Ein Sechserpack im Kuhstallfieber - Petra Gürtler - E-Book

Ein Sechserpack im Kuhstallfieber E-Book

Petra Gürtler

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Beschreibung

In einem Kuhstall wohnen Kühe und kauen träge vor sich hin! Nicht so auf dem Braunerhof im bayerischen Niederbach. Hier haben ganz besondere Vier- und Zweibeiner und auch die total verrückte Kuhstallbande ihr Zuhause. Zwischen Laptop und Mistgabel müssen so manche Probleme gelöst werden und dafür sind die anstehenden Sommerferien perfekt geeignet. Was hat eine Schülerin aus Leipzig mit der Kuhstallbande am Hut? Wieso braucht man zur Rettung eines Pferdekindes jede helfende Hand und grandiose Ideen und wird schließlich die Rettungsaktion erfolgreich sein? Welche Vorlieben hat Isidor der Esel, was sind "Dampfnudeln" und was verbindet zwei Großväter, die sich gar nicht kennen? Antworten darauf geben Luisa, Bea, Berti, Wolle, Sissi und Juli – die total verrückte Kuhstallbande! Das dottergelbe Sommerabenteuer begeistert Stadtratten und Landeier gleichermaßen und am Ende würde jeder gerne zur Kuhstallbande gehören …!

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Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Petra Gürtler

Ein Sechserpack im Kuhstallfieber

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Bald sind Sommerferien!

Hilfe für Ankas Fohlen!

Viel Arbeit – doch Verstärkung naht!

Was eigentlich kann Bea gut?

Wir übernachten im Heu!

Ein Schreck in der Morgenstunde und die Aufnahmeprüfung !

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Handzettel wollen verteilt sein!

Überraschungen im Kuhstall!

Letzte Vorbereitungen

Wolkenbruch und Talerhagel

Katholisch in Bayern

Was wird aus Asterix und Ankas Fohlen?

Kartoffelfeuerparty!

Bayerisches Brauchtum und Jagdlatein!

Schwammerl und Zwetschgenernte

Stadtbummel und türkischer Tee

Gehversuche und Katzenerziehung

Noch mal gut gegangen

Lauter gute Nachrichten

Überraschungen am laufenden Band

Es klappert die Mühle...

Impressum neobooks

Bald sind Sommerferien!

„Am schönsten, am wirklich allerschönsten ist es bei uns im Sommer. Wenn man über die Wiesen zum Waldrand blickt, die Mittagsluft in der Hitze flimmert und dabei Bienen von Blüte zu Blüte trägt. Am Morgen glitzern die Wiesen wie ein Teppich aus Edelsteinen, sobald die ersten Sonnenstrahlen auf Tautropfen an Blumen und Gräsern treffen. In dieser Zeit glaubte ich schon oft, eine huschende Elfe gesehen zu haben! Aber dann war es doch wieder nur ein wunderschöner, bunter Schmetterling! Abends, kurz nach Sonnenuntergang machen wir in den Ferien oft ein Lagerfeuer. Darin braten wir Kartoffeln und Würstchen am Spieß, das macht unendlich viel Spaß und schmeckt besser als das beste Festtagsessen. Das Allerbeste am Sommer ist aber, wenn wir alle gemeinsam im Kuhstall übernachten, mit Taschenlampe und Gruselgeschichten und mit „ohne“ Handy! Sonst wäre es ja nur halb so gruselig, wenn man gleich die Eltern zu Hilfe holen könnte. Aber das wirst du alles bald selbst erleben ..., “ schrieb Luisa in den Brief an ihre Freundin Bea aus Leipzig. Gerade als sie noch die Bewohner des Kuhstalls einzeln und ganz persönlich vorstellen wollte, traf sie etwas hinter dem Ohr. Erschrocken suchte sie nach einem Käfer oder ähnlichem Getier, fand aber nur eine Papierkugel, die ihr eben unter den nackten kleinen Zeh des linken Fußes rollte. Gelächter ertönte hinter dem Heckenzaun, der den „Braunerhof“, Luisas Zuhause, vom Nachbargrundstück trennte. Luisa schnappte sich wütend eine geschrumpelte Kastanie, die im letzten Herbst vom Baum gefallen war, an dessen Stamm gelehnt sie den Brief an ihre Freundin schrieb. Gekonnt schleuderte sie diese als Antwort über die Hecke. „Aua!“, sie hatte getroffen! Berti und Wolle, die Nachbarsbuben und ihre Freunde, seit sie denken konnte, quetschten sich durch eine Öffnung in der Hecke, die ihnen als Durchgang diente, wenn es schnell gehen musste. Übrigens musste es dauernd schnell gehen. „Die Papierkugel aus meinem Blasrohr ist aber bedeutend weicher gewesen!“, murrte Wolle, wobei er sich eine Stelle am Hinterkopf rieb. Luisa lachte und machte ein betont mitleidiges Gesicht, als sie fragte: „Hast du dich etwa gestoßen?“ Wolle hieß eigentlich Wolfgang, aber außer seinen Eltern nannte ihn keiner so. Auch sein Bruder Berti war ursprünglich auf den Namen Albert getauft, aus Tradition nach seinem Vater, der auch so hieß, wie der Großvater und der Urgroßvater...! Berti war der Ältere, zählte zwölf Jahre und ging in die sechste Klasse der Realschule in der „Stadt“, die zwanzig Kilometer entfernt lag. Er fuhr täglich mit dem Bus dahin und kam während der Schulzeit erst am Nachmittag nach Hause. Wolle war so alt wie Luisa, genau eine Woche und einen Tag jünger, weshalb sie ihn, wenn sie ihn ärgern wollte, als den „Kleinen“ bezeichnete. Beide waren zehn und gingen gemeinsam in die vierte Klasse der Grundschule im Dorf. Wobei wir beim schönsten Ort der Welt angekommen wären, so nannte Luisa Niederbach, das Dorf, in dem sie zuhause waren. Es hieß so, weil es am unteren Lauf eines kleinen Baches lag, der ungefähr 18 Kilometer entfernt von Niederbach in die größere Altmühl mündete. Wolle und Berti hatten noch einen vierjährigen Bruder namens Juliander! Der, wie man sich denken kann, von allen nur „Juli“ gerufen wurde. Selbst von seinen Eltern, aber das ist bei den „Jüngsten“ häufig so! Nur wenn er mal wieder etwas ausgefressen hatte, ertönte für alle Nachbarn hörbar ein strenges „Juliander“ aus dem Mund seiner Mutter über den Hof. „Hör endlich auf, ständig Briefe oder andere Literatur zu verfassen! Es gibt Wichtigeres zu tun! Sissi hat etwas Besorgniserregendes erfahren. Treffen, in einer halben Stunde im Kuhstall, bis dahin muss ich noch Gitarre üben!“, murrend vor Unlust auf musikalische Übungseinheiten trollte Berti sich zurück durch die Hecke, während Wolle sich neben Luisa ins Gras plumpsen ließ und gleich darauf wieder einen Schmerzensschrei ausstieß, worauf er unter seinem Hinterteil eine weitere Kastanie als Übeltäter entlarvte. Wieder musste Luisa lachen, war aber doch neugierig zu erfahren, was denn ihre gemeinsame Freundin Sissi für schlechte Nachrichten habe. Wolle jedoch schüttelte rachsüchtig den Kopf und erklärte: „Wer so schadenfroh ist, muss eben noch eine halbe Stunde auf die Neuigkeiten warten. Schreib weiter an deinem Roman, bis später!“, beleidigt schmollend verschwand er gleich seinem Bruder in der Hecke. Luisa wandte sich wieder ihren Zeilen zu. Heute war es nur ein Brief an ihre Brieffreundin in Leipzig, aber Luisa schrieb auch gerne Geschichten, die sie erlebt hatte oder die sie erfand. Doch jetzt war der Brief wichtiger. Bea hatte sie im Internet kennen gelernt, als diese in einem Chat auf der Suche nach einer Brieffreundin gewesen war. Meist schrieben sich die beiden einen Brief pro Woche. Doch in den letzten Osterferien hatten sie sich persönlich getroffen. Luisa war mit ihren Eltern zu einem Kurzurlaub in der Gegend von Leipzig gewesen. Sie hatten dort einen Freizeitpark besucht und auf dem Heimweg Bea besucht, wo sie schon mal in der Gegend gewesen waren. Die Mädchen hatten sich gleich gemocht und die Eltern waren einverstanden gewesen, dass Bea einen Teil der Sommerferien auf dem Braunerhof verbringen sollte. Seit dieser Zeit schrieben sie sich auch manchmal eine E-Mail oder telefonierten, immer wenn es was Eiliges gab, aber bei dem wöchentlichen Brief war es trotzdem geblieben. Dieser war nun der Letzte, bevor Bea am kommenden Freitag auf dem Bahnhof der Kreisstadt eintreffen sollte. „Endlich lernst du dann auch meine Freunde kennen, du weißt schon, Sissi, Berti und Wolle und natürlich den kleinen Juli. Den findest du bestimmt ganz reizend, wie du immer zu sagen pflegst. Aber pass bloß auf, dass ihm das nicht zu Ohren kommt. Er reagiert äußerst wütend, wenn er wie ein Baby behandelt wird. Natürlich freue ich mich auch besonders darauf, dir die Bewohner des Kuhstalls vorzustellen. Pick, Peck und Pack, unsere Hühner, besonders glücklich und Hersteller von Eiern, bessere gibt es nicht! Grummel, den alten Ziegenbock nicht zu vergessen. Wenn er schlecht gelaunt ist, droht er ganz fürchterlich mit seinen Hörnern, aber keine Angst, es bleibt beim Drohen! Meistens ist er verschmust und möchte ständig unter seinem Bart gekrault werden. Dann hätten wir noch Isidor, den Esel. Den hat Papa mal einem Wanderzirkus abgekauft. Weil er zu stur war, um mit dem Clown aufzutreten, wollten die ihn zum Schlachter bringen. Genau 36 und eine halbe Stunde habe ich dazu gebraucht, um Papa von dem Kauf zu überzeugen. Jetzt ist Isidor eine Seele von einem Esel, zufrieden und lässt fast jeden auf sich reiten. Und zu guter Letzt natürlich Leopold. Von ihm habe ich Dir ja schon oft erzählt, er ist die Liebe meines Lebens! Er hat die treuesten Pferdeaugen der Welt. Alle Haflinger wie Leo haben treue Augen, aber er blickt dir damit direkt ins Herz. Sicherlich bist du da mit mir einer Meinung, wenn du ihn erst gesehen hast.“ Luisa warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Entsetzt stellte sie fest, dass die anderen bereits im Kuhstall warten würden und fügte schnell noch einen Schlusssatz an: „Nun muss ich mich aber beeilen, wir haben ein Krisentreffen im Kuhstall. Keine Ahnung was los ist, ich erzähl es dir dann am Freitag. Oh mein Gott, dann sind endlich Sommerferien!“

Hilfe für Ankas Fohlen!

Sissi spähte bereits ungeduldig über den Rand des ehemaligen Heubodens im Kuhstall. Hier, wo in früheren Zeiten das Heu für den Futtervorrat im Winter gelagert wurde, war vor zwei Jahren mit Hilfe von Luisas Vater ihr Clubraum entstanden. Jedenfalls auf einer Seite des Kuhstalls. An der anderen lagerte im Erdgeschoss das Brennholz für den Kachelofen im Haus und oben drüber war noch ein Rest Heuboden geblieben. Schließlich gab es immer noch tierische Bewohner im Kuhstall, wenn es auch keine Kühe mehr waren. Leopold, Isidor und Grummel wohnten jetzt unter dem Clubraum, wo früher Milchkühe in Reih und Glied gestanden hatten, jeder in einer geräumigen Box. Den Rest des Platzes beanspruchten Pick, Peck und Pack als Hühnerhaus, mit gemütlichen Sitzstangen und Legestellen für die Eier. Natürlich hielten die Tiere sich nur bei kaltem Wetter und nachts dort auf. Jetzt, bei herrlichem Sonnenschein, tummelten sich Haflinger Leopold, Esel Isidor und Ziegenbock Grummel, gemeinsam auf einer großen Koppel hinterm Kuhstall. Auch die Hühner konnten ihr gemütliches Hühnerhaus durch eine Öffnung und über eine sogenannte Hühnerleiter verlassen, und sich in einem geräumigen, eingezäunten Pferch, mit dem Aufpicken von Körnern und Würmern vergnügen. Der Clubraum hatte eine Mauer bekommen, da wo früher alles nach unten offen gewesen war, damit man die Heuballen bequem rauf und wieder runter befördern hatte können. Ganz vorne musste man aber immer noch über eine Leiter nach oben steigen, was Luisa gerade tat und von oben hagelte es gleichzeitig Vorwürfe von Sissi, wegen Luisas Verspätung. „ Ich bin ja schon da. Was gibt es überhaupt so Dringendes?“, versuchte sie ihre Freundin zu beruhigen. Beide betraten gemeinsam durch eine alte, schwere Holztüre den Clubraum. Die Buben warteten bereits, auch Juli war da. In der einen Ecke gab es eine gemütliche Eckbank mit Tisch, die ehemals in der Küche des Braunerhofes gestanden hatte. Gegenüber hatte Luisas Vater einen betagten Holzofen aufgestellt und ihm ein Ofenrohr nach draußen verpasst. So war der Clubraum notfalls auch wintertauglich. Außerdem gab es noch mit Stroh gefüllte Säcke, die auf einem Haufen am Boden lagen und immer dann zum Einsatz kamen, wenn die Clubsitzungen sich in die Länge zogen. Da Wolle, Berti und Juli bereits jeder auf einem Strohsack Position bezogen hatten, wurde Luisa schnell bewusst, dass wirklich ein größeres Problem ins Haus stehen musste. Schnell zog sie sich also ebenfalls eines der bequemen Lümmelmöbel an einen freien Platz und sah Sissi erwartungsvoll an. „Also, nun noch mal für alle und diesmal ausführlich, “ begann diese ihre Berichterstattung: „Wie ihr wisst, steht auf dem Gestüt von den Dachsbergers die Stute Anka. Ihr Besitzer, ein gewisser Herr Goldbach, hat mit ihr jahrelang internationale Springturniere gewonnen, aber jetzt ist sie zu alt dafür. Um springtalentierten Nachwuchs von ihr zu bekommen, wird sie nun zur Zucht verwendet. Gestern also, ich hatte gerade mein Pflegepferd Rosi versorgt, erzählte mir Herr Dachsberger, dass in der Nacht zuvor Ankas erstes Fohlen zur Welt gekommen war. Er blickte dabei recht sorgenvoll drein und als ich rasch zu Ankas Box ging und das Stutfohlen sah, wusste ich auch gleich warum. Das Kleine hat eine Behinderung an der rechten Vorderhand, Sehnen sind nicht richtig ausgebildet und was weiß ich noch alles. Auf jeden Fall kann sie so nicht normal laufen und springen auf einem Turnier wird sie sowieso nie können.“ Betretene Stille folgte im Clubraum. Pferdenarren waren zwar nur die beiden Mädchen, aber auch die Jungs hatten viel für Tiere übrig. „Und wird es wieder gesund?“, wollte Juli wissen, wobei er tapfer versuchte ein Tränchen zu verbergen. Sissi schüttelte den Kopf und erklärte: „Von alleine auf keinen Fall. Der Tierarzt sagt, es müsste operiert werden und auch dann gäbe es keine Garantie, dass es jemals richtig laufen könne. Eine Springpferdkarriere sei ausgeschlossen, aber wenn die Operation gelingt, könnte sie ein ganz normales Reitpferd werden.“ Berti meldete sich zu Wort: „Und der Haken an der Sache ist wohl, dass der gewinnsüchtige Springreiter Goldbach das Geld nicht investieren will, stimmt `s?“ Sissi nickte nur. Luisa richtete sich entrüstet in ihrem Strohsack auf und rief: „Aber da müssen wir doch was tun! Das arme Tier! Was wird so eine Operation denn kosten?“ Sissi antwortete: „Auch darüber bin ich bereits informiert. Tausend Euro die Operation und nochmals tausend für die Nachbehandlung!“ Wolle blies vielsagend die Luft durch seine Zähne. Das Pfeifen, das dabei entstand, blieb das einzige Geräusch im Raum. „Unmöglich!“, fügte er schließlich hinzu. Sissi wurde sauer: „Nichts ist unmöglich, wenn man es wirklich will! Wir müssen eben auf jede mögliche Weise Geld beschaffen!“ Berti lachte laut und meinte: “Logisch, morgen überfalle ich die Bankfiliale, Luisa stiehlt ihren Großvater seine goldene Taschenuhr und Sissi, du könntest doch den Wagen deines Vaters bei E-Bay versteigern! Da müssten sicherlich 2000 Euro rauskommen und noch einiges mehr.“ Luisa winkte ab: „Es ist keine Zeit für blöde Scherze. Es muss eine Möglichkeit geben. Wir könnten doch einen Flohmarkt bei uns im Kuhstall abhalten. Vielleicht Samstag in zwei Wochen. Bis dahin betteln wir überall nach altem Zeug und in der Stadt und den Dörfern ringsum verteilen wir Flyer als Werbemaßnahme. So werden viele Leute kommen und natürlich werden wir auch darauf hinweisen, dass der Erlös für einen guten Zweck und zwar für Ankas Fohlen bestimmt ist!“ Die anderen waren begeistert, zumindest Sissi und Juli. Berti und Wolle dachten an die Massen von Arbeit, die das Ganze machen würde, stimmten aber letztendlich zu. Sissi hatte noch eine Idee: „Jeder von uns könnte bis dahin zusätzlich noch etwas machen, was er besonders gut kann. Berti, du liebst doch Traktoren! Frag doch mal im Dorf, ob du die Dinger für die Leute putzen darfst. Bestimmt zahlt jeder 5 Euro für einen blitzblanken Traktor. Luisa könnte bei den älteren Leuten fragen, ob sie einen Brief für sie schreiben kann. Alte Menschen haben doch oft Probleme mit dem Sehen und so. Ein bis zwei Euro pro Brief müssten drin sein.“ Luisa war sofort einverstanden, Berti brummte bei dem Gedanken an noch mehr Arbeit ein wenig, gab aber doch seine Zustimmung. Dann fiel ihm Sissis Begabung fürs Backen ein und er schlug vor: „Du kannst Kuchen backen, für ein Kuchen- Büffet am Flohmarkttag. Verkauft sich bestimmt auch ganz gut und irgendeine Arbeit brauchst du schließlich auch!“ Er grinste und bekam sofort Sissis Strohsack an den Kopf, doch auch sie musste zugeben, dass es eine gute Idee war, zusätzlich Kuchen anzubieten. Juli schaute etwas belämmert drein und fragte: „Was kann ich eigentlich gut?“ Wolle fiel sofort was ein: „Dich finden immer alle so niedlich! Du kannst mit Grummel zu den Leuten gehen und für die Tierarztkosten sammeln. Grummel hängen wir ein Schild um, auf dem alles Wichtige steht, dann brauchst du nichts zu sagen. Ist doch o.k., oder?“ Julis Augen leuchteten und nur weil es noch kein Schild für Grummel gab, konnten die anderen ihn abhalten, sofort loszugehen. Sissi fragte plötzlich: „Und du Wolle, was machst du?“ Wolle rieb sich das Kinn und meinte: „Da muss ich noch nachdenken!“ Tja, das war Wolles Lieblingssatz, doch meist blieb es beim Nachdenken. Luisa wollte ihn schon eindecken, mit einer ganzen Liste von Flohmarktvorbereitungen. Doch da kam Berti ihr zuvor: „Wir brauchen Flohmarktstände! Wolle, wer ist denn in unserer Mitte der grandioseste Handwerker?“

Viel Arbeit – doch Verstärkung naht!

Endlich, ein letztes Mal in diesem Schuljahr läutete die Schulglocke und ungefähr zweihundert Grundschüler aus Niederbach und den Nachbardörfern stürmten aus dem Gebäude. Einige von ihnen taten dies ebenfalls zum letzten Mal, nicht nur für dieses Jahr! Alle aus der 4. Klasse, unter ihnen auch Wolle und Luisa. Beide gingen etwas langsamer und bedrückter neben einander her, als sie das an gewöhnlichen Schultagen oder gar am letzten Schultag normaler Weise taten. Luisa deshalb, weil sie im neuen Schuljahr eine andere Schule besuchen würde und dem mit gemischten Gefühlen entgegen sah. Eigentlich wollte sie später einmal aus dem Braunerhof ein Gestüt machen und Pferde züchten. Aber auch das Schreiben von Geschichten machte ihr viel Spaß, sie stellte es sich unheimlich spannend vor, für ein Fachmagazin über Pferde Berichte und Artikel zu schreiben. Ihre Eltern hatten ihr erklärt, dass man noch nicht wissen könne, was sie später mal machen werde. Außerdem bräuchte man auch als Pferdezüchter eine gute Ausbildung und als Journalistin, wenn auch nur für Pferdemagazine, sowieso. Da ihre Noten sehr gut waren, hatten sie sich gemeinsam für das Gymnasium in der Stadt entschieden. Leider sollte Wolle dann nicht mehr in ihre Klasse gehen, was eine ganz neue Erfahrung für Luisa sein würde. Wolles Noten waren nicht so berühmt, auch ein Grund, für sein betretenes Gesicht auf dem heutigen Nachhauseweg. Lernen war nicht so unbedingt sein Ding! Ungefähr zu Anfang der 3. Klasse hatte seine Mutter es aufgegeben, ihm die Lernerei schmackhaft zu machen. Als Loben und gutes Zureden, Schimpfen und Verbote und selbst eine größere Standpauke des Vaters nichts genutzt hatten, ließ sie ihn gewähren. Ihr Sohn baute eben viel lieber an seinem Baumhaus, half seinem Vater auf dem Feld oder im Schweinestall und reparierte alles, was auf dem Hof seiner Eltern kaputt ging. Sein Traum war es Bauer zu werden. Bauer und nichts anderes, wie sein Vater, sein Großvater und auch sein Urgroßvater schon. Deshalb fand er, dass er auf der Mittelschule gut aufgehoben war und wollte nach der neunten Klasse die Landwirtschaftsschule besuchen. So wäre er dann Bauer mit „Diplom“ und könnte sich für den Rest seines Lebens nur noch mit schönen Dingen beschäftigen. Schweigend schlenderten die beiden nebeneinander her. „Luisa!“, sagte Wolle. „Hm!“ antwortete sie. „Denkst du wir werden Freunde bleiben, wo du doch so viele neue Freunde finden wirst im nächsten Jahr?“ Luisa rempelte ihn in die Seite und schimpfte: “Was ist das denn für eine blöde Frage? Natürlich bleiben wir Freunde. Sissi ist doch auch unsere Freundin geblieben und geht schon ein Jahr auf das Gymnasium. Die Nachmittage, die Wochenenden und die Ferien gehören uns doch immer noch gemeinsam. Schließlich sind wir die Kuhstallbande, oder?“ Wolle grinste erleichtert und war gar nicht mehr so niedergeschlagen wegen der Noten und der Schule und alldem. „Eben, so ein Quatsch!“ stimmte er Luisa zu. „Außerdem sind jetzt erst mal Ferien und wir haben noch eine Menge Arbeit zu erledigen. Wahrscheinlich werde ich heute noch fertig mit dem Bau der Stände. Kommst du sie dir heute Abend ansehen?“ Luisa ging in Gedanken ihren Terminplan durch. Um drei Uhr hatte sie versprochen bei der alten Oma Hohner vorbei zu kommen, um sich einen Brief an deren Schwester diktieren zu lassen. Es war übrigens bereits der fünfte, den sie im Laufe der Woche schrieb. Ihre Auftraggeber waren alle sehr großzügig gewesen, als sie hörten, worum es bei der Sache ging. 43 Euro hatte sie bereits mit Briefeschreiben verdient und noch sechs Aufträge warteten darauf, ausgeführt zu werden. Um 17.00 Uhr wollte sie mit ihren Eltern dann schon zum Bahnhof in die Stadt aufbrechen, denn um 17.38 sollte der Zug mit Bea ankommen. „Weißt du was, “ entschied sie deshalb kurzer Hand, „ich komme dann gleich mit Bea, wenn wir vom Bahnhof zurück sind. Vorher schaffe ich es nicht. Aber dann bist du der Erste, der sie kennenlernt, ist doch auch was, oder?“ Wolle war einverstanden und mittlerweile hatten sie auch schon den Braunerhof erreicht und verabschiedeten sich, bevor Wolle ausnahmsweise den Weg über die Straße zum Hof seiner Eltern nahm. Dieser hatte übrigens den Beinamen „Müllerhof“, weil der kleine Bach von Niederbach über das Grundstück verlief und in früheren Zeiten die Vorfahren der drei Buben zusätzlich eine Mühle am Bach betrieben hatten. Die Mühle stand immer noch an Ort und Stelle, war zwar etwas baufällig geworden, aber Mühlrad und Mühlenwerk funktionierten noch recht gut. Im August feierten sie jedes Jahr das Mühlenfest, zu dem das ganze Dorf eingeladen war. Den gesamten Abend über ließ man dann das Mühlenwerk laufen, was ein herrliches Klappern bescherte. Kurz dachte Wolle noch einmal an sein Zeugnis, das er seiner Mutter gleich präsentieren musste, doch da stürmte Juli bereits aus der Haustür und krähte lautstark: “Wo bleibst du denn so lange? Mama hat Dampfnudeln zu Mittag gemacht, mit Vanillesoße! Komm doch endlich!“ Schon waren Wolles Zeugnisgedanken wieder verscheucht, so schlechte Noten gab es nicht, die einem den Appetit auf Dampfdudeln mit Vanillesoße verderben konnten.