Ein seltsames Paar - Peter Burkey - E-Book

Ein seltsames Paar E-Book

Peter Burkey

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Beschreibung

Eine Shortstory, die harmlos beginnt, für den Helden jedoch tragisch endet. Er wird konfrontiert mit Dingen, die seinem Leben bisher fremd waren: Gewalt, Tod, Sex, der Liebe. Ein sympathischer, harmloser Sonderling, der auf eine Probe gestellt wird. Er kann sich vor dem Leben, so, wie es wirklich ist, nicht bewahren.

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Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Ein seltsames Paar

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Ein seltsames Paar

Impressum neobooks

Ein seltsames Paar

    Jansson sah auf die Uhr: 17:35 Uhr, wie immer, wenn er abends nach der Arbeit an der Bushaltestelle stand. Und wie immer seit nunmehr 20 Jahren würde er um 17:38 Uhr in die stets pünktliche Linie 60 einsteigen, auf seinem Platz seine Zeitung lesen, an seiner Haltestelle aussteigen, sich zu Hause noch etwas zu Essen machen, abwaschen, die Tagesthemen anschauen, nach dem Zähneputzen in seinen gebügelten Pyjama steigen und um punkt 23:10 Uhr die Nachttischlampe löschen. Um 6:25 Uhr würde er aufstehen, um 7:30 Uhr würde er wieder an seinem Büroschreibtisch sitzen.

Die fahle Novembersonne war gerade untergegangen. Das diesige Grau, das schon den ganzen Tag über der Stadt gelastet hatte, ging schnell in eine schwere Dämmerung über. Pünktlich hielt der Bus vor ihm. Zufrieden stieg der Mann ein, grüßte kurz seinen Busfahrer Hinnerk Lachmann, ein treuer Freund, mit dem er pro Jahr ungefähr zehn Sätze wechselte, und setzte sich auf den gleichen Platz wie immer, fünfte Reihe Fahrerseite, Fensterplatz. Nachdem er seine Gläser mit seinem säuberlich gefalteten Baumwolltaschentuch geputzt hatte, entdeckte er, dass er der einzige Fahrgast war.

„Mensch Hinnerk, dein Bus ist ja ganz schön leer heute, was?“

„Meinen Sie mich? – Ich bin nicht Hinnerk. Der ist krank! Mein Name ist Michelsen!“

„Ach so...aha...na ja...dann entschuldigen… Sie...!“

Jansson wischte mit dem Ärmel seines schwarzen Trenchcoats über die beschlagene Scheibe. Doch auch dann war die Gegend kaum zu erkennen, da der nieselige Niederschlag sich mit einem nebelartigen Dunst vermischte. Ob der Fahrer den Weg denn genauso gut kannte wie Hinnerk? Ein beklemmendes Gefühl stieg in Jansson auf. Das war ihm alles gar nicht recht...

Plötzlich quietschten die Reifen. Janssons Körper wurde von der Wucht der Bremsung erfasst und schlug nach vorne. Im Reflex fing er den Stoß ab, indem seine Unterarme gegen die Lehne des Sitzes vor ihm prallten. Der Fahrer hatte eine Vollbremsung hingelegt. Der Bus stand. Jansson beugte sich zur Seite, um nach vorne zu sehen. Im Scheinwerferlicht des Busses erkannte er zwei Menschen, die in geringer Entfernung mitten auf der Fahrbahn standen und mit den Armen gestikulierten. Sie setzten sich in Bewegung zur Tür und trommelten dagegen, bis der bestürzte Fahrer endlich nach langen Sekunden des Zögerns die zischende Hydraulik betätigte.

Ein seltsames Paar stürmte herein, beide waren außer Atem, sie sahen sich noch einmal nach hinten um, ganz so, als ob sie verfolgt würden. Mit einem kaum kontrollierten Stoßen drängte er sie aufgeregt nach vorne. „Na mach schon, du Schlampe!“ rief er gehetzt, und zum Fahrer gewandt: „Und du bring uns weg von hier, aber bisschen dalli!“

Er war groß und fett und kahlköpfig, haarige tätowierte Arme und haariger Bauch, Lederweste einer Motorradgang, schwankend, kleinschrittig. Der Schweiß lief ihm von der Stirn über die großporige Haut des roten Gesichtes. Er stank nach Alkohol. Seine Begleitung war bedeutend jünger als er, aus einem blassen, reinen Teint strahlten blaue Augen und ein glänzender, kirschroter Mund. Der schwere Mohairmantel stand oberhalb der Taille offen, darunter trug sie offenbar nichts als ihre regenfeuchte, nackte Haut. Jansson bemerkte, dass die blonde Frau schön war. Die beiden platzierten sich auf der anderen Seite des Ganges, direkt gegenüber. Trotzdem schienen sie ihn zu übersehen. Der Bus setzte sich wieder in Bewegung.