Ehrenamt - Tanja Schmidt - E-Book

Ehrenamt E-Book

Tanja Schmidt

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Beschreibung

Ehrenamtliches Engagement in Deutschland: Herausforderungen, persönliche Geschichten und gesellschaftliche Relevanz. Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Sie löschen Brände, begleiten Sterbende, helfen Menschen in Not, retten Tiere, begleiten Geflüchtete, trainieren und begleiten Kinder, übernehmen Büroarbeiten und tun das alles freiwillig. Still, bescheiden und oft unbemerkt. Ehrenamtliche sind die wahren Heldinnen und Helden unseres Alltags. In diesem Buch nimmt uns die Autorin mit in die Welt des Ehrenamts mit all ihren Höhen und Tiefen. Sie schreibt über Freude, Motivation und Gemeinschaft, aber auch von Frust, fehlender Wertschätzung und der zunehmenden Respektlosigkeit gegenüber Menschen, die ihre Zeit für andere opfern. Es geht um Dankbarkeit, um Mut und wie erfüllend freiwilliges Engagement sein kann und warum manche dennoch an ihre Grenzen stoßen. Ehrenamt ist unersetzlich und muss dringend politisch und gesellschaftlich gestärkt werden. Jedes einzelne Engagement zählt und macht den Unterschied, für eine funktionierende und menschliche Gesellschaft. Ein Buch, das inspiriert und aufrüttelt. Für alle, die schon helfen und alle, die es vielleicht bald tun.

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Seitenzahl: 169

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

EIN HERZLICHER DANK AN ALLE EHRENAMTLICHEN DIESER WELT

EINLEITUNG

DIE BEDEUTUNG DES EHRENAMTS

Wie ehrenamtliche Arbeit die Welt verändert

GESCHICHTE DES EHRENAMTS

Ehrenamt im Wandel

WO FINDET EHRENAMT STATT

ZAHLEN UND FAKTEN ÜBER DAS EHRENAMT

AUS- UND WEITERBILDUNGS- BEREITSCHAFT

WAS EINEN EHRENAMTLICHEN AUSZEICHNET

PSYCHISCHE BELASTUNG IM EHRENAMT

Psychische Folgen für die Betroffenen

URSACHEN SOZIALER ANFEINDUNGEN

Möglichkeiten zur Unterstützung und Entlastung

Selbstfürsorge

ANGESTELLTE VERSUS EHRENAMTLICHE

Die Herausforderung der Personalverantwortung im Ehrenamt

DIE FOLGEN VON FEHLENDEM EHRENAMTLICHEM ENGAGEMENT

Folgen von fehlenden ehrenamtlichen Angeboten

Neue Ehrenamtliche gewinnen und bereits vorhandene halten

WERTSCHÄTZUNG

Wie wichtig ist Wertschätzung für einen Menschen?

Was macht fehlende Wertschätzung mit einem Menschen?

GENERATIONEN IM EHRENAMT

Unterschiede der Generationen

DER FINANZIELLE ASPEKT DES EHRENAMTS: EINSATZ ÜBER ZEIT HINAUS

Wege zur Entlastung der Ehrenamtlichen

Möglichkeiten der Finanzierung ehrenamtlicher Projekte

WARUM ES SICH LOHNT, EIN EHRENAMT ZU ÜBERNEHMEN

Zukunft des Ehrenamts

MEIN APPELL

Ein herzlicher Dank an alle Ehrenamtlichen dieser Welt

Liebe Ehrenamtliche,

mit diesen Zeilen möchte ich euch von Herzen danken. Euch, die ihr tagtäglich einen unschätzbaren Beitrag für die Gemeinschaft leistet. Ihr seid die stillen Helden unserer Gesellschaft, ihr investiert ohne viel Aufhebens eure Zeit, Energie und euer Herzblut, um die Welt ein Stück besser zu machen. Ohne euch würde vieles, was wir als selbstverständlich erachten, nicht funktionieren.

Euer Engagement erstreckt sich über unzählige Bereiche, oft sichtbar, doch oft auch im Verborgenen.

Ihr seid da, wenn unsere Welt durch Naturkatastrophen zu versinken droht, ihr löscht unsere brennenden Häuser, ihr holt uns nach einem Unfall aus den Autos, ihr rettet uns vom Berg oder aus dem Wasser. Ihr seid da, wenn Kinder im Sportverein ihre ersten Erfolge feiern, wenn in der Altenpflflege Trost gespendet oder in der Nachbarschaftshilfe ein warmes Essen verteilt wird. Ihr gebt den Frauen in den Frauenhäusern Hoffnung und Mut, ihr gebt den Obdachlosen eine warme Decke und eine Mahlzeit. Ihr seid es, die bei Umweltaktionen unsere Natur bewahrt, die Kulturprojekte lebendig haltet. Durch eure helfenden Hände werden unzählige Menschen unterstützt. Auf dem politischen Parkett engagiert ihr euch trotz vieler Widerstände und kämpft für uns, für ein sicheres und freies Leben.

Es sind die unsichtbaren Heldentaten, die im Hintergrund geschehen, welche einen so großen Unterschied machen. Selten wird gesehen, wie viel Zeit ihr in die Organisation von Veranstaltungen, die Planung von Projekten oder die Bewältigung verschiedenster Herausforderungen investiert. Und dennoch seid ihr es, die dafür sorgt, dass alles reibungslos läuft und Menschen dort Hilfe fifinden, wo sie gebraucht wird.

In einer Zeit, in der jeder Moment kostbar ist, ist das Ehrenamt eine der selbstlosesten Formen der Großzügigkeit. Ihr gebt eure Zeit, ohne etwas zu erwarten. Stunden, die ihr auch für euch selbst, eure Familien oder andere Dinge nutzen könntet. Doch ihr entscheidet euch dafür, sie anderen zu schenken, sei es durch Zuhören, Organisieren, Unterstützen oder einfach nur da zu sein. Euer Engagement ist ein Akt der Menschlichkeit, der uns alle verbindet und der zeigt, was wirklich zählt: Zusammenhalt, Empathie und das Wohl derer, die Hilfe benötigen. Euer Einsatz ist ein Lichtblick in einer Welt, die oft von Hektik und Egoismus geprägt ist.

Stellt euch vor, all die ehrenamtliche Arbeit würde von einem Tag auf den anderen ausbleiben. Wer würde in Krisenzeiten helfen, wo staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen? Wer würde Vereine am Leben halten, Gemeinschaften organisieren oder Nachbarn unterstützen? Ihr haltet das Fundament unserer Gesellschaft zusammen, nicht mit großen Worten, sondern mit Taten, Tag für Tag. Es ist mir bewusst, dass euer Engagement meist nicht genug gewürdigt wird. Dass es Momente gibt, in denen eure Arbeit übersehen oder nicht ausreichend anerkannt wird. Bestimmt habe auch ich in meiner Aufzählung etwas nicht genannt. Doch ich möchte euch versichern: Eure Arbeit zählt. Sie ist wertvoll. Sie macht einen Unterschied. Jeder Moment, den ihr investiert, jede Tat, die ihr vollbringt, hat einen bleibenden Wert für die Menschen, die ihr unterstützt, und für die Gemeinschaft, der ihr ein Gesicht gebt.

Euer Ehrenamt macht die Welt nicht nur funktionaler, sondern auch menschlicher, wärmer und freundlicher. Deshalb möchte ich euch aus tiefstem Herzen danken. Dafür, dass ihr eure Energie, eure Kraft und euer Engagement schenkt. Ihr seid Vorbilder und Hoffnungsträger und euer Einsatz verdient den höchsten Respekt. Ihr zeigt uns allen, dass die Welt durch kleine, aber bedeutende Handlungen jeden Tag ein Stück besser werden kann. Bleibt mutig, bleibt voller Tatendrang und vor allem: Bleibt hilfsbereit. Ohne euch wäre unsere Gesellschaft nicht das, was sie ist.

Danke für alles, was ihr leistet.

Tanja Schmidt

Einleitung

Ehrenamtliche Arbeit spielt für den Erhalt unserer Gesellschaft und auch ganz privat für jeden Einzelnen von uns eine wichtige Rolle. Ich selbst bin seit mehreren Jahren im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt im Sport ehrenamtlich engagiert und erlebe aus eigener Erfahrung, wie wichtig freiwillige Arbeit ist. Millionenfaches freiwilliges Engagement ist der Stützpfeiler in vielen unserer sozialen, kulturellen, politischen und ökologischen Bereichen und wird durch die zahllosen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, getragen und gestärkt. Diese Arbeit findet oft im Stillen statt, abseits der großen sichtbaren Plattformen unseres Lebens und bleibt dadurch häufig unsichtbar. Meist wird die geleistete Arbeit zwar wahrgenommen, jedoch wird nicht gesehen, dass es die Freizeit und eigentliche Erholungszeit dieser Menschen ist und keine bezahlte und somit honorierte Arbeit. Es sind genau diese Ehrenamtlichen, die maßgeblich zu einem zugewandten, aufmerksamen und lebendigen Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen. Ehrenamt ist nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, es ist eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe und deshalb so viel mehr als nur ein Hobby. Ich weiß, dass jeder einzelne von uns in unterschiedlicher Art und Weise in seinem Leben mit Ehrenamt in Berührung kommt, sei es durch eigenes ausgeführtes Ehrenamt oder als Nutznießer dessen.

Der Grund, warum ich dieses Buch schreibe, ist meine Erfahrung, wie wenig ehrenamtliche Arbeit respektiert und wertgeschätzt wird. Außerdem höre und lese ich, dass es so vielen ehrenamtlich tätigen Menschen Tag für Tag ähnlich ergeht. Ich lese Überschriften und Schlagzeilen in regionalen und überregionalen Zeitungen, die positiv und negativ sind. Aber egal, ob es gute oder schlechte Nachrichten sind, bin ich erstaunt und empört, wie wenig diese Menschen hinter diesen Meldungen gesehen werden. Um es verständlicher zu machen, möchte ich ein kleines Beispiel geben:

Berliner Tafel sammelt 8,9 Tonnen Lebensmittel. Eine kleine Meldung, die so ähnlich zu lesen war, keine große Schlagzeile, nicht spektakulär, aber zumindest war es wenigstens eine kleine Spalte wert. Aber was steckt denn nun hinter dieser kleinen Nachricht? Unzählige Menschen, Rentner oder Arbeitnehmer, die in ihrer Freizeit ihre Zeit damit verbringen durch die Gegend zu fahren, um Lebensmittel einzusammeln. Diese Lebensmittel holen sie bei ebenso unzähligen Menschen ab, die bereit sind, die von ihnen teuer bezahlten, übriggebliebenen Lebensmittel zu verschenken. Zusätzlich zu den beiden oben genannten Gruppen der Spender und Sammler gibt es auch noch weitere hilfsbereite Menschen, die die Ware überprüfen, herrichten, zusammenpacken und an die bedürftigen Menschen ausgeben. Natürlich dürfen wir in der Reihe der erwähnten Menschen diejenigen nicht vergessen, die dafür Sorge tragen, dass es überhaupt einen Transporter gibt, um die Lebensmittel aufzuladen. Also wir sehen, hinter dieser kleinen Nachricht steckt eine unglaubliche Anzahl an Freiwilligen, die viele Stunden ihrer Freizeit damit verbringen, für andere Gutes zu tun. Jeden Tag, jede Woche, unermüdlich, über das ganze Jahr. All diese Menschen tun dies, um anderen, die weniger haben und die in Not sind, diese Lebensmittel kostenfrei oder für einen ganz kleinen Betrag zu überlassen. Dadurch müssen Familien mit ihren Kindern, ältere Mitmenschen und alle die in Not Geratene nicht hungern. Oder als weiteres Beispiel bei einem Brand eines Hauses. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, zu welcher Jahreszeit oder welchem Datum, die Feuerwehr des eigenen Ortes und der umgebenden Nachbargemeinden ist mit Löschfahrzeugen vor Ort, um den Brand zu bekämpfen. Der Großteil dieser Menschen tut dies im Ehrenamt. Auch dann, wenn sie oder ein Familienmitglied Geburtstag haben, an ihrem Hochzeitstag, an Weihnachten, an Silvester. Weil es für sie eine Selbstverständlichkeit ist, dies für Andere zu tun. Und immer wieder hört und liest man mit Entsetzen, dass es nicht nur nicht wertgeschätzt wird, sondern diese Menschen bei ihren Einsätzen beleidigt, bedroht und sogar körperlich angegriffen werden.

Genau deshalb schreibe ich dieses Buch: Ich möchte den Fokus auf diese Menschen richten, ich möchte zeigen, wie wichtig es ist, diese Menschen sichtbar zu machen. Denn wenn sich dieser Trend des respektlosen Umgangs mit ehrenamtlich tätigen Menschen nicht ändert, werden wir in Deutschland ein großes Problem bekommen.

Im Verlauf dieses Buches werde ich aufzeigen, in welchen Bereichen überall Ehrenamt stattfindet. Ihr werdet überrascht sein, wo freiwilliges Engagement überall zu finden ist und welche wichtigen Ressourcen Deutschland verliert, wenn wir nicht endlich anfangen, diesen Menschen Respekt und Unterstützung entgegenzubringen. Ich möchte zeigen, dass jeder Einzelne im Ehrenamt den Unterschied macht und jeder Einzelne eine wichtige Stütze der Gesellschaft ist, IHR ALLE ZÄHLT!

Deshalb ist es wichtig, die Diskussion darüber anzuregen, wie die politischen und gesellschaftlichen Strukturen maßgeblich verbessert werden können, um das Ehrenamt zu stärken. Denn ohne das Ehrenamt würde unser Land in vielerlei Hinsicht vor enormen Herausforderungen stehen. Sein Wegfall hätte weitreichende Konsequenzen für uns alle. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie sehr Ehrenamt das gesellschaftliche Gefüge auf ganz unterschiedliche Weise stabilisiert, vom Nachbarschaftshilfeprojekt bis hin zu internationalen Freiwilligendiensten.

Ich möchte deutlich machen und beleuchten, womit die Organisationen und deren freiwillige Helfer zu kämpfen haben und warum es sich dennoch lohnt, sich im Ehrenamt zu engagieren. Ihr werdet sehen, wie dringend wir Ehrenamtliche brauchen und ich möchte jeden von euch dazu aufrufen, zu überlegen, was er tun kann und was für eine schöne Aufgabe das Ehrenamt ist. Wir haben es in der Hand, an den negativen Seiten etwas zu verändern. Fangen wir an, ehrenamtliche Menschen zu sehen, wahrzunehmen und einfach mal Danke zu sagen und sparen uns die Hassnachrichten in sozialen Medien. Wir müssen einander beistehen, wenn Ehrenamtliche Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. Zeigen wir nicht nur mit dem Finger auf Andere, sondern gehen wir mit gutem Beispiel voran!

Zur besseren Lesbarkeit verwende ich im nachstehenden Text die männliche Form. Selbstverständlich und ganz ausdrücklich sind damit Personen aller Geschlechter gemeint!

Engagiert gegen den Hunger: Die Ehrenamtlichen der Tafel leisten tagtäglich wertvolle Arbeit; sie sammeln mit großem Einsatz gespendete Lebensmittel, bereiten sie sorgfältig auf und geben sie an bedürftige Menschen weiter, für die eine vollwertige Mahlzeit sonst meist unerreichbar wäre.

Die Bedeutung des Ehrenamts

In einer Zeit, in der der Alltag für viele immer hektischer und fordernder wird, ist es umso beeindruckender, wie viele Menschen sich trotzdem freiwillig engagieren. Sie schenken ihre Zeit, ihre Energie und ihr Können, ganz ohne finanzielle Gegenleistung. Das ist alles andere als selbstverständlich. Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig wie die Menschen selbst: Ob im sozialen Bereich, in der Bildung, im Umweltschutz, in der Kultur oder im Sport, überall bringen Freiwillige ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein. Sie füllen Lücken, wo staatliche oder institutionelle Unterstützung allein nicht ausreicht, und machen unsere Gesellschaft dadurch menschlicher, solidarischer und gerechter. Ehrenamt ist mehr als nur Hilfeleistung. Es ist ein Ausdruck von Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und dem Wunsch, etwas Positives zu bewegen. Wer sich freiwillig einsetzt, verändert nicht nur das Leben anderer, sondern auch das eigene. Denn Engagement verbindet, bereichert und stiftet Sinn. Ehrenamtliche sind das unsichtbare Rückgrat vieler Gemeinschaften. Ihr Beitrag lässt sich kaum in Zahlen messen, aber er ist von unschätzbarem Wert für unser gesellschaftliches Miteinander. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Struktur und im Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr wir alle auf das freiwillige Engagement von Menschen angewiesen sind. Ohne diesen Einsatz würden viele Bereiche unseres Zusammenlebens einfach nicht funktionieren. Die Wahrheit ist, dass der Staat längst nicht alles allein stemmen kann. Weder die finanziellen Mittel noch das Personal reichen aus, um all die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Gerade deshalb ist das Ehrenamt so unverzichtbar. Ob bei der Feuerwehr, im Katastrophenschutz, bei Rettungseinsätzen, in der Hospizarbeit, in der Jugendarbeit, in der Altenpflege, im Tierschutz oder im Umweltschutz, überall sind engagierte Menschen im Einsatz, die mit Herz, Zeit und Tatkraft unterstützen. Sie springen ein, wo Hilfe gebraucht wird, fangen auf, was sonst verloren ginge, und schaffen Möglichkeiten, wo es sonst keine gäbe. Ihr Einsatz macht einen riesigen Unterschied: Er sorgt dafür, dass wir in Krisen nicht allein dastehen, dass Kinder und Jugendliche gefördert werden, dass ältere Menschen Begleitung erfahren und dass unsere Umwelt geschützt wird. All das wäre ohne Ehrenamt kaum denkbar. Und es zeigt: Freiwilliges Engagement ist kein nettes Extra, es ist ein tragendes Fundament unserer Gesellschaft.

Darüber hinaus fördert ehrenamtliche Arbeit den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine sehr direkte und persönliche Weise. Ehrenamtliche sind häufig diejenigen, die Brücken zwischen verschiedenen sozialen Gruppen bauen. Sie arbeiten in Gemeindezentren, bei Tafeln, in Vereinen und vielen anderen Einrichtungen, wo sie direkten Kontakt zu Menschen aus unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründen haben. Durch ihre Arbeit helfen sie, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern. In vielen Fällen sind es die Ehrenamtlichen, die benachteiligte oder ausgegrenzte Gruppen unterstützen, indem sie ihnen Zugang zu Ressourcen und Diensten bieten, die sonst außerhalb ihrer Reichweite liegen würden. Dies umfasst Bildungsangebote, rechtliche Unterstützung, medizinische Versorgung und vieles mehr.

Besonders in Krisenzeiten zeigt sich der unschätzbare Wert des Ehrenamts, denn dann ist schnelle, unbürokratische Hilfe besonders gefragt. Wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten, sei es eine Umweltkatastrophe oder eine humanitäre Krise, sind es freiwillige Helfer, die als Erste aktiv werden, um Menschen in Not zu unterstützen. Sie übernehmen gemeinsam mit Festangestellten essenzielle Aufgaben, stellen Versorgung sicher, koordinieren Hilfsmaßnahmen und bieten emotionale sowie praktische Unterstützung dort, wo sie dringend gebraucht wird. Ihre Arbeit geht dabei weit über bloße Mithilfe hinaus, denn sie bringen Struktur in chaotische Situationen, schaffen Anlaufstellen für Hilfesuchende und ermöglichen den Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen.

In der Geflüchtetenhilfe beispielsweise spielen ehrenamtliche Helfer eine entscheidende Rolle. Wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen und in einem neuen Land ankommen, sind es meist Freiwillige, die sie neben den staatlichen Hilfen mit dem Nötigsten versorgen, Unterkünfte organisieren, Sprachkurse anbieten oder sich um die soziale Integration kümmern. Ohne diese Unterstützung wären staatliche Institutionen überfordert, da der plötzliche Anstieg an Hilfesuchenden mit den vorhandenen Strukturen kaum zu bewältigen ist. Ehrenamtliche helfen dabei, Ängste abzubauen, Orientierung zu geben und den Menschen die Chance zu bieten, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden. Sie leisten nicht nur materielle Hilfe, sondern schenken vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und Mitgefühl, was in solchen Ausnahmesituationen von unschätzbarem Wert ist.

Bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Stürmen zeigt sich immer wieder, wie unersetzlich freiwillige Helfer sind. Während staatliche Katastrophenschutzorganisationen mit großen logistischen Herausforderungen kämpfen und sich zunächst auf die dringendsten Maßnahmen konzentrieren müssen, sind es Ehrenamtliche, die vor Ort oft als Erste handeln. Sie helfen beim Aufräumen, verteilen Lebensmittel, kümmern sich um obdachlos gewordene Menschen oder retten Tiere aus überfluteten Gebieten. Es sind Menschen aus der betroffenen Region selbst, die spontan Hilfsaktionen organisieren und damit eine enorme Entlastung für die offiziellen Hilfsstrukturen darstellen. Ihr Einsatz macht es möglich, dass Hilfe nicht nur effizient, sondern auch menschlich und individuell erfolgen kann, was in solchen Momenten einen enormen mentalen Unterschied für die Betroffenen macht.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Stärke des Ehrenamts war die Corona-Pandemie. In einer Zeit, in der unser Gesundheitssystem intensiv gefordert wurde und viele Mitarbeitende im medizinischen Bereich stark belastet waren, zeigte sich, wie wichtig solidarisches Miteinander ist. Zahlreiche Freiwillige unterstützten dort, wo Hilfe gebraucht wurde, zum Beispiel in Test- und Impfzentren, bei der Nachbarschaftshilfe oder durch die Versorgung älterer Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten. Auch ehrenamtliche Telefonseelsorger waren da, wenn die soziale Isolation zu einer seelischen Belastung wurde. Viele nähten Schutzmasken, andere verteilten Lebensmittel an Bedürftige. Es war das Zusammenspiel von professionellen Kräften und freiwilligem Engagement, das geholfen hat, diese herausfordernde Zeit gemeinsam zu bewältigen.

Ohne dieses enorme, gegenseitige Unterstützen wäre es deutlich schwieriger gewesen, auf die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in einer so tiefgreifenden Krise einzugehen. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, dass eine Gesellschaft am besten funktioniert, wenn alle zusammenhalten, beruflich sowie ehrenamtlich Engagierte, Seite an Seite.

Einer der großen Stärken ehrenamtlicher Hilfe in Krisenzeiten ist ihre Menschlichkeit und ihre Flexibilität. Während Behörden oft an feste Abläufe und bürokratische Prozesse gebunden sind, können Freiwillige schnell und unbürokratisch handeln. Sie reagieren spontan, bringen kreative Ideen ein und springen genau dort ein, wo gerade dringend Hilfe gebraucht wird. Doch es geht nicht nur um praktische Unterstützung. Ehrenamtliche sind auch emotional für andere da: Sie hören zu, spenden Trost oder sind einfach präsent, gerade dann, wenn Worte fehlen. Diese Nähe, dieses Dasein, macht in schwierigen Momenten einen riesigen Unterschied. Wenn Menschen erleben, dass Hilfe nicht nur von offiziellen Stellen kommt, sondern auch von Nachbarn, Freunden oder Fremden, entsteht wertvolles Vertrauen. Es wächst das Gefühl, nicht allein zu sein. Und genau das stärkt den sozialen Zusammenhalt nicht nur in der Krise, sondern weit darüber hinaus. Solidarität ist keine Theorie, sie zeigt sich im Handeln. Wir müssen aufeinander achten und füreinander da sein, dies ist ein elementarer Grundstein unseres Lebens. Ehrenamt stärkt demokratische Werte, indem es Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Schichten und Altersgruppen zusammenbringt und sie dazu ermutigt, sich aktiv für das Gemeinwohl einzusetzen. Ehrenamt kennt keine Altersgrenzen, keine sozialen Barrieren und keine spezifischen Voraussetzungen, es ist eine Form des Engagements, die jedem offensteht.

Wenn Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen und sich für andere einsetzen, entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl. In einer Zeit, in der oft jeder für sich ist und die Gesellschaft gespalten wirkt, bringen ehrenamtliche Tätigkeiten Menschen zusammen. Egal welcher Hintergrund, welche Kultur oder Überzeugung, durch gemeinsames Engagement fühlen sich die Menschen zugehörig und bauen ein Netzwerk auf, das auf Vertrauen und Hilfe basiert. Dies fördert auch das gegenseitige Verstehen und die Toleranz, weil man direkt miteinander in Kontakt kommt und zusammenarbeitet. Es ermöglicht Menschen, nicht nur passiv in einer Gesellschaft zu leben, sondern aktiv an ihrer Gestaltung mitzuwirken. Wer sich engagiert, übernimmt Verantwortung für andere, für die Gemeinschaft, für das Zusammenleben. Dabei wächst nicht nur jeder Einzelne persönlich, auch unsere demokratischen Werte werden gestärkt. Engagement fördert Beteiligung, Mitbestimmung und Eigeninitiative. In einer lebendigen Demokratie geht es nicht nur darum, regelmäßig zur Wahl zu gehen. Es geht auch darum, sich einzubringen, mitzugestalten und Verantwortung über das eigene Umfeld hinaus zu übernehmen. Ehrenamtliches Handeln ist ein Ausdruck gelebter Demokratie, es zeigt, dass gesellschaftliches Miteinander nicht nur in Institutionen, sondern vor allem durch aktives Tun entsteht.

Ein wichtiger Aspekt ehrenamtlicher Arbeit ist die Verringerung sozialer Ungleichheiten. Ehrenamtliche Programme in Schulen, Nachhilfeprojekte oder Mentoring-Programme tragen entscheidend dazu bei, Chancengleichheit zu fördern. Diese Initiativen sind Motoren gesellschaftlicher Veränderungen, indem sie Missstände aufdecken, alternative Lösungen aufzeigen und Druck auf politische Entscheidungsträger ausüben. Ehrenamtliches Engagement schafft Räume für Dialog, in denen Menschen lernen, Kompromisse zu finden und aktiv an einer offenen und gerechten Gesellschaft mitzuwirken. Es zeigt, dass der Wille, Gutes zu tun, tief in unserer Gesellschaft und auch tief in unserer Geschichte verankert ist. Trotz aller Herausforderungen und den wachsenden Anforderungen an unser Leben zeigen Menschen, dass Solidarität und Empathie keine veralteten Konzepte sind, sondern essenzielle Werte, die unsere Gesellschaft tragen.

Ehrenamtliches Engagement wirkt oft viel weiter, als man auf den ersten Blick sieht. Wer sich freiwillig für andere einsetzt, wird zum Vorbild, nicht durch große Worte, sondern durch Taten. Dieses gelebte Mitgefühl und die Bereitschaft zu helfen, motivieren auch andere, selbst aktiv zu werden. So entsteht eine Bewegung der Solidarität, die ansteckend wirken kann. Empathie und Hilfsbereitschaft lassen sich nicht lehren wie Schulstoff. Sie entstehen durch Erfahrung und durch das, was wir im Alltag sehen und erleben. Gerade Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem, was Erwachsene ihnen vorleben. Wer Verantwortung übernimmt, Anteil nimmt und sich für das Gemeinwohl engagiert, prägt die nächsten Generationen und das auf eine tief wirkende Weise. Menschen, die sich ohne Bezahlung für andere einsetzen, senden ein starkes Signal. Ihr Einsatz zeigt, dass jeder Einzelne etwas bewirken kann, nicht irgendwann, sondern jetzt und hier.

Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen sich ohnmächtig oder allein fühlen, kann dieses sichtbare Engagement Hoffnung geben. Es erinnert uns daran, dass wir nicht hilflos sind, dass es immer Wege gibt, die Welt ein Stück besser zu machen. Und dass wir alle ein Teil davon sein können.

Wie ehrenamtliche Arbeit die Welt verändert