Ein einsamer Ort - Dorothy B. Hughes - E-Book

Ein einsamer Ort E-Book

Dorothy B. Hughes

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Beschreibung

Die Wiederentdeckung im Spannungsgenre: Ein Meilenstein in der Geschichte der Kriminalliteratur Los Angeles in den späten 1940ern: Der ehemalige Jagdflieger Dix Steele streift durch die Stadt, vorzugsweise nachts. Seit seiner Rückkehr nach L. A. sucht er nach dem Rausch des Fliegens, doch kaum etwas scheint dem nahe zu kommen. Stattdessen stellt er nun Frauen nach, denen er auf seinen Streifzügen begegnet. Als er einen alten Freund wiedertrifft, ist er fasziniert von Brubs schöner, sanfter Ehefrau, die ihn zugleich verunsichert und beflügelt, und von dessen Arbeit als Detective. Unmittelbar kann Dix mitverfolgen, wie Brub die Morde an einer Reihe junger Frauen untersucht. Und es beginnt ein Spiel, bei dem immer unklarer wird, wer eigentlich auf der Jagd nach wem ist.

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Seitenzahl: 372

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dorothy B. Hughes

Ein einsamer Ort

Kriminalroman

Mit einem Nachwort von Megan Abbott. Aus dem Englischen von Gregor Runge.

© Atrium Verlag AG, Zürich, 2022

Alle Rechte vorbehalten

Die Originalausgabe erschien 1947 unter dem Titel In a lonely place bei Duell, Sloan and Pearce.

© 1947, 1975 by Dorothy B. Hughes

Nachwort © 2017 by Megan Abbott

Aus dem Englischen von Gregor Runge

Covergestaltung: Favoritbüro, München

Coverillustration: © Miguel Sobreira/Trevillion Images, © George Panagis/EyeEm GettyImages

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

ISBN978-3-03792-194-4

 

www.atrium-verlag.com

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Für Charlotte

 

 

 

»Wo, wenn nicht hier, an diesem einsamen Ort, verlangt es uns nach einem Gespräch, der Gegenwart eines Menschen, wenn sich der Tag dem Ende neigt.«

J. M. Synge: In the Shadow of the Glen (1903)

I

Eins

Er genoss es, auf der Klippe zu stehen und hinauszusehen auf den abendlichen Ozean, während Nebelschwaden aufzogen, um wie Schleier aus Gaze sein Gesicht zu berühren. Dieses Gefühl, dem irdischen Getümmel enthoben und ein Teil der entfesselten Elemente zu sein, war dem Fliegen nicht unähnlich. Dieses Gefühl, zugleich eingeschlossen zu sein in diesen unvertrauten, sonderbaren Weltenraum aus Nebel und Wolken und Wind. Nachts war er immer gern geflogen; die Nachtflüge fehlten ihm, seit der Krieg vorbei war. Eine klapprige Privatmaschine zu fliegen war nicht dasselbe. Er hatte es versucht. Als müsste man sein Präzisionswerkzeug wieder gegen ein prähistorisches Steinbeil eintauschen, so hatte es sich angefühlt. Nichts konnte den entfesselten Flug in einem Jagdbomber ersetzen.

Es gelang ihm nur selten, das Gefühl der Macht, der Erregung und der Freiheit in sich wachzurufen, das er in der Einsamkeit des Himmels empfunden hatte. Aber nun, da er auf den Ozean blickte, auf die Wellen, die vom Horizont her unaufhörlich herangerollt kamen, jetzt und hier, hoch über dem scheinwerfergepunkteten Küstenhighway, auf dem der Verkehr dahinkroch, gelang es ihm. Vor dem Himmel zeichneten sich die kantigen Umrisse der Häuser ab, direkt dahinter lag der breite fahle Strand, lag der aufgewühlte Ozean.

Er wusste nicht, warum er noch nie zuvor hierhergekommen war. Er wusste auch nicht, warum er sich heute dafür entschieden hatte. Er war unruhig gewesen und ohne ein Ziel im Sinn in den Bus gestiegen, und der Bus hatte ihn hierhergebracht.

Er streckte die Hand aus, als wollte er den Nebel greifen, aber sie glitt durch den feuchten Schleier, und er lächelte. So war es ihm auch recht – die Hand ein Flugzeug in den Wolken. Die Meeresluft roch gut. Die Dunkelheit, die ihn umschloss, fühlte sich weich an. Noch einmal ließ er seine Hand durch den unruhigen Nebel stürzen.

Auf einmal besudelte ein Bus die Stille, grell, laut und stinkend, und er war verärgert. Er drehte sich ungehalten um. Als wäre die Klapperkiste ein lebendiges Wesen, das vor seiner Wut zurückschrecken würde. Dann sah er, wie eine junge Frau aus dem Bus stieg. Sie konnte ihn nicht sehen, er war nur ein Schemen in der nebligen Dunkelheit. Sie konnte auch nicht wissen, dass er sich wie auf einem Blatt Papier in seiner Vorstellung ausmalte, wie sie aussah.

Sie war klein, hatte dunkle Haare, ein rundliches Gesicht. Sie sah nicht nur anständig, sie sah liebenswürdig aus. Eine freundliche junge Frau, ganz in Braun. Braunes Haar, braunes Kostüm, braune Pumps, braune Tasche. Sogar einen kleinen braunen Filzhut hatte sie auf dem Kopf. Er fing an zu mutmaßen: Sie kam nicht vom Einkaufen (sie hatte keine Taschen bei sich), sie war auch nicht zu einer Abendgesellschaft eingeladen (sie trug ein maßgeschneidertes Kostüm und bequeme Schuhe). Sie kam also von der Arbeit und stieg – er warf einen Blick auf das leuchtende Ziffernblatt seiner Armbanduhr – jeden Abend um zwanzig nach sieben an diesem verlassenen Ort aus dem Bus Richtung Brentwood. Vielleicht hatte sie heute länger gearbeitet als sonst, aber das ließe sich ohne Weiteres herausfinden. Sie war vermutlich in einem der Filmstudios angestellt, Büroschluss sechs Uhr, Nachhauseweg eine Stunde.

Während er über sie nachdachte, holperte der Bus davon, und die junge Frau kam über die Kreuzung in seine Richtung gelaufen. Aber sie lief nicht auf ihn zu, denn sie konnte nicht wissen, dass er sich in der nebligen Dunkelheit verbarg. Sie durchquerte den gelben Schein der Laterne, er konnte jetzt wieder ihr Gesicht erkennen, konnte sehen, dass ihr die Dunkelheit, der Nebel, die Verlassenheit der Gegend nicht behagten. Sie ging die California Incline entlang, ließ ihre Absätze laut auf das bucklige Pflaster knallen, als würde sie das Geräusch beruhigen.

Er folgte ihr nicht sofort. Eigentlich wollte er ihr gar nicht folgen. Aber plötzlich, ohne darüber nachgedacht zu haben, befand auch er sich auf dem Gehweg neben der Fahrbahn. Er ging nicht so laut und so schnell wie sie. Und doch konnte sie ihn hinter sich hören. Und er wusste, dass sie ihn hörte, denn sie geriet aus dem Tritt, so als wäre sie beinah gestolpert, und erhöhte ihr Tempo. Er nicht, er ging in aller Ruhe weiter, machte aber größere Schritte. Er lächelte – sie hatte Angst.

Er hätte sie mühelos einholen können. Aber noch war es zu früh. Besser, er hielt sich zurück, so lange, bis die Hangstraße zur Hälfte hinter ihm lag, und schloss erst dann zu ihr auf. Sie würde aufschreien, sobald er neben ihr auftauchte, vielleicht würde ihr auch nur der Atem stocken. »Guten Abend« würde er leise sagen, einfach nur »guten Abend«, und sie würde noch mehr Angst bekommen.

Sie war jetzt auf dem letzten Abschnitt der Hangstraße und näherte sich dem Küstenhighway. Sie ging sehr schnell. Als er allmählich zu ihr aufschloss, traf sie das aufdringliche Scheinwerferlicht eines Wagens, der auf die Hangstraße bog. Es traf auch ihn. Wut stieg in ihm auf. Er ging jetzt langsamer. Der Wagen fuhr zügig die Straße hinauf und an ihm vorbei, aber jetzt war es passiert, die Dunkelheit war zunichtegemacht. Es folgte, einer Prozession gleich, eine ganze Wagenkolonne. Das Scheinwerferlicht strich über den Gehweg, den Asphalt und die braunen Klippen des höher liegenden Palisades Park. Die junge Frau war in Sicherheit. Sie beruhigte sich, er konnte es ihren Schritten anhören. Seine Wut durchpulste ihn.

Als er sich der Kreuzung näherte, sah er, wie sie den Küstenhighway überquerte, eine braune Gestalt im gelben Licht der Laterne. Auf der anderen Seite angekommen verschwand sie hinter dem dunklen Tor, das zu einem von drei dicht beieinanderstehenden Häusern gehörte. Er hätte ihr nachgehen können, aber in den Häusern brannte Licht. In irgendeinem dieser hell erleuchteten Zimmer wurde sie erwartet.

Ein hellblauer Bus hielt an der Kreuzung. Eine Frau mittleren Alters kam die Stufen herab, und er stieg ein. Ihm war egal, wohin der Bus unterwegs war. In jedem Fall würde er den gelben Schein der Laternen hinter sich lassen. Der Bus war spärlich besetzt, nur Frauen, Frauen ohne jeden Reiz. Der kantige Fahrer hatte etwas Provinzielles an sich. Er bediente die Wechselgeldkasse, die ein knarzendes Geräusch von sich gab, und blickte in die Nacht. Die Fahrt kostete einen Nickel.

Der beleuchtete Bus fuhr an den dunklen Klippen vorüber. Die wuchtigen Strand- und Klubhäuser, die auf der anderen Straßenseite standen, versperrten die Sicht auf den Ozean. Hinter dem Fenster glitt lautlos der Nebel vorüber. Der Bus fuhr ohne Halt, bis zu einer Stelle, an der die Straße eine enge Kurve beschrieb. Hier stieg er aus. Der Bus ließ den Ozean hinter sich und bog in einen dunklen Canyon. Ein Stück weiter entdeckte er ein paar Restaurants, Fast-Food-Lokale, eine kleine Drogerie und eine Bar. Ihm stand der Sinn nach einem Drink.

Die Bar gefiel ihm, ein auf den Gehweg ragender Bug, ein schummeriger Schiffsbauch. Eine Bar, wie sie Männern gefiel, aber es war auch eine Frau da, mit dunklen Haaren und schriller Stimme. Sie war in Begleitung zweier Männer, die drei waren nicht zu überhören, und er konnte sie nicht ausstehen. Dafür hatte er etwas für den Alten mit dem weißen Backenbart übrig, der hinterm Tresen stand. Ein Mann wie ein Kapitän, in sich ruhend, fähig.

Er orderte Whiskey pur, aber als ihm der Alte das Glas hinstellte, war ihm nicht mehr danach. Er kippte ihn trotzdem. Der Drink wäre nicht mehr nötig gewesen. Er war schon auf der Busfahrt zur Ruhe gekommen. Keine Wut mehr, auf niemanden. Nicht einmal auf die drei ohrenbetäubenden Schwachköpfe.

Die Schiffsglocke hinterm Tresen schlug zur vollen Stunde. Acht Mal. Er wollte nirgendwohin, auf nichts hatte er Lust. Die Frau in Braun war ihm inzwischen völlig egal. Er versuchte es mit einem zweiten Whiskey, aber als das Glas vor ihm stand, rührte er es nicht an.

Er hätte an den Strand gehen, sich in den Sand setzen können, wo es still und dunkel war, den Geruch des Nebels und des Ozeans einatmen. Kurz vor dem Abzweig, der in den Canyon führte, war der Ozean wieder aufgetaucht. Der weitläufige Strand war ganz in der Nähe. Trotzdem blieb er sitzen. Er fühlte sich wohl hier. Steckte sich eine Zigarette an, schob das randvolle Whiskeyglas auf dem lackierten Holz des Tresens hin und her, verschüttete keinen einzigen Tropfen.

Er glaubte zu hören, wie die Frau mit der schrillen Stimme einen Namen sagte. Er hatte sie zu ignorieren versucht, aber mit einem Mal stand dieser Name im Raum. Brub. Ihm fiel wieder ein, dass Brub ganz in der Nähe wohnte. Fast zwei Jahre hatte er ihn nicht mehr gesehen. Als er vor ein paar Monaten an die Westküste gekommen war, hatten sie miteinander telefoniert, ein einziges Mal. Er hatte zu Brub gesagt, er werde sich wieder melden, sobald er richtig angekommen sei, aber das hatte er nie getan.

Brub wohnte im Santa Monica Canyon. Er ließ den Whiskey auf dem Tresen stehen und ging zum Münztelefon in der Ecke. Das Telefonbuch war zerfleddert, aber es dauerte nicht lange, und er hatte Brub Nicolais Nummer gefunden. Die Münze klirrte ins Gerät. Er nannte die Nummer, bat darum, verbunden zu werden.

Eine Frau ging an den Apparat. Sie rief nach Brub. Gleich darauf hörte er ein erwartungsvolles »Ja?«.

Es versetzte ihn in Aufregung, seine Stimme zu hören. Brub war ein unvergleichlicher Mensch. Ohne ihn wären die Jahre in England einfach an ihm vorübergezogen. Er war aufgekratzt, wie ein kleiner Junge. »Hallo, Brub!«, sagte er. Dix wollte, dass Brub erriet, dass er erahnte, wer hier am anderen Ende der Leitung war. Aber Brub erkannte ihn nicht, war verwirrt. »Wer ist da?«, fragte er.

Übermut kitzelte ihn. »Na, wer wohl! Ich! – Dix Steele!«

Was für ein Moment. Genauso hatte er es sich vorgestellt. Brub stockte der Atem. »Mensch, Dix! Wo hast du denn gesteckt? Dachte schon, du wärst wieder an der Ostküste gelandet!«

Brubs Freude war eine Wohltat. »Ich bin beschäftigt gewesen. Weißt doch, wie es ist. Immer was zu tun.«

»So ist es. Wo bist du? Was machst du gerade?«

»Ich bin in einer Bar«, sagte er und hörte Brub schwelgerisch aufseufzen. Wenn sie nicht im Dienst gewesen waren, hatten die beiden meist in irgendeiner Bar gesessen; ohne Hochprozentiges ging damals gar nichts. Brub konnte nicht wissen, dass Dix inzwischen gut ohne zurechtkam. Er hatte ihm viel zu erzählen. Seinem großen Bruder. Seinem Brub. »Der Strand ist nicht weit, ich bin in der Bar mit dem Schiffsbug, da wo –«

Brub unterbrach ihn. »Du bist ganz in der Nähe! Die Mesa Road ist nicht weit. Möchtest du vorbeikommen?«

»Bin schon so gut wie da.« Dix legte auf, sah im Telefonbuch die Hausnummer nach, ging zurück an die Bar und stürzte den Whiskey herunter. Jetzt schmeckte er ihm.

Er stand schon auf der Straße, als ihm einfiel, dass er mit dem Bus gekommen war. Er hatte sein Apartment verlassen, war in den Wilshire-Santa-Monica-Bus gestiegen und befand sich jetzt in Santa Monica. Monatelang hatte er nicht mehr an Brub gedacht, und auf einmal tauchte diese Vogelscheuche auf, wahrscheinlich hatte sie etwas ganz anderes gesagt, wahrscheinlich hatte er sich nur verhört. Und doch war er jetzt auf dem Weg zu Brub.

Der Zufall wollte es, dass an der roten Ampel ein freies Taxi hielt. Er bemerkte aber nicht sofort, dass der ramponierte Wagen, an dessen Steuer ein junger Mann ohne den üblichen Hut saß, ein Taxi war. Den Schriftzug »Santa Monica Cab Co.« registrierte er erst in dem Moment, als die Ampel auf Grün sprang und der Wagen losfuhr. Er rannte auf die leere Straße und rief: »Taxi, halt!«

Der Zufall wollte es auch, dass ihn der Fahrer hörte und anhielt. »Wissen Sie, wo die Mesa Road ist?« Er hatte die Hand bereits am Türgriff.

»Wollen Sie dort hin?«

»Bitte.« Er stieg ein, noch immer aufgekratzt. »520 Mesa Road.«

Der Fahrer wendete und fuhr ein paar Querstraßen den Hang hinauf, dann bog er links ab, auf eine noch steilere Straße. Dichter, schmutziger Nebel lag im Canyon, die Nacht war so feucht, dass die Scheibenwischer eingeschaltet waren. »Da wären wir also«, sagte der Fahrer, »520 Mesa Road, die Nicolais.«

Er war angenehm überrascht, dass der Fahrer wusste, wohin er ihn gebracht hatte. Ein gutes Zeichen, Brub schien noch der Alte zu sein. Brub kannte alle, und alle kannten Brub. Der Fahrer wendete, die Nebelscheinwerfer beschrieben einen Halbkreis. Er beobachtete, wie sie sich den Hang hinabbewegten. Beobachten, abwarten – es geschah unwillkürlich. In diesem Moment existierte für ihn einzig und allein der gelbe Widerschein im Nebel.

Er öffnete das Gartentor. Auf dem Briefkasten stand in schwarzen Buchstaben: B. Nicolai, 520 Mesa Road. Er ließ den Namen auf sich wirken. Das Haus befand sich oberhalb der bepflanzten Terrasse, die in voller Blüte stand, ein Willkommenslicht brannte im Fenster, gelb wie ein Nebellicht. Er ging die Steinstufen zur Eingangstür hinauf. Er musste einen kurzen Moment warten, er musste die wenigen Sekunden, bevor er den Türklopfer aus Messing betätigen würde, auf sich wirken lassen, er konnte nicht anders. Kaum hatte er geklopft, öffnete sich schwungvoll die Tür, und Brub stand vor ihm.

Er hatte sich nicht verändert. Kurze dunkle Locken, markante Züge, ein Lächeln auf den Lippen, strahlende dunkle Augen, breite Schultern. Das Meer kam einem in den Sinn, wenn man ihn sah, er war immer gegangen wie ein Seemann auf schwankenden Bohlen. Vielleicht auch wie ein Boxer. Ein guter Boxer. So war Brub.

Brub sah ihm in die Augen, gab ihm die Hand, seine warme Hand. »Na, du Schlawiner«, sagte er. »Was fällt dir eigentlich ein, dich erst jetzt zu melden? Lass dich ansehen!«

Er wusste genau, was Brub jetzt sah, als stünde er vor einem Spiegel. Er sah einen jungen Mann, einen ganz normalen jungen Mann. Gebräunte Haut, dunkelblonde, leicht gelockte Haare, durchschnittlich groß und nicht zu dünn. Braune Augen. Nase und Mund, die sich gut in das Gesicht fügten, ein präsentables Gesicht, aber ohne besondere Merkmale, die es aus der Gewöhnlichkeit herausgehoben hätten. Er trug einen guten Gabardineanzug, für dessen Maßanfertigung er viel Geld bezahlt hatte, ein sandfarbenes Hemd mit offenem Kragen. Vielleicht gewann sein Gesicht – vor Aufregung und Glück darüber, dass er seinen alten besten Freund wiedersah – in diesem Moment an Kontur. Unter normalen Umständen war es ein Gesicht, das man wieder vergaß.

»Lass dich ansehen!« Weil Brub einen halben Kopf kleiner war als Dix, musste er seinen Blick ein wenig nach oben richten. Schweigend nahmen sie sich in Augenschein, zufrieden mit dem, was sie sahen, und fingen im selben Moment zu reden an.

»Du hast dich kein bisschen verändert.«

»Jetzt komm schon rein.«

Brub führte ihn aus dem Halbdunkel des einladenden Flurs in das hell erleuchtete Wohnzimmer. Dix hielt plötzlich inne. Es war doch nicht alles beim Alten geblieben. Da war eine Frau. Eine Frau, die einen Anspruch darauf hatte, sich hier in diesem Haus zu befinden.

Er sollte ihren ersten Anblick nie vergessen: eine schlanke junge Frau in einem schlichten cremefarbenen Kleid, vor dem weißen Kamin in einen großen, extravaganten Sessel geschmiegt. Das grün-violette Dekor erinnerte an tropische Blüten, die mit kirschrotem Gestrichel überzogen waren. Ihr kühlblondes, silbrig schimmerndes Haar war aus dem Gesicht frisiert und im Nacken aufgerollt. Sie war nicht auf die gewöhnliche Art gut aussehend, hatte ein markantes Gesicht mit hohen Wangenknochen und gerader Nase. Schöne Augen, blau wie das Meer, geschwungen wie Flügel, und wohlgeformte Lippen. Trotzdem war sie nicht eigentlich schön. In einer Bar oder einem Nachtlokal voller gut aussehender Frauen hätte sie keine Blicke auf sich gezogen. Sie wäre nicht aufgefallen. Sie wäre zu unscheinbar gewesen. Sie war vornehm, sie wollte nicht auffallen.

Und sie war hier zu Hause, war die Herrin über dieses Refugium und schön in ihrer Genügsamkeit. Noch bevor die beiden etwas hätten sagen können, wusste er, dass Brub mit ihr verheiratet war. Wie sie gelächelt hatte, als die beiden den Raum betraten, und noch strahlender lächelte, als Brub sagte: »Sylvia, das ist Dix, Dickson Steele.«

Sie gab ihm die Hand. »Von dem du immer sprichst. Guten Abend, Dix.«

Dix ging einen Schritt auf sie zu, erwiderte ihr Lächeln, nahm ihre Hand. Nur in diesem ersten Moment ließ er sich etwas anmerken. Aber vermutlich fiel es nicht auf. »Guten Abend, Sylvia«, sagte er. Sie war aufgestanden, und sie war groß, so groß wie Brub. »Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du geheiratet hast?«, wollte er wissen. »Dieses wunderschöne Geschöpf einfach so vor mir geheim zu halten.«

Brub lachte, und Sylvia ließ seine Hand wieder los. »Sie klingen genauso wie der Dix, von dem mir Brub erzählt hat.« Ihre Stimme war angenehm, hatte etwas Leuchtendes an sich, wie ihr Haar. »Trinken Sie ein Bier mit uns? Oder bleiben Sie ganz der eigensinnige Individualist und trinken Whiskey?«

»Brub wird sich wundern«, sagte er, »ich nehme ein Bier.«

Die gemütliche Wohnzimmereinrichtung gefiel ihm, nur der Sessel war geschmacklos. Es gab zwei Sofas, eines grün wie Gras, eines leuchtend gelb. Ein heller Teppich lag auf dem glänzenden Parkett, und vor dem Fenster mit den Jalousien und den schweren weißen Vorhängen stand ein grüner Sessel. Ausgesuchte Kunstdrucke hingen an den Wänden: O’Keeffe, Rivera. Die Bar aus hellem Holz war diskret, aber gut erreichbar in der Ecke platziert. Sie verfügte offenbar über einen Kühler, die Bierflaschen waren beschlagen.

Sylvia öffnete eine Flasche für ihn, schenkte ihm ein und stellte das Glas auf den Beistelltisch. Dann reichte sie auch Brub eine Flasche und schenkte sich selbst ein. Sie hatte schöne, schmale, im Umgang mit den Dingen besonnene und akkurate Hände. Ihren ganzen Körper bewegte sie besonnen und akkurat. Es musste herrlich sein, mit ihr zu schlafen, ohne jede unnütze Regung, in absoluter Stille.

Als ihm klar wurde, was ihm gerade durch den Kopf gegangen war, fragte er noch einmal: »Wieso hast du mir nicht erzählt, dass du geheiratet hast?«

»Wieso ich dir nichts erzählt habe?«, polterte Brub los. »Du hast vor sieben Monaten angerufen, im Februar. Am achten Februar, um genau zu sein. Kurz nachdem du angekommen warst. Du hast gesagt, du würdest dich wieder melden. Sobald du ein Apartment gefunden hättest. Danach habe ich nichts mehr von dir gehört. Drei Tage nach unserem Telefonat bist du aus dem Ambassador ausgezogen, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Wie hätte ich dir davon erzählen können?«

Dix lächelte, richtete den Blick auf das Bier in seiner Hand. »Spionierst mir wohl nach, was?«

»Ich wollte wissen, wo du steckst, du Spinner«, sagte Brub fröhlich.

»Wie früher, Sylvia«, sagte Dix. »Brub hat immer ein Auge auf mich gehabt. Wie ein großer Bruder.«

»Den hattest du auch nötig.«

Dix wechselte das Thema. »Also, seit wann seid ihr unter der Haube?«

»Diesen Frühling waren es zwei Jahre«, sagte Sylvia.

»Wir haben eine Woche und drei Tage nach meiner Rückkehr geheiratet. Früher ging es nicht, weil Sylvias Termin im Schönheitssalon auf sich warten ließ.«

»Ein Termin, den sie zweifelsohne nicht nötig hatte«, sagte Dix und lächelte.

Sylvia erwiderte sein Lächeln. »Auf sich warten ließ wohl eher die Gebühr fürs Standesamt. Brub hat noch den letzten Dollar für Blumen und Geschenke ausgegeben und darüber ganz vergessen, dass eine Trauung etwas kostet.«

Eine angenehme Unterhaltung bei kühlem Bier an einem behaglichen Ort. Zwei Männer. Eine reizende Frau.

»Warum habe ich damals gekämpft, was glaubst du? Weil ich zurück zu Sylvia wollte.«

»Und Sie, Mr. Steele, wofür haben Sie gekämpft?« Ihr Lächeln war im Grunde nicht zurückhaltend, sie ließ es nur so erscheinen.

»Für Wochenendausflüge nach London«, sagte Brub.

Dix ignorierte diese Bemerkung. Er wollte ihr ehrlich antworten, sie beeindrucken. »Das habe ich mich oft gefragt, Sylvia. Warum haben wir gekämpft? Weil es unsere Pflicht war, vielleicht? Aber ich bin nicht eingezogen worden, ich habe mich freiwillig gemeldet. Wahrscheinlich bin ich in den Krieg gegangen, weil alle in den Krieg gegangen sind. Weil alle zum Air Corps wollten. Auf dem College wollten alle unbedingt Piloten werden. Ich war in meinem zweiten Jahr in Princeton, als es losging. Ich wollte auf keinen Fall etwas verpassen.«

»Brub war in Berkeley«, sagte sie. »Sie haben recht, alle sind damals in den Krieg gegangen.«

Sie waren jetzt in sicheren Fahrwassern, sprachen über ernste Themen. Brub machte für Dix und sich selbst noch zwei Bier auf.

»Wir sind in den Krieg gegangen, weil man das eben so gemacht hat, jedenfalls dachten wir das. Wir sind keine wehleidige Generation, Dix. Wir zetern nicht, wenn uns jemand piesackt. Aber unser Selbsterhaltungstrieb ist einer der wenigen Urinstinkte, die wir noch haben. Und was auch immer wir damals dachten – wir haben uns verteidigt. Und das wussten wir auch.«

Dix stimmte ihm nachdenklich zu. Man musste in diesem Haus nicht derselben Meinung sein. Niemand war beleidigt, wenn man sagte, was man dachte. Es gab hier keine Wut und nichts, was wütend machte. Obwohl eine Frau anwesend war. Vielleicht gerade deswegen. Sie hatte etwas Sanftes an sich.

Wie aus großer Entfernung, wie durch einen grauen Nebelschleier drang Sylvias Stimme zu ihm. »Brub sucht immer nach dem verborgenen Motiv, wahrscheinlich ist er deswegen Polizist geworden.«

Er war wieder hellwach. Das Wort bohrte sich wie ein eisiger Speer in sein Gehirn. Er hörte, wie er das kalte, harte Wort wiederholte: »Polizist?« Aber sie schöpften keinen Verdacht. Sie glaubten, er sei überrascht, was er auch war, aber es war mehr als das, er war verstört, entsetzt. Sie waren diese Reaktion gewohnt. Schließlich war es kein Scherz, sondern die Wahrheit. Brub lächelte entschuldigend. Seine Frau lachte, und aus ihrem Lachen sprach Stolz.

»Es stimmt!«

»Aber Darling, ich bin kein Polizist, ich bin Ermittler.«

Momente wie diesen beherrschten sie gut, es fiel ihnen leicht. Dix war derjenige, der sprachlos war und auf ein Stichwort wartete. Ungläubig wiederholte er das Wort. »Ermittler?« Der Schock und die Lähmung waren vorbei. Er konnte sich jetzt angemessen belustigt zeigen.

»Ermittler, ja. Frag nicht, warum. Alle wollen wissen, warum, aber ich kann’s dir nicht sagen, Dix.«

»Ihm fehlt noch das zugrunde liegende Motiv«, sagte Sylvia.

Brub zuckte mit den Schultern. »Das stimmt so nicht. Mein Motiv heißt Arbeitsscheu. Das Lebensmotto der Nicolais. Steht schon auf unserem Familienwappen.«

»Der große, gesunde Kerl legt eben am liebsten die Füße hoch«, sagte Sylvia.

In ihrem Schlagabtausch glichen die beiden zwei gut aufeinander eingespielten Radiomoderatoren.

»Mein alter Herr war Großgrundbesitzer und musste nie einen Finger krumm machen. Das Geschäftsmodell ist mir aber zu verstaubt, ich wollte etwas anderes machen. Meine Schwestern haben kurzerhand reich geheiratet. Warum ich das nicht auch in Erwägung gezogen habe, ist mir ein Rätsel.« Er sah zu Sylvia. »Mein ältester Bruder, Raoul, ist übrigens Investmentberater. Jedenfalls steht das in Goldschrift auf seiner Bürotür.«

»Brub«, warnte ihn Sylvia mit einem Lächeln.

»Raoul geht um zehn ins Büro, manchmal auch später. Macht die Post auf. Spielt dann zwei Runden Squash. Duscht und rasiert sich. Danach Lunch. Schön gemütlich, versteht sich. Danach Mittagsschlaf, eine Partie Bridge, und schon ist der Tag vorbei. Schwerstarbeit.«

Brub nahm einen Schluck aus seinem Glas. »Dann wäre da noch mein Bruder Tom. Tom spielt Golf und arbeitet nebenbei als Rechtsanwalt. Er vertritt ausschließlich Flugsaurier, die Flurschäden angerichtet haben. Aber weil Flugsaurier üblicherweise zu beschäftigt sind, um Flurschäden anzurichten, hat er sehr viel Zeit zum Golfspielen.« Er trank noch einen Schluck. »Und ich bin Ermittler geworden.«

Dix hörte ihm lächelnd zu, fixierte dabei das Glas in seinen Händen. Lauter Fragen brannten ihm unter den Nägeln, an jedem Finger ein kleines Feuer. Brub schwieg, erwartete eine Reaktion. »Da hast du dir also einen unkomplizierten Job ausgesucht. Keine Aktienkurse. Keine Paragrafen. Sherlock Nicolai. Und? Ist es so, wie du’s dir vorgestellt hast?«

»Überhaupt nicht!«, jammerte Brub. »Ich muss richtig schuften.«

»Sie kennen doch Brub«, seufzte Sylvia. »Halbe Sachen gibt es bei ihm nicht. Wenn ermittelt wird, dann richtig.«

Dix lachte und stellte sein Glas auf den Beistelltisch. Es war Zeit zu gehen. Die Nicolais vorerst sich selbst zu überlassen. »Dann wäre mein Metier vielleicht auch etwas für Brub gewesen.« Die beiden sahen ihn fragend an. »Wie 93,5 Prozent aller Veteranen schreibe ich ein Buch.«

»Die Stadt ist voller Autoren«, sagte Sylvia.

»Anders als 92,5 Prozent schreibe ich aber nicht über den Krieg. Ich schreibe auch nicht meine Memoiren. Ich versuche mich an einem Roman.« Vortreffliche Wahl. Sie hatten ja keine Ahnung, wie gerissen er war. Er log nicht aus dem Bauch heraus, nein. Sondern kühl und wohlüberlegt. »Deswegen haben wir uns auch so lange nicht gesehen. Wenn der Roman fertig werden soll, muss ich dranbleiben. Wir sind so gut wie unzertrennlich, meine Schreibmaschine und ich.« Er lächelte. »Ein Jahr hat mir mein Onkel gegeben. Er will sehen, wie weit ich komme. Also schreibe ich.« Er stand auf. Eigentlich hatte er sich ein Taxi rufen wollen. Aber wenn Brub gewusst hätte, dass er nicht mit seinem Wagen gekommen war, hätte er womöglich darauf bestanden, ihn zur Bushaltestelle zu bringen, um herauszufinden, wo Dix in etwa wohnte. Und ein kleiner Spaziergang machte Dix nichts aus. Er würde schon zurückfinden.

»Ich sollte mich wieder an die Arbeit machen.«

Die beiden protestierten halbherzig, versuchten aber nicht, ihn umzustimmen. Das junge Glück wollte für sich sein, außerdem musste Brub früh aufstehen. »Brub muss doch ausgeruht sein, wenn sich die Ordnungshüter von Santa Monica mit Ermittlungserfolgen rühmen wollen, stimmt’s?«, fragte er mit Hintergedanken.

»Santa Monica? Von wegen. Ich bin beim L.A. Department.« Brub plusterte sich auf. Jetzt war Dix im Bilde. Beim L.A. Department also.

»Dann musst du erst recht schlafen. Gibt sicher viel zu tun, oder?«

Mit einem Mal wirkte Brub ernst und erschöpft. »Sehr viel sogar«, sagte er.

Dix lächelte. Aber Brub wusste nicht, warum. Er mag wie ein großer Bruder für ihn gewesen sein, aber er hatte nie alles über ihn gewusst. Bestimmte Dinge behielt man besser für sich. Geheimnisse sorgten für Abwechslung.

»Also, wir sehen uns«, sagte er und öffnete die Tür, aber noch konnte er nicht gehen.

»Moment«, sagte Brub, »deine Telefonnummer.«

Dix hatte keine Wahl. Er gab sie ihm, ohne zu zögern. Jedes noch so kurze Zögern wäre aufgefallen. Ihm oder der scharfsichtigen Frau im Hintergrund, die ihn im Auge behielt. Er wiederholte seinen Abschiedsgruß. Dann war er allein, ging tastend die Stufen hinab, in die Dunkelheit, in den klammen, undurchdringlichen Nebel.

Zwei

Er ging in die Nacht, ohne Ziel, ohne Plan. In den sieben Monaten, die er in Kalifornien lebte, war er mehr als einmal umgezogen. Er hätte wieder umziehen können. Aber eine passende Bleibe zu finden war nicht einfach. Es gefiel ihm, wo er jetzt wohnte; er hatte Glück gehabt mit dem Apartment. Ein Bekannter aus dem College, lange her. Jahre, Ewigkeiten. Damals war ihm Mel Terriss egal gewesen. Und als er ihm eines Abends im vergangenen Juli über den Weg lief, hatte sich nichts daran geändert. Fett war er geworden. Hatte Tränensäcke, Doppelkinn und Wanst bekommen. Besudelte mit versoffenem, glasigem Blick die Blondine an Dix’ Seite. Dabei hatte er sie ihm nicht einmal vorgestellt. Aber Mel Terriss ließ nicht locker, und so kam Dix zu seinem Apartment. Er hatte das lausige Hotel am Westlake Park so sattgehabt. Den Gestank. Terriss hatte allen erzählt, er wolle nach Rio gehen, beruflich, für ein Jahr. Fette Kohle für das fette Schwein.

Er hätte noch einmal umziehen können, aber den Teufel würde er tun. Beverly Hills gefiel ihm, eine Gegend nach seinem Geschmack. Eine sichere Gegend. Er hätte seine – das heißt Terriss’ – Telefonnummer ändern, eine anonyme Nummer beantragen können. Das hatte er schon einmal in Betracht gezogen. Aber da die aktuelle Nummer nicht unter seinem Namen im Telefonbuch stand, hätte es ohnehin keinen Unterschied gemacht.

Er fand mühelos aus dem engen Canyon und zurück auf den Küstenhighway. Überquerte die Fahrbahn, um auf die Meerseite zu gelangen. Jenseits des schwarzen Sands hörte er die Brandung tosen. Er überlegte, am Strand zurückzugehen, aber durch den Sand zu laufen war anstrengend, und er war auf einmal so müde. Er ging in Richtung California Incline. Kein Bus, kein Taxi fuhr, niemand hielt für ihn. Weil es keinen Fußweg gab, lief er den Großteil der Strecke auf der Straße, dicht an den Häusern entlang, denn im Nebel war er nicht mehr als ein Schemen, der sich bewegte. Den Teufel würde er tun und umziehen oder sich die Mühe machen, eine neue Telefonnummer zu beantragen. Er würde Brub und seine Frau einfach nicht wiedersehen. Er hatte, noch bevor es nötig gewesen war, den Grund bereits genannt. Er schrieb an einem Buch, hatte keine Zeit für Abende wie diese, für Bier und dummes Geschwätz.

Lautlos wie der Nebel ging er immer weiter. Es war schön gewesen. Der erste schöne Abend seit langer Zeit. Seit sehr langer Zeit. Er versuchte, sich ganz genau zu erinnern. Es war der erste schöne Abend seit damals in England, als Brub und er so enge Freunde gewesen waren.

Mit angespanntem Kiefer fixierte er den Lichtkreis, den ein Stück voraus eine Laterne auf den Asphalt warf. Lautlos ging er darauf zu, sah ihn immer näher kommen. Er ließ keine Gedanken zu, zermalmte alles zwischen den Zähnen. Auf Höhe der Straßenlaterne konnte er endlich die California Incline ausmachen, kaum sichtbar trat sie auf der anderen Straßenseite aus dem Nebel. Er erinnerte sich daran, dass das Haus, in dem die Frau verschwunden war, in unmittelbarer Nähe lag. Er verharrte im Schatten eines Klubhauses. Nur noch der umzäunte, verwaiste Parkplatz lag zwischen ihm und den drei dicht beieinanderstehenden Häusern. Unaufhörlich donnerte die Brandung, er konnte das Salz des Ozeans riechen.

Der Zebrastreifen, auf dem er den Highway überqueren wollte, befand sich auf Höhe der drei Häuser. Er ging weiter, lächelte. Der Parkplatz lag zur Hälfte hinter ihm, als ein Tankwagen das Stoppschild ignorierte und an ihm vorbeidonnerte, gefolgt von einem zweiten, einem dritten. Sie zerrissen die Stille, scheppernd, mit klirrenden Ketten. Spien ihre rußigen Abgase in den Nebel. Er bebte vor Wut. Als er vor den drei Häusern stand, wurde er noch wütender. Unmöglich zu wissen, hinter welchem der drei braunen Tore die junge, in Braun gekleidete Frau verschwunden war. Außerdem befanden sich die Tore des ersten und zweiten Hauses unmittelbar nebeneinander. Jäh überquerte er den Highway und ging die California Incline hinauf. Er war sicher gewesen, dass sie in das mittlere Haus gegangen war. Jetzt war er unschlüssig. Er würde noch einmal auf sie warten müssen.

Erst als er schon ein ganzes Stück die Straße hinaufgegangen war, beruhigte er sich. Er blieb an der Steinbrüstung der Hangstraße stehen, sah hinunter auf eine Grünfläche. Das dichte Gestrüpp lichtete sich hier, ein schmaler Trampelpfad führte den Abhang hinunter. Ein guter nächtlicher Beobachtungsposten. Er lächelte, war wieder guter Dinge.

Er ging weiter. Störte sich nicht daran, als ihn das Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Wagens traf. Keinesfalls würde er umziehen. Er war zufrieden in Terriss’ Apartment. Die Vorstellung, dass Brub Nicolai ihn jederzeit aufspüren könnte, falls ihm der Sinn danach stand, war amüsant. Mehr als das. Sie war so erregend wie lange nichts mehr. Der Jäger und der Gejagte Arm in Arm. Die von der Gefahr versüßte Jagd. Auf dem höchsten Punkt der Hangstraße angelangt, warf er einen Blick zurück auf die Häuser, den Sand, das Meer. Die ausgelieferte Welt, verloren im Nebel.

Er ging weiter. Dass er den Weg nach Beverly Hills nicht kannte, war ihm egal. Als er auf den Wilshire Boulevard einbog, näherten sich zu seiner Überraschung die Scheinwerfer eines Busses. Es war die Linie Wilshire–L.A. Er stieg ein und sah auf seine Armbanduhr. Spät war es noch nicht, kurz nach elf. Im Bus saßen nur zwei Männer, Arbeiter in ihrer Arbeitskleidung. Er setzte sich in die erste Reihe, wandte sich ab von der dämmrigen Beleuchtung und sah aus dem Fenster. Es ging über den Wilshire Boulevard nach Santa Monica und weiter nach Westwood, unterwegs stiegen neue Fahrgäste zu. Er sah ihre Spiegelungen im Fensterglas, aber drehte sich nicht um. Keiner von ihnen wäre es wert gewesen.

Als sie Westwood hinter sich ließen und eine dunkle Straße entlangfuhren, die durch ein Waldgebiet führte, auf dem sich ein Golfplatz befand, lichtete sich der Nebel allmählich. In Beverly Hills konnte man wie durch einen grauen Schleier wieder Straßenkreuzungen erkennen. Schaufenster, Menschen. Aber es war so gut wie niemand unterwegs. Alles lag da wie ausgestorben. Dix sah weiter aus dem Fenster.

Er entdeckte sie am Camden Drive. Eine junge, ihm unbekannte Frau, allein an der Haltestelle wartend. Irgendwann würde ein Bus kommen. Aber die Busse kamen nachts nur in großen Abständen. Dix betätigte den Klingelzug, aber für die Haltestelle Camden Drive war es zu spät. Er stieg erst an der nächsten Haltestelle aus, zwei Blocks weiter. Es machte ihm nichts aus. Er wechselte auf die andere Straßenseite und ging mit einem Lächeln auf den Lippen zurück. Er machte große, leise Schritte.

Drei

Schrilles Läuten riss ihn jäh aus dem Schlaf. Ein Läuten wie kreischende Busbremsen, klirrende Ketten eines Tankwagens, das Heulen einer Bombe kurz vor der Detonation. Er bekam die Augen kaum auf. Wie lange mochte das Telefon schon läuten? Als seine Augen endlich offen waren, hörte es auf, und sobald er sie wieder geschlossen hatte, begann das lästige Klingeln erneut. Diesmal ließ er die Augen einfach zu, stieß den Hörer von der Gabel und machte dem Klingeln ein Ende. Er vergrub sich in den Kissen und versuchte, noch einmal einzuschlafen. Er wollte so früh am Morgen nicht sprechen müssen, mit niemandem. Es interessierte ihn auch nicht, wer am anderen Ende der Leitung war. Niemand von Bedeutung. Niemand, der wichtig war, hatte seine Nummer.

Er machte die Augen wieder auf. Er hatte Brub Nicolai ganz vergessen. Gestern Abend hatte er ihm seine Telefonnummer gegeben. Für einen kurzen Moment verspürte er ein Gefühl kalter Angst. Nein, er hatte keine Angst. Dafür war er jetzt hellwach. Er sah auf den Wecker. Nicht so früh wie gedacht. Fünf nach halb zwölf. Er hatte fast acht Stunden geschlafen. Wollte am liebsten noch einmal so lang schlafen. Weiß Gott, das wollte er. Er war unendlich erschöpft ins Bett gefallen. Ein ausgezehrter Körper brauchte länger als acht Stunden, um sich zu erholen. Aber er war zu neugierig, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Er schlug die Bettdecke zurück und zog sich seinen Morgenmantel über. Keine Latschen. Er ging barfuß durchs Wohnzimmer, öffnete die Apartmenttür, hob die Morgenzeitung auf. Er schloss die Tür, konnte es kaum erwarten.

Auf der Titelseite war alles wie immer. Der Lauf der Welt, zu Hause und in Übersee. Kriege, Streiks, Propaganda. Auch von der zweiten Seite erwartete er sich nichts. Er sollte recht behalten. Er klemmte sich die Zeitung unter den Arm. Wozu war er eigentlich aufgestanden? Da er nun schon wach war, brauchte er einen Kaffee. Er schlurfte in die Küche. Wie gut Terriss doch ausgestattet war. Dix schaltete die Kaffeemaschine ein, holte die Kaffeesahne aus dem Kühlschrank. Er wohnte in einem Eckapartment. Perfekt geeignet für jemanden, der zurückgezogen bleiben, nichts von sich preisgeben wollte. Die Nachbarn waren diskret. Die meisten, hatte Terriss dummstolz verkündet, arbeiteten beim Film. Auch sie wollten nichts von sich preisgeben.

Während er auf den Kaffee wartete, las er weiter. Drei Tassen später war er fertig mit seiner Lektüre. Ließ die aufgeschlagene Zeitung auf dem Tisch liegen, räumte auch die Tasse nicht weg. Zum Apartment gehörte ein Reinigungsdienst. Er hatte sich angewöhnt, das Apartment zu verlassen, bevor die Putzfrau kam, ein Besen von einem Weib. Sie kam zwischen zwei und drei Uhr am Nachmittag. Er wusste nicht einmal, wie sie hieß. Auf der Straße hätte er sie nicht erkannt.

Er ging wieder ins Schlafzimmer. Es war zu spät, um sich noch einmal hinzulegen. Der Elefant würde bald durch die Wohnung trampeln. Wenn er sich noch einmal hinlegen würde, würde sie sich nicht um das Schlafzimmer kümmern, und ein ungemachtes Bett ging ihm gegen den Strich. Er setzte sich auf die Bettkante. Sein Blick fiel auf den Telefonhörer, er legte ihn zurück auf die Gabel. Er blieb ein paar Minuten sitzen, abwesend, wie blind. Dann ging er ins Bad. Er betrachtete sich im Spiegel. Er sah aus wie immer, übernächtigt, ungekämmt. Sobald er sich geduscht und rasiert hätte, würde es ihm besser gehen. Als er den Rasierer aus dem Etui holte, klingelte das Telefon.

Erst wollte er nicht abnehmen, aber dann erregte das Klingeln doch seine Neugier. Er ließ sich Zeit, setzte sich aufs zerwühlte Bett. Einen kurzen Moment zögerte er, dann griff er nach dem Hörer. »Ja?«

»Dix?«

Eine Frauenstimme. Eine Frauenstimme, die fragend seinen Namen sagte: »Dix?«

Er holte Luft. Es gab nur eine einzige Frau, die seine Nummer hatte, Sylvia Nicolai. Er bemühte sich, wach zu klingen. »Am Apparat! Sind Sie es, Sylvia?« Sie reagierte überrascht.

»Woher wissen Sie das?«

»Ich habe Sie an Ihrer Stimme erkannt«, sagte er amüsiert, und sie nahm es ihm ab.

»Wo sind Sie gewesen? Ich habe den ganzen Morgen über versucht, Sie zu erreichen.«

Er mochte es nicht, Rechenschaft abzulegen. Außerdem interessierte sie sich nicht dafür, wo er gewesen war. Sie wollte nur das Gespräch eröffnen. Aber weil ihm die Art und Weise missfiel, log er sie an: »Ich bin die ganze Zeit hier gewesen und habe gearbeitet. Das Telefon hat kein einziges Mal geklingelt.«

»Die Technik mal wieder«, sagte sie und fuhr in ihrer gelassenen, schönen Stimme fort: »Brub und ich haben uns gefragt, ob Sie heute Abend mit uns essen wollen, im Klub.«

Er war sprachlos. Er wusste nicht, ob er den Abend mit ihnen verbringen wollte oder nicht. Er war müde, zu müde, um eine Entscheidung zu treffen. Es fiel ihm nicht schwer zu lügen, nie. »Dürfte ich Sie zurückrufen, Sylvia? Ich habe heute Abend einen lästigen Geschäftstermin. Falls ich verschieben kann, würde ich liebend gern mit Ihnen und Brub zu Abend essen.« Er konnte durchaus charmant klingen, wenn er wollte, aber sie stieg nicht darauf ein, klang mit einem Mal förmlich, als wäre sie Brubs Sekretärin und nicht seine Frau, als wäre ihr eine klare Absage lieber gewesen. »Natürlich, rufen Sie zurück. Falls es heute nicht klappt, dann ein anderes Mal.«

Sie verabschiedeten sich und legten auf. Sie wollte nicht mit ihm zu Abend essen. Brub war derjenige, der ihn sehen wollte, und weil sie ihn liebte und ihre Ehe noch jung und großzügig war, hatte sie gesagt: »Wenn es dir wichtig ist, Brub.« Nein, er würde nicht mit ihnen zu Abend essen, sich ihrem Glück aufdrängen. Glück war kostbar in diesen Zeiten. Kostbarer als Gold und Myrrhe. Früher war auch er glücklich gewesen, aber nur für kurze Zeit. Glück war wie Quecksilber, es zerrann einem zwischen den Fingern. Tränen schossen ihm in die Augen, heiße Tränen. Er schüttelte den Kopf, war außer sich. Er wollte nicht mehr daran denken, nie wieder. Es war vorbei, es war unendlich lange her. Wer zum Teufel wollte schon glücklich sein? Erregung, Macht und glühendes Verlangen, darauf kam es an, sie ließen einen vergessen. Glück war harmlos dagegen.

Er stand auf und fuhr sich durch die zerwühlten Haare. Er wollte auf keinen Fall in den piekfeinen Klub der Nicolais. Er würde allein ausgehen. Er, der einsame Wolf. Wenn er allein durch die Stadt streifte, überkam ihn ein Gefühl unbezähmbarer Lust. Glück war etwas anderes. Was er empfand, lag auf der Schattenseite des Glücks, so wie Hass auf der Schattenseite der Liebe lag. Das eine trennte nur wenig vom anderen. Der einsame Wolf musste sich niemandem erklären. Was er den ganzen Morgen über getan hatte? Das ging sie rein gar nichts an. Sie hatte nicht weiter nachgebohrt, aber falls er sich auch in Zukunft mit den Nicolais abgab, würde sie sich nicht mehr so leicht zufriedengeben. Frauen wollten immer alles wissen. Er hasste Frauen. Auch Brub würde in seinem Leben rumschnüffeln, schließlich war er Schnüffler von Beruf.

Der Einsatz war höher mit einem Ermittler in seinem unmittelbaren Umfeld. Dix ging ins Bad, steckte den Rasierapparat ein und fing an, sich zu rasieren. Er hasste das Geräusch, dieses mahlende Surren. Er hätte sich auch nass rasieren können, aber in den Morgenstunden begannen seine Hände manchmal zu zittern, ohne Vorwarnung. Lieber eine Trockenrasur, als auffällige Schnitte an Wange und Kinn zu riskieren. Heute waren seine Hände allerdings vollkommen ruhig.

Er rasierte sich schnell, putzte sich die Zähne und gurgelte mit Mundwasser. Es ging ihm schon etwas besser. Unter der Dusche fühlte er sich wieder blendend. Den Abend mit den Nicolais zu verbringen wäre bestimmt kurzweilig. Vielleicht wollte sie ja doch, dass er kam. Vielleicht war ihre Gleichgültigkeit nur vorgetäuscht gewesen. Er wusste, wie er auf Frauen wirkte. Registrierte, wie sie ihn ansahen. Sylvia hatte er nichts angemerkt, aber Sylvia war klug. Solange Brub dabei war, würde sie sich nichts anmerken lassen. Er wollte sie wiedersehen.

Er trocknete sich ab und musste an sie denken. An ihre langen Glieder, ihre silberhelle Stimme, den Schimmer ihrer Haare. Eine Frau von diesem Kaliber musste er kennenlernen. Brub konnte sich glücklich schätzen. Er ließ das Handtuch auf den Boden fallen. Brub hatte sich schon immer glücklich schätzen können. Er erstarrte, als hätte eine kalte Hand sein Rückgrat berührt.

Ein Lachen platzte aus ihm heraus. Er konnte sich doch auch glücklich schätzen! Mehr noch, er war gerissen, geistreich, apart. Er ging aus dem Bad. Es war jetzt fast zwei Uhr. Er musste sich beeilen, wenn er das Apartment verlassen haben wollte, bevor die hässliche Alte kam, um ihren Besen zu schwingen.

Er zog ein blaues Hemd, blaue Hosen und bequeme Slipper an. Kein Sakko. Die Fenster standen offen. Es war ein schwüler Tag. Im September war es hochsommerlich warm in Kalifornien. Er kramte sein Portemonnaie, seine Schlüssel und ein paar Kleinigkeiten aus den Taschen des Anzugs, den er am Vorabend getragen hatte, und legte ihn zusammen. Dann öffnete er den Kleiderschrank und nahm die anderen Sachen, die zur Reinigung mussten, an sich. Er hatte es geschafft, noch war die Putzfrau nicht da, und er konnte jetzt los. Als er das Apartment verließ, klingelte das Telefon. Er ging nicht zurück.

Die Garage lag einen halben Block entfernt auf der Rückseite von Virginibus Arms, ein weiterer Vorteil von Terriss’ Apartment. Keine schlaflosen Nachbarn, die ein Auge darauf hatten, wann man kam und ging. Eine kleine Nebenstraße führte zur Garage, direkt gegenüber war ein unbebautes Grundstück. Er schloss die Garage auf. Einen hübschen Wagen hatte Terriss ihm da überlassen. Etwas Auffälligeres wäre ihm zwar lieber gewesen, ein Cabrio oder ein Brougham, aber ein schwarzes Coupé hatte auch etwas für sich. Schwarze Coupés sahen nachts alle gleich aus. Er fuhr los.

Er lieferte seine Sachen in der Reinigung auf dem Olympic Boulevard ab, bog auf den Beverly Drive und hielt beim Deli. Er hatte Hunger. Er kaufte sich eine Frühausgabe der News, aß beim Lesen zwei Sandwiches mit geräuchertem Truthahnschinken und trank ein Bier. Der Laden war beliebt und auch so spät noch recht voll. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Gedämpftes Stimmengewirr, wie in einem Klub.

Die Zeitungslektüre war nicht der Rede wert. Erst las er die Überschriften, dann die Cartoons, die Klatschspalten, die Kolumnen von Kirby, Weinstock und Pearson. Er ließ sich Zeit mit seinem Bier. Er studierte das Kinoprogramm, ab und an ging er in eine Nachmittagsvorstellung. Aber heute war es zu spät dafür. Er musste Sylvia Nicolai anrufen.

Nachdem er gegessen hatte, kaufte er sich in der Owl Drug Company eine Stange Philip Morris. Es war nach drei Uhr. Die Alte hatte das Apartment inzwischen wieder verlassen, er konnte jetzt zurückgehen, Sylvia anrufen und noch eine Runde schlafen, bevor er die Nicolais in ihrem Klub treffen würde; die Nachmittagshitze und das Bier hatten ihn müde gemacht. Oder er schrieb endlich an Onkel Fergus. Der alte Spinner erwartete jede Woche einen Brief von ihm. Zuletzt hatte er ihm vor zwei Wochen geschrieben. Onkel Fergus würde es fertigbringen, ihm keine Schecks mehr zu schicken, wenn er seinen verfluchten Brief nicht bald bekäme. Er würde ihm schreiben, dass er krank war. Vielleicht konnte er die Summe in die Höhe treiben, vielleicht brauchte er Geld für den Arzt, vielleicht hatte er sich in Übersee etwas zugezogen, das behandelt werden musste. Rücken- oder Nierenprobleme. Nur nichts zu Schwerwiegendes. Onkel Fergus durfte ihn auf keinen Fall zurück an die Ostküste beordern.