Namen, Charaktere, Geschäfte, Organisationen, Orte, Ereignisse und Ereignisse sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen ist völlig zufällig.

BÜCHER VON BLAKE PIERCE

RILEY PAIGE KRIMI SERIE

VERSCHWUNDEN (Band #1)

GEFESSELT (Band #2)

ERSEHNT (Band #3)

GEKÖDERT (Band #4)

GEJAGT (Band #5)

VERZEHRT (Band #6)

VERLASSEN (Band #7)

ERKALTET (Band #8)

MACKENZIE WHITE KRIMI SERIE

BEVOR ER TÖTET (Band #1)

BEVOR ER SIEHT (Band #2)

BEVOR ER BEGEHRT (Band #3)

BEVOR ER NIMMT (Band #4)

BEVOR ER BRAUCHT (Band #5)

EHE ER FÜHLT (Band #6)

BEVOR ER SÜNDIGT (Band #7)

BEVOR ER JAGT (Band #8)

AVERY BLACK KRIMI SERIE

GRUND ZU TÖTEN (Band #1)

GRUND ZU FLÜCHTEN (Band #2)

GRUND ZU VERSTECKEN (Band #3)

GRUND ZU FÜRCHTEN (Band #4)

KERI LOCKE KRIMI SERIE

EINE SPUR VON TOD (Band #1)

EINE SPUR VON MORD (Band #2)

INHALTE

PROLOG

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ELF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG

KAPITEL DREIßIG

KAPITEL EINUNDDREIßIG

KAPITEL ZWEIUNDDREIßIG

KAPITEL DREIUNDREIßIG

PROLOG

Die Sonne brach am Horizont, aber hatte noch nicht die letzte Kühle der Nacht verbrannt – Christy’s liebste Zeit des Tages. Zu sehen, wie die Sonne sich über die Stadt erhob, war eine große Erinnerung für sie daran, dass jede Nacht ein Ende hatte, etwas was sie wissen musste, da sie sich immer weiter und weiter von Gott entfernt fühlte. Zu sehen, wie die Sonne über den Gebäuden von Washington DC aufging und die Nacht beiseiteschob, erinnerte sie an den Text eines Verehrungsliedes: Obwohl es Schmerz in der Nacht gibt, kommt die Sonne morgens…

Sie zitierte diesen Vers immer und immer wieder, während sie die Straße zur Kirche hinunterging. Sie hatte bereits seit Wochen versucht, sich dazu durchzuringen. Ihr Glaube hatte sich verändert, sie hatte Sünde und Versuchung nachgegeben. Der Gedanke der Beichte war ihr sofort gekommen, aber es war auch schwer. Es war nie leicht, seine Sünden zu beichten. Aber sie wusste, dass sie es tun musste. Je länger eine Sünde zwischen ihr und Gott existierte, umso schwerer würde es sein, dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Je eher sie diese Sünde beichten konnte, umso besser die Chance, dass sie wieder auf die Füße kam und ihren Glauben wieder erlangte – ein Glaube, der ihr Leben seit sie zehn war, bestimmte.

Als sie die Umrisse der Kirche vor sich sah, sank ihr Herz. Kann ich das wirklich tun? Kann ich beichten?

Die bekannten Ecken und Formen der katholischen Blessed Heart Kirche schienen ihr zu sagen, ja, du kannst.

Christy begann zu zittern. Sie war sich nicht sicher, ob sie das was sie getan hatte, als eine Affäre bezeichnen konnte oder nicht. Sie hatte den Mann nur einmal geküsst und hatte es dann dabei belassen. Aber sie hatte ihn weiterhin getroffen, hatte sich weiterhin von seinen Worten des Lobes und der Bewunderung aufmuntern lassen – Worte, die ihr eigener Mann ihr seit Jahren nicht mehr sagte.

Sie konnte schon fast spüren, wie die Sünde in ihr abebbte, als die Sonne höher über den Himmel stieg, und goldene und weiche orangenfarbene Töne um den Umriss der Blessed Heart Kirche machte. Wenn sie noch weitere Zeichen brauchte, dass sie ihre Sünden einem Priester, an diesem bestimmten Morgen beichten sollten, dann war es das.

Mit dem Gewicht auf den Schultern kam sie zu den Stufen der Blessed Heart Kirche. Aber sie wusste, dass das Gewicht innerhalb von Momenten weg sein würde. Sie könnte nach Hause gehen, ihre Sünden gebeichtet, ihr Herz frei und ihr Verstand  –

KAPITEL EINS

Nach ihrem letzten Fall hatte Mackenzie White etwas getan, was sie noch nie zuvor in einem Arbeitsverhältnis getan hatte: Sie hatte nach Urlaub gefragt.

Sie hatte aus mehreren Gründen einen zweiwöchigen Urlaub beantragt und innerhalb eines einzelnen Tages wusste sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Sie hatte keine Zeit verschwendet sich ihren Ruf aufzubauen, als sie zum FBI gekommen war. Ohne eigenes Zutun hatte sie am Ende hochkarätige Fälle behandelt, die nach ihr zu suchen schienen. Und nicht nur dass, sie war auch erfolgreich dabei gewesen und hatte alle richtigen Leute in Quantico und DC beeindruckt. Nachdem sie erfolgreich zahlreiche Fälle abgeschlossen und ihr Leben monatlich bis an die Grenze gebracht hatte, dachte sie zwei Wochen bezahlter Urlaub wären nicht zu viel verlangt.

Ihre Vorgesetzten hatten zugestimmt – und das sogar ermutigt. Sie war sich sicher, dass sie ihren Spaß hätten, wenn sie wüssten, dass sie die meiste Zeit damit verbrachte, in zahlreichen Sportstudios und Trainingseinrichtungen, ihren Körper in bessere Form zu bekommen und ihre Instinkte und Fähigkeiten zu schärfen. Sie hatte eine solide Basis für all die wichtigen Dinge. Sie war geschickt im Nahkampf. Sie war unheimlich gut mit einer Schusswaffe. Sie war stärker als die meisten anderen Frauen, mit denen sie zur Akademie gegangen war.

Aber Mackenzie White wollte sich immer noch weiter verbessern.

Deswegen trainierte sie schon acht Tage in ihrem zweiwöchigen Urlaub in einem privaten Sportstudio. Sie drängte sich von der Ecke von einem der mehreren Boxringen weg und nickte ihrem Sparringpartner zu. Sie trat in eine zweite Übungsrunde und ging völlig davon aus besiegt zu werden. Und das war okay.

Sie trainierte erst seit über einem Monat im Muay Thai. Sie war gut genug darin geworden, sodass sie sich gut dabei fühlte, einen weiteren weniger bekannten Kampfstil darin einzubringen.

Mithilfe eines Privatlehrers und viel Entschlossenheit hatte Mackenzie ebenfalls begonnen in Yaw-Yan zu trainieren, einem philippinischen Kickbox Stil. Die beiden zu vermischen war eher unorthodox, aber sie und ihr Trainer arbeiteten an einem Weg, beide zu nutzen. Es brachte Mackenzie körperlich an einen Punkt, wo ihre Schultern und ihre Waden sich wie Steinplatten anfühlten.

Sie fühlte diese Muskeln antworten, als sie zu ihrem Partner trat. Sie berührte die Handschuhe und nahm ihr Training wieder auf. Sie wich sofort einem Stoß aus und konterte mit einem tiefen Schlag.

Es war ein wenig, als wenn sie einen neuen Tanzstil lernte. Mackenzie hatte als Mädchen Tanzstunden gehabt und hatte nie die Wichtigkeit von Fußarbeit und Konzentration vergessen. Das waren Disziplinen, die sie bei ihrem ersten Job als Straßenpolizistin mitnahm, dann in ihrem Job als Detektivin draußen in Nebraska. Diese Grunddisziplin hatte ihr auch immens als FBI-Agentin geholfen und ihr Leben mehr als einmal gerettet.

Sie kam auch zurück, als sie kämpfte. Sie probierte ihre neuen Bewegungen und Anleitungen aus, nutzte eine Reihe von unteren Kicks und Ellbogen Angriffe, die mit mehr traditionellen Kickboxing Angriffen kombiniert wurden. Sie nutzte den überraschten Ausdruck bei ihrem Kampfpartner als Treibstoff, der sie motivierte. Klar es war nur Training, aber sie fühlte den Drang, auch hier erfolgreich zu sein.

Es half auch dabei, ihre Gedanken zu ordnen. Sie assoziierte jeden Schlag, Tritt oder Ellbogenschlag mit etwas aus ihrer Vergangenheit. Ein linker Schlag war für die Jahre der Verleugnung bei der Nebraska PD. Ein Rückhandangriff mit ihrer rechten zerschlug die Angst, die der Scarecrow Killer Fall in ihr aufgewühlt hatte. Ein Dreh- und Angelpunkt war ein Schlag auf das Herz des endlosen Stroms von Geheimnissen, die aus dem alten Fall ihres Vaters kamen.

Wenn sie ehrlich mit sich selbst war, war es der Fall, der sie dazu gebracht hatte, diese neuen Kampfdisziplinen zu erlernen – um sicherzugehen, dass sie sich als Kämpferin weiter entwickelte. Sie hatte eine Nachricht von jemandem bekommen der involviert war … jemand im Hintergrund, der anscheinend wusste, wer sie war.

Sie sah die Nachricht immer noch vor sich, während sie kämpfte.

Hör auf zu suchen …

Natürlich versuchte sie genau das Gegenteil zu tun. Und deswegen war sie gerade im Ring, ihr Blick fokussiert und ihre Muskeln so straff wie Violinstränge.

Als sie einen Schlag auf den Solarplexus ihres Gegners landete und dann einen Ellbogenschlag in die Rippen ihres Partners, wurde das Training von der Seite des Rings beendet. Der Schiedsrichter lächelte und nickte während er leise applaudierte.

 “Okay, Mac”, sagte er. “Mach mal ne Pause okay? Du bist heute schon eineinhalb Stunden dabei.”

Mackenzie nickte, ging aus ihrer Haltung und schlug sich mit ihrem Trainingspartner ab – ein fünfundzwanzigjähriger Mann, der den Körperbau eines MMA Kämpfer hatte. Er gab ihr ein schnelles Grinsen über seinem Mundstück und kletterte schnell durch die Seile.

Mackenzie dankte dem Schiedsrichter und ging dann zur Umkleide. Ihre Muskeln taten weh, sodass sie fast zitterten, aber sie genoss es. Es hieß, das sie sich selbst antrieb und sich an neue Grenzen brachte.

Während sie duschte und anschließend in das stieg, was Ellington als ihr Sport Outfit bezeichnete (ein Muskelshirt und ein paar schwarzer dri-fit Leggings), erinnerte sie sich selbst daran, dass sie noch ein weiteres Training für heute hatte. Sie hoffte ihre Arme würden dann nicht mehr zittern. Sicherlich würde Ellington ihr helfen, aber sie musste mehrere schwere Kisten heute Nachmittag umhertragen.

Während sie die letzten zwei Tage praktisch in Ellingtons Wohnung gelebt hatte, würde sie heute tatsächlich umziehen. Es war dennoch ein weiterer der vielen Gründe, warum sie nach einem zweiwöchigen Urlaub gefragt hatte. Der Gedanke an einem Wochenende umzuziehen war ihr nicht gerade angenehm erschienen. Außerdem nahm sie an, war das noch ein weiterer Weg an dem sie wuchs, und sich entwickelte. Jemandem so zu vertrauen, dass man mit ihm einen Wohnhort - und so kitschig das auch schien- sein Herz teilte, war etwas, zu dem sie noch vor ein paar Monaten nicht in der Lage gewesen wäre.

Sobald sie in ihre Kleidung gestiegen war merkte sie, dass sie es kaum abwarten konnte, einzuziehen. Muskelkater hin oder her, sie ging ein wenig schneller auf dem Weg zum Parkplatz.

***

Der Vorteil keine materialistische Person zu sein, wenn es darum ging umzuziehen, war das es wenig einzupacken gab. Eine einzige Fahrt in Ellingtons Pickup Truck und ein gemieteter Anhänger und das Ganze war erledigt. Der Umzug selber dauerte nicht mehr als zwei Stunden, dank des Aufzugs in Ellingtons Wohngebäude und am Ende musste sie nicht so viele Kisten tragen.

Sie feierten den Einzug mit chinesischem Essen und einer Flasche Wein. Mackenzie war müde, hatte Muskelkater aber war unglaublich glücklich. Sie hatte erwartet nervös zu sein und vielleicht sogar ein wenig Reue über den Einzug erwartet, aber als sie begann, die Kisten beim Abendessen auszupacken spürte sie, dass sie diesem nächsten Abschnitt in ihrem Leben aufgeregt entgegen sah.

 “Hier ist das Angebot”, sagte Ellington, während er mit einem Kartonschneider an einem Verpackungsband entlang der Oberseite einer der Schachteln entlangfuhr. “Du musst mir jetzt sagen, ob ich irgendwelche peinlichen Filme oder CDs in diesen Kisten finde.”

“Ich glaube die peinlichste CD, die du finden wirst, ist der Soundtrack zu diesem schrecklichen neunziger Remake von Romeo und Julia. Aber was soll ich dazu sagen? Ich mag den Radiohead Song.”

“Es sei dir verziehen”, sagte er und schnitt das Band durch.

 “Was ist mit dir?”, fragte sie. “Irgendwelche peinlichen Medien, die hier rumliegen?”

“Naja ich bin alle meine CDs und DVDs losgeworden. Alles ist digital. Ich musste Platz schaffen. Fast so, als wenn ich eine leise Ahnung gehabt hätte, dass diese sexy FBI-Lady in diesen Tagen mit mir zusammenziehen wird.”

 “Guter Instinkt”, antwortete sie. Sie ging zu ihm hin und legte ihre Hände in seine. “Okay … das ist deine letzte Chance. Du kannst noch zurück, ehe wir die Dinge aus den Kisten nehmen.”

“Zurück? Bist du verrückt?”

“Du wirst hier ein Mädchen mit dir leben haben”, sagte sie und zog ihn nahe zu sich. “Ein Mädchen, dass es gerne ordentlich hat. Ein Mädchen, das ein wenig neurotisch werden kann.”

“Oh, ich weiß”, sagte er. “Ich freu mich drauf.”

“Auch auf all die Frauenkleider? Willst du deinen Kleiderschrank teilen?”

“Ich habe nicht viel Kleidung”, sagte er und lehnte sich näher an sie. Ihre Nasen berührten sich fast und eine Hitze, an die sie sich gewöhnt hatte, baute sich zwischen ihnen auf. “Du kannst den ganzen Kleiderschrank haben, wenn du willst.”

 “Make-Up und Tampons, das Bett teilen und eine weitere Person, die Geschirr dreckig macht. Bist du sicher, dass du dafür bereit bist?”

“Ja. Aber ich hab trotzdem eine Frage.”

“Was denn?”, sagte sie. Ihre Hände liefen von seinen Händen bis zu seinem Arm. Sie wusste, worauf das hinauflief und jeder kaputte Muskel in ihrem Körper war bereit.

“Die ganzen Frauenkleider”, sagte er. “Du kannst sie nicht immer auf den Boden schmeißen.

“Hm, das hatte ich auch nicht vor”, antwortete sie.

 “Oh, ich weiß”, sagte er. Dann griff er nach hinten und zog ihr das Trägerhemd aus. Er verschwendete keine Zeit damit, dasselbe mit ihrem Sport BH darunter zu machen. “Aber ich werde es vielleicht tun”, fügte er hinzu und schmiss beides auf den Boden.

Er küsste sie und obwohl er versuchte sie ins Schlafzimmer zu bugsieren, hatten ihre Körper nicht die Geduld dafür. Sie endeten auf dem Läufer im Wohnzimmer, und obwohl Mackenzies müde Muskeln bei dem harten Boden unter ihrem Rücken protestierten, gewannen andere Teile ihres Körpers die Oberhand.

***

Als ihr Handy um 4:47 Uhr am Morgen klingelte, ging ein einziger Gedanke durch Mackenzies schläfrigen Kopf, während sie auf den Nachttisch griff.

Ein Anruf zu dieser Zeit … Ich glaube, mein Urlaub ist vorbei.

“Ja”, fragte sie und hielt sich nicht mit Formalitäten auf, da sie praktisch noch im Urlaub war.

“White?”

Auf merkwürdige Art hatte sie McGrath schon fast vermisst in den letzten neun Tagen. Trotzdem war der Klang seiner Stimme wie eine schnelle und harte Rückkehr in die Realität.

“Ja, ich bin dran.”

“Tut mir leid für den frühen Anruf”, sagte er. Und ehe er noch etwas Weiteres hinzufügen konnte, hörte Mackenzie Ellingtons Handy von der anderen Seite des Bettes klingeln.

Etwas Großes dachte sie. Etwas Schlechtes.

 “Hören Sie, ich weiß, dass Sie zwei Wochen Urlaub haben”, sagte McGrath. “Aber wir haben hier zu viel zu tun und ich brauche Sie dabei. Sie und Ellington. Kommen Sie so schnell Sie können in mein Büro.”

Das war keine Frage, sondern ein Befehl. Und ohne sich irgendwie zu verabschieden, legte McGrath auf. Mackenzie seufzte und schaute zu Ellington, der eben seinen Anruf beendete.

 “Sieht so aus, als wenn dein Urlaub vorbei wäre”, sagte er mit einem dünnen Lächeln.

“Das ist in Ordnung”, sagte sie. “Es ist ja mit einem Paukenschlag geendet.”

Und dann, wie ein altes verheiratetes Ehepaar, küssten sie sich und stiegen aus dem Bett, um zur Arbeit zu gehen.

KAPITEL ZWEI

Das J. Edgar Hoover Gebäude war leer, als Mackenzie und Ellington hineingingen. Sie waren beide schon zu jeglicher nächtlicher Uhrzeit hier gewesen, es war also nichts Ungewöhnliches. Trotzdem war es nie gut, zu solch einer Zeit ins Büro gerufen zu werden. Es bedeutete normalerweise, dass etwas wirklich Schreckliches sie erwartete.

Als sie McGraths Büro erreichten, fanden sie die Tür offen stehend. Er saß an einem kleinen Konferenztisch hinten in seinem Büro und sah sich eine Auswahl von Akten an. Da war noch eine weitere Agentin bei ihm, eine Frau, die Mackenzie schon einmal gesehen hatte. Ihr Name war Agentin Yardley, eine ruhige Frau, die manchmal Agent Harrisson half. Sie nickte und warf ihr ein roboterartiges Lächeln zu, als sie den Raum betraten und zum Konferenztisch gingen. Sie schaute wieder auf ihren Laptop und konzentrierte sich darauf, was auf dem Bildschirm zu sehen war.

Als McGrath Mackenzie ansah, kam sie nicht umhin die Erleichterung in seinen Augen zu sehen. Es war eine schöne Art, auf der Arbeit begrüßt zu werden, nachdem ihr Urlaub abgebrochen worden war.

“White, Ellington”, sagte McGrath. “Sie kennen Agentin Yardley?”

“Ja”, sagte Mackenzie und nickte der Agentin anerkennend zu.

“Sie kommt gerade von einem Tatort, der mit einem weiteren verbunden ist, den wir vor fünf Tagen hatten. Ich hatte ihr den Fall zugeteilt, aber als ich daran gedacht habe, dass wir es eventuell mit einem Serienmörder zu tun haben, habe ich sie darum gebeten, alles zur Verfügung zu stellen, was sie hat, sodass ich es Ihnen beiden übergeben kann. Wir haben einen Mord … der zweite dieser Art in fünf Tagen. White, ich habe Sie angerufen, weil ich Sie an dem Fall will wegen ihrer Vorgeschichte – um genau zu sein, wegen dem Scarecrow Mörder.”

“Was ist los?”, fragte Mackenzie.

Yardley drehte ihren Laptop in ihre Richtung. Mackenzie ging zum nächsten Stuhl und setzte sich. Sie betrachtete das Bild auf dem Bildschirm mit einer abgestumpften Art von Stille, die sie gut kennengelernt hatte - die Fähigkeit, ein Bild von etwas Groteskem als Teil ihrer Arbeit zu studieren, aber mit dem resignierten Mitgefühl, dass die meisten Menschen bei einem so tragischen Tod fühlen würden.

Sie sah einen älteren Mann, mit fast grauem Haar und Bart, der von der Tür einer Kirche baumelte. Seine Arme waren ausgebreitet und sein Kopf war nach unten gebeugt und in einer Art Kreuzigung dargestellt. Seine Brust war teilweise aufgeschlitzt worden und eine große Schnittwunde prangte auf seiner Stirn. Seine Unterwäsche war heruntergezogen worden, sodass sich eine große Menge Blut, die von seiner Augenbraue und Brust tropfte dort angesammelt hatte. Von dem was sie auf den Fotos sehen konnte, war sie sich sicher, dass seine Hände wortwörtlich an die Tür genagelt worden waren. Die Füße waren jedoch einfach nur zusammengebunden.

 “Das ist das zweite Opfer”, sagte Yardley. “Pastor Ned Tuttle, fünfundfünfzig Jahre alt. Er wurde von einer alten Frau entdeckt, die früh zur Kirche gegangen war, um Blumen auf das Grab ihres Mannes zu legen. Die Spurensicherung ist am Tatort. Es scheint, dass der Körper dort vor weniger als vier Stunden abgelegt wurde. Wir haben bereits Agenten, die mit der Familie sprechen, um sie zu benachrichtigen.”

Eine Frau, die gerne Verantwortung übernimmt und die Dinge erledigt, dachte Mackenzie. Vielleicht arbeiten sie und ich gut zusammen.

“Was haben wir über das erste Opfer?”, fragte Mackenzie.

McGrath schob ihr eine Akte herüber. Während sie sie öffnete und sich den Inhalt anschaute, gab McGrath ihr die Infos. “Vater Costas, von der katholischen Blessed Heart Kirche. Er wurde genauso vorgefunden, an die Türen seiner Kirche genagelt, vor fünf Tagen. Ich bin ehrlich überrascht, dass Sie noch nichts davon in den Nachrichten gesehen haben.”

 “Ich schaue mit Absicht keine Nachrichten in meinem Urlaub”, sagte sie und schnitt McGrath eine Grimasse, die komisch sein sollte, die aber komplett ungeachtet blieb.

“Ich erinnere mich daran, etwas darüber in der Kaffeeküche gehört zu haben”, sagte Ellington. “Die Frau, die den Körper entdeckt hatte, war eine Weile in einem Schockzustand, richtig?”

“Richtig”, erwiderte McGrath.

“Und basierend darauf, was die Spurensicherung gefunden hat”, fügte Yardley hinzu, “wurde Vater Costas vor nicht länger als zwei Stunden dort angenagelt.”

Mackenzie sah durch die Akten. Die Bilder darin zeigten Vater Costas in derselben Position wie Pastor Tuttle. Alles sah recht identisch aus, bis hin zu der länglichen Wunde über der Stirn.

Sie schloss die Akte und schob sie wieder zu McGrath.

“Wo ist die Kirche?”, fragte Mackenzie und zeigte auf den Laptop Bildschirm.

“Außerhalb der Stadt. Eine ganz ansehnliche presbyterianische Kirche.

“Schicken Sie mir die Adressen”, sagte Mackenzie und stand bereits auf. “Ich würde mir das gerne Selbst ansehen.”

Anscheinend hatte sie die Arbeit in den letzten acht Tagen mehr vermisst, als sie zugeben wollte.

***

Es war noch dunkel, als Mackenzie und Ellington an der Kirche ankamen. Die Spurensicherung war gerade fertig geworden. Der Körper von Pastor Tuttle war von der Tür entfernt worden, aber das war okay für Mackenzie. Basierend auf den beiden Fotos, die sie von Vater Costas und Pastor Tuttle gesehen hatte, hatte sie alles gesehen, was sie sehen musste.

Zwei Morde im Kreuzigungsstil, beide an den Vordertüren der Kirche. Die getöteten Männer waren mutmaßlich Vorstände dieser Kirchen. Es war recht klar, dass jemand einen großen Groll gegen die Kirche hegte. Und wer immer das war, er war nicht spezifisch bei einer bestimmten Religion.

Sie und Ellington näherten sich der Kirche, als das Spurensicherungsteam die Sachen packte. Links in der Nähe der kleinen Plakette mit dem Namen der Kirche, stand eine kleine Gruppe von Menschen. Ein paar von ihnen beteten, während sie sich umarmten. Andere weinten ganz offen.

Kirchenmitglieder nahm Mackenzie mit überwältigender Traurigkeit an.

Sie näherten sich der Kirche und das Bild wurde nur noch schlimmer. Es gab Schmieren von Blut und zwei große Löcher, wo die Nägel drin gesteckt hatten. Sie suchte den Bereich nach ein paar weiteren religiösen Bilddeutungen ab, sah aber nichts. Da war nur Blut und Dreck und Schweiß.

So eine kühne Tat dachte sie. Da muss eine Art Symbolik dahinter stecken. Warum eine Kirche? Warum die Türen einer Kirche? Einmal wäre Zufall. Aber zwei Mal hintereinander, beide an die Türen genagelt, - das ist Absicht.

Sie fand es schon fast beleidigend, dass jemand so etwas an einem Kircheneingang machte. Und vielleicht war das der Punkt. Man konnte es nicht genau wissen. Während Mackenzie keine große Gläubige in Religionen oder Götter oder die Wirkungen des Glaubens war, respektierte sie das Recht der Menschen, die in dem Glauben lebten. Manchmal wünschte sie sich, sie wäre so eine Art Person. Vielleicht fand sie deswegen diese Tat so bedauernswert; den Tod von Jesus am Eingang der Kirche zu verspotten, wo die Menschen sich sammelten, um in seinem Namen Trost  und Zuflucht zu suchen, war abscheulich.

 “Selbst wenn das der erste Mord war”, begann Ellington, “solch ein Anblick lässt mich sofort glauben, dass da noch mehr kommt. Das ist … ekelhaft.”

“Ist es”, stimmte Mackenzie zu. “Aber ich bin mir nicht sicher, warum ich mich so fühle.”

“Weil Kirchen sichere Orte sind. Du erwartest es nicht, große Nagellöcher und nasses Blut an den Türen zu sehen. Das hier ist richtiger Scheiß aus dem alten Testament.”

Mackenzie hatte nicht viel mit der Bibel am Hut, aber sie erinnerte sich an die Bibelgeschichten aus ihrer Kindheit – etwas über den Todesengel, der durch die Stadt fuhr und die Erstgeborenen jeder Familie mitnahm, wenn es keine bestimmte Markierung über ihren Türen gab.

Ein Schauer durchfuhr sie. Sie unterdrückte ihn und wandte sich an die Spurensicherung. Mit einem kleinen Winken bekam sie die Aufmerksamkeit eines Teammitglieds. Er kam hinüber, offensichtlich ein wenig verstört von dem, was er und der Rest des Teams gesehen hatten. “Agentin White”, sagte er. “Ist das jetzt Ihr Fall?”

“Scheint so. Ich hab mich gefragt, ob ihr noch die Nägel habt, mit denen er dort befestigt wurde.”

“Na klar”, sagte er. Er winkte einem weiteren Teammitglied hinzu und schaute dann zur Tür. “Und der Mann, der das getan hat … war entweder stark wie sonst was oder hatte alle Zeit der Welt, das zu tun.”

 “Das bezweifel ich”, sagte Mackenzie. Sie nickte zum Kirchenparkplatz hinüber und die Straße dahinter. “Selbst wenn der Täter das gegen zwei oder drei Uhr morgens getan hat, die Chance, dass ein vorüberfahrendes Auto auf der Browning Street ihn gesehen hat, sind dünn bis gar nicht.”

“Außer der Mörder hat die Gegend vorher überprüft und kannte die Ruhezeiten des Verkehrs nach Mitternacht”, schlug Ellington vor.

“Irgendwelche Chancen auf einen Videoausschnitt?”, fragte sie.

“Keine. Wir haben das überprüft. Agentin Yardley hat sogar ein paar Personen angerufen – Besitzer der Gebäude in der Nähe. Aber nur eins hat Sicherheitskameras und die sind nicht auf die Kirche gerichtet. Es gibt also keine Spur.”

Ein weiterer Mitarbeiter der Spurensicherung kam herüber. Er trug eine mittelgroße Plastiktüte, die zwei große Eisenspitzen enthielt und etwas, das wie ein Faden aus Drahtaussah.Die Spitzen waren blutdurchtränkt, was sich auf das klare Innere der Tüte abgeschmiert hatte.

“Sind das Eisenbahnnägel?”, fragte Mackenzie.

“Wahrscheinlich”, sagte der Mann von der Spurensicherung. “Aber wenn dann sind es Miniaturausgaben. Vielleicht solche die Menschen für Hühnerställe oder Viehweidenzäune nutzen.”

“Wie lange wird es dauern, bis Sie Ergebnisse davon haben?”, fragte sie.

Der Mann zuckte die Achseln. “Einen halben Tag vielleicht? Sagen Sie mir doch, nach was genau Sie suchen und ich versuche, die Ergebnisse schneller zu bekommen.”

 “Schauen Sie, ob Sie herausfinden können, was der Mörder genutzt hat, um die Nägel einzuschlagen. Können Sie das anhand der jüngsten Abnutzung an den Spitzenköpfen sehen?”

“Ja, das sollten wir herausfinden können. Von unserer Seite war es das. Die Leiche ist noch bei uns; sie wird erst nach unserer Freigabe an den Gerichtsvollzieher übergeben. Die Türen und die Treppe wurden nach Abdrücken untersucht. Wir lassen Sie wissen, wenn wir etwas gefunden haben.”

“Danke”, sagte Mackenzie.

“Tut mir leid, dass ich die Leiche entfernen musste. Aber die Sonne ging auf und wir wollten das wirklich nicht heute in der Zeitung stehen haben. Oder in der Morgigen.

“Nein, das ist in Ordnung. Das verstehe ich.”

Damit drehte Mackenzie sich zurück zur Doppeltür und entließ die Spurensicherung ohne ein weiteres Wort. Sie versuchte sich vorzustellen, wie jemand mitten in der Nacht einen Körper quer über den kleinen Rasen und dann die Treppen hochschleppte. Die Lage der Sicherheitsbeleuchtung auf den Straßen ließen die Vorderseite der Kirche dunkel erscheinen. Es gab kein Licht entlang der Vorderseite der Kirche, es hatte also alles in kompletter Dunkelheit stattgefunden.

Vielleicht wäre es eher möglicher gewesen, als ich ursprünglich dachte, dass der Mörder sich alle Zeit, die er braucht dazu genommen hat, um das hier zu bewerkstelligen, dachte sie.

 “Das hört sich nach einer merkwürdigen Bitte an”, sagte Ellington. “Was denkst du?”

“Ich weiß es noch nicht. Aber ich weiß, dass es eine Menge Stärke und Entschlossenheit braucht, alleine zu arbeiten, um jemanden vom Boden zu heben und die Hände an diese Türen zu nageln. Falls ein Vorschlaghammer benutzt wurde, um die Nägel einzuschlagen, dann bedeutet das, dass es mehr als einen Mörder geben muss – einer der das Opfer festhält und den Arm ausstreckt und ein weiterer, der die Nägel einschlägt.”

“Gibt ein ziemlich schreckliches Bild, oder?”, fragte Ellington.

Mackenzie nickte, während sie mit ihrem Handy Fotos vom Tatort machte. Dabei kam ihr der Gedanke der Kreuzigung erneut. Es ließ sie an den ersten Fall denken, an dem sie je gearbeitet hatte, wo Kreuzigungsthemen benutzt wurden – ein Fall damals in Nebraska, der sie schließlich dazu geführt hatte, mit dem Büro zu verkehren.

Der Scarecrow Mörder dachte sie. Gott, werde ich das jemals in meinen Erinnerungen vergraben können?

Hinter ihr ging die Sonne auf, die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Als ihr Schatten langsam auf die Kirchentreppe geworfen wurde, versuchte sie die Tatsache zu ignorieren, dass es fast wie ein Kreuz aussah.

Wieder kamen ihr Erinnerungen an den Scarecrow Fall ins Gedächtnis.

Vielleicht ist es das, dachte sie hoffnungsvoll. Wenn ich diesen Fall abschließe, werden mich vielleicht die Erinnerungen an diese gekreuzigten Menschen auf den Kornfeldern endlich nicht mehr verfolgen.

Aber als sie zurück auf die blutgetränkten Türen der presbyterianischen Cornerstone schaute, hatte sie Angst, dass das nichts mehr als Wunschdenken war.

KAPITEL DREI

Mackenzie lernte in der nächsten halben Stunde jede Menge über Pastor Ned Tuttle. Erst einmal hatte er zwei Söhne und eine Schwester hinterlassen. Seine Frau hatte sich vor acht Jahren von ihm getrennt und war nach Austin, Texas gezogen, mit einem Mann, mit dem sie über ein Jahr lang eine Affäre gehabt hatte, ehe es rausgekommen war. Beide Söhne lebten in der Georgetown Gegend und das führte Mackenzie und Ellington zu ihrem ersten Halt des Tages. Es war gerade 6:30 Uhr als Mackenzie das Auto am Bordstein vor Brian Tuttle’s Wohnung parkte. Laut dem Agenten, der die Neuigkeiten überbracht hatte, waren beide Brüder da und warteten darauf, um zu tun, was sie konnten, um die Fragen über den Tod ihres Vaters zu beantworten.

Als Mackenzie in Brian Tuttles Wohnung trat, war sie ein wenig überrascht. Sie hatte erwartet zwei Söhne in tiefer Trauer zu sehen, zerrissen von dem Verlust ihres religiösen Vaters. Stattdessen sah sie, wie sie an einem kleinen Esstisch in der Küche saßen. Sie tranken beide Kaffee.

Brian Tuttle, zweiundzwanzig Jahre alt, aß eine Schüssel Cornflakes, während Eddie Tuttle, neunzehn, abwesend eine Eggo Waffel in einen Siruptopf tunkte.

“Ich weiß nicht, was genau wir Ihnen sagen können”, sagte Brian. “Wir hatten nicht das beste Verhältnis zu unserem Vater.”

“Darf ich fragen warum?”, fragte Mackenzie.

 “Weil wir aufgehört haben, uns mit ihm abzugeben, als er sich ganz der Kirche gewidmet hat.”

“Sind Sie nicht gläubig?”, fragte Ellington.

“Ich weiß nicht”, sagte Brian. “Ich glaube, ich bin Agnostiker.”

“Ich bin gläubig”, sagte Eddie. “Aber mein Vater … er hat das Ganze auf ein ganz neues Level gehoben. Als er herausgefunden hat, dass meine Mutter ihn betrügt, hat er nichts unternommen. Nachdem er zwei Tage damit gehadert hat, hat er ihr vergeben und dem Typen, mit dem sie ihn betrogen hatte, ebenso. Er sagte, er vergibt ihnen, weil christliche Menschen das tun. Und er hat sich geweigert, über eine Scheidung zu sprechen.”

“Ja”, sagte Brian. “Und Mama hat gesehen, dass Papa es scheißegal war – es hat ihn nicht gekümmert, dass sie ihn betrogen hatte. Also ist sie gegangen. Und er hat nicht viel getan, um sie aufzuhalten.”

 “Hat euer Vater je versucht, mit euch zu sprechen? Seit eure Mutter gegangen ist?”

“Oh ja”, sagte Brian. “Ungefähr jeden Samstagabend hat er uns gebeten, in die Kirche zu kommen.”

“Und außerdem”, fügte Eddie hinzu, “war er zu beschäftigt unter der Woche, auch wenn wir ihn sehen wollten. Er war immer in der Kirche oder bei Charity Veranstaltungen oder bei Krankenbesuchen im Krankenhaus.”

“Wann war das letzte Mal, dass einer von Ihnen länger mit ihm gesprochen hat?”, fragte Mackenzie.

Die Brüder sahen sich einen Moment an und rechneten nach. “Ich bin mir nicht sicher”, sagte Brian. “Vielleicht vor einem Monat. Und das war auch nicht viel. Er hat dieselben Fragen gestellt: Wie die Arbeit lief, ob ich eine Freundin habe, solche Sachen.”

 “Man kann also mit Sicherheit sagen, dass Sie ein zerstrittenes Verhältnis mit Ihrem Vater hatten?”

“Ja”, sagte Eddie.

Er sah einen Moment auf den Tisch, als die Reue einsetzte. Mackenzie hatte diese Art von Reaktion schon früher gesehen; wenn sie hätte Wetten müssen, wäre sie sicher gewesen, dass wenigstens einer dieser Männer innerhalb von einer Stunde ein schluchzendes Häufchen Elend wäre, wenn er erkannte, dass alles verloren war, hinsichtlich des Vaters, den sie nie richtig gekannt hatten.

“Wissen Sie, wer ihn gut kannte?”, fragte Mackenzie. “Hatte er irgendwelche engen Freunde?”

“Nur der Priester oder Pastor oder was auch immer in der Kirche”, sagte Eddie. “Derjenige, dem die Kirche gehört.”

 “Ihr Vater war nicht der leitende Pastor?”, fragte Mackenzie.

“Nein. Er war ein Hilfspastor oder so etwas”, antwortete Brian. “Es gab noch einen Mann, der über ihm stand. Jerry Levins, glaube ich.”

Mackenzie bemerkte, wie die jungen Männer die Begriffe verwechselten. Pfarrer, Pastor, Priester…. Es war alles ziemlich verwirrend. Mackenzie kannte nicht einmal den Unterschied, sie nahm an, es hatte etwas mit den Unterschieden im Glauben zwischen den Konfessionen zu tun.

“Und ihr Vater hat viel Zeit mit ihm verbracht?”

“Oh ja”, sagte Brian, ein wenig wütend. “Seine ganze verdammte Zeit, glaube ich. Wenn Sie etwas über meinen Vater wissen wollen, sollten sie ihn fragen.”

Mackenzie nickte, wohl wissend, dass sie keine nützlichen Informationen von den beiden jungen Männern erhalten würde. Trotzdem wünschte sie sich, dass sie mehr Zeit hätte, um mit ihnen zu sprechen. Es gab klar ungeklärte Spannung und Verlust zwischen ihnen. Vielleicht würden sie mehr zu bieten haben, wenn sie die emotionalen Mauern durchbrachen, die sie so ruhig bleiben ließen. Schließlich drehte sie sich um und dankte ihnen. Sie und Ellington verließen still die Wohnung. Als sie Seite an Seite die Stufen heruntergingen, nahm er ihre Hand.

“Alles okay?”, fragte er.

 “Ja”, sagte sie verwirrt. “Warum?”

“Zwei Kinder … ihr Vater ist gerade gestorben und sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Mit all den Spekulationen über den alten Fall deines Vaters in der letzten Zeit … frage ich mich das eben.”

Sie lächelte ihn an undgenoss die aufmunternde Art, wie ihr Herz sich in diesen Momenten fühlte.

Gott, er kann so süß sein…

Als sie zusammen in den Morgen hinausgingen, erkannte sie auch, dass er recht hatte: Der Grund, warum sie bleiben und weiter reden wollte, war, weil sie den Tuttle Brüdern helfen wollte, Probleme zu lösen, die sie mit ihrem Vater gehabt hatten.

Anscheinend verfolgte sie der Geist des kürzlich wieder eröffneten Falles ihres Vaters mehr als sie sich eingestanden hatte.

***

Die presbyterianische Cornerstone Kirche im Morgenlicht zu sehen war unwirklich. Mackenzie fuhr auf dem Weg zu ihrem Besuch bei Pastor Jerry Levins daran vorbei. Levins wohnte in einem Haus, das nur einen halben Block von der Kirche entfernt war. So etwas hatte Mackenzie oft in ihrer Zeit in Nebraska gesehen, wo die Vorstände von kleineren Kirchen dazu neigten, in unmittelbarer Nähe ihres Gotteshauses zu leben.

Als sie an Levins Haus ankamen, waren zahlreiche Autos entlang des Bürgersteigs sowie auch auf der Einfahrt geparkt. Sie nahm an, dass das wahrscheinlich Mitglieder von Cornerstone waren, die vorbeikommen waren, um Trost zu suchen oder Pastor Levins Trost zu spenden.

Als Mackenzie an die Vordertür des bescheidenen kleinen Ziegelhauses klopfte, wurde sofort geöffnet. Die Frau an der Tür hatte offensichtlich geweint. Sie sah Mackenzie und Ellington argwöhnisch an, bis Mackenzie ihr Abzeichen hochhob.

“Wir sind Agenten White und Ellington vom FBI”, sagte sie. “Wir würden gerne mit Pastor Levins sprechen, wenn er da ist.”

Die Frau öffnete ihnen die Tür und sie traten in ein Haus, das mit schluchzen und schniefen gefüllt war. Irgendwo im Haus konnte Mackenzie Gebete murmeln hören.

“Ich rufe ihn für Sie”, sagte die Frau. “Bitte warten Sie hier.”

Mackenzie sah zu, wie die Frau zurück ins Haus ging, sie ging in ein kleines Wohnzimmer, wo ein paar Menschen in der Tür standen. Nach ein paar geflüsterten Worten kam ein großer, kahlköpfiger Mann in ihre Richtung. Wie die Frau, die die Tür geöffnet hatte, hatte er ebenfalls geweint.

“Agenten”, sagte Levins. “Kann ich Ihnen helfen?”

“Ja, ich weiß, dass das eine sehr angespannte und traurige Zeit für sie ist”, sagte Mackenzie, “aber wir hoffen, dass sie uns Informationen über Pastor Tuttle geben können. Je eher wir Hinweise bekommen, umso schneller können wir denjenigen erwischen, der das getan hat.”

 “Glauben Sie, dass sein Tod mit dem von dem armen Priester am Anfang der Woche in Verbindung steht?”, fragte Levins.

“Das können wir noch nicht mit Sicherheit sagen”, erwiderte Mackenzie, obwohl sie bereits sicher war, dass es so war.

“Deswegen hofften wir, dass wir mit Ihnen sprechen könnten.”

“Natürlich”, erwiderte Levins. “Draußen auf den Treppen. Ich möchte nicht die Gebete hier unterbrechen.”

Er führte sie zurück in die Morgensonne, wo sie auf den Betonstufen Platz nahmen. “Ich muss sagen, ich bin mir nicht sicher, was Sie über Ned finden werden”, sagte Levins. “Er war ein Steh-auf Gläubiger. Abgesehen von den Problemen mit seiner Familie wüsste ich nicht, dass er irgendetwas wie eine Art Feind hatte.”

“Hatte er Freunde innerhalb der Kirche, bei denen Sie vielleicht zweifeln, dass sie moralisch oder aufrichtig sind?”, fragte Ellington.